Zur ausschlaggebenden Bedeutung von Geld im gesellschaftlichen Kontext: (Raimund Dietz, 2015) Geld und Sinn

Dr Raimund Dietz                                                             Trainer, Coach, Geldphilosoph

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Geld und Sinn

Geld ist sinnneutral, verlangt aber nach Sinnorientierung. Ohne Geld kann es keinen Reichtum geben. Geld-Reichtum ohne Sinn ist hingegen Wahnsinn

  1. Sinn ist Qualität, Geld Quantität.
  2. Sinn ist Orientierung auf ein Was: Was wünsche ich mir? Was soll sein, was nicht? Was tut mir gut? Was ist besser? Oder wir befragen uns selbst (Meta-Ebene): Warum will ich das? Gibt es einen anderen Blickwinkel, aus dem ich meine Bedürfnisse/Wünsche überlegen sollte?
  3. Geld gibt den Menschen einen Maßstab in die Hand, durch den sie rechnen können, ob sich eine Handlung (Aktion, Projekt, Unternehmen) lohnt oder nicht. Sie lohnt sich dann, wenn nach Abzug der Kosten (Auslagen, Aufwendungen, Mühen … ) mehr bleibt als zuvor vorhanden war. Wir brauchen Geld zum Rechnen. Zwar ist die Wirtschaft für den Menschen und nicht der Mensch für die Wirtschaft da. Aber nur durch die Rechnung in Geld kann aussortiert werden, welche Bedürfnisse mit welchen Mitteln am effektivsten zu befriedigen sind. Würden wir diesen Maßstab nicht haben – und es gibt keinen anderen – würden wir Mittel verschleudern und uns damit ärmer machen. Der Rechenstift zeigt auf, wo wir Mittel frei setzen können, auf daß sie in effektiveren (zusätzlichen wertschaffenden) Prozessen eingesetzt werden können. Geld und Kapitalrechnung ist ein Werkzeug, das Strukturen zerstört und neue aufbaut – zerstört, um Verluste zu vermeiden, und aufbaut, weil Geld nicht brach liegen will. Das treibende Motiv ist immer der Gewinn.
  4. Geld ist also Selektionskriterium. Der Wünscher und Kreative in uns hat die Idee, der Geldmensch in uns ist der Rechner. Die Idee ist immer eine Qualität, Geld reine Quantität.
  5. Wir brauchen Geld aber nicht nur zum Rechnen, sondern auch um den Austausch in einer arbeitsteiligen Welt durchführen zu können. Es ist nicht so, daß Spezialisierung und Arbeitsteilung vorhanden wären und nur durch Geld erleichtert würde. Geld macht Arbeitsteilung, Spezialisierung und wirtschaftlichen Wohlstand erst möglich.
  6. Ohne Geld wäre die Menschheit – von gelegentlichem Austausch einzelner Produkte abgesehen – auf der Stufe der Selbstversorgung stehen geblieben. Es gäbe keine Individualität, es gäbe keine Gesellschaft in der uns bekannten Ausdehnung und Form. Geld vereinfacht und erlaubt den Aufbau komplexer Strukturen. Ohne Geld gäbe es nur kleine Gemeinschaften und primitives Hordenwesen. Ohne Geld müßten wir im Mangel und Elend leben. Es gibt viele Dinge, die uns Menschen das Leben leichter machen, unsere Produktivität erhöhen und unsere Möglichkeiten erweitern. Keines ist aber so bedeutend und universell wirksam wie Geld. Das liegt an seiner Funktion und an seiner beinahe kostenlosen Herstellung. Ohne Geld gibt es keine Entwicklung. Geld ist die produktivste Erfindung des Menschen.
  7. In entwickelten Gesellschaften ist Geld das Lebensmittel. Es macht satt, es gibt Sicherheit, es gibt Macht (man kann damit was machen), unser aller Lebensgefühl ist davon abhängig, ob wir über hinreichend viel Geld verfügen können. (Was als hinreichend empfunden wird, ist sehr subjektiv.)
