Populäre Diskussion über Populismus

Wie in „Der Standard“ angekündigt, wird am 2. April um 11.00, ein hochkarätig aus Soziologen, Politikwissenschaftern und Journalisten zusammengesetztes sechsköpfiges Podium unter bewährter Moderation der Standard Chefredakteurin, Alexandra Föderl-Schmid, im Burgtheater der brennenden Frage: „Leben wir im Zeitalter des Populismus?“ nachgehen. Sogar unser Bundeskanzler ist eingeladen, dazu seine Meinung abzugeben.

Veranstalter dieser Diskussion zwischen Karin Priester (Politikwissenschafterin, Münster), Heinz Bude (Soziologe, Kassel), Christian Kern (Politiker), Roger Köppel (Politiker und Chefredakteur von „Die Weltwoche“, Schweiz), Jan-Werner Müller (Politikwissenschafter, Princeton) und Alexandra Föderl-Schmid, sind das IWM (das von wem auch immer finanzierte Institut für die Wissenschaften vom Menschen), die ERSTE Stiftung des Burgtheaters und Der STANDARD.

Nun verspricht das eine gewiss spannende akademische Diskussion zu werden und wahrscheinlich ist die sich mir persönlich aufdrängende Frage, ob die Behandlung dieses Themas irgendeinem gesellschaftspolitischen Anliegen dienen könnte, unzulässig. Eine rein akademische Diskussion also, von der man sich keinerlei neue Erkenntnisse über Lebenszusammenhänge erwarten darf. Keineswegs möchte ich jedoch akademische Diskussionen als solche diskreditieren, aber die Frage muss gestattet sein, ob es in unserem Zeitalter des zunehmenden Mangels in der Fülle, ganz gleich wie man dieses Zeitalter benamst, nicht viel wesentlichere Fragen zu globalem, friedlichen Zusammenleben der Menschheit zu diskutieren gilt.

Was soll man denn mit der conclusio, sollten die Diskutanten zu dem Schluss kommen, dass wir im Zeitalter des Populismus leben, oder auch, wenn sie zum Schluss kommen, dass immer schon Populismus die Geschichte der Menschheit bestimmt hat, anfangen? Was würde das beim Verlassen des Burgtheaters mit mir machen? Was würde sich in der Lebenssituation der Bevölkerungsmehrheit dadurch ändern? Was in politischen Einsichten?

Eine in solch prominentem Rahmen stattfindende Veranstaltung würde meiner Ansicht nach ein durchaus zeitnotwendigeres Thema verdienen. Zum Beispiel eines, das sich mit der rätselhaften globalen Überschuldungsfrage auseinandersetzt und mit Überlegungen, wie es weitergehen könnte. Oder wie man von einer parteitaktischen Klientelpolitik zu einer Politik der Bürgerinteressen finden könnte. Und nicht zuletzt mit der Frage, woran es liegen mag, dass wir uns als Gesellschaft alles das, was allerorten von den globalen Tourismusströmen bestaunt und bewundert wird, heute nicht mehr leisten könnten.

Nur daraus wären Klarheit, Hoffnung und Handlungsempfehlungen zu gewinnen – und neues Vertrauen in die Politik und Anerkennung staatlicher Hoheit.