DAS GELDTHEMA IM GESPRÄCH – Eine Anregung zum Nachdenken

Es erstaunt mich immer wieder, wie merkwürdig zum Teil hochintelligente Menschen reagieren, wenn das Gespräch auf das Geldthema kommt. Dabei gibt es ja kaum irgendwelche gesellschaftsrelevanten Themen, die man ohne Berücksichtigung des Geldaspekts erschöpfend behandeln könnte. In der Folge enden dann selbst spannendste Themen im Smalltalk. Ein geistiges Cocooning in selbstgebastelten Scheinwelten greift Raum. Eine von Angst geleitete Ablehnung von allem, was zum unvoreingenommenen Nachdenken anregen, oder gar an der Fassade der Scheinwelt kratzen könnte.

Wenn aber selbst die bürgerliche Mitte nicht mehr gegen Stammtischattitüden gefeit ist, sind Sorgen über gesellschaftliche Entwicklungen höchst angebracht.

Es ist mir unverständlich, wie man seriös über all die großen globalen Probleme und über verschiedene Ansichten zu Aufgabenstellungen für eine tragfähige Zukunftsgestaltung diskutieren kann, ohne die hinter allem stehende Konstruktion der Geldordnung zu berücksichtigen. Und genauso unverständlich ist es mir, wie man sogar auch nur über die unzähligen meist banalen tagespolitischen Ereignisse sinnvoll ohne Bedachtnahme auf die Geldthematik reflektieren kann.

Unser aller Leben wird doch zweifelsfrei vom Geld bestimmt. Sowohl das Leben derer, die vermeintlich Geld im Überfluss haben, wie auch jener, die an einem Überfluss an Geldmangel leiden. Die Überlebensnotwendigkeit für beide, sich zur gemeinsamen Gesellschaftsgestaltung zu arrangieren, birgt jedoch die Brisanz der Konfrontation in sich, obwohl es in einer Gesellschaft doch vielmehr um Kooperation gehen sollte, wenn wir eine Zukunft wollen.

Und so scheint es, dass wir uns umso weniger mit der Funktionsweise unseres Geldes auseinandersetzen wollen, je mehr diese zum bestimmenden Entscheidungskriterium unserer Lebensführung wurde. Manche geben sich mit der Geschichte des Geldes zufrieden, schwadronieren über die Phönizier, Kaurimuscheln und Tauschhandel, scheuen jedoch sich der Frage zu stellen, wie eigentlich unser heutiges Geld funktioniert. Manche sehen alles Übel im Geldzins, andere vermuten – ohne Begründung – das Heil in der Rückkehr zum Goldstandard. Man weiß es eben – und vor allem weiß man es besser als die Wirtschaftsweisen und auf jeden Fall besser als die Politiker, die ohnehin nur das Geld der Bürger verprassen. Man weiß es aus anerzogener Gewöhnung. Lösungen sind also schnell zur Hand – allerdings ohne vorher das Problem erforscht zu haben. Die einen verstehen unter Lösung alles, was ihnen eine weitere Erhöhung des Überflusses ermöglicht, die anderen anerkennen als Lösung nur die Milderung ihres Geldmangels und rufen nach Umverteilung. Besonders sind Lösungen auf die Verhaltensänderung der jeweils anderen ausgerichtet. So einfach ist es. Oder doch nicht?

Bezugnahme auf Vergangenes, „als alles noch viel besser war und als die Wirtschaft noch funktionierte“, hilft uns aber ebenso wenig weiter, wie die Berufung auf die großen Denker der Geschichte, denn wir haben nicht nur die Welt zu dem verändert, wie sie heute ist, sondern zugleich auch unser globales Beziehungsverhalten. Gefragt ist daher neues Denken im Kontext unserer heutigen Zeit! Eigentlich eine einfache Übung – sollte man meinen: Was finden wir heute vor? Wie soll es sein, dass es den gemeinsam erarbeiteten Vorstellungen über Zukünftiges entspricht? Wie kommen wir dorthin? Letzteres ist  die Frage nach tauglichen Hilfskonstrukten für eine vergesellschaftete Lebensführung.

