(UNVOLLSTÄNDIGES) GLOSSAR ZU MISSBRAUCHTEN BEGRIFFEN

In meinem Grundsatztext „Mythen über die Geldordnung……und mehr“, habe ich auch auf die Deutungshoheit der Finanzmärkte über wesentliche Begriffe hingewiesen.

Hier unternehme ich nun den Versuch, Gebrauch und wahre Bedeutung einiger Begriffe gegenüberzustellen. Ich erhebe keinen Anspruch auf besondere Originalität, sondern möchte vor allem dazu einladen, über diese Begriffe einmal unvoreingenommen nachzudenken. Am ehesten mit kindlichem, vermeintlich naivem Gemüt.

Altbekannt ist die perfide Vertauschung der Begriffsinhalte von „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“. Wir haben uns zwar daran gewöhnt, sie macht aber die hartnäckig aufrechterhaltene Machtstruktur überwunden geglaubter Feudalherrschaft sichtbar. Denn zweifelsfrei sind es doch die angeblichen Arbeitnehmer, die als ursprünglich besitzlos Gehaltene, ihre Arbeit an die vermeintlichen Arbeitgeber abgeben müssen und sich allerdings dafür eine lebenssichernde Entlohnung erwarten. Lohngeber und Lohnempfänger wären daher schon eher die richtigeren Bezeichnungen

(Wie es zu dieser Rollenverteilung kam, liegt in grauer Vorzeit, als das Recht durch Gewalt gesetzt wurde. Das heutige Rechtssystem schützt weitgehend den status quo von Eigentumsverhältnissen, die irgendwann einmal in der Vergangenheit gewalttätig oder mit List (z.B. Schenkungen Eigentums anderer) durchgesetzt wurden, da sie im Verlauf nachfolgender Eigentumsübertragungen durch entsprechende Kauf- und/oder Erbverträge als legalisiert gelten. „Schwamm drüber“, sagte man sich offensichtlich irgendwann einmal. Die Dinge sind, wie sie sind – und werden immer nur in Kriegen in Frage gestellt. Es schadet aber nicht, auch einmal darüber nachzudenken, wie es überhaupt zu Landeigentum, der Grundlage allen Lebens, kommen konnte).

Im Irrglauben gehalten, dass durch Arbeit auch zugleich das Geld für die Entlohnung entsteht, wurde aber selbst von der Sozialdemokratie schon seit jeher darauf verzichtet, beharrlich auf einer Richtigstellung zu bestehen. Dabei wird mit dieser Vertauschung des Arbeitnehmer/Arbeitgeber-Begriffs ein anachronistisches Herrschaftsverhältnis zum Ausdruck gebracht und versetzt Menschen, die nichts anderes anzubieten haben als ihre Arbeitskraft, in die Rolle von Bittstellern.

Ob beabsichtigt oder nicht soll dahingestellt bleiben, doch liegt hier die Wurzel der für Bürgergesellschaften unsagbare Probleme erzeugenden Lagerbildung, die Lohnempfänger und Lohngeber spaltet, obwohl sich nur aus gemeinsamer Zielsetzung ein Unternehmen ergeben kann. Wenn der Unternehmenszweck jedoch kein anderer als Geldvermehrung zugunsten des Initiators ist und keinen ersichtlichen gesellschaftlichen Wert hat, wenn also kein eigentlicher Sinn, außer einem damit zugestandenen Anteil „Überlebensgeld“ zu erhalten, in der Tätigkeit erblickt werden kann, dann beginnt das arbeitsteilige Wirtschaftsleben von innen heraus zu erkranken.

Ein durch Vermögen gedecktes Geld entsteht ja doch ausschließlich aus der Vorfinanzierung von Produktionen, mit denen die Basisbedürfnisse einer Gesellschaft, freilich in höchst unterschiedlicher Ausführung von schlicht bis luxuriös, befriedigt werden. Die Grenzen der Ausführungsart werden von Rohstoffverfügbarkeit, Kreativität, Fertigkeiten und vor allem vom Wollen bestimmt. Und so lässt sich die Produktivkraft einer Gesellschaft am besten im Bauwesen abbilden, wo alle nur  erdenklichen Produktionsschritte und dahingehend auch vorangehende kreative Entwicklungen gebündelt in Erscheinung treten.

Den bedeutendsten und zugleich höchst unterbewerteten Anteil daran, hat jedoch die Landwirtschaft. Denn leben tun wir allemal noch von Essen und Trinken. Durch die Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft nehmen wir die Verfügbarkeit ihrer Produkte mittlerweile als Selbstverständlichkeit an. Es ist aber nicht selbstverständlich und erst die gesicherte Nahrungsverfügbarkeit ermöglicht uns, an weitere Produktivtätigkeiten denken zu können. Weshalb auch Produktivitätsfortschritte anfänglich besonders durch die Landwirtschaft vorangetrieben wurden.

