ALLES NUR EINE FRAGE DER MACHT?

„Macht“. Mit kaum einem anderen Wort wird so leichtfertig umgegangen, wie mit diesem doch sehr inhaltsschweren Begriff, der in seiner Bedeutung nie wirklich definiert werden konnte und daher ein breites Spektrum von meist interessengeleiteten Interpretationen zulässt. Wir erfahren von der „Macht des Bösen“ ebenso, wie von der „Macht der Liebe“. In dieser Ambivalenz der Begriffsverwendung, die es uns gestattet, einen „Machtpolitiker“ abzulehnen und im selben Atemzug mehr „Macht für Vernunft“ zu fordern, sehe ich ein entscheidendes sprachliches Hindernis für globale Harmonie und Vernunft im gesellschaftlichen Beziehungsverhalten. Gedanken mögen die Sprache prägen, doch gilt auch umgekehrt, dass Begriffsverwendungen unser Denken und folglich auch unser Handeln prägen.

Auch Wikipedia hilft nicht wirklich weiter, wenn es da heißt: „Macht gilt als zentraler Begriff der Sozialwissenschaften und ist als solcher in seinem Bedeutungsumfang umstritten.

Als sozialwissenschaftlicher Begriff bezeichnet Macht einerseits die Fähigkeit, auf das Verhalten und Denken von Personen und sozialen Gruppen einzuwirken, andererseits die Fähigkeit, Ziele zu erreichen, ohne sich äußeren Ansprüchen unterwerfen zu müssen. Die beiden Sichtweisen werden auch als „Macht über“ und „Macht zu“ bezeichnet“.

Als neuzeitliche und wohl bekannteste Definition findet man natürlich auch jene von Max Weber: Macht ist „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“.

Fest steht, dass Macht etwas mit dem Beziehungsverhalten zu tun hat und dass sie, wenn wir uns an Max Webers Definition orientieren, in aufgeklärten, um Entwicklung demokratischer Strukturen bemühten Gesellschaften eher destabilisierende Wirkung hat. Das geht auch aus einer weiteren wertfreien Feststellung auf Wikipedia hervor: Macht spielt praktisch in allen Formen des menschlichen Zusammenlebens eine Rolle und bedingt auf unterschiedliche Weise das Entstehen von Sozialstrukturen mit ausdifferenzierten persönlichen, sozialen oder strukturellen Einflusspotenzialen“.

Hier wird auf die Relativität der Macht hingewiesen und das Gerangel um Macht und das Machtstreben werden als solches wie selbstverständlich und als naturgegeben zur Kenntnis gebracht. Und leben wir denn heute nicht in einer Epoche, in der Macht gleichermaßen verherrlicht, wie auch verdammt wird – je nachdem, auf welcher Ranghöhe der Einflusspotenziale man sich befindet? Tatsächlich sind die Niveaus der Macht äußerst fein ausdifferenziert und de facto kommt in dieser Betrachtungsweise jedem ein gewisses Machtpotential innerhalb dieser Feinstruktur zu. Macht wird dadurch nicht nur zu einer Relation, sondern es erscheinen sämtliche Handlungen nach der Logik dieser Skala gerechtfertigt und erklärbar. Macht muss daher immer als Möglichkeit im spezifischen zeitlichen und situativen Kontext gesehen werden.

Allenthalben hört man ja auch, dass „Macht“ von „Machen“ kommt. Bezieht man diese eher dümmliche Auffassung in die Überlegungen ein, wäre der Machtbegriff gänzlich entbehrlich, weil ja ohnehin alles Tun ein Gebrauch von Macht wäre. Selbst die Teilung der Macht und die Kontrolle der Macht, wie sich das als demokratiepolitische Errungenschaft durchzusetzen versucht, bringen keine Klarheit bezüglich eines richtigen Ausmaßes der Macht, wenn man in diesem diffusen Netzwerk von Einflusspotenzialen verharrt.

Macht ist gut, aber zu viel Macht ist schlecht! Das ergibt sich ganz logisch aus der relativistischen Betrachtung des Machtbegriffes. Aber wer ist es denn, der das richtige Maß vorgibt, bzw. beschränkt, oder ausweitet? Es ist die Macht. Und es ist stets der Top-Down Beziehungsvektor, der dabei wirksam wird.

