WAS SCHULDEN VERMÖGEN – Ein Faschingsbeitrag mit ernstem Hintergrund

Ein warnender Hinweis vorweg:

Achtung: Vom Leser wird ein hohes Maß von Umdenken gefordert! Schafft er das aber, dann sollte der Lohn seiner Mühe ein verändertes Verständnis unserer Geldordnung sein.

Bei Verwirrung bitte zurücklehnen und nochmals überlegen. Für Rückmeldungen und/oder ergänzende Anmerkungen bin ich darüber hinaus sehr dankbar.

WAS SCHULDEN VERMÖGEN

Ein etwas anderer Darstellungsversuch unserer Geldordnung. (überarbeitete Version aus 6/2015 im Oktober 2016)

„Am Anfang war der Kredit“

So ein Kredit ist eine feine Sache. Wir verbinden Kredit zwar immer mit Geld, weil es dafür eben der Fachbegriff ist, gleichwohl kann „Kredit“ ja viel allgemeiner gesehen werden. Fest steht, dass es immer eines Kreditnehmers und eines Kreditgebers bedarf. Der Geber vertraut („credere“), dass der Nehmer das was auch immer Geliehene – nicht unbedingt das Selbe, aber das Gleiche – zurückgeben wird. Das Geliehene kann Milch, Butter, Werkzeug oder eben auch eine Zahl sein. Geliehene Butter erfordert Rückgabe von Butter; ein geliehenes Werkzeug, die Rückgabe des Werkzeugs und eine „geliehene Zahl“ die Rückgabe der Zahl. Gebe ich als Kreditnehmer etwas anderes als das Geliehene zurück, dann hätte ich getauscht und es ist dann die Frage, ob das den Kreditgeber (den Gläubiger) zufriedenstellt. Man leiht sich jedoch kaum etwas aus Jux und Tollerei, sondern weil man es für irgendetwas benötigt und weil man überzeugt ist, es unversehrt erhalten, bzw. wieder beschaffen zu können.

Hier soll es aber nicht um Milch und Butter, sondern um die Geldordnung gehen. Was hat also der Kreditnehmer mit dem Zahleneintrag auf seinem Konto  bekommen? In Ziffern dargestellte Schulden! Er hat Schulden bekommen, und muss daher wieder Schulden zurückgeben. Der Gläubiger hat ihm Schulden verliehen, und er will diese Schulden sogar mit einem Zinsaufschlag, also noch mehr Schulden, wieder zurück haben. Anstatt der ihm nun fehlenden Schulden, nimmt er das Rückgabeversprechen des Kreditnehmers, dessen Bonitätsbeurteilung hier vorerst unberücksichtigt bleiben soll, in seine Buchhaltung auf.

Es dreht sich alles um die Schulden

Das Verleihen von Schulden ist meist streng reglementiert und obliegt den Banken. Woher haben aber die Banken ihre Schulden, die sie verleihen könnten? Im Prinzip von der Zentralbank, die Geschäftsbeziehung ausschließlich mit Banken pflegt. Hier können Banken sogar wählen, ob sie sich Schulden in Form eines Zahleneintrags, oder als handlichen, kunstvoll gestalteten Schuldschein ausleihen, den der ahnungslose Normalbürger als Geldschein (nomen est omen) oder auch Bargeld bezeichnet.

Ein Geldschein ist also eine Schuldenbestätigung, die sich Banken von der Zentralbank geliehen haben. Es ist jedoch nur eine andere Erscheinungsform der Schulden in Form eines Zahleneintrags. Allerdings muss der Zahleneintrag einer eventuellen Umwandlung in einen dinglichen Schuldschein vorhergehen. Auch die Zentralbank vertraut darauf, dass ihr die Banken die geliehenen Schulden, sei es in Zahlen oder in Scheinen, wieder zurückgeben und verlangen ihrerseits für die Dauer der Leihe einen Zinsaufschlag. Das kostet die Banken Schulden und macht diese Quelle der Schuldenbeschaffung zum weiteren Verleih eher unattraktiv.