Mit zunehmender Industrialisierung wurde aber diese ureigenste Lebensgrundlage, die Landwirtschaft, bedeutungsmäßig an den Rand gedrängt. Ganz im Sinne ökonomischen Denkens, mit geringstem Aufwand den größtmöglichen Nutzen zu erzielen, hat menschlicher Forschergeist und Erfindungsreichtum zu fortschreitender Rationalisierung, Automatisierung, Roboterisierung und nunmehr Digitalisierung geführt (vorerst in der Industrieproduktion, aber mittlerweile in den kleinsten Winkeln unseres Alltagslebens angekommen. Wir leben heute bereits in einer zentralisierten Informationsgesellschaft mit ziemlich reglementierten Informationsinhalten – die dann als öffentliche Meinung gelten). Man lässt Maschinen und Algorithmen für sich arbeiten. Das ist grundsätzlich ja sehr g’scheit –  wenn da nicht immer noch die Verknüpfung von Entlohnung und Arbeit bestünde. Denn je geringer der Bedarf an Mitarbeitern in einer Produktion, desto geringer ist auch die dafür benötigte Vorfinanzierung und dementsprechend geringer ist auch die insgesamt in Umlauf kommende Geldmenge.

Die Heilslösung schien sich in der Dienstleistung abzuzeichnen. „Überflüssige“ Lohnempfänger sollten sich anderweitige Einkommensquellen in der Dienstleistung suchen, obwohl Dienstleistungen ja immer schon begleitend zu den Produktionsprozessen bestanden haben und die auch in der Investitionssumme, bzw. den Löhnen eingepreist sein mussten. Der Konkurrenzkampf in der Produktion hat sich durch Fusionen, Absprachen und echter oder informeller Monopol- und Oligopolbildung zwar ziemlich abgeschliffen, tritt nun jedoch umso heftiger im Dienstleistungsbereich auf, wie unschwer an der Verbreitung von Frisiersalons, Pizzarien und Systemgastronomie, Beratern aller Art, Anwaltskanzleien, Wettbüros, Wellnessoasen, Online-Shops, Versicherungen, etc. erkennbar.  Verkannt wird bei diesen grundsätzlich bemühten „Startup“-Versuchen (sofern sie nicht nur Scheinselbständigkeit mit völliger Abhängigkeit von einem einzigen Auftraggeber sind), dass in der Dienstleistung immer noch nur jenes Geld verdient werden kann, das durch Vorfinanzierung von Produktionen entstanden ist. In der Dienstleistung selbst wird nichts produziert, sondern da laufen nur Arbeitszeit und Fähigkeiten um, die aber insgesamt nur mit „Produktionsgeld“ entlohnt werden können. Das zusätzliche Geld, das bei all diesen Unternehmensgründungen im Dienstleistungsbereich in Umlauf kommt, beschränkt sich auf die Investition für etwaige Geräte, Einrichtung und Handelsgüter. Nur dieser Impuls bringt durch Anstoß für Produktionen Geld in die Wirtschaft. Und insgesamt kann nur das eingenommen werden, was auch insgesamt in der Produktionskette an Löhnen ausgegeben wurde.

Die reine Dienstleistung ist ein Konsum- und kein Produktionsbereich!

Als kleiner Ausblick in die Zukunft: Wie soll das Geld entstehen, damit wir die angeblichen Segnungen der Digitalisierung auch kaufen können? Eine Frage, die uns schon sehr bald intensiv beschäftigen sollte.

Nun aber zu einigen weiteren missdeuteten Begriffen:

Finanzprodukte: Wer auch immer diesen Begriff erfunden hat, verdient den großen Orden für irreführende Absurdität. Nichts liegt einem Finanzprodukt ferner als eine Produktion. Bestenfalls, und bei wohlmeinender Interpretation, ist es ein Wettschein, wie man ihn in jeder Lotterie oder bei Pferdewetten kaufen kann. Da wird nichts produziert. Der „Produktionswert“ steckt in der Präsentation mit zumeist verschleiertem Kleingedruckten und ist ganz klar ein Dienstleistungsangebot („Geben Sie uns Ihr Erspartes und wir verwandeln es in Gebühren“)

Menschenrechte: „Jeder Mensch ist frei und gleich an Würde und Rechten geboren….“, heißt es bereits in Artikel 1) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die UNO im Jahr 1948, wobei einbekannt wurde, dass es sich um das „gemeinsam zu erreichende Ideal“ handelt. Es beginnt also sehr edel. Liest man Artikel 3), so erfährt man: „Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person“, und man erkennt zwangsläufig, wie weit wir von diesem Ideal noch entfernt sind.

