NICHT ALLES GELD IST VOLLGELD – ABER ES SOLLTE ES SEIN!

 

Was also ist Vollgeld, von dem man in letzter Zeit immer häufiger hört? Die Antwort ist vergleichsweise einfach: Vollgeld ist das, wovon die meisten Menschen irrtümlich überzeugt sind, dass wir es hätten.

Ich gebe zu, dass diese Antwort nicht sehr befriedigend ist. Lassen Sie mich daher die wesentlichen Irrtümer aufklären. Ich werde das anhand der prinzipiellen Zusammenhänge versuchen, um nicht durch Berücksichtigung aller Feinheiten noch mehr zu verwirren. Und ich empfehle eindringlich, sich ein wenig Zeit für die Aneignung einiger Kenntnisse über unser Geld zu nehmen, denn…… .

Alle Probleme, mit denen Politik und Bürger konfrontiert sind, haben etwas mit der Geldordnung zu tun, denn wenn das nicht zuträfe, wären es keine Probleme.

Und obwohl wir täglich mehr oder weniger geschickt mit Geld umgehen, scheint eine Diskussion über dessen Entstehungsweise und Funktionen dem größten Tabu unserer Zeit zu unterliegen. Denn was im täglichen Umgang so selbstverständlich wirkt, sollte doch eigentlich die Frage aufwerfen, was es denn ist, von dem man angeblich nie genug bekommen kann und wofür man bereit ist, mitunter sogar übelste Straftaten zu begehen, sich zu Kriegen missbrauchen zu lassen, zu morden, zu rauben, die Lebensgrundlagen zu zerstören und seine Seele zu verkaufen. Geld ist viel zu wichtig, um sich nicht damit zu befassen!

Wie Raimund Dietz in seinem Buch, Geld und Schuld, hervorragend ausführt, ist Geld zunächst einmal die Voraussetzung dafür, dass überhaupt so etwas wie Gesellschaft entstehen konnte. Geld ist eine der genialsten Erfindungen der Menschheit – sofern es der Wohlstandsentwicklung der Menschen zu dienen vermag, und das scheint offenkundig immer weniger der Fall zu sein. Wir haben die eigentliche Widmung des Geldes aus den Augen verloren.

Im täglichen Umgang begegnet uns Geld vor allem als Tauschmittel. Wer Geld in Händen hält besitzt Kaufkraft – aber nur, sofern mittels Gütern oder Dienstleistungen Geld nachgefragt wird, bzw. wenn sich jemand für die Überlassung von Gütern im Sinne einer Eigentumsübertragung mit Geld zufrieden gibt. Im Umkehrschluss muss ich also, um an Geld zu gelangen, etwas anbieten, das für einen Geldbesitzer von Interesse ist. Daraus entwickelte sich Irrtum Nr. 1: Geld „entsteht“ durch Arbeit.

Was aus historischer Sicht, als Geld noch einen intrinsischen Warenwert verkörperte (insbesondere Metalle),der nur aus Arbeit entstanden sein konnte, nachvollziehbar erscheint, trifft auf unser modernes Zeichengeld keinesfalls mehr zu. Und das ist sogar gut so. Auch wenn viele Zeitgenossen immer noch die Auffassung vertreten, dass Geld eine Warendeckung – meist ist damit Gold gemeint – aufweisen müsste, so hätte sich damit niemals die gegenwärtige, komplexe, arbeitsteilige Wirtschaft hoher Produktivität entwickeln können. Ich will hier aber nicht auf die Geschichte des Geldes eingehen, weil uns das zur Lösung heutiger Probleme nicht wirklich weiter hilft. Ich möchte mich auf die heutigen Gegebenheiten beschränken.

Meist kümmert es uns ja nicht, woher jemand sein Geld hat. Hauptsache er ist bereit, mir für meine Arbeit (bevorzugt sogar ohne Gegenleistung) etwas davon abzutreten. Der Wert des Geldes entsteht also nachgelagert durch erbrachte Arbeit (oder erpressten Rechtsanspruch), aber um diesen Wert beigemessen zu bekommen, muss es ja erst einmal existieren.

Durch Arbeit entsteht Geld also nicht, aber es erhält durch Arbeit seine Wertgebung, die sich im Einkommen, der Kompensation für geleistete Arbeit niederschlagen sollte. Durch Arbeit entstehen Güter, aber kein Geld. Abgesehen davon, dass die Verknüpfung von Einkommen mit Arbeit nur bei einem sehr engen Arbeitsbegriff, nämlich der Marktfähigkeit des Produkts gegeben ist, begegnet uns hier Irrtum Nr. 2: Die Verwechslung von Geldwert und eigentlichem Wert.

Der Wert liegt immer noch in den geschaffenen Gütern und in der durch entsprechende Fähigkeiten ermöglichten Offerierung von Dienstleistungen. Geld hat einen zwar auf diese Leistungen bezogenen Symbolcharakter, aber losgelöst von realwirtschaftlichen Leistungen keinen Wert an sich. Auch von Gold kann man nicht leben, wie das bereits König Midas schmerzlich erfahren musste. Heutiges Geld ist Bits und Bytes in Computern, die allerdings kurzzeitig auch als (etwas teurere, aber gegenüber dem Nennwert ebenfalls geringwertige) Banknoten materialisiert in Erscheinung treten können. Der „Wert“ des Geldes bemisst sich also an der vorgeschriebenen oder individuellen Einschätzung der persönlichen Bedeutung von Gütern und Dienstleistungen. Mit „Vorgeschrieben“ meine ich vor allem gesetzliche Auflagen, wie z.B. Gebühren für staatliche Dienstleistungen, oder erzwungene Investitionen zur Erfüllung von Vorschriften. Alles das, wo die Frage ob es einem das wert ist, müßig ist, bzw. alles das, wo wir uns im Spannungsfeld mit obrigkeitlichen und nicht zuletzt gesellschaftlichen Ansprüchen wieder finden.

