2017

Kommentare und Leserbriefe 2017

10.12.2017; profil; E.Hammerl, Warum bleiben Arme arm?

Kein Reichtum ohne Armut

Die Macht der so genannten Marktwirtschaft liegt in der Möglichkeit zur Geringschätzung der Leistungen Dritter. Der Zynismus, mit dem Armut ohne Absicht und unweigerlich verfestigt wird, liegt vor allem im vorherrschenden und dennoch irrigen Umkehrschluss, dass jene, denen ein höheres Einkommen zufällt, auch eine höhere Leistung erbracht haben. Wie unschwer erkennbar ist, trifft das meist nur selten zu. Es geht bei Armut stets um Relationen und um Zumutbarkeit. Diese Relationen wurden durch die Anforderungen des Geldsystems bis zur Unerträglichkeit überdehnt. Das gesellschaftliche Wertverständnis wurde zum Geldwert pervertiert und die parteipolitischen Diskussionen gehen nur mehr darum, was “den jeweils Anderen” gerade noch zumutbar ist. Eigentlich das perfekte Gebräu für Revolutionen und Kriege.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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5.12.2017; OÖN; Wolfgang Braun; Das Sozialbudget und ein Aufruf zur Vernunft.

Eine Frage der Interpretation

Ein Staat hat ja eigentlich keine anderen Aufgaben, als soziale zu erfüllen. Wie alle anderen Budgetteile auch, ist daher auch das so genannte Wirtschaftsbudget Teil des Sozialbudgets. Während die unter dem Titel “Sozialbudget” herausgegriffenen Ausgaben 1 zu 1 der Wirtschaft zufließen, ist der gesellschaftliche Nutzen der direkten Wirtschaftsförderung keineswegs so klar ersichtlich. Wenn nun ausgerechnet die Kosten des Sozialbudgets “aus dem Ruder laufen”, also die mit diesen Ausgaben verbundenen Einnahmemöglichkeiten der Wirtschaft zu missgönnen sind, könnte man genauso gut bei den Posten jenes Budgetteiles, der der direkten Wirtschaftsförderung gewidmet ist, Abstriche machen. Und abgesehen davon ist ein staatliches Sparen mit Kreditgeld ohnehin vergebliche Liebesmüh’.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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4.12.2017; profil; Franz Schellhorn; Mehr Geld für Österreichs Minister?

Das unverstandene Schuldgeld

“Politiker halten nicht abgerufene Schulden für Guthaben”, schreibt Franz Schellhorn und bestärkt meine Befürchtung, dass die Politiker die Geldordnung ganz einfach nicht durchschauen. Deshalb verwundert es aber, dass ein paar Zeilen weiter, dem OÖ Landeshauptmann Lob gespendet wird, der meint, er könne mit Überschüssen (Sparprogramm!), die höheren Ausgaben von Krisenjahren ausgleichen. Diese “Überschüsse”, aus welchen Wirtschaftssektoren sie auch immer abgesaugt sein mögen, sind jedoch auch nichts anderes, als nicht abgerufene Schulden. Sie stehen Unternehmen und Haushalten zur realwirtschaftlichen Belebung nicht mehr zur Verfügung. Zweifellos lässt sich damit die Staatsverschuldung etwas senken, was aber in unserem Schuldgeldsystem zugleich bedeutet, dass sich auch die umlauffähige Zahlungsmittelmenge entsprechend reduziert. Das wird “der Wirtschaft” gar nicht gut tun.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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1.12.2017; Standard; Leopold Stefan; Vollgeld voraus (Die Schweiz stimmt über den Umstieg auf ein ganz neues Geldsystem ab)

Es geht um Demokratie!

Zunächst ist dem Standard sehr positiv anzurechnen, dass dem “Vollgeld” in der Dezember-Ausgabe von “Portfolio” ein Artikel gewidmet ist. Ziemlich ausgewogen sogar, aber dennoch tendenziell eher ablehnend. Bei einer Vollgeldreform geht es eben nicht vordergründig darum, die Bürger zu bereichern, sondern es geht um die langwährende Funktionsfähigkeit des Zahlungsmittels unter Oberhoheit einer (vierten) staatlichen Gewalt und unter Aufsicht durch den Souverän. Es geht um das Recht der Geldschöpfung! “Neu” ist bei dem in der Schweiz 2018 zur Abstimmung gelangenden Reformvorschlag nur die Schaffung der gesetzlichen Grundlage, damit die Geldordnung endlich so gestaltet wird – wie die meisten Bürger glauben, dass das bereits der Fall wäre. Eines sollte klar sein: Ohne Hoheitsrechte über das Geld, erübrigen sich jegliche Diskussionen über Demokratie. Die Schweizer sollen also darüber abstimmen, ob private Banken (“Märkte”) die Politik eines Landes bestimmen sollen, oder gewählte Politiker. Dass der Widerstand der gegen die Interessen der Gesellschaft agierenden Lobbyisten enorm ist, sollte nicht verwundern. Schließlich geht es um eine Machtumverteilung.

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19.11.2017; profil Nr.47, Franz Schellhorn; Verdammt, wir werden immer reicher!

Begriffsverwirrung

Die Zahl der Millionäre ist in kaum einem Land schneller gestiegen als in Österreich. So der jüngste “Wealth Report” der Credit Suisse.  Franz Schellhorn stellt daraus noch weitere interessante Ländervergleiche an und kommt zu dem Schluss, dass in Sozialstaaten Vermögen besonders ungleich verteilt wäre. Er sagt zwar nicht, was ein Staat sonst sein sollte, wenn nicht ein Sozialstaat, unterscheidet ihn jedoch vage von Wohlfahrtsstaaten, zu denen er die skandinavischen Länder zählt. Die Gleichsetzung von Wohlstandszuwachs mit Vermögenszuwachs zeigt jedoch, dass hier eine qualitative Größe in ein Zahlenwerk gepresst werden soll. Vermögen ist im weitesten Sinne ein belehnbarer Wert, wohingegen Wohlstand als Ausdruck für nicht belehnbare Lebensqualität zu verstehen ist. Die Schaffung neuen Vermögens ist daher an bereits bestehendes Vermögen, oder an kreditiertes Einkommen gebunden. Auch dass die zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft leider nötige Förderung, die als staatliche Transferleistung aus Steuern aufgebracht werden muss, unterliegt hier offensichtlich einer Fehleinschätzung. Steuern sind eine kalkulatorische Größe und werden somit allesamt über die Preise von den Konsumenten bezahlt. Richtig ist daher, dass die Einkommen der unteren Dezile keine über den nötigen (durch Verführung auch unnötigen) Konsum hinaus gehende Reserven zulässt, die zu Kreditwürdigkeit führen könnten.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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18.11.2017; OÖN, G.Mandlbauer Österreich ist eine Insel, der Rest schert uns nicht.

Vielfalt ist die Stärke der Menschheit

Wir müssten uns den unaufhaltsam – derzeit vorwiegend aus Ostasien – kommenden Veränderungen stellen, meint Gerald Mandlbauer im Leitartikel vom 18.11.2017 und bezieht sich auf die beeindruckenden Erfahrungen seiner Fernostreise. Zweifellos wird sich die Art, wie wir arbeiten und lernen, radikaler und schneller als in den vergangenen hundert Jahren ändern. Dennoch beruht die Robustheit der Menschheit gerade auf der Vielfalt ihrer kulturellen und technischen Entwicklungsstufen. Es sollte also weniger um ein meist Zeitqualitäten überschreitendes “MeToo”, als um das Anerkennen eines “Anders” gehen. Trotzdem wird sich die Arbeitswelt ändern und das Hauptproblem wird in den Kriterien für die Einkommenszuteilung liegen. Die größte Frage wird jedoch sein, was eine durchdigitalisierte, vollautomatische, fehlerfrei organisierte Welt dann noch mit Menschen anzufangen wüsste.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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7.11.2017; OÖN, Landesbudget auf Sparkurs (Schulden zahlen, Ausgaben sparen)

Schulden zahlen?

Was Sparen heißt, versteht wohl jeder Haushalt. Angekündigte Sparbudgets stoßen damit in jenen Teilen der Bevölkerung, die davon nicht betroffen zu sein meinen, meist auf große Zustimmung. Wenn nun die öffentliche Hand nächstes Jahr 150 Mio. einsparen will, bedeutet das aber eine vorenthaltene Einnahmemöglichkeit von 150 Mio. für “die Wirtschaft”. Das hat daher sehr wohl Auswirkungen, von denen alle betroffen sein werden. Oder wird vielleicht gar nicht eingespart, sondern werden nur die Einkommensmöglichkeiten umgelenkt? Die beabsichtigte Schuldentilgung von 67 Mio., “weil derzeit die Steuereinnahmen sprudeln”, entfernt jedenfalls diesen Betrag endgültig aus der realwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Dementsprechend wird auch das Steueraufkommen niedriger ausfallen. Und ob der flächendeckende Breitbandausbau tatsächlich eine Zukunftsinvestition für das Land wird, bleibt fraglich, zumal man dafür nur sehr vage Hoffnungen an eine zukünftige Umwegrentabilität knüpfen darf. Sparen mit Kreditgeld ist eben für jeden Staat eine vertrackte Sache.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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23.10.2017; Standard, Mag.Gottfried Schellmann, Quereinsteiger: Von wegen Politprofis  sind besser.