Denn Recht auf Leben kann heute zuallererst nur Recht auf Einkommen bedeuten. Kein menschliches Leben ist heute ohne Einkommen möglich. Und eigentlich müssten die Menschenrechte schon längst erweitert werden um: „Jeder Mensch hat das Recht auf ein bedingungsloses Grundeinkommen, das ihm die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht“. Wie man da dagegen argumentieren kann, ist mir unverständlich – kommt aber wohl aus der weitverbreiteten Unkenntnis unserer Finanzarchitektur und setzt reflexartig bei der Unfinanzierbarkeit an. Kann aber eine angebliche Unfinanzierbarkeit eines Menschenrechts so ganz einfach hingenommen werden? Müsste da nicht viel eher ein Nachdenkprozess über die Geldordnung in Gang gesetzt werden? Stattdessen versuchen wir zu verdrängen, dass uns die grundlegenden Menschenrechte eben ziemlich egal sind, so lange wir nicht selbst davon betroffen sind.

Wem steht es zu, anderen das Lebensrecht abzusprechen? Wenn wir aber das Lebensrecht als unstrittiges Naturrecht respektieren wollen, wie kann man sich dann anmaßen, dieses Recht den Bedingungen eines künstlichen Konstrukts, wie es unsere Geldordnung ist, zu unterwerfen? Läge da nicht viel eher eine zeitgemäße Änderung der Geldkonstruktion nahe?

Arbeitslosigkeit: Dieser Begriff ist insofern irreführend, als er Arbeit auf die Erwerbstätigkeit einschränkt. Wann immer von Arbeitslosigkeit gesprochen wird, ist eigentlich Einkommenslosigkeit gemeint. Und wenn jemand „Arbeitsplätze schafft“, dann hat er eine Idee, um vor allem sich selbst ein Einkommen zu verschaffen, und investiert in die Zukunft – in der er sich jedoch mehr als das investierte Geld und das zusätzlich zu seinem eigentlichen Lebensaufwand zurückholen möchte. Letzteres sollte über die stets aufkommende Freude über Auslandsinvestoren eher nachdenklich stimmen.

Aktuelles Beispiel: China will groß in den Ausbau einiger Italienischer Häfen investieren! Von Rechts wegen kann das doch nur bedeuten, dass die Italiener nicht fähig wären, Hafenanlagen selbst zu bauen. Wer aber mit so einer natürlichen Logik denkt, liegt freilich völlig daneben. Es geht ums Geld! Da werden die vielen wertlosen Dollar, die China im Gegenzug für ihre Exporte in die USA erhalten hat „investiert“, wie auch frisches, allerdings in China geschöpftes Geld. Naheliegender erscheint mir da, dass es nur um die Machtausweitung geht, eventuell auch um den zukünftigen Zusammenschluss der italienischen Mafia mit der chinesischen. Da geht es um die politisch abgesegnete Schaffung neuer Eigentumsverteilungen zur Unterdrückung der je eigenen Bevölkerung. Um eine Wertübertragung gegen fiktive Zahlen. Es geht um legalisierte Besitznahmen, zu dem sich der Begriff Globalisierung entpuppt hat.

Menschliches Bemühen ist jedoch gerade darauf ausgerichtet, und es ist das, was man unter ökonomischem Denken versteht, mit möglichst wenig Erwerbsarbeit auszukommen. Was sich ja auch darin zeigt, wie erfinderisch der Mensch ist, wenn es darum geht, sich unangenehme Arbeit zu ersparen, oder zumindest zu erleichtern.

Es führte ein langer und oftmals sehr blutiger Weg von Sklaverei, Leibeigenschaft und Zwangsarbeit in die Jetztzeit, wodurch sich die Auffassung verfestigt hat, dass Erwerbsarbeit, also die überlebensnotwendige Tätigkeit, Mühe und Plage bedeuten muss. Selten hört man „Ich kann arbeiten gehen“, sondern stets ist von einem „Muss“ die Rede, das kaum einer freiwilligen und mit freudiger Überzeugung ausgeübten Selbstverpflichtung entspricht. Man fühlt sich gezwungen. Dabei liegt es doch in der Natur des Menschen, sinnstiftend tätig sein zu wollen. Dies zwar vor allem selbstbestimmt, aber tätig. Nicht zuletzt erfüllen die Kontakte in der Arbeitswelt auch die sozialen Bedürfnisse des Menschen. Die Arbeitswelt ist der größte Kontakt- und Heiratsmarkt, den man sich nur vorstellen kann. Auch das Anerkennungsbedürfnis der Menschen lässt sich nur im Wechselspiel in der Arbeitswelt befriedigen. Und das Schaffen von Werten steht im Vordergrund, wenn die Entlohnung mit dem Geschaffenen im Einklang steht. Einkommenslose können hingegen daran nicht mehr teilhaben. Sie verlieren ihre Kontakte und vereinsamen.

Die Digitalisierung versucht dem offensichtlich durch virtuelle Kontakte abzuhelfen. Mit digitaler Freundschaftspflege auf Handys und Tablets, mit Apps und Followers. Ob das echte, analoge Kontakte ersetzen kann, ist äußerst fraglich.

