MIT BARGELD – ODER BARGELDLOS?

Das war das Thema von „Newton“ auf ORF1 (13.7.2019/18.40). Ein Schwerpunkt wurde dabei über Schweden gesetzt, wo Bargeld bereits fast gänzlich verschwunden ist und vielfach die Annahme von Bargeld selbst für kleine Beträge verweigert wird. Zahlung nur mehr mit Karte oder mit Apps, etc. Da merke ich, wie ich langsam aus der Zeit heraus altere.

Immerhin weiß ich aber, dass es weniger darauf ankommt, womit man bezahlt, wenn sich eine Gesellschaft darauf verständigt, was generell an Zahlungsstatt akzeptiert wird, sondern dass es darauf ankommt, wer das Recht eingeräumt bekommt, das Zahlungsmittel zu schaffen. Wer also als gesetzlich berechtigter Schöpfer des Zahlungsmittels zuständig ist. Nach meinem Gesellschaftsverständnis sollte das unzweifelhaft eine staatliche Institution sein.

In Rumänien vor 1989, unter Csausescu, konnte man mit den beiden Zigarettensorten, Kent und Marlboro, so ziemlich alles bekommen (Deshalb hieß es auch, dass Rumänien von zwei englischen Herzögen regiert wird). Sie funktionierten wie Geld – ohne jedoch Geld zu sein. Zigaretten sind für so eine Parallelwährung wegen der Stückelungsmöglichkeit hervorragend geeignet. Dennoch ist es nur ein paralleles Warengeld, wie es z.B. auch Goldflitter, Whisky oder Reiskörner, ja sogar eine Zeitgutschrift für eine Arbeitsleistung sein könnte – sofern allgemein akzeptiert. Die Akzeptanz so einer Parallelwährung beruht jedoch auf der Beziehung zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel!

Das ist der große Unterschied zu bargeldloser Zahlung mit modernem Zeichengeld. Denn das Kontogeld der Bürger bei den Geschäftsbanken ist kein Zentralbankgeld, das als einziges gesetzliches Zahlungsmittel auf der Rechtsgrundlage des Herrschaftsgebiets festgelegt wurde. Dieses „Buchgeld“ ist von Privatbanken per Kredit geschöpftes Schuldgeld. Eine Schuld der Bank, die sie mit echtem Zentralbankgeld (Bargeld) auf Anfrage zu tilgen verspricht. Was bleibt von dem Versprechen, wenn es kein Bargeld mehr gibt? Es macht eben einen großen Unterschied, ob man mit 1 Euro oder mit der Forderung auf 1 Euro bezahlt. Und genauso macht es einen Unterschied, ob in Schweden mit 1 sKr. oder mit der Forderung auf 1 sKr. bezahlt wird.

Nicht von ungefähr evaluiert Schweden, wie man dieser Umgehung staatlichen Hoheitsrechts Herr werden könnte. Am ehesten natürlich mit einer Vollgeldreform, nach der auch alles Buchgeld Zentralbankgeld und damit gesetzliches Zahlungsmittel wäre. Da wäre es dann tatsächlich egal, ob mit Bargeld oder bargeldlos eingekauft würde. Die Banken wären in beiden Fällen die Schuldner gegenüber dem Staat und die Diskussionen würden sich nur mehr um das Thema Datenschutz bei Kartenzahlung ranken.

Leider ist jedoch die schwedische Zentralbank, die älteste der Welt(!), selbst in ihrer jetzigen (stellvertretend für den Staat) bedrängten Situation noch sehr zögerlich, jedem Bürger den Zugang zu gesetzlichem Buchgeld einzuräumen. Bei nur mehr 2% Bargeldgebrauch wäre es höchste Zeit, staatlichen Herrschaftsrechten Geltung zu verschaffen. Der Staat sind schließlich die Bürger!

Immerhin wurde in der Sendung auch auf den Umstand hingewiesen, dass sich durch die Kartenzahlungen die Privatverschuldungen eklatant erhöht haben, offensichtlich weil der „Zahlungsschmerz“ bei Bargeldzahlung im bargeldlosen Zahlungsverkehr nicht spürbar wird.