Unglaublich schiefe Optik mit tiefgreifender Wirkung

Kann der Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, Jörg Kukies, als beamteter Staatssekretär ins deutsche Finanzministerium einziehen? Er kann, wie einer APA-Kurzmeldung im Standard vom 20.3.2018 zu entnehmen ist.

Allein schon dass Jörg Kukies als ehemaliger Juso-Chef in Rheinland-Pfalz vor zwanzig Jahren zu Goldman Sachs wechselte, zeugt ja von einer höchst bemerkenswert flexiblen Geisteshaltung, ihn in das Schaltzentrum der Gesellschaftspolitik zu holen jedoch von abgrundtiefer Dummheit.

Versuchen wir dennoch, diese Personalentscheidung als taktischen Schachzug der mit hohem Verantwortungsbewusstsein gesegneten neuen Koalitionsregierung zu verstehen. Nehmen wir an, dass Jörg Kukies als Speerspitze im Abwehrkampf gegen die endgültige Machtübernahme durch „die Märkte“ installiert wurde. Und nehmen wir weiters an, dass er die zwanzig Jahre bei Goldman Sachs nur dazu benützt hatte, als sogenannter „linker Maulwurf“, Strukturen und Tricks dieses Investment-Giganten auszuspionieren, um sein Wissen nun gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber anzuwenden. Als Staatssekretär wird er jetzt für Finanzmärkte und Europa zuständig sein und man darf gespannt sein, in welcher Form seine jungsozialistischen Wurzeln noch sichtbar werden.

Sollte meine positive Sichtweise tatsächlich als richtig erweisen, müsste allerdings eine Klage seitens Goldman Sachs wegen Untreue und Verstoß gegen Verschwiegenheitsverpflichtungen zu erwarten sein. Warten wir ab und hoffen wir.

Sollte ich mich jedoch täuschen, was leider zu befürchten ist, dann hat jegliche demokratische Entwicklung bereits verloren, denn dann werden „die Märkte“ die Funktion des Souveräns endgültig übernehmen.