Dann gibt es jedoch noch die quasi-vorgegebenen Wertbeimessungen, wie sie uns durch entsprechende Werbung durch Marketingabteilungen und sogenannte „Influencer“ begegnen und epidemische Trends hervorrufen. Beste Beispiele dafür sind Handys, i-Pads, SUVs, bestimmte Speisen und Getränke, Markenartikel,  Flugreisen und Wellnessangebote, kurzum alles, was uns unter „modern“ und als „must-have“ suggeriert wird. Alles, wo es ratsam wäre nochmals zu überlegen, ob es für uns persönlich tatsächlich die angepriesene Bedeutung hat, oder ob es sich dabei nur um vorgegaukelte Glückssurrogate handelt. Der psychologische Druck, der unsere vernunftgeleiteten inneren Widerstandskräfte aufzuweichen trachtet, ist jedoch enorm. Hier hat der resignierende Seufzer, „Eigentlich bin ich ja ganz anders …….“, oder „Eigentlich verhielte ich mich ja ganz anders, aber man lässt mich nicht“, seinen Ursprung.

Ganz gleich, um welche Art von Gütern und Leistungen es geht und egal ob man sie braucht oder ganz einfach nur haben möchte, es bedarf Geld, um den Tausch und damit die Gesellschaftsentwicklung – wohin auch immer – zu ermöglichen. Um Güter verkaufen oder kaufen zu können, muss es daher zuerst Geld geben. Woher also kommt das Geld, wenn es nicht durch Arbeit entsteht?

Arne Pfeilsticker, Vorstandsmitglied des Vereins „Monetative-Deutschland“, kommt zur Schlussfolgerung, dass es die Rechtsordnung einer Gesellschaft ist, die das Biotop der Geldentstehung bildet. Und wenn Geld nicht durch Arbeit entsteht, man andererseits aber benötigtes Geld (rechtschaffen) nur durch Arbeit an sich ziehen kann, bekommt der Begriff „Geldverdienen“ eine neue Bedeutung, wenn doch die Geldentstehung durch eine Rechtsordnung erfolgt. Daraus wird Irrtum Nr. 3 ersichtlich: Einkommen wird durch Arbeit „verdient“, denn Einkommen wird in Wahrheit zugeteilt und die Zuerkennung eines Einkommens für Arbeit erfolgt gemäß den Machtstrukturen einer Gesellschaft. Und die Machtstrukturen sind wiederum das Produkt der durchsetzbaren Rechtsordnung, in der Gruppeninteressen um die Wertbemessung eigener Leistungen streiten. Dass dem so ist, braucht wohl nicht näher erläutert zu werden. Da genügen ein paar Einkommensvergleiche in Relation zu deren jeweiligem gesellschaftlichen Wert der das Einkommen begründenden Tätigkeit. Womit zugleich auch Irrtum Nr. 4 aufgeklärt wäre: „Der Markt“ bestimmt über die Preise und damit auch über den Preis der jeweiligen Arbeit. Das ist reine Theorie, und Kern des anhaltenden Ideologienstreits, ob es für eine Gesellschaft besser ist, wenn der Staat über Marktregulierungen bestimmt, z.B.mit Mindest- und/oder Grundeinkommen, Kranken- und Altersversorgung, u.s.w., oder ob private Marktmanipulierung durch gewinnorientierte Profiteure gesellschaftlich gesünder ist. Hier sei nur auf den gesamten Fragenkomplex „Demokratie“ verwiesen und einerseits darauf, dass wir, die Bürger, der Staat sind und dass andererseits ein Markt ohne staatliche Rechtsordnung gar nicht existieren könnte. Im Ringen um die Markthoheit, in dem es um nichts anderes als um die zeitgemäße Wohlstandsentwicklung einer Gesellschaft gehen sollte, wird dann vielfach mit absonderlichen Worthülsen wie „sozialer Markt“, mit „Marktethik“, oder sogar mit der Gleichsetzung von Marktwirtschaft und Demokratie operiert. Das Modell eines selbstregulierenden Marktes, der stets wie von selbst zu einem Gleichgewicht tendiert, sucht man jedenfalls in der Realität vergeblich.

Während in sehr sehr viel früheren Zeiten das sogenannte Say’sche Gesetz, nach dem sich ein Preis im Markt aus der Relation von Angebot und Nachfrage (letzteres bedeutet ein mit Geld unterlegtes Bedürfnis!) wie von selbst bildet, noch eine gewisse Stichhaltigkeit aufwies, erwächst die heutige Preisbildung aus dem Streben nach Gewinnmaximierung und hat damit fast zwangsläufig die Marktmanipulierung durch private Interessensgruppen zur Folge. Die ursprüngliche Widmung des Geldes zur Wohlstandsentwicklung aller, wurde zunehmend zum Machtmittel einiger weniger pervertiert.

Doch auch diese Gedankensplitter über Preisbildung und Märkte sind gewissermaßen ein kleiner Vorgriff, denn hier geht es bereits um die Verteilung des Geldes. Um etwas verteilen zu können, was in der Natur nicht vorkommt, muss man es aber erst einmal schaffen.

Die Geldschöpfungsmacht selbst, liegt also offensichtlich in der Rechtsordnung, da Geld eben eine gesellschaftliche Einrichtung ist. Damit liegt auch das höchste zivile Machtmittel im Recht zur Geldschöpfung. Das kann gar nicht eindringlich genug betont werden, denn nicht zuletzt sind fast alle Kriege und hegemonialen Ansprüche auf das Versagen des Geldes, bzw. auf die Verweigerung zurückzuführen, dieses Machtmittel anzuerkennen. Wie viele Länder wurden seit dem 2. Weltkrieg durch Wirtschaftsboykotte bereits destabilisiert und/oder durch Kriege nachhaltig zerstört, allein aus dem Grund, dass sie nach einem anderen Geld als dem US Doller verlangten, oder sich sogar die eigenständige Geldhoheit anmaßen wollten?

Und streng genommen ist alle zeitgenössische Politik das Ringen des Souveräns um die Geldschöpfungshoheit. Wobei man die beunruhigende Beobachtung machen kann, dass dieser Kampf zwischen Staat und einem fiktiven Markt zugunsten Letzterem bereits verloren sein dürfte – zumindest wenn die Bürgergesellschaft nicht bald doch noch aufwacht und sich mit den Zusammenhängen der Finanzarchitektur beschäftigt und für zeitgemäße Änderungen auf die Barrikaden steigt.

Geld bedeutet Macht, denn es ist ein Überlebensmittel das jeder braucht, um überhaupt Teil der Gesellschaft sein zu können. Das wirksame Prinzip der Macht ist die Erpressung und tritt bei Geld durch Korrumpierung bei sonstigem Vorenthalten von Geld in Erscheinung. Wer das exklusive Recht zur Geldschöpfung innehat, bestimmt daher auch exklusiv über Entwicklung, Wohlergehen oder Untergang einer Gesellschaft.   