Souveränität

Den Bedenken Mag.Schellmanns bezüglich parlamentarischer Möglichkeiten zur Budgetkontrolle ist vollinhaltlich zuzustimmen, nicht jedoch seiner Auffassung von Souveränität. Die greift absolut zu kurz. Es ist ein wichtiges, aber nicht das wichtigste Merkmal der Souveränität,  über Einnahmen und Ausgaben selbst bestimmen zu können. Das wichtigste Merkmal staatlicher Souveränität besteht im alleinigen Hoheitsrecht zur Geldschöpfung. Im Idealfall unter parlamentarischer Kontrolle, also unter Kontrolle des eigentlichen Souveräns. Dieses Geld erhält seine Funktionsfähigkeit durch die Rechtsetzung, dass es das einzige gesetzlich anerkannte Schuldentilgungsmittel ist. Erst auf dieser Basis kann sinnvoll über eine Einnahmen-/Ausgabenkontrolle gesprochen werden. Das derzeitige Banken-Schuldgeldsystem ermöglicht definitionsgemäß keine staatliche Souveränität. Ceterum censeo: Ein Staat darf sich nicht verschulden müssen!

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

Die Antwort vom 24.10.2017:

From: Gottfried Schellmann Sent: Tuesday, October 24, 2017 11:05 AM To: hoppenberger@aon.at Subject: Vielen Dank

Sehr geehrter Herr Dr. Hoppenberger,

Vielen Dank für Ihren Kommentar zu meinem Gastkommentar. Zu Ihrer Anmerkung, Souveränität in einer Währungsunion bleibt das Bestimmungsrecht über Einnahmen und Ausgaben. Hier geht es um die Abgrenzung bezüglich der Fortentwicklung innerhalb der EU. Wenn das Merkmal beseitigt ist, kann ja schnell kommen, dann sind wir Teil eines Bundesstaates. Darüber haben wir 1994 sogar schon abgestimmt. Wäre daher gar keine Gesamtänderung. Was die Geldtheorien betrifft, das mögen Sie mir verzeihen, bin ich keiner, der etwas von den Alternativsystemen wie Vollgeld oder Golddeckung hält. Das ist etwas für Isolationisten wie dem Franz Hörmann oder dem Thomas Bachmeier.

Lg Gottfried Schellmann; Mueller-Koch & Schellmann SteuerberatungsgmbH ,1070 Wien, Lindengasse 37/7 Tel +43 (1) 523 01 83 Dw. 14, Mobil + 43 (676) 949 36 66

Und meine Entgegnung:

Sehr geehrter Herr Mag. Schellmann,

im Prinzip haben Sie ja aus Sicht der Gegebenheiten recht, geht es denn aber nicht besonders auch um die Frage “Einnahmen und Ausgaben – wovon?” Um Qualität und Herkunft des “Einnahme-/Ausgabemittels”? Besonders darum, ob es sich um ein Passiv- oder Aktivgeld handelt? Wem steht das Recht zu, bzw. wem soll das Recht zustehen, über diese Mittel zu bestimmen? Betriebswirtschaftlich und in Hinblick auf Steuererfordernisse mag das vielleicht belanglos erscheinen, wenn es jedoch um Hoheitsrechte geht, ist es das keineswegs.

Was “Golddeckung, Hörmann oder Bachheimer” betrifft, bin ich wohl ganz bei Ihnen. Es erstaunt jedoch einigermaßen, dass Sie da im selben Atemzug “Vollgeld” einreihen, was für mich die Vermutung nahelegt, dass Sie sich damit noch nicht näher auseinandergesetzt haben. Vorzügliche Ausarbeitungen finden sich bei www.vollgeld-initiative.ch, www.vollgeld.de und www.monetative.de, die ich Ihnen hiermit zu differenzierterem Erkenntnisgewinn nahelegen möchte.

Mit besten Grüßen, Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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17.10.2017; OÖN, A.Zens, Nur Cash ist feschCash oder Karte?

Die Zeit der Nachwehen einer Nationalratswahl ist denkbar schlecht gewählt, um ein gesellschaftspolitisch so bedeutendes Thema aufzuwerfen. Soll zukünftige Politik nämlich tatsächlich den sehnlich erwarteten Wandel, Aufschwung und was sonst noch alles bringen, dann wird sie sich viel mehr mit der Art des Geldes und weniger mit Zahlungstechnologien auseinanderzusetzen haben. Immer noch ist Bargeld das einzige gesetzliche Zahlungsmittel, selbst wenn das im Finanzministerium unbekannt sein dürfte, das Bargeldzahlungen zur Steuertilgung ablehnt. Es geht aber nicht um Zahlungsarten, sondern um den Ursprung des Geldes und um das Recht, Geld zu schöpfen. Dieses Recht sollte ausnahmslos einer staatlichen Institution unter Aufsicht des Souveräns zukommen. Bis die Einsicht über den notwendigen Wechsel von privatem Passivgeld (Kreditgeld) zu staatlichem Aktivgeld (Vollgeld) auch in der Politik durchgedrungen ist, sollte den Österreichern das Bargeld daher fraglos heilig sein. Es geht eben nicht um Freiheit und Anonymität, sondern es geht um staatliche Macht, also die Macht des Souveräns, und um die Erpressbarkeit der Staaten durch das Finanzsystem, denn ein Staat ohne Geldhoheit, kann keine souveräne Politik gestalten. Auch nicht mit neuen “Wunderwuzzis”, sofern sie die Geldordnung nicht zu ändern gedenken.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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14.10.2017; Standard, H.Rauscher, Wahlappell und Einserkastel

Sehr geehrter Herr Rauscher,

zunächst mein großes Kompliment für Ihren heutigen Appell zur aktiven Wahlteilnahme, in dem Sie besonders auch auf die Verantwortung des demokratiebewussten Stimmbürgers verweisen. Sie haben in diesem nachdrücklichen Aufruf die wochenlangen (meist lähmenden und wenig hilfreichen) Fernsehdiskussionen in großartiger Weise auf die entscheidenden Aspekte zusammengeführt und sogar das Gewissen – eine in der Parteipolitik irgendwie verlorengegangene Kategorie – ins Spiel gebracht. Das hat mir ausgezeichnet gefallen.

Weniger hat mir allerdings Ihr heutiges “Einserkastel” gefallen, in dem Sie von den schnell noch vor der Wahl durchgedrückten Gesetzen ausgerechnet das “Verbot von Bankomatgebühren” aufgreifen. Da hat denn doch eine ziemlich verwunderliche Ansicht mitgeschwungen. Es ist doch eigentlich klar, dass Schuldner die Kosten zur Begleichung ihrer Schuld nicht auf die Gläubiger übertragen dürfen. Geldschulden sind Bringschulden. Ein (mit positiver Forderung auf Geld bestücktes) Girokonto heißt nicht von ungefähr “Sichtkonto”. Die Bank, die in diesem Fall ja Schuldner ist, hat sich verpflichtet, bei “Ansichtigwerden” des Kontoinhabers, dessen Forderung auf Geld zu erfüllen. Dass sich die Banken durch Filialschließungen und verkürzte Öffnungszeiten dem Ansichtigwerden ihrer Gläubiger zunehmend entzogen und den Prozess aus Kostengründen automatisiert haben, stellt keine Berechtigung dar, diese Automatisierungskosten auf die Gläubiger abzuwälzen.

Der Weg zum Bankomat verdient daher die gleiche Behandlung, wie der Weg zum Bankschalter einer Filiale. Die Bankomaten sind als kollektive Augen des Bankensystems zu verstehen. Sie werden des Gläubigers ansichtig, sobald er davorsteht und seine berechtigte Forderung auf Geld geltend macht und erfüllt haben möchte.

Dass sich Banken diese Kosten freilich über andere Gebühren holen, steht auf einem anderen Blatt.

Mit besten Grüßen, Ihr Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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1.10.2017; profil Nr.40; E.Hammerl, Im Rentenalter

Wertschöpfung im Rentenalter

Völlig richtig führt Elfriede Hammerl aus, dass “nicht die Alten an den prekären Beschäftigungsverhältnissen schuld sind” und stellt folgerichtig fest, dass es eigentlich stets um die Finanzierbarkeit des Ruhestandes der Alten (und wohl auch der Bildungs- und Entwicklungszeit der Jungen) geht. Wie eigentlich bei allen Problemen, mit denen die Politik konfrontiert ist, geht es ums Geld. Und wenn die Verteilungsfrage – sofern man diese auf Sinn und Werte bezieht – unlösbar erscheint, dann liegt das offensichtlich an einer versagenden Finanzarchitektur, die immer weiter hinter den gesellschaftlich entwickelten Anforderungen zurückbleibt und sich schlicht als unzeitgemäß erweist. Weiß der Teufel, weshalb das Thema “Geldordnung” von keinem Staat und keiner Partei – nicht einmal in Vorwahlzeiten – aufgegriffen wird.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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30.9.2017; OÖN; Wolfgang Braun; Die Spaßbremsen von der Statistik Austria