Durch den seriösen Anstrich, den sich die Banken erworben haben, genießen sie hohes Vertrauen. Daher glaubt man ihnen auch, wenn sie uns bloß sagen, sie hätten ausreichend Schulden, von denen sie uns etwas leihen können. Schließlich beweisen sie diese Fähigkeit ja auch, wenn sie uns Schulden im Ausmaß eines Zahleneintrags von z.B. 500.000.- leihen. Wir sind damit zufrieden. Außerdem haben wir kaum die Möglichkeit zu überprüfen, ob die Schulden vorher bei der Bank da waren, oder nicht. Wir wollten ja Schulden – und jetzt haben wir sie bekommen. So what?

Das schöne bei Zahlenschulden ist ja doch, dass im Unterschied zu „kreditierter“ Milch oder Butter eine Zahl immer bei der Hand ist. Wem würde nicht jederzeit eine Zahl einfallen? Noch dazu mit Hilfe eines Kreditnehmers, der ja eine ganz konkrete Vorstellung einer Schuldenzahl hat, die er sich ausleihen möchte? Somit können vor allem große Banken Schulden bis zu einem gewissen Ausmaß aus dem Nichts erzeugen. So genannte „Fiat-Schulden“. Freilich müssen sie sich diese Schulden dann nachgelagert von anderen Banken, von der Zentralbank oder von anderen, vorhergegangenen Kreditnehmern zurückholen. Auch das Weiterreichen der Schulden, die eine Bank gegenüber ihren Gläubigern, den so genannten Sparern hat, ist zumindest eine bilanztechnische Möglichkeit, ausreichend verleihbare Schulden vorzuweisen.

Mögliche Kreditnehmer einer Volkswirtschaft

Das Verlangen sich Schulden auszuleihen besteht vor allem für Unternehmen, für den Staat und für Haushalte, wie auch für das Ausland. Aber wozu? Noch dazu verpflichtet man sich doch, noch höhere Schulden zurückzugeben! Alle wollen möglichst hohe Schulden. Nicht zuletzt, um diese auch selbst vorübergehend verleihen zu können – und um noch mehr Schulden zurück zu bekommen. Klingt verrückt. Ist es aber nicht, denn nun kommt das Leben ins Spiel und das Leben ist ein soziales. Es kommen jetzt die Lebens- und Überlebensbedürfnisse im zwischenmenschlichen Austausch zum Tragen und da sind Schulden das wichtigste Informations- und auch Kommunikationsmittel.

Beginnen wir mit der Gruppe der gesellschaftspolitisch wichtigsten Kreditnehmer, den Unternehmen und greifen wir ein Unternehmen, das wir Unternehmen B nennen wollen heraus. Ohne dass es sich Schulden ausleiht, gäbe es nichts zu unternehmen. Ziel des Unternehmens ist es, mehr Schulden an sich zu ziehen, als es der Rückgabeverpflichtung gegenüber der Bank entspricht. Dieses „Mehr“ wird als Gewinn betrachtet und hat sich als äußerst erstrebenswertes Lebensziel durchgesetzt (Der Wettbewerb nennt sich „Die Jagd nach der größten Zahl“). Mit den Schulden wird also etwas unternommen. Die Schulden sollen in etwas verwandelt werden, das dermaßen attraktiv ist, dass mir die dann als Konsumenten bezeichneten Bürger, oder auch der Staat und/oder andere Unternehmen  ihrerseits ihre Schulden im Gegenzug aufdrängen und ich nicht nur meine Rückgabeverpflichtung samt Zinsen erfüllen kann, sondern darüber hinaus noch eine zusätzliche Schuldenzahl erziele, an der allerdings dann auch noch der Staat partizipieren möchte. Er nennt das Steuern, auf deren Berechtigung ich später zurückkomme.

Das willkürlich herausgegriffene Unternehmen B existiert natürlich nicht als plan- und ideenlose Monade, sondern baut auf einer Vorgeschichte im gesellschaftlichen Kontext auf, die es überhaupt erst ermöglicht, zu investieren. Was aber kann es investieren? Die Schulden, die es sich von der Bank geliehen hat!. Es kann aber doch nur in etwas Bestehendes investiert werden, also z.B. in eine Maschine und vor allem in Menschen, die ganz gierig darauf sind, von den Schulden etwas zu bekommen. Die Maschine muss bereits in der Vergangenheit hergestellt worden sein und der Hersteller, nennen wir ihn Unternehmen A, wartet bereits sehnsüchtig auf einen Käufer, der ihn von seiner Schulden-Rückgabeverpflichtung gegenüber der Bank erlöst.

