Das Bedürfnis zu töten und zu zerstören liegt tiefer als in Machtansprüchen

Es erscheint mir viel zu kurz gegriffen, sich achselzuckend damit zu bescheiden, dass es sich bei jeder kriegerischen Auseinandersetzung natürlich um geopolitische Machtspiele handelt. Denn das wirksame Prinzip der Macht ist die Erpressung. Erst wenn diese versagt, weil das zur Anwendung gebrachte Machtmittel als solches nicht akzeptiert wird, kommt es zu Gewalt und Krieg. Jeder Krieg beruht daher auf einem Versagen der Machtausübung. Im Krieg geht das eigentliche Ziel des Machtstrebens ja verloren. Da zählt nur mehr materielle und strategische Überlegenheit, um sich in Trotzaktionen durch Morde und Zerstörungen auszutoben um damit das jämmerliche eigene Leben unter der Decke zu halten. Verdrängung durch Leiderzeugung an Dritten.

Angeblich hat die Weltbevölkerung eine zivilisatorische Entwicklung erfahren, doch Bilder aus Kriegsgebieten sprechen da eine ganz andere Sprache. Bemerkenswert erscheint dabei, dass sich stets ausreichend viele Menschen dazu missbrauchen lassen, auf Befehl Dritten für Generationen anhaltendes Leid zuzufügen. Die Ängste so mancher Ökonomen, wir könnten bei unzureichendem Wirtschaftswachstum in Zustände des Mittelalters zurückfallen, sind völlig unbegründet. Wir befinden uns mit der Söldnermentalität unverändert genau dort, weil wir all die wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften eben genau nicht zu zivilgesellschaftlichen Entwicklungen genützt haben. Die Kosten eines Marschflugkörpers werden übrigens mit 600.000.- bis 1,3 Mio. Dollar genannt (ohne logistischem Aufwand!).

Zweifelsfrei beruhen Tötungen, Vertreibungen und Existenzzerstörungen Dritter auf  tiefer liegenden Persönlichkeitsstörungen besonders der Befehlenden, wie aber auch der Ausführenden, die ihre Erpressung zu solchem Tun aus unterschiedlichsten, meist kurzsichtigen ökonomischen Überlegungen, zulassen. Bei den Tätern geht es dabei weniger um Recht und Unrecht, als um die Kaschierung ihres – wodurch auch immer – deformierten Selbst. Die Verfestigung nicht gelingender Lebenskonzepte, die meist noch über Generationen weitergegeben werden, sind die Folge.

Es läge nahe, die eigentlich dahinterstehenden Bedürfnisse dieser erbärmlich leidenden Persönlichkeitsstrukturen zu erforschen. Ihr frühkindlich verletztes und verbogenes Selbst mit Gräueltaten zu befriedigen versuchen, ist mit Gewissheit nicht zielführend. Assad, Putin oder Trump, wessen Ziele berücksichtigen noch die Lebenssehnsüchte der syrischen Bevölkerung? In den Kriegsberichten findet „Bevölkerung“ kaum Erwähnung. Da gibt es nur Zivilisten, bewaffnete Zivilisten (Terroristen), und uniformierte Zivilisten (Soldaten). Die einen werden ermordet und die anderen „fallen“. Was damit erreicht werden soll, erschließt sich nicht. Das Ziel scheint in den Taten selbst zu liegen. Töten um zu töten, zerstören, um zu zerstören.

„In der Politik geht es immer nur um Interessen“, heißt es. Welchen Interessen kann es aber entsprechen, zu töten und zu zerstören? Was soll der Gewinn daraus sein? Mit Interessen wird ja doch stets ein Gewinn angepeilt. Wem soll der Gewinn zufallen und wer soll für den Gewinn aufkommen? Darum geht es doch. Und genau darüber wird niemals gesprochen.