Chancenlos

Das ernüchternde Zahlenmaterial der Statistik-Austria (an die 300 Mrd. Schulden) belegt beispielhaft die Chancenlosigkeit jeder noch so wohlmeinenden Politik. Wenn Rahmenbedingungen und Freiheitsgrade, mit denen Politik gestaltend wirken kann nicht an die Zeitnotwendigkeiten angepasst werden, ist es tatsächlich völlig egal, wer regiert. Es ist verwunderlich, dass von keiner Partei erkannt wird, dass alle gesellschaftspolitischen Probleme ihren Ursprung in der versagenden Geldordnung haben. Die globale Finanzarchitektur müsste längst schon von unserem derzeitigen Passivgeld (Schuldgeld) zu einem Aktivgeld transformiert werden, das einzig und allein von einer demokratisch zu kontrollierenden Institution (“Monetative” als vierte staatliche Gewalt) geschöpft werden dürfte. Eine Gesellschaft ohne Geldhoheit kann sich niemals als souverän betrachten. Weiß der Teufel, weshalb sich kein Staat und keine Partei – nicht einmal in Vorwahlzeiten – an  dieses Thema heranwagt.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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21.9.2017; GeldStandard; Bettina Pfluger; Aus der Gefahr eine Chance machen

Es geht um das „Womit“!
Es geht doch nicht so sehr um das Wie des Bezahlvorganges, als um das Womit! Es geht doch darum, ob es ein Passivgeld (wie das heutige Kreditgeld) ist, oder ein Aktivgeld (Vollgeld). Und vor allem geht es darum, wem das Recht zukommt, das Zahlungsmittel zu erzeugen und den Geldschöpfungsgewinn zu vereinnahmen, wie auch um das Recht, über die Regeln der Bereitstellung und Verteilung des Zahlungsmittels zu bestimmen. Hierin liegt der Schlüssel, in dem sich der Reifegrad einer demokratischen Verfasstheit abbildet.
Dr.Günther Hoppenberger,LIFESENSE-Zirkel Linz
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29.8.2017; profil; Franz Schellhorn, Wir kaufen uns wieder einmal selbst.

Ideologische Verbrämung

In gewohnt beeindruckender, wenngleich tendenziöser Interpretation statistischen Zahlenmaterials, versucht Franz Schellhorn die Staatshaushalte wie eine Unternehmensbilanz zu lesen – und bringt seine Sorge über Österreichs Zukunft zum Ausdruck. Elegant übergeht er den Unterschied von Wert und Geld und der Wesenskern staatlicher Ohnmacht durch die fehlende Geldhoheit, dürfte ihm fremd sein. Auch die Annahme, dass vom Staat nicht ausgegebenes Geld, das also auch von niemandem eingenommen werden kann, irgendwo übrig bliebe, scheint Schellhorns Denken rund um „Dagobert Ducks Geldspeicher“ festzuhalten. Völlig außer Acht gelassen wird, dass betriebswirtschaftliche Raffinesse nicht auf Volkswirtschaften übertragen werden sollte – es sei denn, man sucht internationale Konflikte. Zusammenfassend ist festzustellen, dass Franz Schellhorn leider die systemischen Zusammenhänge und Zwänge unserer unnatürlichen Geldordnung nicht verstanden hat.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

Die prompte Antwort:

Sehr geehrter Herr Dr. Hoppenberger,

Vielen Dank für ihre interpretative Reaktion meines Kommentars im aktuellen Profil. Es geht nicht darum, Staaten wie Unternehmen zu führen. Sondern es geht darum, mit Rekordeinnahmen einmal das Auslangen zu finden. Und darum, in Boomjahren Überschüsse zu erwirtschaften, um die Defizite der Vergangenheit auszugleichen. So wie das ein gewisser John Maynard Keynes gepredigt hat – aber womöglich hatte er auch keine Ahnung, wer weiß.

mit besten Grüßen

Franz Schellhorn

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27.8.2017; Standard; A.Szigetvari, Parallelwährung für die Pasta:

Die Krise macht Italien erfinderisch,

findet Andras Szigetvari im Standard vom 25.8.2017, und berichtet von den Gelüsten auf eine Parallelwährung zum Euro für Italien, mit denen sich der Ex-Präsident, Silvio Berlusconi, wieder ins Rampenlicht zu drängen versucht. Nun, so dumm ist ja die Idee – bei aller Bereitschaft Berlusconi Unrecht zu tun – tatsächlich nicht, und „parallel“ hat auch nichts mit einem Euro-Exit zu tun. Dass die Finanzwirtschaft, bzw. „die Märkte“, wie es immer so schön heißt, darauf unfreundlich – und damit gegen die Bürgerinteressen – reagieren, sollte nicht allzu sehr verwundern. Die eigentliche, Werte schaffende Realwirtschaft, sollte sich jedoch darüber freuen. Wie der Ökonom, Thomas Fazi, anmerkt, könnten Steuergutschriften, gemäß dem seit Jahrzehnten vom Linzer, Ernst Dorfner, ausgearbeiteten und empfohlenen „Taxos-Konzept“ die Liquidität der Staaten ohne Neuverschuldung erhöht und die Wirtschaft angekurbelt werden. Es ist jedenfalls erfreulich, dass damit überhaupt einmal die Geldordnung thematisiert wird.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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14.8.2017; Profil; Linsinger/Rainer, Interview mit Heinz Strache

Freiheitsbeschränkung durch Steuern?

Ich hoffe sehr, dass die Aussage im Interview mit Strache, “Steuern sind ja eine Art Freiheitsbeschränkung durch den Staat”, bloß ein provokativer Einwurf zur Interviewbelebung war. Steuern ermöglichen doch erst die Freiheit! Allein schon die allgemeine Akzeptanz von Geld beruht darauf, dass es der Staat als Steuern entgegen nimmt, ganz abgesehen davon, was er damit an Infrastruktureinrichtungen und Gestaltung von Rechtssicherheit beauftragt. Ohne staatliche Aufträge sähe die Wirtschaft ziemlich armselig aus. Verschwendung, Zweckentfremdung und Nepotismus stehen freilich auf einem anderen Blatt.

Dr.Günther Hoppenberger LIFESENSE-Zirkel Linz

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14.8.2017; Profil; Christa Zöchling, Anstandslos

Recht anstatt Anstand?

Danke, Christa Zöchling, für diesen zeitnotwendigen Hinweis, dass “Anstand” in den – ohnehin nur vage skizzierten – Gesellschaftsentwürfen der Parteien praktisch nicht vorkommt. “Anstand” scheint definitiv unmodern zu sein. Doch wie könnte “Anstand” wieder in Mode kommen, wie das  Willy Elmayer 1957 sogar recht erfolgreich mit dem österreichischen Knigge, “Gutes Benehmen wieder gefragt” initiiert hatte, wenn doch seither über Jahrzehnte eine überbordende Verrechtlichung unseres Miteinander betrieben wurde? Anstand erfordert Verhaltensformen und Entscheidungen, die mitunter weit über das gesetzlich absolut gebotene hinausgreifen. Anstand ist eigentlich das, was nicht unbedingt sein muss, und was im streng ökonomischen Sinn auch nichts bringt – außer zu einer wohltuenden, friedensorientierten Gesellschaftsentwicklung beizutragen. Fehlender Anstand ist jedoch gegenüber einer anderen Instanz zu verantworten als dem Rechtssystem. Wie wollen wir miteinander umgehen (Knigge 1788), wie wollen wir als Gesellschaft zusammenleben? Das sind immer noch die wesentlichen Fragen, für die neben den alltäglichen, ökonomischen Problemstellungen, offensichtlich kein Raum bleibt. Ein Bürgerkonvent könnte da vielleicht neue Orientierung schaffen.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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5.8.2017; Standard; Andras Szigetvari; Wachstum ohne Biss und Interview mit Robert Gordon („Die großen Vorteile der Digitalisierung sind passe´ „)

Sehr geehrter Herr Mag. Szigetvari,

“Money matters”, doch wie so viele andere Ökonomen auch, verschließt leider auch Robert Gordon seinen Blick gegenüber der Bedeutung des Geldes für die Wirtschaft. Im Unterschied zu den staatskapitalistischen Systemen kann aber zumindest unter jenen Bedingungen, die wir als Marktwirtschaft bezeichnen, das Produktionsproblem als gelöst angesehen werden. Die Frage, die sich aber bei uns stellt, ist doch, woher das Geld kommt, um die Produkte kaufen/verkaufen zu können. Dieses Problem wurde in Ihrem Bericht einzig und allein von Joshua Mason, und das nur in Hinblick auf Löhne, angesprochen. Denn zwei Dinge sollten in all deren Banalität klar sein: 1. Maximal können alle Unternehmen zusammen immer nur das einnehmen, was sie in Summe unter dem Titel “Produktionskosten” (natürlich inkl. aller Investitionen, Steuern und Abgaben) auch ausgegeben haben. Und 2., können die heute ausbezahlten Einkommen, abgesehen vom Anteil der Schnellläufer für den täglichen Bedarf, nur die bereits verfügbaren Produkte der Vorperiode kaufen, und damit die vorangegangenen Investitionen im besten Fall zurückführen.