Dafür versuchen uns immer wieder neue Programme und Algorithmen von den digitalen Segnungen für unseren Alltag zu überzeugen, wobei sich, zumindest bei mir, häufig die Frage aufdrängt, worin da der Gag bestehen mag. Mehr und mehr gewohnte, wenig anstrengende harmlose Tätigkeiten, die zugleich auch zwischenmenschliche Kontakte fördern, werden uns als überflüssig erklärt und zurück bleibt dann bei vielen oft Leere und Ratlosigkeit, etwas mit ihrer Lebenszeit anzufangen. Auch die Kreativität erlahmt, wenn ohnehin bereits alles auf Knopfdruck fernbedient zu erledigen ist. Oder denken wir nur an die lustige Kreation von „Alexa“, die unseren gesamten Haushalt zu steuern vermag und uns mit allen Informationen versorgt. Mitunter können wir mit „Alexa“ friktionsfreier kommunizieren, als mit unseren Partnern. Vielleicht wird sich „Alexa“ aber schon bald auch klonen können und sich eigene Gesprächspartner auf Augenhöhe schaffen, womit sie dann gut und gerne auf uns verzichten kann. Unter dem Begriff KI (Künstliche Intelligenz) wird jedenfalls bereits daran gearbeitet.

Das banale Telefonieren war einstmals das sinnvolle Kommunikationsmittel für Dringendes und meist (weil relativ teuer) auch Wichtiges. Der Fortschritt lag im Wissen um die Erreichbarkeit. Heute, so scheint es mir, wird zunehmend die Nichterreichbarkeit zum wertvollsten Gut, um sich der laufenden Standortangaben, Fotoserien, akribischen Tätigkeitsberichten, Speisenfolgen und anderen Belanglosigkeiten aus dem Umfeld erwehren zu können. Was so harmlos und als lustige Spielerei als Faszinosum begann, weil es auf einmal möglich war, hat sich längst zu einem ziemlich sinnentleerten Informationsmoloch entwickelt.

Was aber keineswegs bedeuten soll, dass das Internet nicht eine der großartigsten Entwicklungen der letzten Jahrzehnte wäre, sondern es geht darum, wofür es eingesetzt wird. Und da scheint es an der Beurteilungsfähigkeit noch ziemlich zu hapern. Leider hinkt die gesellschaftliche Reife, mit einer neuen technischen Entwicklung verantwortungsbewusst umzugehen, der Entwicklung stets hinten nach.

Eines steht jedenfalls fest. Die Digitalisierung wird nur deshalb so rasant weiter vorangetrieben, um Erwerbsarbeitsplätze abzubauen. Das ist klar. Wozu auch sonst? Das wäre zum Teil ja sogar vernünftig, doch nur, wenn zugleich auch die Einkommensfrage Beachtung fände. Wir werden also kaum um eine Entkopplung von Erwerbsarbeit und Einkommen herumkommen, wenn wir das Recht auf Leben vielleicht doch noch einmal ernst nehmen wollen.

Gemeinnützigkeit: Was ist eine gemeinnützige Tätigkeit? Als erstes fiele mir dazu die Tätigkeit unserer Politiker ein. Tätigkeit im Dienste einer Gemeinschaft, die einen Beitrag zu prosperierender Fortentwicklung dieser Gemeinschaft leistet. Stellt man Überlegungen über alle nur erdenklichen („ehrbaren“) Berufe an, so muss man zur Erkenntnis gelangen, dass alle diese Tätigkeiten im weitesten Sinn dem Gemeinnutzen dienen. Es ist das, was eine hochgradig arbeitsteilige Gesellschaft auszeichnet. Jeder erbringt seine Tätigkeit für andere und profitiert von deren Tätigkeiten.

So wird Gemeinnützigkeit in der öffentlichen Diskussion jedoch keineswegs verstanden. Als gemeinnützig werden nur all jene Tätigkeiten bezeichnet, für die, obzwar nützlich, eine Gemeinschaft nichts zahlen will (weshalb sich die Politikerkaste auch das Privileg gesichert hat, selbst über die Höhe ihres Einkommens entscheiden zu können). Und so sollen Einkommenslose, denen nur eine Gnadenzuwendung zuteil wird, sich diese Gnade „verdienen“, indem sie eine für die Gesellschaft offensichtlich wertlose Tätigkeit ausüben. Dass das mit den Menschenrechten, in denen ja besonders auch die Würde des Menschen angesprochen wird, in Konflikt geraten könnte, unterliegt keiner Berücksichtigung.

