Lade Veranstaltungen

« Alle Veranstaltungen

Krise und Gesellschaft; Dr.Irina Varda (Wissensturm – Linz)

Oktober 28 @ 19:00 - 21:00

Vortragsreihe: Weltwirtschaftskrisen in Geschichte und Gegenwart

Dimensionen der Krise 14.10.2019
Prof. Dr. Werner Plumpe, Frankfurt am Main
Wirtschaftskrisen gehören zum kapitalistischen Alltag wie Boomphasen und Spekulationsblasen.
Sie sind keine vermeidbaren Fehlentwicklungen, sondern Teil der wirtschaftlichen Dynamik im
Kapitalismus, die ohne sie unvorstellbar wäre. Gleichwohl sind Wirtschaftskrisen weder „Naturereignisse“
noch „Einzelfälle“, sondern stellen wegen ihrer jeweiligen Tiefe und gesellschaftlichen
Auswirkungen elementare Herausforderungen für die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik
dar. Im Vortrag sollen Wirtschaftskrisen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart skizziert und in
ihrer jeweiligen Brisanz verglichen werden.
Diagnosen der Krise 21.10.2019
Ao. Univ.-Prof. Dr. Andreas Novy, Wien
Das erwachte Interesse an Karl Polanyi resultiert aus der vermeintlichen Relevanz seiner Analyse
der großen Krise der 1930er Jahre zum Verständnis aktueller Umbrüche. Doch wie analysierte
Polanyi diese Krise und worin unterschied er sich von Zeitgenossen? Wie Keynes stellte er einen
engen Zusammenhang zwischen Wirtschaftsliberalismus und Krise her. Doch ordnete er die Umbrüche,
die auf die Weltwirtschaftskrise nach 1929 folgten, in größere Zusammenhänge, insbesondere
einen längeren historischen Kontext, ein. Diverse Gegenbewegungen gegen die Durchsetzung
einer Marktgesellschaft kulminierten, so Polanyi, in den 1930er Jahren in reaktionären
und progressiven Politiken der Deglobalisierung.
Krise und Gesellschaft 28.10.2019
Dr.in Irina Vana, Wien
Darstellungen der sozialen Auswirkungen wirtschaftlicher Krisen fokussieren oft auf Arbeitslosigkeit
und damit verbundenen Problemlagen. Doch dieses Verständnis von Wirtschaftskrisen
wurde erst in den 1930er Jahren dominant. Die Analyse verschiedener Auskommens-Strategien
anhand von autobiographischen Texten über die 1930er Jahre zeigt, wie das sozioökonomische
Krisenverständnis gegenüber dem persönlich erlebten Mangel ausdifferenziert wurde. Während
Arbeitslosigkeit als soziale Problemlage und wirtschaftliches Risiko gefasst wurde, blieb die Armut
ein individuelles Problem. Diese Grenzziehungen sind nicht nur historisch relevant, sondern
bilden auch heute ein zentrales Konfliktfeld, das auf systematische Lücken der in der Zwischenkriegszeit
etablierten sozialstaatlichen Sicherungssysteme verweist.
Krisen im Vergleich 4.11.2019
Dr. Stephan Schulmeister, Wien
Am Beispiel von drei Krisen, der „langen Depression“ der 1870er Jahre, der Weltwirtschaftskrise
der 1930er Jahre und der gegenwärtigen Krise, werden Ähnlichkeiten und Unterschiede skizziert.
Ausgelöst werden solche Krisen durch massive Entwertungen von Finanz- und Immobilienvermögen
nach jahrelangen Booms. Zusammenbrüche von Banken und sonstigen Unternehmen,
verbreitete Arbeitslosigkeit und eine restriktive Wirtschaftspolitik vertiefen die Krisen. Die Hauptunterschiede
betreffen die gesellschaftliche Krisenverarbeitung. So förderte die Krise der 1870er
Jahre die Ausbreitung der Arbeiterbewegung. Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre förderte
hingegen den Aufstieg des Nationalsozialismus – nicht zuletzt deshalb, weil die Krisenopfer über
keine gemeinsame ‚Navigationskarte‘ verfügten. Dies gilt auch für die gegenwärtige Krise – insbesondere
für jene Parteien, die traditionell die Interessen der sozial Schwächeren vertreten hatten.

Details

Datum:
Oktober 28
Zeit:
19:00 - 21:00

Veranstaltungsort

Wissensturm
Kärntnerstr.
Linz, 4020 Österreich
+ Google Karte