2020

LESERBRIEFE UND KOMMENTARE  2020

5.8.2020; OÖN; H.Neumüller; Feldversuch mit einer Wirtschaft ohne Wachstum 

Wirtschaft anders denken!

Die Corona-Krise hat vor allem gezeigt, dass es in ausgereiften Volkswirtschaften problematisch, bzw. widersinnig ist, wenn das Einkommen weiterhin an einen Ressourcenverbrauch gebunden ist. Denn daraus folgt ja doch erst, dass alles was erzeugt werden kann, auch erzeugt werden muss – und vor allem auch konsumiert werden muss! Entfällt aus irgendeinem Grund (siehe Covid19) die Nachfrage, dann entfällt auch das Einkommen. Der Wohlstand einer Gesellschaft drückt sich jedoch in abrufbaren Möglichkeiten aus, und nicht darin, die Möglichkeiten tatsächlich auch auszuschöpfen. Es sind die ungenützt zur Verfügung stehenden Spitalsbetten, die nicht zurückgelegten Flug- und Schiffsreisen trotz vorhandener Flugzeuge und Schiffe, die nicht verbrauchte Energie und die nicht für Erwerbsarbeit aufgewendete Lebenszeit, die den Wohlstand einer Gesellschaft ausmachen (abgesehen vom Bildungszustand, der aber selten einer ökonomischen Betrachtung unterzogen wird). Die Frage lautet daher: Wollen wir Wohlstand oder Wachstum?

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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1.8.2020; Standard; Bettina Pfluger; Ein Wirtschaftsleben mit dem Virus 

Betr: Ein Wirtschaftsleben mit dem Virus, 1.8.2020

Bei allem Respekt, sehr geehrte Frau Pfluger, bewegen Sie sich mit Ihrem heutigen Lösungsvorschlag, “die Fiskalpolitik….muss eine nachhaltige Konjunktur- und Wachstumspolitik ……auf die Beine stellen”, im Bereich der Absurdität. Bei aller Bereitschaft Politikern Unrecht zu tun, erachte ich es als höchst unfair und vor allem wenig zielführend, von der Politik eine Unmöglichkeit zu fordern – um sich dann am zwangsläufigen Scheitern ergötzen zu können. Mit der Bitte um Ihre konkrete Definition von “nachhaltiger Wachstumspolitik” (lieber wäre mir freilich von Ihrer Einsicht zu erfahren, dass Sie da ganz einfach einem Denkfehler aufgesessen sind), verbleibe ich

mit besten Grüßen

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

Eine andere Sichtweise

Die Symptombeschreibung der wirtschaftlichen Covid19 Auswirkungen ist nicht allzu schwierig und Bettina Pfluger hat das im heutigen Beitrag zum “Wirtschaftsleben mit dem Virus” sehr schön und knapp zusammengefasst: Wer keine Vorprodukte geliefert bekommt, dessen Produktion steht still. Und wo keine Nachfrage mehr ist, füllen sich Lager und leeren sich Kassen. Soweit also die Faktenlage.

Interessant ist nun aber die schizophrene Betrachtung dieser sich aus Gründen der Gesundheitsvorsorge ergebenden Fakten. Einerseits scheint man sich darüber bewusst zu sein, dass ein Wirtschaftsleben in einer Pandemie zwingend anders als gewohnt verlaufen muss. Andererseits wird alles versucht, um möglichst rasch zu einem gewohnten “Normal” zurück zu finden, als ob dieses “Normal” tatsächlich Zukunft hätte und uns nicht nur aus Angst vor Veränderung bis zum eigenen Untergang festhält. Und so ist es höchst absurd, wenn kein anderer Lösungsansatz aufscheint, als eine “nachhaltige Wachstumspolitik”  (ein Ding der Unmöglichkeit) zu fordern.

Entscheidend ist vielmehr, dass die Leistungsfähigkeit ungebrochen weiter besteht und auch alles bis zur Verhängung der Covid19 Maßnahmen Geschaffene unversehrt erhalten ist. Der eigentliche Wert liegt in der Leistungsfähigkeit! Nicht darin, dass all die möglichen Leistungen auch abgerufen werden, bzw. sogar abgerufen werden müssen. Diese Problematik ergibt sich erst durch die stringente Verknüpfung von Einkommen und Ressourcenverbrauch. Gefragt ist daher eine neue Geldordnung, die auch eine Verlangsamung der Transaktionen aushält, bzw. gerade nicht auf “Wachstum” (=Schuldenwachstum plus Ressourcenverbrauch) angewiesen ist. Wirtschaft und Geld haben sich in den letzten Jahrzehnten auseinandergelebt. Das gilt es zu erkennen. Wir haben kein Wirtschaftsproblem, sondern ein Problem der Finanzarchitektur.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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17.7.2020; OÖN; D.Mascher, Der skurrile Streit um Hanf zum Rauchen.

SKURRILE BETRACHTUNGEN – ODER DOCH BEDENKENSWERT?

In ganzseitiger Aufmachung berichten die OÖN (17.7.2020) vom Streit über die Verkaufsrechte für Hanfprodukte zwischen Hanfshops und Trafiken. Es ginge dabei um einen Umsatzkuchen zwischen 300 und 500 Mio. erfahren wir und dass es dafür bereits einen eigenen Wirtschaftsverband (Cannabis Austria) gibt, der diesen Markt in den letzten Jahren mühsam entwickelt hätte. Wozu die Mühe?, darf allerdings nicht hinterfragt werden, wo es doch um die Entwicklung eines „Marktes“ ging. Unter anderem wird – wenig überraschend – mit den rund 1500 Arbeitsplätzen argumentiert, die da im Lauf der Jahre entstanden sind. Wenn aber nun der Vertrieb locker auch von den Trafiken ohne Mehraufwand übernommen werden könnte, und wenn wir immer noch davon ausgehen, dass damit ein lange Jahre frustriertes gesellschaftliches Bedürfnis bedient werden könnte, so wäre doch aus ökonomischer Sicht angeraten, auf die offensichtlich überflüssigen Arbeitsplätze zu verzichten. Sozusagen die Humanressourcen zu schonen. Ganz analog zu den x-tausenden durch Rationalisierung, Automatisierung und Sättigungstendenzen verzichtbaren Arbeitsplätzen in Handel und Industrie, die uns fortlaufend „von Arbeit befreite“ Konsumenten bescheren. Der Verdacht liegt daher nahe, dass es eben nicht um ökonomische Vernunft, auch nicht um die Erkenntnis, dass durch Arbeit kein Geld entsteht, sondern einzig und allein um das rechtliche Zugeständnis von Einkommensmöglichkeiten geht. Wie kann ich meiner auf Konsument reduzierten Tätigkeit nachkommen? Es geht um die Verteilungsfrage, die eine Machtfrage ist. Und die Macht gewährt keinen Freibrief auf Existenzberechtigung, sondern stellt Bedingungen. Über diese eingehend zu diskutieren wäre für eine moderne, sich als humanistisch verstehende Gesellschaft überfällig.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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1.7.2020; Standard; B.Baumann; 441 Mio. Geldscheine ebneten den Weg zur Deutschen Einheit 

Es war kein Wechselvorgang!

Nur die Zuteilungsbedingungen (Ostmark gegen Westmark) erweckten den Anschein eines Wechselvorgangs. Wäre es als ein Wechseln wie von Dollar oder anderen Fremdwährungen administriert worden, hätte sich die BRD nicht zusätzlich verschulden müssen und hätte den Bürgern den “Soli” ersparen können. Die deutsche Währungsunion muss daher als vergleichsweise günstige Auslandsinvestition in einen 20 Mio. Einwohnermarkt begriffen werden. Es war der Kauf eines ganzen Marktes und die “lokale” Währung musste somit durch frisches Schuldgeld ersetzt werden – nicht gewechselt! Angeblich wurde der kostengünstig mögliche Wechselvorgang politisch(?) nicht gestattet.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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27.6.2020; Standard; A.Szigetvari; „Schlafendes Schreckgespenst“ 

Sehr geehrter Herr Szigetvari,

mit großer Freude habe ich bemerkt, dass Sie für Ihre Leser im o.e. Beitrag zur Inflationsfrage, einen weiteren Schritt zur Aufklärung über die Zusammenhänge des Geldsystems untergebracht haben: Die Unterscheidung von Zentralbankgeld und Banken-“Geld” als zwei von Herkunft und Qualität unterschiedliche Zahlungsmittel.

Für eine höchst notwendig zu führende öffentliche Diskussion über die Finanzarchitektur erachte ich den Umstand als besonders wichtig, dass wir im bargeldlosen Zahlungsverkehr (über 90%!) eben gar nicht mit gesetzlichem Zahlungsmittel operieren, sondern mit einem von Banken geschaffenen Surrogat (Forderung auf Geld), das man zwar wie Geld verwenden kann, das jedoch kein Zahlungsmittel im rechtlichen Sinne ist und nur sehr beschränkt der Kontrolle durch die ZB unterliegt, allerdings den Staat als Garanten vereinnahmt. Des Weiteren erschiene es angebracht, die Frage zu erörtern, weshalb eigentlich das Publikum (die Nicht-Banken) keinen Zugang zu ZB-Buchgeld hat, das unter der Bezeichnung “Reserven” einzig und allein dem Bankensystem vorbehalten ist. Da sich diesbezüglich, nicht zuletzt durch Covid19 beschleunigt, einiges unter der Bezeichnung CBDC (Central Bank Digital Cash) tut, hoffe ich sehr, dass auch der Standard zunehmend darüber aufklärend aktiv wird. Kann Geld tatsächlich nur durch Verschuldung entstehen? Was bedeutet dann Schuldentilgung? Ist es sinnvoll über Kosten zu klagen, ohne die Einnahmemöglichkeiten zu erwähnen, die den Kosten gegenüberstehen? Die Unterscheidung von Werterhaltung und “Veranlagung” zur Geldvermehrung, und vieles andere mehr, das durch eine zeitgemäße Neuinterpretation aufgerollt gehörte.

