Geld und Schuld – Raimund Dietz. Eine zeitnotwendige Buchempfehlung!

Die spezielle, über die Nennung unter „Literaturhinweisen“ hinausgehende Empfehlung für „Geld und Schuld“ von Raimund Dietz, soll der Bedeutung des Werks gerecht werden, aus dem sich ein neues Fundament der Wirtschaftswissenschaften ableiten lässt, das auf die Zeitnotwendigkeiten Bezug nimmt.

Raimund Dietz, GELD UND SCHULD Metropolis-Verlag; Marburg 2016 (5.überarbeitete Auflage) 438 Seiten ISBN 978-3-7316-1217-9

Zusammenfassung: (R.Dietz)

Geld ist und bleibt eine Herausforderung für die Wirtschaftswissenschaften. Anstatt dessen vitale Bedeutung für unsere Gesellschaft aufzuzeigen, wird Geld als Neutrum behandelt.

In meinem Buch spanne ich den Bogen von einfachen Grundvorgängen des Gebens und Nehmens, Ausgleichens und Nichtausgleichens (Schuldenmachen) bis zur heutigen Finanzkrise (als Überschuldungskrise). Ich schlage eine neue Theoriearchitektur vor. Kernelemente sind der Tausch als kommunikativer Akt und Geld als dessen Verkörperung. Sie ermöglicht die Entwicklung einer Theorie von einer Bürgerordnung und kann der Bürgergesellschaft einen Ausweg aus der Krise weisen.

Das Unverständnis gegenüber Geld gipfelt in der völlig unsinnigen Vorstellung, man könne oder solle Geld abschaffen. Es gibt keine Zivilisation ohne Geld. Allerdings muss diese auch gestaltet werden.

Die Beschäftigung mit dem Geldbegriff wird so zum Schlüssel für eine neue Haltung, für ein neues Denken und für ein neues Handeln.

Geld ist, nach Sprache, das evolutionäre Medium der Menschheit. Es ist das Medium, durch welches Gesellschaft zu einer Art globalem Superorganismus zusammen wächst. Es macht auch frei. Kein anderes Medium kann Geld dabei ersetzen. Geld ist Energie. Um mit ihm gut umzugehen, brauchen wir einen neuen Denkansatz und eine neue Haltung.

Trotz der großen Möglichkeiten, die im Geld enthalten sind, sind diese weder ins allgemeine noch in das wissenschaftliche Bewusstsein getreten. Philosophie, Soziologie und Psychologie weichen dem Thema Geld beinahe systematisch aus.

Die Wirtschaftswissenschaften erklären Geld für neutral. Das liegt an der dyadischen Struktur wirtschaftswissenschaftlichen Denkens. Der ökonomische Mainstream ist im Kern eine Entscheidungstheorie: monadische Subjekte maximieren Nutzen und Gewinne. Subjekte stehen einer fertigen Objektwelt gegenüber.

Vom „Markt“ wird angenommen, dass er den Ausgleich von Präferenzen und dieser Objektwelt automatisch herstellt. In einer solchen (mechanistischen) Theoriewelt hat weder die zentrale ökonomische Kategorie „Geld“ noch „Gesellschaft“ Platz. Ohne Geld gibt es aber keine Wirtschaft und keine Gesellschaft. Ohne Geld würde sie in kleine Gruppen (Sippen, Horden) zerfallen.

Geld ist also alles andere als neutral.

Ich begreife Wirtschaft nicht als eine Optimierung von Ressourcen, sondern als eine Kombination von Geist und Geld, die Ressourcen als Material benützt.

