PROHIBITION ALS ERZIEHERISCHE MASSNAHME? (Newsletter 14-19)

Am Beispiel des nunmehr endgültigen Rauchverbots in der Gastronomie zeigt sich, was alles politisch möglich ist, um schädliche Auswirkungen auf die Gesellschaft zumindest einzudämmen. Denn auch wenn lautstark für die ganze Produktions- und Lieferkette der Tabakindustrie, für spezifisch auf Raucher abgestimmte Gastronomiebetriebe und nicht zuletzt für die medizinische Reparaturindustrie Umsatzeinbußen vorausgesagt werden, so ist das ja nicht nur das eigentliche Ziel dieser Maßnahme, sondern es verweist auf die Abstrusität unseres Denkens zwischen Wert und Geldwert.

Der sonst üblicherweise gegen vernünftige Gesetzesvorlagen stets wirksame Einwand, „Gefährdung von Arbeitsplätzen“, hat diesmal nicht gezogen, obwohl sich die Summen, die als volkswirtschaftliche Einsparungen prognostiziert werden, natürlich als verminderte Einkommensmöglichkeiten niederschlagen.

Es ist zu hoffen, dass dieses Rauchverbot in der Gastronomie nunmehr als erfolgreiches Pilotprojekt betrachtet und als politischer Auftrag angesehen wird, auch weitere Quellen gesamtgesellschaftlicher Schädigungen von der Bevölkerung fern zu halten. Auf die Schnelle fiele mir dazu ein: Ein Brauerei-, Winzer- und Branntweingesetz, das die Herstellung, wie auch Import- und Vertrieb alkoholischer Getränke verbietet, womit endlich auch der Alkoholausschank in der Gastronomie vom Tisch wäre. Oder: Spiel- und Wettcafes in denen nicht nur das Rauchen, sondern auch das Spielen und Wetten verboten ist und somit der Spielsucht Einhalt geboten wird. Auch Waffenschmieden, denen Herstellung und Vertrieb von Schusswaffen verboten wird, könnten einen enormen beispielgebenden Beitrag zu einer geistig gesundenden Gesellschaft leisten. Nicht zuletzt sollten natürlich auch die Auswüchse des Casinocharakters der Börsen durch Verbot des Hochfrequenz- und Derivatehandels eingedämmt werden.

Auch wenn Verbote in der Bevölkerung angeblich nicht besonders gut ankommen und Politiker deshalb gerne davor zurückschrecken, besonders wenn es sie selbst betrifft, so ist nicht zu übersehen, dass Verbote – und man braucht dazu nur die Verkehrsgesetze hernehmen – notwendige Voraussetzungen einer funktionierenden Gesellschaft sind. Und niemand wird widerlegen können, dass allein von den vier genannten Beispielen ein noch weitaus größerer Einsparungseffekt unter gleichzeitiger gesellschaftlicher Gesundung ausgehen würde, als vom jetzigen Rauchverbot allein.

Natürlich ist mir die Naivität meiner Vorschläge bewusst. Auch, dass so eine neue Phase von Prohibitionen sowohl einen Rückzug in den privaten Untergrund bedeutet, wie auch ein neues Entstehen krimineller Herrschaftssysteme. Ob es, nur als Beispiel, die Kennedys mit dem Alkoholschmuggel waren, oder die englische Krone mit dem Opiumhandel und ihren globalen Raubzügen, die Grundlagen ihrer Finanzmacht wurden stets durch gesellschaftlich abzulehnende Aktivitäten geschaffen. Oder wie das bereits Balzac feststellte, dass hinter jedem Vermögen ein Verbrechen steht. Doch gerade das sollte nicht daran hindern, künftig über das Rauchverbot noch viel weiter hinaus zu denken.

Inwieweit das Rauchverbot in der Gastronomie einen Bewusstseinswandel wird auslösen können, wird man sehen. Zweifellos werden jetzt zunächst einmal private, nicht öffentlich und nur für Mitglieder zugängliche Raucherclubs aus dem Boden sprießen, wenn sich daraus eine – wenngleich auch illegale – Geschäftsidee verwirklichen lässt. Menschen werden doch stets dorthin gelockt, wo sich von ihnen ein Geldgewinn erwarten lässt. Und ob die Verruchtheit des Verbotenen und Elitären dann nicht erst recht eine besondere Attraktivität ausüben wird, sollte genau beobachtet werden. Denn auch ein Rückzug der Gastronomie aus dem öffentlichen Raum hätte fatale Folgen. Aus Italien wurden zwar bislang solche Entwicklungen nicht berichtet, doch wer weiß? Rauchen ist bekanntlich auch ein historischer und nicht unwesentlicher Teilaspekt der Geselligkeit – so gesundheitsschädlich es auch ist.

Denn die geistigen Barrieren zu menschenmöglicher Vernunft, liegen ja vor allem in der bedingungslosen Unterwerfung unter die – zumindest mittlerweile – naturrechtswidrige Geldordnung. Es ist die geltende Finanzarchitektur, die das höchste zivile Machtmittel darstellt, mit dem die Gesellschaft gesteuert wird. Und so vernünftig eine rauchfreie Gastronomie vielleicht sogar ohne Alkoholausschank auch sein mag, so ist die Frage, inwieweit sie sich gegenüber diesem Machtmittel durchzusetzen vermag.

Hierbei anzusetzen wäre wahrscheinlich der dringendste Punkt um neue Einsichten über das Leben als solchem zu ermöglichen, die vom jetzigen System gar nicht zugelassen werden. Das Rauchverbot könnte der erste Schritt dazu gewesen sein.

Meine wenig überraschende Schlussfolgerung für einen nächsten Schritt::

VOLLGELD, DAMIT SICH DAS RICHTIGE WIEDER RECHNEN KANN!