Worüber man bei uns nicht spricht

Am 10. Juni 2018 findet bei unseren Nachbarn die „Eidgenössische Volksabstimmung“ bezüglich einer Vollgeldreform statt. Man könnte meinen, dass die Abstimmung eigentlich zu einem klaren „JA für Vollgeld“ führen sollte, denn das Entscheidungskriterium erschließt sich aus der einfachen Frage: „Wer soll unser Geld herstellen?“

Im Grunde genommen geht es um die Korrektur eines fatalen Versäumnisses. 1891, als man den Wildwuchs privater Banknoten per Gesetz verboten hatte und das alleinige Recht zum Druck und Verleih von Banknoten der Nationalbank zukam, war die rasante Entwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in seiner vollen Bedeutung offensichtlich noch nicht absehbar. Jedenfalls wurde verabsäumt, den Banken auch die Buchgeldschöpfung zu untersagen.

In welcher Form diese damalige Gesetzeslücke bereits auf den Einfluss des Bankensystems zurückzuführen war, soll und braucht heute nicht mehr zu interessieren. Denn es geht um keine Schuldzuweisungen, sondern um Lösungen! Jedenfalls verstand es das Bankensystem in zunehmendem Maße, das ihnen verordnete Bargeldschöpfungs-Verbot durch Buchgeldschöpfung per Kreditvergabe sukzessive zu umgehen.

Heute sind in der Schweiz nur mehr rund 10% Bargeld (=Vollgeld), wohingegen 90% das von Geschäftsbanken per Kreditvergabe geschöpftes Buchgeld sind. Und in allen anderen Ländern ist es nicht anders. Leider ist ja immer noch den wenigsten Bürgern bewusst, dass der Zahleneintrag auf ihrem Konto kein Geld, sondern nur eine Forderung auf Geld gegenüber der Bank ist.

Dadurch, dass man in normalen Zeiten mit solchen Forderungen auf Geld einkaufen kann, indem man die entsprechende Forderung auf den Verkäufer überträgt, und dieser die Forderung auch als Bezahlung akzeptiert, geriet die wahre Bedeutung dieser Transaktion leicht aus dem Blick. Als zusätzliche Bestätigung, dass ja doch alles seine Richtigkeit hat, erfahren wir doch auch, dass wir uns jederzeit Bargeld am Bankomaten oder am Bankschalter gegen unseren Buchgeldeintrag wechseln könnten.

Dass die meisten Banken bei Abhebung größerer Summen jedoch auf einer Voranmeldung bestehen, sollte allerdings zu denken geben. Weil eben behobenes Bargeld seinen Weg sehr rasch wieder zur Bank zurück findet, ist es trotzdem in größerem Umfang dort nicht vorrätig. Es muss erst von der Nationalbank gegen Sicherheiten und Zins entliehen werden. Dass das von Banken, soweit immer möglich vermieden wird, ist klar. So wie auch ihr Eintreten für die totale Abschaffung des Bargeldes.

Beim Geldschöpfungsrecht geht es natürlich vor allem um die Machtfrage. Dass es hier enorme Widerstände des Bankensystems gegen echtes, demokratisch durch den Souverän kontrolliertes Geld gibt, darf nicht verwundern. Denn mit einer Vollgeldreform, also dem alleinigen Recht einer vierten staatlichen Gewalt – für die der Name „Monetative“ vorgeschlagen wurde – zur Geldschöpfung in Form von Münzen, Banknoten und auch Buchgeld, könnten sich die Staaten sukzessive entschulden und sich vom erpresserischen Druck der „Finanzmärkte“ befreien.

Es sei angemerkt, dass eine Vollgeldreform natürlich nicht alle Probleme zu lösen vermag, mit denen unsere heutige Gesellschaft konfrontiert ist. Dennoch sind unverkennbar sämtliche Probleme, mit denen sich Politik und Bürger auseinandersetzen müssen, unzweifelhaft dem Versagen der derzeitigen Finanzarchitektur geschuldet. Und kein Gegenargument hat sich bislang finden lassen, mit dem von einer Vollgeldreform eine Verschlechterung der momentanen Situation zu erwarten wäre. Hingegen sind die Vorteile ganz klar ersichtlich.

Bedenkt man, dass mit Vollgeld die „Guthaben“ auch tatsächlich und nicht nur aufgrund unerfüllbarer Versprechen sicher wären, weil außerhalb der Bankbilanz angesiedelt, müsste man von den Schweizern eigentlich eine fulminante Zustimmung erwarten können.

Und so ist die Vollgeldreform der wichtigste erste Schritt, dem Bürger seine Souveränitätsrechte zurück zu geben. Denn wir sind der Staat, über dessen Gestaltung auch nur wir bestimmen sollten. Lassen wir uns also den Staat nicht schlecht reden, sondern unterstützen wir ihn in seiner gemeinwohlorientierten Aufgabenerfüllung. Lassen wir uns nicht Angst einflößen von jenen, die nur ihren eigenen Machterhalt im Sinn haben. Die Schweizer Vollgeldinitiative hat hier eine großartige Vorreiterrolle übernommen und es ist ihrem Bemühen ein großer Erfolg zu wünschen!

Die Vollgeldidee ist jedoch kein Schweizer Spezifikum. In zahlreichen Ländern existieren bereits Vollgeldinitiativen und es ist zu hoffen, dass sie ein positiver Ausgang der Schweizer Abstimmung beflügelt. Nächstes Ziel muss daher eine Europainitiative für die Umgestaltung des Euro zu Vollgeld sein.

Weitere Informationen zu Vollgeld: www.vollgeld-initiative.ch; www.vollgeld.de; www.monetative.de; www.monetative.at; und natürlich auf www.lifesense.at