EIN (unvollständiger) KONZEPTVORSCHLAG ZUR SYSTEMATISCHEN HERANGEHENSWEISE AN EINE REFORM DER GELDORDNUNG

Ein (unvollständiger!) Konzeptvorschlag zur systematischen Herangehensweise an eine Reform der Geldordnung. (Günther Hoppenberger, Dezember 2016)

 1. Ausgangsthesen:

  • Alle Probleme dieser Welt haben etwas mit unserer Haltung gegenüber und unserem Verständnis (bzw. Unverständnis) von Geld zu tun.
  • Die durch die jeweils herrschenden Machtstrukturen geprägte Rechtsordnung, brachte besonders in Bezug auf Geld und Finanzen ein als stillschweigend unantastbar angesehenes Regelwerk zur Steuerung aller gesellschaftlichen Beziehungsflüsse hervor.
  • Dieses Regelwerk, die Geldordnung, erweist sich zunehmend als nicht mehr zeitgemäß. Es lassen sich damit die Anforderungen entwickelter Gesellschaften zu einem natürlichen, friedlichen Zusammenleben, nicht länger erfüllen.
  • Alle Probleme, mit denen sich die heutige Politik und die Bevölkerungen konfrontiert sehen, haben ihren Ursprung in der versagenden Geldordnung.
  • Dennoch ist die Geldordnung das größte Tabuthema unserer Zeit.

Dieses Konzept ist ein Versuch, zur Enttabuisierung dieses lebensbestimmenden Themas beizutragen.

2. Das Recht zur Geldschöpfung:

Es leuchtet ein, dass in einem demokratisch verwalteten Staat die Oberhoheit über die Spielregeln des Geldes dem Souverän, also der Bürgergesellschaft, zusteht. Die meisten Menschen glauben ja sogar, dass das ohnehin so wäre. In Wahrheit stehen jedoch in überwiegendem Maße Bankengeld und daraus abgeleitete Geldsurrogate in Verwendung. Diese Entwicklung fand durch die – an sich ja sehr vernünftige – Zunahme des bargeldlosen Zahlungsverkehrs statt, wurde jedoch durch die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung und dem damit verbundenen kreativen Zahlenzauber zur Geld-ohne-Wert-Vermehrung exzessiv überzogen (Die unkontrollierbare Eigendynamik technischer Möglichkeiten überdehnt unsere Lebensbezüge).

Mittlerweile hat das Bankensystem die Staaten, und somit die Bürger, in Geiselhaft genommen und bestimmt über die gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Daher muss der logische erste Schritt lauten:

3. Monetative / Vollgeld:

Es ist das Rechtssystem dahingehend zu verändern, dass einzig und allein einer als vierte staatliche Gewalt eingerichteten Institution (dafür wird der Name „Monetative“ vorgeschlagen), das Recht der Geldschöpfung unter demokratischer Kontrolle zusteht. Dass also auch das heutige – so genannte – Buchgeld, tatsächliches, staatlich garantiertes Geld und nicht nur eine Forderung auf Geld gegenüber den Banken ist.

So weit, so gut. Aber:

4. Vollgeld als Lösung?

Nein! Vollgeld als erster Schritt! Vollgeld verschafft Staaten vor allem politische Handlungsfähigkeit. Es wirft jedoch auch zahllose offene Fragen auf, die weit über das rein mechanistische Konstrukt, über das höchst wahrscheinlich sinnvoll Mögliche, hinausgehen. Mit Vollgeld wäre nicht nur die eigentlich anstehende Geldreform erst eröffnet, sondern überhaupt erst möglich.

Abzuarbeitende Fragen und Begriffsfelder daher:

4.1  Die Machtfrage.

Vollgeld bewirkt eine Veränderung der Machtstrukturen. Eine Stärkung des Souveräns. Andererseits braucht es dazu bereits zur Einführung des Vollgeldes einen nur sehr schwer vorstellbaren Machtverzicht. Und es sollte ja ein Machtverzicht aus Einsicht sein!

  • Macht – Verantwortung – Autorität
  • Zumutbarkeiten im gesellschaftlichen Kontext
  • Definition und Interpretation eines kollektiven Wollens (Bürgerkonvent?)
  • Haltung in der Wertefrage. (Standhaftigkeit kann auch Nachteile bis zu Gefahr für Leib und Seele nach sich ziehen!)