Geld ist eine künstlich geschaffene gesellschaftliche Einrichtung – und es geht um deren Gestaltung! Es gibt kein Problem, dessen Ursprung sich nicht auf ein Versagen der Geldordnung zurückführen ließe. Und wenn sich die Marktkräfte nicht am Gemeinwohl, sondern an den Anforderungen des Geldsystems orientieren (müssen), dann ist bei den Vereinbarungen über die Geldordnung offensichtlich etwas gewaltig schief gelaufen – wenn man nicht unterstellen will, dass Geld ganz gezielt als Machtmittel zur Unterdrückung der Bevölkerungsmehrheiten konstruiert wurde. Die Zeit scheint reif zu sein, undogmatisch an dieses Thema “Geld und Gesellschaft” heranzugehen.

Mit besten Grüßen, Ihr

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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19.6.2020; OÖN; H.Neumüller, „Hoch konzentriert“ (Aktives Vermögen) 

Hoch konzentriertes aktives Vermögen

Wie es der Wortsinn bereits ausdrückt, vermag man mit Vermögen etwas zu tun. Vermögen schafft eine Ermächtigung. Es ist daher besonders wichtig, dass mit solcher Macht auch Verantwortung einhergeht und hierin zeigen sich dann erst die unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen der Vermögenden. Es kommt eben darauf an, was mit dem Vermögen bewirkt werden soll. Im Vordergrund steht, es zu erhalten und zu mehren, also die Machtposition auszubauen und das wirksame Prinzip der Macht, die Erpressung, immer gefinkelter anzuwenden. Das mag verständlich erscheinen, doch liegt hierin bereits die kontrollierende Einflussnahme auf den Staat und seine Gesetzgebung begründet. Die Wandlung von Demokratie zu Plutokratie. Denn die Schaffung von Arbeitsplätzen ist ja kein Ziel von Vermögenden, sondern eine Notwendigkeit für die Vermögenden zur Mehrung ihres Vermögens. Und mit der Finanzmacht können sie über Bedingungen und Ziele der Arbeit bestimmen, die sich leider nur selten mit den Bedürfnissen der Gesamtbevölkerung decken. Das gilt es zu bedenken, wenn Steuern als “Schröpfen der Vermögenden” aufgefasst werden.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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10.6.2020; OÖN; Teodoro D.Cocca; Vermögenssteuer: Schlechte Idee ….. 

Schaffung von Arbeitsplätzen kann kein marktwirtschaftliches Ziel sein!

Es mag ja sein, dass Vermögenssteuern eine schlechte Idee zum schlechtesten Zeitpunkt wären. Es ist aber eine gleichermaßen schlechte und vor allem anachronistische Idee, sich durch krampfhafte Wachstumsimpulse (=Schuldenwachstum+Ressourcenverbrauch) von den Schulden befreien zu wollen. Vermögenssteuern haben außerdem weniger mit Neiddebatten zu tun, als mit gesellschaftlich nötigen Korrekturen des versagenden Geldumlaufs, die “der Markt” von sich aus nicht erbringt. Investitionsanreize zu setzen – etwas, das man auch als Gewinngarantie durch den Staat bezeichnen könnte – löst die durch Covid19 verschärfte Krise auf der Nachfrageseite jedoch nicht und wäre bestenfalls ein Beschleunigungsimpuls zum weiteren gesellschaftlichen Zerfall. Eine einfache Lösung ist im bestehenden System also weit und breit nicht in Sicht, wenn man sich nicht endlich zu einer Neukonstruktion der Geldordnung durchringt, in der dem Souverän die alleinige Oberhoheit über die Geldschöpfung zukommt. Daher: Vollgeld, damit sich “die richtigen Dinge” wieder rechnen und sich neue gesellschaftspolitisch bedeutsame Handlungsmöglichkeiten eröffnen könnten.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

Von Ernst Dorfner erreichte mich ein ausführlicher, ergänzender Kommentar, den ich hier gerne anfüge:

Lieber Hans.lieber Günther

In den OÖ Nachrichten von heute finden sich Leserbriefe von zwei Freunden von mir, die zwar örtlich nebeneinander stehen, aber inhaltlich gegeneinander. Ich möchte dazu eine Meinung von Stefan Schulmerster stellen, die im Standard so wiedergegeben wird:
“Der Ökonom Stephan Schulmeister, selbst kein Feind von Vermögenssteuern, sagt, dass Vorschläge in der Dimension wie jener von Attac unrealistisch sind, und zwar nicht nur politisch, sondern auch technisch. Die Superreichen haben ihr Kapital in Ländereien, Unternehmen und Wertpapieren angelegt.
Um eine Abgabe in Höhe von 30 oder gar 60 Prozent zu finanzieren, müssten sie ihre Wertanlagen versilbern. Bloß: Wer soll das alles kaufen? Infrage kämen nur andere Reiche, die aber die Steuer selbst berappen müssten, wenn es ein internationales Projekt wird. Mit dem Vorschlag der Berkeley-Ökonomen würde es dieses Problem allerdings nicht mehr geben, so Schulmeister.! (Mehr dazu unter https://www.derstandard.at/story/2000116953709/reiche-notenbanken-oder-pensionisten-wer-soll-die-corona-krise-bezahlen)

Woran es liegt, zeigt Joseph Huber in seinem Beitrag in Makroskop https://makroskop.eu/2020/05/helikoptergeld-und-monetaere-staatsfinanzierung/. Dort heißt es u.a.:
Die Banken schwimmen in überzähligen Zentralbank-Reserven
Die Geldpolitik des QE – gleich ob nur für die Finanzwirtschaft oder auch für die Realwirtschaft – beschert den Banken eine nie dagewesene Reservenflut. Die Überschussreserven von Banken in den USA stiegen von 59 Milliarden Dollar in 2008 auf 2.500 Milliarden in 2015/16. Im Eurosystem lagen die Überschuss­reserven der Banken bis 2008 nahe null und erreichten 2018 900 Milliarden.
Diese enormen Zuwächse ergeben sich aus den Aufkäufen von Staatsanleihen durch die Zentralbanken. Wenn Anlegerfonds oder Versicherungen Staatsanleihen aus ihrem Bestand an die Zentralbank verkaufen, bezahlt die Zentralbank dafür, indem sie Zentralbank-Guthaben (Reserven) in entsprechender Höhe an die Bank der Empfänger überweist. Die Banken können dieses Zentralbankgeld an ihre Nichtbanken-Kunden nicht weiterleiten. Stattdessen erhalten die Kunden Bankengeld: eine Gutschrift aufs Girokonto.
Zu Beginn des QE vor zehn Jahren sorgte man sich um mögliche Folgen, etwa eine baldige hohe Inflation. Daraus geworden ist Assetinflation bei Aktien und Immobilien. Für eine Verbraucherpreisinflation aber müssten die Reserven in die Real­wirtschaft fließen bei steigender Kapazitätsauslastung. Eine solche Erwartung ist gegenstandslos, denn Reserven können nicht aus dem Interbankenkreislauf in den Publikumskreislauf mit Giralgeld übergehen, so wenig wie Bankengeld (Giralgeld) auf ein Zentralbankkonto überwiesen werden kann. Außerdem sind unter Bedingungen von Unsicherheit und Krisenstimmung weder die Banken sonderlich gewillt, neue Kredit- und Investment zu vergeben,“
———m
Monetäre Staatsfinanzierung wieder ermöglichen:
In Großbritannien gibt es kein Gesetz, das monetäre Staatsfinan­zierung verbietet. Die Coronakrise hat nun die Bank von England bewogen, ihre Dispokreditlinie für die Regierung (ways and means facility) von 0,36 auf 20 Milliarden Pfund aufzustocken und nötigenfalls auch als Erstaufkäufer von neu emittierten Staatsanleihen aufzutreten.
Der EZB sollte gleiches ermöglicht werden. Dazu muss Art. 123 Lissabonvertrag dahingehend abgeändert werden, dass erstens eine einheitlich geregelte Dispokreditlinie für die Regierungen wieder eingeführt wird; wieder, weil es solchen Überbrückungskredit in etlichen Eurostaaten, auch der Bundesrepublik, vor Einführung des Euros gab.
Zweitens sollte die EZB unter Umständen auch als Erst­abnehmer neuer Staatsanleihen auftreten können. Nach einem Vorschlag von Klaus Karwat, Vorsitzender der Geld-NGO Monetative e.V., soll der EZB zumindest unter Bedingungen einer allgemeinen Notsituation die Möglichkeit einer direkten Staatsfinanzierung eingeräumt werden. Eine solche Regelung korrespon­diert mit nationalen Haushaltsgesetzen, die es unter den genannten Bedingungen erlauben, die gesetzliche Schulden­bremse vorübergehend aufzuheben – in Deutschland Art. 109 (3) GG. Einige nationale und europäische Gerichtsurteile haben hinreichend klargestellt, dass sie Art. 123 Lissabonvertrag durch die QE-Politik der EZB nicht verletzt sehen.“

Meine Alternative zu der mit dem EU-Recovdery-Fund angedachten Investitionsvorhaben in sgn. „Zukunftstechnologien“ (von denen wir alle noch nicht wisssen, wo die Reise hingeht . Etwas zum E-Auto oder zum H-Auto – samt notwendiger Ladeinfrastuktur)) schlage ich eine monetäre Staatsfinanzierung vor allem der Sozialwirtschaft vor. Hier tut sich ein großer Bedarf an Diemsteleistungen von Mensch zu Mensch auf. Diese Berufe sind -auch finanziell – zu attraktivieren. Und hier tut sich dann auch Nachfrage mach den grundlegenden Gütern für den Lebensbedarf auf – und nicht nach allerlei „Ballermanien“- Ich habe das einmal so beschrieben:

Wie wir den Zwang zum Wirtschaftswachstum verringern – und die Covid19-Wirtschaftskrise überwinden könnten!

