Politische Erwartungen der Österreicher für das Jahr 2017

Im Standard vom 2.1.2017 findet sich die Zusammenfassung einer Market, telef. CATI-Umfrage von Ende Dezember 2016, die repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren ist (n=400). „Optimismus prägt den Blick auf das neue Jahr“, betitelt Conrad Seidl den Bericht, was allerdings etwas seltsam anmutet, wenn man auch der letzten Frage die gebührende Aufmerksamkeit widmet. Die stimmt mich nämlich sehr nachdenklich: 95%  glauben nicht, dass die Kluft zwischen Reichen und Armen kleiner wird. Woraus soll sich aber dann der Optimismus speisen?

Ist es denn nicht immer noch die jedem Gerechtigkeitsempfinden hohnlachende Schieflage der Einkommensverteilung, die ursächlich für die nationalen wie auch internationalen Verwerfungen des Gesellschaftsgefüges verantwortlich zeichnet? Niemand will Gleichheit, aber Augenmaß für Verteilungsgerechtigkeit darf von der Politik erwartet werden! Es wird zwar über einzelne Euro der Mindestsicherung gestritten, aber niemand darf über Einkommensrelationen diskutieren. Sollte man aber nicht auch ein „Höchst“ im Blick haben, wenn man über ein „Mindest“ spricht?

Ich unterstelle jetzt einmal, dass die 5% jener, die tatsächlich an eine Reduktion der Kluft zwischen Arm und Reich glauben, genau jene sind, die immer noch an das „Trickle-down“-Märchen glauben wollen und selbst zum obersten Einkommensdezil zählen. Andererseits lassen die 95% eine tiefgreifende Resignation in der Bevölkerung vermuten, die sich fast spiegelbildlich in der ersten Frage abbildet, mit der 81% erwarten, dass rechte Parteien in Europa bedeutender werden. Wenn da kein Zusammenhang besteht?

Und so meine ich, dass in den Erwartungen eher der Pessimismus im Vordergrund steht – aber dass umso mehr Zuversicht und Wachheit einer selbstbewussten Zivilgesellschaft geboten sind.

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