Nach entsprechender Vorinformation, dass Geld in der Natur ja nicht vorkommt und daher von irgendjemand geschaffen, „geschöpft“ werden müsse, fand 2018 in der Schweiz eine repräsentative Umfrage statt, wem dieses Recht zur Geldschöpfung zustehen sollte. Rund 80% meinten, es soll das ein exklusives Hoheitsrecht sein (Ein hoher Anteil davon meinte wahrscheinlich, dass es ohnehin so wäre), und nur rund 20% meinten, dass Geldschöpfung auch Privaten gestattet sein solle (ein hoher Anteil von diesen war wiederum überzeugt, dass der Staat die Geldschöpfungshoheit hätte und man dieser Machtausübung durch den Staat etwas entgegensetzen müsste. Das waren offensichtlich jene, die sich selbst nicht als Teil des Staates begreifen können).

Bald nach dieser Umfrage fand jedenfalls das Referendum „Pro Vollgeld“ statt, wo es genau um diese Frage ging. Denn die Proponenten der Vollgeldinitiativen wollen ja die Geldschöpfung als exklusives Hoheitsrecht in der Finanzverfassung verankern. Nun, das Referendum brachte mit nur 24,3% Zustimmung das paradoxe Ergebnis, dass das was 80% der Bevölkerung laut Umfrage wollten, abgelehnt wurde. Erklärbar ist dieses Ergebnis – abgesehen von der massiven und ziemlich unqualifizierten Desinformation durch die „Finanzmärkte“ im Vorfeld des Referendums –  nur durch die weitverbreitete Unkenntnis über Entstehung und Funktionsweise des Geldes.

Die Verwirrung wird vor allem dadurch verstärkt, dass wir mit zwei Arten nicht klar ersichtlich unterscheidbarer Geldarten unterschiedlicher Herkunftsart operieren. Wir haben es mit zwei weitgehend getrennten Geldkreisläufen zu tun, die aber beide in die Bezahlvorgänge im realwirtschaftlichen Leistungsaustausch einwirken.

In erster Linie haben wir da einmal die Zentralbanken (mit meist angeschlossener Notenbank). Sie sind die eigentliche Quelle des gesetzlichen, von Schulden befreienden Zahlungsmittels: Bargeld (Nur Bares ist Wahres). Was Notenbanken zunächst herstellen sind aber nur „streng kontrollierte Drucksorten“, die erst zu Geld werden, sobald sie jemand ausborgt (Kredit) oder gegen Überlassung von Werten kauft. Doch auch hier gilt, dass es zunächst einen positiven Kontoeintrag geben muss, bevor Bargeld ausgefolgt wird. Das sind die sogenannten „Reservenkonten“, die ausschließlich für Geschäftsbanken bei der Zentralbank geführt werden und deren Inhalte im unbaren Zahlungsverkehr exklusiv am Interbankenmarkt umlaufen und dem Zahlungsausgleich zwischen den Banken dienen. Die verbuchte Zahl auf den „Reservekonten“ und Bargeld sind dabei ein- und dasselbe in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Den Wert erhält das Geld einfach dadurch, dass es nicht nur  vom Gesetzgeber zum einzigen gesetzlichen Schuldentilgungsmittel erklärt wurde, sondern weil es daher jeder braucht, um vor allem auch Steuern für die staatliche Aufgabenerfüllung entrichten zu können.

Mit der Möglichkeit, Zeichengeld aus dem Nichts zu schaffen (Fiat-Geld), und mit der exklusiven Selbstbeschränkung auf die Geschäftsbanken als Kunden, verkörpert die Zentralbank die oberste Währungsbehörde im Staat. Das Publikum, wie auch (mit gewissen Einschränkungen) der Staat selbst, sind allerdings vom direkten Zugang zu einem Zentralbankgeld ausgeschlossen und werden auf den Unternehmenssektor der Geschäftsbanken verwiesen. Die Zentralbanken stehen nur mit Geschäftsbanken in Geschäftsbeziehungen, nicht mit dem Publikum!

Von der Ursprungsidee dieses modernen, von den Zentralbanken geschöpften (d.h.: Ein Zahleneintrag wird zu gesetzlichem Geld erklärt) Zeichengeldes her, obliegt es den Geschäftsbanken, dieses Geld als Zahlungsmittel in den Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. Und es entspricht das der immer noch weit verbreiteten Auffassung, dass Banken dieses Geld von den Zentralbanken – und im weiteren Verlauf, sobald es aus den Wirtschaftstätigkeiten zu Ersparnissen kommt,  auch von den Sparern – borgen und es an Kreditnehmer verleihen. Das ist nur zu einem verschwindend geringen Teil der Fall und daher Irrtum Nr. 5.

Banken erzeugen nämlich ihr eigenes Geld. Mit jeder Kreditvergabe. Das dazu benötigte Zentralbankgeld („Reserven“) beträgt nur einen Bruchteil des vergebenen Kredits und man spricht daher auch von der fraktionalen Geldschöpfung der Banken. Was wird bei einem Kredit erzeugt? Ein Schuldverhältnis. Die Zahl, die der Kreditnehmer auf seinem Konto theoretisch (kurzzeitig, weil er will ja damit etwas bezahlen) vorfindet, ist aber kein Geld im rechtlichen Sinn, sondern nur eine Forderung auf Geld gegenüber der Bank, die nun ihrerseits die Forderung auf Rückzahlung gegenüber dem Kreditnehmer in ihren Büchern hat. Es hat eine Bilanzverlängerung stattgefunden, die nach Kredittilgung wieder entsprechend verschwindet. Kredit schafft eine Forderungsbeziehung, aber kein Geld!

Die Schöpfung von gesetzlichem Zahlungsmittel ist den Banken allerdings verboten und bleibt den Zentralbanken vorbehalten. Im Prinzip bilden Banken mit ihrem „Kreditgeld“ einen Sperrriegel zwischen Zentralbankgeld (gesetzlichem Zahlungsmittel) und Publikum. Forderung auf Geld bedeutet aber Forderung auf Zentralbankgeld, doch für den Bankkunden heißt das, dass er zuerst ein Bankengeldkonto braucht, das ihm eine Verpflichtung der Bank – keine Verpflichtung der Zentralbank(!) – bescheinigt und eine Forderung auf Zentralbankgeld zugesteht. Für die Banken erfüllbar wäre diese Forderung tatsächlich nur dadurch, dass sie sich Bargeld von der Zentralbank leihen und es dem Kunden auszahlen, wie das bei jeder Bargeldabhebung der Fall ist.

