2021

27.2.2021; OÖN; Roman Sandgruber, „Der Bitcoin-Hype“

Bitcoin und Co.
Schade, dass diese bedeutsamen Betrachtungen von Prof. Sandgruber über “Geld” im Allgemeinen und “Bitcoin” im Besonderen, nicht im Wirtschaftsteil der OÖN aufscheinen und dort auch leider von der Redaktion nicht geteilt werden dürften. Als zutreffendste und leicht nachvollziehbare Beschreibung, was es mit Bitcoin & Co. auf sich hat, habe ich erst kürzlich aufgeschnappt: “Bitcoin & Co. beruhen auf der privaten Geschäftsidee, eine Zigarettenwährung mit bereits gerauchten Zigaretten unter begeisterungsfähige und gutgläubige Leute zu bringen”. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
Schmökern auf
lohnt immer
Lieber Herr Dr. Hoppenberger,
dank für das freundliche Mail, das die Problematik punktgenau auf den Kopf trifft.
MIt lieben Grüßen
Ihr
Roman Sandgruber

5.2.2021; Standard; Heike Lehner, Frau Lagardes Gespür fürs Klima.

Frau Lagardes Gespür fürs Klima
Es überrascht nicht wirklich, dass Heike Lehner, als Mitarbeiterin der äußerst einseitig orientierten “Denkfabrik”, Agenda Austria, ihre Bedenken gegenüber dem Vorhaben der EZB Chefin äußert, die der EZB einen größeren Stellenwert im Kampf gegen den Klimawandel einräumen möchte. Es stimmt eben gerade nicht, “dass eine Notenbank, die Politik macht, ihre Glaubwürdigkeit riskiert”, wie das Frau Lehner hervorstreicht, sondern es ist im Gegenteil “die Politik”, die sich unübersehbar erst dadurch in das Schuldendesaster manövriert hat, weil sie das Hoheitsrecht der (Buch-) Geldschöpfung an “die Märkte” abgetreten hat. Es ist jedoch für verantwortungsbewusste Politik höchst töricht, auf dieses wichtige Steuerungsinstrument für gesellschaftliche Entwicklung zu verzichten. “Märkte” gründen sich eben leider nicht auf Anstand und Verantwortung. Dennoch bleibt natürlich abzuwarten, inwieweit die EZB überhaupt zur Eindämmung des Klimawandels wird beitragen können.
Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz
Die nette und prompte Antwort:
Sent: Wednesday, February 10, 2021 9:09 AM
Subject: EZB-Gespür fürs Klima, 5.2.21

Sehr geehrter Herr Dr. Hoppenberger,

danke für Ihre Antwort auf meinen Kommentar im Standard.

Hinsichtlich Ihrer Anmerkungen dazu, dass die Unabhängigkeit der Notenbanken eine falsche Entscheidung war, möchte ich Sie auf unseren Policy Brief zum Thema „Modern Monetary Theory“ verweisen. Diese Theorie bespricht eine ähnliche Idee, nämlich dass die Notenbanken die Staatsausgaben finanzieren sollen:

Mit freundlichen Grüßen, Heike Lehner
Und darauf meine Replik:
Sehr geehrte Frau Lehner,
recht herzlichen Dank für Ihre netten Antwortzeilen und den Verweis auf MMT. Es ist völlig richtig, dass sich mit MMT und deren Negierung der Bedeutung von Schulden keine Änderung des bestehenden Dilemmas unserer Finanzarchitektur ergäbe. Anders sähe es aus, wenn Zentralbanken nach dem Vollgeldkonzept als Monetative, der vierten staatlichen, parlamentarischer Kontrolle unterliegender “Monetative” ausgestaltet würde.
Nicht zuletzt hat uns die Corona-Pandemie drastisch vor Augen geführt, dass die Wachstumsnotwendigkeit des Systems bei Entfall der Leistungsmöglichkeit ganze Gesellschaften nicht nur wirtschaftlich in die Bredouille reitet, sondern vor allem auch psychische Schäden hervorruft. Verzweiflung und das Gefühl der Ausweglosigkeit sind bekanntlich auch ideale Nährböden für Radikalisierung, Rivalität und ersatzlose Zerstörung mühsam entwickelter und gewachsener Strukturen.
Will man sich also tatsächlich – und nicht nur vorgeblich – weiterhin um die Entwicklung einer in friedlicher Koexistenz zusammenlebenden Welt bemühen, wird man nicht umhin können, die Geldordnung für zumindest die Möglichkeit zu ihrer friedensfähigen Nutzung umzugestalten. Unser heutiges, kapitalistisches  System hat zweifellos phantastische gesellschaftliche Entwicklungen ermöglicht, was jedoch übersehen wurde, waren Kriterien, nach denen wir dieses selbstbeschleunigende System, das ja im Kern diese ursprünglich begrüßte, mittlerweile jedoch anachronistische Beschleunigung von uns erpresst, den zeitgemäßen Erfordernissen anpassen könnten.
Eine Vollgeldreform könnte so ein erster wichtiger Schritt sein. Erstaunlich ist einerseits, dass dafür nur wenige ZB aufgeschlossen sind, obwohl es einen Machtzugewinn (in der Verantwortlichkeit für die Bürgergesellschaft) bedeuten könnte. Und was die ÖNB betrifft, werden zum Vollgeldkonzept haarsträubende Fehldarstellungen verbreitet, wodurch  die ÖNB ihre Funktion als Dienstleisterin der Geschäftsbanken (nicht der Bürger!) bekräftigt. Und leider kann ich da “Agenda-Austria” auch nicht ausnehmen, deren Kommentare und Interpretationen des Vollgeldkonzepts auf einer voreingenommen grundsätzlich ablehnenden Haltung ohne stichhaltiger Argumentation beruhen.
Immerhin wagen sich nun ja doch immer mehr Zentralbanken daran und evaluieren die Einführung des CBDC (Central Bank Digital Cash), um die demokratiepolitisch bedenklichen Vorhaben neu auftretender Zahlungsdienstleister (z.B. Facebook) noch in den Anfängen abzuwehren. CBDC bedeutet jedoch, dass im Unterschied zu jetzt, wo der Bürger keinen Zugang zu gesetzlichem Zahlungsmittel in Buchform hat, die Girokonten in solches umgewandelt würden. Im Prinzip der erste Schritt für eine Vollgeldreform. Muss nicht und wird nicht, aber könnte sogar über Nacht erfolgen. Überweisungen würden von Schuldübertragungen zu tatsächlichen, gesetzlich anzuerkennenden Zahlungen. Giroguthaben wären als ZB-Buchgeld selbst bei Bank-Bankrotten sicher, Geld und Kredit könnten kontrollierbar entflochten werden, u.s.w.
Vollgeld wird nicht alle Probleme lösen können und wird von den Proponenten auch nicht behauptet. Doch es könnte durch die neugewonnenen Freiheitsräume zur Behebung der schwerwiegendsten Mängel der Finanzarchitektur beitragen. Vollgeld würde gewiss einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der systemischen Resilienz liefern.
Der Haken liegt freilich an der dadurch bewirkten Machtverschiebung. Von privaten Einzelinteressen zu Gesellschaftsinteressen. Und man sollte natürlich akribisch beobachten, wer sich für welche Seite einsetzt. Soviel also nur als Denkanstoß an Agenda-Austria.
Mit lieben Grüßen
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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