Unser Geldwirtschafts-System verursacht die Klimakrise, zerstört die Natur, beutet die Umwelt aus,und hat durch seinen Drang nach Globalisierung auch der ungehemmten  Ausbreitung des Covid19-Virus weltweit den Weg geebnet!
Denn es sichert nicht nur Profite, sondern schafft auch Arbeitsplätze und Lohneinkommen und materiellen Überfluss. Und auch das Geld für den Sozialstaat. Noch!!  Es wird deshalb nicht nur von den Vermögensbesitzern und Unternehmern verteidigt, sondern auch vom Staat und von den Gewerkschaften.
Kollabiert die Wirtschaft, kollabiert auch alles andere, beginnend mit dem Sozialstaat.

Gerade dieser Sozialstaat wäre aber auch anders zu sichern. Er muss sich nicht von der kapitalistischen Wirtschaft alimentieren lassen.  Es geht hier in vielen Bereichen nicht um in einer langen Wertschöpfungskette industriell hergestellten Produkte, sondern um menschliche Handreichungen, die jede und jeder anbieten kann. Diese können spontan getauscht, müssen nicht vorfabriziert werden.  Für diesen Tausch genügt ein einfaches Tauschmittel. Mit einem Geld (oder einer Steuergutschrift [Taxos]), das (die) hier nicht in Form von Krediten zu den Geschäftsbanken gelangt , sondern dem Staat als Zahlungsmittel zur Verfügung gestellt wird, könnten solche Dienste finanziert und attraktiviert werden.

Damit braucht der Kapitalismus nicht mehr von der Politik so vehement verteidigt werden. Er wird nur mehr dazu benötigt, die Produktion von Waren soweit aufrecht zu erhalten, wie von den Menschen für ein gutes Leben ohne Verschwendung benötigt wird. Es wird hier zu einem Verlust an Arbeitsplätzen kommen, jedoch werden mehr Arbeitsplätze für die sozialen Dienste entstehen, deren Besetzung den dringenden Bedarf an Arbeitskräften im Sozialbereich besser deckt.

Mit Gruß
Ernst Dorfner, 12.6.2020

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10.6.2020; Standard; A.Hahn, „Karte verdrängt Bares“

Bankengeld verdrängt gesetzliches Zahlungsmittel

“Bargeld zählt zu den Verlierern der Corona-Krise”, schreibt Alexander Hahn im heutigen Standard. Leider berichtet er nur über die nicht zu leugnenden statistischen Fakten bezüglich den Zahlungsgewohnheiten, ohne näher auf deren schwerwiegende wirtschafts- und gesellschaftspolitische Bedeutung einzugehen. Die unbaren Zahlungsmöglichkeiten erweisen sich zwar zweifellos als sehr praktisch, das dazu verwendete Medium ist jedoch kein Geld im engeren Sinn, sondern nur eine Forderung auf Geld gegenüber dem Bankensystem. Das einzige gesetzliche Zahlungsmittel (Schuldentilgungsmittel) mit Annahmezwang ist daher das Bargeld. Es sollte also lauten: Die beschleunigt voranschreitende Entwicklung hin zu unbaren Zahlungsgewohnheiten mit Bankengeld in der Corona-Krise, weist die demokratischen Handlungsmöglichkeiten des Staates als die eigentlichen Verlierer der Krise aus und treibt die Staaten in immer größere Abhängigkeit von den “Finanzmärkten”.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

P.S.: Anders wäre es, hätte auch das Publikum Zugang zu unbarem Zentralbankgeld, wie das von den Vollgeldinitiativen vorgesehen ist. Nur dann wären bare und unbare Zahlungsvorgänge gleichwertige Alternativen mit gesetzlichem Schuldentilgungsmittel.

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30.5.2020; OÖN; Gerald Mandlbauer; „Friedhof der toten Helden“ Corona spaltet. Unternehmer werden zu Bittstellern, die Jungen zahlen die Zeche.

Sehr geehrter Herr Mag. Mandlbauer,

es ist immer noch umstritten, ob es gesättigte Märkte in der vorherrschenden Wirtschaftsdogmatik, die Umwelt-, Klima- und Verteilungsfragen in aller Konsequenz ausblendet, theoretisch überhaupt geben darf. Da die schrittweise Öffnung nach den Corona-Shutdowns aber ein bewussteres und zugleich zögerliches Nachfrageverhalten zeigt, liegt die Vermutung nahe, dass es Sättigung im praktischen Lebensvollzug sehr wohl gibt. Woraus sich die ebenfalls umstrittene Frage stellt, ob a) das Wachstumsstreben in – sagen wir ziemlich – gesättigten Märkten einem Begehren der Konsumenten entspricht, oder ob es b) eine systemische Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung der Finanzarchitektur ist. Man darf wohl von einer Kombination aus Wachstumsdrang und Wachstumszwang ausgehen, wenngleich derzeit die Bedeutung von b) gewichtiger erscheint. Wachstum ist eine Geldgrößenrelation und bedeutet jedenfalls Schuldenwachstum plus Ressourcenverbrauch. Meistens wird jedoch übersehen, dass in “Wachstum” auch eine Geschwindigkeitskomponente enthalten ist und es ist vor allem genau diese Komponente, die demokratische Strukturen gefährdet und Gesellschaften destabilisiert.

Aus Sicht der heutigen Finanzstruktur ist Ihnen uneingeschränkt zuzustimmen, dass “Wachstumsverzicht ein mörderischer Pfad” wäre. Ein gleichermaßen mörderischer Pfad ist es jedoch, am Wachtumsfetischismus festzuhalten, mit dem wir die Lebensgrundlagen für die Folgegenerationen über Gebühr zerstören und sie zugleich zu einem Lebensverständnis zwingen, über dessen Verwurzelung im “menschlichen Maß” zumindest Zweifel angebracht sind. Das ist doch gerade das Dilemma, in dem die Menschheit steckt. Und es ist dieses Dilemma, das den Jungen die Perspektiven raubt und sie in die Arme von windigen Populisten treibt, die selbst kriegerische Auseinandersetzungen nicht scheuen würden, um ihr eigenes, als standesgemäß empfundenes Leben systemkonform aufrecht zu erhalten.

Die Zeiten, in denen Wachstum noch Arbeitseinkommen bedeutete, waren Zeiten des Mangels und sind durch die Kreativität der Menschen mehr oder weniger Vergangenheit. Heute geht es vor allem um die Finanzierung des Konsums und ist somit eine Frage der Geldordnung und nicht mehr der Produktivität. Konsum mit Kreditgeld anzustoßen ist aber jedenfalls ein gleichermaßen falscher Weg, wie der Glaube, das Problem mit Neuinvestitionen – worein auch immer (“Digitalisierung”??) – lösen zu können, die nur zu einer weiteren Beschleunigung des gesellschaftlichen Zerfalls führen würden. Vielleicht braucht es ja tatsächlich zweierlei Geldarten, um einerseits als schuldfrei umlaufendes Konsumgeld die Verteilungsproblematik im “Markt” zu verbessern, andererseits als verzinstes Kreditgeld Impulse zur Verbreitung neuer Technologien setzen zu können, soweit diese erwünscht erscheinen. An der Frage, wem eigentlich das alleinige Geldschöpfungsrecht zustehen sollte, kommen wir aber ohnehin nicht mehr vorbei und sie wird ja auch bereits heftig diskutiert (Joseph Huber; Monetäre Souveränität).

Mit Hinweis darauf, dass Geld eine gesellschaftliche Vereinbarung ist, erstaunt es mich aber schon sehr, dass Sie in den Chor jener einstimmen, die den Jungen einreden, sie müssten “die Zeche” bezahlen. Denn damit gießt man geradewegs zusätzliches Wasser auf die Mühlen der populistischen Verführer – und das wollen Sie sicher nicht. Das Problem ist doch eher, dass die Jungen unter Aufbietung aller möglichen psychologischen Tricks dahingehend manipuliert werden sollen, dereinst das konsumieren zu wollen, was wir heute glauben produzieren zu müssen. In ausgereiften Volkswirtschaften rächt sich eben die stringente Verknüpfung von Einkommen mit Erwerbsarbeit und lässt das Recht auf Leben als Gnadenakt weltlicher Machthaber erscheinen.

Es muss anders gehen als bisher. Und im festen Glauben, dass es auch anders gehen kann, wenn “man” es will, ersuche ich Sie insbesondere, den bestimmenden Einfluss von Zeit und Geschwindigkeit auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung in Ihre Überlegungen einzubeziehen. Die Vereinzelung, bis hin zum totalen Zerfall der Gesellschaft wird stets von ungeduldigen Impulsen an der Spitze vorangetrieben, die letztlich zur Akkumulierung von Unverdautem (=Magenkrämpfe der Gesellschaft) führen. Wenn es nicht gelingt, die Resilienz des Systems auch bei längeren Verdauungszeiten, wie sie uns Covid19 ungebeten verschaffte, unter Beweis stellen zu können, dann brauchen wir uns auch nicht mehr darum zu sorgen, wer einmal die Geldschulden tilgen muss.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erholsames Pfingstwochenende und verbleibe

mit besten Grüßen, Ihr Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

Ziemlich prompt kam eine Antwort von Mag.Mandlbauer, die mich sehr freute:

Sehr geehrter Herr Dr. Hoppenberger, vielen Dank. Ich stimme Ihnen voll zu, Sie ergänzen das, was ich in meinem Kommentar aufgrund der Zeilenbeschränkung nicht so deutlich herausstreichen habe können. Der Wachstumsfetischismus muss umgelenkt werden.
Meinen Hinweis auf die Jungen und die Fragilität des Systems und die Bedrohung vor aller der Zukunft jener, die noch keine Mittel aufbauen haben können, sehe ich schon als gerechtfertigt an. Schöne Pfingsten noch. Mit freundlichen Grüßen Gerald Mandlbauer

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21.5.2020; Schreiben an D.I. Klaus Pöttinger zur Kolumne in den OÖN am 20.5. „So werden wir wieder fit“; iv-Tipp 7: Bürokratie abbauen (Beschleunigte Verfahren ermöglichen Investitionen).

