2021

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10.12.2021; Der Standard, Martin Stepanek, „Die Angst der Banken vor Bitcoin“ und „Unter Generalverdacht“
Angst oder Generalverdacht?
Ist denn der Banken Skepsis und Ablehnung gegenüber Bitcoin&Co. tatsächlich so schwer zu begreifen? Schließlich handelt es sich bei den Kryptowährungen vor allem um ein ziemlich dubioses Konkurrenzprodukt zu deren eigener Geldkreation, dem “Kreditgeld”. Bitcoin&Co. sind so wie dieses Geschäftsbankengeld gesetzlich nicht annahmepflichtige Zahlungsmittel. Abgesehen davon, dass es nach wie vor höchst umstritten ist, welcher Bedarf, außer krimineller und auf alle Fälle spekulativer Bedürfnisse mit diesen staatlich weitgehend unkontrollierten, privaten Geldschöpfungen bedient werden soll, steht dem undurchschaubar zustande kommendem Kurswert von z.B. Bitcoin, ganz gleich wie hoch er manipulativ hinauflizitiert oder abgestuft wird, immer nur der Wert, der im “Mining” zu seiner Schaffung bereits verbrauchten Energie gegenüber. Die Haltung der Banken muss daher in der Ambivalenz von seriös und unseriös betrachtet werden, denn freilich lassen sich mit Gebühren und Provisionen an privaten Spekulationsgeschäften risikolos beträchtliche Summen vereinnahmen, denen man jedoch die Abwägung des Ansehensverlustes durch gesellschaftsschädliche Mittäterschaft gegenüberstellen sollte. Eine Gratwanderung.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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7.12.2021 OÖN; Teodora D. Cocca,
Gescheitertes Helikopter-Geld
Sowohl “Helikopter-Geld”, wie auch “Bedingungsloses Grundeinkommen” betreffen die Frage, wie modernes Geld am wirksamsten in Umlauf zu bringen wäre. Teodora D. Cocca verzichtet jedoch in seiner heutigen Kolumne auf die Klärung der viel wichtigeren Frage, wie das, was in Umlauf gebracht werden soll, überhaupt erst einmal in die Welt kommen soll. Wenn man Geld immer nur als Schuld zu verstehen vermag, wie das ja auch der MM>>T (Modern Money Theory) zugrunde liegt, auf die sich T.D.Cocca bezieht, dann ist seiner Einschätzung zwar zuzustimmen – kann aber keinen Beitrag zu irgendeiner Problemlösung leisten. Eine intensive Befassung mit “Vollgeld” und dem von bereits etlichen Zentralbanken in Evaluierung befindlichem CBDC (Central Bank Digital Cash) als vielleicht erstem Schritt zu Zentralbankgeld für das Publikum, wäre angesagt. Es geht um die Geldschöpfung und um die klare Unterscheidung von Geld und Kredit.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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2.12.2021; Kommentar zum Artikel „Chancen und Gefahr“ (CBDC) von Linda Benkö im „Portfolio“ (Standard v. 2.2.21)

Betr.: E-Euro (CBDC), Chancen und Gefahr

Sehr geehrte Frau Mag. Benkö, sehr geehrte Frau Mag. Pfluger,

Sie haben mit diesem Beitrag im Standard Wirtschaftsmagazin “Portfolio” ein – wenn nicht sogar das – für gesellschaftspolitische Gestaltungsmöglichkeiten alles entscheidende Thema “Geldhoheit” aufgegriffen. Dafür möchte ich Ihnen meine Anerkennung ausdrücken.

In den Untertiteln bringen Sie es auf den Punkt, worum es bei den Überlegungen der Notenbanken bezüglich CBDC überhaupt geht: Es geht um Souveränität und um Macht. Beides hat sich durch den ausufernden unbaren Zahlungsverkehr, der ja nicht mit staatlichem Geld, sondern mit dem von Geschäftsbanken geschöpften Kreditgeld erfolgt, auf die Seite der “Märkte” verlagert. Auch sind es mittlerweile “die Märkte”, die über Schöpfung, Zuteilung und Verwendung dieses zu mehr als 90% zum Leistungsausgleich verwendeten nicht-gesetzlichen Zahlungsmittels bestimmen. Es ist daher höchst an der Zeit, dass sich Politiker und Institutionen, die tatsächlich ihre Funktion als Interessensvertretung des Souveräns (das sind ja wir!) wahrnehmen wollen, Gedanken darüber machen, wie die Geldschöpfungshoheit von den Märkten wieder unter Kontrolle der gewählten Repräsentanten gelangen kann.

CBDC wäre so ein erster Schritt, und ginge in die Richtung einer Vollgeldreform, mit der es letztendlich nur mehr gesetzliches Zahlungsmittel gäbe und Bar-, bzw. Buchgeld tatsächlich dasselbe in unterschiedlicher Erscheinungsform wären. Nicht so wie heute, wo das Giralgeld der Banken Voraussetzung dafür ist, an gesetzliches Zahlungsmittel (Bargeld) zu gelangen. “Bar oder mit Karte?” an der Kassa bedeutet doch: “Möchten sie mit gesetzlichem Zahlungsmittel, oder mit Geld eines anderen Emittenten als Ihrer Zentralbank bezahlen?”

Interessant fand ich, dass Sie in Ihrem Beitrag Beat Weber zu Wort kommen ließen, der von der ÖNB zumindest nach außen dafür zuständig sein dürfte, der allerdings noch vor zwei Jahren in Diskussionen und im Schriftverkehr mit dem Ökonomen, Raimund Dietz, dem Obmann der österreichischen Vollgeldinitiative www.proVollgeld.at, unübersehbare Unkenntnis, Unwilligkeit und Fehlinterpretationen bezüglich Vollgeld  offenbarte – oder vermutlich offenbaren musste (?).

Nun, im Endeffekt geht es also darum, auch Nicht-Banken den Zugang zu unbarem gesetzlichem Zahlungsmittel zu ermöglichen. Das kann so schlecht ja nicht sein. Dass es damit auch zu Machtverschiebungen kommt ist auch klar, aber nicht nur notwendig, sondern sollte ja sogar auch gewünscht sein. Da sich “die Macht” aber nur durch weitere Verbreitung des Wissens über die Geldthematik in der Bevölkerungsmehrheit vielleicht doch noch zu Einsicht gedrängt fühlen könnte, schließe ich mit der Bitte an Sie, an diesem Thema dranzubleiben.

Und bitte bedenken, dass die Geldschöpfungshoheit das höchste zivile Machtmittel darstellt und was das für demokratiepolitische Entwicklungen bedeutet!

Um den Experten bestehender Machtverhältnisse als Journalistin nicht hilflos ausgeliefert zu sein, empfehle ich zu diesem Thema gerne die beiden leicht verständlich geschriebenen Bücher, die auch auf alle in Ihrem Beitrag als “Gefahr” den Chancen für CBDC gegenübergestellten Fragen eingehen.