Man darf sich das wie einen Wechselvorgang vorstellen. Bei einer Bargeldbehebung wechseln uns die Banken den jeweiligen Bankengeld-Betrag unseres Buchgeldkontos in gesetzliches Zahlungsmittel (Bargeld) um. Umgekehrt verwandeln sie das Bargeld bei einer Einzahlung wieder unmittelbar in Bankengeld. Dieser relativ schnelle Kreislauf, der nur mehr wenig Bargeld benötigt (Bankomat – Kunde – Kaufmann/Lieferant – Bank – Bankomat) ist die einzige Schnittstelle zwischen Publikum und gesetzlichem Zahlungsmittel.

Nun hat sich gezeigt, dass es viel praktischer ist, diesen Wechselvorgang überhaupt zu überspringen und Zahlungen mit der Übertragung von Forderungen gegenüber der Bank zu leisten, sofern der Empfänger damit einverstanden ist. Wir sprechen dann von bargeldlosem Zahlungsverkehr, bzw. von Überweisung. Wir überweisen also kein Geld, sondern nur Forderungen auf Geld. Wir „bezahlen“ praktisch mit der Weiterreichung unseres Vertrauens in die Bank. Wir übertragen eine Schuldverpflichtung unserer Bank. Das setzt vor allem Vertrauen in das Bankensystem voraus, damit so eine „Überweisung“ von unserem Lieferanten auch als Zahlung akzeptiert wird. Bleibt die Überweisung innerhalb desselben Bankenkonzerns, wenn also der Lieferant sein Konto bei derselben Bank hat, kommt überhaupt kein Zentralbankgeld (gesetzliches Zahlungsmittel) ins Spiel. Nur bei Überweisungen an andere Banken müssen die Salden aus den Hin- und Rückflüssen zwischen den Banken am Ende des Tages über die Reservenkonten ausgeglichen werden – denn Banken akzeptieren untereinander natürlich (vorwiegend) nur das gesetzliche Zahlungsmittel.

Es verwundert daher nicht, dass in der Chronik einer großen österreichischen Bank zu lesen war, dass das Interesse am Privatkundengeschäft erst dann geweckt wurde, als die Lohnzahlungen der Unternehmen nicht mehr mittels Lohntüte in bar, sondern durch Überweisung erfolgten. Denn damit war das Bankengeld „endlich“ auch in der breiten Bevölkerung angekommen.

Zusammengefasst haben wir es also einerseits mit dem Geldkreislauf zwischen den Zentralbanken und den Geschäftsbanken zu tun, andererseits mit dem Kreislauf des durch Kreditvergabe geschöpften Geschäftsbankengeldes, mit dem mittlerweile zu rund 85-90% (in Schweden bereits 98%) die Bezahlvorgänge ohne Zentralbankgeld abgewickelt werden. Zwei streng getrennte Kreisläufe, die nur über die schmale und bereits stark bröckelnde Brücke des Bargelds miteinander verbunden sind. Und an deren restlicher Beseitigung wird intensiv und global unter den Bezeichnungen „Inklusion“ und „Better than Cash“ gearbeitet, unter denen man die Abschaffung des derzeit einzigen gesetzlichen Zahlungsmittels, des Bargeldes, betreibt. Wie nicht übersehen werden sollte, entspricht dies letztlich der restlosen Auflösung demokratischer Staaten. Denn ohne Hoheitsrecht über das Geld kann man nicht mehr von Souveränität sprechen.

Wenn man so will, ist das Bankengeld eine Art privat geschöpfte Parallelwährung, die aber in ihrer Funktionsfähigkeit vom Staat (also von uns! Nicht von der unabhängigen Zentralbank!) garantiert wird, damit der für die Wirtschaft so bedeutsame bargeldlose Zahlungsverkehr auch tatsächlich funktioniert.

Da die Buchungen auf unseren Konten ebenfalls auf Euro und nicht etwa auf Bankentaler lauten, und dass sie für gewöhnlich auch als Zahlung akzeptiert werden, sich also wie Geld verhalten, entsteht der Eindruck, dass sie auch Geld sind. Der Irrtum Nr. 6, dass 1 Euro gleich der Forderung auf 1 Euro ist, verfestigt sich noch dadurch, dass sich in wirtschaftlich normalen Zeiten erwiesen hat, dass man die Forderung auch jederzeit mit Bargeld erfüllt bekommt. Und freilich kann die Zentralbank jede Menge Bargeld drucken, doch wenn es den darum ansuchenden Banken an der Bonität mangelt, muss die Zentralbank auf den Bürgen als Schuldner zurückgreifen – und das ist der Staat, bzw. die Bürger, wie das ja bereits im Namen drinnen steckt und wie wir das bei der letzten großen Bankenrettung erfahren mussten – und wahrscheinlich bald wieder erleben werden.

Wenn sich aber etwas, nur weil es wie Geld funktioniert, als Zahlungsmittel durchsetzt, wie das sogenannte (faktisch) aus dem Nichts geschöpfte Buchgeld der Banken, dann hat das schwerwiegende gesellschaftliche Auswirkungen. Zweifellos werden damit zu allererst einmal Hoheitsrechte von einem privaten Wirtschaftszweig vereinnahmt. Des Weiteren ist es eine enorme Privilegierung der Banken gegenüber allen anderen Wirtschaftsteilnehmern die kein eigenes Geld erzeugen dürfen. Etwas, das eigentlich Anstoß zu neuerlichen Überlegungen bezüglich „Markt“ sein sollte. Denn das, was immer noch als Markt angesehen wird, hat weniger mit freiem, realwirtschaftlichen Wettbewerb zu tun, sondern ist im Wesentlichen das „Schlachtfeld“ auf dem Banken und Finanzdienstleister ihre Privatkriege um die Geldhoheit und damit um die Vorherrschaft über die Menschen auskämpfen. Hier wird der Wettbewerb in Rivalität verwandelt. Der Bürger dient darin bestenfalls als missbrauchsfähige Zählgröße. Doch keine Sorge. Es ist alles rechtens – und genau das ist das Problem!

