MYTHEN ÜBER DIE GELDORDNUNG……..UND MEHR

 

Unter der Überschrift, „Vier Mythen über die Geldpolitik der EZB“, greift Andras Szigetvari im STANDARD vom 9.3.2019 einige weit verbreitete Irrmeinungen auf, deren gesamtgesellschaftliche Bedeutung aber weit über den Rahmen sogar der EZB Möglichkeiten hinausgehen. Immerhin ist es wieder einmal ein mutiger, wenngleich dennoch etwas zaghafter Schritt Herrn Szigetvaris, ein klein wenig die Enttabuisierung einer öffentlichen Diskussion über die Geldordnung als solcher anzustoßen.

Ausgehend von der „Nullzins-Problematik“, die Draghi zunehmend zum Vorwurf gemacht wird, werden die in der öffentlichen Meinung – aber auch in der Politik – verankerten Irrtümer über Sparen, Kredit und Inflation angeschnitten. Einige Anmerkungen zur ergänzenden Abrundung erachte ich dennoch als dringend notwendig.

1.Sparen: Vom sinnvollen Spargedanken im Umgang mit natürlichen Ressourcen haben wir uns leider längst schon verabschiedet und haben unsere Ängste um Vorsorge auf das Sparen von Geld ausgerichtet. Eine scheinbar logische Entwicklung in jeder ausgereiften Geldwirtschaft. Nicht mehr ganz so logisch ist jedoch der Anspruch, dass sich gespartes, also nicht ausgegebenes Geld, aus sich heraus vermehren müsste. Zu dieser Anspruchshaltung wurden wir jedoch von klein auf erzogen und werden mit den verlockenden Sprüchen wie „Lassen Sie Ihr Geld arbeiten“ immer wieder darauf konditioniert, Verzinsung als rechtmäßigen Anspruch zu erheben.

Persönliches Sparen von Geld ist aber in erster Linie ein Vorenthalten von Einkommensmöglichkeiten für Andere.

Geld kann man zwar bekanntlich nicht essen, aber es gilt zu bedenken, dass Geld, so fabelhaft es auch als Machtmittel erscheinen mag, als ultimatives Überlebensmittel in Erscheinung tritt. Nun möchten wir freilich nicht als Unmenschen erscheinen, weshalb wir unser Erspartes jeweils für eine gewisse Zeit den Banken zur Verfügung stellen, damit diese es dorthin weiter verleihen, wo es benötigt wird. Wir „veranlagen“ es und dürfen uns auch noch rühmen, damit angeblich „Arbeit, Lohn und Brot“ zu schaffen, möchten für diese gute Tat aber auch eine Entschädigung erhalten: Zinsen. Soweit das weitverbreitete – und zugleich falsche – Bild über die Funktionsweise von Geld und Banken.

Spätestens hier sollte sich doch die Erkenntnis durchsetzen, dass es nicht „das Geld“ ist, welches arbeitet, sondern dass es Menschen sind, die es samt den erwarteten Zinsen abzuarbeiten haben. Die Dauer ihrer Verschuldung ist abhängig davon, was man ihnen für ihre Arbeit wertmäßig zugesteht. Ganz analog zu uns, die wir ja auch (hoffentlich) Arbeit geleistet haben, für die uns ein Geldbetrag, bzw. eine Zahl auf dem Konto, zugesprochen wurde, von dem wir einen Teil, den wir nicht unmittelbar für unsere Bedürfnisse benötigten zurücklegen, also sparen konnten.

Dieses System erscheint uns so klar und offensichtlich, dass wir auch gerne daran festhalten wollen, obwohl längst schon erwiesen ist, dass die Dinge nicht ganz so laufen. Denn woher stammt denn das Geld eigentlich, das der Sparer zur Bank bringt? Wie ist es entstanden? In der Natur kommt Geld ja nicht vor. Und wir brauchen doch vorweg bereits Geld, um überhaupt arbeiten zu können. Erst Geld ermöglicht, sich mit Arbeit in eine arbeitsteilige Gesellschaft einbringen zu können.

Ganz einfach so, ohne finanzieller Absicherung arbeiten zu können, setzt zwingend Eigentumsrechte voraus! Idealerweise solche über Grund und Boden.