Die bisher skizzierten Facetten der Macht zusammengefasst ergeben:

Damit Macht geübt werden kann, bzw. erduldet werden muss, ist eine Beziehung von zumindest zwei auf unterschiedlichen Einflusspotenzialen befindlichen Subjekten nötig.

Nun stellte ich mir die an sich nahe liegende Frage, was einerseits das entscheidende Kriterium dieser Einflusspotentiale ist und wann andererseits überhaupt der Gedanke aufkommt, dass hier Macht im Spiel ist. Es ist offenkundig, dass „Macht“ immer nur von jenem Beziehungspartner gleichsam wie ein Foul reklamiert wird, an dem Macht geübt wird. Damit tritt Macht eigentlich immer als das auf, was im herkömmlichen Sprachgebrauch als Machtmissbrauch bezeichnet wird. Jenem, aber, der Macht ausübt, wird das in den meisten Fällen gar nicht bewusst, es sei denn, er setzt den von ihm erkannten Potenzialunterschied ganz gezielt zur Durchsetzung seines Willens ein. Außer er ist ein Soziopath, wird er jedenfalls kaum denken, geschweige denn zugeben, dass er jetzt Macht übt. Meist wird er sich auf die ihm vom Gesetzgeber zugebilligte Möglichkeit berufen können.

Was das Wesen der Einflusspotenziale betrifft, mittels dem Macht potenziell geübt werden kann, so muss es zur Durchsetzung des eigenen Willens gegen Widerstand eindeutig Kriterien beinhalten, die als Druckmittel erkannt und als vermeintliche oder tatsächliche Existenzbedrohung empfunden werden. Im juristischen Sprachgebrauch würde man das als Mittel zur Nötigung, bzw. Erpressung bezeichnen. Das führt mich zu der Schlussfolgerung:

Das wirksame Prinzip der Macht ist die Erpressung

Mit den Einflusspotenzialen sind also stets so genannte Machtmittel verbunden. Mittel, die zu einer Erpressung dienen können. Das kann eine Funktion sein (Macht des Amtes), es können Fähigkeiten sein (Wissen ist Macht), oder ganz einfach situativ überlegene Kraft und Stärke. Diese Machtmittel müssen jedoch vom Betroffenen als solche anerkannt werden, um ihre Wirksamkeit entfalten zu können! Ein ganz perfides Machtmittel liegt übrigens in der Konstruktion unseres Geldsystems, wie ich das in „Die vierte Eigenschaft des Geldes“ beschrieben hatte. Perfide deshalb, weil es im kapitalistischen System seine Wirkung gut getarnt hinter den Kulissen ausübt. Berücksichtigt man noch, dass jede Gewaltanwendung Folge einer bereits gescheiterten Erpressung ist, dann kommt den Mechanismen des Geldsystems das höchste Einflusspotenzial unseres derzeitigen irdischen Lebens zu.

Die nächste systematische Aufbaustufe, die uns dem Verständnis von Macht in einer neueren Sichtweise näher bringen soll, sieht demnach folgendermaßen aus:

Damit Macht geübt werden kann, bzw. erduldet werden muss, ist eine Beziehung von zumindest zwei auf unterschiedlichen Einflusspotenzialen befindlichen Subjekten nötig. Außerdem muss es ein Machtmittel geben, das im spezifischen Kontext als solches anerkannt werden muss und dadurch erst den Niveauunterschied der Machtstufe erkennbar macht. Das wirksame Prinzip dieses Machtmittels liegt in seinem Erpressungsvermögen.