Es wäre jedoch der eindeutig falsche Weg, nunmehr im Sinne des Gleichheitsgrundsatzes die Ausweitung der Geldschöpfungsmöglichkeiten auch auf alle anderen Unternehmen zuzulassen. Immerhin sind die Zentralbanken aus dem wegweisenden und guten Grund entstanden, dem früheren Chaos von Banknoten unterschiedlicher Emittenten ein Ende zu bereiten und ein allgemein gültiges Zahlungsmittel mit Annahmezwang zur Schuldentilgung zu etablieren.

Die Zentralbanken pochen zwar vehement auf ihre Unabhängigkeit – und das noch dazu unter breiter Zustimmung einer verunsicherten Bevölkerung – aber wovon sind denn die Zentralbanken unabhängig? Es ist die Unabhängigkeit von jeglichen Einflüssen des Staates (das sind wir!), aber es ist keine Unabhängigkeit von den Banken! Und so erweisen sich die Zentralbanken als Bank der Banken. Gleichsam als die Schirmherren des Bankensystems, worauf ich noch später zu sprechen kommen werde.

Da nun einmal die überwiegende Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken erfolgt, liegt es auch an diesen, über Menge und Verwendungszweck zu bestimmen und das muss sich zwangsläufig an der Rentabilität orientieren, denn ihr Geschäftsmodell besteht darin, aus selbstgemachtem Geld mehr echtes Geld an sich zu ziehen. Das heißt, mit Geld die Nachfrage nach noch mehr frischem Geld anzustoßen. Aus selbstgemachtem Geld werthaltiges Geld zu machen. Eigentlich nicht ganz unähnlich zu Geldfälschern, aber so darf man das natürlich nicht sehen. Das verbliebene Hoheitsrecht der Staaten wurde solchermaßen zur Hoheitspflicht, indem sie das private Bankengeld mit dem staatlichen Gütesiegel zu versehen haben, ohne jedoch selbst direkten Zugang zu Zentralbankgeld zu haben. Die Zentralbanken haben für sich selbst mit der vorgeschobenen Begründung dass sonst durch erwartbaren Missbrauch der Geldschöpfung durch den Staat Geldentwertung stattfinden würde erwirkt, dass es ihnen verboten ist, Staatshaushalte direkt zu finanzieren. Es ist aber daher dem Staat unmöglich, für etwas zu garantieren, das er selbst nicht hat und auch nicht selbst erzeugen kann. Um die Garantie dennoch erfüllen zu können, muss sich der Staat zwangsläufig auf das Eigentum seiner Bürger stützen. Besonders auf jenen Sektor, auf den die leichtesten Zugriffsmöglichkeiten bestehen und das sind – wenig erstaunlich – stets die Schwächsten, und ist zugleich der Ursprung für die verbreitete ablehnende Haltung gegenüber dem Staat.

Die Zentralbanken sind bei so umfassenden Sicherheiten daher gerne bereit, das von den Banken als Kreditgeld besonders gern für Staatshaushalte geschöpfte Geld zu refinanzieren. Sie benützen gemeinsam mit den „Märkten“ die Garantie der Staaten und halsen diesen die Schulden der Banken auf. Gegen die Schuldverpflichtungen der Staaten erhalten die Banken den entsprechenden Eintrag auf ihren „Reservenkonten“, also echtes, von den Zentralbanken geschöpftes gesetzliches Zahlungsmittel.

Soweit zunächst einmal die prinzipiellen Fakten. Freilich in vollem Bewusstsein, die Feinstruktur, durch die sich aber erst der undurchsichtige Nebelschleier über das Geldsystem absenkt, ausgeklammert zu haben. Das Prinzip ist recht simpel, auch wenn die Dinge im Detail nicht ganz so einfach sein mögen. Doch selbst wenn sich anhand von Einzelbeispielen („ja, aber“) dagegen argumentieren ließe, so bleibt das Prinzip davon dennoch unberührt, auch wenn die Auswirkungen zum Teil zeitlich verdünnt werden, um die Augenfälligkeiten zu dämpfen (z.B. durch die derzeitigen Zinsfestsetzungen).

Dass die führenden Ökonomen die Problematik dieser Konstruktion des Geldes nicht erkennen, oder zumindest nicht thematisieren, liegt vor allem wohl daran, dass sie sonst nicht die führenden Ökonomen wären. Denn auch die Ausbildung wird mittlerweile natürlich von „den Märkten“ zu deren Vorteil beherrscht. Es finden sich daher nur sehr wenige Ökonomen, die über ihr eingepflanztes Ausbildungswissen, in dem Geld kaum ein Stellenwert eingeräumt wird – weil damit doch alles gut ist wie es ist – hinauszugreifen vermögen und eigene Haltungen entwickeln können. Es sind das die an den Rand gedrängten leisen Mahner, deren Stimme in der Öffentlichkeit nicht gehört wird und die als unbedeutend oder vielfach gar als Verschwörungstheoretiker diskreditiert werden.

Wir müssen also wohl oder übel unser Verhalten, all unsere Aktivitäten, Einstellungen und Lebensweisen auf die von „den Märkten“ in undemokratischen Prozessen festgelegten Spielregeln des Geldes abstimmen. Doch wir könnten als Bevölkerung auch aufwachen und uns, da Geld ja eine gesellschaftliche Einrichtung ist, für die Änderung der Spielregeln einsetzen. Für Spielregeln, die die Finanzindustrie wieder zu einem Teil der Gesellschaft machen und Gesellschaftsentwicklungen ohne Rivalität und Kriege zulassen.

Wie ich gezeigt habe, liegt das Recht zur Geldschöpfung nahezu ausschließlich beim Bankensystem, von dem die Zentralbanken reaktiv zu Maßnahmen gezwungen werden, die man ihnen in der Öffentlichkeit vorwirft und damit „den Staat“ als Verursacher alles Bösen und als – wenngleich stimmrechtslosen – Eigentümer der Zentralbank „prügelt“. Der Staat – und nochmals: Das sind wir! – zappelt im Geldschöpfungsdilemma. Mit dem „praktischen“ Kreditgeld hält das Bankensystem Staat und Bürger vom gesetzlichen Zahlungsmittel, das ja auch ein schuldenfreies Positivgeld sein könnte, fern. Was immer wir von „guter“ Politik erwarten, betrifft jedoch ausschließlich die Verteilungsfrage, weil Geldschöpfung eben kein Thema ist. Wir kritisieren die Geldverschwendung des Staates und fragen uns oftmals zu Recht, weshalb es für manches wie für Rüstungsgüter und unsinnige Megaprojekte ausreichend Geld gibt, für anderes wie z.B. Kindergärten, Umweltschutz, Schulen und Lehrpersonal hingegen nicht.