2. Kredit: Wir müssen also die nächste Ebene in unseren Blick einbeziehen, dann passt ja (vermeintlich) wieder alles: Die Zentralbanken geben den Geschäftsbanken Kredit, den diese an die Wirtschaft gegen höhere Verzinsung weiter verleihen. So wird es immer noch gelehrt und auch die Banken versuchen ihre vermeintliche Funktion als Vermittler auf diese Art zu erklären. Als oberste Geldschöpfungsinstanz hätten wir also die Zentralbank, zu deren Sicherheit die vergebenen Kredite an Private oder Staaten dienen sollten. Irgendwie erscheint das plausibel. Das Ersparte, das ich zur Bank bringen konnte, stammt also aus irgendeinem Kredit der Zentralbank an irgendeine Geschäftsbank, die damit wiederum irgendein Unternehmen vorfinanzierte, und fand als Bezahlung für geleistete Arbeit irgendwie den Weg zu mir.

Es sei aber auch darauf hingewiesen, dass der Staat selbst, also wir, derzeit keine Oberhoheit über das Geld besitzt, sondern es sich ebenfalls, z.B. gegen Ausgabe einer wie auch immer verzinsten Staatsanleihe, also eines Schuldscheines, bei den Geschäftsbanken, die wir in ihrer Gesamtheit als „Markt“ zu verstehen lernten, leihen muss. Allerdings kann und muss die Rechtsordnung eines Staates, bzw. eines Währungsgebietes, festlegen, dass nur das Geld der Zentralbank für Steuerleistungen und auch für sonstige schuldbefreiende Zahlungen akzeptiert wird, ja sogar akzeptiert werden muss. Nur dadurch erhält Geld überhaupt seine Wirkkraft, weil es eben jeder braucht.

Um die Kaufkraft des Geldes zu erhalten, hat die Zentralbank die Aufgabe darauf zu achten, dass davon so wenig wie möglich und so viel wie nötig in den Wirtschaftskreislauf gelangt. Geld muss hinreichend knapp gehalten werden, sonst verliert es seinen Wert. Soweit so klar.

Nun, alle diesbezüglichen gesetzlichen Regelungen wurden jedoch in einer Zeit getroffen, in der von Digitalisierung und bargeldlosem Zahlungsverkehr noch keine Rede war. Deshalb auch wurde das alleinige Geldschöpfungsrecht für Zentralbanken nur auf Münzen und Bargeld beschränkt.

Das bot jedoch den Geschäftsbanken die Möglichkeit, mittlerweile schon zu rund 90%, die Geldschöpfung durch eigene Kreditvergabe unter nahezu völliger Umgehung der Zentralbanken unter ihre Kontrolle zu bringen. Dieses, nunmehr private Kreditgeld der Banken besitzt jedoch eine gänzlich andere Qualität als das Zentralbankgeld. Es entsteht bei jeder Kreditgewährung und verschwindet demgemäß bei Kredittilgung wieder. Bleiben sämtliche Zahlungsflüsse innerhalb desselben Bankensystems, das man sich gedanklich als Einheitsbank, bei der jeder ein Konto haben muss, vorstellen kann, dann kommt bei bargeldlosem Zahlungsverkehr überhaupt kein Zentralbankgeld ins Spiel. Bei der Vielgestaltigkeit der Bankenlandschaft muss jedoch der Saldo aus den jeweiligen Zu- und Abflüssen aus Überweisungen, sehr wohl durch Zentralbankgeld ausgeglichen werden. Hier tobt also hinter den Kulissen des Interbankenmarktes der Konkurrenzkampf um „Zentralbankreserven“ zwischen den Banken.

Was ist nun eigentlich dieses von den Banken geschöpfte Kreditgeld? Es ist nur eine insgesamt unerfüllbare Forderung auf echtes (Zentralbank-) Geld. Wer also glaubt, er hätte mit einer positiven Zahl auf seinem Bankkonto auch schon Geld, der irrt. Er hat eine Forderung auf (echtes) Geld gegenüber der Bank. So lange eine Gesellschaft aber das Vertrauen gegenüber den Banken aufbringt, hat sich erwiesen, dass man mit solchen Forderungen auf Geld, so wie mit tatsächlichem Geld, Schulden begleichen kann. Die Forderung auf Geld gegenüber einer Bank wird meist als Zahlung akzeptiert, auch wenn es eigentlich nur ein Geldsurrogat ist.