Unternehmen B hat zwar jetzt als Käufer einen Teil seiner Schulden verloren, ist aber zuversichtlich, mittels der Maschine noch höhere Schuldenpakete an sich ziehen zu können. Jetzt braucht es noch eine Mannschaft, die diese Maschine bedienen kann. Die findet sich, weil doch alle nach Schulden streben. Denn so, wie man das bei der Maschine gesehen hat, kann man mit so famosen Schuldenpaketen bereits existierende Werte kaufen. Solcher Art wird die ursprüngliche Schuldenzahl des Unternehmens B zerstückelt, was eben gerade bei Zahlen besonders leicht gelingt.

„Geld“ entsteht durch Kredit – und damit als Schulden in Form einer Zahl

Ein Arbeitnehmer, der nur seine Arbeit zu geben hat, verkauft jedoch seine Arbeit, mit der er für das Unternehmen B an der neuen Maschine Werte schafft und bekommt dafür ein Schuldenpaket aus den ursprünglich von der Bank geliehenen Schulden. Der Arbeitgeber kann für meine Leistung nichts anderes als einen Teil seiner Schulden geben. Es wird also Arbeit gegen ein entsprechendes Schuldenpaket des Unternehmers getauscht! Diese gegen Arbeit erworbenen Schuldenanteile bedeuten jedoch Kaufkraft, wie sie auch der Unternehmer z. B. zum Kauf der Maschine, bzw. zum Kauf meiner Leistung einsetzte. Ich kann jedoch frei über diese Schulden verfügen, weil meine Leistung vom Unternehmer als Ersatz akzeptiert wurde. Er hat einen Teil seiner Schulden gegen meine Leistung getauscht. Statt der Schulden hat er jetzt zwar eine gleichwertige Leistung, er ist jedoch gegenüber dem Gläubiger/Bank zur Rückgabe der Schulden verpflichtet. Ich habe dafür im Unterschied zum Unternehmer kein Rückgabeversprechen abgeben müssen. Ich kann mit den Schulden des Unternehmers frei einkaufen und ermögliche allen meinen Lieferanten je nach Streuung und in unterschiedlichem Ausmaß, Teile ihrer Rückgabeverpflichtung einzuhalten. Es waren doch in all den von mir jetzt gekauften Waren Investitionen in Form von Schulden enthalten, die ihrer Rückgabe harren.

Für das Unternehmen B sieht es jetzt immer kritischer aus. Seine Schulden schmelzen dahin. Die Bank will aber ihre Schulden wieder als Zahl zurück und weder eine Maschine noch Werte. Unternehmen B ist daher auf sogenannte Nachschuldner angewiesen, die ihre wie auch immer, ob durch Arbeit oder aus Kredit erhaltenen Schuldenpakete gegen seine Werte einzutauschen bereit sind.

Das regelmäßige, erfolgreiche Aufspüren von bereitwilligen Nachschuldnern ist die eigentliche Leistung jeder florierenden Wirtschaft. Genau das ist gemeint, wenn immer vom Wachstum gesprochen wird. Es ist klar, dass jeder Konsument so ein Nachschuldner ist. Er ist das wichtigste Glied im Wirtschaftsgeschehen. Er muss umworben und dazu animiert werden, möglichst viele seiner durch Werteschaffung erworbenen Schulden für bereits fertige Produkte, die in der Vergangenheit durch Umwandlung von Schulden in Werte entstanden sind, einzutauschen. Es sollte jedoch auch nicht verwundern, dass das emsige Streben nach Werten im Verlauf einer ausreifenden Volkswirtschaft nachlässt. Einerseits aus Übersättigung, andererseits aus nachlassender Kreativität der Unternehmen. Die sind zwar immer noch an der Mehrung ihrer Schulden interessiert, wollen das jedoch am liebsten unter Umgehung der Werteschaffung durch Arbeit erzielen. Arbeitsprozesse sind ja auch wirklich sehr mühsam zu organisieren. Unternehmen wollen sich besonders bei den Personalkosten ersparen, Schuldenanteile für Leistungen herzugeben, bei denen ungewiss ist, ob sich dafür in der Zukunft, nach Abschluss des Fertigungsprozesses noch jemand Schulden von der Bank ausleiht, um sie dann gegen die angebotenen Werte zu tauschen. Daraus erklärt sich vorwiegend die zunehmende Arbeitslosigkeit.