Wenn man das so liest, fällt es wohl schwer, der Macht noch Gutes zu konzedieren. Es wundert daher auch nicht, dass das Schönreden der Macht von eher höheren Einflusspotenzialen ausgeht, von denen ja auch das Definitionsrecht beherrscht wird. Im alltäglichen Machtgebrauch fällt zunehmend die weitgehende Abwesenheit von Verantwortung und Gewissen auf. [Für etwas verantwortlich zu sein, heißt noch lange nicht, Verantwortung zu tragen! Ich kann zwar aus eigenem Machtstreben die Verantwortlichkeit auf mich nehmen, z.B. 100 Mitarbeiter zu entlassen, kann es jedoch nicht verantworten. Auch Rücktritte von Politikern erfolgen nicht aus Verantwortung, sondern wegen der Zielverfehlung übernommener Verantwortlichkeit. Ohne Bezugnahme auf das Radar des Gewissens, dem Leitfaden und Sinnorgan (Viktor E. Frankl) unseres Seins, ist es denkunmöglich von Verantwortung zu sprechen].

In der Feinstruktur von Machthierarchien kann es jedenfalls so etwas wie Ohnmacht nur vermeintlich und nur im zeitlichen und situativen Kontext geben. Ohnmacht würde ja bedeuten „ohne Macht“ und wie oben ausgeführt wurde, kann es das gar nicht geben. Es ist eine Frage der Relation.

Menschliches Verhalten und Streben erweckt jedoch den Eindruck, dass wir uns wie zwanghaft vom Ausgangspunkt unseres Werdens, von der Handlungsunfähigkeit, also vom Stadium tatsächlich absoluter Machtlosigkeit, bis zu unserem Vergehen am Lebensende, möglichst weit an die Allmacht heranzuarbeiten haben. Dass wir uns über die Stufen der Machthierarchien von der Ohnmacht in Richtung Allmacht durchzuwurschteln haben. Dass es das ist, was uns als Ratschlag für unseren Lebensweg gegeben wird und dass es unsere eigentliche Lebensaufgabe ist, sich im Filz der Machthierarchien zu behaupten.

Dabei ist aber auf jeder der fein strukturierten Machtstufen nur für ein Subjekt (das auch durch eine Gruppe repräsentiert werden kann) Platz. Verdrängung ist daher die logische Folge, wenn Macht unsere Handlungen bestimmt.

Die Auswirkungen konnten nicht nur in der Geschichte immer wieder beobachtet werden, sondern wir erleben soeben wieder eine Epoche, in der jeder kleinste Niveauunterschied im Machtgefüge auch mit Sicherheit dazu genützt wird, Macht auszuüben. Täuschung, Betrug, Aggressivität und Gewalt, stehen mittlerweile im Vordergrund unseres Beziehungsverhaltens und sämtliche Aufrufe, die Menschenwürde zu beachten, stoßen auf mitleidiges Lächeln. Und wiederum ist das hauptsächlichste und zugleich wirksamste Mittel, das zur Machtausübung zum Einsatz gebracht wird, das System unseres Geldes.

Berücksichtigung der Menschenwürde hieße, dass es zu einem Machtausgleich in der Begegnung kommen müsste. Dass wir davon meilenweit entfernt sind, scheint offenkundig zu sein.

Wenn wir den Skalenverlauf von Ohnmacht Richtung Allmacht als unseren Lebensweg akzeptieren, wie wir es dem Anschein nach tun, dann müssen wir doch zwangsläufig zur Erkenntnis gelangen, dass alles Tun gleich Machtübung ist. Wollen wir uns aber damit zufrieden geben, wo doch unbestreitbar das wirksame Prinzip der Macht in der Erpressung liegt? Ich will mich damit nicht begnügen und frage mich daher weiter:

Wie ist denn das eigentlich mit der Allmacht? Freilich kommt darin etwas Göttliches, nach welcher Vorstellung auch immer, zum Ausdruck. Ist es jedoch tatsächlich die ultimative Spitze der linear aufsteigenden Machtpotenziale? Steckt da nicht vielmehr das Allumfassende drinnen, das „Sowohl-als-auch“? Ist „Allmacht“ denn nicht nur ein von uns geprägter ungeschickter Ausdruck für „Mit Macht und ohne Macht“? Können wir uns dieser Frage gegenüber öffnen, ergibt sich nämlich ein völlig neues Bild:

Die Ausrichtung unseres Lebens bleibt gleich. Vom Werden in Richtung auf ein Unerreichbares, das jeder für sich mit einem Gottesbild verbinden kann. Wir haben jedoch stets und in jeder Situation die Möglichkeit, Handlungen mit Macht, oder ohne Macht zu setzen. Die Abstufungen der Macht, wie auch der Möglichkeiten ohne Macht zu handeln, verlaufen jetzt daher quer zu unserer Lebensentfaltung, begleiten uns jedoch durch unser ganzes Leben. Wie das zu denken ist, habe ich in Abb.1 darzustellen versucht.