4.2  Sinn und Zweck einer Geldordnung:

  • Was bedeutet „Dienst an der Gesellschaftsentwicklung und Bewahrung der Schöpfung?“
  • Ist die Forderung von Verhaltensänderungen gegenüber anderen zulässig?
  • Sind Wirtschaft und Kompensationssystem tatsächlich 2 Seiten ein- und derselben Medaille? Ist Entkoppelung möglich?
  • Soll Spekulation zur Hortung von Kompensationsmittel grundsätzlich als Teil des Wirtschaftssystems zulässig sein? (oder eher den Wettbüros – staatlich (?) – privat (?) – vorbehalten bleiben?)
  • Soll Wissen patentierbar sein? (Gibt es überhaupt Erfindungen, oder sind sie nur Entdeckungen von Möglichkeiten?)
  • Soll eine Geldordnung alles Machbare unterstützen?

4.3  Geldordnung und Weltbilder

  • Leben, menschliches Leben, hat Sinn und verleiht damit grundsätzlich auch den belebten und unbelebten Gegebenheiten ihren Sinn im zeitlichen Kontext.
  • Sparsamer Umgang mit nichterneuerbaren Ressourcen ist daher geboten.

4.4  Geldordnung und Menschenbilder

  • Der Mensch als sinnzentriertes Wesen ist auch – und besonders – ein soziales Wesen.
  • Als soziales Wesen ist der Mensch auf das innerhalb einer Gesellschaft vereinbarte Kompensationsmittel im sozialen Austausch angewiesen.
  • Bedingtes Grundeinkommen, oder bedingungsloses Grundeinkommen?

4.5  Worum geht es bei Wachstum?

  • Soll Geld nach „Gebrauch“, nach der Werteschaffung, wieder verschwinden?
  • Fließendes Geld? „Rostendes“ Geld? „Schwundgeld“?

4.6  Worum geht es beim Standortwettbewerb?

  • Ist Entsolidarisierung durch Steuerwettbewerb zulässig?
  • Ist Steuerwettbewerb zu verhindern?
  • Tragfähige internationale Abkommen möglich?
  • Ist Vorteilsdenken mit Aneignung fremden Eigentums – gewaltsam (Kriege), oder auch gewaltlos (durch entsprechende Rechtsetzung) – mit dementsprechend konstruierter Geldordnung zu überwinden?
  • Können mit entsprechender Geldordnung Lebensängste in Produktivität (schaffend und/oder im Sozialerlebnis) transformiert werden?
  • Ist „Umverteilung“ durch Vermögenssteuern ein nachhaltiger Weg?

5. Internationaler Güter- und Wissenstausch („Globalisierung“).

  • Sind fortwährende Exportüberschüsse volkswirtschaftlich vernünftig, oder schaffen sie erst die eigentlichen Krisenszenarien?
  • Dienen „stolze“ Exportüberschüsse nicht nur zur Verschuldung des Auslands? (Macht und Wirtschaftsimperialismus)
  • Könnte ein neues „Bretton Woods“ mit entsprechend zeitgemäßen internationalen Vereinbarungen dem abhelfen?

6. Was bereits unabhängig von einer Vollgeldreform angegangen werden müsste, aber aus Knebelung in der finanziellen Abhängigkeit nicht gewagt wird:

  • Schließung von Steueroasen, Schattenbanken und so genannten Zweckgesellschaften.
  • Finanztransaktionssteuern – die allerdings auch den Derivatehandel erfassen müssten.
  • Unterbindung von Hochfrequenzhandel (wie das vom – noch – Vollgeld-Skeptiker, Stephan Schulmeister, mit 2-3 täglichen Auktionsterminen angeregt wird).

Aus heutiger Sicht der Weltlage wäre eine Neukonsolidierung der  Staatengemeinschaft mit Stärkung des internationalen Gedankenaustauschs auf Ebene der durch hegemoniale Ansprüche in ihrer Bedeutung zurückgedrängten UNO ein wesentlicher Schritt. Es geht um die Klärung von gegenseitiger Achtung und Anerkennung, um Bekenntnisse zum Zusammenleben als gemeinsamer Lebensgrundlage. Die Unterstellung der internationalen Finanzarchitektur, die über die Lebensmöglichkeiten der Völker bestimmt, unter UNO Hoheit, erscheint naheliegend.