Für die Unternehmen im jetzigen Zyklus mag das schlau erscheinen, für die Unternehmen der Vorperiode hat das freilich verheerende Auswirkungen. Konsumenten, die noch Schulden durch Leistungserbringung erwerben und auf Vorlieferanten übertragen können, werden immer weniger. Die Arbeitslosigkeit steigt und die Zugriffsmöglichkeiten auf Schulden werden immer geringer. Es setzt Deflation ein. Das heißt, die Unternehmen der Vorperiode können ihre Rückgabeverpflichtung für die von der Bank geliehenen Schulden nicht mehr erfüllen. Sie schaffen es nicht einmal mehr, die ursprünglich investierten Schulden zu bekommen, geschweige denn noch Zinsen oder gar einen Gewinn an Schulden. Zuerst machen sie noch Abverkauf um jeden Preis – die von den potenziellen Konsumenten gehaltenen Schuldenpakete steigen also im Wert – aber dann gehen sie pleite. Unter kreativer Zerstörung hat Schumpeter gewiss etwas ganz anderes verstanden.

Jetzt kommen aber auch die Banken in Schwierigkeiten, weil immer weniger der bereits verliehenen Schulden zurückgegeben werden können. Zum Glück gibt es aber noch den Staat!

Auch der Staat braucht primär Schulden, um die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen zu können. Warum er sich diese Schulden als Vertreter der Bevölkerungsgemeinschaft ebenfalls gegen ein verzinstes Rückgabeversprechen bei den Banken und anderen Schuldenhaltern ausleihen muss, ist in Zeiten der globalen Finanzmisere das große Rätsel und wird neuerdings auch von der Initiative „Monetative“ in Frage gestellt. Dies mit umso mehr Berechtigung, als die von den Banken verliehenen Schuldenzahlen erst durch die Schuldenzertifikate der zwar unabhängigen, jedoch mit Ausnahme der „US Fed“ nahezu vollständig im gemeinschaftlichen Eigentum stehenden Zentralbanken ihren offiziellen Anstrich bekommen. Im Prinzip könnten natürlich auch die Zentralbanken bei berechtigtem Bedarf „FIAT-Schulden“ erzeugen und an den Staat unverzinst verleihen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mit dem Staat, dem – im günstigsten Fall demokratisch – von der Bevölkerung die Ausübung der für die Gesellschaftsformung entscheidenden, weitgehend unabhängigen Gewalten, Legislative, Exekutive und Judikative, zugesprochen wurden, kommt nun auch die Macht ins Spiel.

Grundsätzlich obliegen dem Staat alle jene Bereiche in die er seine Schulden aufteilen soll, aus denen auch in der Zukunft keine Rückflüsse von Schulden zu erwarten sind. Wer möchte denn auch schon seine durch womöglich harte Arbeit erworbenen Schuldenanteile für Straßen, Kindergärten, Schulen, sonstige Infrastrukturen, oder gar Lieferversprechen für regelmäßige Schuldenübertragungen an Schuldenerwerbsunfähige oder Pensionisten hergeben. Das wäre ja dämlich. Da gebe ich meine Schuldenanteile doch lieber für etwas aus dem reichhaltigen Angebot her, was entweder meinem Wohlbefinden dient, oder meinen Wohlstand vermehrt. Da trage ich meine Schulden z.B. auch in das Casino, manche nennen es Börse, und wette darauf, dass einer die in sein Haus investierten Schulden nicht mehr aufbringen kann, oder dass einer den Zahltag seiner Erlebensversicherung, aus der er sich eine Steigerung seiner Schulden versprochen hatte, nicht mehr erlebt, oder ich beteilige mich an einem Unternehmen, besonders einem solchen, von dem durch regelmäßige staatliche Aufträge, kontinuierliche Gewinnsteigerungen zu erwarten sind. Da habe ich wenigstens Chancen, meine Schulden ohne weiterer Arbeit oder Verantwortung zu vermehren.

