DIE LEIDIGE KOSTENFRAGE

Immer wieder werden wir – besonders bei Ausgaben der öffentlichen Hand – mit der Kostenfrage konfrontiert. Und immer wieder bieten sich viele Kritikpunkte an, die uns veranlassen, für die Einsparung dieser Ausgaben einzutreten. Der Staat soll sparen.

„Sparen“ ist ja überhaupt ein bemerkenswerter Begriff, so lange man nicht genauer definiert, was eigentlich gespart werden soll. Im vorherrschenden Verständnis ist es allerdings immer Geld, das gespart werden soll. Nicht etwa natürliche Ressourcen, Anstrengungen oder gar Zeit. Nein, nichts von alledem. Geld soll gespart werden. Und darin sind sich die Stammtische meist einig.

Schlagzeilen tragen das Ihre zu den Diskussionen bei. 100 Millionen für dieses und 150 Millionen für jenes. Zahlen, mit denen der Normalbürger, der oftmals nicht weiß, wie er seine monatlichen Lebenshaltungskosten aufbringen kann, nur schwerlich etwas anfängt. Allerdings wittert er darin Ansatzpunkte für eine gerechtere Verteilungsmöglichkeit. Und gerecht wäre auf jeden Fall ein höheres Einkommen.

Nun ist es zwar absolut richtig, dass es aus gesellschaftspolitischer Sicht darauf ankommt, wofür Geld ausgegeben wird, allerdings zeigt sich in den Einspar- und Umverteilungsphantasien vor allem die weitverbreitete Unkenntnis über Entstehung und Funktionsweise unseres Geldes. Die Unkenntnis ist dabei durchaus auch bei Politikern und Wirtschaftsjournalisten anzutreffen. Und gerade von diesen Meinungsbildnern verbreitet sich die allgemeine Ansicht, Sparen ist gut und Ausgaben, besonders des Staates, sind verwerflich.

Die Erkenntnis, dass an Geld nur das eingenommen werden kann, was auch ausgegeben wurde, hat sich noch nicht allzu sehr herumgesprochen. Vieles würde sich ändern, würde begriffen, dass Kosten immer auch Einkommensmöglichkeiten bedeuten und dass nicht ausgegebenes Geld des Staates nirgendwo übrig bleibt, sondern ganz einfach nicht existiert.

Und wieder erhebt sich natürlich die Frage, wem die Einkommensmöglichkeit zugute kommen soll. Und da erschließt sich ein Dilemma, in dem besonders der Staat steckt, denn im Unterschied zu Privaten ist es kein staatspolitisches Ziel, Geldgewinne zu erwirtschaften. Dennoch sind Ausgaben des Staates immer als Vorleistung im Vertrauen auf Erfüllung in Zukunft zu verstehen, die dementsprechend nur durch Steuerleistungen zu refinanzieren sind. Ob diese knappe Erklärung allerdings zu einer Einstellungsänderung gegenüber Steuerverpflichtungen führt, mag freilich bezweifelt werden.

Aber zurück zum eigentlichen Kern des heutigen Newsletter: Wem sollen die als Kosten in Bewegung gesetzten Einkommensmöglichkeiten zukommen? Da eröffnet sich ein weites Feld an Fragen, die besonders gesellschaftliche Werte betreffen. Was ist gesellschaftlich erwünscht? Was ist schädigend? Was ist unerwünscht? Wo bestehen Nöte? Wo Notwendigkeiten? Wo Erwartungen? Dieses eigentliche Kerngebiet politischer Auseinandersetzungen wurde in den letzten Jahrzehnten leider durch die Anforderungen der Geldordnung verschüttet. Heute scheint einhellig von allen Parteien die Auffassung vertreten zu werden, dass erwünscht und gut ist, was Geldgewinne abwirft. Gemeinwohlüberlegungen, Ethik und Moral fließen da natürlich nicht ein. Werte selbst werden nicht als Gewinn betrachtet, sofern sie sich nicht in Marktpreisen darstellen lassen. Und etwas wie Vernunft hat hier keinen Stellenwert. Nur was Geld bringt, hat als vernünftig zu gelten.

Nun scheint es eine weitere zutiefst menschliche Eigenschaft zu sein, gesellschaftliche Beiträge und Leistungen Anderer geringwertiger einzustufen, als die eigenen. Wir sehen darin unseren persönlichen Spargedanken im Sinne der „Schwäbischen Hausfrau“ verwirklicht. Völlig ungerechtfertigt wird das in der öffentlichen Diskussion sofort mit „Neidkomplex“ punziert. Egal. Wir wissen jedenfalls meist sehr gut, wem ein geringeres Einkommen zusteht, als uns selbst.

Wie oft haben wir aber schon Gedanken darauf verschwendet, welche Tätigkeiten, unabhängig von dem damit erzielten Einkommen(!), sinnvoll und welche entbehrlich sind? Nur so als kleines Experiment:

Nennen Sie zehn (bürgerliche!) Tätigkeiten/Berufe, die Sie von der gesellschaftlichen Bedeutung her höher einstufen würden, als Ihr eigenes Schaffen und denen daher auch ein höheres Einkommen gebührt, als Ihr eigenes.

Und um den Schwierigkeitsgrad dieses Gedankenexperiments noch zu erhöhen, bitte ich Sie, auch gleich die Relationen abzuschätzen (Um wie viel Prozent sollte das jeweils vergönnte Einkommen höher sein, als Ihr eigenes?).

Unangenehm? Ja, doch. Sehr sogar! Aber es ist eine gewiss wertvolle Anregung zur persönlichen Sichterweiterung und lässt sich auch in aufgeschlossenen Diskussionsrunden unterhaltsam diskutieren.

Es wird mich jedenfalls freuen, von etwaigen Ergebnissen zu erfahren.

Und nicht zu vergessen: Schmökern auf www.lifesense.at lohnt immer.