„UMDENKEN“ BEDINGT GELDREFORM

Wir setzen hohe Erwartungen in unsere Politiker. Die vielfältigsten Lebensbereiche sollen sie nach unseren Vorstellungen, die innerhalb einer  Gesellschaft gleichermaßen unterschiedlich sind wie die Farben eines Regenbogens, gesetzlich regeln. Wir zeigen wenig Kompromissbereitschaft und noch weniger Interesse an den unseren Politikern zugestandenen Möglichkeiten. Es interessiert nicht, wie sie unseren Wünschen entsprechen könnten. Sie sollen es ganz einfach tun. Was kümmern uns auch Sehnsüchte und Nöte der Anderen?

Keine leichte Aufgabe, also. Wir fordern mehr Vernunft von unseren Politikern, auch wenn jeder darunter etwas anderes versteht, wobei es doch offensichtlich ist, dass ich selbst natürlich am vernünftigsten bin und es die anderen nur nicht und nicht begreifen wollen. Das zeigt sich schon allein darin, dass ich doch nicht so unvernünftig sein werde, mich auf die so undankbare politische Tätigkeit einzulassen. Beispielhaft ausgeprägt ist das besonders im kommentierenden Journalismus.

Welche Lebensfragen sind es denn aber, die wir von der Politik in unserem Sinne geregelt haben wollen? Ist es nicht so, dass jedem von uns etwas ganz anderes besonders wichtig ist? Im Kollektiv wird damit alles gleich wichtig! Von der Kinderkrippe, über Arbeitsplätze, Verteilungsgerechtigkeit (sofern mir dadurch nichts weggenommen wird), bis hin zu Weltfrieden und Nachhaltigkeit – was auch immer darunter verstanden wird. Eine zugegebenermaßen gigantische Aufgabenstellung.

Die daraus zwingend nötig erscheinende Konzentration auf Partikularinteressen lässt offensichtlich den Blick auf das gemeinsame und überhaupt erst so etwas wie Gesellschaft ermöglichende Bindeglied, nämlich Geld, gar nicht zu. Geld scheint das größte politische Tabu unserer Zeit zu sein (R.Dietz; Geld und Schuld – Metropolis 2016).

Dabei ist – zumindest insgeheim – jedem von uns klar, dass sich alle Fragen des Lebens ums Geld drehen. Eben deshalb, weil es das verbindende Element schlechthin ist, über das sämtliche Beziehungsflüsse erfassbar, modellierbar und darstellbar werden. Wenn dem so ist, und daran sollte eigentlich kein Zweifel bestehen, dann müssen sich nicht nur Politiker, sondern auch jeder einzelne von uns mit der Bedeutung von Geld auseinandersetzen. Mit der Kraft, die dem Geld innewohnt, und mit den Schwächen der zugrundeliegenden Geldordnung. Und zwar hinausgehend über die Frage, wie man persönlich ausreichend Geld an sich ziehen, bzw. von anderen abziehen kann. Natürlich nur, wenn man tatsächlich die großen Probleme des globalen Zusammenlebens gelöst haben möchte, denn alle Verwerfungen des Zusammenlebens haben ihren Ursprung in einer versagenden, aber veränderbaren Geldordnung.

Die Politiker müssen sich von uns dazu ermuntert fühlen, ihren gesellschaftspolitischen  Handlungsspielraum zu erweitern, indem sie sich dem zentralen Schlüssel zu allen Lebensfragen zuwenden: Der Geldordnung. Mit der Entstehung, Inumlaufbringung, Verteilung, Verwendung und Mengenkontrolle von Geld. Die Anpassung der Regeln an die Zeitnotwendigkeiten darf nicht länger tabuisiert werden!

Wegschauen und zuwarten führt unweigerlich in die Katastrophe. Es liegt an uns.

Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz, November 2016