Für darüber hinausgehende Gewinne in Form einer “Geldzahl”, also zusätzlich und unabhängig vom gesellschaftlichen Gewinn, den die Produktion (hoffentlich) gebracht hat, bedarf es zusätzlicher Investitionen – bloß: Worin? Letztlich ist das ja die Ausgangsfrage Ihres Berichts. Es trägt jedoch nicht zur Klärung des Problems bei, wenn man Wachstum (eine relative Geldgröße), Produktivität (eine Ressourcen-abhängige Leistungsgröße) und Innovation (geistig/technologische Kreativität) kunterbunt vermischt und dies dann sogar noch im Kontext eines statistisch auf messbar hingetrimmten Qualitätsmerkmals, der Lebensqualität, betrachten möchte. Gerade Innovationen sind ja nur dann als solche zu betrachten, wenn sie die bestehenden Produktionsprozesse erleichtern, verfeinern, oder überhaupt ersetzen, wie das z.B. unter dem zusammenfassenden Begriff “Energiewende” der Fall wäre. Der “sprechende Kühlschrank” ist aber ähnlich dem Tamagochi, oder dem derzeitigen App-Hype, nur eine mögliche (meist entbehrliche) Anwendung der eigentlichen Innovation “Digitalisierung”.

Und so ist Robert Gordon natürlich beizupflichten, dass die großen Vorteile der Digitalisierung, die vor allem in der Automatisierung der Produktions- und Dienstleistungsprozesse lagen, passe´ sind. Selbst die Miniaturisierung dieser eigentlichen Innovation, wenn man da nur an deren großartige Anwendungen in der Medizin denkt, stößt freilich an ihre natürlichen Grenzen – spätestens nach Ausreizen der Nano-Technologie. Und wir werden uns wohl auch damit abfinden müssen, dass trotz noch so umfassenden biogenetischen Kenntnissen, der Wesenskern des Lebens nicht verstanden werden kann.

Das systemnotwendig sich vorwiegend von der Geldseite her ergebende, verzweifelte Streben nach Wachstum, Produktivitätssteigerungen und neuen Anwendungen ist zwar aus der dogmatischen Selbstbeschränkung durchaus erklärbar, wenngleich anachronistisch und irrational, verstellt jedoch den Blick auf die grundsätzlich gesellschaftsbildenden Lebensabläufe. Das Grundübel unserer Epoche scheint daher zu sein, dass sich das uns dominierende Wirtschaftsdenken, das sich trotz den Erkenntnissen der Quantenphysik immer noch in Kausalitätsbeziehungen und reduktionistischen Irrwegen bewegt, von der zeitnotwendigen sozialphilosophischen Herangehensweise völlig entfernt hat. Nur mit der breit diskutierten Frage nach dem “Gesollten”, werden sich aber fruchtbringende Lebenskonzepte friedliebender Bürgergesellschaften in all deren Komplexität und unter Bewahrung der Unterschiedlichkeiten, entwickeln können. Die Weltbevölkerung ist – zumindest in den Augen Bernard A. Lietaers (2000) – und da schließe ich mich in meiner Einschätzung an, in ihrer diesbezüglichen Entwicklung zu einer integrativen Gesellschaft ihren Staatenlenkern und Medien bei weitem voraus. Wir sollten uns daher nicht von den Geldmechanismen treiben, sondern von den Lebenssehnsüchten beflügeln lassen. Geld muss nur dazu dienen, diese Lebenssehnsüchte in einem vergleichsweise machtfreien Raum erfüllen zu können. Daraufhin ausgerichtet braucht es daher eine neue, zeitgemäße Konstruktion der Geldordnung! Das wäre nicht nur möglich, sondern eine tatsächlich bemerkenswerte Innovation, die erst die wertvollsten Potentiale der Menschheit zur Entfaltung bringen könnte. Dazu muss aber wohl erst das “Geldthema” in der öffentlichen Diskussion enttabuisiert werden, denn es steht diskret verborgen hinter all den Begriffen wie Wachstum, Produktivität, Wettbewerb, Standortsicherheit, Demokratie, Sanktionen, und nicht zuletzt Krieg, etc., mit denen die Bürgergesellschaften mehr gespalten, als vereint werden.

Mit wohlmeinenden besten Grüßen,

Dr. Günther Hoppenberger LIFESENSE-Zirkel Linz

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3.8.2017; GeldStandard: Alexander Hahn/Bettina Pfluger Wie wir in Zukunft bezahlen
Nicht das Wie, sondern das Womit zählt!
Bettina Pfluger und Alexander Hahn setzen sich im heutigen GeldStandard sehr ausführlich mit zukünftigen Zahlungsmöglichkeiten auseinander. Leider bleiben die viel wichtigeren Fragen ausgespart, nämlich, mit welcher Art von Geld wir in Zukunft bezahlen wollen, wie es entstehen soll und wie es in Umlauf gebracht werden soll. Soll weiterhin die überwiegende Geldschöpfungsmacht bei privaten Banken liegen, oder sollte die Geldschöpfung nicht viel eher unter demokratische Kontrolle durch den Souverän gestellt werden? Schließlich haben alle Probleme, mit denen die Politik konfrontiert ist, mit dem Versagen der bestehenden Geldordnung zu tun. Demgegenüber ist der konkrete Zahlungsvorgang ziemlich belanglos. Ohne Hoheit über die Geldschöpfung, verlieren demokratische Wahlen ihren Sinn. Ceterum censeo: Ein Staat darf sich nicht verschulden müssen.
Dr. Günther Hoppenberger LIFESENSE-Zirkel Linz  
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26.7.2017, OÖN; H.Neumüller; Die Allianz gegen das Bargeld wird immer stärker….

…..schreibt Hermann Neumüller in den OÖN vom 26.7.17 und appelliert an die Datenschützer, sich dahingehend zu Wort zu melden. Nun geht es jedoch bei der Abschaffung von Bargeld um wesentlich mehr, als um den Datenschutz. Abgesehen davon, dass mit der Abschaffung des Bargeldes ein wichtiges, wenn nicht sogar das wichtigste Kommunikationsmittel im direkten gesellschaftlichen Austausch verloren ginge, und höchstwahrscheinlich zum Aufblühen von Bargeldsurrogaten führen würde, käme das der endgültigen Entmachtung des Staates gleich, wenn nicht zuvor die Kreditgeldschöpfung der Banken unterbunden würde. Es geht nicht um die Form des Geldes, sondern um das Recht zur Geldschöpfung!

Dr. Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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16.7.2017; OÖN; D.Mascher, Ist ein schlanker Staat unanständig?

Naturgesetze und Verschlankung des Staates

Natürlich ist es richtig, dass es kein Naturgesetz gibt, die Ausgaben ständig erhöhen zu müssen. Leider beruht aber unser Wirtschaftssystem, das sich auf die eigentlich Ökonomie aversen Eckpfeiler, Wachstum, Arbeitsplatzschaffung und Wettbewerb stützt, auf keinem Naturgesetz, sondern zwingt im Gegenteil zu unnatürlichem, ja geradezu Natur zerstörerischem Verhalten. Denn irgendwer muss ja die Ausgaben (=Verschuldung) erhöhen, um die erforderlichen Gewinne zu ermöglichen. Für den Staat, dem ja keine Gewinnverpflichtung auferlegt ist, ist daher immer nur das Primärbudget als aussagekräftige Kenngröße heranzuziehen. Und diese Primärbudgets sind bei nahezu allen Staaten positiv bis ausgeglichen. Dass sich der Staat sein eigenes Geld als verzinste Schuld ausleihen muss, steht auf einem anderen Blatt – und hat ebenfalls mit Naturgesetzen nichts zu tun.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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13.7.2017; Standard; Gewinne aus Griechenland-Hilfe

Gewinne?

Wer 2010 einen Kredit von 1,56 Mrd. vergeben hat und im Lauf von 7 Jahren 111 Mio. (rund 7%) zurück erhielt und das dann als Gewinn bezeichnet, muss entweder ein Irrer oder ein Ökonom sein. Oder es belegt, wenn es denn ein Gewinn wäre, dass die Kreditvergabe eine aufwandlose buchhalterische Zahlenschöpfung war, die nicht auf Tilgung, sondern auf Rente, bzw. Machtausübung ausgerichtet war. Einem Wirtschaftsjournalisten sollte sich bei der veröffentlichten Darstellung allerdings die Frage aufdrängen, ob nur Selbsttäuschung oder beabsichtigte Wählertäuschung vorliegt. Und wäre es nicht eigentlich Aufgabe der Medien, über die Mechanismen der Geldordnung und die Hintergründe deren Versagens aufzuklären, anstatt sich zu derart skurrilen Meldungen missbrauchen zu lassen?

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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30.6.2017; OÖN; H.Neumüller, Verlorenes Jahr

Voran – aber wohin?

Vollig zu Recht bedauert Hermann Neumüller das durch die vorgezogenen Wahlen verlorene Jahr für die Staatsbürger, die quasi „stranded costs“ für ihr ohnehin nicht ganz freiwilliges Investment in die Vorfinanzierung politischer Arbeit zu schultern haben. Das Argument des Bedauerns, „Wer stehen bleibt, fällt zurück“, erscheint mir allerdings eine substanzlose Zahlen-Demagogie ohne gesellschaftsformende Relevanz zu sein, und lässt Erinnerungen an Qualtingers „Wüd’n mit seina Maschin‘ “ aufkommen.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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27.6.2017; profil Nr.26, J.Gepp; Fakten-Check zu 5 Mrd. Einsparungen

Zu “Kurz” gedacht, oder: Die andere Sicht

Sebastian Kurz will (jährlich!) 5 Mrd. bei staatlichen Förderungen einsparen. Klingt zunächst attraktiv und mutig. Fördermittel fließen jedoch stets direkt in den Konsum und erhalten demgemäß die Wirtschaft am Laufen. Fallen hier 5 Mrd. weg, dann entgehen “der Wirtschaft” 5 Mrd. an Einnahmemöglichkeiten. Daran ändert sich auch nichts, wenn man als vermeintliche Kompensation Steuersenkungen verspricht, denn wo aus Mangel an Nachfrage kein Gewinn entstehen kann, fallen auch Steuern nicht ins Gewicht, sehr wohl aber die Unlust, zu investieren.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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11.6.2017; profil Nr.24, C.Zotter; „Gestatten, Mr.Euro“ – Ein Eurozonen-Finanzminister?