Bereits am darauffolgenden Tag erhielt ich folgende Antwort mit Einfügungen im Textteil:

Sehr geehrter Herr Hoppenberger !

Ich danke für ihre replik  …. Kann ihnen leider auf weiten strecken nicht folgen. Vielleicht finden sie meine Sicht interessant

Sehr geehrter Herr Dipl.Ing. Pöttinger,

in o.e. “Tipp 7” zur angeblich drängenden Frage, wie “wir” wieder fit werden, empfehlen Sie im Namen der Industriellenvereinigung, die Bürokratie abzubauen. Ein durchaus weiser Ratschluss. Man darf allerdings nicht vergessen, dass sich die ausufernde Bürokratie erst aus den Rationalisierungs- und Automatisierungsprozessen in der Industrie entwickelt hat, durch die immer mehr Produktivkräfte ausgesondert wurden, denen man jedoch – von der Allgemeinheit bezahlte – Tätigkeiten zuweisen musste, um sie als Konsumenten zu erhalten. Sonst hätten die Produktivitätssteigerungen ja keinen Sinn ergeben.

Dieser Argumentation kann ich gar nicht folgen. Die Bürokratie entstand aus dem Machtanspruch der Parteien, die den Staat zum Geber für jeden gemacht haben.  Es gäbe so viel sinnvolleres zu tun

Und Sie schreiben auch völlig richtig, dass es im “Digital- und Solarzeitalter keine Aktenträger mehr braucht”. Sie gehen aber nicht weiter darauf ein, woher die ehemaligen “Aktenträger” – wenn man diesen Begriff als Metapher für alle entbehrlichen Tätigkeiten hernimmt – ihr Einkommen beziehen sollen, um die Segnungen der Digitalisierung auch kaufen zu können. Sonst macht ja auch Digitalisierung keinerlei Sinn, wenn sie nicht dem Gemeinwohl zu dienen vermag.

Alle wirtschaft dient nur dem Konsum !. Sie selbst hat keinen Eigenzweck !!   Es hat sich nur gezeigt, daß der Wohlstand sehr stark steigen kann, wenn man arbeitsteilig arbeitet. Dies erfordert allerdings Kapital , das für jeden produktiven Arbeitsplatz benötigt wird.   In Österreich zwischen 50.000 € und 300.000 je Arbeitsplatz.  Der volkswirtschaft helfen aber nur „wertschöpfende“ Tätigkeiten , weil nur hier verwertbare Produkte und Dienstleistungen entstehen. Als Geschäftsführer zähle ich selbst nur  zu den indirekt produktiven Kräften also zu den Kosten.

Wenn man Unternehmer arbeiten läßt schaffen sie die Arbeitspätze und nicht die schlechtesten.

Die Covid19-Krise hat ja gerade gezeigt, dass wir nicht an Produktivitätsmangel leiden, sondern an Konsummangel! Der lässt sich aber durch zusätzliche Investitionen nicht beheben, sondern verschärft ihn sogar noch. Und ist nicht gerade jetzt der “geschützte Sektor” als Retter in der Not dazu aufgerufen, leider auf dem Rücken der Steuerzahler – und das sind die Konsumenten – die Konsumlücke zu kompensieren und die Gewinnerwartungen aus den Investitionen der Vorperiode zu erfüllen? Eine Leistung, die “der Markt” ja nicht zu erfüllen vermag. Allerdings sollte sich der Staat dafür nicht noch höher bei “den Märkten” verschulden müssen – was gerade das Thema zwischen EuGH und dem deutschen OGH bezüglich der EZB Anleihekaufprogramme ist.

Die österreichische Produktivität im privaten = ungeschützten Sektor kann sich mit allen Ländern messen. Die Produktivität im öffentlichen Sektor ist weit hinter Ländern , wie Deutschland oder die Schweiz zurück.  Hier geht es um gewaltige Summen allein der Unterschied zu Deutschland beträgt 6 % vom BIP

Dass längst schon ein Reformprozess anstünde steht für mich zweifelsfrei fest. In erster Linie müsste es dabei jedoch um eine Reform der Geldordnung gehen, mit der realwirtschaftlich umlauffähiges Geld als Konsumgeld (Positivgeld) unterscheidbar wird von Investitionsgeld (Kreditgeld). Und ein Österreich-Konvent ist dahingehend zu befürworten, dass es zu einer Klärung der Investitionsziele kommen sollte. Digitalisierung ist ja kein gesellschaftliches Ziel als solches. Sie muss einen gemeinwohlorientierten Zweck erfüllen. Und es braucht ein funktionsfähiges Geld, das auch in längeren Phasen ohne Wachstum (=Schuldenwachstum+Ressourcenverbrauch) seine Wirkung entfalten kann.

Vergessen sie die Machtfrage nicht. Die franz. Revolution hat das freie Eigentum erst hervor gebracht. Was ist meine Freiheit wert, wenn der Souverän mein Haus beschlagnahmen kann und meine familie in armut stürzen kann. Deshalb haben nur Gesellschaften erfolg wo das Drucken des Geldes der Kontrolle des Souveräns entzogen ist .!!

Staatschulden in demokratischen Systemen entstehen, wenn die Ansprüche der Bevölkerung nicht durch die eigene Wertschöpfung gedeckt werden können. Das ist ja in den letzten 50 (fast durchgängig sozialistisch bestimmten) Jahren in Ö geschehen. Das dient zwar der Machtausübung des staatlichen Sektors über die Bürger und schafft neue privilegierte Gruppen.

Wettbewerbsfähigkeit ist ja nur ein inhaltsleeres Schlagwort, das als Argument für alles mögliche herzuhalten hat, so lange man nicht ein gemeinsames Ziel dieses Wettbewerbs erkennen kann. Des Weiteren möchte ich Ihnen zu Ihren Betrachtungen noch zu bedenken geben, dass die immer weiter vorangetriebene Digitalisierung nicht nur zur Untergrabung der Eigenverantwortung und der natürlichen Neugier über Lebenszusammenhänge führt, sondern vor allem zu einer Beschleunigung der Lebensprozesse, die bereits jetzt weit außerhalb des menschlich verträglichen Maßes liegt. Diese Feststellung hat nichts mit Angst vor Neuem, wie vielleicht in den Anfängen des Maschinenzeitalters zu tun, sondern es verweist auf die Zerstückelung der Gesellschaft nach unterschiedlichen Geschwindigkeiten und lässt Erinnerungen an Qualtingers Text vom “Wüd’n auf seina Maschin” aufkommen. Auf Wandertagen muss deshalb auch immer wieder gerastet werden, damit auch die Nachzügler wieder zur Gruppe stoßen können und man über das nächste, gemeinsam zu erforschende Ziel beraten kann. Gesellschaftliche Entwicklung müsste also viel mehr als Zeitphänomen denn als Frage des Wirtschaftswachstums betrachtet werden.

Das Ziel des Wettbewerbs ist klar und wird vom Konsumenten vorgegeben. Er erwartet jährlich bessere Produkte zu geringeren Preisen.!!!

Das zwingt uns Unternehmen jährlich verbesserungen zu finden. Würden wir das nicht tun, werden wir verschwinden. Und das unterscheidet den privaten vom öffentlichen Sektor. Wer sorgt für die Veränderungsdynamik ?  und damit für die Verbesserungen ?

Die wettbewerbsfähigkeit ist ein zentraler Begriff, dem man als kleine offene Volkswirtschaft auch nicht auskann. Im übrigen auch die großen nicht. Selbst Indien ist nicht groß genug um sich diesem unangenehmen Begriff entziehen zu können.   Das bestehen im Wettbewerb ist allerding auch eine große Befriedigung und kann mit Freude erlebt werden. Ja und ein bisschen stolz ist man dann auch. Die besten Kräfte im Menschen werden dabei geweckt. Im übrigen auch die Neugierde und Lernbereitschaft

Eine gesunde Wirtschaft kann es jedenfalls nur in einer konsumationsfähigen Gesellschaft geben. Das hat uns die Covid19-Krise gelehrt.

In unverbrüchlich großer Anerkennung Ihres persönlichen Lebenswerkes für die Landwirtschaft und

mit besten Grüßen, Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

Mein Antwortschreiben vom 23.5.2020:

Sehr geehrter Herr Dipl.Ing. Pöttinger,

vielen Dank für Ihre prompten Anmerkungen, denen ich allerdings nur mit Einschränkungen zuzustimmen vermag, auch wenn wir betriebswirtschaftlich viel mehr übereinstimmende Ansichten teilen dürften, als es vielleicht den ersten Anschein hat.

Dass “Wirtschaft” nur dem Konsum dient, scheint mir aber denn doch etwas zu eng gegriffen. Wirtschaft, insbesondere die moderne, arbeitsteilige Wirtschaft, ist ein wesentlicher, die Gesellschaft konstituierender und entwickelnder Prozess, dessen Bedeutung weit über die reinen Produktions- und Konsumationszyklen materieller Werte hinausreicht. Und so stimmt Ihre Feststellung meiner Ansicht nach nur dann, wenn man unter “Konsum” auch Haltungen, geistige Werte und vor allem Lebenszeit subsumiert. Bereiche, in denen man mit Produktivität, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit nur wenig anfangen kann. Wirtschaft ist Soziologie im weitesten Sinne. Und es ist ja noch gar nicht so lange her, dass sich Ökonomie als eigenständige Disziplin und mit dem mittlerweile vorrangigen Ziel der Geldvermehrung aus der gesellschaftlichen Verantwortung zu verabschieden versucht. Eine “Versöhnung” von Ökonomie und Soziologie wird m.E. nur über den Schnittpunkt “Geldordnung” möglich sein. Wenn Wert und Geldwert wieder in Übereinstimmung gebracht werden können.

