Bares ist Wahres – auch digital?

Unter dieser Überschrift hat sich Alexander Hahn (der Standard) am 13.4.2021 einige banale Fragen gestellt und diese gleich beantwortet. Um die eigentliche Bedeutung hat er sich m.M. aber herum geschwindelt

Digitaler Euro der EZB?
Wenn man dieser Frage nachgeht, sollte man sich erst einmal darüber Gedanken machen, was denn das eigentlich ist, womit wir derzeit per “Überweisung” unsere Zahlungen leisten. Alexander Hahn meinte dazu in einem fiktiven Frage- und Antwortspiel am 13.4.21, dass das von der EZB ausgegebene digitale Geld anders funktioniert, als das Giralgeld auf Bankkonten. Was er damit wohl meinte? Den Begriff “Geldschöpfung” wagt er gar nicht anzusprechen und schreibt daher von einem von der EZB ausgegebenem digitalen Geld und er verschweigt zugleich diskret, dass es das ja bereits gibt! Nicht nur ist das bereits heute digitale, von der EZB geschöpfte und als Kontoeintrag erscheinende Geld die Voraussetzung für Banken, Bargeld erhalten zu können, sondern es ist die digitale Alternative zu Bargeld und zugleich das einzige, in unterschiedlichen Erscheinungsformen (bar oder digital) auftretende gesetzliche Zahlungsmittel mit Annahmezwang. Das Problem für die Bevölkerungen entsteht ja erst dadurch, dass das Publikum, also der Nichtbank-Bürger, keinen Zugang zu einem Zentralbankkonto hat. Der digitale Euro funktioniert also bereits tadellos – allerdings nur zwischen Zentralbanken und Geschäftsbanken, wie besonders auch im Interbanken-Geldverkehr.
Für das Publikum besteht heute die einzige Chance an Bargeld zu kommen darin, den Wechselvorgang über ein Geschäftsbankenkonto abzuwickeln. Bei den Überlegungen bezüglich CBDC (Central Bank Digital Cash) soll ein direkter Zugang des Publikums zu Zentralbankgeld erwogen werden.
Im Endeffekt geht es also darum, wem das Recht der Geldschöpfung zustehen soll. Dem Souverän, oder so, wie es heute zu über 90% der Fall ist, privaten Interessensgruppen in Gestalt von Geschäftsbanken. Es geht um die Macht! Damit auch um den Zustand der Demokratie. Und das sollte doch einmal offen angesprochen werden. “Anonymität und Bequemlichkeit” der Bezahlvorgänge sind nur alberne, aber hochgespielte Ablenkungen von den tatsächlichen Hintergründen. Gerade eine Qualitätszeitung wie Der Standard sollte sich aber an der Verschleierung des Bedeutsamen nicht beteiligen.