Joseph Huber, “Monetäre Souveränität” (Geldsystem im Umbruch), Metropolis-Verlag (Marburg, 2018), wie auch: Klaus Karwat, “Schuldenfreies Geld” (Warum der Kapitalismus eine Systemreform braucht), Metropolis-Verlag (Marburg, 2021).

In diesem Sinne, liebe Grüße, Ihr Dr.Günther Hoppenberger

LIFESENSE-Zirkel Linz, Schmökern auf www.lifesense.at  lohnt immer

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28.11.2021; Schreiben an den Chefredakteur der OÖN, Mag.Gerald Mandlbauer
Sehr geehrter Herr Mag.Mandlbauer,
abseits der “Corona-Debatten” haben Sie mit Ihrem Leitartikel (“Geld-Gespenster”; 27.11.2021) ein gesellschaftspolitisch extrem bedeutsames Thema angestoßen, wofür ich Ihnen Anerkennung und Dank ausdrücken möchte.
Verständlicher Weise haben Sie damit freilich vor allem den von den OÖN initiierten und organisierten “OÖN-Geldtag” begleitend unterstützen wollen, was ja auch ganz gut gelungen sein dürfte. Gestatten Sie mir aber dennoch die Anmerkung, dass Sie sich damit zugleich an der Weiterverbreitung von Fehlinterpretationen beteiligt haben, wie man sie dann auch ein paar Seiten weiter im Wirtschaftsteil bei den Sprüchen der Diskutanten des Geldtages erkennen kann. Bei denen ging es aber um das Veranlagungsgeschäft und daher um die Beharrung auf der Verbreitung a) des Bankenimages als Finanzintermediäre, b) des Staatsbildes (der Staat sind wir!) als  bösen Schuldner, und c) des Bildes der Zentralbanken als die bösen Inflationstreiber, die mit dem Quantitative Easing “die Märkte” mit Geld fluten.
Wie die Schulden überhaupt entstanden sind und woher und warum es kommt, dass die Zentralbanken Anlegern und Geschäftsbanken Schuldpapiere, die niemand mehr haben will mit frischem ZB-Geld zum Nominalwert(!) abkaufen [müssen], wird ja nicht weiter diskutiert. Wie überhaupt, selbst bei vielen Ökonomen und in den gängigen Wirtschaftslehrbüchern ohnehin, die rechtliche Gestaltung des Geldsystems für das Wirtschaftsgeschehen keinerlei Rolle zu spielen scheint.
Und so möchte ich Sie mit allem Respekt darauf hinweisen, dass auch Ihr Bild von der “geldpolitischen Stabilität ….ausgehend von den Achtzigerjahren…” ein Trugbild ist, denn was den Eindruck von Stabilität erweckte, war vor allem der ausufernden Globalisierung (Verlagerung von Produktionen in Niedriglohnländer), mit langfristig vorhersehbaren Problemen, mit denen Rechtsstaaten heute konfrontiert sind (vor allem Steuerflucht, Monopole, Schattenbanken, Naturzerstörung, etc……) geschuldet. Auch dass sich daran die Staaten quasi als Mittäter eifrig beteiligten, sollte nicht überraschen, bedenkt man, dass ein Staatshaushalt ja mangels eigenen Geldes auf Steuereinnahmen angewiesen ist, wenn er seinen Aufgaben nachkommen soll. Und leider ist es eben immer noch so, dass Staaten durch die derzeit geltenden Regeln des Geldsystems erpressbar sind, weil die – in der Bevölkerung fälschlich bei der ZB vermutete – Geldschöpfungshoheit durch die Überhandnahme bargeldloser Zahlungen mit (nicht gesetzlichem!) Geldsurrogat (dem von Geschäftsbanken emittierten Giralgeld), längst verlorengegangen ist. “Die Märkte” bestimmen heute über das Wohl und Wehe der Bevölkerungen und die Politik scheint demgegenüber völlig machtlos zu sein. Das müsste aber nicht unbedingt so sein.
Soweit mir bekannt, wurde die Kolumne, “Wirtschaft verstehen”, von Frau Mag. Dickstein initiiertscheint sich mittlerweile allerdings vor allem auf die Beantwortung von Anlegerfragen zu beschränken. Und so möchte ich also mit diesen Zeilen gerne zu einer Kolumne, “Geldmechanismen verstehen – und mit  Verantwortungsbewusstsein anwenden”, anregen. Auch bin ich überzeugt, dass die Wirtschaftsredaktion auf Ihre Projektunterstützung wird zählen können.
Zur internen redaktionellen Vorbereitung würde ich als Diskussionsgrundlage alles empfehlen, was da so in letzter Zeit bezüglich den CBDC (Central Bank Digital Cash) Überlegungen der EZB und anderer Zentralbanken verfasst wurde, und jedenfalls von Joseph Huber, “Monetäre Souveränität” (Geldsystem im Umbruch), Metropolis-Verlag (Marburg, 2018), wie auch: Klaus Karwat, “Schuldenfreies Geld” (Warum der Kapitalismus eine Systemreform braucht), Metropolis-Verlag (Marburg, 2021).
In diesem Sinne möchte ich schließen mit ein paar unsystematisch aufgelisteten Beispielen von Fragen, von denen ich mir vorstellen könnte dass sie in so einer Kolumne behandelt gehörten:
  • Warum glauben wir überhaupt, dass sich Geld vermehren muss, wenn man es verleiht? Ist es nicht vielleicht nur ein Relikt aus den Zeiten als Geld noch eine Warendeckung in irgendeiner Form hatte?
  • Wurden Privatkunden für Banken nicht überhaupt erst dann von Interesse, als die „Lohntütenzahlungen“ mit Bargeld durch die Überweisungen mit dem von Banken geschöpften Giralgeld verdrängt wurden?
  • Macht langfristiges Sparen von etwas, das man (heute) jederzeit auf Knopfdruck erzeugen kann, Sinn? Sparen um des Sparens Willen – oder Sparen für eine konkrete Anschaffung?
  • Worin liegt der Unterschied zwischen Schulden und gesetzlichem Zahlungsmittel? Welche Beachtung findet dieser Unterschied in der Gesetzgebung und welche gesellschaftlichen Auswirkungen zeigt die Missachtung dieses Unterschieds?
  • Politiker fordern stets mehr Wachstum. Das klingt offenbar so schön, dass sich niemand zu fragen traut, was denn eigentlich wachsen soll. Der Ressourcenverbrauch? Die Schulden? Arbeitsstunden?
  • Und wenn es heißt: „Die Wirtschaft“ – was bedeutet das? Was sollen die Aufgaben „der Wirtschaft“ sein? Und wann ist sie ausgewachsen?
  • Politiker wollen immer auch Arbeitsplätze schaffen. Entsteht aber durch Arbeit Geld, wie das in unserem Rentabilitätsdenken vorausgesetzt wird, oder entstehen im günstigsten Fall gesellschaftsförderliche Werte? Kann es denn überhaupt eine “seriöse Beratung” für den Kauf von Bitcoin geben? Klingt mir irgendwie nach seriösem Waffendeal oder seriösem Drogenhandel).
  • Zielt nicht seit jeher alles Sinnen und Trachten menschlichen Geistes auf die Erübrigung der Erwerbsarbeit? Wie g’scheit ist es dann, das in einer Geldwirtschaft überlebenswichtige Einkommen von einem Arbeitsplatz, den es meist gar nicht mehr braucht, abhängig zu machen?  
  • Worin/bei wem liegen die Interessen des Börsenhandels im Nanosekunden-Takt? Welche gesellschaftliche Bedeutung hat das? Würden nicht ein, oder zwei Auktionen pro Tag genügen, um den Liquiditätserwartungen zu entsprechen? Wird das 5G-Netz nicht vielleicht vor allem für den Hochfrequenzhandel an den Börsen forciert?
  • Welchen Stellenwert hat Geschwindigkeit in „der Wirtschaft“? – und in der persönlichen Entwicklung?
  • Weshalb gibt es für manche Anliegen Geld, für andere jedoch nicht? Wieso sind es meist gerade die gesellschaftlich wichtigsten Aufgaben, für deren Nichterfüllbarkeit Geldmangel als Erklärung herhalten muss?
  • Wieso sind die anstrengendsten Tätigkeiten meist am schlechtesten bezahlt?
  • Weshalb wird über Mindestlöhne diskutiert, ohne auch über ein Höchsteinkommen nachzudenken, wo es doch immer nur um Relationen geht?
  • Ist dem Klimawandel überhaupt durch Geld, oder nur durch Haltungsänderung und/oder beides beizukommen? Ist Natur käuflich? Wie lässt sich überhaupt unser einseitig materialistisches Denken mit der Harmonie der Natur in Einklang bringen?
  • Was ist der Unterschied zwischen Bargeld und Giralgeld? Welche fatalen Folgen hat die verbreitete Ansicht der Identität in bloß unterschiedlicher Form?
  • Kann es in unserem Gewinn-Denken in Geldgrößen überhaupt ein nachhaltig tragfähiges Kulturmodell geben, zu dem man „die Politik“ verpflichten könnte?
  • Inwieweit kann ein Staat noch „weise lenkend“ die Entwicklung seiner BürgerInnen fördern, wenn seine Haushaltsmöglichkeiten mit der Besteuerung „der Wirtschaft“ beschränkt sind? Wird er da nicht zum Mittäter, weil ja dann jede „Geschäftsidee“ unabhängig vom gesellschaftlichen Wert willkommen ist, soweit ein besteuerbarer Gewinn dabei herausschaut. Ein „Degrowth“, wie es die Vernunft fordern würde, kann daher bei bestehender Geldordnung nicht im Interesse der Staatsführung sein, obwohl es für das Gedeihen der Bevölkerung nötig wäre.
  • Und wenn dem so ist, weshalb und in wessen Interesse gestattet er dann gesetzliche Möglichkeiten für die zu Besteuernden, sich den Ort der Versteuerung selbst wählen zu können, bzw. sich gleich ganz der Besteuerung entziehen zu können.
  • Weshalb gestattet der Staat beschränkte Verantwortlichkeiten, durch Zuerkennung von Persönlichkeitsrechten an Firmenkonstrukte („juristische Personen“)?
  • Wieso werden so viele Begriffe wie Wohlstand, Reichtum, Vermögen, u.a. kaum jemals diskutiert, obwohl jeder darunter etwas anderes verstehen dürfte? Ist „Vermögen“ z.B. ein Können, oder ein Haben?
  • Rühren die Rufe nach einer an sich sehr vernünftig klingenden Vermögenssteuer nicht noch aus Zeiten des Zehents auf das Ernteergebnis? Ist nicht die Unterscheidung zwischen Vermögen und frei verfügbarem Finanzvermögen geboten? Und würde das nicht auch den Trend zu Radikalisierungen und zu Enteignungsphantasien zur Problemlösung des Geldmangels mäßigen können?
  • Tritt Mangel an Geld auf, weil es nicht vorhanden ist, oder weil es nicht zugeteilt wird?
  • Weshalb wird immer nur über Kosten diskutiert – die stets als zu hoch angesehen werden – und kaum jemals über die damit verbundenen gleich hohen Einkommensmöglichkeiten?
  • Wäre es vor einer „Veranlagung“ nicht angebracht darüber zu reflektieren, inwieweit neue Trends und Technologien sinnvoll und gesellschaftlich verantwortungsvoll vertretbar sind, oder ob sie nur deshalb forciert werden, weil „wir es können“, und weil daraus ein Geldgewinn zu erwarten ist?
  • Benötigt die „unsichtbare Hand des Marktes“ nicht eine selbstbewusster auftretende Gesellschaft, um der durch freizügige Märkte sichtbar gewordenen Gefährdung der Demokratie zu begegnen?
  • Weshalb wird Gewinn immer nur als Geldgewinn betrachtet?      