Die Art, vielleicht auch die Gewichtigkeit der unseren Handlungen zur Verfügung stehenden Mittel materieller oder geistiger Natur verändern sich dabei laufend mit unserer Lebensentwicklung. Grob gesprochen von der Kinderrassel, über das Erkennen von Zusammenhängen, bis hin zur Fähigkeit, Atombomben zu bauen.

Die Ambivalenz der Macht, wie sie meist mit Achselzucken konstatiert wird, liegt in unseren Entscheidungen, Handlungen mit Macht, oder ohne Macht zu setzen. Nicht aus Ohnmacht, denn das hieße Handlungsunfähigkeit, sondern ohne Macht, also ohne das wirksame Prinzip der Macht – die Erpressung – anzuwenden. Derartiges Handeln sollte zur begrifflichen Klarheit aber auch eine eigene Benennung erfahren.

Durchaus vergleichbar mit Yin und Yang, den beiden Begriffen der chinesischen Philosophie, insbesondere des Taoismus, die für polar einander entgegen gesetzte und dennoch aufeinander bezogene Kräfte oder Prinzipien stehen. Fehlendes Yin wird eben gerade nicht als Ohn-Yin, fehlendes Yang nicht als Ohn-Yang bezeichnet, sondern es wurden jeweils eigene Bezeichnungen geprägt, die die Dualität unserer Handlungsausrichtungen klar zum Ausdruck bringen. Yin und Yang. Die zeitlose Harmonie des Tao umfasst Beides. In Analogie zum Tao wäre vielleicht ein anderer Begriff anstatt Allmacht angebracht, in dem Macht nicht aufscheint, wie ja auch das Tao nicht durch All-Yin, oder All-Yang beschrieben werden könnte.

Zurück zur Macht: Nicht Macht und Ohnmacht prägen also unsere Entwicklungsschritte, wie weiter oben ausgeführt, sondern unsere Entwicklung verläuft zwischen Macht und ……..? Ja, was? Das Prinzip der Macht scheint eindeutig festgelegt und ihre Anwendung trägt nicht unbedingt zur demokratiepolitisch erstrebenswerten Konsensfindung bei. Wie könnte man aber jene Seite unserer Handlungsmöglichkeiten bezeichnen, in deren Bezugsrichtung wir ohne des wirksamen Prinzips der Macht, also ohne unsere Fähigkeiten und verfügbaren Möglichkeiten erpresserisch einzusetzen, auskommen? Mir fiel zurzeit kein treffenderer Begriff ein, als das Wort Liebe.

Unsere Handlungsausrichtungen pendeln also im Lebensverlauf zwischen Macht und Liebe. Liebe im weitesten Sinn und vielleicht am besten als „Hingabe an das Gemeinwohl“ zu beschreiben. Diese Feststellung beinhaltet bereits, dass wir keineswegs darauf vertrauen dürfen, ein Leben ohne Macht oder ohne Liebe führen zu können. Es wird, wie bei Yin und Yang um die Ausgewogenheit gehen. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass das bewusste Erkennen der Ausrichtung unserer jeweiligen Handlung ein wesentliches Umdenken im gesellschaftlichen Beziehungsverhalten brächte. Anreiz zu und Stolz auf Handeln mit Macht wären diskreditiert. Macht und Machtgebrauch wären unumgängliche Ausnahmeerscheinungen in Einzelsituationen

Nun, vielfach beruft man sich auch darauf, dass doch die Ambivalenz in den so genannten Machtmitteln liegt, die uns die gleichwertige Möglichkeit ihrer Anwendungsrichtung – zum Guten, wie zum Bösen – bieten. Und was möglich ist, wird eben auch getan. Basta. Und Macht ist eben auch dazu da, Gutes zu tun. Diese nur dem ersten Anschein nach richtige Ansicht, bietet mir die Möglichkeit einer weiteren Vertiefung des Themas.