  8. Wir alle benutzen Geld. Aber kaum einer hat begriffen, was Geld ist und leistet. Geld ist nicht Schmiermittel einer Maschine = Wirtschaft, sondern Baustein eines komplexen Organismus = Wirtschaftsgesellschaft. Nimm der Maschine das Schmiermittel, wird sie heißlaufen. Nimm Geld aus der Wirtschaft, wird sie sich in Nichts auflösen. Man würde ihr den Nervus Rerum ziehen.
  9. Geld ist nicht neutral. Neutral ist es nur als Schmiermittel der Wirtschaft, verstanden als Maschine: eine kleine Maschine kommt mit wenig Schmiermittel aus, eine große braucht entsprechend mehr (Geld besitzt annähernd Neutralität in Bezug auf seine Quantität). Geld macht aber einen großen qualitativen Unterschied: sowohl was das System und Systemverhalten betrifft als auch was das Lebensgefühl der Menschen betrifft. Geld verändert die Welt. Dazu einige Bemerkungen.
  • Geld befreit oder lindert zumindest die Tragödie des Mangels und gestattet die Entwicklung des Potentials der Menschheit. Systeme ohne Geld sind allesamt durch Mangel gekennzeichnet. Güter sind knapp. Menschen leiden an Mangel. Geldsysteme sind in der Tendenz Wirtschaften mit einem Überhang an Gütern: Güter sind jederzeit zu bekommen, Geld ist knapp. Das Geld hat die Güter als Knappheitsindikator abgelöst. Das erlaubt (nicht: garantiert) die Produktion von Reichtum und Überfluß. Früher konnten die Menschen nur überleben, indem sie Ressourcen horteten. Wehe, eines der lebensnotwendigen Güter ging aus. Mißernten endeten oft tödlich, oder die Menschen mußten auswandern. Heute überleben Menschen, indem sie Geld ausgeben und Güter, die andere produziert haben, nachfragen. Geldhorten vernichtet Sozialprodukt; Ausgeben generiert Sozialprodukt.
  • Früher mußten die Menschen sparen (horten), bevor sie investierten. Heute können Menschen investieren, ohne vorher zu sparen. Geldschöpfung durch Kredite macht das möglich. Hierdurch wird Wachstum möglich. (Es gibt freilich dadurch auch einen Zwang zum Wachstum – dazu bei anderer Gelegenheit).
  • In Wirtschaften ohne Geld sind Geschäfte einmalige Handlungen oder Projekte. Jedes Geschäft, jedes Projekt, jeder wirtschaftliche Akt steht für sich. Wirtschaft setzt sich nur fort, falls sich neue Gelegenheiten bieten oder als Zwang zum Überleben. Ganz anders in der Geldwirtschaft. Tritt Geld auf, wird die Wirtschaft zu einem nicht endenden Staffellauf. Geld zwingt zum Weitermachen. Ich nehme Geld nur in Hinblick darauf an, daß ich es weiterverwenden kann. Und ich vertraue dem Medium Geld nur, weil ich an den Fortbestand des Geldkreislaufes und der Gesellschaft, in welcher er stattfindet glaube. Daher sichert Geld die Autopoiese der Wirtschaft: Eine Transaktion zieht die andere nach sich. Aktion A hat daher in der Aktion B, C, usw. seine Fortsetzung. Geld hält in Bewegung und zwingt zur Bewegung.
  • Der Geldnutzen leitet sich nur aus seiner Funktion ab, kaufen zu können. Obwohl modernes Geld (Papiergeld, Giralgeld usw.) keinen direkten Nutzen hat, hat es einen großen indirekten Nutzen. Dieser ergibt sich daraus, daß ich Geld für alles Mögliche und zu einem beinahe beliebigen Zeitpunkt ausgeben kann. Der Wert des Geldes besteht also nicht nur darin, ein bestimmtes Warenbündel kaufen zu können, sondern es hat darüber hinaus die Eigenschaft, reines Kaufpotential zu sein. Ich kann kaufen, was ich will. Ich kann kaufen, wann ich will. Mehr noch: Ich muß jetzt noch gar nicht wissen, was und wann ich kaufen werde. Das ist ein ungeheurer Vorteil, den nur Geld besitzt und nur Geld besitzen kann. Das alles gilt allerdings nur, wenn ich mich verlassen kann, daß die Gesellschaft weiter so funktioniert.
