Auch Österreich hat nun die Nationalratswahl ausgestanden.

Wenig überraschend hat der prognostizierte Rechtsruck auch tatsächlich stattgefunden. Im heutigen Zustand Europas erregt das jedoch kaum noch jemand. Man hat es nicht anders erwartet und wir befinden uns ja in bester Gesellschaft. Man scheint sich mit den Rechtstendenzen ganz gut arrangieren zu können. „Rechts“ wird neuerdings als bürgerlich verstanden. Das neue Bürgertum, das sich weitgehend seiner sozialphilosophischen Grundlagen und der daraus abzuleitenden Verantwortungen entledigt hat, sieht nun mit großen Erwartungen dem versprochenen Aufschwung entgegen.

Die Wahl ist geschlagen. Die Rangordnung zwischen den besten Präsentatoren und Selbstvermarktern ist entschieden. Noch sind wir in der glücklichen Lage, davon ausgehen zu können, dass alle gewählten Repräsentanten dem demokratischen Spektrum zuzurechnen sind. Doch jetzt kommen die Mühen der Ebene. Es bedarf bekanntlich anderer Fähigkeiten, eine Wahl zu gewinnen, als die Erwartungen der Wähler dann auch erfüllen zu können. Wir werden sehen, was dabei heraus kommt.

Im Laufe der nächsten Zeit und nach Regierungsbildung müssten die Wähler dann langsam erfahren, was denn im Detail von den Vorwahlslogans zu erwarten ist. Wie werden sich die  Vorstellungen von Aufschwung und Fortschritt, von Lebensqualität und Wachstum, von Schuldenreduktion und Pensionssicherung, von Bildungsoffensive, Altenbetreuung, Sicherheit und von Zielen und Nutzen der Digitalisierung bei zunehmender Arbeitslosigkeit, von Besteuerungsquellen und Ausnahmeregelungen – um nur einige wesentlichen Bereiche zu nennen – in einer gemeinsamen, koalitionären Resolution darstellen lassen? Wir dürfen gespannt sein.

Vermutlich wird es aber so wie bisher verlaufen, dass gerade für die gesellschaftlich und zeitgemäß notwendigen Maßnahmen leider, leider das Geld fehlen wird, wohingegen – und das nur als eines von vielen Beispielen, weil gerade aktuell darüber berichtet wurde – dass nun ein österreichisches Industrie-Backwaren-Unternehmen in Russland Brötchen bäckt, als großartiger Erfolg bejubelt wird, ähnlich wie der zunehmende Ausverkauf heimischer Firmen an ausländische Investoren.

Mit solchen Verblendungen, die der längst nicht mehr zeitgemäße Wirtschaftsdogmatismus vorgibt, der eine höchst eigenwillige Werteskala im Alltagsleben der Menschen erzwungen hat, hinter der ein Begriff wie „Lebensqualität“ längst verblasst ist, steht zu erwarten, dass es weitergeht wie bisher. Bis zur bitteren Neige. Und „bitter“ kann in diesem Zusammenhang und im Licht globaler Entwicklungen und zunehmender Spannungen nicht nur bitter, sondern sogar blutig bedeuten.

Man kann nur weiterhin auf ein noch rechtzeitiges Aufwachen der Bürger hoffen und dass vielleicht doch noch erkannt wird, dass die Sehnsüchte der Menschen, wie auch nahezu alle Probleme, die diesen entgegenstehen, ihren Schlüssel in der Geldordnung haben. Hier ließe sich mit friedensbewegter Vernunft, anstatt schal anmutender wirtschaftlicher Rationalität, noch vieles zum besseren wenden.

Hoffen Sie/hofft mit mir, dass nicht nur Sozialphilosophie wieder in die Politik Einzug hält, sondern dass auch menschheitsorientierte Vernunft sich als handlungsleitende Kategorie durchzusetzen vermag. Unter welcher Regierungsform auch immer. Denn es geht nicht darum, wer etwas macht, sondern was jemand mit welchem Ziel macht. Und die Ziele müssen den Regierenden von einer gefestigten Bürgerschaft vorgegeben werden. Die pure Auswahl aus schmackhaft angebotenen Vorwahlpaketen, deren konkreter Inhalt nicht ersichtlich ist, erscheint mir dafür zuwenig.

 

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