Sicherheit für Spargelder?

„Höhere Teuerung bringt Sparer in Bredouille“, titelt der „GeldStandard“ am 26.1.2017. 1,4% Teuerung und Null Komma irgendwas als Sparbuchzinsen? Das soll als Anlass dienen, sich einmal mit den als selbstverständlich erachteten Zinserwartungen von Sparern auseinander zu setzen.

„Lassen sie ihr Geld arbeiten“, lautet der verführerische Slogan der Banken, der biedere Bürger dazu bringt, ihre Ersparnisse auf ein Sparbuch bei ihrer Bank einzuzahlen. Viele verwechseln auf Grund der über Jahrzehnte verinnerlichten Fehlinformationen über das Geldsystem das Sparbuch mit einem Sparschwein, in dem sich das Geld von selbst vermehrt. Nur wenigen ist bewusst, dass sie der Bank ein Darlehen geben, das diese eigentlich (fast) gar nicht brauchen. Es ist jedoch Geld, das während der Bindungszeit nicht in die Wirtschaft gelangt und dadurch die Nachfrage nach Krediten erhöht.

Zinsen, die Banken auf Spareinlagen versprechen, sind als korrumpierende Abstandszahlung zu verstehen, damit man ihre Kredit- und Spekulationsgeschäfte nicht stört. Eine mehr oder weniger freiwillige Schutzgeldzahlung. Mit unseren Zinserwartungen werden wir zum Verbündeten des Bankensystems, das wir unabhängig von unseren Ersparnissen ein Pyramidenspiel betreiben lassen, bei dem wir mit Gewissheit zu den Verlierern zählen.

Der Verlockung zu erliegen, mit Zinsen ein leistungsloses Einkommen erzielen zu können, ist nur allzu verständlich. Schlimm ist ja nur, sich keinerlei Gedanken darüber zu machen, woher diese persönlich erfreuliche Geldvermehrung eigentlich kommen soll. Irgendjemand muss die wohl erarbeiten. Lassen wir ihn arbeiten. Wir arbeiten ja auch. Und am besten fragen wir uns erst gar nicht, was da gearbeitet wird. Hauptsache es fließt mir mein Stillhaltegeld zu.

Um jedoch tatsächlich zu den Profiteuren des Zinseszinssystems zu zählen, müsste man zumindest zum 9. Einkommensdezil zählen. Und mit Sparbuchzinsen geht das schon überhaupt nicht. Die akkumulierten Zinsanteile aus den Vorfinanzierungen mit Bankengeld sind (wie auch alle Steuern) zwingend in den Preisen einkalkuliert und müssen von den Konsumenten bezahlt werden.

Und so sollte uns bewusst werden, dass wir selbst als biedere Sparbuchsparer mit unserer Jagd nach der besten Verzinsung auch – wenngleich nur geringfügig – Mitschuld an der Inflation tragen. Das ist jedoch nur ein Aspekt, der hier herausgegriffen wurde, denn natürlich dient die Inflation auch dazu, unser ursprünglich der Bank überantwortetes Darlehen zu entwerten. In Zahlen bekommen wir ja tatsächlich mehr zurück und darauf gedrillt, die Welt nur in Zahlen zu denken, bereitet uns das Freude, auch wenn wir später erkennen müssen, dass wir den Wert einer Kuh gegen jenen von vielleicht zwei Hühnern getauscht haben.