Spätestens jetzt sollte die Antwort darauf klar geworden sein: Geld ist nicht ganz einfach da, sondern es wird erzeugt. Und wer das Recht innehält, Geld zu schöpfen, der bestimmt auch darüber, wofür es geschöpft wird. Im Unterschied zu einem Vollgeld verschwindet Kreditgeld der Banken bei Kredittilgung aber wieder im „Nichts“ und muss zur Aufrechterhaltung des realwirtschaftlichen Geldkreislaufes wieder durch einen Neukredit ersetzt werden. Wenn jedoch die Chancen für eine entsprechende Verzinsung durch Spekulation an den Börsen besser stehen als in der Realwirtschaft, dann weiß man auch wohin dieses Geld fließt.

Christoph Boschan, der Chef der Wiener Börse ist soeben wieder (7.7.2019) mit einer gleichermaßen interessanten wie skurrilen Bemerkung aufgefallen: „Die Börse könnte eine Wohlstandsverteilungsmaschine sein“. Es müssten sich bloß möglichst alle Menschen an den Kapitalmarkt heranwagen, um am Gewinn mitzunaschen. Und er rechnet anhand historischer Werte von jährlich 7% Verzinsung vor, dass man bei monatlicher Einzahlung von 100.- auf einen ATX-ETF Sparplan, nach 50 Jahren bereits 545.000.- (allerdings vor Abzug von Gebühren, Steuern, Inflationsverlusten und sonstigen Unwägbarkeiten) erhielte. Er schließt daraus messerscharf, dass daher jeder Österreicher locker mit einer halben Million zusätzlich in Pension gehen könnte. Was soll man da bei soviel Scharfsinn noch dazu sagen? (Dieser Absatz wurde von mir übrigens wortidentisch auch als Leserbrief an „derStandard“ gesendet).

Auch wenn die Finanzialisierung – vor allem durch Verrechtlichung bis in die tiefsten Winkel unseres Privatlebens, wodurch die Verantwortung und Haltung durch Ansprüche ersetzt wurden – enorm ausgeweitet wurde, so muss man doch zwei Hauptbereiche des Wirtschaftens unterscheiden: Einerseits alle Aktivitäten und Projekte die eine Kapitalverzinsung erwarten lassen und andererseits solche, die zwar zu einem gemeinschaftlichen Wohlstandsgewinn führen, aber eben keine Geldrendite, sondern nur Kosten versprechen, auch wenn die „Kosten“ ja gleichermaßen Einkommensmöglichkeiten bedeuten. Solche Investitionen werden daher gerne dem Staat überlassen – und der hat, wie ich hoffentlich zeigen konnte, kein Geld. Das ist das Dilemma von Bürgern und deren anständig gebliebenen Politikern.

Denn die Geldgeber sind „die Märkte“ und denen ist das Wohlergehen einer Gesellschaft ziemlich egal, so lange sie nicht selbst davon betroffen sind. Die wollen eine möglichst rasche Geldrendite sehen, weshalb sie auch entsprechend lenkend in die Wirtschaft eingreifen – auch wenn sie stets den „freien Markt“ predigen. Gerne leiht man aber auch dem Staat für seine unrentablen Aufgabenstellungen große Pauschalsummen und erhöht damit dessen Abhängigkeit von den „Märkten“, weil man sicher sein kann, dass ihm eine Rückzahlung niemals möglich sein wird. Und man begnügt sich (heilfroh) mit den jährlichen Zinsen auf die Geldleihe an den Staat, die aber immer nur durch Neuverschuldung aufgebracht werden können (Die Zinsen und etwaige Rückzahlungsraten sind die Differenz zwischen dem Finalbudget und dem Primärbudget, in dem noch keine Kapitalkosten Berücksichtigung finden). In diesem Zusammenhang ist vielleicht interessant, dass die meisten Primärbudgets einen positiven Saldo aufweisen, der sich erst nach Berücksichtigung der Kapitalkosten in die ständig steigende Verschuldungsspirale der Staaten mit einem neuerlichen Minus einfügt.

Nun aber zu Vollgeld. Was soll mit einer Vollgeldreform, die mittlerweile von weltweit bereits über 30 Initiativen angestrebt wird, bewirkt werden? Ganz einfach: Geld soll seine gesellschaftsfördernde Widmung zurück erhalten. Damit soll die alleinige Geldschöpfung in Form von Münzen, Bargeld und Giralgeld ausschließlich einem staatlichen, demokratisch kontrollierten Währungsamt, unterstellt werden. Diese Funktion könnte wohl am besten eine jeweils entsprechend adaptierte Zentralbank ausüben. Sie wäre dann unter der dafür vorgeschlagenen Bezeichnung „Monetative“ neben Legislative, Judikative und Exekutive die vierte staatliche Gewalt.

Die Durchführung wäre juridisch wie technisch sehr einfach. Alle Girokonten und Sparguthaben, die jetzt Forderungen auf Geld gegenüber den Banken sind, würden zu Vollgeld erklärt, also zu gesetzlichem Zahlungsmittel (so, als lägen sämtliche Konteneinträge als Bargeld vor), und werden zunächst aus den Bankbuchhaltungen ausgegliedert und entsprechend durch eine Monetative-Forderung auf Geld gegenüber den Banken ersetzt. Die Monetative wäre somit der Gläubiger der Banken und statt Schuldner gegenüber Banken-Buchgeldhaltern (also dem breiten Publikum) zu sein, wären die Banken nun Schuldner gegenüber der Monetative. Banken wären den anderen Unternehmen gleichgestellt, ihr Geschäftsfeld wäre hingegen weiterhin die Verwaltung und Abwicklung der Zahlungsströme, wie auch das Kreditgeschäft. Eigene Geldschöpfung wäre ihnen allerdings untersagt.