Es geht um das Recht zur Geldschöpfung!

Nun, einen weder demokratisch gewählten noch parlamentarisch kontrollierbaren EU-Regierungschef haben wir ja bereits: Mario Draghi. Was nun die Eurozone anbelangt, so geht es, wie bei jeder Währung, weniger um den Namen und den Geltungsbereich, als um die Art der Erzeugung und Inumlaufbringung. Es müsste daher zunächst die Geldschöpfung selbst, einer demokratisch durch den Souverän kontrollierten, regierungsunabhängigen Institution unterstellt werden. Denn ohne Währungshoheit des Souveräns kann es auch keine wahrhafte Demokratie geben. Und der Souverän muss darüber bestimmen können, wofür und zu welchen Bedingungen das kontrolliert geschöpfte Geld Verwendung finden soll. In der derzeitigen Geldordnung, in der sich ein Staat zur Bewältigung seiner Aufgaben verschulden muss, könnte auch ein Eurozonen-Finanzminister nichts am systemnotwendigen Anstieg der Gesamtverschuldung ändern. Auch er könnte nur die steigenden Schulden zwischen den Sektoren Staat, Unternehmen, Haushalten und Euro-Ausland hin und her schieben. Eine Lösung des globalen Finanzdilemmas wäre daraus nicht zu erwarten – eher noch zunehmende Spannungen.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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9.6.2017; OÖN, H.Steinbock; Schwarz-Blau beschloss den „Deckel“ (1512.-)

Deckel drauf und gut ist’s

Es ist schon richtig, dass man sich für eine maximale Wirtschaftssubvention von 1512.- pro betroffenem Haushalt nicht zu schämen braucht. Wo aber liegt denn nun eigentlich die Schamgrenze bei den höchsten, ebenfalls nur durch die gegebenen Machtkonstellationen ermöglichten Einkommen, zu denen diese 1512.- dann in – welcher(?) – Relation stehen sollten? Durch Arbeit entstehen ja im günstigsten Fall Werte (sofern durch die Arbeit nicht sogar Werte vernichtet werden), aber kein Geld! Woher stammt das Geld, um die Werte zu “versilbern”? Solange sich die Verteilungsdiskussionen innerhalb der Illusion einer bestehenden Marktwirtschaft und ohne Augenmerk auf die Geldordnung bewegen, dienen sie ausschließlich ideologischen Zwecken im Parteienwettstreit, ohne gesamtgesellschaftlichen Bezug. Zukunftsfähigkeit sieht anders aus.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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8.6.2017 derStandard Flüchtlingskosten steigen nächstes Jahr auf 2,7 Mrd.

Die andere Sichtweise
“Flüchtlingskosten steigen 2018 auf 2,7 Mrd. Euro”, wird prognostiziert. Anders gesagt, kann man also durch die Versorgungs- und Integrationsleistungen für Flüchtlinge im nächsten Jahr mit 2,7 Mrd. realwirtschaftlicher Einnahmemöglichkeit rechnen, die noch dazu bei weiser Streuung in der heimischen Wirtschaft mehrfach umlaufen und vielfachen Produktionswert generieren könnte. Was generell diskret verschwiegen wird und damit der Förderung “rechter” Ideologien dient, ist die Klarstellung, dass ohne diesen Ausgabenposten das Geld nirgendwo für andere Zwecke übrigbliebe. Es würde ganz einfach nicht existieren. Dass sich der Staat allerdings dafür verschulden muss, liegt nicht an den Flüchtlingen, sondern an der abstrusen, unzeitgemäßen Geldordnung, mit der Banken und Finanziers die Oberhoheit über die Politik erlangten und sowohl den eigentlichen Souverän, wie auch die Flüchtlinge, als Ausbeutungsobjekte missbrauchen können.
Der (ehrliche, nicht nur eigenen Machtansprüchen dienende) Parteienwettstreit um die gesellschaftspolitische Führungsrolle würde gänzlich anders aussehen, hätte der Souverän die Hoheit über das zur Gesellschaftsentwicklung nötige Tauschmittel. Erst dann, nach einer zeitnotwendigen Reform der Geldordnung, hätten Wertediskussionen Sinn, denn bekanntlich scheitern die meisten, als sinnvoll erkannten Projekte an der Unfinanzierbarkeit – an nichts sonst. Oberstes Ziel verantwortungsbewusster Politik müsste daher die Enttabuisierung der Geldordnung in der öffentlichen Diskussion sein.
Dr.Günther Hoppenberger,LIFESENSE-Zirkel Linz
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8.6.2017 Eine Anregung (die Leser wurden dezidiert dazu aufgefordert) zu der im „Standard“ angekünigten Serie über „Anlagemöglichkeiten und wie man der Abzocke durch Banken entkommen kann“

Sehr geehrter Herr Sator,

zu der von Ihnen angekündigten Serie über “Anlagemöglichkeiten”, auf die ich mich sehr freue, ersuche ich auch auf folgende Aspekte einzugehen:

  1. Die “Abzocke durch Banken” zu vermeiden, kann grundsätzlich nicht allen gelingen, denn um Renditen als Geld realisieren zu können, muss das jemand liefern. D.h.: Was ist das eigentliche Ziel der Serie? Kleinsparer an die Börse zu locken und ihr Geld dort zu vernichten, oder tatsächlich über Funktionsweise (bzw. über Versagen) der Geldordnung zu informieren?
  2. Forderungen auf Geld (Zahl am Konto oder auf Wertpapieren) sind noch kein Geld!
  3. Zur Garantie von “Spareinlagen”: Wie ist der genaue Ablauf zur Inanspruchnahme der Garantie? Mit welchen Rechtskosten ist dabei zu rechnen? Wie erfolgt die Erhebung des Anspruchs? “Antragsformular”? An wen? Woher stammt das Geld, um die Garantie zu erfüllen? Wer erzeugt das? Wie? Wo landen dann die Schulden der Banken? (Die Bank ist geschlossen, weil bankrott – so steht es an der Tür. Was macht jetzt der Kleinsparer?)
  4. Kostenfaktor Depots.
  5. Managementgebühren von Fonds. Ausgabeaufschläge, KESt und Verkaufskosten.
  6. Die Grundkonzeption der Kreditgeldschöpfung und wie diese die Staaten (und damit das politische Geschehen) in Geiselhaft des Bankensystems hält.
  7. Tatsächliche Sicherheit für Geldvermögen könnte es nur bei “positive money” (=Vollgeld) geben.
  8. Spekulation auf eine höhere als dem Wachstum entsprechende Verzinsung ist als volkswirtschaftlich schädlich abzulehnen. Vor Veranlagungen ist daher zunächst die Moralfrage zu klären.
  9. Unterscheidung von Investition und Spekulation.
  10. Gedankenexperiment: Wäre die Veranlagung erfolgreich, wenn jeder/jede ein adäquates Aktiendepot hielte und die jährlichen Dividenden zur Lebensführung ausreichten?

Gerne werde ich Ihre Serie aufmerksam lesen und werde mir auch fallweise Kommentare gestatten, die ich – bereits vorweg – nicht als Kritik, sondern als Anregung verstanden wissen will.

Viel Erfolg wünscht mit besten Grüßen,

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

Herr Sator hat am 11.6. geantwortet:

Lieber Herr Hoppenberger, Punkt 8 finde ich sehr interessant, darauf möchte ich später einmal eingehen. Alles Gute! Lg, Andreas Sator

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6.6.2017; OÖN, Steuern runter: Kurz‘ erste Ansage.

Die Entzauberung nimmt ihren Lauf

Mit der höchst unoriginellen Wahlwerbeidee einer jährlichen Steuerentlastung von 12-14 Mrd., dokumentiert Sebastian Kurz seinen mangelnden Sachverstand zur Krisenbewältigung. Die Finanzcasinos werden es ihm danken. Die vielleicht zugrundeliegende Annahme, dass sich dadurch die nachfragewirksame Kaufkraft zugunsten der Einkommensmöglichkeiten für die noch gemeinwohlorientierten, realwirtschaftlichen Unternehmen in adäquatem Ausmaß erhöhen wird, kann nur als naiv bezeichnet werden.

Dr. Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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3.6.2017; Schreiben an den OÖ Landeshauptmann, Mag.Thomas Stelzer. Auslöser: Inserat „Schulden haben bei uns keine Zukunft“

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann,

in einer aus Steuermitteln bezahlten entgeltlichen Einschaltung in den heutigen OÖN proklamieren Sie für “Die Neue Zeit” unter Ihrer Ägide, dass “Schulden bei uns keine Zukunft haben” und dass Sie mit der geplanten gesetzlichen Schuldenbremse OÖ zum Land der Möglichkeiten machen werden. Diese einfache Botschaft mag schlichte Gemüter zwar hoffnungsfroh stimmen, steht sie doch im Einklang mit den betriebswirtschaftlichen Anforderungen, die an jeden Privathaushalt gestellt werden. Wenn man jedoch nur halbwegs weiß, wie unsere Geldordnung gestaltet ist, sollten bei diesem unrealistisch ambitionierten Vorhaben der Landespolitik alle Alarmglocken schrillen. Wie könnten Schulden in einem Schuldgeldsystem keine Zukunft haben?