………….und so könnte es wohl noch ellenlang weitergehen, aber ich möchte Sie nicht überstrapazieren. Und so schließe ich in der Hoffnung, dass dem Geldsystem in den OÖN eine höhere Aufmerksamkeit gewidmet  wird, dass “Geldschöpfung” überhaupt thematisiert und in Wirtschaftsüberlegungen und –kommentare einbezogen wird, und verbleibe

mit besten Wünschen für eine gesunde und beschauliche Adventzeit, Ihr

Dr.Günther Hoppenberger

Lifesense-Zirkel Linz, Schmökern auf www.lifesense.at lohnt immer

Danke sehr, sehr geehrter Herr Hoppenberger, ich sehe, auch aus früheren Zuschriften, dass Sie sich mit dem Geld eingehend beschäftigen. Ich werde auch mit der Wirtschaft über Ihre Ideen reden. Danke nochmals. Mfg Gerald Mandlbauer

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23.11.2021; Standard (Andreas Danzer)+OÖN (M.Roithner)
Erster Schritt in Richtung Vollgeldreform?
Nach und nach scheint sich ja doch die Erkenntnis durchzusetzen, dass Zentralbankgeld, das einzige gesetzliche Zahlungsmittel mit Annahmezwang (derzeit nur Bargeld) und das von Geschäftsbanken mit jeder Kreditvergabe geschöpfte Giralgeld, mit dem wir aber alle unsere bargeldlosen “Zahlungen” tätigen, zweierlei sind und nicht nur unterschiedliche Erscheinungsformen ein und derselben Sache. So gesehen könnte also die Zugangsmöglichkeit zu digitalem gesetzlichen Zahlungsmittel für Normalbürger, wie das derzeit u.a. von der EZB evaluiert wird, der erste Schritt zur Rückeroberung der Geldschöpfungshoheit unter demokratische Kontrolle sein. Eine wesentliche Voraussetzung für gesellschaftspolitische Gestaltungsmöglichkeiten!
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz 
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11.11.2021; Standard; Bitcoin&Co (A.Hahn) und zu wenig Finanzbildung (Julia Beirer)
Schüler beklagen zu wenig Finanzbildung
Das ließe sich z.B. mit Propagierung und Verbreitung der gerade erst (8.11.2021) auf 3 Sat gezeigten Doku “Oeconomia” relativ einfach beheben, damit dieser Film als Einstieg und Diskussionsgrundlage im Bildungsbereich Einzug halten könnte (“Oeconomia” wird noch bis Februar in der 3Sat Mediathek zu finden sein). So lange jedoch – selbst Qualitätszeitungen – trügerische und irreführende Interpretationen des Wirtschaftsgeschehens unkommentiert publizieren, werden natürlich auch Fragen wissbegieriger Schüler in eine Richtung gelenkt, die fernab eigentlicher Finanzbildung liegen und deren Beantwortung die Schüler eher zu Glücksrittern zu erziehen trachtet. Ich erwähne das nur, weil heute in selber Ausgabe des “Geldstandard” wieder einmal Bitcoin&Co nicht nur als Währung, sondern sogar auch als Anlageform dargestellt wird. Finanzbildung bedeutet vor allem die Klärung der Fragen: Wie entsteht Geld? Wer soll Geld schaffen dürfen? Unterschiede von Geld, Kredit und Zahlungsmittel? Wie soll Geld in Umlauf gebracht werden?…..Erst danach macht es Sinn, über den persönlichen Umgang mit Geld und über die persönliche Haltung gegenüber Gesellschaftspolitik zu diskutieren.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz       
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28.10.2021; Standard; A.Hahn, Wie viel Bargeld steckt im digitalen Euro;
Wie viel Bargeld im digitalen Euro steckt?
Dieser sehr einfachen Frage geht Alexander Hahn im Standard vom 28.10.21 nach, weil die EZB drauf und dran ist, die digitale Version des Euro auch für den Publikumsverkehr zu testen. Nun, es sind genau 100% – und es ist Zentralbank Buchgeld, wie es unter der Bezeichnung “Reserven” immer schon, allerdings unter Ausschluss des Publikums, zwischen Zentralbanken und Geschäftsbanken, bzw. im Interbanken Zahlungsverkehr funktionierte. Und bei Behebung von Bargeld an einem Bankomat könnte man eben nur dann von einem Tausch sprechen, wenn die Behebung von einem ZB Buchgeldkonto (e-Euro, Vollgeld?) erfolgt. Derzeit ist es aber ein Wechselvorgang zwischen Geld zweier Emittenten, worauf Alexander Hahn zwar im nächsten Absatz hinweist, darin aber kein besonderes Problem erkennen dürfte. Dabei ist es wie ein Wechsel zwischen zwei Währungen; von nicht gesetzlichem Zahlungsmittel (von Geschäftsbanken erzeugtes Giralgeld) in Bargeld, dem einzigen gesetzlichen Zahlungsmittel mit Annahmezwang, das ausschließlich von der Zentralbank geschaffen werden darf. Im Recht zur Geldschöpfung steckt ja nicht zuletzt das alles entscheidende Potential zu gesellschaftspolitischen Weichenstellungen. Das heißt, es geht im Kern stets um die Auseinandersetzung zwischen Staat (das sind wir!) und den Interessen privater Klüngel (die wir heute als “Markt” bezeichnen).
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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7.10.2021; Kommentar an Dr. Sabine Nuss, zu ihrem Vortrag für CoV
Vom Club of Vienna (CoV) habe ich nachstehenden Link erhalten. Vortrag von Frau Dr.Sabine Nuss, in dem es um Begriff und Bedeutung des Privateigentums im Kontext der sozial-ökologischen Krise geht. Ein ausgezeichneter Vortrag, der ordentliche Denkanstöße liefert.
Allerdings konnte ich es – wie nachstehend – nicht lassen, auf die sträfliche Vernachlässigung der Geldfrage zu verweisen.
Viel Vergnügen:
Sehr geehrte Frau Dr. Nuss,
mit anhaltendem Interesse und zunehmendem Gefallen, konnte ich heute auf Youtube Ihren für den Club of Vienna am 9.9.2021 gehaltenen Vortrag verfolgen. Meine Beurteilung – sofern ich mir eine solche gestatten darf – kann ich mit “ausgezeichnet, zeitnotwendig und dringend verbreitungswert” auf den Punkt bringen. Da ich gerade erst den “Code des Kapitals” von Katharina Pistor durchgeackert habe, erschien mir Ihr Vortrag als fabelhafte und sogar etwas lebensnähere Ergänzung. Großartig! Vielen Dank für das anregende “Denkfutter”.
Dennoch – und das werden Sie wohl auch erwartet haben, dass da jetzt noch etwas nachkommt:
Nicht sehr, aber doch etwas getrübt wurde mein Eindruck nur bei Ihrer Beantwortung der Frage bezüglich Korrekturmöglichkeiten durch eine Vollgeldreform. Da sind Sie erstaunlich weiträumig ausgewichen und haben sogar Widersprüchliches von sich gegeben. Einerseits stellten Sie fest, dass “Geld das Medium ist, über das Herrschaft ausgeübt wird”, andererseits ließen Sie sich jedoch nicht auf den “Schöpfungsakt” ein, obwohl ja der Existenz dieses Herrschaftsmediums, das in der Natur nicht vorkommt und als eine der großartigsten Erfindungen der Menschheit angesehen werden muss, ein Schöpfungsakt vorangegangen sein muss: Die Geldschöpfung. Mein seit Jahren vorgetragener Satz, “Das abgesicherte Recht zur Geldschöpfung ist das höchste zivile Machtmittel”, bringt das m.M. besser auf den Punkt, als Geld nur als Herrschaftsmedium zu sehen, denn längst wurden “dem Staat”, der administrativ als möglichst weiser Herrscher die Interessen der Gesamtgesellschaft vertreten sollte, durch sukzessive, durchaus auch als Fortschritt anzusehende technische Entwicklungen und darauf abgestellte Neu-Codierungen (siehe K.Pistor) die Möglichkeit eingeschränkt, die Masse der Bevölkerung gegenüber Einzelinteressen privater Klüngel zu schützen, weil von diesen die Verwendung staatlichen Geldes (einziges gesetzliches Schuldentilgungsmittel mit Annahmezwang) mittlerweile auf die weiterhin abnehmende Verwendung von Bargeld eingeschränkt wurde.
Den oftmals sogar unbewussten Zwang zu Wachstum stellen Sie ja ausgezeichnet ins Zentrum Ihrer Ausführungen, differenzieren jedoch nicht beim Gewinn-Begriff. Und so bleibt eigentlich die Frage offen, wie man mit ersten Schritten zu einer ökonomischen Haltungsänderung gelangen könnte. Um so eine geht es aber. Und so meine ich, dass bei der Definition von Gewinn zu beginnen ist. Es geht eben nicht um einen Geldgewinn, sondern um den Gewinn an Gemeinwohl. Der Gewinn durch die neue Brücke liegt in erweiterter Kommunikationsmöglichkeit durch deren Existenz und weder in Geschwindigkeitssteigerung noch in den dadurch vielleicht erzielbaren Einnahmen. Als Gewinn, weil systemisch als Überlebensvoraussetzung vorgesehen, könnte man natürlich auch die Konsumationsmöglichkeit der am Bau Beteiligten und die Möglichkeit der Schuldentilgung deren Lieferanten verstehen. Alles das also, was üblicherweise als Kosten angeführt wird und – nur vermeintlich folgerichtig – Einsparungsphantasien weckt.
Wirtschaftliche Aktivitäten, die nicht auf die Steigerung des Gemeinwohls ausgerichtet sind, sind daher grundsätzlich entbehrlich. Leider hat ja da längst eine Definitionsumkehr des Gewinnbegriffes stattgefunden. Gewinn wird nur mehr als Geldgewinn verstanden. Hat man einmal – was gar nicht so schwierig ist – durchschaut, dass unser heutiges Geld überwiegend das von Geschäftsbanken aus dem Nichts als Kredit (Buchgeld) geschöpftes Schuldgeld ist, das seinen Wert erst nachträglich durch Arbeit (=Ressourcenverbrauch) erhält, ohne dass dadurch ein Mehr an Geld entsteht (das jedoch zur Bedienung des Kredits benötigt würde), dann erkennt man schnell, was “Wachstum” im Kern bedeutet: Ressourcenverbrauch plus Steigerung der Gesamtverschuldung.
Ich meine, dass wir uns über die Unsinnigkeit des auf Geldgewinn orientierten Wachstums in ausgereiften Volkswirtschaften einig sind, vielleicht auch über die Absurdität, Erwerbsarbeitsplätze zu schaffen, um damit die Verteilungsfrage zu lösen, wie man das aktuell unter den positiv konnotierten Begriffen “Digitalisierung vorantreiben” und “Klimaschutz” darzustellen versucht. Und wenn man das alles zusammenfasst, dann zeigt sich doch, dass der Schlüssel zur tendenziellen Behebung gesellschaftlicher Schieflagen tatsächlich in Art und Ursprung des verwendeten Geldes liegt.
So, wie Sie in Geld ein Herrschaftsinstrument sehen und so, wie ich das Geldschöpfungsrecht überhaupt als höchstes ziviles Machtmittel bezeichne, liegt es doch nahe, dass dieses Recht ausschließlich dem Staat (im Sinne der Interessensvertretung der Gesamtbevölkerung) unter demokratischer Kontrolle zusteht. Nichts anderes propagiert die Vollgeldbewegung und hat für die Institution, die als vierte staatliche Gewalt anzusehen wäre, die Bezeichnung “Monetative” vorgeschlagen. Es entspräche im Endeffekt einer dann entsprechend aufgewerteten Zentralbank. Die Versuche mit CBDC (Central Bank Digital Cash) einiger Zentralbanken, gehen ja bereits in diese Richtung. Es würde bedeuten, dass heutiges Buchgeld tatsächliches Geld und nicht nur eine Forderung auf Geld wäre. Ein gewaltiger Unterschied – ganz abgesehen von den erweiterten gesellschaftspolitischen Möglichkeiten.
Eine Vollgeldreform löst also zwar gewiss nicht alle anstehenden Gesellschaftsprobleme, sie erleichtert jedoch zweifellos weiterführende zeitnotwendige Haltungs- und Einstellungsänderungen durch leichter fassbares Verständnis für finanzwirtschaftliche Zusammenhänge. Vollgeld hat ja nichts Revolutionäres an sich, sondern muss als notwendige Reaktion auf die Verdrängung der Bargeldverwendung durch privat geschöpfte Geldsurrogate verstanden werden. Geldsurrogate unterminieren das wichtigste staatliche Herrschaftsrecht – wenn man das Gewaltmonopol nicht ins Spiel bringen möchte.
In diesem Sinne und versehen mit aller Hochachtung und Wohlwollen möchte ich Ihnen nahelegen, Ihre Ausführungen unter Einbeziehung  des Geldaspekts aufzurunden und verbleibe dankbar und
mit lieben Grüßen aus Linz,
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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29.9.2021; OÖN, S.Dickstein; Kalte Progression
Körberlgeld?
Agenda Austrias Kritik an der “kalten Progression” lässt leicht übersehen, dass sich durchgesetzte Einkommenserhöhungen auch auf die vom Staat zu erwartenden Leistungen durchschlagen müssen. Dass sich durch die kalte Progression für den Finanzhaushalt der Gesellschaft (!), den darzustellen vom Finanzminister in einer repräsentativen Demokratie erwartet wird, eine gewisse Entlastung ergibt, ist nur ein glücklicher aber auch notwendiger Effekt, wenn man bedenkt, dass Gewinnorientierung keine staatliche Aufgabe ist. Bedenklicher sollte jedoch die aus kalter Progression abzuleitende Erkenntnis stimmen, dass der Staat zur Finanzierung seiner Aufgaben in der derzeitigen Geldordnung überhaupt auf Wirtschaftswachstum (= Schuldenwachstum und Ressourcenverbrauch) angewiesen ist, und dass sich das absolut nicht mit den hehren Klimaschutzzielen in Einklang wird bringen lassen. Ein “Positivgeld”, wie das von den Vollgeldinitiativen seit Jahren vorgeschlagen wird, könnte diesem Dilemma tendenziell abhelfen.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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29.9.2021; Standard, A.Szigetvari, „Geht uns das Geld für Klimaschutz aus?“
Die falsche Frage
