VERANTWORTUNG DER VERANTWORTLICHKEIT; Newsletter 12-19

 

WAS MICH IMMER HÄUFIGER BESCHÄFTIGT….

Ich weiß ja nicht wie es Ihnen dabei geht, sollten Sie überhaupt noch die Nerven dafür aufbringen die zahlreichen Unterhaltungsshows mit „Politikerduellen“ zu verfolgen. Der Informationswert ist ja im Vergleich zum Aufwand eher bescheiden, doch darum geht es ja wahrscheinlich nicht, sondern es geht offensichtlich um die Erstellung einer Beliebtheitsskala. Ganz analog zur Wahl „Österreichs Top Model“, oder ähnlichen Veranstaltungen. Da wird auch nicht nach Inhalten (vielleicht abgesehen von Körbchengrößen) gefragt. Und im Anschluss zu den Duellen wird uns dann noch sicherheitshalber von Experten erklärt, was wir eigentlich aus den Streitgesprächen gehört haben sollten, wie sich die Sympathiewerte laut parallel ablaufenden Umfragen verändert haben, oder wie die „Daumenabstimmung“ (in Anlehnung an die Gladiatorenschicksale im Kolosseum im alten Rom) im Publikum ausging. Da wird uns dann quasi noch der Feinschliff durch die mediale Manipulationskraft verpasst. Letztlich wird man mit dem Eindruck zurück gelassen, dass man keinem einzigen Politiker mehr vertrauen darf. Weshalb man den beurteilenden Experten vertrauen sollte, wird nicht besprochen. Das gehört nicht hierher.

Offensichtlich mit zumindest leichter masochistischer Neigung ausgestattet, lass‘ ich mir kaum eine dieser Sendungen – schon gar nicht in der Vorwahlzeit – entgehen. Auch nicht die mir etwas seriöser moderiert erscheinenden Diskussionen auf den deutschen Kanälen. Die Probleme der Politik sind ja überall gleich. Besser gesagt, die Probleme der Bürger mit der Politik sind überall gleich. Stets geht es um Verteilungsfragen von etwas, über dessen Entstehungsweise hartnäckig sowohl Falschinformationen verbreitet, wie auch Diskussionen darüber generell unterbunden werden. Es geht ums Geld. Doch heute will ich auf etwas ganz anderes hinaus:

Merkbar häufiger frage ich mich nämlich bei den Aussagen der „Duellgegner“, ob sie das jetzt tatsächlich als Person, oder nur in der von ihnen ausgeübten Funktion von sich gegeben haben. Ob sie jedes noch so unglaublich dumme Argument (ich sag‘ nur „Arbeitsplätze“) hervorholen müssen, weil es eben nur darum geht, den politischen Gegner in den Augen seiner potentiellen Wähler zu diskreditieren, oder ob sie selbst daran glauben, was sie sagen. Häufig funktioniert ja die Diskreditierung des Gegners sogar. Besonders wenn man ihn mit irgendwelchen Phantasiezahlen konfrontieren kann, für die er aus dem Stand keine Erklärung findet. Bei manchen Sendeformaten gibt es zwar mittlerweile den so genannten Fakten-Check, doch kommt der erstens zu spät und zweitens wissen wir doch spätestens seit Trump von den vielfältigen Interpretationsmöglichkeit von Fakten. Es geht eben nicht um Lösungen, zu denen könnte man ja auch ohne Öffentlichkeit finden, sondern es geht um Schuldzuweisungen zur vermeintlichen Selbstaufwertung.

Und Schuld hat etwas mit Verantwortlichkeit zu tun. Ich kann aber doch nur für etwas Schuld haben, wofür ich mich auch verantwortlich erklärt habe. Und so wie ich für Meinungsfreiheit eintrete, trete ich auch für die freie Wahl von Verantwortlichkeiten ein. Ohne dieser Wahlfreiheit hätte auch die Meinungsfreiheit nur sehr eingeschränkte Bedeutung (Was wir ja zweifellos beobachten können). Denn bei jeder Funktionsausübung muss ich mich vorgängig fragen, ob ich die damit übernommene Verantwortlichkeit auch als Person verantworten kann. Ein ganz wichtiger Unterschied! Es gibt nämlich zunehmend Verantwortlichkeiten, die eigentlich nicht zu verantworten sind (Beispiele, um es ganz deutlich zu machen: Ein Scharfrichter, oder ein Befehlsgeber im Krieg, der den Mord an Dritten befiehlt, für Todeskommandos, oder der englische Premier, der vor laufender Kamera an seine Kinder BSE-Fleisch verfütterte, oder I.Legasov [Tschernobyl], den diese Diskrepanz zwischen Verantwortlichkeit und Verantwortbarkeit in den Selbstmord trieb,…..). Übernommen werden Verantwortlichkeiten die nicht zu verantworten sind, vorwiegend aus ökonomischen Gründen. Der Effekt ist eine zwangsläufige Steigerung der Persönlichkeitsstörungen in der Gesellschaft, wie das epidemiologische Studien über die Zerrissenheit unserer Seele zwischen übernommenen Verpflichtungen und dem eigentlich Gesollten zeigen.

