DIE VOLLGELDIDEE NIMMT FAHRT AUF, Raimund Dietz (proVollgeld)

Die Vollgeldidee verbreitet sich. Vor etlichen Jahren war die Idee noch ganz unbekannt, die meisten dachten, wir hätten ohnehin bereits ein Vollgeldregime. Selbst Nationalbankgouverneure behaupteten vor wenigen Jahren noch, die Geschäftsbanken würden nur Geld verleihen, welches sie sich woanders beschafft hätten. „Experten“ getrauen solche Märchen nicht mehr zu verbreiten. Dass die Geschäftsbanken Geld erzeugen, hat sich inzwischen etwas herumgesprochen. Freilich ist diese Tatsache noch immer nur einem kleinen Teil der Bevölkerung bekannt. Das zeigten auch die Ergebnisse der Schweizer Volksinitiative zur Einführung von Vollgeld: der Großteil der Bevölkerung wünschte sich, dass nur die Schweizerische Nationalbank Geld in Umlauf bringt, dennoch haben nur knapp 25 % der vollgeld initiative zugestimmt. Der Grund: die Mehrheit nimmt an, dass die Schweizer Fränkli von ihrer Nationalbank kommen. Davon ausgehend war wohl vielen nicht klar, was die Vollgeldinitiative eigentlich wollte.

Während der Vollgeldvorschlag klar und transparent ist, hapert es bei der Information über ihn noch schrecklich. Der Geldanalphabetismus ist ein weit verbreitetes Phänomen, im Kulturland Österreich ganz besonders. Auf diesem Unwissen können sich Bereicherungseliten gut ausruhen. Wie empirische Erhebungen zeigen, ist der Analphabetismus in Bezug auf Geld – besonders die Frage der Geldschöpfung betreffend – bei sogenannten Gebildeten genauso hoch wie in weniger gebildeten Bevölkerungsschichten.

Wir bleiben unserem Bildungsauftrag treu, das Wissen um die Geldschöpfung unter die Leute bringen. Stellen Sie sich vor, die nächste Finanzkrise bricht aus. Was tut dann die Politik? Wieder Milliarden, auf EU Ebene sogar Billionen von Euro in das Finanzsystem schütten, die Sozialausgaben kürzen, den Banken wieder schlechte Forderungen abkaufen, und ihnen Geld zuführen, mit denen sie dann Immobilienpreise und andere Vermögenswerte weiter anheizen?

Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt. Bis dahin soll der Vollgeldgedanke etabliert und einen hinreichenden Bekanntheitsgrad erreicht haben, auf dass dann die richtigen Entscheidungen getroffen werden können. Im Stress der Krise findet niemand eine gute Lösung.

Die wichtigste Aufgabe der Notenbanken besteht darin, die Wirtschaft mit Geld zu versorgen, und für die Stabilität des Geld- und Finanzwesens verantwortlich zu sein. Der Souverän hat diese Aufgabe längst an die Banken und an die Finanzmärkte abgegeben, muss aber einspringen, wenn es schief geht. Das gegenwärtige System ist so absurd, dass es schief gehen muss. Vollgeld rück das System gerade. Es ist keine Lösung für alles, aber ein wichtiger und übrigens recht einfacher Schritt in die richtige Richtung.

http://www.provollgeld.at