Politik hat ja doch nichts mit Betriebswirtschaft zu tun und ist daher auch außerhalb der volkswirtschaftlich produktiven Werteschaffung angesiedelt. Als Repräsentant des werteschaffenden Souveräns ist es aber die Aufgabe der Politik, Zielwerte zu sammeln, zu bündeln und als konsensuale Richtlinie für gedeihliches Zusammenleben zu verbreiten und für die Überwachung, Beibehaltung und gegebenenfalls für vom Souverän als zeitnotwendig erkannte Adaptierung der Zielorientierung Sorge zu tragen. Politik beginnt daher stets im Bildungsbereich (nicht zu verwechseln mit Ausbildung!).

Die in jeder ausgereiften Volkswirtschaft immer drängender werdende Wertefrage wird aber nicht dadurch behindert, dass Einstellungs- und Haltungswerte nicht gelebt werden wollen, sondern dadurch, dass diese den Anforderungen des Finanzsystems, das nun einmal auf Schuldenwachstum beruht, entgegenstehen. Und so gebe ich zu bedenken, dass sämtliche Probleme, mit denen sich die Politik konfrontiert sieht, ihren Ursprung in der mittlerweile versagenden Geldordnung haben. Es fällt schwer zu glauben, dass das noch nicht erkannt wurde. Umso erstaunlicher ist jedoch die konsequente Tabuisierung der Geldthematik.

“Keine Schulden mehr” ist leicht gesagt. Haariger wird es bei der Beantwortung der Frage: Auf wessen Schultern möchten Sie die Schulden übertragen, bzw. wem möchten Sie Einkommensmöglichkeiten vorenthalten?

Und so ist ja auch die auf selber Seite der OÖN erwähnte Äußerung von Dietmar Halper, dem Chef der Politischen Akademie der ÖVP, was die Kernfragen zur Wahlentscheidung betrifft, (“Was habt ihr vor? Was bekommt man, wenn man euch wählt?”) eine leicht als solche durchschaubare – betriebswirtschaftliche – Marketingstrategie für die ÖVP, ohne gesellschaftsrelevanten Wertebezug. Denn “etwas bekommen” wird in unserer heutigen Welt stets mit einem geldwerten Vorteil gleichgesetzt. Auch alle anderen Parteien werden auf dieselben Fragen verführerische Antworten zu geben versuchen, womit dem Klientelismus, den Partikularinteressen, der Vorzug gegenüber dem Gemeinwohl bescheinigt wird (Politik wird aber widmungsgemäß nicht zu deren Selbsterhalt im parteitaktischen Richtungsstreit vom Souverän alimentiert). Dass das Konflikte und Rivalitäten befeuert, sollte dann nicht allzu sehr überraschen, wenn es um Geld anstatt um Werte geht.

Bei aller Bereitschaft, Ihrem Vorhaben daher viel Erfolg zu wünschen, möchte ich Ihnen dennoch nahelegen, noch vor einer gesetzlichen Verankerung einer “Schuldenbremse”, für eine Geldreform einzutreten, mit der Ihr durchaus anerkennenswertes Ziel überhaupt auch systemisch möglich wird. Als wahrscheinlich sinnvollster erster Schritt erscheint mir dazu eine “Vollgeldreform” zu sein (wie sie z.B. in der Schweiz bereits abstimmungsreif vorliegt) und ich ersuche Sie und die Damen und Herren der Landesregierung, bzw. auch innerhalb deren Parteiakademien, dieses Thema vorurteilsfrei und breit öffentlich zu diskutieren. Ausgezeichnete Aufbereitungen finden sich unter www.monetative.de, www.monetative.at, www.vollgeld.de, www.vollgeld-initiative.ch und www.positivemoney.org.

Mit vorzüglicher Hochachtung, Dr.Günther Hoppenberger

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24.5.2017; Standard, Umwelt versus Wachstum: „Politik drückt sich“
Lebensqualität gegen Wachstumsziele
Wes Geisteskind muss man im Lichte heutiger Erkenntnisse eigentlich sein, Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit als Staatsziele in einem eigenen Bundesverfassungsgesetz festschreiben zu wollen? Wir sollten uns genau merken, welche Abgeordneten sich für einen derartigen, gegen jegliche gesellschaftspolitische Vernunft gerichteten Widersinn hergeben werden.
Dr.Günther Hoppenberger,LIFESENSE-Zirkel Linz 
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21. 5. 2017; profil, Peter M. Lingens Kurz und bündig
Personenkult oder neues Weltbild?
Bekanntlich erfordert es andere Fähigkeiten in eine Funktion gewählt zu werden, als diese dann auch ausfüllen zu können. Das Aufblühen und Verwelken der immer wieder neu durch das System geschleusten Politiker zu beobachten bietet zwar ganz nette Spektakel, trägt jedoch kaum jemals etwas zur Steigerung des Gemeinwohls bei. Nicht Personen, sondern Geld, das wichtigste gesellschaftsformende Instrument, sollte machtfrei und ungehindert durch das System fließen können. Dieser banale Anspruch der Normalbürger steht leider im krassen Gegensatz zu den auf der bestehenden Geldordnung fußenden Führungsambitionen politischer Parteien und/oder Namenslisten. Wem gelingt es besser, die Reibungswärme beim “Über-den-Tisch-Ziehen” der Bevölkerungsmehrheit als fürsorgende Nestwärme zu verkaufen? Auf Neuigkeiten im Programm “Liste Kurz” darf daher mit Spannung gewartet werden, eine Vorbereitung auf Enttäuschungen sei bei aller Euphorie jedoch angeraten.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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25.4.2017; FAZ, Philip Plickert, Bundesbank gegen „Vollgeld“

Radikalität gegen mangelnde Überzeugung?

Zunächst sei anzumerken, dass die Radikalität wohl eher auf Seiten der Finanzarchitektur liegt, sonst wären ja keine Reformvorschläge nötig.

Was die mangelnde Überzeugung der Bundesbank anbelangt, so speist sich diese aus zwei Ursachen: 1. Unbegründete Angst vor Änderungen und etwaigem Machtverlust (dabei würde die Bedeutung der Bundesbank bei einer Vollgeldreform aufgewertet!), und 2., aus dem Unwillen zu verstehen (Unvermögen kann ja gewiss nicht unterstellt werden). Letzteres zeigt sich darin, dass Vollgeldreform und 100%money nach Irvin Fisher, obgleich nicht dasselbe, in einen Topf geworfen wird.

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24.4.2017; Standard, Gerfried Sperl; Immer mehr Angriffe auf die Gewaltenteilung

Es muss um eine Aufstockung staatlicher Gewalt gehen!

Unter der Überschrift, „Immer mehr Angriffe auf die Gewaltenteilung“, stellt Gerfried Sperl in seinem heutigen Kommentar im Standard völlig richtig die Gewaltenteilung als die wichtigste Errungenschaft europäischer Demokratien in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. In konsequenter Logik greift Sperl den Widerspruch auf, der sich bei Marine Le Pen, Orban und Co. einerseits aus deren Bestrebungen zur Schwächung der Gewaltenteilung und andererseits aus der Ablehnung des politischen Islam, der dieses Kernelement der Demokratie vom Grundsatz her gar nicht kennt, ergibt. Wer also den politischen Islam ablehnt, müsse folgerichtig für eine Stärkung der Gewaltenteilung als dem zentralen Instrument liberaler Verfassungen eintreten.

Geht man den vermutlichen Ursachen dieses offenkundig irrationalen Verhaltens Le Pens und Co. jedoch auf den Grund, so könnte man zur plausiblen Schlussfolgerung gelangen, dass sich diese Irrationalität aus einem ganz wesentlichen und jahrzehnte missachteten Defizit der europäischen Gewaltenteilung speist: Der Dreiteilung der staatlichen Gewalt unter demokratischer Kontrolle (Legislative, Exekutive und Judikative) fehlt immer noch die für demokratische Bürgergesellschaften alles entscheidende vierte Säule: Die demokratisch kontrollierte Oberhoheit über das Geld. Erst mit dieser vierten staatlichen Gewalt, für die als Bezeichnung „Monetative“ vorgeschlagen sei, könnten sich politische Gestaltungsmöglichkeiten zum Wohle der Bürger eröffnen und Spaltungstendenzen erübrigen. Es sei daran erinnert, dass alle, wirklich alle Probleme, mit denen die Politik konfrontiert ist, ihren Ursprung in der versagenden Geldordnung haben.

Es sei jedoch auch betont, dass bei allem Verständnis für die Frustration durch die Mängel der bestehenden Institutionen, Alleingänge, nicht nur für die Alleingänger selbst, sondern besonders auch für die gesamte europäische Idee, eine fatale Entwicklung einleiten würden. Der Schlüssel, um gegen solche nationalistischen Auflösungserscheinungen der EU ankämpfen zu können, läge daher im besonderen Augenmerk auf der Geldordnung, die an die zeitgemäßen Anforderungen einer gesamteuropäischen Bevölkerung neu zu konstruieren wäre. Die Enttabuisierung des Geldthemas in der öffentlichen Diskussion sollte daher das dringendste Anliegen aller EU-Parlamentarier sein.

