KOSTEN? – EIN UNANGENEHMES GEDANKENEXPERIMENT

Alle reden immer nur von Kosten – niemand thematisiert ernsthaft die Einkommensmöglichkeiten, die damit verbunden sind. Am 22.11. berichtete „Der Standard“, dass uns der Grenzeinsatz im südlichen Österreich zwischen 2015 und 2018 rund 250 Mio. kostete. Die NEOS fanden, dass sich dieser Aufwand nicht lohnt und stellen damit ihre einseitige Sichtweise unter Beweis.

Denn unter „Lohnen“ wird üblicherweise nur verstanden, dass mehr Geld herauskommt, als man hineingesteckt hat. Ein Renditedenken in Geldgrößen aus dem öffentlichen Haushalt. Man kann über den Grenzeinsatz denken wie man mag und er soll hier auch nur als aktuelles Beispiel dienen. Eines ist jedoch klar: Unsere südlichen Grenzregionen sind wirtschaftlich relativ ausgedünnt und so sind alle Ausgaben, die dort von den Einsatzkräften zwangsläufig getätigt werden, eine willkommene Wirtschaftsbelebung, die einigen Betrieben vielleicht sogar das Überleben rettet, manchen sogar wieder neue Zuversicht gibt und zu Investitionen verleitet. So gesehen sind die kritisierten Kosten also durchaus als sinnvolle Regionalförderung zu verstehen.

Nun ist es aber unserem Wettbewerbsdenken geschuldet, dass wir Anderen, noch dazu für eine doch ganz offensichtlich unnütze Tätigkeit, wie zum Beispiel dem „Spazierengehen“ entlang der Grenze, ihr Einkommen streitig machen wollen. Denn ganz gleich, welche Erwerbstätigkeit wir selbst ausüben, und mag diese noch so unsinnig oder sogar gesellschaftsschädigend sein, so stufen wir sie dennoch stets als wertvoller ein, als die aller anderen. Offensichtlich brauchen wir das für unser Selbstwertgefühl innerhalb einer Geldwirtschaft. Das liegt nicht nur in unserer Natur, sondern diese Überzeugung wurde uns auch zusätzlich durch Trainings für das Selbstbewusstsein anerzogen.

Und über allem steht das Ziel, möglichst viel einzunehmen und möglichst wenig auszugeben. Wie das funktionieren soll, hat man uns nicht erklärt und es braucht uns ja auch nicht zu interessieren, wenn wir unser Blickfeld nur möglichst eng halten. Woraus Einnahmen generiert werden, spielt dabei offensichtlich weniger Rolle. Dass insgesamt aber nur das eingenommen werden kann, was auch ausgegeben wurde haben bislang sichtlich nur Wenige erkannt.

Es wäre vielleicht nicht so schlecht, einmal draufzukommen, dass das Geld für das Einkommen gleich welcher Art, nicht durch die Tätigkeit selbst entsteht, sondern nur aus vorgängig erzeugtem Geld entsprechend den Machtstrukturen in einer Gesellschaft zugeteilt wird. Marktwirtschaft hin oder her. Denn „der Markt“ ist ja kein Markt im eigentlichen Sinne, sondern er ist ein institutionalisiertes, entpersönlichtes  Machtgebilde, durch das wir unser Handeln bestimmen lassen.

Es hat sich in den modernen Gesellschaften erwiesen, dass es bei höherer Bildung auch höhere Zuteilungen gibt. In der irrigen Annahme, dass zugeteiltes Einkommen gleich Geldentstehung ist, springen wir auch hoffnungsvoll auf die diversen Bildungsinitiativen auf, um dazu unseren wertvollen Beitrag zu leisten. Dass sich im Zusammenhang mit Geld der Bildungsbegriff gewandelt hat, scheint unter unserer Bewusstseinsschwelle geblieben zu sein.

Bildung bedeutet heute vor allem Ausbildung zur Gebrauchsfähigkeit für Geldmehrung. Mit humanistischer Bildung hat das nur mehr sehr wenig zu tun. Wodurch auch einstige Kultureliten längst schon von den Machteliten an den Rand gedrängt wurden, die sich mittlerweile an den Spitzen von Politik und Wirtschaft tummeln. Es sind nicht gerade die Spitzen der Gesellschaft, auch wenn sie sich gerne dafür halten und sich zu ihrer Legitimierung sogar auf Wahlen und Auswahlverfahren berufen können.

Sie sind nur ganz einfach geschickter im Benützen der trägen Masse zum eigenen Vorteil. Sie selbst hängen jedoch auch als Marionetten von jenen wenigen ab, die am besten gelernt haben, wie Geld als Machtmittel einzusetzen ist. Bildung? Nein. Aber sicherlich ein gewisses Können. Nicht nur, dass ich mir der groben Verallgemeinerung völlig bewusst bin – wofür ich mich hier und jetzt bei allen redlichen Politikern und Unternehmern entschuldige – weichen wir hier doch zu stark vom ursprünglich gesetzten Thema ab (Oder vielleicht doch nicht?).

Wie oft haben wir aber schon Gedanken darauf verschwendet, welche Tätigkeiten, unabhängig von dem damit erzielten Einkommen(!), sinnvoll und welche entbehrlich sind? Nur so als kleines Experiment:

Nennen Sie zehn (bürgerliche!) Tätigkeiten, die Sie von der gesellschaftlichen Bedeutung her höher einstufen würden, als Ihr eigenes Schaffen und denen daher auch ein höheres Einkommen gebührt, als Ihr eigenes.

Und um den Schwierigkeitsgrad dieses Gedankenexperiments noch zu erhöhen, bitte ich Sie, auch gleich die Relationen abzuschätzen (Um wie viel Prozent sollte das jeweils zuzuerkennende Einkommen höher sein, als Ihr eigenes?).

 

Abschließend zurück zum „nicht lohnenden“ Grenzeinsatz des Bundesheeres: Da unser Geld nicht aus Dagobert Ducks Geldspeicher stammt – auch wenn das manchmal selbst in den Kommentaren vieler Wirtschaftsmedien so interpretiert wird – würde der Entzug der Einkommensmöglichkeiten aufgrund des Grenzeinsatzes, also das dann vermeintlich gesparte Geld nicht (im „Speicher?“) übrig bleiben, sondern es würde ganz einfach nicht existieren. Aber das ist eine andere Geschichte, über die Sie unter meinen „Grundsatztexten“ und unter den empfohlenen Links und Literaturhinweisen auf meiner Homepage mehr erfahren können.

Denn Schmökern auf www.lifesense.at lohnt immer