Und auffällig ist doch, dass die Einkommensmöglichkeiten umso größer sind, je größer die Diskrepanz zwischen eigentlich Gesolltem, also dem zu Verantwortendem, und der tatsächlich übernommenen Verantwortlichkeit ist. Bezahlt wird offenkundig die Unverantwortbarkeit der Verantwortlichkeit!

Nun ist es aber gar nicht so leicht, bzw. scheint es immer schwieriger zu werden, Verantwortlichkeiten nur dann zu übernehmen, wenn man diese Verantwortlichkeit auch verantworten kann! Das muss man sich nämlich leisten können. Denken wir doch nur an die Umweltproblematik, oder an die Migrationsfrage. Doch es ist genau diese Diskrepanz, aus der die Scheinmoral unserer Zeit erwächst, was wiederum nur ein Synonym für Unehrlichkeit ist. Denn es geht in Wahrheit um die Einkommensmöglichkeit! Da steht man im Wettbewerb und da wird es als völlig normal angesehen, dass man sich Prinzipien, Moral und Seelenheil durch Geld ablösen lässt. Wie viel Gewissen aber sind denn z.B. zehntausend, oder hunderttausend Euro?

Versuchen Sie sich einmal selbst vorzustellen, inwieweit – ohne Berücksichtigung des Einkommens – die von Ihnen in Ihrer Funktionsausübung übernommene Verantwortlichkeit in Ausmaß und Effekt einen positiven, wünschenswerten Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung leistet. Dass Sie also Ihre Tätigkeit, für die Sie verantwortlich zeichnen, gegenüber höheren Instanzen als Ihrem Geldgeber auch verantworten können. Ich wage aufgrund eigener Erfahrungen die Annahme, dass auch Sie auf so einiges stoßen werden, wo Sie sich eine Selbstbeschwichtigung zurechtlegen mussten um Ihren inneren Seelenfrieden bewahren zu können. Und ich behaupte zugleich, dass das auf Dauer nicht funktionieren wird.

Was als so selbstverständlich und natürlich empfunden wird, dass es nämlich in der Politik um Interessen gehen muss, erscheint dann sofort in einem anderen Licht, wenn man die Hintergründe dieser Interessen etwas durchleuchtet. Im Endeffekt kann man es mit der analytischen Unterscheidung von Effizienz und Effektivität vergleichen. Denn man kann mit höchster Effizienz trotzdem das Falsche tun. Ich vermute ja sogar, dass viele unserer Effizienzsteigerungen, in denen sich die Kreativität des Menschen manifestiert, bei aller Großartigkeit ganz einfach den falschen Dingen gewidmet waren und sind. Dingen, die nicht wirklich etwas mit Lebensverständnis, Lebensführung, Gemeinsamkeiten und Möglichkeiten für gelingendes Leben in Frieden und bescheidenem Wohlstand zu tun haben.

Das klingt jetzt natürlich sehr blauäugig abgehoben und idealisiert. Ist es das aber wirklich, oder ist es nicht viel mehr eine erstrebenswerte Ausrichtung, die unsere Haltungen prägen sollten?

Aber zurück zur Politik, der es angeblich besonders um die Schaffung von Arbeitsplätzen geht. Wie absurd ist das denn, sollte man sich eigentlich fragen und dennoch sind „Arbeitsplätze“ immer noch das wirksamste Totschlagargument, sobald es um Haltungs- und Einstellungsänderungen gehen soll.

Worum es mir also im heutigen Newsletter besonders geht ist Achtsamkeit auf das Gesollte. Und da muss man wirklich kein „Heiliger“ sein, und auch auf nichts verzichten, wenn man sich angesichts der Umweltproblematik, nur als kleines Beispiel,  für generelle Geschwindigkeitsbeschränkungen, für PS-und warum nicht auch generelle Tempoobergrenzen durch automatische Drosselungen bei PKWs einsetzt, und generell darauf verweist, dass man nicht alles was möglich ist, auch gestatten muss, sonst löst sich jeder gesellschaftlicher Zusammenhalt auf.

Verbote kommen in der Bevölkerung angeblich nicht gut an. Das mag sein. Weniger augenfällig ist jedoch, dass das, was wir als Markt bezeichnen ohne den vielen Geboten und Verboten gar nicht funktionieren könnte. Es ist aber ausgerechnet „der Markt“, der sich am besten mit selbst noch so strikten Richtlinien am besten zu arrangieren vermag, besonders wenn diese Richtlinien und Verbote auf Einsichten und vernunftgeleitete Erkenntnisse zurückzuführen sind. Alles andere würde Gewalt und Recht des Stärkeren bedeuten – wie wir es zum Teil ohnehin haben und nicht den Mut aufbringen, dem strikte Grenzen zu setzen.

Und damit ich nicht vergesse, was dazu der notwendige erste Schritt wäre:

VOLLGELD, DAMIT SICH DAS RICHTIGE WIEDER RECHNEN KANN!