ZUMINDEST WUNDERN DARF MAN SICH (Newsletter 2-19)

Bei den täglichen beunruhigenden Meldungen fällt es mir immer schwerer, Zuversicht zu entwickeln. Ob Aufrüstung, Kriegsgerassel oder gegenseitige Bedrohungen unter unkultivierten Staatenlenkern, ob Feindbildsuche oder Bagatellisierung des Wesentlichen, ob ideologische Starrköpfigkeit aus Egozentrismus oder zur Kaschierung eigener Lebensängste, ob rechtlich unangreifbare Betrügereien, Tricksereien und Korruptionen im Wechselspiel zwischen Volksvertretern und deren bestimmender Korona in Industrie und Wirtschaft, im Kern geht es immer nur ums Geld, das eigentlich ein öffentliches Gut im Dienste der Gesellschaft sein sollte.

Umso erstaunlicher empfinde ich die bis in die Spitzen von Politik, Wirtschaft und Medien weit verbreitete Unkenntnis und Ignoranz gegenüber allen Fragen, die die zugrundeliegende Finanzarchitektur betreffen. Längst schon ist verantwortungsbewusste Haltung dem eigennützigen politischen Opportunismus gewichen. „Geldordnung“ wird als Thema völlig aus der öffentlichen Diskussion ausgeklammert. Ganz so, als hätte Geld und dessen Entstehung und Inumlaufbringung irgendetwas Naturgesetzliches an sich, dem man ohnehin nur ohnmächtig gegenüberstehen könne.

Politiker, jeweils bemüht, bestimmte Wählerschichten für ihre Wiederwahl bestmöglich zu bedienen, versuchen das durch unhaltbare Versprechung von Umverteilungen in die eine oder andere Richtung zu meistern. Der Blick für das Ganze geht dabei natürlich verloren und generell scheint es nur mehr darum zu gehen, die naive Vorstellung eines Dagobert Duck’schen Geldspeichers als das völlig ausreichende Wirtschaftswissen in der Bevölkerung zu verfestigen. Politik, so scheint es,  wird nicht mehr als verantwortungsvolle Aufgabe, sondern als Geschäftsidee zelebriert.

Sich jedoch abzuwenden, als ginge einen das alles nichts an, ist aber wohl auch kein erfüllendes Konzept. Freilich kann man sich auf die zahlreichen kleinen Glücksmomente in der eigenen Lebensführung zurückziehen und sich mit Wohlgefallen damit zufrieden geben, die eigenen Probleme sogar halbwegs mit Anstand, oder dem was heute noch darunter verstanden wird, lösen zu können. Was kümmert mich also der Rest der Welt? Und was kümmert es mich, wie es dem Nachbarn oder den Menschen im nächsten Ort geht? Hab‘ ich denn mit meinen Problemen nicht schon genug zu tun?

Wie aber bereits der Dalai Lama unwiderlegbar feststellte, ist „Glück, ohne Bedachtnahme auf das Glück der anderen, undenkbar“.

Das anerzogene Wettbewerbsdenken versucht uns aber sogar Glücksgefühle auch dann zu versprechen, wenn wir dazu beitragen, dass es anderen schlechter geht, dass wir sie also als Mittel einzusetzen verstehen und in ihrem Sein als solchem keinen Zweck an sich zu erkennen vermögen. Es geht nicht mehr um Gutes, sondern um das Bessersein – im Richtigen, wie aber auch im Falschen. Und in der Realität hat sich herauskristallisiert, dass es in der beherzten Mitwirkung am Falschen, Verdorbenen und Überflüssigen am leichtesten ist, das Bedürfnis nach eigenem Wohlbefinden durch entsprechend zufließende Geldmittel zu befriedigen.