Als ebenso geniales, wie zur Gesellschaftsformung unverzichtbares (R.Dietz; Geld und Schuld) Hilfskonstrukt wird sich dabei das Geld erweisen. Wie müssen wir die Geldordnung gestalten, damit sie unsere gemeinsamen Zukunftsvorstellungen am besten unterstützt? Da wir uns jedoch in einem laufenden gesellschaftlichen Prozess befinden, der allerdings zunehmende Sorge hervorruft, geht es um einen Wandel. Quasi um einen Wandel bei laufendem Betrieb. Und man muss daher die Frage stellen, wie die Konstruktion der heutigen Geldordnung verändert werden müsste, um uns nicht mehr weiter an einer gesellschaftlichen Entwicklung in Frieden zu hindern. Denn alle politischen Probleme haben ihren Ursprung in der – mittlerweile – versagenden Geldordnung.

Es ist ja nicht „die Wirtschaft“, die zu den beklagten Deformierungen des politischen und kulturellen Systems führte, sondern es ist die Finanzwirtschaft, durch die der Mensch nicht mehr als Person wahrgenommen wird, sondern nur mehr als Nutzenmaximierer im Sinne seiner Geldwert steigernden Funktion. Deshalb sollte die schwerpunktmäßige Beschäftigung mit der Geldordnung zu einem allgemeinen Anliegen werden. Gerade auch deshalb, weil das Geldthema das größte Tabuthema unserer Zeit zu sein scheint – und das sollte doch eigentlich stutzig machen. Alles dreht sich ums Geld, aber es darf darüber nicht gesprochen werden?

Keine Angst! Ich werde jetzt nicht zum hundertfünfzigsten Mal über die Systemfehler in unserer Geldordnung schreiben. Da ich jedoch immer wieder mit Erschütterung zur Kenntnis nehmen muss, dass selbst intelligente Menschen beim Geldthema sofort abschalten, weil sie meinen, sie verstünden das ohnehin nicht, oder weil sie meinen, es müsste sie nicht interessieren, weil es sie nicht betrifft, versuche ich diese reflexartigen Denkbarrieren einmal anders aufzubrechen: Mit Sokrates, denn die Antworten liegen ja bereits in den Fragen vor, und mit Einstein, der erkannte, dass wir neue/andere Fragen stellen müssen, um zu anderen Ergebnissen zu gelangen.

Ich werde nun wahllos einige Thesen, Fragen, Behauptungen und Aphorismen auflisten und sie dem Leser zur gedanklichen Bearbeitung überlassen. Es geht jedoch nicht nur um spontane Zustimmung oder Ablehnung, sondern in beiden Fällen wird es um die sorgfältige Begründung gehen. Dabei ist besonders die Unterdrückung eigener Ängste, persönlicher Interessen und mainstream-geschürter Vorurteile angeraten. Ohne jemals das Ergebnis dieser Denkarbeit zu erfahren, bin ich fest überzeugt, dass wer auch immer sich dieser Übung mit entsprechender Ernsthaftigkeit unterzieht, am Ende mit Fug und Recht wird behaupten können, bei „Geld“ und „Gesellschaftspolitik“ einigermaßen mitreden zu können.

Vielleicht noch eine abschließende Empfehlung: Lesen sie jetzt nicht alle nachstehenden Punkte in einem Stück, sondern gehen sie Punkt für Punkt vor. (Soviel möchte ich verraten: Es sind rund 60 – bei täglich einem, genug für 2 Monate)

Nun denn:

  • Alle politischen und kulturellen Probleme haben ihren Ursprung in der versagenden Geldordnung.
  • Geld kommt in der Natur nicht vor und es entsteht auch nicht durch Arbeit.
  • Durch Arbeit entstehen Werte, aber kein Geld.
  • Zu arbeiten – besonders fremdbestimmt – muss man sich leisten können.
  • In einer hochgradig arbeitsteiligen Gesellschaft braucht jeder Geld als Überlebensmittel.
  • Geld muss vorgängig zur Werteschaffung/Arbeit verfügbar sein.
  • Geld entsteht durch Kredit – und wird daher mit Kredittilgung wieder vernichtet.
  • Einkommen kann ich nur aus bereits existierendem Geld beziehen.
  • Einkommen wird gemäß den jeweils herrschenden Machtstrukturen und den daraus abgeleiteten gesetzlichen oder privat vereinbarten Bedingungen zugewiesen.
  • Bargeld, das ausschließlich von den Zentralbanken geschöpft (erzeugt) werden darf, ist das einzige, gesetzlich anzuerkennende Zahlungsmittel.
  • An Bargeld kommt man (außer bei Diebstahl) nur, wenn man einen positiven Kontostand vorweisen kann.
  • Meine Bank, von der ich das Bargeld ausgezahlt haben möchte, muss sich dieses von der Zentralbank (oder indirekt über den Interbankenmarkt) gegen Sicherheitsleistung, bzw. als Kredit ausleihen.
  • Bargeld ist nur eine andere Erscheinungsform von Zentralbank-Buchgeld.
  • Daneben gibt es das von den Banken selbst mit jeder Kreditvergabe erzeugte Buchgeld.
  • Schulden und Guthaben (Forderungen auf Geld) sind im Gesamtsystem stets gleich hoch.
  • Das Banken-Buchgeld ist mit rund 85-90% das überwiegende Zahlungsmittel im Wirtschaftsgeschehen.
  • So genannte Überweisungen sind Übertragungen von in Zahlen ausgedrückten Forderungen auf Geld gegenüber der Bank.
  • Unter Voraussetzung des Vertrauens in das Bankensystem, wird eine „Überweisung“ üblicherweise vom Empfänger als Bezahlung akzeptiert.
  • Die Buchgeldschöpfung der Geschäftsbanken ist ein Privileg gegenüber allen anderen Wirtschaftssubjekten.
  • Ähnlich wie die verschiedenen, von den einzelnen Banken herausgegebenen Banknoten zur Gründung der Zentralbanken führte, sollte auch die Buchgeldschöpfung der Geschäftsbanken verboten werden.
  • Das Recht zur Geldschöpfung soll einzig und allein dem Souverän zustehen.
  • Die Geldschöpfung soll einer unabhängigen, parlamentarisch kontrollierten Institution unterstellt werden („Monetative“ als vierte staatliche Gewalt).
  • So genannte Guthaben (positive Zahl auf dem Konto), können selbst nur aus eigener Kreditschuld oder aus Kreditschuld anderer entstanden sein.
  • Damit Banken das tun, was sie behaupten zu tun und woran die Bevölkerungsmehrheit immer noch glaubt, nämlich Geld der Sparer (ist bereits Kreditschuld anderer) anzunehmen und an Kreditnehmer zu verleihen, sollten sie nicht eigenes Buchgeld schöpfen dürfen.
  • Eine Vollgeldreform (positive money) würde die Zahlen auf den Konten zu echtem Geld machen.
  • Nur gezielt, durch zeitliche Bindung, den Banken im Bewusstsein des Risikos überantwortetes echtes Geld, wie auch das von der „Monetative“ gegen Sicherheiten kreditierte Geld, soll Banken zur Kreditvergabe in der Realwirtschaft zur Verfügung stehen.
  • Alle nicht dezitiert zur Verleihung zur Verfügung gestellte Kontozahlen sind außerhalb der Bankenbilanz (damit tatsächlich sicher) und dienen als echtes Geld dem persönlichen Zahlungsverkehr (natürlich gegen entsprechende Dienstleistungsgebühr).
  • Erst mit einer Vollgeldreform kann der Souverän (das sind wir!) gesellschaftspolitisch wieder handlungsfähig werden.
  • Spielregeln, bei denen die Gewinnchancen für alle Beteiligten nicht gleich verteilt sind, gehören überarbeitet.
  • Vielfach beklagte und als unnötig betrachtete Kosten sind Einnahmemöglichkeiten für andere.
  • Sparen bedeutet das Vorenthalten von Einnahmemöglichkeiten für andere.
  • Die nationale Wirtschaft spielt sich zwischen den 3 Sektoren Unternehmen, Haushalte und Staat ab (+Außenhandel).
  • Von einem Sektor nicht ausgegebenes Geld, steht den anderen Sektoren nicht als Einnahme zur Verfügung.