Um eine ökonomische Theorie zu bauen, die dieser grundlegenden Tatsache Rechnung trägt, muss die Theoriearchitektur zu einer Triade erweitert werden. Erst dann kann man die Bedeutung des Geldes für Wirtschaft und Gesellschaft verstehen. Geld ist die Verkörperung einer Relation, sagt der große Geldphilosoph Georg Simmel (1900). Es geht aus dem Tauschen hervor. Geld ist nichts anderes als die Funktionen, die es als Tausch-, und in Folge auch als Wertaufbewahrungsmittel ausübt. Im Unterschied zur Annahme der Nutzenmaximierung gehe ich von den Grundoperationen menschlichen Zusammenlebens – dem Geben, Nehmen, Ausgleichen, Nichtausgleichen, kurz: dem Tausch aus. Der Mensch will geben, um dazuzugehören. Er muss nehmen, um zu überleben. Und es ist gut, wenn ausgeglichen werden kann. Geben, Nehmen und Ausgleichen (Tauschen) sind die basalen Operationen alles Ökonomischen, Sozialen und z.T. auch Psychischen. Erst die Relationen der Individuen untereinander, das heißt deren Kommunikationen und die aus diesen Kommunikationen erwachsenen Medien (z.B. Geld) konstituieren die Wirtschaft oder Wirtschafts- oder Bürgergesellschaft. Geld trägt diesen Prozeß und ist die Basis der (zivilen) Gesellschaft als „Ordnung“. In dieser Ordnung, in der der reflektierte Bürgergeist, das moderne Unternehmertum und ein ordnender Staat als Gemeinwohlsubjekt zu Hause sind, liegt die eigentliche Produktivkraft der Menschheit begründet. Gesellschaften, die bloß reich an Ressourcen sind, sind arm! Tauschen heißt: gegen eine Geldzahlung eine Leistung erbringen. Nicht immer kann aber ausgeglichen werden oder wird ausgeglichen. Dann entstehen Schulden. Heute besteht der Besitzstand hauptsächlich aus Forderungen der einen an die anderen, denen Schulden in gleicher Höhe entgegenstehen. Forderungen/Schulden kumulieren über die Zeit und können, wie derzeit, zu Größenordnungen auswachsen, welche die Leistungskanäle „verstopfen“.

Die Wirtschaftstheorie hat die Bedeutung dieser Bestandsgrößen für wirtschaftliche Prozesse bisher weitgehend verkannt. Die triadische Theoriearchitektur führt die Wirtschaftswissenschaften wieder als Sozial- und Humanwissenschaft ein. Denn die Menschen kommunizieren und bilden dabei Gesellschaft (Soziologie), versorgen einander im Prozess des Gebens und Nehmens (Ökonomik) und verwirklichen sich selbst durch ihr Dienen aus ihren Potentialen heraus und indem sie damit eine Anerkennung erhalten (Psychologie). Die triadische Theoriearchitektur zeigt auch, dass die Gesellschaft Gestalt hat. Die Gestalt besteht aus einem Set von Eigenschaften, das relativ unabhängig davon ist, welche Bedürfnisse die Menschen haben und welche Techniken sie benutzen. Es handelt sich um „überpersönliche Gebilde der Kultur“ (Simmel), von denen Geld das hervorstechendste ist. Zur Gestalteigenschaft des Geldes gehört unter anderem:

  • die Gleichzeitigkeit von Autonomie (persönlicher Freiheit) und wechselseitiger Abhängigkeit (Arbeitsteilung),
  • die Trennung von Haushaltung und Unternehmen,
  • der Wachstumszwang der modernen Wirtschaft

– der Prometheus ist freigesetzt.

Ohne diese „überpersönlichen Gebilde“ gibt es keine Zivilisation.

Obwohl unser aller „Lebensmittel“ machen viele Geld zum Sündenbock für Fehlentwicklungen. Man hasst es und ist zugleich gierig nach Geld. Die Verdrängung und Abspaltung des Geldes ist der Nährboden für ein nicht zu verantwortendes Eigenleben des Geldwesens. Die jetzige Krise der Finanzmärkte ist dafür ein überzeugendes Beispiel.

Die Gestalt der Geldwirtschaft bedarf aber auch selbst einer Gestaltung – das spontan Gewachsene‚ bedarf einer ordnenden Hand (Taxis). Die Geldwirtschaft erzeugt Probleme, die sie selbst nicht lösen kann. Darunter das Verteilungsproblem, den ungezügelten Naturverbrauch und die Tendenz der Finanzindustrie, zu einem hypertrophen Gebilde auszuwachsen.