Wenn aber etwas wie Geld funktioniert und wenn es ununterscheidbar denominiert ist, wenn also die Forderung auf einen Euro mit einem Euro gleichgesetzt wird, weil man die Erfahrung machte, Forderungen auf Geld, also eine Buchungszahl, auch jederzeit in echtes Geld (Zentralbankgeld) wechseln zu können, muss es ja wohl auch Geld sein. So hat sich also unser Vertrauen in das Bankengeld gefestigt, auch wenn diesem Bankengeld in seiner Gesamtheit nur ein paar Prozent, echtes, gesetzlich anerkanntes Geld gegenübersteht.

Viele, die im bargeldlosen Zahlungsverkehr einen großen Vorteil zu erkennen vermeinen (was ja vordergründig zweifellos auch richtig ist), verstehen nicht, dass wir es eigentlich mit zwei Arten von Geldkreisläufen zu tun haben. Einerseits mit Zentralbankgeld, zu dessen Ursprung aber nur die Geschäftsbanken Zugang haben, und andererseits mit Bankengeld, dem durch Kreditvergabe der Banken geschöpften Forderungen auf Geld. Letzteres ist die mittlerweile zu 90% umlaufende und/oder gehortete Geldart.

Mit dieser für das Publikum von Zentralbankgeld ununterscheidbaren Geldschöpfungsmöglichkeit durch Kredit erhalten die Banken ein unglaubliches Privileg gegenüber allen anderen Wirtschaftsteilnehmern. Sie können bis zu einem gewissen Grad sogar Werte mit selbstgemachtem Geld aufkaufen und zugleich entgeht der Gesellschaft (dem Staat) die sogenannte Seignorage, der Geldschöpfungsgewinn.

Diese Konstruktion läuft darauf hinaus, dass der Staat (das sind wir!) auch die Garantie für das von privaten Banken geschöpfte Geldsurrogat übernimmt. Es bleibt ihm gar nicht viel anderes übrig, als sich dazu erpressen zu lassen, will er nicht den Zahlungsverkehr in der Realwirtschaft gefährden. Mit solcher Garantie im Hinterkopf, gelingt es den Banken, die Staaten vor sich herzutreiben und in die Schuldenfalle zu bugsieren.

Und die Staaten werden damit zu Maßnahmen erpresst, die man ihnen gleichzeitig durch öffentliche Meinungsbildung zum Vorwurf macht.

Allem voran mit dem in der Öffentlichkeit kolportierten Bild, dass die Notenbanken „Geld in die Wirtschaft pumpen“. Das können sie gar nicht. Sie können aber für das Bankensystem den Zugang zu Zentralbankgeld erleichtern, wie das nunmehr bereits seit längerer Zeit durch Nullzinspolitik und mit der Bereitschaft, Schrottpapiere (uneinbringliche Forderungen) zum Nominalpreis als Sicherheit zu akzeptieren, geschieht. Viele Banken konnten sich auf diese Art die notwendigen Wertberichtigungen auf der Aktivseite ihrer Bilanzen ersparen und erhielten zudem noch Zentralbankreserven, die sie ihrerseits als Kredite in die Wirtschaft und an Staatshaushalte vergeben sollten. So zumindest die aus höchster Not und Bedrängnis geborene Absicht der Staaten, die nun aber gegenüber den Zentralbanken für die Schuldpapiere haften – das Geld erhielten jedoch die Banken als „Reserven“ auf ihrem Zentralbankkonto.

Statt uneinbringlichen Krediten stehen nun diese ZB-Reserven in den Aktiva der Bankbilanz den gegen die Banken gerichteten Forderungen auf Geld auf der Passivseite gegenüber, was vielen Banken überhaupt erst eine Bilanzlegung mit positivem Eigenkapital ermöglichte.

Nun kann man aber niemanden dazu zwingen, einen Kredit aufzunehmen und sich zu verschulden. Naja, ganz so stimmt das natürlich auch nicht, denn man kann die Bürger natürlich durch neue gesetzliche Vorschriften zu Investitionen zwingen – und seien diese noch so unsinnig – die etwaige Ersparnisse übersteigen. Und man kann die Bürger auch durch verlockende Angebote für Konsumkredite in die Schuldenfalle ziehen („Warum zuwarten und nicht schon heute kaufen?“, oder: „Wir finanzieren Ihren langersehnten Traumurlaub“, …). Vielversprechender ist natürlich, das Publikum zu „todsicheren Veranlagungen in Finanzprodukte“ zu verleiten und dafür sogar günstige Kredite (mit Bankengeld) bereitzustellen. Genau das geschieht, wodurch die Party nach der geplatzten Blase 2008 unvermindert weitergeht und die nächste, noch viel größere Blase im Entstehen begriffen ist.