Mit den Kosten für einen produktiven Arbeitsplatz verweisen Sie auf die ökonomisch grundsätzliche Unsinnigkeit, Arbeitsplätze zu schaffen, die sich nicht rechnen. Die also keine Geldrendite – eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit – bringen. Und hier stößt man zweifellos auf das Kernproblem, dass nämlich Wertschöpfung immer auch gleich Geldwertschöpfung bedeuten muss. Sonst könnten investierende Unternehmen nicht überleben. Investitionen sind ja stets Vorfinanzierungen, die auf Refinanzierung+Zinsen+Gewinn harren.

Insofern ist mir “Sinnvolleres anstatt bürokratischer Aufwand” zu wenig ausgeführt und da ersuche ich Sie, über Ihre zweifellos ehrbare Branche hinauszublicken. Denn nur selten lässt “Sinnvolles” auch entsprechende Renditen erwarten.

Nun ist aber das volkswirtschaftliche Gedeihen keineswegs die Summe betriebswirtschaftlicher Ergebnisse, sondern das Abbild des Machtspiels zwischen den Sektoren Staat, Unternehmen, Haushalte (und Ausland). Das höchste zivile Machtmittel liegt dabei im Recht zur Geldschöpfung, die durch die mittlerweile überwiegende (>90%) Verwendung des Giralgeldes in Händen des Bankensystems liegt. Das sollte Ihnen als Unternehmer eigentlich höchst missfallen, dass die Banken dadurch ein unschätzbares Privileg gegenüber allen anderen Unternehmen (und auch gegenüber dem Staat) genießen – und sich zugleich der stillschweigenden Bürgschaft des Staates (das sind wir!) für vergebene Kredite sicher sein können.

Und weil unser Geld insgesamt ein Schuldgeld (Kreditgeld) ist, ergibt sich daraus notwendig als Ziel wirtschaftlichen Handelns, die Schulden auf andere Schultern zu übertragen, um selbst überleben zu können. Es ist die Quelle des Wachstumszwangs, dem der Wachstumsdrang der Bevölkerung (nach qualitativ besseren Lebensbedingungen) unterliegt. Da ist kein Platz für Haltung und Vernunft. “Vernünftig” ist alles, was Geld bringt, deshalb muss alles was produziert werden kann, auch produziert und vor allem (Vorsicht: Waffen!) auch konsumiert werden. Schulden können daher immer nur von einem Sektor auf den anderen übertragen werden und müssen in ihrer Gesamtheit immer ansteigen. In diesem Spiel der Schuldenverschiebungen wird das Tauziehen der auf unterschiedlichen Menschenbildern beruhenden Parteipolitik abgebildet. Und es besteht keine Aussicht darauf, da herauszufinden, wenn der Schlüssel dazu nicht in der Geldordnung erkannt wird.

Zu glauben, man könne mit “Wachstum” (=Schuldenwachstum+Ressourcenverbrauch) Schulden tilgen, wie das unser Finanzminister gerade angekündigt hat, legt leider seine erschreckende Ahnungslosigkeit über volkswirtschaftliche Zusammenhänge und insbesondere gegenüber dem Geldsystem als solchem offen. Denn der Staat (=die Gesellschaft) ist kein gewinnorientiertes Unternehmen – und darf es auch nicht sein. Zu Recht gilt der Staat als schlechter Unternehmer, doch werden ihm ja auch nur jene “Marktnischen” zugewiesen, die erwartungsgemäß keine Rendite erbringen können. Investitionen in Kindergärten, Schulen oder das Krankensystem bringen für den Staat nur fortlaufende Kosten, aber keine (kurzfristige) Rendite, wie sie von “den Märkten” erwartet wird. Und fairerweise muss man daher zur Beurteilung staatlichen Wirtschaftens die Primärbudgets heranziehen, die (selbst in sozialdemokratischen Zeiten) fast immer schwarze Zahlen lieferten.

Freilich ließe sich Vieles an staatlichen Ausgaben “einsparen”, wenn ich da nur an die vielen Regulierungen, entbehrlichen Gutachten und komplizierten Steuergesetze denke, und da bin ich ganz bei Ihnen. Klar könnten wir leicht auf viele der ausufernden Verwaltungsstäbe verzichten, mit immer noch nur 165 Abgeordneten das Auslangen finden, den Bundesrat abschaffen, oder auf die Notwendigkeit von Steuerberatern und Gutachtern für behördliche Auflagen, etc. verzichten – aber es macht weniger aus, als man denkt. Gerade Covid19 hat aber auch den Vorteil eines dermaßen durchstrukturiert bürokratisierten Staates erwiesen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass das “eingesparte” Geld für andere Ausgaben, an denen “die Märkte” interessiert sein könnten, gar nicht zur Verfügung stünde. Es würde schlicht und einfach nicht existieren! Was der Staat (als größter Auftragsgeber der Wirtschaft) nicht ausgibt, kann auch nicht eingenommen werden. Zu leichtfertig wird immer nur über die Kosten geklagt und kaum jemals darauf hingewiesen, dass diese Kosten den Einnahmemöglichkeiten entsprechen. Da geht es vor allem um die Verteilungsgerechtigkeit, für die sich ein deregulierter Markt nicht zuständig fühlt – und sich auch nicht zuständig fühlen kann. Eine Ent-Ökonomisierung der Machtverhältnisse, wie sie eigentlich zur Entwicklung einer Demokratie notwendig wäre, wird im bestehenden Geldsystem aber kaum möglich sein.

Auch was den “Wettbewerb” betrifft, fehlt mir die Evidenz, dass er vom Konsumenten angetrieben wird. Der Wettbewerb ist eher ein Kampf um den Konsumenten, der all die Neuerungen wollen muss. Nicht umsonst hat ja die überbordende Werbebranche (soll man sie einsparen?) längst schon an Informationswert verloren und sich in den Dienst der Marktmanipulation gestellt. Wettbewerb ist gut, sofern es nicht um die Überlebensfrage geht. In “der Wirtschaft” ist jedoch – abgesehen von Preisabsprachen, die ohnehin meist nur kurz halten – genau das der Fall. Da mutierte der Wettbewerb zwangsläufig zur Rivalität, weil es eben um das Überleben geht. Da geht es um Marktanteile, Markenwettbewerb und Kurswertentwicklung an den Börsen. Nirgends kann ich erkennen, dass da ein Verlangen des Konsumenten vorläge. Er muss den Trends folgen. Ob in Modetrends, die einem oft den Kauf dessen, was man eigentlich haben möchte, verunmöglichen, oder durch neue Standards und Vorschriften zum Ersatz des gebrauchsfähig Bestehenden zwingen. Der “Wettbewerb” wird eher von den CEOs auf den Golfplätzen angetrieben. Wir leben in Zeiten eines Angebotsmarktes. Wie es um den steht, wenn der Konsum einmal wegbricht, sehen wir gerade jetzt.

Und so kann ich Ihren Anmerkungen, die sich auf das betriebswirtschaftliche Geschehen beziehen, voll und ganz zustimmen, nicht jedoch den volkswirtschaftlich geldpolitischen Auswirkungen, die sich daraus ableiten lassen. Jedenfalls bin ich der Auffassung, dass wir uns als Gesellschaft nur dann weiterentwickeln können, wenn wir Wirtschaft einmal ohne ideologische Vorurteile zu entwerfen versuchen. Und da treffen wir uns ja insofern wieder, als dazu ein Bürgerkonvent angesagt wäre, der allerdings nicht nur die Verwaltungsstrukturen, sondern insbesondere die Inhalte des zu Verwaltenden zu behandeln hätte.

Mit besten Grüßen, Günther Hoppenberger

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19.5.2020; Kommentar zur Buchvorstellung („Startklar“) in den OÖN

Sehr geehrte Frau Dr. Leibovici-Mühlberger,

völlig richtig stellen Sie in den heutigen OÖN fest, dass ein gesellschaftlicher Umbruch längst schon begonnen hat und Covid19 als Beschleunigungsimpuls betrachtet werden kann. Die verfügten Maßnahmen haben sehr rasch gezeigt, dass der Mensch von Natur aus ein zutiefst soziales Wesen ist, denn was als schmerzhaftester Mangel empfunden wurde, waren die Einschränkungen analoger Begegnungen.

Nun darf man aber die Augen nicht davor verschließen, dass das Ausleben der biopositiven Eigenschaften eines Homo socialis seit Jahrzehnten systemisch unterdrückt wurde und immer noch unterdrückt wird und das Menschenbild des Homo oeconomicus in unseren Köpfen verfestigt hat. Längst schon wären die “inneren Sinnbarrieren”, Gewinn, Lust und Bequemlichkeit (Elisabeth Lukas) durch angeborene Neugier und Streben nach Sinnverwirklichung kollektiv überwindbar, wären wir dann nicht mit den systemisch oktroyierten “äußeren Sinnbarrieren” konfrontiert, die uns zu Macht-, Neid- und Imitationsverhalten zwingen und vielfach den Zugang zu Gewissensentscheidungen blockieren.

Auch die von Ihnen beispielhaft genannten Start-ups, so erfreulich sie sind, sind letztlich auf Wachstum angewiesen, was nichts anderes als Schuldenwachstum und steigenden Ressourcenverbrauch bedeutet. Das wollte ich Ihnen nur zu bedenken geben. In einem wachstumsgetriebenen Schuldgeldsystem kann sich der Homo socialis leider bei bestem Willen nicht durchsetzen, wenn er die Notwendigkeit zur Veränderung der grundlegenden Rahmenbedingungen nicht erkennt.