Deshalb hat der Staat eigentlich keine andere Möglichkeit seiner Rückgabeverpflichtung nachzukommen, als von jeder Schuldentransaktion und von übermäßigen Schuldengewinnen jeweils einen Teil einzufordern. Man nennt das auch Steuern. Das stößt auf Verständnislosigkeit und Unwilligkeit, denn:

Schulden sind unsere Kaufkraft

Wir wollen zwar die vielen unter staatlicher Verantwortung bereitgestellten Einrichtungen nützen und empfinden deren Existenz in den meisten Fällen auch als sinnvoll und gesellschaftlich bedeutsam, sehen jedoch nicht ein, dass wir dafür so hoch bezifferte Schuldenpakete abgeben sollen.

Hier stellt sich die Bewertungsfrage. Denn freilich wirft der Staat mit seinen Schuldenpaketen relativ leichtfertig um sich und scheint sich wegen seiner Rückgabeverpflichtung nicht zu sorgen, weil ihm doch das Recht eingeräumt wurde, notfalls auch alle Schulden einzusammeln. Er vergisst allerdings, dass seine Rückgabeverpflichtung in höchstem Maße gegenüber den meist privaten Banken besteht und damit eine eklatante Bevorzugung einer marginalen Gesellschaftsschicht vorliegt. Sukzessive entledigt sich der Staat seines Machtpotentials, denn immer mehr nehmen die Banken Einfluss darauf, wofür die geborgten Schulden verwendet werden dürfen und wofür nicht.

Das Kräfteringen zwischen dem Staat, der ja eigentlich die Interessen der Gesamtgesellschaft zu vertreten hätte, und den Banken, hat über die Parteienstrukturen hinweg zur Entwicklung von Nepotismus, Cliquen- und Privilegienwirtschaft geführt. Was ursprünglich noch zur Bewahrung staatlicher Macht akzeptiert werden konnte, hat sich mittlerweile als Unterdrückungsstruktur eines kleinen Personenkreises, der sich selbst nicht nur als Elite bezeichnet sondern sich tatsächlich dafür hält, gegen die große Mehrheit der Bevölkerungen erwiesen. Zu unserer Ehrenrettung sollte nicht verschwiegen werden, dass wir in Österreich, zumindest was die offene Korruption betrifft, tatsächlich noch in sehr geordneten Verhältnissen leben.

Dennoch ist das geringe Maß, mit dem die eigentliche, werteschaffende Arbeit mit Schuldenanteilen bedacht wird oft nur schwer nachvollziehbar und schafft berechtigten Unmut. Es soll die Tätigkeit des Beamtenapparats keineswegs geschmälert werden, entspricht ihr Wert aber tatsächlich diesen hohen Schuldenpaketen die dafür regelmäßig zugewiesen werden? Werden die wenigstens im Gegenzug für Konsum, oder für Animierung zur Werteschaffung zur Verfügung gestellt, oder doch nur gehortet, um nachgelagert Macht ausüben zu können?

Müssen die Schuldengewinne der vom Staat beauftragten Unternehmen tatsächlich so hoch sein? Noch dazu, wenn diese Gewinne oft nicht nur nicht mehr für weitere Schuldenrückführung zur Verfügung stehen, sondern sich sogar der Besteuerung und damit des gesellschaftlichen Solidarbeitrags entziehen? Freilich, wenn der Staat als solcher mit seinen Schuldenpaketen einkaufen geht, ermöglicht er den Unternehmen ihre Rückgabeverpflichtung für die vorweg investierten Schulden zu erfüllen.

Trotzdem und um etwaig aufkeimende Neidexzesse hintan zu halten, sei hier auf das bemerkenswerte menschliche Phänomen verwiesen, dass die eigene Leistung fast immer höher eingestuft wird, als jene der anderen. Es geht also um die Wirksamkeit der Macht. Wer hat die Macht, den Wert einer Leistungserbringung zu beurteilen? Angeblich ist es „der Markt“. Mit zunehmender Ausreifung jeder Volkswirtschaft beginnen diese den Modellannahmen zugrundeliegenden Marktmechanismen jedoch mehr und mehr zu versagen. Und so haben wir es heute eher mit einer Marktbeherrschungswirtschaft als mit einer Marktwirtschaft zu tun. Es geht für den Normalbürger um seine Erpressbarkeit. Das Machtmittel steht fest, solange wir es als solches akzeptieren: Schulden. Die brauchen wir, um zu konsumieren, das heißt, um überleben zu können. Und dazu müssen es Schulden anderer sein. Hierin liegt der Keim aller konfliktträchtigen Entwicklungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen.

