WIRTSCHAFTSPOLITIK MIT VOLLGELD, Ernst Dorfner

Ernst Dorfner

Wirtschaftspolitik mit Vollgeld
Es geht auch um den richtigen Einsatz von Vollgeld

Unser derzeitigs Geld ist ein Kreditgeld. Es entsteht durch Verschuldung der Kreditnehmer bei den Banken. Sowohl der Wirtschaft als auch des Staates.
Allerdings bemüht sich der Staat, diese Schuldenlast von sich abzuwenden. Er hängt diese den Unternehmen in Form von Steuern und Abgaben um.

Das führt nun dazu, dass sich die Wirtschaft nicht nur in Höhe der Eigenkosten – Löhne, Zukäufe an Material und Einrichtungen – verschulden muss, sondern weitaus höher. Die daraus resultierenden erhöhten Kosten schlagen sich in den Preisen ihrer Produkte und Leistungen nieder. Sie steigen an. Dies wird nicht so sehr bei den Güterpreisen sichtbar, sondern vor allem bei den Lohnkosten. Lohnkosten und Nettolöhne klaffen weit auseinander. Umso stärker, je höher der Lohnkostenanteil am Preis ist.

Dienstleistungen mit ihrem hohen Lohnkostenanteil sind daher um ein Vielfaches höher als die Netto-Stundenlöhne. Sie werden unfinanzierbar. Diese Unfinanzierbarkeit schlägt sich auch in der Nachfrage nach Dienstleitungen nieder. Auch im Reparaturbereich. Beim Kauf einer neuen Waschmaschine fällt die Entscheidung rasch, wenn man die Reparaturkosten der alten gegenüberstellt. Dies trägt entscheidend bei zu unserer Wegwerfmentalität.

Nochmals: Die Kosten des Staates in all seinen Verästelungen werden der Wirtschaft umgehängt. Die Wirtschaft muss das hierfür erforderliche Geld durch ein Schulden-Machen abdecken. Einerseits durch Kredite, andererseits der Hingabe von Eigenmttel – also Fremd- und Eigenkapital.

Im Endeffekt aber geht es nicht um das Geld. Es geht um die Produkte unserer Wirtschaft. Es geht darum , dass für alle genügend da ist.

Der Fehler in unserem Geldsystem liegt derzeit darin, dass Geld nur aus Krediten hervorgehen darf. Dieses Kreditgeld ist aber allein für die industrielle Wirtschaft mit seiner tiefen Wertschöpfungskette unbedingte Voraussetzung. Weil hier mit dem Zugriff auf Produkte von gestern, heute – ohne entsprechende Gegengabe – Produkte für morgen erzeugt und dann erst hierfür als Gegengabe hingegeben werden können, geht es um das Vertrauen in die zukünftige Tilgung einer Schuld. Es geht um den Kredit.

Mit Hilfe dieser Kredite müssen nun so viele Güter hergestellt werden, dass alle Haushalte ausreichend mit den täglichen Gütern versorgt werden können. Auch für die, die ihre Dienste für die Bereitstellung der materiellen und immateriellen Infrastruktur leisten, dem Rechts-, Hoheits-, Sozial-, und Wirtschaftsstaat, der die Gemeingüter, die alle nutzen,laufend bereitstellt und erhält. Es sind dies die direkten Kosten der Unternehmen, die aber kleiner sind als die, die auch die Steuerlast enthalten.

An Stelle dieser Finanzierung des Staates über Kreditgeld und Steuern wird ein Geld eingesetzt, das als Tausch- und Zählmittel dient, als Werkzeug. Ein Jokergeld, mit dessen Hilfe bereits fertige Infrastruktur-Diensteleistungen gegen bereits fertige Industriegüter getauscht werden. Geld wird dabei von der Zentralbank dem Staat kostenlos zur Verfügung gestellt, mit der Auflage, es nach erfolgtem Einsatz wieder einzusammeln und es dann als Tauschmittel neuerlich einzusetzen.

Es geht also hier nicht um Geld als Schatz. Dieses von der Zentralbank zur Verfügung gestellte Geld muss nach erfolgtem Tausch – wie ein Werkzeug nach Gebrauch – wieder beim Staat landen. Gleichsam als Überzähliges abgeschöpft werden. Vorausgehend fällt dieses Überzählige deshalb bei den Unternehmen an, weil die Verkaufspreise ihrer Güter nicht allein durch die Kosten der eigenen Beschäftigten, sondern auch durch die hinzugekommene Nachfrage der Beschäftigten im Infrastruktur-Bereich bestimmt und damit hinaufgetrieben werden.

Es sind dies wieder Steuern, die nun aber von den Unternehmen nicht im Voraus mit Kreditaufnahmen zu bezahlen sind, sondern erst nachträglich nach kassiertem Überschuß. Wobei dieser Überschuß nicht zur Gänze eingefordert werden muss.

Dieser Überschuß ist nun nicht statisch zu betrachten, sondern im Zusammenhang mit der technologischen Entwicklung im Industriebereich. Arbeitsplätze werden dort sukzessive wegfallen, Beschäftigte dadurch freigesetzt. Neue Arbeitsplätze müssen deshalb im Dienstleistungbereich Schritt für Schritt entstehen, so wie auch die ganze steuerliche Umstellung nur so erfolgen kann. Ein sich dynamisch daraus entwickelndes Angebot würde dann einer ebensolchen Nachfrage gegenüberstehen, womit keine bemerkenswerte Preis- und Ertragsteigerungen und Einkommensüberschüssen zu erwarten sind. Es muss daher auch um das Bemühen einer Steigerung des Angebotes an solchen Dienstleistungen – und damit an Wettbewerb – durch eine entsprechende Arbeitsmarktpolitik gehen, was angesicht der oben geschilderten Dynamik keine Schwierigkeiten bereiten sollte.

Zusammenfassend:

Diese hier beschriebenen Bedingungen werden mit einem Vollgeldsystem umsetzbar. Vollgeld kan aber auch nur so seine Vorteile entfalten.

Das Vollgeldsystem ist über Nacht einzuführen. Die Umwandlung des derzeitigen Steuer- und Abgabensystems hingegen geht nur Schritt für Schritt über mehrere Jahre.
April 2017