(Asylwerber zu Politiker: „Ich bin gemeinnützig tätig, Sie sind gemeinnützig tätig, wieso sag’n die Leut‘ zu Ihnen Herr Abgeordneter und zahlen Ihnen mehr als 1,50 die Stunde?“)

Erwerbstätigkeit, gleich welcher Art, ist ja doch in erster Linie eine Zurverfügungstellung persönlicher Lebenszeit. Weshalb daher mit gemeinnütziger Tätigkeit, sofern darin auch ein Sinn erkannt werden kann, nicht auch ein entsprechender Lohn bezahlt werden sollte, ist mir schleierhaft. Da scheint es also viel eher um eine Buchhaltungs-, Budget- und Statistik- Trickserei zu gehen und um die Verschleierung einer gewissen Sklavenhalter-Mentalität. Will einer leben, dann muss er auch Frohndienste leisten.

Soeben wird ein Gesetz auf Schiene gebracht, nach dem Asylwerber zu gemeinnütziger Tätigkeit gezwungen werden können, dafür aber nur einen maximalen Stundenlohn von 1,50 erhalten dürfen (Sie müssten täglich (!) 24 Stunden tätig sein, um auf ein heutzutage immer noch nicht existenzsicherndes Einkommen von 1080.- Euro zu kommen. Dass dieses Gesetz vor allem dazu dienen soll, auch sämtliche anderen Löhne zu drücken, ist nur schwerlich zu verkennen.

Auf jeden Fall ist das ein Thema, das sich hervorragend für die Stammtische eignet, weil sich gedanklich eben immer noch eine schwächere Unterschicht konstruieren lässt, auf der man mit allem Zynismus herum trampeln kann. Für „Hackler“, die genau wissen, was man mit den „faulen, arbeitsunwilligen Hackenstaden“ zu tun hätte – und nicht erkennen, dass eher die Faulen am Stammtisch sitzen, und sich das die Fleißigen eben gar nicht leisten können.

Und dass jeder Euro, den ein wodurch auch immer Einkommensloser vom Staat erhält, eine eins zu eins Wirtschaftsförderung darstellt, wird an den Stammtischen ohnehin nicht verstanden. Es werden damit ja die Einkommen genau jener abgesichert, die sich darüber empören, dass jemand ein „arbeitsloses“ Einkommen bezieht.

Im Endeffekt wird sich aber die Frage stellen, welchen Gemeinnutzens es in einer digitalen Welt  noch bedarf und welchen Nutzen darin ein analoger Mensch überhaupt noch haben sollte.

Mindestlohn: „Arbeit muss sich lohnen“ posaunt die Regierung, und bestärkt die Masse darin, dass Arbeit etwas Unangenehmes sein muss. Dass in der Arbeit selbst bereits ein bedeutender Teilaspekt der Entlohnung liegen könnte, wird dabei außer Acht gelassen, ebenso wie der frühere Ehrbegriff in gesellschaftlicher Verantwortung. Es geht ja auch nicht um den Arbeitswert als solchem, sondern vor allem um die Geldmehrung.

Über die Höhe eines Mindestlohnes oder einer Mindestsicherung und über die optimale Relation zwischen beiden, lässt sich natürlich lange und trefflich streiten – so lange eine ganz wesentliche Frage nicht zugelassen wird: Mindest wovon?

Wettbewerb: Ein toller Begriff! Von klein auf wurde unser Wettbewerbsverhalten spielerisch antrainiert. Ob beim Laufen, Turnen oder im Mannschaftssport, zum Teil selbst sogar bei Schularbeiten, Wettbewerbe haben uns immer schon zu Höchstleistungen angespornt. Erste zu sein war durch das damit erhaltene Lob stets ein schönes Gefühl. Schaffte man das einmal nicht, dann war es zumindest ein Ansporn, sich bis zum nächsten Wettbewerb zu verbessern. So konnte man sich im freundschaftlichen Vergleich mit anderen, gegenseitig bis zur jeweils eigenen Leistungsgrenze voranhanteln. Geld hatte dabei nur eine geringfügige Bedeutung. Der Ehrgeiz des Können-Wollens stand im Vordergrund.

Den Wettbewerbsbegriff auch auf die Wirtschaft anzuwenden, war daher ein naheliegender Schachzug. Hier geht es aber um Konkurrenz und um die Existenzfrage. Eine Niederlage im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf ermöglicht nur in den seltensten Fällen ein neuerliches Antreten und bedeutet meistens ein existenzielles Aus mit verbleibender Verschuldung. Da geht es also um eine andere Qualität als bei sportlichen Wettbewerben. Besser gesagt, geht es eigentlich kaum mehr um Qualität, sondern es wird nur das als Qualität verstanden, was sich – durch welchen Werbeaufwand auch immer – im Markt durchsetzt. Der „Markt“ bestimmt, was als Qualität zu gelten hat (obwohl doch jeder weiß, und wie es auch als „Geheimtipp“ durch Mundpropaganda behandelt wird, dass die wahre Qualität im Kleinen liegt und meist nur in Nischen blüht).

Dieses Wissen, eine Niederlage nicht verkraften zu können, führt bei allen Teilnehmern an diesem Wirtschaftswettbewerb zu gänzlich anderem Verhalten, das sich dann besser mit „Rivalität“ benennen ließe, die bekanntlich bis hin zu Kriegen führt, wenn mit der erpresserischen Kraft auf der Finanzebene nichts mehr auszurichten ist.