Für die Schulden, die wir selbst durch Arbeit erworben haben, besteht ja keinerlei Rückgabeverpflichtung. Die Rückgabeverpflichtung auch für unsere Schuldenanteile haben jedoch andere sehr wohl. Mit tiefenpsychologisch ausgefeilter Werbung versuchen diese nun, uns zum zusätzlichen Ausleihen von Schulden mit Rückgabeverpflichtung zu verleiten. Wir sollen unseren Konsum, selbst für Unsinnigstes und gemäß schillerndem Angebot künstlich geweckter Begehrlichkeiten vorziehen, damit sie wieder ihre Schulden zur Rückführung zusammen bekommen. Das ist für den Normalbürger natürlich riskant und versetzt ihn in eine dem Unternehmer vergleichbare Situation, denn es setzt voraus, dass zu einem späteren Zeitpunkt überhaupt wieder ausreichend Schulden verfügbar sind, die ich durch nachgelagerte Arbeitsleistung wieder erwerben könnte.

Eine weitere Möglichkeit, Schuldenpakete an sich zu ziehen – oder auch zu verlieren! – besteht für eine Volkswirtschaft im Austausch mit dem Ausland. Borgen sich Unternehmen bei Banken Schulden aus, um sie in die Produktion von im Ausland begehrten Werten zu investieren, und bewahrheitet sich die Nachfrage, dann erhalten sie vom Ausland (hoffentlich) Schuldenpakete, die über ihre Investition hinausgehen. Auf diesen Überschüssen lastet also beim exportierenden Land keine Rückgabeverpflichtung und könnte zur Verbesserung von Lebensumständen, von der keine Schuldenmehrung zu erwarten ist, verwendet werden. Dazu müsste aber der Staat zumindest zum Teil an diese Überschüsse herankommen, was nachgewiesener Maßen nur sehr schwer gelingt.

Im Importland fehlt jetzt natürlich der gesamte Schuldenbetrag, was besonders dann Schwierigkeiten macht, wenn mittels des Importgutes keine Stimulierung zu neuen Schulden stattfindet, wie das z.B. bei importierten Waffensystemen der Fall ist, oder wenn die Importware die heimischen Erzeugnisse vom Markt verdrängt und dadurch die Verschuldungsbereitschaft im Importland sogar noch mehr schmälert.

Kein Wunder also, dass mittlerweile alle Länder ihr Heil im Export sehen und sich zugleich gegenüber der Unsinnigkeit dieses Konzepts blind stellen. Es können ja nicht alle Schuldenüberschüsse aus Exporten erzielen. In welche Sackgasse man sich aber auch mit andauernden Exportüberschüssen manövrieren kann, muss ja gerade der Exportweltmeister Deutschland erfahren, der in seiner Export-Euphorie völlig auf eine realistische Bonitätsbeurteilung seiner griechischen (und auch anderer) Kunden vergessen hat und jetzt draufkommen muss, dass da für die Lieferungen keine Schuldenpakete zurückkommen werden. Die gibt es ganz einfach nicht. Da es sich bei den Lieferungen noch dazu vorwiegend um Waffen, oder auch um elitäre Konsumgüter, nicht jedoch um Investitionsgüter, die einen Leistungstausch ermöglichen würden, handelte, kann man nicht einmal sagen, dass sich damit die Lebensumstände der griechischen Bevölkerung verbessert hätten. Deutschlands Exporte sind daher ganz einfach als vergeudete Arbeit anzusehen. Voraussichtlich bleibt der Deutsche Staat (die deutschen Staatsbürger) zu 28% auf dem Mangel an rückgabefähigen Schulden von Griechenland sitzen und wird versuchen müssen, sie anderswo zu ergattern. Nicht zuletzt bei der eigenen Bevölkerung. Das schafft verständlichen Unmut und Aufschwung für Rechtsradikalismus mit Feindbildpflege.