“Geht uns das Geld für Klimaschutz aus?”, fragt Andras Szigetvari im Standard vom 29.9.2021 und findet auf Zugrundelegung der bestehenden Geldordnung, in der Geld praktisch ausschließlich durch Verschuldung entsteht, und auf beständiges Wachstum (= Ressourcenverbrauch plus Schuldenwachstum) angewiesen ist, durchaus eine höchst beunruhigende Berechtigung zur Sorge. Die Frage müsste also vielmehr lauten, ob unser heutiges Schuldgeld überhaupt zur Einbremsung des Klimawandels und zur Behebung der von diesem verursachten materiellen und gesellschaftlichen Schäden geeignet ist und ob es dafür nicht eines umlauffähigen “Positivgeldes” bedarf, wie das von den Vollgeldinitiativen seit Jahren angeregt wird. Eine friedliche Zukunft wird jedenfalls im Unterschied zum heutigen ein friedensfähiges Geld benötigen! Höchste Zeit, die rechtlichen Erfordernisse einer demokratisch kontrollierten Geldschöpfung zu thematisieren.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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P.S. für Herrn Szigetvari: Wo, bitte schön, ist das Geld, sobald es “ausgegangen” ist?
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17.8.2021; Standard, A.Szigetvari, (Vor 50 Jahren Kündigung der Golddeckung durch Nixon)
“Fiat-Geld” ist nicht das Problem
Wer darf es schaffen? Es geht um das Recht, Geld nach dem Motto “es entstehe” erzeugen zu dürfen. Wem soll dieses Recht zustehen? Und es geht um die klare Unterscheidung von Geld und Kredit, auch wenn durch die Funktionsweise als allgemein anerkanntes Zahlungsmittel der Anschein erweckt wird, dass “Zahlungen” mit Buchgeld (=von Banken durch Kreditvergabe geschöpftes Zeichengeld) identisch sind zu Zahlungen mit dem einzigen gesetzlichen Zahlungsmittel mit Annahmezwang, nämlich Bargeld. Eine Vollgeldreform wäre deshalb ein essentieller Schritt in Richtung friedensfähiger Geldordnung (Eine “Golddeckung” des Geldes wäre heute jedenfalls fast genauso unsinnig, wie es die energieaufwendige Erzeugung der Bitcoin ist, deren innerer Wert überhaupt nur aus der zur Erzeugung bereits verbrauchten Energie besteht, also negativ ist).
Dr.Günther Hoppenberger
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21.7.2021; Standard, Alexander Hahn, „Bargeldlimit“ (Falsches Signal)
Zum x-ten Mal: Es geht um das Zahlungsmittel, nicht um die Zahlungsart
Bargeld und Buchgeld (im Publikumsverkehr) sind nicht unterschiedliche Erscheinungsformen ein und desselben, sondern es sind zwei unterschiedliche Zahlungsmittel! Wenn das nicht klar und deutlich kommuniziert wird, macht eine Diskussion über Einschränkungen oder Abschaffung von Bargeldzahlungen überhaupt keinen Sinn.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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12.7.2021; Standard, A.Szigetvari, „Wer wird im Kampf gegen Bargeldlimits geschützt?“
Bares oder Unbares – derzeit noch eine Machtfrage
Bei aller grundsätzlichen Bereitschaft, Finanzministern Unrecht angedeihen zu lassen, sollte man dennoch lobend anerkennen, wenn, wie von Gernot Blümel in dessen Einstellung zu dem von der EU geplanten Bargeldlimit zum Ausdruck gebracht, eine offensichtlich neue Erkenntnis durchschimmert. Bargeld und Buchgeld sind nun einmal zwei verschiedene Zahlungsmittel unterschiedlicher Provenienz. Es geht eben nicht um die Erscheinungsform, sondern um das Wissen über das dahinterstehende Recht der Geldschöpfung. Staat, oder Privat? Insofern vertritt Blümel dankenswerter Weise tatsächlich die Interessen der Bevölkerung. Vielleicht erkennt er ja auch noch einmal, dass eine Vollgeldreform viele gesellschaftspolitische Probleme lösen könnte. Man soll die Hoffnung nicht aufgeben.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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17.5.2021; OÖN, „Virtueller Trsor für Bitcoin & Co“ H.Neumüller
Wozu überhaupt Bitcoin&Co.?
Vor lauter Freude über die Kreation eines virtuellen Tresors für die privat emittierten digitalen Zahlungsmittel wie Bitcoin, tritt völlig in den Hintergrund, welche drängenden Probleme für Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft überhaupt mit Bitcoin&Co, die ohne gesetzlichen Referenzwährungen wie Euro oder Dollar gar nicht existieren könnten, gelöst werden sollen. Weshalb mit der “sicheren Verwahrung für Kryptowährungen der Nerv der Zeit” getroffen werden sollte, erschließt sich jedenfalls nicht. Eine Lösung für ein Problem anzubieten, das sich einfach vermeiden ließe, mag eine Geschäftsidee eines Startup-Unternehmens sein, doch dem Nerv der Zeit, speziell nach “Covid”, sollte mit Geschäftsideen besonders dadurch entsprochen werden, dass der Unternehmenszweck dem Gemeinwohl dient. Und das ist bei Bitcoin&Co wohl absolut nicht der Fall.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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17.5.2021; Standard, „Bitcoin & Co.“, Bettina Pfluger
Bitcoin & Co., wofür???
Bitcoin & Co. hätten den “Sprung aus der Nische geschafft”, verkündet uns Bettina Pfluger am 17.5. und ergänzt, dass Bezahlen mit Kryptowährungen immer öfter möglich wird. Leider fehlt jedoch eine Erklärung, welches drängende Problem für Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft damit eigentlich gelöst werden sollte. Richtig ist, dass das Aufkommen  von Bitcoin&Co. die wichtigsten Zentralbanken quasi dazu stimulierte, die digitalen Grundlagen ihrer Währung, die eigentlich seit eh und je unter der Bezeichnung “Reserven” existieren, jedoch den Geschäftsbanken, dem Staat und dem Interbankenmarkt vorbehalten sind, nunmehr – unter CBDC (Central Bank Digital Cash) – auch dem Publikum zugänglich zu machen, bzw. diesbezügliche Schritte zumindest anzudenken. Damit würden auch unbare Zahlungen mit gesetzlichem Zahlungsmittel möglich. Bitcoin & Co., die privaten Spekulationsobjekte, die ohne gesetzlichen Referenzwährungen keinerlei Bestand hätten, bedarf es dazu nicht.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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lohnt immer   
12.5.2021; Standard, „Land der Münzen, Land der Scheine“ (Alexander Hahn)
…….auch Alexander Hahn
beteiligt sich unverdrossen weiter an der Irreführung seiner Leserinnen und Leser und verschweigt die unterschiedliche Herkunftsart von Bargeld gegenüber Bankengeld. Wenn man den Aspekt “Bequemlichkeit” zur Bevorzugung von unbaren Geldsurrogaten als Zahlungsmittel noch gelten lassen könnte, so sollte “Geschwindigkeit” – gerade in heutigen Zeiten, wo eigentlich eine Verlangsamung Not täte – kein Kriterium sein. Zu Missverständnissen führend wird aber auch das Zahlungsverhalten dargestellt. Bezogen auf die Anzahl von Bezahlvorgängen mag in Österreich die Bargeldzahlung bei 79% liegen. Bezogen auf die Höhe der Gesamtausgaben liegen wir dennoch nur bei rund 10%. Nur 10% (in Schweden nur mehr 2-3%) unserer Ausgaben bezahlen wir mit gesetzlichem Zahlungsmittel. Zu 90% verwenden wir also privates Bankengeld. Es geht daher überhaupt nicht um bar oder unbar, sondern um das Recht zur Geldschöpfung. Darauf nicht einzugehen, verschleiert die demokratiepolitische Sprengkraft, die mit privater Geldschöpfung verbunden ist!