Dr. Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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23.4.2017; Profil, Interview Nikbakhsh/Nowotny „Das ist doch eine Pseudodiskussion“; Ewald Nowotny über die Verfasstheit des Finanzsektors, die hartnäckige Nullzinspolitik der EZB – und die Komplexität des Windelwechselns.

ÖNB und die Bargeldversorgung

Leider hat es Herr Nikbakhsh im Gespräch mit dem Nationalbank Gouverneur Nowotny verabsäumt, die Frage zu stellen, weshalb sich die ÖNB zwar für die Bargeldversorgung, nicht jedoch für die Versorgung mit dem zumindest 8-fach bedeutsameren Buchgeld zuständig fühlen will, wie das in einem Vollgeldregime vorgesehen wäre. Es würde das nicht nur die Position gegenüber dem Bankensystem stärken, sondern auch eine Annäherung an den Souverän bringen, dessen Wohle die ÖNB doch hoffentlich dienen soll. Banken sollten die Wirtschaft mit Krediten versorgen, aber die Hoheit über die Geldschöpfung muss einzig und allein einer demokratisch kontrollierten Institution als vierter staatlichen Gewalt (ÖNB als “Monetative” ausgestaltet?) obliegen. Demgegenüber war das Gespräch von Gender-Aspekten in der ÖNB, über Babypausen bis zu Windelwechsel-Problemen geprägt – und tatsächlich eine Pseudodiskussion. Schade!

Dr. Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

Michael Nikbakhsh hat folgendermaßen darauf geantwortet: – (und freilich pflichte ich ihm bei, dass ich einen „gezielt verengten Blick auf das Manuskript“ eingenommen habe):

Ich verfolge den Diskurs zu Buch- und Vollgeld nun schon eine ganze Weile und das höchst interessiert. Darf auch darauf verweisen, dass wir uns erst kürzlich damit publizistisch auseinandergesetzt haben. Ein Thema, das schon allein qua Wichtigkeit nicht für ein Interview taugt, das a) auf 50 Minuten angesetzt war und b) um die jüngsten Einwände der OeNB zur Profitabilität der österreichischen Banken und die Reform der Finanzaufsicht kreisen sollte.
Dass das Gespräch von „Gender-Aspekten, Babypausen und Windeln geprägt“ gewesen sei, zeugt von einem gezielt verengten Blick auf das Manuskript. Nehme jedenfalls zur Kenntnis, dass das Interview über die Landesgrenzen hinaus medial breit aufgegriffen wurde (und dies ohne jeden Genderaspekt).
MfGMN

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19.4.2017; Natascha Wegelin, Finanzbloggerin und als Madame Moneypenny bekannt, wird an einer von Eric Frey (Standard) moderierten Diskussion teilnehmen. Da habe ich mich einmal auf ihrer HP umgesehen und mich zu nachstehendem Kommentar hinreißen lassen:

Liebe „Madame Moneypenny“, die Ankündigung der Podiumsdiskussion „Wege zur finanziellen Unabhängigkeit“ bei der S IMMO AG am 9.5., hat mich auf Ihre Seite geführt. Finanzielle Freiheit? Die so verlockend als Möglichkeit in den Raum gestellte finanzielle Freiheit, sprich: Das „Eslein streck dich“, gibt es gerade eben nicht. Allein schon der Versuch dorthin zu kommen, begründet doch die höchstmögliche Abhängigkeit von Geld und lässt dagegen alle sonstigen Möglichkeiten zur Werteschaffung verblassen. Die Vermarktung und Verführung zu solchen Träumereien ließe sich wohl auch anders ausdrücken: „Lassen Sie uns die Konstruktion der Geldordnung zu unseren Gunsten ausnützen. Vergessen Sie Ihre Skrupel, vergessen Sie gesellschaftliche Werte, und vergessen Sie vor allem der Frage nachzuspüren, auf wessen Verschuldung Sie Ihre finanzielle Unabhängigkeit begründen“. Klingt das denn nicht schon ganz anders und trifft das denn nicht den eigentlichen Kern? Ziel einer finanziellen Unabhängigkeit kann doch nur die Unabhängigkeit von „Gesellschaft“ sein, bzw. die Erlangung einer Machtposition die mir gestattet, über das Beziehungsverhalten anderer mir gegenüber, ohne Rücksichtnahmen bestimmen zu können.

Ihr persönlicher Erfolg sei Ihnen vergönnt. Sie haben „Geld“, von dem Sie hochgradig abhängig sind, weil es ja gerade jene, von denen Sie unabhängig sein wollen, erarbeiten müssen, zu Ihrem Lebenszweck erkoren. Das ist für mich OK. Eine halbwegs funktionsfähige Gesellschaft muss solche Einzelerscheinungen aushalten können. Als bedauerlich erachte ich jedoch, dass Sie dieses pyramidale Lebenskonzept nicht nur als nachahmenswert weiter empfehlen, sondern vorspiegeln, dass dieser Weg für alle gangbar wäre, die auf Sie hören.

Vielleicht mit Ausnahme von Bernhard Heinzlmaier, werden Sie sich am 9. Mai jedoch in bester Gesellschaft befinden und selbst den Moderator Frey ganz auf Ihrer Seite haben.

Mit besten Grüßen, Dr. Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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14.4.2017; Profil, Christian Rainer, Gottvoll gottlos

Gottvoll gottlos?

Mit diesem – für Christian Rainer eher ungewohnt unsinnigen – Beitrag, wird der eigentliche Wesenskern jedes religiösen Empfindens auf eine gesellschaftsstatistische Relation reduziert, mit dem ausschlaggebenden Merkmal “gottgläubig oder nicht”. Richtig erkannt, wenngleich nicht näher ausgeführt, schimmert die Erkenntnis durch, dass sich Religion einem demokratischen Abstimmungsprozess zwangsläufig entzieht, und Glaube daher eine höchst persönliche Auseinandersetzung mit einem Welt- und Menschenbild ist, die allerdings auch zu einem tragfähigen Lebensentwurf in der Gemeinschaft führen sollte. Leider treten hier unterschiedliche Ausprägungen von Leitfäden für gelingendes Leben als so genannte Glaubensrichtungen trotz ursprünglich analoger Zielsetzung in unheilvollen Wettstreit, in dem Religion als Machtmittel missbraucht wird.

Dennoch, auch wenn Religion Privatsache ist, wäre eine verstärkte öffentliche Diskussion über die gemeinsamen spirituellen Wurzeln mehr denn je angebracht, um der Unterdrückung von wie auch immer gearteter Religiosität durch die rein materialistisch geprägte Marktgläubigkeit, mit der der Mensch seine geistige Wesenheit verleugnet, Paroli bieten zu können. Denn was Albert Einstein vom Verhältnis Wissenschaft zu Religion sagte (“Religion ohne Wissenschaft ist blind, Wissenschaft ohne Religion ist lahm”), trifft gleichermaßen auch für unser Wirtschaftssystem zu. Mehr Spiritualität könnte uns daher auch dem eigentlichen Sinn des Wirtschaftens wieder näher bringen.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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29.3.2017; OÖN; D.Mascher, Die Arbeitslosen von Steyr

Entwertung gemeinnütziger Arbeit?

Die Idee, Arbeitslosen eine gemeinnützige Arbeit zuzuweisen erscheint ja zunächst so abwegig nicht, sollte jedoch dazu inspirieren, über den Begriff “Gemeinnützigkeit” zu reflektieren. Offensichtlich erfolgt doch damit eine Unterscheidung zu all den anderen Arbeiten, die demnach keinen Nutzen für die Allgemeinheit bringen. Zwangsläufig drängt sich da die Frage auf, wozu all die nicht dem Bereich der Gemeinnützigkeit zugeordneten Arbeiten dann überhaupt ausgeführt werden. Könnte es vielleicht sein, dass wir da in einem fundamentalen finanziellen Bewertungsdilemma stecken? Eigentlich hat doch die hoch ausdifferenzierte Arbeitsteiligkeit dazu geführt, dass jede Tätigkeit für Andere, unter gleichzeitiger Befriedigung eigener Lebensansprüche, erbracht wird. Soweit die Theorie. Die Praxis zeigt jedoch, dass wir all jenen Tätigkeiten, die weder geldwerten Gewinn, noch Verzinsung einer Vorfinanzierung versprechen, keine Entlohnung zugestehen wollen und sie daher dem Bereich “Gemeinnützigkeit” zuordnen. Gemeinnützige Tätigkeiten zeichnen sich also dadurch aus, dass sie ohne Entlohnung erbracht werden sollen? Insbesondere mit Bedacht auf die Aufgabenstellung politischer Tätigkeit, sollte uns das zu denken geben.