Dabei ist es Im Endeffekt vergleichbar mit dem Einsturz eines neu errichteten Hauses, oder noch schlimmer, mit einer Naturkatastrophe. Auf Neudeutsch+Umdenken, erscheint solch ein nicht unvorhersehbares Ereignis als „stranded debts“ in den Bilanzen.

Analog zur Herstellung von Exportgütern kann man noch die ebenfalls weit verbreiteten Versuche betrachten, Schuldenpakete aus dem Ausland an sich zu ziehen, indem man sich als Tourismusland prostituiert und im Gegenzug Dienstleistungen nach Wunsch und Vorstellung der Gäste erbringt. Besonders im Massentourismus, der nur möglichst wenig Schulden für viel Leistung hergeben möchte, erkennt man auch sehr schnell die Bedeutung der unterschiedlichen Bewertung der Schuldeneinheit. Es ist ja nicht egal, ob eine Schuldeneinheit des Landes A mit 0,8, 1,0, oder 1,2 in die Schuldeneinheit des Landes B umgetauscht wird. Innerhalb eines einheitlichen Währungsraumes kann man auf diesen Stellschrauben allerdings nicht mehr spielen, wie wir das an der traurigen Situation Griechenlands gerade sehen.

Resume: Wir sagen Geld – und meinen Schulden von anderen!

Ein dennoch hoffnungsfroher Epilog:

Entgegen der herkömmlichen Auffassung ist es nicht das Geld, das die Welt regiert, sondern es ist die zwingende Jagd nach Schuldenanteilen. Manche, die nur mit den Augen eines Buchhalters durchs Leben gehen, sehen darin – durchaus berechtigt – nur die zwei Seiten ein und derselben Münze. Ich glaube aber, dass ich in meiner Darstellung besser zeigen konnte, dass Schulden mit Rückgabeverpflichtung nur durch Enteignung rechtmäßig erworbener, jedoch gehorteter Schulden zurückgegeben werden können sowie mit dem Angebot an die Gläubiger, geschaffene Werte an Schuldens statt entgegenzunehmen, was wiederum einer Enteignung gleichkommt und wobei ja ein Großteil nicht mehr existent ist, weil verbraucht und gefressen. Hoffentlich konnte ich auch zeigen, dass sich Umverteilungsphantasien nur auf Einkommensrelationen und nicht auf existente Werte beziehen sollten. Nicht zuletzt hoffe ich gezeigt zu haben, dass ein BGE (Bedingungsloses Grundeinkommen) prinzipiell möglich, jedoch erst nach Etablierung der „Monetative“ als vierte staatliche Gewalt, sinnvoll ist.

Mit dieser Darstellung sollte auch nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch Möglichkeit für ein „Positive money“, oder auch Aktivgeld, das schuldfrei erzeugt werden könnte, ersichtlich geworden sein.

Ideen, das globale Finanzdilemma durch einen Neubeginn, jedoch mit demselben System zu lösen, halte ich für wenig zielführend. Krankheitswertige Pläne, menschliche und dingliche Werte in goßen Kriegen zu vernichten, um neuerlich die Funktionsfähigkeit des Systems unter Beweis zu stellen, halte ich für zynisch und abwegig. Ich appelliere aber an die jüngere Generation, ein wachsames Auge auf die jederzeit bestehende Gefahr der Machtaneignung durch psychopathische Führernaturen zu halten. Die Möglichkeiten politischen Wahnsinns sind grenzenlos – wie wir immer wieder sehen können.

Ein wie immer geartetes neues monetäres Kommunikationssystem muss von den Notwendigkeiten und Bedürfnissen zwischenmenschlicher Verhaltensformen und mehrheitlicher Sehnsüchte ausgehen. Wie wollen wir als Bürger, als Gesellschaft, als Europäer, ganz einfach als Menschen der Jetztzeit zusammenleben und welches Kommunikationssystem ist diesem Anliegen optimal dienlich?

Ein schwieriges Unterfangen! Wer denkt mit? Alle sind dazu aufgefordert! Es ist schon sehr spät, aber nie zu spät! Packen wir’s an!