Freilich kann das viel zitierte Messer sowohl zum Brotschneiden, wie auch zum Morden verwendet werden. In einer Welt, in der es vordringlich um die Harmonie des gesellschaftlichen Beziehungsverhaltens der Völker gehen sollte, kommt dem Messer jedoch eine klare Widmung zu: Jene des Brotschneidens. Und so gibt es auch keinen Bereich von verfügbaren Hilfsmitteln, Fähigkeiten, oder Funktionen, die nicht mit einer ursprünglich klaren und eindeutigen Widmung für die Menschheitsentwicklung versehen wären. Man kann darüber streiten, ob die Widmung neuerer Entwicklungen und davon abgeleiteten Anwendungen noch als sinnstiftend für die Menschheit anzusehen sind, wie auch generell die Widmungen in demokratischen Prozessen regelmäßig überprüft und überarbeitet werden sollten, doch grundsätzlich war auch die Kreation des Schießpulvers nicht der Tötung von Menschen gewidmet.

Das neue Schlüsselwort ist also „Widmung“. Der öffentliche Diskurs sollte sich daher nicht auf die Auseinandersetzung über zuviel und zuwenig Macht beschränken, sondern an das Grundsätzliche heranwagen. An die klar zu definierenden Widmungen von Ämtern, Funktionen, erworbenem Wissen und Kommunikationsmitteln (dazu zählt auch und besonders das Geld). Zwingend muss in den neu festgelegten Widmungen die Ausrichtung auf das Gemeinwohl erkennbar sein. Selbst eine Charta für Menschenrechte bleibt – wie wir sehen – ein Wunschkatalog, wenn wir die Widmung der Ämter und Funktionen nicht strikt darauf beziehen und Abweichungen von der Gemeinwohlorientierung bloß als eine der Möglichkeiten der Anwendung ambivalenter Mittel und Entscheidungsfähigkeiten hinnehmen, anstatt diese eindeutig als widmungswidrige Ausübung der Aufgabenerfüllung benennen zu können.

Mit Macht geht stets Widmungswidrigkeit einher!

Oder anders: Widmungswidriges Verhalten richtet sich nach obigem Verständnis gegen das Gemeinwohl und entspricht daher in meiner Definition der Ausübung von Macht. (Es sei aber an dieser Stelle ausdrücklich wiederholt: Es soll keineswegs bedeuten, dass man im Leben ohne Ausübung von Macht auskommen könnte! Ich verweise dabei nur auf die häufig angewandte Machtausübung durch psychische und/oder geistige Manipulation, wie sie besonders in der Pädagogik als zum Teil notwendig und angebracht auftritt. Außerdem wird nicht zu übersehen sein, dass der Schwerpunkt meines Bemühens um Begriffsklärung vor allem auf die Sozioökonomie und Politik, als wesentliche Teilbereiche eines gewiss noch weit umfassender darstellbaren Machtbegriffes  ausgerichtet ist).

Machthaber verhalten sich in ihrer Position per definitionem widmungswidrig. Sonst würde man sie ja gar nicht als Machthaber bezeichnen, sondern als ……..? Und wieder stellt sich die Frage, als was man jemanden bezeichnen könnte, der sich „normal“ verhält, der also seine Fähigkeiten und beigestellten Mittel und Fähigkeiten widmungsgemäß einsetzt; dessen Willensentscheidungen im Einklang mit der Widmung der auf das Gemeinwohl ausgerichteten Aufgabenstellung sind. Bei „Machthaber“ muss man dabei gar nicht an das Überdrüber eines Herrschers denken. Wir können das auch bis auf z.B. die Beziehungsebene Marktleiter und Regalbetreuer und sogar noch weiter herunter brechen. Das Prinzip bleibt stets dasselbe: Widmungswidrigkeit, oder Widmungsmäßigkeit.

Wie benennen wir also widmungsgemäßes Verhalten? Unauffällige, aber effektive  Funktionsausübung? Mit welcher Bezeichnung können wir dem Erwünschten Anerkennung zollen, wenn wir andererseits doch „Machtübung“ ablehnen?