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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11.5.2021 STANDARD, Obergrenze für Barzahlungen? Leopold Stefan, Aloysius Widmann
Unterschiedliche Geldschöpfer
Immer noch ist Bargeld das einzige gesetzliche Schuldentilgungsmittel mit Annahmezwang! Wenn man also Überlegungen zur Begrenzung von Barzahlungen anstellt, sollte man vorerst vor allem darauf hinweisen, dass Bargeld und Kontogeld unterschiedliche Zahlungsmittel sind, bei denen es nicht auf die Form der Zahlung (bar, oder bargeldlos) ankommt, sondern wo der Unterschied im Emittenten liegt. Staatliches Geld, “geschöpft” von der Zentralbank, oder privates Geld, “geschöpft” von den Geschäftsbanken mit jeder Kreditvergabe. Auf diesen bedeutsamen Unterschied hinzuweisen und darauf, dass Bankengeld, oder auch Bitcoin & Co, alles nur Geldsurrogate sind, die ohne gesetzlichem Geld, also Bargeld (bzw. Zentralbank”reserven”), zu Recht keinen Bestand hätten, sollte man eigentlich vom “Standard” erwarten können. Im Endeffekt geht es um die Rechtssetzung bezüglich Geldschöpfungshoheit und damit um die Machtfrage zwischen Gesellschaft (Staat) und privaten Einzelinteressen.
Dr.Günther Hoppenberger
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Am 13.4.2021 beantwortete Alexander Hahn im Standard einige von ihm selbst gestellte Fragen unter der Überschrift: „Bares ist Wahres – auch digital?“
Digitaler Euro der EZB?
Wenn man dieser Frage nachgeht, sollte man sich erst einmal darüber Gedanken machen, was denn das eigentlich ist, womit wir derzeit per “Überweisung” unsere Zahlungen leisten. Alexander Hahn meinte dazu in einem fiktiven Frage- und Antwortspiel am 13.4.21, dass das von der EZB ausgegebene digitale Geld anders funktioniert, als das Giralgeld auf Bankkonten. Was er damit wohl meinte? Den Begriff “Geldschöpfung” wagt er gar nicht anzusprechen und schreibt daher von einem von der EZB ausgegebenem digitalen Geld und er verschweigt zugleich diskret, dass es das ja bereits gibt! Nicht nur ist das bereits heute digitale, von der EZB geschöpfte und als Kontoeintrag erscheinende Geld die Voraussetzung für Banken, Bargeld erhalten zu können, sondern es ist die digitale Alternative zu Bargeld und zugleich das einzige, in unterschiedlichen Erscheinungsformen (bar oder digital) auftretende gesetzliche Zahlungsmittel mit Annahmezwang. Das Problem für die Bevölkerungen entsteht ja erst dadurch, dass das Publikum, also der Nichtbank-Bürger, keinen Zugang zu einem Zentralbankkonto hat. Der digitale Euro funktioniert also bereits tadellos – allerdings nur zwischen Zentralbanken und Geschäftsbanken, wie besonders auch im Interbanken-Geldverkehr.
Für das Publikum besteht heute die einzige Chance an Bargeld zu kommen darin, den Wechselvorgang über ein Geschäftsbankenkonto abzuwickeln. Bei den Überlegungen bezüglich CBDC (Central Bank Digital Cash) soll ein direkter Zugang des Publikums zu Zentralbankgeld erwogen werden.
Im Endeffekt geht es also darum, wem das Recht der Geldschöpfung zustehen soll. Dem Souverän, oder so, wie es heute zu über 90% der Fall ist, privaten Interessensgruppen in Gestalt von Geschäftsbanken. Es geht um die Macht! Damit auch um den Zustand der Demokratie. Und das sollte doch einmal offen angesprochen werden. “Anonymität und Bequemlichkeit” der Bezahlvorgänge sind nur alberne, aber hochgespielte Ablenkungen von den tatsächlichen Hintergründen. Gerade eine Qualitätszeitung wie Der Standard sollte sich aber an der Verschleierung des Bedeutsamen nicht beteiligen.
Dr.Günther Hoppenberger
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3.4.2021; OÖN; Kampf gegen Schuldenberg (Studie: Wie zahlt man 40 Mrd. zurück?)
Warum nur 40 Milliarden?
Professor Friedrich Schneider, den ich im Übrigen sehr schätze, wird in den OÖN vom 3.4.2021, mit dem Ergebnis einer Studie zitiert, mit der die Rückzahlungsmöglichkeit von 40 Mrd. der Staatsverschuldung im Lauf von 10 Jahren untersucht werden sollte. Als “Lösung” werden allerdings nur die altbekannten Einnahmequellen des Staates bemüht: Erhöhung von Steuern und Abgaben, Maßnahmen gegen – besonders Online – Steuerbetrug, und nicht zuletzt “Wachstum”, das vor allem im Widerspruch mit Klimaschutzbemühungen steht und zunächst Neuinvestitionen (= Neuverschuldung mit vager Hoffnung auf Gewinnmöglichkeit) bedeutet. Als erstes stellt sich mir da die Frage: Weshalb nur 40 Mrd.? Und, angeregt durch den gerade erst wieder im ORF gezeigten, großartigen Film “Das Wunder von Wörgel”, frage ich mich natürlich, weshalb sich weder von Seiten der Medien, noch aus dem Parteienspektrum Kräfte formieren, die erstens erkannt haben, dass “Corona” die Schuldenfrage nur verschärft hat, und dass die zeitnotwendige Lösung eigentlich nur in einer Geldreform liegen kann. Und die sollte auf auf jeden Fall friedlich und ohne Bürgerkrieg und bankruns erfolgen. Ein akribisch ausgearbeitetes Konzept scheint mir als erster zu gehender Schritt in einer Vollgeldreform nach Joseph Huber vorzuliegen. Eine viel breiter und intensiver geführte Diskussion über Vollgeld (und Geld im Allgemeinen) böte wohl die besten Aussichten auf eine friedliche Krisenbewältigung.
Dr.Günther Hoppenberger
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27.2.2021; OÖN; Roman Sandgruber, „Der Bitcoin-Hype“
Bitcoin und Co.
Schade, dass diese bedeutsamen Betrachtungen von Prof. Sandgruber über “Geld” im Allgemeinen und “Bitcoin” im Besonderen, nicht im Wirtschaftsteil der OÖN aufscheinen und dort auch leider von der Redaktion nicht geteilt werden dürften. Als zutreffendste und leicht nachvollziehbare Beschreibung, was es mit Bitcoin & Co. auf sich hat, habe ich erst kürzlich aufgeschnappt: “Bitcoin & Co. beruhen auf der privaten Geschäftsidee, eine Zigarettenwährung mit bereits gerauchten Zigaretten unter begeisterungsfähige und gutgläubige Leute zu bringen”. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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Lieber Herr Dr. Hoppenberger,
dank für das freundliche Mail, das die Problematik punktgenau auf den Kopf trifft.
MIt lieben Grüßen
Ihr
Roman Sandgruber