Soweit meine Schlussfolgerung nach über 25jähriger Beschäftigung mit dem Geldsystem. Denn die Geldordnung ist das höchste Machtmittel, dem sich unser Verhalten in letzter Konsequenz zu unterwerfen hat. Und alle, wirklich alle Probleme, mit denen Politik und Bürger konfrontiert sind, haben ihren Ursprung in der versagenden Geldordnung. Um also dem Homo socialis tatsächlich zum Durchbruch verhelfen zu können, müsste vor allem die Geldordnung auf dessen Bedürfnisse ausgelegt werden. Geld beginnt nicht mit der Verteilungsfrage, sondern mit dem Recht zur Geldschöpfung. Geld kommt in der Natur nicht vor, sondern ist eine gesellschaftliche Vereinbarung und ist daher gestaltbar. Konzepte gibt es genug, doch so lange die Notwendigkeit von breiten Schichten nicht erkannt wird, triumphiert die Macht “der Märkte” über jegliche Vernunft.

Dabei wäre es gar nicht so schwierig draufzukommen, woran es eigentlich hakt. Was sich diesbezüglich tut, finden Sie – Ihr Interesse vorausgesetzt – auf meiner HP und weiteren darauf angeführten Links. Mein ceterum censeo lautet: Vollgeld, damit sich die richtigen Dinge wieder rechnen können!

Mit besten Grüßen, Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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14.5.2020; OÖN; D.Mascher, M.Roithner, U.Rubasch, (S.Dickstein), „Welches Paket holt uns aus der Krise?“

Pakete, die uns aus der Krise holen sollen

Die Lösungsvorschläge der sieben Experten die in den heutigen OÖN zu Wort kamen, und mit denen uns aus der Krise geholfen werden soll, erweisen sich als durchgängig geprägt von betriebswirtschaftlichen Einzel- und Brancheninteressen, und legen eine erschütternde Unkenntnis über makroökonomische Zusammenhänge offen. Die Chance, die Ökonomie wieder auf ihren Platz innerhalb der Soziologie zu verweisen scheint damit in immer weitere Ferne zu rücken. Wirtschaft tatsächlich verstehen zu wollen, setzt aber in erster Linie ein Verständnis über die Geldordnung und deren gesellschaftliche Widmung voraus – und davon ist leider nichts zu bemerken. Die Verteilungsfrage für zusätzliche Verschuldung zu diskutieren kann keine Lösung bringen.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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9.5.2020; OÖN; H.Neumüller, Schulden-Neustart 

Teufelskreis Wachstum

Mit Wachstum aus den Schulden “herauszuwachsen” klingt zwar sehr bestechend, bedeutet jedoch vor allem “Mehr vom Gleichen” und erfordert nicht nur eine Zunahme der Gesamtverschuldung, sondern auch zusätzlichen, an sich vermeidbaren Ressourcenverbrauch. Mit den – jetzt absolut notwendigen – Hilfszahlungen und Förderungen, mit denen der Staatshaushalt verschuldet wird, werden zunächst die frustrierten Gewinnerwartungen aus der vergangenen Produktionsperiode befriedigt und die unterbrochene Kette von Forderungen und Verbindlichkeiten wieder halbwegs gekittet. Der Staat springt praktisch als Käufer nicht-erbringbarer Leistungen ein und ermöglicht Unternehmen und Haushalten ihren Verbindlichkeiten nachzukommen. Produkte (z.B. Autos, Möbel, Mode,etc.) und Leistungsvermögen (Gastronomie, Freiberufler, etc.) sind jedoch unverändert vorhanden. Gefragt wären daher jetzt vor allem Investitionen in Bereiche, die zwar dem Gemeinwohl dienen, aber keine Geld-Rendite erwarten lassen. Etwas, das man von “den Märkten” nicht erwarten darf, und das daher wieder nur dem Staat überlassen wird, der sich dafür weiter verschulden müsste. Wir werden genau darauf achten müssen, in welche Richtung die ersehnten “Wachstumsimpulse” gelenkt werden. Eine weitere Produktivitätssteigerung brauchen wir jetzt nicht!

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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6.5.2020; OÖN; F.Schneider; Mein Beitrag zum Gemeinwohl: Was habe ich davon?

Schulden und Wirtschaftsleistung

Als Folge der Covid19 Maßnahmen wird mit einem Schuldenanstieg um 10-15 Prozentpunkte der Wirtschaftsleistung gerechnet. Diese Prognose sollte in mehrfacher Hinsicht nachdenklich stimmen. Überlegungen, wie diese Schulden abgebaut werden sollen, werden heftig diskutiert und von Prof. Schneider sehr ausgewogen und im Kontext von Solidarität und Gemeinwohl dargestellt. Viel augenfälliger erscheint jedoch, dass wir in unserem System Schulden anhäufen, wenn wir – freiwillig oder unfreiwillig – Ressourcen sparen. An Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft hat sich ja nichts geändert. Die Leistungen konnten bloß aufgrund der Maßnahmen nicht in vollem Umfang abgerufen werden, wodurch wir dementsprechend Ressourcen (Rohstoffe, Arbeitskraft, Abnützung und Zeit) gespart haben. Wir haben uns jetzt einige Wochen (unfreiwillig) ökonomisch vernünftig verhalten: Mit geringstmöglichem Ressourcenverbrauch haben wir den maximal möglichen Nutzen für das Gemeinwohl erzielt. Ab sofort kippen wir aber wieder in die ökonomische Unvernunft zur Aufarbeitung der Schulden. Wachstum ist wieder angesagt, mit dem im weitesten Sinne Natur in bewertbare Kulturleistungen verwandelt werden muss, damit die Bilanzen wieder halbwegs ins Lot kommen. Hier rächt sich die stringente Verknüpfung zwischen Ressourcenverbrauch und überlebensnotwendigem Einkommen.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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5.5.2020; Standard; A.Schnauder; „Die AUA ist nicht egal“

Arbeitsplätze oder Einkommen?

In den Diskussionen rund um die Rettung der AUA und des Flughafens Wien werden stets die Argumente “Arbeitsplätze” und “Wertschöpfung” bemüht. Tatsächlich geht es jedoch um Einkommensmöglichkeiten aufgrund einer vermeintlichen Wertschöpfung. Seit Längerem ist aber bekannt, dass die Fliegerei keinerlei Werte schafft, sondern sie im Gegenteil sogar vernichtet. Und es sind unbezahlbare und unwiederbringliche Werte, die da vernichtet werden und den Nerv unserer Lebensgrundlagen betreffen. Den jährlich steigenden Passagierzahlen über die uns regelmäßig und voll Stolz berichtet wurde muss man daher eher mit Entsetzen begegnen. Will man die Dinge beim Namen nennen, so geht es hier um die wissentliche Aufrechterhaltung von Arbeitsplätzen, die Werte vernichten, weil man damit anderswo geschöpftes Geld als Einkommen an sich ziehen kann.

“Rettung der AUA” ist nur ein Beispiel, das aber dazu anregen sollte, den gesellschaftlichen Wert von Arbeitsplätzen mit anderen Augen zu sehen. Durch Arbeitsplätze e n t s t e h t  kein Geld, aber das dafür geschaffene Geld sollte jedoch aus dem Arbeitsergebnis seine Wertgebung beziehen, was im Fall der durch Billigstangebote ausgeuferten Freizeitfliegerei offensichtlich nicht der Fall ist. Ein Gemeinwohlbeitrag liegt nicht in der Geldmehrung! Geld ist eine gesellschaftliche Vereinbarung, die derart zu gestalten ist, dass Geld der Mehrung des Gemeinwohls dienen kann. Die zur Diskussion stehenden 800 Mio. wären daher im öffentlichen Verkehr zweifellos wertschaffender angelegt.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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18.4.2020; DerStandard, L.Stefan, A.Szigetvari; Wer zahlt die Zeche?