Die Girokonten würden auch weiterhin für die Zahlungskreisläufe von den Banken, allerdings außerhalb ihrer Buchhaltung gegen Gebühren geführt und wären wie Bargeld – und damit selbst bei einer Bankenpleite absolut sicher. Geld würde wieder so funktionieren, wie es sich die meisten vorstellen, dass es das tut. Von der Bank werden dann für uns nicht Guthaben verwaltet, sondern Geld. Die Geldversorgung der Wirtschaft soll auch weiterhin in Händen der Banken liegen, doch wären die Kredite dann Darlehen von tatsächlichem Zentralbankgeld und kein Geldsurrogat aus bankgeschöpftem „Kreditgeld“. Geldquellen der Banken zur Kreditvergabe wären weiterhin Zentralbankkredite, Kredite von Sparern die sich an einem Risiko beteiligen und daran verdienen möchten und Interbankkredite. Soweit in aller Kürze.

Man darf freilich nicht erwarten, dass mit einer Vollgeldreform alle Probleme schlagartig gelöst wären, aber es wäre der erste notwendige Schritt, um überhaupt weitere Weichenstellungen zur Stabilisierung des wankenden Finanzsystems vornehmen zu können.

Hier nur einige wesentliche Punkte, die von einer Vollgeldreform zu erwarten sind:

  • Es gibt nur mehr eine Geldart: Das gesetzliche Zahlungsmittel
  • Auch Kredite werden mit gesetzlichem Zahlungsmittel finanziert
  • Das Geldsystem wird einfacher und transparenter
  • Das gesamte Finanzsystem wird stabiler
  • Finanzblasen werden unwahrscheinlicher
  • Der Geldschöpfungsgewinn kommt der Allgemeinheit zugute
  • Staatsschulden können sukzessive halbiert werden
  • Geld kann auch schuldfrei in Umlauf gebracht werden (Positivgeld)
  • Kontogeld ist so sicher wie Bares
  • Der Wachstumsdruck wird reduziert und die Umwelt dadurch geschont
  • Eine tatsächlich ehrliche Wirtschaftsethik könnte sich entfalten

Den allerwichtigsten Punkt sehe ich jedoch in den gesellschaftspolitischen Entwicklungsmöglichkeiten. Heute erwarten wir von der Politik Dinge, die sie beim besten Willen aus finanztechnischen Gründen gar nicht erfüllen kann, weshalb auch die meisten Vorwahlversprechen unerfüllt bleiben müssen. Dass das wiederum zu Vertrauensverlust in die Politik führt, sollte nicht verwundern. Erst eine Vollgeldreform, die ja vor allem die Souveränitätsrechte stärkt, bietet die politischen Möglichkeiten für weitere Entwicklungsschritte in Richtung gerechter, friedensfähiger Gesellschaftsordnungen. Und erst nach einer Vollgeldreform könnten wir fairer Weise die Politik in die Pflicht nehmen und an ihrer Aufgabenerfüllung messen. Der heutige Personenkult könnte sich wieder auf die Sachthemen verlagern. Auf die Fragen: „Was ist wünschenswert?“, „Was soll geschehen?“, „Worin besteht der Beitrag zur Wohlstandsentwicklung?“, „Was brauchen wir dazu?“, „Was davon haben wir?“ (Rohstoffe welcher Art, wie ist es mit der Nachhaltigkeit, Kenntnisse und Fähigkeiten, frei verfügbare arbeitsfähige Bürger, …..), „Setzt das neue Projekt auf einer gesellschaftlich ausgewogenen Grundstruktur auf?“, „Ist es tatsächlich ein kollektiver Entwicklungsschritt, oder vielleicht sogar ein Spaltungskeim?“ u.s.w. Im Unterschied zu heute, wo wertvolle Projekte wegen „Geldmangel“ abgewürgt, andere hingegen wegen Renditeträchtigkeit und seien sie noch so unsinnig oder sogar schädlich, durchgezogen werden, stellt sich die Frage der Finanzierung erst ganz zum Schluss und ist nicht das eigentliche Problem („Schwerter zu Pflugscharen“ oder zeitgemäßer „Autos zu öffentlichen Verkehrsmitteln“ fällt mir im Vergleich dazu ein, denn Geld braucht man ja jeweils für beides).

Die neuen politischen Handlungsräume würden auch Chancen für neue Werthaltungen eröffnen. Je nach Produktivität einer Gesellschaft wäre auch die derzeitige Verknüpfung von Erwerbsarbeit mit Einkommen diskutierbar und könnte der unaufhaltsam steigenden Arbeitslosigkeit, die nur durch krampfhafte Arbeitsplatzschaffung für deshalb meist Entbehrliches zu dämpfen versucht wird, den Schrecken nehmen. Begleitend dazu wären wahrscheinlich neue Bildungs- und Kulturausrichtungen nötig – aber zugleich auch möglich.

Kurzum: Eine Vollgeldreform würde die Möglichkeit eröffnen, dass wieder die Gesellschaftsentwicklung gegenüber der Finanzmarktentwicklung in den Vordergrund rückt. Oder anders gesagt: Vollgeld, damit sich die richtigen Dinge wieder „rechnen“ können!

Nun drängt sich freilich regelrecht die Frage auf, weshalb dieses alles entscheidende Thema, „Geldordnung“, noch von keiner politischen Partei in das Programm aufgenommen wurde. Gewiss, eine Vollgeldreform würde natürlich einen Machtverlust Weniger bedeuten (den Banken würde die Geldschöpfungsmöglichkeit genommen), dafür aber einen Machtgewinn Vieler, und würde damit aber nicht nur der Politik insgesamt wieder zu Ansehen verhelfen können, sondern auch einen Wählerzustrom zu jener Partei erwarten lassen, die sich glaubwürdig für so eine Reform einsetzt und sie auch entsprechend zu vermarkten vermag.

Man sagt, dass wenn etwas noch so Vernünftiges nicht geschieht, es ganz einfach politisch nicht gewollt ist. Doch was heißt das? Das kann doch nur bedeuten, dass es die Politik aufgegeben hat, die Interessen der Bürgergesellschaft zu vertreten.  Wenn das in Hinblick auf eine Vollgeldreform auch zuträfe, so entwirft das eigentlich ein erschütterndes Bild und entlarvt unser politisches System als ohnmächtige Marionette des Finanzsektors. Ich kann und will aber nicht glauben, dass dem so ist. Und ich will auch nicht glauben, dass es die Angst um ihr Leben ist, weil man munkelt, dass das Mordmotiv an J.F.Kennedy dessen Entscheidung für staatliches Geld gewesen wäre. Vielleicht sind den Politikern ja nur die Möglichkeiten gar nicht bewusst, die eine Vollgeldreform für sie bieten würde. Warum treten aber auch die Medien, die ja sonst so gerne der Politik herausfordernd gegenübertreten nicht für Vollgeld ein?

