Demokratie?

Im heutigen Standard wird berichtet, dass sich die Regierung Merkel in Schulen, Vereinen und Gefängnissen für Demokratie einsetzen möchte. Das löbliche Vorhaben wirft allerdings die Frage auf, was denn unsere Weltenlenker all die Jahre dazu beigetragen haben, demokratische Strukturen auf der politischen Bühne zu entwickeln? Die neuerlichen und unübersehbaren Aufrüstungsprogramme – sogar Österreich investiert wieder verstärkt in die militärische Infrastruktur – stellen dafür wohl kein gutes Zeugnis aus. Ganz offensichtlich hängen die Regierenden der aristotelischen Sichtweise an, dass man das Volk vor Demokratie schützen müsse. Und tatsächlich sind ja die Bevölkerungen die durch perfides Meinungsmanagement leicht missbrauchbare Masse im Wettstreit der Pseudoeliten um die Macht. Wen trifft dafür die Schuld? Jene, die aus Gründen narzisstischer Persönlichkeitsstörung an die Macht drängen und dazu bereit sind, auch über Leichen zu gehen, oder jene, die es zulassen, weil sie aus Teilnahmslosigkeit und geistiger Trägheit auf die Meinungsmanipulationen hereinfallen?

Gewiss kann und soll man einer Bevölkerung nicht alle Entscheidungen aufhalsen und dafür verantwortlich machen, doch politische Entscheidungen sollten zumindest in die Richtung der als einstmaligen Zielsetzung moderner Gesellschaften von der UNO formulierten Menschenrechte gehen. Davon ist leider schon lange nichts mehr zu bemerken. Im Gegenteil! Wir scheinen uns rapide auf finstere Zeiten und gesellschaftlichen Zerfall zuzubewegen. Als entschuldigende Erklärung wird uns fehlerhaftes Verhalten unterstellt, weil wir uns nicht gemäß den Anforderungen der künstlichen, von Eliten geschaffenen Geldordnung verhalten wollen, die Vermögenswerte über soziale Werte stellt.

Die anzustrebenden sozialen Werte stehen fest. X-fach formuliert und blauäugig betrauert wegen deren Unumsetzbarkeit aus ökonomischen Gründen. Veränderbar, wenngleich propagandistisch stets als alternativlos dargestellt, sind jedoch die menschengemachten Spielregeln des Geldes. Das nicht zu erkennen, bzw. sich diesem Erkenntnisprozess zu entziehen, entspricht der Ironie unserer Zeit. Das Tun „als ob“ wir nichts ändern könnten. Deshalb leben wir ja auch in unserem System, als ob es eine Demokratie wäre. Das Meinungsmanagement der Eliten hat da ganze Arbeit geleistet.