Deshalb steht heute auch kaum mehr die Leistung in einem Wirtschaftswettbewerb im Vordergrund, sondern das damit erzielbare Einkommen, das zu Bewunderung und oftmals auch Neid veranlasst. Nicht mehr die Leistung ist die Bewertungsgrundlage für das Einkommen, sondern es ist das Einkommen, das die Leistung versinnbildlichen soll. Dadurch kommt es ja auch dazu, dass die Spitzenverdiener völlig unkritisch als Leistungsträger bezeichnet werden.

Wollen wir uns aber als Menschheit auf globales Zusammenleben orientieren, dann sollten wir uns eingehender mit dem Begriff „Kooperation“ beschäftigen und „Wettbewerb“ aus dem wirtschaftlichen, wie auch parteipolitischen Wortschatz streichen. Anleitungen dazu bietet die Initiative der sogenannten Gemeinwohl-Ökonomie.

Wachstum: Dieser ebenfalls sehr positiv konnotierte Begriff steht als „Wachstums- und Beschäftigungspolitik“ in nahezu allen Parteiprogrammen an oberster Stelle. Das klingt ja auch so schön und vielversprechend.

Was ist es aber, was wachsen soll? Na klar. Der Wohlstand! Was den Wohlstand dann eigentlich ausmacht, braucht nicht näher definiert zu werden, wenn wir ihn mit Einkommen gleichsetzen und nur fest genug daran glauben, dass es aus dem Wachstum kommt. Es genügt dann zu überlegen, wie wir zu Wachstum kommen. Und Wachstum wird jährlich als relative Geldgröße ausgewiesen. Auf wessen Kosten dann dieses Wachstum stattfindet, und sei es auf Kosten unserer eigenen Lebensgrundlage, der Natur, interessiert in diesem Zusammenhang kaum jemanden.

Was nun materielles Wachstum betrifft, leuchten jedem sehr rasch die natürlichen Grenzen ein. Doch darum geht es gar nicht, weil wir ja doch Wohlstand mit Geldverfügbarkeit assoziieren. Wir sprechen daher auch von qualitativem Wachstum. Ein Kunstbegriff, aus höchster Not geboren, der unsinniger nicht sein kann. Denn Wachstum gänzlich ohne Ressourcenverbrauch, kann es nicht geben (Auch nicht im Dienstleistungsbereich).

Während die einen Wachstum durch mehr Beschäftigte anzukurbeln trachten, sehen die anderen die Wachstumsmöglichkeiten im Abbau der Beschäftigten durch allumfassende Digitalisierung, „bei der wir mithalten müssen, um nicht zurück zu bleiben“ (???).

Für beide Wege, die ich für gleichermaßen unsinnig erachte, gilt, dass vor allem die Gesamtverschuldung ansteigen muss, sonst gibt es kein zusätzliches Geld um eine etwaige Wohlstandssteigerung zu bezahlen. Die Verteilungsfrage wird im Zusammenhang mit allgemeinem Wirtschaftswachstum aber gar nicht behandelt. Da scheint man aus unerklärlichen Gründen noch immer auf den sich als haltlos erwiesenen „Trickle-down-Effekt“ zu hoffen (Je mehr Geld einige wenige an sich ziehen können, desto eher werden auch einige Brosamen nach unten rieseln).

Es ist jedoch gerade die Einkommensverteilung, die mit der Wachstumsfrage am stärksten angesprochen wird. Es geht nicht um die Umverteilung von Vermögenswerten, wie das von jenen als „links“ bezeichneten Parteien auf ihr Banner geschrieben wird, sondern es geht um eine Verteilungsänderung der Einkommen. Ein Rückgriff auf die Einkommensrelationen der fünfziger Jahre wäre so gesehen wahrscheinlich keineswegs ein gesellschaftlicher Rückschritt.

Wirtschaftsstandort: Manchen Politikern, bzw. deren Parteigremien, ist besonders die Sicherung des Wirtschaftsstandortes ein besonderes Anliegen. Wenn man unter Wirtschaft den Leistungsaustausch zwischen mehreren Akteuren versteht, dann besteht aber überall dort ein Wirtschaftsstandort an dem zwei oder mehr Menschen zusammen kommen. Woher also die Sorge um den Wirtschaftsstandort?

Offensichtlich wird Wirtschaft anders gesehen. Da geht es sichtlich darum, Dominanz über andere zu erreichen, was aber zugleich alle Wirtschaftskonzepte die sich auf die „Gleichgewichtslehre“ beziehen, ad absurdum führen. Der „Markt“ schafft kein Gleichgewicht, sondern verstärkt Ungleichgewichte. Es ist eben ganz und gar nicht die Absicht, eine in Geld bezifferbare Balance anzustreben (wesentlich ist hier die Anmerkung, dass Gleichgewicht nicht als Gleichheit verstanden werden darf!).

