Ist Sparen mit Schuldgeld überhaupt möglich?

Allerorten erfahren wir von der unabdingbaren Notwendigkeit von „Sparpaketen“. Wir, die Bürger sollen zwar möglichst nicht sparen, sondern im Gegenteil, möglichst viel Geld ausgeben. Egal wofür, denn nur dann floriert „die Wirtschaft“. Angeblich haben wir dann alle etwas davon. Das Etwas sind wohl die nötigen und unnötigen Dinge, die wir mit den letzten Cents – noch besser mit Kredit – gekauft haben. Einzig und allein ein Wirtschaftsteilnehmer soll an diesem angestachelten Kaufrausch nicht teilnehmen dürfen: Der Staat.

Viele, besonders die von der Marktphilosophie indoktrinierten Politiker, betrachten den Staat ja gerne als eigenständiges Unternehmen, das vor allem Geldgewinne zu erzielen hätte. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass „der Staat“ eigentlich nur die von den Bürgern zugewiesene Funktion hat, die Ordnungsstrukturen für die Lebensqualität der Gesellschaft zu gewährleiten.

Das überhaupt erst gesellschaftsbildende Medium ist zweifelsfrei das Geld (R.Dietz). Und es kommt auf die Konstruktion der Geldordnung an, was dieses Medium gesellschaftlich zu leisten vermag. In unserer derzeitigen Geldverfassung haben wir es mit Schuldgeld zu tun. Geld entsteht als Schuld, durch Kredit.

„Sparen“ kann man solches Geld also nur, wenn man auf Verschuldung verzichtet. Dann gibt es dieses Geld eben nicht. Es kann dann allerdings auch seine segenstiftende Wirkung nicht entfalten. Nun ist freilich nicht zu übersehen, dass sich über die Jahrzehnte hinweg gigantische Geldberge (Schuldenberge) aufgetürmt haben, die jedoch in hohem Ausmaß losgelöst von jeglichem Bezug zur Bürgergesellschaft, ohne realwirtschaftlichem Nutzen hin und her geschoben werden. Ein Ballast, der durch den verblendeten Anspruch, dass sich doch Geld, auch ohne Schaffung von Werten stets vermehren müsste, weiterhin und noch dazu exponenziell  anwächst.

Der Staat, dessen Repräsentanten sich eben nicht mehr als Klammer der Gesellschaft wahrnehmen, sondern der als unabhängiger Wirtschaftssektor wahrgenommen wird, reagiert darauf mit propagandistisch gut vertretbaren Sparpaketen. Und was heißt das? Das bedeutet, dass der Staat die Schulden seines Sektors auf die Sektoren Haushalte und Unternehmen überträgt. Er saugt die in derzeitiger Konjunktur sprudelnden Steuereinnahmen aus diesen Sektoren ab, führt sie aber keiner neuen Nachfrage zu, sondern versucht ein bisschen Schulden zu tilgen. Ist jetzt damit etwas gespart? Wohl kaum. Dieses Geld ist ganz einfach verschwunden. Nicht ausgegebenes Geld des Staates existiert ganz einfach nicht.

Der logische Schluss: Schuldgeld kann gesamtgesellschaftlich nicht gespart werden! Die traurige und zugleich als unvermeidlich betrachtete Folge zeigt sich dann in der Gesellschaft, in der es nicht mehr um die Schaffung von Werten, sondern um die Verleitung zu Schulden geht. Und wenn sich manche auf Keynes berufen, der doch gesagt hat, man müsse in konjunkturell guten Zeiten sparen für schlechte Zeiten, dann bedeutet das nur, dass man mit dem Schuldenpegel rauf und runterfährt.

Schuldgeld ist eben ein Passivgeld. Bei jedem Griff in den „Hut“, in dem nichts drinnen ist, kann man wie ein Zauberer Geld nur dann herausholen, indem sich die Leere im Hut vergrößert.

 

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