Bei den Medien sind meine langjährigen Erfahrungen dahingehend, dass das Thema „Geld“ in den Wirtschaftsredaktionen kaum verstanden wird. Der Staat wird viel lieber populistisch gefällig ob seiner Ausgaben gegeißelt, ohne dass darauf eingegangen würde, wem denn die Einnahmen aus diesen Ausgaben zufließen. Vor allem der Staat soll sparen, zugleich aber auch „die Wirtschaft“ fördern. Oder es werden neue Geschäftsideen bejubelt, ohne auf deren gesellschaftlich oftmals bedenklichen Wert einzugehen. In den Medien klingt eben alles gut, was Geld „bringt“ und soll ja auch zur Nachahmung anregen, ohne die Frage zu beantworten, woher das Geld kommt und welche Art von Geld das ist. Freilich, Medien trachten uns mit Sensationen zu versorgen und da steckt natürlich in den von der versagenden Geldordnung verursachten Problemen, bis hin zu Berichten über Kriege, Not und Elend mehr drinnen als bei einer „langweilig“ funktionierenden Gesellschaft. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Langeweile, mit der ja auch Muße, Überschaubarkeit und Planbarkeit verbunden wären, bei der Bevölkerung nicht besser ankäme. Mit Altersbeschwerden, Krankheiten, Beziehungsproblem, Naturkatastrophen und sonstigen unvorhersehbaren Ereignissen gäbe es noch genug aufrüttelnde Einschnitte im Lebensverlauf, über die man berichten könnte. Politik sollte zum Wohle der Zivilgesellschaft durchaus beruhigend fad werden.

In diesem Zusammenhang fällt mir eine Begegnung mit Ulrike Herrmann, Bankkauffrau mit Geschichts- und Philosophiestudium, Wirtschaftskorrespondentin und Buchautorin über Kapitalismus ein. Auf meine Frage, was sie eigentlich von Vollgeld hielte, antwortete sie strikt ablehnend mit der Begründung, „weil es das ja noch nirgends gibt“. Das zeigt, dass selbst diese einschlägig hoch gebildete Frau, Geld nicht anders als als Schuld zu denken vermag. Wahrscheinlich zeigt das aber eher, dass sie sich noch gar nicht mit dem Thema Geld auseinandergesetzt hat und schon gar nicht mit der Vollgeldidee. Denn mit Bargeld, das zum Glück noch nicht gänzlich verdrängt wurde, haben wir doch sogar Vollgeld, auch wenn es sich die Bürger derzeit nur über ein Schuldgeldkonto bei den Banken „kaufen“ können.

Und wie sieht es mit den obersten Währungshütern, den Zentralbanken, aus? Im Prinzip würden diese bei einer Umwandlung zu einer „Monetative“ einen Macht-Zugewinn erhalten. Sie könnten tatsächlich aktiv über die Geldmenge bestimmen und damit auch für tatsächliche Preisstabilität sorgen. Sie wären weiterhin unabhängig, allerdings unter parlamentarischer Kontrolle. Aber sie wären dann nicht nur unabhängig von der Regierung, sondern auch unabhängig von den Banken. Wie aber in einer kürzlich stattgefundenen Diskussion zum Thema „Vollgeldreform“ ersichtlich wurde, besteht seitens unserer Zentralbank keinerlei Interesse an einer Vollgeldreform. Das bekräftigt für mich den Eindruck, dass die Zentralbank sich den Banken stärker verpflichtet fühlt, als der Bevölkerung. Vielleicht hängt damit ja auch der Umstand zusammen, dass der Chef der Zentralbank als „Gouverneur“ bezeichnet wird, also als Statthalter für wen auch immer (Statthalter der Märkte?).

Wer bleibt daher noch übrig, um für einen so grundlegenden und zeitnotwendigen Problemlösungsschritt einzutreten? Die Bevölkerung! Auch wenn sich für die Bevölkerung zwangsläufig alles ums Geld dreht, interessiert sie sich kaum für die größeren Zusammenhänge, so lange sich noch irgendwelche Chancen – und sei es durch kriminelle Handlungen – auftun, um an das nötige Geld zu kommen. Und der Durchschnittsbürger fragt nicht nach Herkunft und Art des Geldes und genießt die bequeme Art des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, ohne zu registrieren, wie er in seinen Souveränitätsrechten immer mehr beschnitten wird.

Seit vielen Jahren habe ich immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Problematik der Geldordnung hingewiesen. Auch dieser Aufsatz ist so ein Versuch, selbst wenn er mich zu einem Ende geführt hat, das mich eigentlich in Resignation stürzen müsste. Ich bin jedoch für eine hoffnungsgeladene Sturheit bekannt und so baut mich das ungemein auf, wenn Sie, liebe Leserin/lieber Leser, sich bis hierhin durch den Text gekämpft haben. Denn es lässt mich hoffen, dass Sie die Bedeutung der Geldproblematik vielleicht aus neuer Sicht aufnehmen konnten und dass Sie erkennen konnten, dass Geld, Finanzen und alles was damit zusammenhängt, viel einfacher ist, als es uns meistens wie als eine Geheimwissenschaft dargestellt wird. Und vor allem lässt es mich hoffen, dass Sie zumindest manche der Inhalte in Diskussionen weitertragen werden. Mit der Geldordnung geht es um nichts anderes als um die Überlebensmöglichkeit der Zivilisation.

Ganz zum Schluss möchte ich Sie noch anregen, in einschlägigen Diskussionen einmal darauf zu achten, um welchen Bereich der Finanzarchitektur es geht und ersuche Sie meine These zu überprüfen: Es geht überwiegend um die Verteilungsfrage, selten um die Frage der Inumlaufbringung und niemals um die Geldschöpfung.

Eine Vollgeldreform müsste als viel größerer Sprung der Menschheitsentwicklung erkannt werden, als es der erste Schritt auf den Mond war.

Über Rückmeldungen freue ich mich!

Günther Hoppenberger, Linz, im Juli 2019                                         www.lifesense.at

hoppenberger@aon.at 

Für weiterführende Informationen empfehle ich: 

Josef Huber; „Monetäre Souveränität“ Metropolis-Verlag (Marburg, 2018) 

www.vollgeld.de

www.monetative.de

www.vollgeld-initiative.ch

www.proVollgeld.at

www.positivemoney.org