Auf der Suche nach einem entsprechenden Begriff, wurde ich neuerlich bei Wikipedia fündig: Der ähnlich wie Macht verschwommene Begriff „Autorität“ schien mir dafür bestens geeignet. Zugleich könnte sich daraus, so meine Überzeugung, eine schärfere Unterscheidung der beiden Begriffe, Macht und Autorität, ergeben.

Wikipedia vermerkt unter anderem dazu:

Autorität ist im weitesten Sinne eine soziale Positionierung, die einer Institution oder Person zugeschrieben wird und dazu führt, dass sich andere Menschen in ihrem Denken und Handeln nach ihr richten. Sie entsteht (durch Vereinbarungen oder Herrschaftsbeziehungen) in gesellschaftlichen Prozessen

Autorität ist nicht vornehmlich als Eigenschaft, sondern hauptsächlich als Beziehungsqualität zu begreifen; die Autorität bedarf der Anerkennung anderer, das Autoritätsverhältnis ist zweiseitig. Dabei kann es sich um die verschiedensten Beziehungsformen handeln, insbesondere können die Grade der Freiwilligkeit der Anerkennung viele Formen annehmen, insbesondere:

  • Freiwillige Bewunderung, Anerkennung und Respekt, bis hin zum Gegenteil Autoritätshörigkeit.
  • Faktisch akzeptierte Autorität in gesellschaftlichen Rollen (z. B. Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Polizeivollzugsbeamte, Richter, Trainer)
  • Vortäuschen der Akzeptanz der Autorität nach Außen hin, um Nachteile zu vermeiden, bei gleichzeitiger innerer oder gegenüber Vertrauten dokumentierter Ablehnung
  • Erzwungene Anerkennung von Autorität aufgrund körperlicher Unterlegenheit, in Situationen von Gefangenschaft oder Gefängnis- oder allgemein aufgrund von massiven Angstsituationen.
  • Auflehnung und Rebellion beispielsweise gegen die Staatsautorität.

Bei den Graden der Freiwilligkeit der Anerkennung einer Autorität ist der verschwommene, nahtlose Übergang zum Machtbegriff nicht zu übersehen. Und nicht umsonst werden Macht und Autorität gerne synonym verwendet, besonders von den „Machtmenschen“. Es klingt ja auch ganz anders, ob man sagt, „ich habe der Macht zum Durchbruch verholfen“, oder „ich habe meine Autorität ins Spiel gebracht“.

Wesentlich erscheint mir jedoch, dass Autorität durch Anerkennung gleichsam verliehen wird. Macht wird hingegen niemals verliehen. Wer würde sich denn auch freiwillig der Erpressbarkeit aussetzen? Anerkennung beinhaltet auch, dass wir diese wieder entziehen könnten. Was aber ist es eigentlich, was in der Autorität Anerkennung findet?

Integrität, Wissen, besondere Fähigkeiten, Ehrlichkeit, etc.

Menschen, deren jeweiliger Stufe des Seins derartige „Mittel“ verfügbar sind, gieren selten nach einer Funktion. Sie wollen gebeten werden. Außerdem sind sie sehr rar und es sollte nicht verwundern, dass man sie unter den Politikern kaum jemals, höchstens in ihren Anfängen, vorfindet. Es sind Persönlichkeiten, die wir als Autoritäten anerkennen. Menschen, denen wir vertrauen, die ihnen zukommende Funktion widmungsgemäß auszuüben.

Zusammengefasst kann man also sagen:

In und mit unseren Handlungen erwerben wir im Lebensverlauf Fähigkeiten, Wissen, Funktionen und lernen uns jeder Menge dinglicher und organisatorischer Unterstützungen zu bedienen, all deren Widmung grundsätzlich auf ein Miteinander, auf das Gemeinwohl in der gesellschaftlichen Entwicklung ausgerichtet ist. Im widmungsgemäßen Einsatz all dieser Hilfsmittel unseres Seins werden wir als Autorität handeln (nicht autoritär!) und unser Handeln wird anerkannt sein. Selbst von jenen, gegen deren Einzelinteressen ich mich entscheiden muss. Die Autorität kann mit Vernunft argumentieren und zur Einsicht führen. Widmungswidrige Verwendung der uns jeweils zur Seite stehenden Mittel und Fähigkeiten entspricht jedoch einer Machtausübung, die grundsätzlich den Widerstand verstärken wird, den sie eigentlich brechen möchte (actio est reactio) und die sehr rasch bis hin zu Gewalt und Gegengewalt eskaliert.