Die Wahrscheinlichkeit für den Normalbürger dabei zu gewinnen, ist vergleichbar zu einem größeren Lottogewinn, wohingegen Banken immer gewinnen und keine Risiken bezüglich Branchen und Wirtschaftsumfeld wie bei Unternehmenskrediten berücksichtigen müssen.

Veranlagungen des Publikums bedeuten für Banken vor allem die Umwandlung von Ersparnissen in Gebühren. Ein nahezu todsicheres Geschäft.

Dennoch ist die Kreditvergabe selbst bei Niedrigstzinsen an die Bonität des Kreditnehmers gebunden, bzw. an die zu erwartende Rentabilität des Verwendungszweckes. Und mit der Interpretation von „Rentabilität“ fangen die Probleme an. Da geht es um den Wertebegriff. Als rentabel wird nur angesehen, wenn aus dem eingesetzten Geld (bzw. Geldsurrogat), mehr Geld (bzw. Anschein von mehr Geld) wird. Nur das zählt. Unabhängig davon, ob damit ein Wert erzeugt oder vernichtet wird, unabhängig davon, ob es dem Gemeinwohl schadet oder dienlich ist. In ausgereiften Volkswirtschaften wird es da für gesellschaftlich wünschenswerte und zugleich rentable Investitionen in eine Produktion immer enger, auch weil sich zurückliegende Investitionen noch nicht „gerechnet“ haben, oder weil sich alte, längst abbezahlte Produktionsanlagen immer noch so hervorragend als „Cash Cows“ eignen und daher kein Interesse an Neuerungen besteht.

Die Rentabilität all dieser Investitionen ergibt sich bei seriöser Betrachtung  jedoch allein daraus, dass damit durch das ausgewogene Umlaufen in der arbeitsteiligen Lebensführung das „Überlebensmittel“ Geld seine grandiose Wirkung entfalten konnte. Nicht die Vermehrung des eingesetzten Geldes ist rentabel, sondern die menschliche Existenz als Wert an sich, aus der heraus fortlaufend an der Verbesserung der Lebenssituation gearbeitet werden kann. Zumindest sollten wir zu dieser Sichtweise von Rentabilität kommen, wenn wir eine Zukunft haben wollen.

Geld entsteht nicht durch Arbeit, sondern durch Kredit und es wird nur gemäß den Machtstrukturen einer Gesellschaft gegen Arbeit zugeteilt.

Kennen wir denn nicht alle den Einwand „das ist nicht finanzierbar“, wenn es darum geht, Vernünftiges zu finanzieren? Vernunft, so scheint es, ist nicht finanzierbar, denn die Rentabilität von Vernunft, wenn man diese auf Geldmehrung reduziert, liegt in allzu weiter Ferne und schlägt nicht bereits nach einem Quartal als Geldgewinn zu Buche. Und so wird als vernünftig nur mehr das verstanden, was innerhalb kurzer Zeit einen Geldgewinn verspricht. Wir wurden darauf konditioniert, solches als „rationale Entscheidung“ zu verstehen (Niemand fragt allerdings, wann sich ein Fernseher, oder ein Auto „rechnet“, oder wann sich Liebe amortisiert! Man „investiert“ geleistete Arbeit, weil man das ganz einfach als erstrebenswerten Wert ansieht. Man will es).

Und kaum einer wagt die Gegenfrage, warum ausgerechnet gesellschaftlich Gewolltes und im Sinne jeweils neuester Erkenntnisse Gesolltes, nicht finanzierbar sein sollte. Voraussetzung ist allerdings, dass Rohstoffbasis, Fähigkeiten und Know How vorhanden sind. Warum es dann aber am Geld, einem künstlichen Konstrukt, scheitern sollte, muss jedem vernünftigen Menschen als absurd erscheinen. Dass da vielleicht etwas mit der Finanzarchitektur nicht stimmt, wenn Wesentliches aus Geldmangel nicht verwirklicht werden kann, müsste sich doch aufdrängen. Hierin beweist sich auch die Komplizenschaft zwischen Politik und Finanzmärkten, oder – bei wohlmeinender Betrachtung – die Unkenntnis der Politiker, was es mit der Geldschöpfung auf sich hat. Beide Einschätzungen sind für eine gesellschaftliche Entwicklung fatal.