Standortsicherheit bedeutet im Kern Kapital- und Militärgewalt. Nichts sonst. Inwieweit das dann wieder mit globalem Denken in Einklang zu bringen ist, bleibt dahingestellt.

Urheberrechte: „Gedanken sind frei“, hieß es früher einmal. Sie gehören mir. Das stimmt immer noch. Sobald sie jedoch einmal sprachlich oder gar schriftlich, graphisch, musikalisch oder gestalterisch zum Ausdruck gebracht wurden, habe ich meine Gedanken quasi materialisiert und der Außenwelt dargeboten. Damit steckt man in einem Dilemma.

Einerseits drängt man ja danach, eigene Gedanken für andere zugänglich zu machen, sie sozusagen zur Diskussion zu stellen, weil man sie irgendwie als wertvoll oder zumindest nützlich erachtet, andererseits möchte man dafür aber eine Entlohnung empfangen. Und da man zum Überleben auf ein Einkommen angewiesen ist, erscheint das auch völlig gerechtfertigt zu sein. Wie aber sollte diese Einkommensquelle im digitalen Zeitalter geschützt werden können? Und ist es im heutigen Zeitalter, in dem wir von Globalisierung und Weltbevölkerung reden, überhaupt gerechtfertigt, Gedanken nur gegen eine Geldleistung auszusprechen?

Was ist denn der Rohstoff unserer Gedanken? Aus welcher Quelle schöpfen wir sie? Und wird damit „Urheberschaft“ nicht eigentlich zu einem zutiefst religiösen Problem? Gedanken fließen uns zu. Oftmals ohne erkennbaren Anlass. Woher aber? Sie sind einfach da. Drängen sie sich denn nicht nur auf, oder sind sie tatsächlich der Erfolg unserer Suche? Und was wäre es, worin wir suchen? Und wonach hätten wir gesucht, wenn wir einen neuen Gedanken aufgreifen? Wie sicher können wir sein, dass dieser Gedanke nicht schon x-fach in der Welt durch die Köpfe geisterte?

Besteht die Quelle von Gedanken denn vielleicht nicht nur aus Möglichkeiten, ähnlich einer unendlichen Menge Lego-Bausteinen auf materieller Ebene, die ich in immer wieder neuen Mustern anordnen kann? Und sind diese bestehenden Möglichkeiten nicht eigentlich das Eigentum der gesamten Menschheit? Ich bezweifle ja sehr stark, dass es überhaupt so etwas wie eine Erfindung geben kann. Denn was immer es wäre, muss bereits als Möglichkeit vorgelegen haben. Möglichkeiten kann man jedoch nicht erfinden! Sie sind naturgegeben. Es kann daher auch im Gedanklichen stets nur von einer Entdeckung gesprochen werden, deren Früchte, sofern daraus solche erwachsen, jedoch allen zustehen sollten.

Und wiederum taucht die Frage auf, ob es verantwortbar ist, der Menschheit Entdeckungen und daraus abzuleitende Erkenntnisse vorzuenthalten. Mit dem Begriff „Globalisierung“ wird zwar die Weitergabe von Erkenntnissen insinuiert, weil es doch darum geht, den Nutzen für die gesamte Menschheit zu maximieren, doch die Realität sieht anders aus.

Es geht, wie immer, ums Geld. Und so findet ein weltweiter Wettlauf um neu entdeckte „Muster aus Möglichkeiten“ statt. Nicht Kooperation und Teilen stehen im Vordergrund, wie das zur Verbesserung friedlicher Koexistenz naheliegen würde, sondern der Wettstreit um Eigentumsrechte. Während die Zusammenarbeit auf der Forschungsebene noch halbwegs gut funktioniert, wobei es auch hier darum geht, unter wessen Namen irgendwelche neuen Erkenntnisse erstmals veröffentlicht werden, so findet in der Vermarktung ein beinharter Wettbewerb statt, der sich nicht zuletzt in nationalstaatlicher Rivalität äußert.

Nun soll man natürlich „Entdeckern“ nicht ihr Lebensrecht absprechen, indem man ihnen die faire Entlohnung vorenthält, aber es gilt doch zu überlegen, ob zum Beispiel für die erstmalige Anordnung einer Tonfolge auch bereits ein lebenslanges Einkommen daraus hervorgehen soll. Ein einmaliger Bonus, eine Prämie, ja; aber sollte man für jeden Amerika-Trip den Erben des Columbus einen Obolus für dessen Entdeckung entrichten müssen? Wem gebührt eine Entlohnung für die Betrachtung des Fotos oder Gemäldes eines Kunstwerks? Und wem gebührt finanzielle Anerkennung für eine Veröffentlichung eines irgendwie geistigen Ergusses im Internet? Wer soll dafür bezahlen? Wo entsteht das Geld dafür? Warum soll man für etwas bezahlen, das einem aufgedrängt wird und wonach man meistens gar nicht verlangt hatte?

