DER SOMMER GEHT ZUR NEIGE ……

höchste Zeit, sich nach der sommerlichen Besinnungsphase wieder fallweise zu den besorgniserregenden gesellschaftlichen Entwicklungen zu äußern. Eigentlich weiß ich gar nicht, wo zu beginnen.

Die in Österreich stattgefundenen sogenannten „Sommergespräche“ mit Politikern legen den Schluss nahe, dass Politiker die Sommermonate gerade eben nicht zur Besinnung auf ihre eigentlichen Aufgaben verwenden, sondern im üblichen parteitaktischen Denken ihrem persönlichen Profilierungsanliegen nachgehen. Erhellendes war deshalb nicht zu erwarten. Die Moderatoren setzten deshalb mit ihren Fragen immer wieder besondere Schwerpunkte bezüglich parteiinterner Grabenkämpfe. Es wird in den Diskussionen der Eindruck erweckt, dass es den Moderatoren besonders darum geht, der Öffentlichkeit vor allem ein Scheitern und Versagen des Interviewten vor Augen zu führen. Wahrscheinlich wird damit auf hohe Einschaltquoten spekuliert. Ein Beitrag zum Gemeinsamkeitsbewusstsein der Bevölkerung wurde damit jedenfalls nicht geliefert und war auch offensichtlich gar nicht beabsichtigt.

Was gab es denn sonst noch? Eine Erhöhung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf zwei kurzen Autobahnteilstücken zu Testzwecken. Was man dabei beobachten möchte, bleibt rätselhaft. Einmal mehr zeigt sich der Durchschnittsbürger vernünftiger als die Politik. Wie ich auf oftmaligen Fahrten auf diesen Teilstücken bisher beobachten konnte, wird das erhöhte Tempolimit gar nicht angenommen. Die Zahl der eiligen Verrückten war an einer Hand abzuzählen und unterschied sich in der Häufigkeit nicht zu den Zeiten mit 130er Beschränkung. Der nächste Anlauf, um die Aufmerksamkeit von Wesentlichem abzulenken ist aber bereits in Ausarbeitung: Rechtabbiegemöglichkeit bei Rot. Angeblich soll das dem Verkehrsfluss dienen. Fast könnte man diese Argumentation als Spiegelbild politischen Handelns sehen: Wesen, Sinn und Bedeutung von Zielen treten gegenüber der Geschwindigkeit in den Hintergrund.

Gerade der vergangene Sommer hat ja drastisch gezeigt, wie vehement uns die Auswirkungen des Klimawandels näher rücken. Vollmundig und mit treuherzigem Augenaufschlag werden zwar Bekenntnisse zu (wahrscheinlich bereits zu späten)  Maßnahmen für die Erhaltung der Lebensgrundlagen auf Erden abgegeben, die tatsächlichen Weichenstellungen entlarven sie jedoch als leere Lippenbekenntnisse. Wie sonst, könnte man das verstehen, wenn die gestiegenen Passagierzahlen auf Kreuzfahrtschiffen und Billigfliegern als positive Nachrichten bejubelt werden? Sollte man nicht viel eher in einem harmlosen ersten Schritt jegliche Werbung dafür verbieten? Oder sollte man nicht vielleicht auch den Autobauern für Verbrennungsmotoren PS-Beschränkungen auferlegen? Oder: Kreuzfahrtschiffe dürfen nicht für mehr als 250 Passagiere ausgelegt sein, und, und, und…Alles nur eine Frage des politischen Willens.

Ja, ja; ich weiß, da sind wir wieder beim Geld und das steht in der derzeitigen Konstruktion unseres Systems eben gnadenlos über jeder Vernunft. Lieber lassen wir uns von Terrorinszenierungen aus wirtschaftlichen Gründen schocken und geben uns genüsslich mit den offiziellen Erklärungen religiöser oder rassistischer Verursachung zufrieden. Neue Phantasien von Grenzänderungen (z.B. Kosovo), oder die bewusst provokante Verlegung Israels Hauptstadt nach Jerusalem, werden ethnisch begründet und halten die internationalen Krisenherde am Köcheln. Jederzeit entzündbar.

Die unter dem scheinheiligen Vorwand „Demokratisierung“ zur Destabilisierung auserwählten Länder, wurden zu dauerhaften internationalen Aufmarschgebieten zur Erprobung neuester Waffentechnologien. Die Politik braucht keinen Frieden; die Bürger bräuchten ihn. Die Politik braucht kriegsgewohnte Bevölkerungen, für die Gewalt und Töten zur Normalität zählt und die sich dadurch auch leicht dazu missbrauchen lassen. Als Täter und Opfer. Niemand kommt schließlich mit der Bestimmung als Mörder zur Welt. Das muss erst anerzogen und trainiert werden. Durch großzügige Bereitstellung von Waffen und Ausrüstung, durch Ausgestaltung des Umfeldes mit Ausweglosigkeit und durch Fernhalten von jeglicher zwischenmenschlicher Empathie.

Bei Anne Will ging es letzten Sonntag (2.9.2018) um die Frage, ob im Zusammenhang mit den gewalttätigen Auseinandersetzungen in Chemnitz die Aussage des sächsischen Ministerpräsidenten, Michael Kretschmer, zutreffend ist, dass gegenüber dem physisch wie geistig ungustiösen Mob der meist mit Tätowierung und Glatze gebrandmarkten Rechtsradikalen, „das staatliche Gewaltmonopol zu jeder Zeit behauptet werden konnte“. Das hat mich zur Überlegung veranlasst, ob das staatliche Gewaltmonopol nicht vielleicht viel seltener, wenn überhaupt, herausgefordert würde, hätte der Staat das tatsächliche Geldmonopol inne, mit dem er sich vom Zwang der Gewinnerbringung für „die Märkte“ befreien und gemeinwohlorientiert gesellschaftsformend wirken könnte.

Die Weichen scheinen anders gestellt zu sein. Durch die finanzielle Erpressbarkeit der Staaten scheint sich die Ehr- und Würdelosigkeit beängstigend auszubreiten. Und das geht sogar so weit, dass solcherart lebensabträgliche politische Entscheidungen bereits der persönlichen Erwartungshaltung der Normalbürger zu entsprechen scheinen. In diesem Zusammenhang sei übrigens das neue Buch von Gerald Hüther, „WÜRDE“, wärmstens anempfohlen!

Sollte man also angesichts der Weltlage vielleicht resignierend „alle Hoffnung fahren lassen“? Noch lautet meine Antwort: NIEMALS!

Bis demnächst. Bleiben Sie zuversichtlich – aber wachsam.

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