Sehr geehrter Herr Stefan, sehr geehrter Herr Szigetvari,
nachstehend mein ergänzender Kommentar zu Ihrem hervorragenden, aber dennoch etwas einseitigem “Überblick”. Im Anhang eine weitere Version ähnlicher Gedanken.
Wer zahlt die Zeche?
Eine etwas zu einseitige Fragestellung. Zur Folgenabschätzung nach der Corona-Krise gehört natürlich auch die Frage dazu, wem die Einnahmen aus den Zahlungen zufließen. Die im heutigen Überblick erörterten “Ideen” gehen jedoch alle von der Unumstößlichkeit der bestehenden Geldordnung aus, bei der durch einen Griff in einen leeren Sack Schulden als Zahlungsmittel (kein Geld!) heraus gezaubert und auf die Schultern der Gesellschaft übertragen werden. Die Rentabilität dieser Schulden wird dann aus Leistungen erwartet, mit denen diese Schulden überhaupt erst werthaltig und damit erst in echtes, staatliches Geld konvertiert werden sollen. Soweit, so gut. Die Corona-Krise hat jedoch die Notwendigkeit gebracht, die Leistungsmöglichkeit in weiten Teilen der Wirtschaft abrupt zu unterbinden.
Nun kann man in Anlehnung an Loriots Feststellung bezüglich seines Lebens mit Möpsen sagen, dass ein Leben ohne z.B. Salzburger Festspiele oder andere Großveranstaltungen und, wie wir gesehen haben, sogar ohne Gastronomie möglich, aber im Unterschied zu Loriots Auffassung deshalb keinesfalls sinnlos ist, sofern wir im Leben als solchem einen Sinn vermuten, den es zweifellos haben muss. Es haben sich bestenfalls die Möglichkeiten zur Sinnverwirklichung nach dem herkömmlichen Verständnis verschoben, in dem der über allem stehende Sinn des Lebens in der Geldmehrung vermutet wurde. Vielleicht hat uns ja das Corona-Virus ein neues Wertebewusstsein beschert.
Wer es sehen wollte, der konnte in der Krise erkennen, dass der Mensch nicht nur ein zutiefst soziales Wesen, sondern von Natur aus auf Kooperation angelegt ist. Außerdem erweist sich der Mensch auch als generell freudig tätiges Wesen, wie man u.a. am Ansturm nach der Öffnung der Baumärkte erkennen konnte. Doch um tätig sein zu können, müssen die Lebensgrundlagen gesichert sein. Und so geht es besonders bei Freiberuflern und Kulturschaffenden weniger darum, sie “in Arbeit” zu bringen, als ihre Konsumationsfähigkeit und damit ihr Leben aufrecht zu erhalten. Und für die Industrie geht es ebenfalls darum, eine breite Konsumationsfähigkeit in der Bevölkerung vorzufinden, um Produktionen anzustoßen. Dass es da, sofern die unerwartete Zäsur zur Besinnung genützt wird, Verschiebungen in Hinblick auf Klimaschutz und Ökologie geben könnte, wäre ja durchaus wünschenswert.
Doch zurück zum Geld. Wenn wir die Abhängigkeit von Geldzuteilungen von der Einbindung in Arbeitsprozesse beibehalten wollen, wobei meist fälschlich davon ausgegangen wird, dass Arbeit ohnehin nur widerwillig verrichtet wird, dann steht man heute vor dem Problem zwischen aufholbaren und unwiederbringlichen Einkommensverlusten zu unterscheiden und einen diesbezüglichen Ausgleich herbeizuführen, wenn man als Verantwortlicher die gesamtgesellschaftliche Struktur vor Augen hat. Denn da geht es um die Überlebensfähigkeit weiter Bevölkerungsteile. Und hier schlagen Machtstrukturen und historisch entstandene Privilegien zu. Nicht das fehlende Geld wird zum Problem, das kann wie ersichtlich jederzeit geschaffen werden, sondern die global zunehmende Ungleichverteilung des zum physischen Überleben notwendigen Kuchens. Und es geht besonders auch um die darin enthaltenen Zutaten.
Wenn die Angemessenheit der Verteilung durch Rechtsetzungen nicht mehr gegeben ist, dann ist auch keine Leistungsfähigkeit zu erwarten. Speziell also, wenn mit der Pflicht zur Arbeit das Recht auf Leben nicht mehr gewährleistet werden kann. Geldmehrung ist ja kein lebensrelevantes Ziel als solches. Im bestehenden System wäre daher ein “Angstausgleich” zwischen den Einkommensdezilen angebracht. Zwischen Überlebensängsten der unteren Dezile und den Verlustängsten der oberen. Eine neue Balance mit verringerten Ängsten durch zeitgemäße Einsichten oben und verringerten Ängsten durch neue Hoffnungen unten. Das wäre also der herkömmliche Vorschlag der Umverteilung durch Steuern, setzt jedoch auch die überlebensnotwendige Werthaltigkeit des Umverteilten voraus, denn mit Geld allein ist es ja nicht getan.
Die besonders an der Leistungsverhinderung leidenden Berufsgruppen sind vor allem aus der durch Erfindungsreichtum und Rationalisierungen entstandenen Freisetzungen aus dem Primärsektor hervorgegangen. Sie sollten ihr Heil in der Dienstleistung suchen. Das hat bis zu einem gewissen Ausmaß auch ganz gut geklappt. So gut, dass manche Regionen, ja ganze Länder sogar meinen, von Dienstleistungen zu “leben”. Manch abstruse Geschäftsideen und überbordende Bürokratisierung sind aus diesem Irrglauben hervorgegangen. Die Sinnfrage stellt sich offensichtlich nicht, wenn es um das Überleben geht. Und Überleben bedeutet, Geld, das nach wie vor werthaltig nur im Primärsektor entsteht, in einem immer härter werdenden Konkurrenzkampf  an sich zu ziehen. Ganz gleich womit.
Die Corona-Krise hat uns mit den wegbrechenden Einkommensmöglichkeiten bei weiter bestehenden Lebenshaltungskosten gezeigt, dass eine Entflechtung von Einkommen und Erwerbsarbeit unumgänglich ist. Bedingungsloses Recht auf Leben setzt bedingungsloses Einkommen voraus. Dass das mit dem (irrigen) Argument der Unfinanzierbarkeit gerne vom Tisch gewischt wird, müsste zwangsläufig zur Schlussfolgerung führen, dass das Recht auf Leben nicht erfüllbar ist. Das mag ja vielleicht so sein, dann sollte man aber schleunigst die überwunden geglaubten Diskussionen über unwertes Leben wieder aufnehmen. Der liebe Gott möge uns aber alle davor bewahren. Besser wäre es daher, die Herausforderung anzunehmen und die Finanzarchitektur, die ja auf keiner Naturgesetzlichkeit beruht sondern eine gesellschaftliche Vereinbarung ist, derart umzugestalten, dass sie Würde und Notwendigkeit einer modernen Gesellschaft entspricht. Eine Vollgeldreform wäre dafür ein erster Schritt, der diesbezüglich neue Gestaltungsräume eröffnen würde.
Die Sehnsucht nach der sogenannten Normalität vor der Krise lässt mich befürchten, dass die einmalige Chance zu friedensstiftenden Korrekturen vertan wird. Vernünftigeres Verhalten, als es die Bevölkerungen in der jetzigen Krise an den Tag legten, wird so schnell nicht mehr zu erwarten sein.
Mit besten Grüßen
Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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15.4.2020; OÖN; Teodoro D. Cocca; Wahre Corona-Helden: Danke, liebe Kinder, 

Wirtschaft verstehen?

Mit “Danke, liebe Kinder”, bedauert Prof.Teodoro D.Cocca in seiner Kolumne vom 15.4. die kommenden Generationen, die vermeintlich all die, nunmehr neuerlich kräftig ausgeweiteten Schulden werden zurückzahlen müssen. Unsere Finanzarchitektur beruht jedoch gerade darauf, dass Staatsschulden ohne Enteignung der Gläubiger niemals getilgt werden können. Hierin liegt ja der ewige sozialpolitische Balanceakt und Machtkampf. Wie deutlich erkennbar wurde, ist der vielgepriesene “Markt” ja weder willens noch fähig, eine derartige Krise zu meistern. Die um Gewinne und Kapitalerträge vermehrten Geldflüsse wurden durch verordneten Produktions- und damit auch Lohnstopp, auf Seite der nicht unbedingt nötigen Konsumation unterbrochen. Die staatlichen Hilfen zur Einkommenskompensation ermöglichen daher vor allem auch die Existenz kommender Generationen. Und nicht zuletzt geht es den Investoren gar nicht um Schuldentilgung, sondern um regelmäßige Zinsgewinne, sofern die konjunkturellen Möglichkeiten bestehen, viel mehr aber noch geht es um die Machtausübung über die Staaten, denn wer in der Schuld ist, ist nicht frei. Die Covid19-Krise offenbarte die Unsinnigkeit, realwirtschaftliche Tätigkeit als geeignetes Transmissionskonstrukt für die nominelle Geldvermehrung für private “Investoren” anzusehen.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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3.4.2020; Standard; Thomas Wieser (Brüssel) Appell an die ökonomische Vernunft 

Das dicke Ende kommt erst

Im Unterschied zur Nachkriegszeit ist der “Wiederaufbau Europas”, um den sich Thomas Wieser mit seinem heutigen “Appell an die ökonomische Vernunft” bemüht, zum Glück “nur” ein buchhalterisches Problem. Es verlangt nach systemischen Weichenstellungen, die Gerechtigkeitsaspekte und freilich auch Machtverschiebungen zugunsten des Gemeinwohls vorsehen. Ökonomische Vernunft muss erst systemisch ermöglicht werden! Die Corona-Krise zeigt uns mehr als deutlich, dass wir ein Verteilungsproblem haben. Wie es aussieht, taumeln wir ja von der Corona-Krise nahtlos in die Digitalisierungs-Krise mit noch weiter steigender Arbeitslosigkeit. Um ein BGE, wie das gestern Andreas Reiter vom ZTB-Zukunftsbüro anregte, werden wir kaum herum kommen, sonst enden wir in der ärgsten aller Krisen, nämlich in einer Versorgungskrise, in der sich alle Strukturen in Chaos auflösen. Rufen nach Rückkehr zur “Normalität” ist daher mit höchster Skepsis zu begegnen.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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28.3.2020; OÖN, Standard, Kronenzeitung, Profil 

Covid19: Wirtschafts- oder Finanzkrise?