5.2.2021; Standard; Heike Lehner, Frau Lagardes Gespür fürs Klima.

Frau Lagardes Gespür fürs Klima
Es überrascht nicht wirklich, dass Heike Lehner, als Mitarbeiterin der äußerst einseitig orientierten “Denkfabrik”, Agenda Austria, ihre Bedenken gegenüber dem Vorhaben der EZB Chefin äußert, die der EZB einen größeren Stellenwert im Kampf gegen den Klimawandel einräumen möchte. Es stimmt eben gerade nicht, “dass eine Notenbank, die Politik macht, ihre Glaubwürdigkeit riskiert”, wie das Frau Lehner hervorstreicht, sondern es ist im Gegenteil “die Politik”, die sich unübersehbar erst dadurch in das Schuldendesaster manövriert hat, weil sie das Hoheitsrecht der (Buch-) Geldschöpfung an “die Märkte” abgetreten hat. Es ist jedoch für verantwortungsbewusste Politik höchst töricht, auf dieses wichtige Steuerungsinstrument für gesellschaftliche Entwicklung zu verzichten. “Märkte” gründen sich eben leider nicht auf Anstand und Verantwortung. Dennoch bleibt natürlich abzuwarten, inwieweit die EZB überhaupt zur Eindämmung des Klimawandels wird beitragen können.
Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz
Die nette und prompte Antwort:
Sent: Wednesday, February 10, 2021 9:09 AM
Subject: EZB-Gespür fürs Klima, 5.2.21

