Kommt endlich zur Vernunft – NIE WIEDER KRIEG,…..

……lautet der flammende Appell Michail Gorbatschows an die Welt (60 Seiten, Benevento-Verlag). Ein gleichermaßen bemerkenswerter wie prägnanter Auszug daraus findet sich als „Kommentar der anderen“ im Standard vom 28.1.2017 („Gegen Gewalt, für die Herrschaft des Rechts“). Hier nur einige Schlüsselaspekte seines Beitrags, in dem er an alle Menschen appelliert, „die nicht nur an sich denken und denen die Zukunft ihrer Kinder und Enkel nicht gleichgültig ist, ihre Bemühungen zu vereinen, um die Welt vor Kriegsleid, vor der Bedrohung einer Umweltkatastrophe, vor Armut und Rückständigkeit zu bewahren. Das Ziel, eine sicherere, gerechtere und stabilere Weltordnung aufzubauen, ist realistisch und es lohnt sich, dafür alles zu tun, was in unserer Macht steht.“

Den Appell, mit dem er die Politiker zur Ausrichtung ihres ethischen Kompasses auf die Humanität stimulieren möchte, richtet Gorbatschow an „eine Welt und eine Menschheit (Kreml inklusive)“, wie er schreibt.

Die Politik erwies sich ihrer Aufgabe nicht gewachsen, mit dem Ende des kalten Krieges und mit den noch nie zuvor dagewesenen Technologien und Möglichkeiten der Welt einen neuen Auftrieb zu geben und das Leben jedes Einzelnen besser zu machen. Und Gorbatschow merkt dazu scharfsinnig an, dass „Siegesrausch ein schlechter Ratgeber ist, und in internationalen Angelegenheiten erst recht.“

Immerhin konzediert er den führenden Politikern, vor lauter Tagesgeschäft nicht dazu zu kommen, sich auch noch mit ethischen Fragen ihres Handelns auseinandersetzen zu können und ruft um so stärker dazu auf, endlich vom Dringenden zum Wesentlichen zu kommen. Dabei kommt es darauf an, die richtigen Prioritäten zu setzen.“

Er vermerkt mit Sorge die sukzessive Auflösung des Mittelstandes, des Motors jeder erfolgreichen gesellschaftlichen Entwicklung und warnt zugleich vor volksfernen Populisten, die auf den ersten Blick einfache, in Wirklichkeit jedoch gefährliche Lösungen bieten, wie das ihrem meist verkümmerten Menschen- und Weltbild entspricht.

Abgesehen von Gorbatschows vehementem Eintreten für ein generelles Verbot von Atom- und sonstigen Massenvernichtungswaffen, ist besonders ein Absatz hervorzuheben, der auch das Kernanliegen des „Lifesense-Instituts“ betrifft:

„Die Urheber undurchsichtiger Finanzstrukturen, die niemandem Rechenschaft ablegen müssen, haben sich sehr rasch an die Globalisierung angepasst und profitieren davon. Sie erzeugen eine Blase nach der anderen und machen Milliarden – buchstäblich aus Luft! Diese Milliarden stehen dann einem immer enger werdenden Kreis an Personen zur Verfügung, die sich deren Versteuerung entziehen.“ In den Enthüllungen jüngster Zeit sieht Gorbatschow nur die Spitze des Eisbergs.

Worauf hier ja auch immer verwiesen wird: Nur wer das Geld beherrscht, kann all die ungelösten globalen Probleme zu einem Besseren wenden, weshalb wir als erstem Schritt für eine Vollgeldreform eintreten, die dem Souverän wieder die Oberhoheit über die Geldordnung bringen würde. Nur über eine friedensfähige Geldordnung bekäme die Politik die Chance, die der völligen Deregulierung und Privatisierung geschuldete Ausbreitung und weitere Verfestigung der organisierten Kriminalität, der Drogen- und Waffenhändler, Schleuserbanden, Cyberkriminelle und Terroristen wieder in den Griff zu bekommen.

Mit dem nachdrücklich angemerkten Imperativ unserer globalisierten Welt: „Politik und Ethik müssen vereint werden“, entlässt Gorbatschow die Leser seines Kommentars dennoch in der Zuversicht, dass die heutige Politikergeneration trotz allem noch die Chance hätte, einen würdigen Platz in den Geschichtsbüchern einzunehmen – besonders, wenn sie Emotionen und Propaganda entschieden hinter sich ließe.