  • Verteilung: Dem Geld ist der Gerechtigkeitsgedanke fremd. Die zunehmende Ungleichheit führt zu sozialen Spannungen und zu ökonomischen Störungen. Damit es nicht dazu kommt, muss die Gesellschaft gegensteuern. Das Steuersystem ist radikal umzubauen: weg von Steuern auf Arbeit in Richtung auf Verbrauchs- und Ressourcensteuern. Auch die Mehrwertsteuer auf Industrie- und besonders Luxusartikel, könnte erhöht werden.
  • Ökologische Marktwirtschaft: Da die Umwelt kein Vertragspartner und daher kein Stakeholder ist, ist sie bloß Ausbeutungsobjekt. Daher auch der ungezügelte Naturverbrauch. Um zu überleben muss „die Gesellschaft“ den Naturverbrauch daher künstlich verteuern oder den Zugriff kontingentieren. Was die Steuerungstechniken betrifft, steht die Weltgesellschaft erst am Beginn.
  • Finanzindustrie und –märkte: Ohne Geld und Finanzen gibt es zwar keine Wirtschaft, aber ein Zuviel davon ist schädlich. Die Hypertrophie des Finanzsektors verzerrt die Verteilung zugunsten der Vermögenden. Der Finanzsektor kalibriert sich nicht von selbst und wächst mit den Schieflagen (strukturellen Finanzierungsdefiziten) der Wirtschaft. Zu hohe Schulden können in die Depression führen. Die gegenwärtige Finanzkrise ist eine Überschuldungskrise und kann nur durch teilweise Vernichtung von Vermögenswerten behoben werden.

Es steht uns eine schmerzhafte Phase „finanzieller Repression“ ins Haus, durch welche die bestehenden Vermögens- bzw. Schuldenbestände ab gewertet werden und der Finanzsektor auf ein normales Maß zurückzuführen ist. Maßnahmen, um ein Wiedererstarken der Finanzindustrie zu verhindern, sind die Einführung eines Vollgeldsystems, die Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanking, die Zerschlagung von Großbanken, das Verbot des automatischen Handelns, Transaktionssteuern, ein TÜV für Finanzprodukte und dergleichen. Geld hat sich als „Einrichtung“ historisch erst spät durchgesetzt und die Weltgesellschaft in eine ungeahnte Dynamik geführt. Das wollte oder konnte man bisher nicht so recht sehen.

Utopisten – wörtlich: Leute „ohne Ort“ – schwärmen von der Überwindung des Geldes. Mechanisten haben es ignoriert. Dass uns Geld und Finanzen auf den Kopf fallen, ist die Folge. Die Gegenstrategie gegen Verachtung und Verleugnung kann nur in einer großen Aussöhnung mit Geld bestehen. Aussöhnen heißt: Annehmen und aus dem Annehmen verändern. Nur so kann man in den Fluss des Lebens gehen, zu dem Geld auch dazugehört. Viele träumen von einem anderen System. Ich plädiere für einen anderen Umgang mit dem, was wir haben.

Und noch eine Kurzzusammenfassung aus dem Verlag:

Geld ist eines der großen Tabus. Je mehr wir Geld verdrängen, desto mehr beherrscht es uns. Wir können es nur beherrschen, wenn wir es annehmen und verstehen. Nicht Geld ist ein Desaster, wie uns eine Jahrhundert alte Tradition lehren möchte, sondern die Anschauungen darüber. Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts. Die Zivilisation richtet sich an Geld auf. Ohne Geld keine Freiheit, ohne Geld kein Frieden, ohne Geld keine Gesellschaft. Geld setzt die Welt auf einen dynamischen Pfad. Geld ist ein „vitales Biest“. Um mit ihm umzugehen, muss man sich ihm stellen und wissen, was es tut. Wer es als Gleitmittel der Wirtschaft denunziert, rutscht auf ihm aus. Geldgesellschaften sind offene Systeme, die eine innere Ordnung besitzen. Diese gilt es zu erkennen und einzuhalten. Das heutige Finanzsystem höhlt diese Ordnung systematisch aus. Der Rubikon ist längst überschritten, die Ungleichgewichtslagen verstärken sich systemimmanent. Die große Reinigungskrise steht erst bevor. Der Übergang zu einer nachhaltigen Geldordnung ist gedanklich vorzubereiten.

