Trumps Problem mit dem deutschen Sparer

So betitelt Andreas Sator seinen Versuch im heutigen „Standard“, seinen Lesern den Begriff „Leistungsbilanzdefizit“ zu erklären. Ausgehend vom Beispiel einer isolierten Insel, auf der nur zwei Familien in wirtschaftlicher Interaktion stehen, wird gezeigt, dass es zu einem Defizit erst dann kommen kann, wenn verzinste Darlehen (Ersparnisse der Deutschen), die nicht durch Leistungslieferungen ausgeglichen werden können, von außen zufließen. Diskret schwindelt sich Sator über die Frage hinweg, was die Entstehungsweise des Geldes ist, das einerseits eine Familie der anderen auf der Insel leiht, bzw. welchen Ursprungs die Ersparnisse der Deutschen wären.

Den logischen Schluss führt Sator daher nicht aus, dass die Erde, wenn man sie als „Insel im All“ begreift, kein Leistungsbilanzdefizit (wem denn gegenüber?) aufweisen kann, sondern nur genau so wie auf der Insel zwischen den beiden Familiendynastien, wie innerhalb jeder Region, jeden Staates und daher auch zwischen den Staaten, eine zunehmende und himmelschreiende Ungleichverteilung der Schulden.

Die Verschuldung anderer ist heute das ultimative zivile Machtmittel und zugleich politische Verhandlungsmasse hegemonialer Ansprüche. In der Politik (und nicht zu vergessen: in Kriegen!) geht es immer nur um die Herrschaftsverschiebungen über das Geld.

Bemerkenswert ist allerdings, dass Andreas Sator der kreditgebenden Familie auf seinem Inselbeispiel ausgerechnet den Namen Jackson zuweist. Andrew Jackson war bekanntlich ein vehementer Gegner des privaten Bankengeldes. Er erkannte, dass das Geldschöpfungsrecht einzig und allein dem Souverän zusteht, so wie das von den Vollgeld-Initiativen gefordert wird.

Es besteht also die leise Hoffnung, dass Andreas Sator den Namen Jackson mit voller Absicht gewählt hat. Jackson (der Kreditgeber) als beispielhafter parlamentarisch kontrollierter Repräsentant des Souveräns.