Höchste Zeit, so sollte man meinen, dass das Tabu, mit dem die Geldproblematik in der öffentlichen Diskussion belegt ist, aufgebrochen wird.

Die Frage der Finanzierbarkeit darf nicht vor Klärung der Frage nach dem Gesollten gestellt werden!

Langsam haben wir uns ja bereits daran gewöhnt, dass es in der Politik nicht um Werte, sondern um Interessen geht. Wenn jedoch Interessen nur vom Drang nach Geldmehrung bestimmt werden – und das ist heute (siehe den Rationalitätsbegriff und „Geld als Machtmittel“) der Fall – dann ist die Bürgergesellschaft gefordert, hier anzusetzen und der Politik klare Wertvorstellungen vorzugeben. Die kleine Greta zeigt es uns gerade vor und beschämt all jene, die sich selbst für so besonders wichtig nehmen und die glauben, die Existenz der Menschheit wäre von der Akkumulierung von Geld abhängig.

Also gut, wir werden die Klimaveränderungen kaum mehr in den Griff bekommen. Den Zeitpunkt, als es vielleicht noch möglich gewesen wäre, scheinen wir verpasst zu haben und wir werden uns damit, ganz gleich wie es kommt, zurechtfinden müssen. Wir sollten unseren Untergang jedoch nicht vorsätzlich beschleunigen. Und auf nichts anderes weist uns Greta mit ihrem „Schulstreik für das Klima“ hin.

Diese Aktion, die durch das Internet eine blitzartige Ausbreitung erfahren hat und voraussichtlich noch weiter anschwellen wird, zeigt beispielhaft, worum es im Kräfteringen für die Lebensgrundlagen geht. Dass Greta, vermutlich ohne die wahren Zusammenhänge zu kennen, im Kern zu einer Demonstration gegen die Auswirkungen des Finanzsystems aufruft, verschwindet leider hinter der nun mit aller Untergriffigkeit geführten Diskussion, ob sich überhaupt ein Klimawandel abzeichnet, oder ob es sich nur um eine Hysterifizierung auf Grundlage fehlinterpretierter wissenschaftlicher Erkenntnisse handelt und ob es zulässig ist, dass Schüler den Unterricht schwänzen, um Überlebensrechte einzufordern.

Wenn jedoch gesellschaftliches Wollen durch die Macht der Geldkonstruktion gezwungen wird, sich auf das zu beschränken, was der Geldmehrung dient, wird das zu einer sich bereits abzeichnenden Feudalherrschaft des Geldes über die Bürgergesellschaft führen. Bezeichnend sind ja die bemühten Konzepte für punktuellen Umweltschutz, die wenn überhaupt nur dann Beachtung finden, wenn sie ihrerseits als Geschäftsidee mit Wachstumspotential dargestellt werden können.

Lebensrechte unterliegen solcher Art den ausgetüftelten PR-Strategien der „Finanzmärkte“, die Menschen nur als Manipulationsmasse für ihre Interessen zur Geldmehrung wahrnehmen. Die Bereitwilligkeit, sich dazu benützen zu lassen, wird durch „Brot und Spiele“, wie auch mit dem altbewährten Konzept „teile und herrsche“ erzwungen – so lange es zu keinem Aufwachen der Zivilgesellschaft kommt. Niemand ist konkret für diese Entwicklung verantwortlich zu machen, denn es handelt sich um eine selbstverstärkende systemische Entwicklung. Jeder von uns ist jedoch aufgerufen, sich dafür verantwortlich zu fühlen, eine Systemänderung einzufordern. Und dabei geht es nicht um „Umverteilung“, sondern es geht um den grundsätzlichen Systemfehler, der im Recht zur Geldschöpfung zu verorten ist und von dem die Einschränkung gesellschaftspolitischer Handlungsfreiräume ihren Ausgang nimmt.

Es mag den Anschein erwecken, dass ich mich nun vom Ausgangsthema schon sehr weit entfernt hätte, doch halte ich es für wichtig, verschleierte Zusammenhänge aufzuzeigen, denn:

Alle Probleme, mit denen Politik und Bürgergesellschaft heute konfrontiert sind, sind dem Versagen der Geldordnung geschuldet.

