GELDSCHÖPFUNGSPROBLEMATIK DURCH COVID19 VERSCHÄRFT (Newsletter 12-2020)

Vergangene Woche erhielt ich von meinem Freund, Ernst Dorfner, eine aktuelle Neubearbeitung zum Thema Geldschöpfung. Nun ist zu sagen, dass Ernst Dorfner als Geldspezialist der ersten Stunde anzusehen ist, der ausgehend von der Vorkriegszeit bereits seit damals das zunehmende Auseinanderklaffen von Wirtschafts- und Geldinteressen hautnah beobachten konnte und immer wieder davor gewarnt hat, diese wachsende Diskrepanz weiterhin zu negieren. Insofern messe ich also Texten von Ernst Dorfner einen hohen Stellenwert bei, weil in seinen Analysen und Vorschlägen immer auch sein unheimlicher Erfahrungsschatz über alle nur erdenklichen Geldreforminitiativen einfließt. Über Mögliches und Unmögliches.

Diesmal hat er die fatale Verquickung von Klimawandel, Wachstumszwang (=Ressourcenverbrauch), Staatsverschuldung, Rechtstaatlichkeit und Gemeinwohl aufs Korn genommen. Ausgehend von einer Vollgeldreform, die also im Unterschied zu heute dem Souverän das alleinige Hoheitsrecht der Geldschöpfung im Rahmen einer vierten staatlichen Gewalt einräumt, konnte er zeigen, dass mit einer gesplitteten Art Geld in Umlauf zu bringen, nämlich einerseits als schuldbefreites Tauschgeld, andererseits als schuldbehaftetes Kreditgeld, der Wachstumszwang wenn schon nicht gänzlich eliminiert, so doch sehr stark gedämpft werden könnte – zumindest auf das Ausmaß des Wachstumsdranges (Mathias Binswanger).

Schau’n sie sich das an:

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Heute leiden wir ja unter dem Problem, dass unser Geld ausschließlich durch Kredit, also durch Verschuldung entsteht und noch dazu im überwiegenden Maße von privaten Emittenten erzeugt wird, die sich letztlich jedoch des Staates (das sind wir!) als Garanten bedienen. Mir geht es wie Ernst Dorfner und noch vielen anderen, darum, aufzuzeigen, dass es nicht so sein muss! Vor allem aber auch zu zeigen, dass es nicht so sein darf, wenn wir uns hinsichtlich Klimawandel,  Ressourcenverbrauch, oder überhaupt bezüglich der 17 SDGs (Sustainable Development Goals der UNO) tatsächlich ernst nehmen wollen.

Wie sich leider immer wieder erweist, besteht eine weitverbreitete Unkenntnis über Geld und seinen alles bestimmenden Einfluss auf die Wirtschaftsaktivitäten. Auch in Wirtschaftsredaktionen und unter Politikberatern. Ohne diesen grundsätzlich böse Absicht unterstellen zu wollen, fallen sie meines Erachtens auf unkritisch erlernte Begriffe herein, deren Verwendung deshalb nie hinterfragt wird, weil sie doch ganz einfach allgemein gebräuchlich sind und noch dazu so positiv klingen. Doch das Klima retten zu wollen und mehr Wachstum zu fordern ist genau so absurd, wie Solidarität zu predigen und den Wettbewerb zu verschärfen, oder Standortsicherheit über die Intensivierung der Globalisierung anzustreben. Und der Jubel über die tollen Errungenschaften und Möglichkeiten durch die Digitalisierung könnte sehr rasch einen Dämpfer erfahren, wenn man sich fragt, wie denn eigentlich nach unserem System das Geld entstehen soll, um sich die angeblichen Segnungen der Digitalisierung auch leisten zu können. Denn gegenseitiges Haareschneiden, Fettabsaugen, Zähneziehen oder Verträge beglaubigen, stellt andere Anforderungen an ein Geld, als der Bau einer Schnellbahnverbindung, oder einer Brücke. Das nicht rechtzeitig zu erkennen, könnte sich schon bald als fatales Versäumnis herausstellen (Für diese zunehmende Problematik der Finanzierung von Dienstleistungen habe ich erst kürzlich einen Fachbegriff kennengelernt: „Baumol’sche Kostenkrankheit“ [in: Jonathan Aldred; Der korrumpierte Mensch]).

Und wenn man dann als Kommentare von dubiosen Think-Tanks, oder selbst von namhaften Journalisten, im konkreten Beispiel von Eric Frey vom „Standard“ am 31.8.20 lesen kann, dass „die Wirtschaft wachsen muss, weil es Milliarden für Investitionen für die Klimawende braucht“, dann scheint mir die Frage schon sehr berechtigt, von wem sich unsere Politiker da eigentlich beraten und beeinflussen lassen. Und so kann man nur zum Schluss kommen, dass das Wissen, wie gesellschaftliches Zusammenleben besser zu organisieren ginge, zwar vorhanden ist, dass es jedoch am politischen Willen mangelt, die Interessen der Bürgergesellschaft über die Interessen des Kapitals zu stellen.

Das klingt jetzt natürlich stark nach Verschwörungstheorie, hat aber nichts mit Verschwörung zu tun, sondern bestätigt nur das, was Warren Buffet als den fortdauernden Streit zwischen Arm und Reich bezeichnete. Und für „Reich“ geht es darum, in welchem Ausmaß sich die Staatsführungen in Abhängigkeit zwingen lassen, um sie als gesetzgebende Mittäter im Sinne der Kapitalinteressen zu missbrauchen. Das gilt es zu bedenken, bevor man vorschnell in den Chor jener einstimmt, die dem „Staat“ nur alles Negative zuschreiben.

Und für mich zeigt es neuerlich, dass der Schlüssel zu einer friedlichen Welt in einer entsprechend daraufhin adaptierten Geldordnung liegt, die nicht den Zwang zur Rivalität in den Benützungsregeln eingebaut hat.