„Virus, Virus, gib‘ uns unser Geld wieder!“, möchte manch einer rufen. Doch das Virus lässt mit sich nicht verhandeln. Es liegt jedoch in unserer Hand, diese unfreiwillige Atempause für neue gesellschaftliche Vereinbarungen über eine zeitgemäße Geldordnung zu nützen. Im Unterschied zu einer Bankenkrise, wie bei der Lehman-Pleite, bei der innerhalb von ein paar Stunden Weichenstellungen getroffen werden mussten, bietet die Corona-Krise (leider, aber dennoch als kleines Geschenk in der Katastrophe) etwas mehr Zeit, um zu einer nachhaltigen und global verträglichen Lösung zu finden, die auch gleich die immer noch nur halbherzig beachtete Umwelt- und Klimaproblematik, wie auch die Ungleichgewichte berücksichtigt. Die bislang in die Wege geleiteten Hilfszusagen sind wegen der realwirtschaftlichen Situation wichtig – und vermutlich auch richtig, sollten jedoch zunächst als provisorische Buchungsvorgänge angesehen werden, die nachfolgend in ein neues Gesamtkonzept überzuführen wären. Am Ausgangspunkt muss die einvernehmliche Widmung des Geldes als machtneutrales Mittel zur Entwicklung und zum Erhalt gesamtgesellschaftlichen Wohlstands stehen.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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23.3.2020; OÖN, A.Zens; Nicht abbiegen. Die Richtung stimmt, Disziplin ist jetzt alles
Zurück zum “normalen Leben”?
Das mit dem “normalen Leben”, nach dem sich so viele zurück sehnen, ist halt so eine Sache. Wird alles wieder wie vor der CoViD19-Krise, dann hätten wir die unerwartete Gelegenheit verpasst, unsere vielfach bedenklichen, von unzeitgemäßen Strukturen geprägten Lebenseinstellungen neu zu sortieren und auf die gesamtgesellschaftlichen Notwendigkeiten auszurichten. Die Richtung stimmt! Doch die Maßnahmen sollten so lange aufrecht bleiben, bis alle draufgekommen sind, was sie denn tatsächlich vermissen und in welcher Relation diese Einschränkungen zu einer ethisch, ökonomisch und ökologisch prosperierenden Gesellschaft stehen.
Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz
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22.3.2020; Standard; Corona-Krise

CoViD19 demonstriert unsere Fragilität

Wir sollten dankbar sein, dass uns CoViD19 die Grenzen überspitzter Globalisierung vor Augen führt. Ist es denn nicht beschämend, dass wir selbst nicht mehr in der Lage sind, so einfache Produkte wie Gesichtsmasken herzustellen, unsere Ernten einzubringen und unsere Alten zu betreuen? CoViD19 bietet uns die Gelegenheit, unsere Lebenskonzepte auf Sinnorientierung hin abzuklopfen und neue Weichenstellungen vorzunehmen. Eine einmalige Chance zur Versöhnung der Ökonomie mit Ethik. Lassen wir das Zeitfenster bitte nicht ungenutzt verstreichen!

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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22.3.2020; OÖN, Corona-Krise 

CoViD19 – Ein Segen zur rechten Zeit?

Im Unterschied zu Nachkriegszeiten sind sämtliche Grundlagen gesellschaftlichen Wohlstands unversehrt. Produktionskapazitäten, Infrastruktur, staatliche Institutionen und allem voran menschliche Kreativität, Leistungsfähigkeit und Neugier. Alles das, was Wohlstand bedeutet. CoVi19, dieses kleine Biest, zeigt uns allerdings dramatisch, dass wir nicht vom Geld leben, sondern von der Landwirtschaft. Die Krise eröffnet uns schlagartig die Chance, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Die Panik wurde ja vorwiegend durch das Wegbrechen der Einkommensmöglichkeiten bei gleichbleibenden Lebenshaltungskosten hervorgerufen. CoVi19 beweist uns, dass das höchste zivile Machtmittel in der Geldordnung liegt. Ohne “bankruns”, Randale oder gar Bürgerkriege befürchten zu müssen, könnten jetzt dementsprechende, auf Vernunft beruhende Weichenstellungen vorgenommen werden. Getragen von der aufblühenden Solidaritätswelle sind die Bevölkerungen dafür aufgeschlossen. Hätten wir bereits ein Vollgeldregime, bliebe die Krise auf den Gesundheitsaspekt beschränkt. Daher: Schuldbefreites Vollgeld, damit sich “die richtigen Dinge” wieder rechnen können!

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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6.3.2020; Gabriele Zgubic (VKI) und Bettina Pfluger (Standard) bezüglich Kosten bei Bargeldbehebungen am Bankomat. 

Sehr geehrte Frau Mag. Zgubic, Sehr geehrte Frau Mag. Pfluger,

es ist eben leider nicht “das eigene Bargeld”, das man am Bankomaten behebt, wenngleich Sie natürlich völlig recht haben, dass die Bargeldbehebung kostenfrei sein muss, denn sie entspricht ja der Erfüllung einer Bringschuld der Banken. Bei Bargeldbehebung wird eine bestehende Forderung auf Bargeld eingelöst. Tatsächlich entspricht der Vorgang jedoch einem Wechselvorgang zwischen zwei Geldarten unterschiedlicher Herkunftsart. Es wird Bankengeld (Buchgeld = Forderung auf Geld) in Zentralbankgeld (gesetzliches Zahlungsmittel) gewechselt! Von der Behebung “eigenen Bargeldes” könnte man daher nur sprechen, wenn man ein Zentralbankgeldkonto hätte, wie das ja von den Vollgeldinitiativen gefordert wird. Dass Banken diese “Wechselgebühren” gerne von ihren Gläubigern kassieren möchten, ist klar, muss jedoch ebenso klar und strikt untersagt werden.

Es wäre wünschenswert, wenn der VKI diesbezüglich intensivere Aufklärungsarbeit betreiben würde.

Mit besten Grüßen, Dr.Günther Hoppenberger

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11.2.2020; Standard, posting zu Diskussion über 35 Stunden Woche 

Am Kern der Sache vorbei?

Geld entsteht nicht durch Arbeit!!!! Es muss als gesellschaftliche Einrichtung vorgängig zur Arbeit geschaffen werden (Investition). Allerdings erhält es seinen Wert rückwirkend durch das Arbeitsergebnis. Um aber den Mehrwert auch in Geld erlösen zu können, muss laufend (höher) neuinvestiert werden. Mit dem bestehenden Schuldgeldsystem spießt es sich damit automatisch, wenn man es auch auf die Dienstleistungen anwendet. Eine Trennung von Investitionsgeld und schuldfreiem Positivgeld als „Kaufgeld“ wäre daher ein überlegenswerter Weg aus diesem Dilemma. Eine Möglichkeit, die unter anderen Vorteilen eine Vollgeldreform böte

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4.2.2020; OÖN; Johnson droht EU harten Brexit an 

Zu spät erkannt?

Die eindeutig einseitige Vorteilslage von CETA, dem EU Handelsabkommen mit Kanada, bestätigt sich spätestens jetzt, wenn Boris Johnson so ein Abkommen mit der EU anstrebt und ihm seitens EU umgehend mitgeteilt wird, dass es so ein Abkommen a la carte für ihn nicht geben wird. Die Frage bleibt offen, wann die EU die Berechtigung all der Proteste und Einwände gegen CETA erkannt hat.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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28.1.2020; Standard, Nora Laufer; Was Klimaneutralität bis 2040 bedeutet

Kosten der Vernunft

Zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2040 rechnet man allein für Österreich mit jährlichen Kosten von rund 4 Mrd. Euro. Eine Vier mit neun Nullen. Solche Zahlen klingen zunächst einmal erschreckend, doch es sind eben nur Zahlen. Als Geld ließen sie sich einfach schaffen, denn Geld ist eine gesellschaftlich vereinbarte Einrichtung, die der allgemeinen Wohlstandsmehrung gewidmet ist. Viel interessanter als die Kostenfrage ist daher, wem und wohin diese Kosten als Einnahmen zufließen, welche Gewinnanteile darin enthalten sein werden und vor allem, was mit diesen Gewinnen geschieht. Denn der eigentliche Gewinn liegt ja zweifellos in der mit diesen Ausgaben in Gang zu setzenden Haltungsänderungen. Im übertragenen Sinne sind diese Kosten nur Rückerstattungen an die Natur, damit sie uns auch weiterhin die Lebensgrundlagen bereithält.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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23.1.2020; OÖN (v.22.1.); D.Mascher, „Schlechtes Klima für das Kapital“

Kapitalismus ist nicht gleich Marktwirtschaft!(wie das D.Mascher im Leitartikel am 22.1. meinte)

Der Unterschied liegt in den Zielsetzungen. Während es im Markt um die Verteilungsfrage geht, liegt der Fokus des Kapitalismus auf der Gewinnsteigerung. Die Produktivitätssteigerung unter beschleunigtem Ressourcenverbrauch wurde nur jahrzehntelang als das geeignete Mittel erkannt, aus investiertem Geld mehr Geld machen zu können. Wie wir jedoch wissen, hat in ausgereiften Volkswirtschaften dieser noch realwirtschaftliche Bezug für den Kapitalismus an Bedeutung verloren. Die Renditen werden heute vorwiegend im Finanzsektor und unter Umgehung einer Realwertsteigerung erzielt – sollten dadurch allerdings zugleich auch als nur fiktiv erkannt werden. Es sind eben nur Geldgewinne innerhalb eines Nullsummenspiels an den Börsen. Der Kampf der Giganten um das Machtmittel “Geld”. Die Zielsetzungen für Klima- und Umweltschutz liegen hingegen in der Reduzierung des Ressourcenverbrauchs unter Berücksichtigung des Gerechtigkeitsaspekts. Die derzeitigen Machtverhältnisse lassen es unvorstellbar erscheinen, dass für einen damit verbundenen geistigen Wertzuwachs, akkumuliertes Geld bereitgestellt würde. Deshalb: Vollgeld, damit sich das Richtige wieder rechnen kann.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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22.1.2020   Standard, „Zweiter Anlauf für Kurz’sche Denkfabrik

Kurz’sche Denkfabrik soll Österreich nach vorn bringen

In der englischen Bezeichnung “Thinktank” kommt die wahre Bedeutung solcher Einrichtungen gleich viel besser zum Ausdruck. Da steckt bereits der Panzer als Angriffswaffe drinnen. Was früher an den Militärakademien ausgebrütet wurde, bekommt heute das Mäntelchen des zivilen Anscheins umgehängt, ohne dass sich die Zielsetzung wesentlich unterscheidet: Ausschaltung und Überflügelung aller anderen Länder, diesmal allerdings in erster Linie mit den Waffen der Finanzarchitektur. Da auch das “Vorn” im Sinne einer geistigen Entwicklung undefiniert bleibt und sich nur an Wirtschaftszahlen orientiert, werden solche Denkfabriken zu Beschleunigungsinstrumenten des gesellschaftlichen Zerfalls. Daraus Handlungsempfehlungen für die Regierungen abzuleiten klingt äußerst bedrohlich.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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