WIRTSCHAFTSWISSEN? Gedanken zum jährlichen „Börsespiel“ von OÖN und Raiffeisen

Unter dem Motto, mangelndes Wirtschaftswissen unter das Volk zu bringen, wird bereits seit etlichen Jahren von OÖN und Raiffeisen zum Börsespiel eingeladen. Für jeweils knapp zwei Monate darf mit einem fiktiv zur Verfügung gestellten Kapital von 50.000.- an veschiedenen Börsen und mit verschiedenen Finanzprodukten spekuliert werden.

Dem zur Verfügung gestellten Programm muss man vorbehaltlos größte Bewunderung zollen! Es ist ausgesprochen einfach und übersichtlich zu verwenden, bietet alle nur erdenklichen Informationen und Erklärungen und macht Kauf- und Verkaufsvorgänge sehr leicht. Begleitend hat man einen herrlichen Statistikteil zur Verfügung, der jederzeit die eigene Performance anzeigt, wie auch Erfolge, bzw. Misserfolge gegenüber den anderen Spielteilnehmern.

Ziel ist klarerweise, die höchste Verzinsung zu erzielen. Dem Sieger der Erwachsenenwertung winkt als Hauptpreis ein Klein-PKW. Es gibt jedoch auch Wertungen für Studenten, Schüler und sogar für Schulklassen, was zugleich zeigt, wer aller zur Teilnahme animiert werden soll. Für diese Wertungen gibt es dann Fondsgutscheine als Preisgeld. Sozusagen als Einstiegsdroge.

Die Regeln sind klar verständlich und es läuft, inklusive Spesenverrechnung, alles sehr wirklichkeitsnah ab. Eine großartige Sache also. Über 6000 Teilnehmer sind dazu angemeldet. Es stehen also mehr als 300 Mio. fiktive Euro zur Verfügung. Eine stattliche Spekulationsmasse, die durchaus auch einen Impakt auf das tatsächliche Geschehen an den Börsen hätte. Für heuer ist etwas mehr als die Halbzeit verstrichen und die Statistik weist die derzeitige Führungsposition mit immerhin bereits über 15% Gewinn, bereits nach Abzug der Spesen, aus. Toll! Da haben einige in nur vier Wochen bereits 7.500.- „verdient“. Fiktiv. Nur Spielgeld zwar, wie beim Monopoly, aber sie haben gezeigt, dass sie das können. Dass es möglich ist.

Was jedoch daran der Wert für Wirtschaftswissen sein soll, erschließt sich mir nicht. Das Signal, das von dem Spiel ausgeht, ist doch viel eher, dass es unsinnig ist, sich für realwirtschaftliche Belange einzusetzen, wenn man doch so leicht seine Spargroschen in so kurzer Zeit vermehren kann. Dass das natürlich nur ein Nullsummenspiel ist und die Verlierer, das sind die, die den Gewinn ermöglichen, nicht im Rampenlicht stehen, ist nur natürlich. Und auch das entspricht ja dem tatsächlichen Börsegeschehen. Über Spielverluste spricht man nicht.

So faszinierend dieses Börsespiel auch sein mag, halte ich es als vorgeblichen pädagogischen Beitrag zum Wirtschaftswissen als äußerst bedenklich.