Reines Denken verbraucht nichts, erzeugt aber auch nichts – außer vielleicht persönliche Erkenntnisse. Allerdings muss man es sich leisten können, sich mit der Gedankenwelt, der Welt unendlicher Möglichkeiten, beschäftigen zu können. Auch ich kann mir die Verfassung dieser Zeilen natürlich nur erlauben, weil mittlerweile meine Pension für mein Auslangen sorgt. Aber darüber hinaus Geld nehmen zu wollen, wenn ich meine Gedanken mit jemandem teile, käme mir eigentlich nicht in den Sinn (außerdem würde ich dabei wahrscheinlich verhungern, wenn das meine einzige Einnahmequelle wäre).

Deshalb setze ich mich ja für eine grundsätzlich faire und bedingungslos an die Existenz gebundene Entlohnung für alle ein, weil nur dann „Denker“ ohne Existenzsorgen denken und Künstler kunstschaffend tätig sein können und nur dann tatsächlich höchste Qualität zum Vorschein käme. „Erwerbsdenken“ wird hingegen zu einem zwanghaften Denken und verstrickt sich meistens in einem stark kontrahierten Möglichkeitshorizont, wie sich das an zweckgebundener Forschung festmachen lässt, deren Zweck in der Geldmehrung und nicht in einer globalen Wohlstandsmehrung liegt.

Ich bin also ganz klar gegen Patentrechte als solchen und gegen Verbreitungseinschränkungen von Gedanken im besonderen. Und die Welt stünde besser da, würde man Erkenntnisse und Ideen bedingungslos teilen und Einkommensrechte ergänzend zu einem Grundeinkommen aus direkt produktiver Wertschöpfung erwerben.

Als quälende Fragen bleiben bestehen: Singt ein talentierter Sänger nicht mehr, wenn er dafür keine Extra-Bezahlung bekommt? Und wem würde er damit schaden? Sich selbst, oder den sich verweigernden Zuhörern? Würde ein Maler nicht mehr malen, ein Bildhauer nicht mehr alles „Überschüssige“ aus dem Steinblock wegschlagen, um die darin enthaltene und gerade nur für ihn sichtbare Statue freizulegen? Würde ein Fußballer ohne aus TV-Rechten Geld zu bekommen, nicht mehr Fußball spielen, oder würde er sogar dafür zahlen wollen, dass ein Match im Fernsehen übertragen wird? Machen sie nicht alle genau das, was sie eigentlich machen wollen?

Zeigt sich nicht genau in diesen Überlegungen zum Urheberrecht am deutlichsten, in welch verquerer Erwerbswelt wir eigentlich leben? Mit irgendeiner Urheberrechtsgebühr im Internet entstünde m. E. nur ein neuer Zweig arbeitslosen Einkommens, wie das an Aktionären und Börsenspekulanten von denselben, die nach solchen Tantiemen verlangen, kritisiert wird.

Wir sollten uns von der Auffassung verabschieden, dass das Vorenthalten von Erkenntnissen eine geniale Geschäftsidee und Grundlage gesicherten Einkommens sein soll.

Zusammenfassung: Ich habe hier nur einige beispielhafte Begriffe aufgerollt, mit denen Bevölkerungen in parteitaktischem Geplänkel ohne wahrem Lebensbezug gehalten werden. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Bereits diese paar Beispiele sollten aber zeigen, dass es eben nicht um bürgerliche Freiheitsrechte und breit verteilten Wohlstand geht, sondern vor allem um die Verfestigung von Abhängigkeiten, die durch gesteuerte Einübung in fragwürdige Begriffsdeutungen erfolgt. Denn die Abhängigkeit beginnt im Geistigen.

Die offiziellen Deutungen gehen im Kern stets darauf zurück, die Motivation zur Befolgung der Anforderungen des Geldsystems aufrecht zu erhalten. Leben in Würde und Anstand wird dadurch extrem erschwert, denn eine Lebensweise in Würde findet ihre Grenzen in der Konstruktion unserer derzeitigen Geldordnung. Haltungen, speziell etwas nicht zu tun, werden sofort über Bord geworfen, sobald der Einwand ins Spiel kommt, dass es sonst andere machen und daraus einen finanziellen Gewinn erzielen könnten.

Und wenn man der Politik zugesteht, dass es darin um Interessen und nicht um Vernunft geht, dann hat man seit der Aufklärung offensichtlich noch keine wesentlichen Fortschritte in der Menschheitsentwicklung erzielt. Ohne gewecktem Bewusstsein, dass vielleicht auch anderes möglich wäre, z.B. Interessen mit Vernunft in Einklang bringen, wird sich daher kaum etwas ändern, solange uns die Natur nicht beinhart in die Schranken weist und uns zum Aufwachen zwingt.

Günther Hoppenberger, im April 2019