  • In einer Volkswirtschaft nicht ausgegebenes Geld bleibt nicht in einer Art Dagobert Duck’schem Geldspeicher übrig, sondern es existiert ganz einfach nicht.
  • Es geht nicht so sehr darum wie viel Geld ausgegeben wird, als um das Wofür.
  • Gerade die Ausgaben für die gesellschaftlich wichtigsten Belange „rechnen“ sich nicht.
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit schafft Konflikte.
  • Wachstum ist eine in Zahlen ausgedrückte Geldgrößenrelation.
  • Wachstum bedeutet Zunahme der globalen Gesamtverschuldung (+Ressourcebverbrauch!).
  • Eine Entkoppelung von existenzsicherndem Einkommen und Arbeit wäre in der heute hoch automatisierten Wirtschaft angezeigt.
  • Sinnvolle Betätigungsfelder eröffnen, ja, aber Erwerbsarbeitsplätze schaffen kann weder ein gesellschaftliches, noch ein unternehmerisches Ziel sein.
  • Ohne Neukonstruktion der Geldordnung kann es keinen Frieden geben.
  • Die derzeitige Geldordnung erpresst ökologisches und soziales Fehlverhalten.
  • Armut hat ihre Ursachen in jeder Art von Politik, die unbeirrt an der Geldordnung festhalten will.
  • Widmung und Hingabe sind die missachteten Schlüsselbegriffe jeder funktionierenden Gesellschaft.
  • 99% wissen nicht wie unser Geld entsteht und das 1% nützt diese Unwissenheit schamlos aus.
  • Das dümmste Prinzip ist das TINA-Prinzip (There Is No Alternative).
  • Unser jetziges System erodiert den gesellschaftlichen Zusammenhalt und führt zu Radikalismen durch zwangsläufige Aggression im angestachelten Überlebenskampf, den wir als Wettbewerb bezeichnen.
  • Der eigentliche Wettbewerb in der Welt wird von narzisstischen Eliten über die Geldordnung ausgetragen. Sie trachten ihre Bevökerungen nach dem Teile-und-Herrsche-Prinzip in internen und grenzüberschreitenden Rivalitätskämpfen zu halten.
  • Der Finanzkapitalismus verhindert die Entwicklung einer tatsächlich der Menschheit dienenden Marktwirtschaft.
  • Markt ist nicht gleich Demokratie ist nicht gleich Kapitalismus.
  • Von Menschen gemachte Systeme sind veränderbar. Unsere Geldordnung ist nicht gottgegeben.
  • Die Natur, das ist unser aller Lebensgrundlage, kann in einem auf unnatürlichem Wachstum beruhenden System nicht bewahrt werden.
  • Nicht alles was machbar ist sollte auch als gesellschaftlicher Fortschritt gesehen werden.
  • In unserer angeblichen Solidargemeinschaft sollte es eigentlich überraschen, dass es von Beziehern schamlos überhöhter Einkommen noch nie zu einer Beschwerde wegen Ungerechtigkeit kam.
  • „Globalisierung“ bedeutet die Möglichkeit, sich weltweit der am leichtesten zu Billigstlöhnen oder Zwangsarbeit erpressbaren Arbeitskräfte bedienen zu können.
  • „Wirtschaften“ als natürliches Anliegen von gesellschaftlicher Werteschaffung und Werteerhaltung wurde mit dem zunehmenden Versagen der künstlich aufrecht erhaltenen Geldordnung zu reinem Geldgewinnstreben pervertiert.
  • Man sollte nicht gedankenlos davon ausgehen, dass in unserer Herrschaftsform, selbst wenn uns diese als „demokratisch“ vorgegaukelt wird, das Überlebens-Interesse der breiten Bevölkerung im Mittelpunkt steht.
  • Alle Probleme sind menschengemacht. Sie erwachsen jedoch nicht aus der Natur des Menschen, sondern im Kontext von Systemen, die die menschliche Natur zu ihrem Selbsterhalt manipulieren und missbrauchen.
  • In erschreckender Deutlichkeit zeigt sich, dass die Volksvertreter nicht bereit sind, sich auch nur ansatzweise mit der Bedeutung der Geldordnung für die gesellschaftliche Entwicklung kritisch auseinander zu setzen.
  • Armut und Reichtum sind Relationsgrößen der Macht.

Bei dieser Auswahl von – wie ich meine – lebensrelevanter Denksportanimation will ich es einmal belassen und wünsche vergnügliches und erfüllendes Nachdenken; allein oder gemeinsam mit Freunden, auf Spaziergängen oder daheim in der gemütlichen Stube. Wenn das zur Erweiterung des Blickfeldes, oder gar zu kreativen Impulsen für politische und/oder kulturelle Initiativen führt, hätte mein Text seinen Zweck erfüllt.

Dr. Günther Hoppenberger, im Februar 2017

Übrigens: Schmökern auf www.lifesense.at lohnt immer