Sehr geehrter Herr Dr. Hoppenberger,

danke für Ihre Antwort auf meinen Kommentar im Standard.

Hinsichtlich Ihrer Anmerkungen dazu, dass die Unabhängigkeit der Notenbanken eine falsche Entscheidung war, möchte ich Sie auf unseren Policy Brief zum Thema „Modern Monetary Theory“ verweisen. Diese Theorie bespricht eine ähnliche Idee, nämlich dass die Notenbanken die Staatsausgaben finanzieren sollen:

Mit freundlichen Grüßen, Heike Lehner
Und darauf meine Replik:
Sehr geehrte Frau Lehner,
recht herzlichen Dank für Ihre netten Antwortzeilen und den Verweis auf MMT. Es ist völlig richtig, dass sich mit MMT und deren Negierung der Bedeutung von Schulden keine Änderung des bestehenden Dilemmas unserer Finanzarchitektur ergäbe. Anders sähe es aus, wenn Zentralbanken nach dem Vollgeldkonzept als Monetative, der vierten staatlichen, parlamentarischer Kontrolle unterliegender “Monetative” ausgestaltet würde.
Nicht zuletzt hat uns die Corona-Pandemie drastisch vor Augen geführt, dass die Wachstumsnotwendigkeit des Systems bei Entfall der Leistungsmöglichkeit ganze Gesellschaften nicht nur wirtschaftlich in die Bredouille reitet, sondern vor allem auch psychische Schäden hervorruft. Verzweiflung und das Gefühl der Ausweglosigkeit sind bekanntlich auch ideale Nährböden für Radikalisierung, Rivalität und ersatzlose Zerstörung mühsam entwickelter und gewachsener Strukturen.
Will man sich also tatsächlich – und nicht nur vorgeblich – weiterhin um die Entwicklung einer in friedlicher Koexistenz zusammenlebenden Welt bemühen, wird man nicht umhin können, die Geldordnung für zumindest die Möglichkeit zu ihrer friedensfähigen Nutzung umzugestalten. Unser heutiges, kapitalistisches  System hat zweifellos phantastische gesellschaftliche Entwicklungen ermöglicht, was jedoch übersehen wurde, waren Kriterien, nach denen wir dieses selbstbeschleunigende System, das ja im Kern diese ursprünglich begrüßte, mittlerweile jedoch anachronistische Beschleunigung von uns erpresst, den zeitgemäßen Erfordernissen anpassen könnten.
Eine Vollgeldreform könnte so ein erster wichtiger Schritt sein. Erstaunlich ist einerseits, dass dafür nur wenige ZB aufgeschlossen sind, obwohl es einen Machtzugewinn (in der Verantwortlichkeit für die Bürgergesellschaft) bedeuten könnte. Und was die ÖNB betrifft, werden zum Vollgeldkonzept haarsträubende Fehldarstellungen verbreitet, wodurch  die ÖNB ihre Funktion als Dienstleisterin der Geschäftsbanken (nicht der Bürger!) bekräftigt. Und leider kann ich da “Agenda-Austria” auch nicht ausnehmen, deren Kommentare und Interpretationen des Vollgeldkonzepts auf einer voreingenommen grundsätzlich ablehnenden Haltung ohne stichhaltiger Argumentation beruhen.
Immerhin wagen sich nun ja doch immer mehr Zentralbanken daran und evaluieren die Einführung des CBDC (Central Bank Digital Cash), um die demokratiepolitisch bedenklichen Vorhaben neu auftretender Zahlungsdienstleister (z.B. Facebook) noch in den Anfängen abzuwehren. CBDC bedeutet jedoch, dass im Unterschied zu jetzt, wo der Bürger keinen Zugang zu gesetzlichem Zahlungsmittel in Buchform hat, die Girokonten in solches umgewandelt würden. Im Prinzip der erste Schritt für eine Vollgeldreform. Muss nicht und wird nicht, aber könnte sogar über Nacht erfolgen. Überweisungen würden von Schuldübertragungen zu tatsächlichen, gesetzlich anzuerkennenden Zahlungen. Giroguthaben wären als ZB-Buchgeld selbst bei Bank-Bankrotten sicher, Geld und Kredit könnten kontrollierbar entflochten werden, u.s.w.
Vollgeld wird nicht alle Probleme lösen können und wird von den Proponenten auch nicht behauptet. Doch es könnte durch die neugewonnenen Freiheitsräume zur Behebung der schwerwiegendsten Mängel der Finanzarchitektur beitragen. Vollgeld würde gewiss einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der systemischen Resilienz liefern.
Der Haken liegt freilich an der dadurch bewirkten Machtverschiebung. Von privaten Einzelinteressen zu Gesellschaftsinteressen. Und man sollte natürlich akribisch beobachten, wer sich für welche Seite einsetzt. Soviel also nur als Denkanstoß an Agenda-Austria.
Mit lieben Grüßen
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
Schmökern auf
lohnt immer