Merkwürdig begründetes Desinteresse des Finanzministeriums an einer Vollgeldreform

Am 24.1.2017 richtete der Obmann des Vereins „Monetative-Austria“, Raimund Dietz, ein Schreiben an Finanzminister Schelling, in dem er aus verantwortungsbewusster Sorge um absehbar fatale volkswirtschaftliche Entwicklungen mit gefährlichen gesellschaftlichen Auswirkungen, zu einer Enttabuisierung der Geldthematik anzuregen versuchte. Im Zentrum stand das Ersuchen, den öffentlichen Diskurs über Möglichkeiten und Vorteile einer Vollgeldreform anzustoßen und zu fördern. Nachzulesen am Blog hier.

„Vollgeld“ bedeutet in seinem Kern, dass nicht nur Bargeld, sondern auch Buchgeld gesetzliches Zahlungsmittel ist, dessen Schöpfung ausschließlich der Oberhoheit des Souveräns in Form einer demokratisch kontrollierten Institution zusteht. Bedenkt man, dass es in der Geschichte immer nur in der einen oder anderen Form um die Hoheitsrechte über das Geld ging und auch nahezu alle Kriege auf diese Auseinandersetzung zurückzuführen sind, dann erkennt man sehr leicht die Bedeutung, die dieses Thema für das Gedeihen einer Gesellschaft in sich birgt.

Längst ist das Anstoßen einer Vollgeldreform keine „spleenige“ Idee mehr. Bereits in vielen Ländern wird mit dem Gedanken gespielt, dem globalen Finanzdilemma mit einer Vollgeldreform begegnen zu können. Allen voran die Schweizer Vollgeld-Initiative die bereits abstimmungsfähig vorliegt. Österreich ist da vergleichsweise spät dran. Auch Deutschland und UK sind schon sehr weit.

Um so erstaunlicher war das höfliche, jedoch abschlägige Antwortschreiben vom 24.2.2017 aus dem Finanzministerium, in dem nicht nur die beunruhigend gelassen wirkende Zufriedenheit mit den derzeit bestehenden Regulierungen des Bankensystems zum Ausdruck gebracht wurde, sondern auch die eklatante Fehleinschätzung von Vollgeld – um nicht Unkenntnis zu sagen. Ein ambitioniertes Anerkenntnis der verfassungsmäßigen Verpflichtung, die Bevölkerung vor Schaden zu bewahren, war jedenfalls daraus nicht ersichtlich. Im Gegenteil! Allein der quasi dokumentierte Verzicht auf Seignorage, wie auch auf die Möglichkeit der Staatsschuldenreduzierung, lassen nicht einmal nur vage Vermutungen über die Abhängigkeit unserer Eliten vom Finanzsystem zu.

Es ist extrem bedauerlich, dass dieses für die Menschheitsentwicklung so bedeutende Thema derart konsequent aus der öffentlichen Diskussion ferngehalten wird. „Geldordnung“ kommt nicht vor und wird daher neben all den Ablenkungsangeboten mit substantiell unbedeutenden Ereignissen nicht wahrgenommen. Sich lieber mit Verdorbenem in gewohnter Weise arrangieren zu wollen anstatt hoffnungsträchtige neue Wege zu beschreiten, kann aber unmöglich als zukunftsfähig angesehen werden.

Nicht zuletzt soll diese Seite dazu dienen, Gedanken über das wesentlichste gesellschaftsformende Medium, Geld, anzuregen. Es soll nicht vorrangig nur darum gehen, dass man es hat, sondern dass man es versteht. Dass man versteht wie unser Geld entsteht, wie es in Umlauf kommt und wo die Fallstricke in der Geldordnung liegen, durch die die Welt immer wieder aus den Fugen gerät.

Der renomierte Wirtschaftswissenschafter Raimund Dietz wird sicherlich einen neuen Anlauf nehmen und auf höchster Ebene zu wissenschaftlichen Arbeitskreisen anzuregen versuchen, die sich mit den Implementierungsmöglichkeiten von Vollgeld und weiterführenden Reformen, die ebenfalls dem Gemeinwohl verpflichtet sind, auseinandersetzen sollen. Wir sollten ihn dabei nach Kräften unterstützen. Es geht um unsere Rechtsgestaltung, denn wir sind der Souverän!