DIE DURCHSETZUNGSKRAFT DER NATUR AN DEN BÖRSEN (Newsletter 2-2020)

Am 17.2.2020 hielt Dr.Alexander Schwarz im Kepler Salon, Linz, einen brisanten Impulsvortrag mit anschließender Diskussion zur Frage „Wer (oder was) bestimmt den Verlauf der Börsen?“. Abgesehen davon, dass die Darlegung seiner in mehr als zehn Jahren erarbeiteten Erkenntnisse an genau der richtigen Adresse, nämlich Johannes Keplers Wohnung  in Linz, stattfand, haben die aktuellen Ereignisse an den Börsen sein dort vorgestelltes Modell neuerlich voll und ganz bestätigt.

Auf den Punkt gebracht, lassen sich seine auf naturwissenschaftlicher Grundlage erarbeiteten Erkenntnisse, die sich nicht nur entlang seiner jahrelangen Prognosen immer wieder bestätigt haben, sondern die er auch im „back-testing“ der großen Bewegungen in den Börsencharts zurück bis zu den Anfängen der Aufzeichnungen verifizieren konnte, folgendermaßen zusammenfassen:

Es ist unstrittig, dass das Börsengeschehen von exogenen, wie auch von endogenen (bislang unbekannten) Kräften bestimmt wird. Alexander Schwarz wies nun nach, dass nicht die exogenen Kräfte (z.B. 9/11, Lehmann-Pleite, oder Corona-Virus), die eigentliche Struktur der Charts bestimmen, sondern dass es die endogenen Kräfte sind. Und diese zeigen sich nicht auf der Preis- sondern auf der Zeitachse.

In seinem Artikel im „Smart Investor“ 2/2020 („Magazin für den kritischen Anleger“ – das ergänzend zu seinem Vortrag im Kepler Salon ausgelegt war) schreibt er: „Nur sehr langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass Aktienmärkte auch noch irgendwie anders funktionieren könnten, als wir uns das gemeinhin so vorstellen“. Und er beruft sich dabei auf den berühmten amerikanischen Ökonomen, Robert J.Shiller, der darauf schon immer hingewiesen hatte, und zitiert aus dessen Buch, „Irrationaler Überschwang“ (S.210):

„Mit einem Wort: Aktienkurse führen ein Eigenleben, sie reagieren nicht einfach auf Gewinne und Dividenden. Sie werden auch nicht von Informationen über künftige Gewinne oder Dividenden bestimmt. Um Kursschwankungen zu erklären, müssen wir uns also anderswo umsehen“.

Alexander Schwarz, der als Naturwissenschaftler eher zufällig auf zunächst unerklärliche Zusammenhänge gestoßen ist, scheint mit seiner strukturellen Zeitachsenanalyse dieses „Anderswo“ entdeckt zu haben. Erkennt man nämlich in den Börsencharts die bestmögliche und soweit vorstellbar auch einzige, tägliche Aufzeichnung der globalen Aktivitäten, mit denen die gesamte Menschheit Zeit „verarbeitet“, dann folgen die Wendepunkte einem von Zyklen geprägten komplexen Rhythmus. Mit dieser Sichtweise wird Ökonomie offenkundig und wie von selbst wieder zu einer als solcher erkennbaren Teildisziplin der Sozialwissenschaften, die sie von Rechts wegen immer schon war und deren Herauslösung in Form einer eigenständigen Wirtschaftswissenschaft viele – zumindest die Nicht-main-stream – Ökonomen zwar bedauern, den Zusammenhang mit der Naturgesetzlichkeit der Zeit aber noch nicht herzustellen vermochten. Es scheint so unglaublich, dass es offensichtlich nicht sein darf, weil es doch nicht sein kann.

In unserem (geld-) gewinnorientiertem Denken ist es ja tatsächlich schwer zu verkraften, dass der Preis an den Aktienmärkten eigentlich irrelevant ist. Er ist der, der er zu jedem Zeitpunkt eben ist. Nicht vorhersagbar und von den Analysten mit all deren Algorithmen meist nur im Rückblick mit exogenen Ereignissen erklärbar. Derzeit kann eben der Corona-Virus als Ursache herhalten, so wie uns in Normalzeiten der jeweilige Schlusskurs mit der „Lust“ oder „Unlust“, mit der die Anleger den Börsentag zubrachten, erklärt wird. Es sind das alles nachgeschobene Erklärungen für die Bewegungen auf der Preisachse. Es mögen Auslöser sein, die sich in der Preishöhe manifestieren. Der eigentliche Grund fü die Bewegung liegt jedoch viel tiefer.