Raimund Dietz spannt in seinem neuen Buch: „Geld und Schuld“ den Bogen von einfachen Grundvorgängen des Gebens und Nehmens, Ausgleichens und Nichtausgleichens (Schuldenmachen) bis zur heutigen Finanzkrise als globaler Überschuldungskrise. Das Buch setzt sich kritisch mit der Wirtschaftstheorie – im Kern einer Theorie ohne Geld – auseinander und entwickelt einen Ansatz zur Überwindung des zentralen Defizits der Ökonomik: Geld. An die Stelle einer Theorie, deren Idol die Robinsonade ist, setzt Raimund Dietz eine ökonomische Theorie der modernen Zivilisation und des Bürgers. Die Beschäftigung mit dem Geldbegriff wird so zum Schlüssel für eine neue Haltung, ein neues Denken und ein neues Handeln.

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Zielgruppen:

Gebildete Laien, an Gesellschaftspolitik und an Nachhaltigkeit interessierte Menschen, Wissenschaftler: vor allem Ökonomen, Soziologen, Politologen, Wissenschaftstheoretiker, Theologen, Nachhaltigkeitsforscher, Psychologen; Praktiker: Unternehmer; Organisationsberater, Banker, Finanzanalysten und Vermögensverwalter; Politiker, Parlamentarier; Journalisten, Lehrer; Bildungseinrichtungen, Bibliotheken, Verbände, etc.

Das Buch will sowohl konservative, liberale und linksliberale Kräfte ansprechen. Dem kommunistischen Traum setzt es die Theorie einer Bürger-Wirtschaft entgegen. Es richtet sich sowohl an Intellektuelle als auch an Unternehmer.

Bildungsvoraussetzunge:

Der Leser/die Leserin muss kein(e) ausgebildeter Ökonom(in) sein. Die Fähigkeit und der Wille, Zusammenhänge erkennen zu wollen, sind allerdings Voraussetzung. Das Buch beginntmit der Darstellung einfacher Zusammenhänge und steigert sich im Schwierigkeitsgrad.

Vita und Kontakt:

Raimund Dietz. Dr. rer. pol., Dipl. Volkswirt. geb. 1944,. Hall/Tirol.

Sprachen: Deutsch, Englisch (Latein, Altgriechisch), Russisch

Studium der Wirtschaftswissenschaften, Politik und Mathematik in Innsbruck und Berlin.

Aus-und Weiterbildung: Etliche Mental- und Persönlichkeitstrainings. Körpertherapeutische Ausbildungen. Ausbildung als Coach und Trainer.

Beruf und Tätigkeitsfelder:

wissenschaftlicher Assistent an der Freien und Technischen Universität (1969-74), Mitarbeiter am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (1975-97), Konsulent osteuropäischer Regierungen im Auftrag der EU und OECD, Coach und Trainer, Unternehmensberatung, Publizist und Buchautor, Business Angel, Lektor an der Freien Universität Berlin, Fachhochschule Eisenstadt, Uni Krems, u.a.;

Aufsichtsrat in etlichen Firmen. Publizist und Autor. Themen derzeitig: Theorie und Philosophie des Geldes, Geist und Psyche; Theorie der Wirtschaftsgesellschaft, internationale Finanzen.

Veröffentlichungen: 4 Bücher, etwa 150 Artikel bzw. Research-Papers.

Mitgliedschaften: Beirat in European Association for the Promotion of Sustainable Development, Nationalökonomische Gesellschaft, Verein für Sozialpolitik (D); Föhrenbergkreis (Wien), und andere.

Freier Mitarbeiter: Placement Group – Wien (Lee Hecht Harrison). Sigmund Freud Privatuniversität (Wien). Projekt: Psyche und Wirtschaft. Seri (Wien).

Hobbies: Bergsteigen, Klettern, Schitouren, Tanzen, Laufen, Lesen, Schreiben!….

Privat: Verheiratet mit Monika Dietz (Psychotherapeutin), 3 Kinder, 6 Enkelkinder.

Dr. Raimund Dietz; Fehnerweg 5,  A-2380 Perchtoldsdorf

  1. +43-1-699-15233696
  2. rd@rd-coaching.at

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