  • Im Grunde genommen ersetzt Geld als Wert alle anderen, weil er Macht, Verfügbarkeit, Mobilität, Fungibilität usw. verspricht. Was interessieren schon die Güter des täglichen Lebens aus der Perspektive des Geldsystems? Sie sind ersetzbar und werden tatsächlich in immer rascherer Aufeinanderfolge ersetzt. Auf jedes einzelne der Produkte könnte man verzichten, weil es jederzeit durch andere substituierbar ist. Geld hingegen, das und obwohl es keinen eigenen Wert hat (Substanzwert), steigt zum „wahren“ und stabilen Wert auf. Es repräsentiert abstrakten Reichtum, d.h. ist Potential schlechthin.
  1. Obwohl Geld – seiner Substanz nach – nichts wert ist, wird es zum Ziel des Wirtschaftens. Damit wird Geld, das seiner Natur nach reines und reinstes Mittel ist (G.Simmel), für viele zum Ziel. Freilich kann es niemals letztes Ziel sein. Denn es ist leer.
  1. Obwohl Geld als solches keinen Sinn enthält, sondern nach Sinnfüllung verlangt, macht Geld als System Sinn. Es kreiert einen Raum, in welchem wir mehr oder minder friedlich leben und wachsen können. Würden wir Geld abschaffen, wäre Mord und Totschlag an der Tagesordnung. Denn, wie schon gesagt, Geld als System/Medium ist der Katalysator für Reichtum, Wohlfahrt und Freiheit. Geld ist das evolutionäre Medium der Menschheit schlechthin. Dank des Geldes ist die Wirtschaft zu einem sich selbst nach vorne treibenden Organismus geworden. Die Menschheit trat aus dem „Reich der Notwendigkeit“ in das „Reich der Freiheit“ (K. Marx) ein. Geld hob uns auf ein Niveau der Entwicklung/Produktivkraft, wo die Frage nach dem Sinn praktisch möglich ist und sich mit immer größerer Vehemenz stellt. Denn erst im „Reich der Freiheit“ können wir belangvolle Entscheidungen treffen. Im Übrigen: Der Mensch macht nicht nur mit, sondern scheint, auch wenn er protestiert, nicht ungern im Wachstumskarusell mitzumachen. Denn er spürt, daß er ein schier unermessliches Potential besitzt, an dessen Grenzen er noch lange nicht angekommen ist. Auch wenn dem Menschen  angesichts des Tempos der Entwicklung bange ist, will er sich von niemandem einfangen und begrenzen lassen. Denn Einschränkung des Wachstums auf volkswirtschaftlicher oder internationaler Ebene würde Einschränkung des Wachstums auf der individuellen Ebene bedeuten. Auch wenn er sich gerne auf das System ausredet, muß der Mensch die Verantwortung über die Richtung der Entwicklung übernehmen, und je rascher die Wirtschaft expandiert um so mehr.

Freilich: wir treten psychisch aus dem Reich der „Notwendigkeit“ erst heraus, wenn wir die Frage nach dem Sinn stellen und aus einer sinngebenden Orientierung heraus leben. Wenn wir das nicht tun, bleiben wir im Hamsterrad der Wirtschaft gefangen. Wir treten weiter und immer schneller. Die Sinnlosigkeit unseres Tuns wird immer offensichtlicher. Im Hamsterrad gefangene Menschen brauchen immer stärkere Drogen, um von der Sinnfrage abzulenken. Das Rauschen des „Hamsterrades“ ist so laut, daß Menschen nicht mehr den Reichtum, in welchem sie tatsächlich leben, empfinden können. Um auszusteigen, brauchen wir eine Orientierung. Wachstum und erst recht permanentes Wachstum ruft laut und immer lauter nach der Sinnfrage.

Dr. Raimund Dietz; Trainer, Coach, Geldphilosoph

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