Beurteilungskriterien was richtig und was falsch ist, haben sich im Dickicht der Beliebigkeit ohnehin aufgelöst. Das vor allem als fragwürdiger Erfolg des so genannten Neoliberalismus. Als Handlungsmaxime scheint einzig und allein zu gelten, dass alles das gut und richtig ist, was die Möglichkeit Geld an sich zu ziehen, verbessert. Für welche Gegenleistung auch immer. Als sinnvoll wird bezeichnet, was Geld bringt, bzw. was andere etwas kostet. Selbst bei Raub und Diebstahl wird „Geldmangel“ als allgemein verständliches Motiv ohne weiterer Hinterfragung mit einem „Aha“ zur Kenntnis genommen.

Ebenso wird Innovation nur als solche verstanden, wenn sie mehr Geld in Umlauf bringt, als bislang Bewährtes. Wenn also der Mehrwert nicht unbedingt in einem Gebrauchsvorteil, sondern vor allem in dem durch tiefenpsychologische Werbung geweckten Bedürfnis und dem daraus erzielbar höheren Preis liegt. Nur das ist innovativ. Alles andere ist nutzlose Spintisiererei und entbehrlich.

Neue Anwendungen jeweils jüngster Technologien, die den Weg zu einem planbaren, automatisierten Menschen befeuern, werden als kreativ hochgejubelt und lassen uns alle Fragen nach dem eigentlichen Wesen des Lebens vergessen. Die kindlich freudige, pure Anwendung „marktgerechter Kreativitätserfolge“ einiger Weniger, lässt die Kreativität der Masse verkümmern, wodurch die Phantasien für das Wünschenswerte und Mögliche verloren gehen.

Leben wird zunehmend auf die Verwendung sogenannter „Apps“ reduziert und das Wissen scheint sich auf das enzyklopädische Wissen Wikipedias einzuengen. Nichts gegen Wikipedia, YouTube und Google, aber wird da nicht die natürliche Neugier untergraben, sich Kenntnisse über ein Thema durch eigenes Denken zu erarbeiten? Längst ist das eigene Gedächtnis an das Internet abgetreten. Wer kennt heute noch 10 Telefonnummern seines Freundes- und/oder Bekanntenkreises auswendig? Wer kennt noch die Straßennamen und Lage von Orten? Wozu auch? Dazu hat man doch das Navi im Auto und die gespeicherten Nummern im Handy.

Medien behaupten, uns über die wichtigsten Ereignissen des Tages zu informieren. Auf die Kriterien, nach denen die Einstufung nach Wichtigkeit erfolgt, müssen wir aber selbst draufkommen. Das erfordert Mitdenken und Lesen zwischen den Zeilen. Eine Mühe, die sich nur wenige antun, wodurch Medienkonsum zum geistigen Aufenthalt in der Echokammer wird. Es werden nur mehr jene Medien konsumiert, die die indoktrinierte, vermeintlich eigene Meinung widerspiegeln.

Nun wird man mir vielleicht vorwerfen, nur die negativen Seiten des Lebens zu sehen. Das tue ich jedoch keineswegs, hatte ich doch als Jahrgang 1944 das historisch einmalige Glück, mein Leben im Herzen Europas in einer wahrlich goldenen Epoche mit Frieden und wirtschaftlicher Prosperität verbringen zu können. Und vielleicht macht mir gerade deshalb die völlig unkritische Gedankenlosigkeit der heutigen Erwerbsgeneration Sorgen, weil sie sich von derzeit noch opportunistischen Mitläufern zu zukünftigen Mittätern zu entwickeln scheint.

Und so bleibt mir nicht viel anderes übrig, als immer wieder zu appellieren, sich mit der Konstruktion unserer Finanzarchitektur auseinander zu setzen. Denn genau dort liegt der Schlüssel für eine zukunftsfähige, lebenswerte und friedliche Welt. Wer also auch nur ein bisschen an eigene oder anderer Folgegenerationen denkt, sollte sich unbedingt mit dem Machtfaktor „Geld“ beschäftigen. Nicht nur mit dem Aneignen, sondern mit dem Verstehen!

Empfohlen: www.monetative.de; www.vollgeld.de; www.vollgeld-initiative.ch; www.provollgeld.at; und nicht zuletzt: www.lifesense.at.