Im Unterschied zu Christine Bauer-Jelinek, der österreichischen „Machtpäpstin“, die  von der „hellen und der dunklen Seite der Macht“ spricht und sich naturgemäß im üblichen Relativismus der Begriffsverwendung verheddert, plädiere ich dafür, der so genannten hellen Seite der Macht, die Bezeichnung Autorität zu geben und im sprachlichen Umgang verstärkt auf die Unterscheidung von Macht und Autorität zu achten.

Nun könnte man sagen, dass es doch eigentlich egal wäre, wie man die Aufgabenerfüllung erreicht; wie man Funktionen und Positionen im Leben ausfüllt. Das ist es in meinen Augen keineswegs, weil dadurch die bewusste Rückbesinnung auf die Widmung verloren geht und andererseits das wirksame Prinzip der Macht – die Erpressung – verschleiert wird!

Einige Beispiele:

Kraft der Liebe muss es also heißen. Von Macht der Liebe soll nur gesprochen werden, wenn ich mich damit erpresst fühle, oder jemanden erpressen möchte.

Durch „Macht der Gewohnheit“ bringe ich meine Erpressbarkeit durch meine widmungswidrigen Gewohnheiten zum Ausdruck und allein schon durch diese Erkenntnis, erhalte ich die Möglichkeit, dieser „Erpressung“ durch meine Verhaltensänderung zu entgehen. „Dank meiner Gewohnheit“ muss das Ziel sein.

Nicht Macht meines Amtes darf es heißen, sondern Kraft meines Amtes! Die Kraft schöpfe ich aus der Widmung der Funktion und aus der Anerkennung, die mir als Autorität zuteil wird.

Nicht Machtmittel sind mir verfügbar, sondern Hilfsmittel meines Seins, die mir die widmungsgemäße Ausfüllung meiner momentanen Funktion im gesellschaftlichen Kontext  ermöglichen. „Momentan“ deshalb, weil ja die Funktionen des Kindes, des Jugendlichen, des Studenten, der Eltern, des Unternehmers, des Alten, ….. gänzlich verschieden sind.

Und wenn wir – leider zu Recht – von der Macht des Geldes sprechen müssen, dann sollte uns bewusst werden, dass die Machtübung bereits in der widmungswidrigen Gesetzgebung lag, die zu einem folglich widmungswidrigen System führte, dem das Geld nur gehorcht (das Messer gehorcht auch seiner widmungswidrigen Anwendung). Widmung ist der Zauberbegriff! Wozu wurde etwas geschaffen, entwickelt, erfunden? Wozu sollen die von mir erworbenen Fähigkeiten dienen? Wie soll ich mit meinen Kenntnissen umgehen? Wohin soll ich meine Gefühle richten? Und nicht zuletzt: Wozu soll Geld dienen?

Wenn jedoch, wie es heute im pyramidalen, hierarchischen System der Fall ist, alle weiteren Widmungen von einer obersten Systemwidmung abgeleitet sind und diese bereits durch widmungswidrige Anwendung der Rechtsetzung zustande kam, dann ist es sehr schwer, eine Neuausrichtung, bzw. eine Rückbesinnung auf ursprüngliche Widmungen zu erreichen.

Was wir daher dringend brauchen, ist die Neubestimmung der Widmung des Geldsystems und eine damit einhergehende widmungsgemäße Gesetzesänderung.

Die Voraussetzungen dafür könnten in dem derzeitigen, als Krise bezeichneten Dilemma, nicht besser sein.

Macht-Abb.1

 

ALLMACHT

(SOWOHL ALS AUCH)

VERGEHEN

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OHNE MACHT            .                MIT MACHT

   (INTENTIONAL)        .          (INTENTIONAL)

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WERDEN