Denn anders ist es mit der Zeit, wenn man ihre ausschließlich für die Erde gültige „Melodie“ und den Rythmus zu „lesen“ versteht, wie das Alexander Schwarz mittlerweile nahezu perfekt beherrscht. Der Rhythmus der Zeit folgt Naturgesetzen und die bilden sich in den Wendepunkten der Börsencharts ab. Die Frage, die ihn umtreibt, ist nicht mehr das „Ob“, sondern das „Warum?“ – und er stößt damit in einen Bereich vor, dessen Bedeutung weit über das für die Menschheit eher banale, wenn nicht sogar schädliche Börsengeschehen hinausreicht. Die Frage, die uns bewegt, ist das „Wie viel?“. Eine Frage, die sich die Natur nicht stellt. Sie beantwortet uns jedoch ungefragt das „Wann?“ und bietet sich damit an, dem Verständnis von Zeitphänomenen näher zu kommen.

Wenn Stephan Schulmeister in seinem Kommentar vom 2.3.2020 im Standard völlig richtig darauf hinweist, dass die nächste Finanzkrise im Anrollen ist, weil „Bären- und Bullenmärkte“ stets aufeinanderfolgen, dann ist das ein allseits bekannter qualitativer Befund, mit dem man allerdings nicht viel anfangen kann. Anders sieht es aber aus, wenn man die Rhythmik, ähnlich den Intervallen eines Musikstücks lesen und daraus wissenschaftlich fundierte Prognosen treffen kann, wann jeweils die Wendepunkte zwingend auftreten müssen. Und diese Kenntnis hat sich Alexander Schwarz in über zehn Jahren erarbeitet. „Die Zeit ist reif“, wie er mir sagte, sein Können, das sich auch auf intensive Übung stützt, weiter zu geben und zu verbreiten. Ganz so einfach ist es ja nämlich nicht, die Komplexität des Rhythmus aufzudröseln, aber man kann es lernen, wenn man den Fokus des Denkens von der Preisseite auf die Zeitachse verlagert.

Dass sich damit an den Börsen Geld „verdienen“ lässt, ist der in meinen Augen eher gesellschaftlich negative Teil seiner Forschungsergebnisse. Wie meistens, geht es ja  darum, wofür man neue Erkenntnisse letztendlich verwendet (Kernspaltung als Wissen über den Aufbau der Materie, oder Bau der Atombombe zur Vernichtung der Lebensgrundlagen?). Viel bedeutsamer erachte ich daher den Einfluss, den seine Erkenntnisse auf die Ökonomie als Sozialwissenschaft haben sollten. „Zyklisches statt lineares Denken könnte die Ökonomik aus ihrem Wachstumswahn befreien“, mutmaßt Christian Felber in seinem jüngsten Buch, „This is not Economy“ (S.100), und spricht damit einen wesentlichen Punkt des Versagens ökonomischer Weitsicht an.

Mit dem Verständnis des naturgesetzlich festgeschriebenen Rhythmus, der eben nicht nur vielleicht vage erahnbar, sondern tatsächlich „lesbar“ und damit auch weitgehend exakt prognostizierbar ist, entsteht in meinen Augen ein völlig neues Weltbild, das ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Und genau hierin stößt mein persönliches Interesse, mit dem ich mich eigentlich für eine Vollgeldreform einsetze, auf die Forschungsergebnisse von Alexander Schwarz. Nicht bei den Möglichkeiten zu Spekulationsgewinnen. Es geht um neue Erkenntnisse über die Zeit, von deren Ursprung und Wirkung wir ja erschreckend wenig wissen, wenn wir einmal von beobachtbaren und persönlich spürbaren Alterungsprozessen absehen.

Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass Alexander Schwarz sich in seinem Artikel im „Smart Investor“ bereits zum Zeitpunkt der Abgabe, Mitte Jänner, mit seiner Prognose für das erste Halbjahr 2020 im DAX ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt hat. Das von ihm prognostizierte Hoch am 20.2. hat sich jedenfalls bereits punktgenau bestätigt.

Abschließend möchte ich nicht verheimlichen, dass Dipl.geol.Dr.Alexander Schwarz, der in Bühl/Baden lebt, einer meiner Neffen ist, dessen Arbeiten ich seit vielen Jahren kritisch beobachtend begleitet habe, wobei sich nicht nur mein Interesse, sondern auch mein Verständnis über seine Forschung entwickelt hat. Heute entlocken mir jedenfalls die täglichen Börsenkommentare, weshalb sich die Kurse nach unten oder nach oben bewegt haben, nur mehr ein müdes Lächeln.