PENSIONEN – DAS EWIGE REIZTHEMA, (Newsletter 15-19)

Annette Gantner berichtet uns in den OÖN vom 12.11.2019 über die sogenannte Hacklerregelung, die festlegen soll, dass man nach 45 Arbeitsjahren ab 1.1.2020 mit 62 Jahren ohne die geltenden Abschläge von 12,5% in Pension gehen kann. Was das bedeutet, wird ausgerechnet am Beispiel eines lang gedienten Bankkaufmanns erläutert, der eigentlich schon im November in Pension gehen wollte, den Pensionsantritt jetzt jedoch noch zwei Monate aufschiebt und dadurch ab Jänner eine um 507 Euro höhere Pension erhält. Sein Kollege, der bereits im September in Pension ging, muss allerdings mit dem Abschlag von 1/8 seiner Pension – und wir reden hier von der ASVG Höchstpension – zurecht kommen. Das erscheint klarerweise ungerecht.

Bemerkenswert ist nun aber die Kostenfrage. Es wird damit gerechnet, dass ab 2020 etwa 7000 Personen von der Hacklerregelung profitieren werden. Die Anfangskosten liegen bei zusätzlichen 33 Mio. Euro. Das scheint verkraftbar. Doch jetzt kommt’s: 2055 werden aus diesem Titel bereits 1,374 Milliarden Kosten prognostiziert. Ein stichhaltiges Argument für die NEOS, um sich eine Schlagzeile zu verschaffen und gegen die Regelung aufzutreten?

35 Jahre! Die Kühnheit dieser Extrapolierung ist ja kaum zu übertreffen. Gehen wir einmal um diese 35 Jahre in unsere Vergangenheit zurück. Wir sind im Jahr 1985. Was ist da seither nicht alles an Ungeplantem, Ungeheuerlichem und Unvorhergesehenem passiert? An Gutem, wie besonders auch an Bösem? Es würde zu weit führen, das alles hier aufzuzählen und Ich überlasse es den Lesern, sich das einmal vor Augen zu führen.

Was sollen also solche Berechnungen, wenn wir bei Beibehaltung derzeitiger gesellschaftlicher Entwicklungen nicht einmal sagen können, ob es in 35 Jahren Leben in herkömmlicher Form überhaupt noch geben wird? Und wenn wir nicht langsam beginnen, den Wesenskern menschlichen Lebens als geistig zu erkennen, könnte sich die Frage nach der Sicherheit der Pensionen schon bald erübrigen. Darüber hinaus ist Geld ja doch nur eine Vereinbarung und kein natürliches Konstrukt!

Und so sehe ich in dieser Meldung ein geradezu typisches Beispiel, wie man Ängste schüren kann, wenn Leben ausschließlich materialistisch betrachtet wird. Nicht ganz unähnlich zur Klimahysterie, die sich auch ausgezeichnet dazu eignet, Verunsicherung auf der einen und Verfestigung von Machtstrukturen auf der anderen Seite zu erzeugen. Es fällt schwer, in der Gegenwart Zuversicht aufzubringen, doch es ist zugleich der einzige Weg, uns voran zu bringen – oder auch nicht. Denn ein Voran zu planen, und das mit einem Zeithorizont von 35 Jahren, ist denkunmöglich.

Abschließend sei jedoch nochmals ausdrücklich darauf verwiesen, dass die einzig sichere Pension die staatliche ist, mit der eine Gesellschaft ihre Alten versorgt. Über das Ausmaß lässt sich diskutieren, denn vom Geld allein kann ohnehin kein Pensionist überleben, wenn nicht zugleich der gesellschaftliche Konsens besteht, gegen dieses Geld auch die benötigten Waren und Dienstleistungen bereit zu stellen. Und so ist die Pensionsfrage weniger ein finanzielles, als vielmehr ein kulturelles Problem. Seitens der Aktiven, wie auch seitens der Alten.