Und die Wurzel liegt beim Geldschöpfungsrecht. Denn wer dieses Recht ausübt, bestimmt über die Gesellschaftsentwicklung. Das soll nicht bedeuten, dass allein schon die Änderung des Geldschöpfungsrechts, wie das von den Vollgeld-Initiativen ins Spiel gebracht wird, bereits alle Probleme lösen würde. Es bedeutet jedoch sehr wohl, dass erst mit dem alleinigen, demokratisch kontrollierten Geldschöpfungsrecht einer vierten staatlichen Gewalt, für die der Name „Monetative“ vorgeschlagen wird, gemeinnützige Gesellschaftspolitik überhaupt erst möglich wird.

Erst Vollgeld eröffnet die politischen Freiräume zu weiteren Reformschritten in Richtung einer friedensfähigen Geldordnung. Denn ohne Geldhoheit gibt es weder Begriffshoheit noch Demokratieentwicklung, sondern ausschließlich die Diktatur der „Märkte“. Und deren Ziele liegen keineswegs in einem Gemeinnutzen, sondern in einer, wenngleich auch nur fiktiven Geldmehrung ohne Wertgrundlage, die sich aber zur Erpressung von Regierungen und Bürgergesellschaft eignet. Auch wurden fast alle Kriege der Neuzeit als psychopathisches Mittel zu dieser perversen Zielsetzung inszeniert.

Ohne hier im Detail auf „Vollgeld“ eingehen zu wollen (Näheres unter www.vollgeld.de, www.provollgeld.at, www.vollgeld-initiative.ch, www.monetative.de, und viele andere), besteht der Kern in der Ausweitung des alleinigen Geldschöpfungsrechts einer dann als Monetative ausgeformten Zentralbank auch auf das Buchgeld. Banken träten dann tatsächlich als das auf, was sie behaupten zu tun: Als Kreditvermittler. Sie könnten jedoch nicht mehr selbst Buchgeld durch Kredite erzeugen und dafür die Garantien der Staaten erpressen.

Was mich immer wieder erstaunt, ist das Desinteresse der Bürger an diesen grundlegenden Zusammenhängen, die alle gesellschaftspolitischen Entfaltungsmöglichkeiten blockieren. Zum einen führe ich das auf eine gewisse Resignation zurück („da kann ich allein doch nichts ändern“), überwiegend jedoch auf die perfide Wirkkraft der öffentlichen Meinungsbildung, von der wir uns unsere Freiräume begrenzen und uns missbrauchen lassen. Vor lauter Zwängen, die für jeden einzelnen überlebensnotwendig erscheinenden Anforderungen der „Märkte“ zu erfüllen, erlahmen wir aus Erschöpfung gegenüber der Frage, was uns eigentlich bewegt.

Zwischenmenschliche Rivalität, die uns dann als Handlungsmaxime noch verbleibt, ja sogar aufgezwungen wird, auch wenn wir sie als Wettbewerb bezeichnen, kann aber kein zukunftsweisendes Konzept für eine globale Menschheitsentwicklung sein.

Im Zusammenhang mit dem vorgeschlagenen Vollgeldkonzept wundert mich dieses offenkundige Desinteresse umso mehr, als den Bürgern damit die Ängste vor Verlust ihrer Ersparnisse genommen würden. Selbst Bankenpleiten könnten den Ersparnissen nichts anhaben, sofern man sie nicht gezielt zu Spekulationszwecken wie im Casino aufs Spiel setzt.

Zusammenfassend kann man sagen:

Das bestehende Geldsystem hat es zwar seit dem Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg ermöglicht, in relativ kurzer Zeit einen relativ weit gestreuten Wohlstand zu erzeugen, es ist jedoch – erkennbar seit den Achtzigerjahren – nicht dazu geeignet, diesen Wohlstand auch längerfristig aufrechterhalten zu können.

Wenn uns das bewusst wird und wir die nötige Neugier aufbringen, dann können wir gemeinsam daran auch etwas ändern, denn die Finanzarchitektur folgt keinem Naturgesetz!

Über Verteilungsfragen kann man natürlich trefflich streiten, doch am Anfang, noch bevor es um Verteilung geht, muss die Frage daher lauten: Wie soll Geld entstehen? Wer soll das Recht haben, Geld zu schöpfen? Wer soll die Kontrolle über die Geldmenge ausüben?

Günther Hoppenberger, im März 2019

P.S.: Selbstverständlich kann man das alles ganz wissenschaftlich und in aller Komplexität – und damit für den Normalbürger verwirrend und unverständlich –  ausführen, es würde sich damit jedoch am Prinzip, das ich hoffe aufgezeigt zu haben, nichts ändern.