GELD UND GELDSCHÖPFUNG AUF DER REALEN EBENE DER BANKEN – Arne Pfeilsticker

Arne Pfeilsticker

Geld und Geldschöpfung auf der realen Ebene der Banken

1. Motivation und Zielsetzung

Wer mit selbstgemachtem Geld Güter und Dienstleistungen kaufen und Kredite
vergeben kann, hat gegenüber allen Anderen, die für Geld gleichwertige
Gegenleistungen erbringen müssen, einen unschlagbaren Vorteil.
Hierin liegt die Relevanz und Brisanz der Frage, ob, in welchem Umfang und mit welcher
Wirkung der Finanzsektor Geld selbst herstellen und in Umlauf bringen kann.
Die überwältigende Mehrheit, einschließlich Banker, ist nach bestem Wissen und
Gewissen überzeugt, dass Banken das Geld ihrer Kunden verleihen und deshalb kein
Geld selbst herstellen. Die Fakten zeigen, dass wertmäßig über 90% aller Zahlungen mit
selbstgemachtem Geld der Geschäftsbanken geleistet werden.
Das Ziel dieser Analyse und ihrer Darstellung besteht darin, den Leser in die Lage zu
versetzen, durch eigenes Verstehen die Frage entscheiden und begründen zu können.
Die Auseinandersetzung wurde bisher auf der Ebene von Bankbilanzen geführt. – Aber
eine Bankbilanz hat mit Geld und Geldschöpfung genauso viel oder wenig zu tun, wie
eine Ligatabelle mit den erfassten realen Fußballspielen. Eine Ligatabelle „bilanziert“
spielrelevante Ergebnisse, aber die Spiele selbst sind etwas ganz anderes. Dieser
Unterschied ist bei Bankbilanzen und Geld mindestens genau so groß, jedoch kaum
bekannt. – Die allgemeine Wahrnehmung von Geld endet auf der Ebene von Banknote
und Bankkonten.
Diese Wahrnehmung führt auch zu der Behauptung: „Banken schöpfen Geld aus dem
Nichts.“ Diese Behauptung ist vergleichbar mit der These: „Pflanzen wachsen aus dem
Nichts.“ Diese Aussage ignoriert die Bedeutung der Biosphäre für das Wachstum von
Pflanzen. Die Rechtsordnung ist die „Biosphäre“ für Geld und Geldschöpfung und wird
bei der „Geldschöpfung aus dem Nichts“-These nicht beachtet. In dieser Studie wird die
Bedeutung der Rechtsordnung für Geld dargelegt. Zur Verdeutlichung wird gezeigt, wie
durch einen einzigen zusätzlichen Paragrafen alles Geld und der gesamten Finanzsektor
schlagartig vernichtet werden könnte. Der Zusatz lautet: Ansprüche auf Geld sind
nichtig.1
Wenn die Ligatabelle alles ist, was man über Fußball weiß, dann wäre ein reales
Fußballspiel eine ziemliche Überraschung. Eine ähnliche Überraschung bietet diese
Analyse demjenigen, der Münzen, Banknoten und die Daten auf Girokonten für Geld hält.
Die Analyse zeigt, dass Münzen, Banknoten und die Daten auf Girokonten Geld lediglich
nachweisen, aber nicht das reale Phänomen Geld sind. Das reale Phänomen Geld ist
etwas ganz anderes. Der Unterschied ist so ähnlich wie der zwischen einem
Personalausweis und der ausgewiesenen Person. Ein Personalausweis weist eine Person
aus, aber die ausgewiesene reale Person ist etwas ganz anderes.
Egal wie lange man einen Personalausweis studiert, die reale Person kann und wird man
auf diese Art weder kennen lernen noch verstehen; analoges gilt für Bankbilanzen und
Geld. Deshalb wird Geld auf der realen Ebene und unabhängig von Bilanzen detailliert
beschrieben und anschaulich dargestellt.
1 Der Beweis, warum und wie dieser Zusatz Geld und den gesamten Finanzsektor
vernichten könnte, findet sich in Kapitel 4.3.1
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2. Zusammenfassung

Eine Bilanz ist Dokumentation und Interpretation der realen Ebene, aber nicht die reale
Ebne selbst, in der Geld existiert. Buchungssätze dokumentieren, filtern und bewerten
vermögensrelevante Geschäftsvorfälle und bilden damit die reale Ebene eines
Unternehmens in einer ganz bestimmten Art und Weise ab.
Auf der Basis der realen Ebene von Banken wird eine funktionale Definition entwickelt,
die alle notwendigen und hinreichenden Anforderungen für alle Arten von Geld zu allen
Zeiten und allen Kulturen spezifiziert. Materielle Definitionen implementieren diese
Anforderungen und führen so zu den bekannten Geldarten, wie z.B. Warengeld,
Kurantgeld, Kreditgeld, Finanzinstrumente, Vollgeld oder Bitcoins.
Das reale Phänomen Geld und Geldschöpfung legen nahe, den Geldbegriff und die
Abgrenzung der Geldmengen zu überdenken.
Die Analyse ergab, dass Geldschöpfung nicht nur für Banken möglich ist, aber nur für
Banken bestehen die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen, die ihr
geschöpftes Geld zu Zahlungsmittel machen. Diese Rahmenbedingungen sind aber die
Voraussetzung, um aus der Geldschöpfung einen Gewinn zu ziehen.
Überraschender Weise hat die Analyse auf der realen Ebene Widersprüche in der
Bilanzierung aufgedeckt. Erhebliche Vermögenwerte fehlen in der Bilanz und die
Wertansätze für Forderungen und Verbindlichkeiten sind überwiegend falsch, d.h.
betroffen sind wertmäßig ca. 80-90% der Bilanzsumme.
Woher kommt die Macht des Geldes ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus der
Analyse der realen Ebene.
Im Detail werden in dieser Studie folgende Ergebnisse begründet:
1. Geld: Alle Rechtsansprüche auf Geld sind Geld im weiten Sinne.
2. Geldschöpfung: Jeder neue Anspruch auf Geld.
3. Bar- und Giralgeld: Ansprüche auf Geld werden zu Geld im engeren Sinne, wenn
es Rahmenbedingungen gibt, in denen Forderungen zur Begleichung von
Verbindlichkeiten verwendet werden (Zahlungsmittelfunktion).
4. Wenn der Punkt 3. nicht erfüllt ist, dann können Forderungen dennoch Geld i.e.S.
sein, wenn es Märkte oder Vereinbarungen gibt, in denen diese Forderungen
effizient und nahezu pari in Bar- oder Giralgeld umgetauscht werden können.
(z.B. Geldmarktpapiere)
5. Die Summe der Passiva aller Bankbilanzen weisen Geld nach, das der
Finanzsektor selbst hergestellt hat.
6. Nicht nur die Auszahlung eines Kredits, sondern alle Zahlungen von Banken an
Nichtbanken führen direkt oder indirekt zu einer Geldschöpfung.
7. Nicht nur die Tilgung eines Kredits, sondern alle Zahlungen von Nichtbank an
eine Bank führen direkt oder indirekt zu einer Geldvernichtung.

Die vollständige Studie ist unter https://www.hidrive.strato.com/lnk/2oAEPJ05 einzusehen.