ZUCKERBERGS TRAUM VON DER GLOBALEN WÄHRUNGSHOHEIT Newsletter 9-19

Es war fast absehbar, dass Mark Zuckerberg früher oder später auf die Idee verfallen würde, sein weltumspannendes FACEBOOK-Netzwerk zu mehr als nur für Informationsaustausch und Datensammlung einzusetzen. Nun trat er also mit seinem neuesten Plan auf die Bühne, mit einem FACEBOOK-Zahlungsmittel, für das er den Namen „Libra“ vorgesehen hat, ein globales Zahlungssystem einzurichten.

„Libra“ insinuiert zwar für den einzelnen irgendetwas mit Freiheit zu tun zu haben, bedeutet jedoch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht den Weg in die totale Abhängigkeit in einem Ausmaß, wie das bislang trotz größter Anstrengungen nicht einmal noch vom Bankensystem durchgesetzt werden konnte.

Nun wird „Libra“ also als neue Währung ins Gespräch gebracht, die sie aber, wie auch schon Bitcoin&Co keineswegs ist, weil sie ihren Wert nur dadurch erhält, dass sie mit gesetzlichem Zahlungsmittel gekauft werden muss. „Libra“ wären damit zunächst auf staatliches, bzw. direkt oder indirekt auf Bankengeld bezogen, je nachdem, wie der Verkauf von „Libra“ ausgestaltet werden soll und wie mit den Verkaufserlösen verfahren wird. Damit wären die Merkmale einer durch Geld gedeckten Parallelwährung gegeben, mit der sich der Ausgleich von Leistungsflüssen abbilden ließe.

Je umfangreicher das Facebook-Netzwerk aber für Zahlungsflüsse angenommen würde, desto geringer wird das Interesse sein, „Libra“ wieder in gesetzliches Zahlungsmittel rückzuwechseln. Und erinnert das nicht sehr stark an die bereits bestehende Entkopplung des Zahlungsverkehrs vom gesetzlichen Zahlungsmittel durch das Bankensystem? Denn so wie heute bargeldlose Überweisungen Zahlungen mit einem Geldsurrogat der Banken sind, weil es eben nur die Übertragung von Forderungen auf Geld sind, träfe das auch auf „Libra“ zu und würde letztlich die Möglichkeit eröffnen, durch „Libra“-Kredite eine jeglicher Kontrolle entzogene Geldschöpfung eines dann global anerkannten, wenngleich außergesetzlichen Zahlungsmittels zu betreiben. Es könnte als Geld funktionieren, so wie heutiges Kreditgeld der Banken auch als Zahlungsmittel funktioniert, ohne Geld zu sein.

Während Bitcoin&Co in Anlehnung an Goldgräber-Zeiten noch den Eindruck erwecken, dass mit dem absurden Energie- und Rechenaufwand für das „Mining“ ein Wert zugrunde gelegt würde, referieren sich „Libra“ gleich direkt auf das moderne Zeichengeld. Das ist zwar viel g’scheiter, aber dadurch auch noch viel perfider.

Wollen wir tatsächlich den schon längst zur Lösung anstehenden Alb der Erpressung durch das Bankensystem durch einen finalen Albtraum einer globalen Facebook-Einheitsbank mit Facebook-Einheitsgeld eintauschen?

Unterschiedliche Währungen beflügeln zweifellos die Rivalitäten zwischen Wirtschaftsräumen und sind die ultimativen Kampfmittel auf den realwirtschaftlichen Schlachtfeldern. Die Motive Mark Zuckerbergs mögen daher trotz aller aufkommenden Zweifel ehrenwert sein. Zum Beispiel die dahinter stehende Überlegung, dass eine Weltwährung ein substantieller Beitrag für einen Weltfrieden sein könnte. Wie man das aber beim Euro erkennen musste, der ja ursprünglich auch aus einem Währungskorb als Verrechnungseinheit ECU entstanden ist, tritt jedoch eher der gegenteilige Effekt ein und treibt spaltende Keile in an sich friedlich miteinander auskommende Gesellschaften. Wenn ein Hut zu groß ist, kann man nichts mehr sehen und wenn er zu klein ist, dann drückt er schmerzhaft. Beides schafft Entladungsdruck, der stets nach außen gerichtet ist. Der als Leitwährung nicht zuletzt militärisch durchgesetzte US Dollar verursacht in seiner Penetranz schon genug Kriege, als deren Verursachung dann immer kulturelle Abweichungen verantwortlich gemacht werden.

Durch die öffentliche Bedeutung von Facebook ist es dennoch zu begrüßen, dass Mark Zuckerberg damit eine generelle Diskussion über die Geldordnung losgetreten haben könnte, denn es gibt nun vielleicht die Möglichkeit, das bestehende System einmal breiter zu analysieren, darzustellen und es auch unbedarften Zeitgenossen verständlich zu machen.

Denn der springende Punkt beim Geld ist ja nach wie vor, wem eigentlich das Recht der Gelderzeugung, der Geldschöpfung aus dem Nichts, zustehen sollte. Die naheliegende Auffassung, dass das ein Hoheitsrecht, also ein Recht des Souveräns wäre, entspricht ja durch die Zurückdrängung der Bedeutung des Bargeldes bereits heute kaum mehr der Realität.

Damit sich „die richtigen“ Dinge – das sind jene, die den Bedürfnissen zur Entwicklung moderner Gesellschaften entsprechen – wieder rechnen können und Politik wieder Gestaltungsräume zur Erfüllung der Anforderungen der Menschen statt der „Märkte“ erhielte, wäre im ersten Schritt eine Vollgeldreform als Methode der Wahl angeraten. Nicht als Lösung für alles, aber zur Ermöglichung von Lösungen für alles.

Vielleicht wird das ja endlich auch einmal von den gewählten, anständig gebliebenen,  „Ibiza-aversen“  Verantwortungsträgern erkannt, dass sie damit bei der Bevölkerung punkten könnten. Wenn Politik sich aber ausschließlich um die Verteilungsfrage des Geldes rankt und im dadurch entfachten Parteienwettstreit die entscheidenden Bereiche Geldschöpfung und Inumlaufbringung leichtfertig ausblendet, dann führt das eben zu genau jener Situation, wie wir sie heute vorfinden: Vertrauensverlust gegenüber dem Staat, dafür aber Ansprechbarkeit für unkontrollierbare Rattenfänger.

„Denn sie wissen nicht, was sie tun“, möchte man ausrufen, wenn die Jugend heute mit Begeisterung die ach so bequemen Zahlungsmöglichkeiten per Karte, Codes oder Apps bejubelt. Meine Sorge besteht dahingehend, dass sich mit geballtem Einsatz des höchsten zivilen Machtmittels, dem Geld, und mit der Verschleierung der Zusammenhänge, eben alles durchsetzen lässt und es sogar noch als drängendes Verlangen eines zweifelhaften „Marktes“ dargestellt werden kann, auch wenn es noch so sehr gegen Gemeinwohlinteressen gerichtet ist.