Dr.Günther Hoppenberger LIFESENSE-Zirkel Linz

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27.3.2017; Standard; Michael Völker, Die totale Entsolidarisierung

Solidarisierung mit Werten

Solidarität hat eine gemeinsame Werthaltung zur Voraussetzung, die auch in einer lebbaren Rechtsordnung ihren Niederschlag finden sollte. Wenn jedoch die bedingungslose Anerkennung des Rechts auf Leben durch vorrangig zu beachtende finanzwirtschaftliche Gesetzgebungen eingeschränkt wird, haben Menschenrechte verdammt schlechte Karten. Völlig richtig fordert Michael Völker zwar die menschenwürdige Haltung nicht nur gegenüber den Flüchtlingen selbst, sondern auch gegenüber den um diese bemühten NGOs ein, vernachlässigt jedoch den Aspekt, dass das global  als Wettbewerb gepriesene, von der gegenwärtig unzeitgemäßen Geldordnung oktroyierte Rivalitätsverhalten die Gesellschaften – Werte hin oder her – immer weiter in die Entsolidarisierung treibt. Flüchtlingsströme machen diesen Effekt nur schmerzhaft sichtbar. Notmaßnahmen welcher Art auch immer, werden ohne Systemänderung langfristig nicht helfen können.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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22.3.2017; OÖN, Alexander Zens; Schlechtes Image (Die Demonstranten waren nicht von Goldman Sachs)

In seinem heutigen Kommentar bemüht Alexander Zens den Begriff „Hochfinanz“ und inspiriert damit zu verschwörungstheoretischen Spekulationen. Wer oder was soll denn eine „Hochfinanz“ in bürgerlichen Demokratien sein? Eine von außen steuernde Kontrollmacht? Welche Rolle soll ihr hier zugewiesen werden? Welchen demokratischen Kontrollen untersteht denn diese „Hochfinanz“? Bestätigt Zens hier etwa, dass weder die Bürger als Souverän, noch die deren Interessen vorgeblich vertretende Politik, die Oberhoheit über das Geld haben? Sollten die Medien da nicht geschlossen auf die Barrikaden steigen und diesem Verdacht nachgehen? Sollte denn nicht vielleicht zur Behebung des globalen Finanzdilemmas eine Geldreform befürwortet werden, mit der die Oberhoheit über das Geld wieder der demokratischen Kontrolle durch den Souverän unterstellt wird – und sich um eine „Hochfinanz“ nicht mehr zu kümmern braucht? Die Vollgeldreform wäre so ein Konzept.

Dr. Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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22.3.2017 Nach Kontaktaufnahme zu einem profilierten und politisch äußerst erfahrenem „Apostel“ von Leopold Kohr („Small is beautiful“), erhielt ich eine ermutigende Rückmeldung, die ich mit nachstehenden Gedanken und in Vorfreude auf ein persönliches Kennenlernen beantwortete:

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…….vielen Dank für die netten und ermutigenden Antwortzeilen. Ja. Geldordnung und menschliches Maß schließen einander nicht nur nicht aus, sondern bedingen einander! Die jahrelange Beschäftigung mit den Grundlagen unseres Geldsystems hat mich zur Erkenntnis geführt, dass genau hierin der gesellschaftliche Spaltpilz wuchert, der uns ziemlich unbarmherzig zu “Wettbewerb” genannter Rivalität, Überschreitung jeden menschlichen Maßes, Missachtung des Goldenen Schnitts und Negierung der natürlichen, spirituellen Lebenssehnsüchte zwingt. “Vernunft” wird auf dem Altar der dogmatisch verankerten Geld- (=Schulden)-vermehrung zur käuflichen Disposition gestellt und tritt in politischen und leider sogar auch zunehmend in privaten Entscheidungen in den Hintergrund. Das eigentliche, vielfach nur mehr insgeheim zu äußern gewagte aber latent schwelende menschliche Wollen, wird von der Herrschaftsordnung des Geldes zum gesellschaftsabträglichen Handeln im Kollektiv deformiert.
Das bedeutet aber keineswegs, dass das Übel im Geld liegt, wie das Charles Eisenstein verortet, denn “Geld” muss als eine der großartigsten Erfindungen der Menschheit erkannt werden, die so etwas wie “Gesellschaft” überhaupt erst ermöglicht hat (Ausgezeichnet ausgeführt von Raimund Dietz in “Geld und Schuld”). Es geht um die “Versöhnung” mit Geld – was eine Geldordnung voraussetzt, mit der Geld seine segenstiftende Wirkung entfalten kann und die Verwirklichung natürlicher Lebenssehnsüchte erst ermöglicht.
In den Vorarbeiten zur “Wende der Titanic” sind Herbert Rauch und ich darüber immer wieder in aller Freundschaft aneinander geraten. Vernunft ist ja eigentlich eine glasklare Sache. Sie ist in der Natur des Menschen angelegt. Vernünftig (außerhalb eines Inseldaseins) zu handeln, ist jedoch abhängig davon, ob es die Machtverhältnisse zulassen. Oder in logotherapeutischer Sichtweise: Selbst wenn wir die inneren Schwächen, die uns als “Sinnbarrieren” (Elisabeth Lukas) vom naheliegenden sinnzentrierten Handeln abhalten, nämlich “Gewinn, Lust und Bequemlichkeit”, zu überwinden vermögen, stehen wir den uns systemisch aufgezwungenen “äußeren Sinnbarrieren” gegenüber, die ich als “Macht-, Neid- und Imitationsverhalten” bezeichnete und die uns sehr nachdrücklich dazu zwingen, auf Vernunft und Sinn zu vergessen. Und es ist nicht das Geld, sondern die Geldordnung, die das höchste Macht-Atout unserer Epoche darstellt (Das wirksame Prinzip der Macht ist ja die Erpressung). Die Aufgabe besteht also darin, “der Macht” zur Einsicht zu verhelfen, nicht sie zu bekämpfen.
Der Schlüssel zu naturverbundenem, nachhaltigem Leben, das langfristig auch die vielen visionären Modelle zu friedlichem Zusammenleben der Menschheit auf Erden ermöglichen könnte, liegt in der Geldordnung! Nicht von ungefähr hat Helmut Guggenberger in Oberndorf einen Arbeitskreis “Ökonomische Alphabetisierung” ins Leben gerufen, in dem finanz- und wirtschaftstheoretische Aspekte zu neuen Einsichten führen sollten. Es ist zwar ein bisschen ruhig geworden um diesen Arbeitskreis, aber er ist mit “Attac-Flachgau” nahtlos in die Beschäftigung mit der “Gemeinwohlökonomie” übergegangen. Ein gewiss wichtiger Schritt auch in Richtung der “Sacred Economics”, aber ohne Berücksichtigung der Geldordnung wahrhaft nicht machbar. Es erübrigt sich ja, von “der Macht” Vernunft einfordern zu wollen. Und gewalttätige Machtverschiebungen würden die Qualität des eigentlich angestrebten Zieles völlig entwerten. Somit bleibt also nur mühsame, undogmatische Überzeugungsarbeit. 
Was nun Ihr freundliches Angebot für einen Gastbeitrag betrifft: Schön wäre halt so eine auf 6-8 Seiten (oder kürzer) kondensierte Zusammenfassung der Kernbotschaften von Leopold Kohr. Was die Leserschaft betrifft, so bewegt sich diese (sofern sie sich bewegt), in den von mir als Plattform vorgesehenen Sektoren Geld und Finanzen, Energie und Umwelt, Gemeinwohl und Gesellschaft. Was ich damit anstrebe ist eben eine Bewusstmachung von Zusammenhängen und Anregen zu selbständigen Überlegungen, zu Innehalten, Selbstreflexion und Sinnfragen. Wie weit mir da ein wesentlicher Beitrag gelingt, weiß ich nicht, aber ich versuche eben einige Samenkörnchen zu setzen. Derzeitiger Schwerpunkt ist gewiss mein Eintreten für eine Vollgeldreform, doch versuche ich stets zu betonen, dass Geldreform ein notwendiges Mittel, jedoch nicht das eigentliche Ziel ist. Ziel muss das harmonische Zusammenleben der Menschheit auf Erden sein.
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14.3.2017; Standard; Andreas Sator; Trumps Problem mit dem deutschen Sparer

Dezente Desinformation?

Mit einer ziemlich schlichten Vorstellung über die heutigen Geldmechanismen versucht Andreas Sator seinen Lesern den Begriff “Leistungsbilanzdefizit” zu erklären. Mit dem von ihm bemühten Inselbeispiel, bei dem Defizite erst entstehen, wenn Kredite, die nicht durch Lieferungen bedient werden können, von außerhalb zufließen, liegt er zwar im Prinzip richtig, scheut jedoch die logische Schlussfolgerung, dass unsere Erde, die “Insel im All”, kein Leistungsbilanzdefizit, sondern nur genau so, wie auch auf seiner Insel mit zwei Familiendynastien, eine Ungleichverteilung von Schulden und Guthaben aufweisen kann. Interessant ist freilich, dass Sator der kreditgebenden Familie (Sparer?) der Insel ausgerechnet den Namen Jackson zugewiesen hat. Andrew Jackson war bekanntlich ein vehementer Gegner des privaten Bankengeldes. Für ihn war klar, dass das Geldschöpfungsrecht einzig und allein dem Souverän zusteht.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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Ergänzende Anregung zur gestrigen (5.3.2017) Diskussion in „Im Zentrum“ 
Sehr geehrter Herr Mag. Leichtfried
Mag. Bürstmayr hat gestern mit seinem Gleichnis der Kuchenaufteilung den Finger auf die entscheidende Wunde unseres Systems gelegt. Leider wurde darauf nicht näher eingegangen.
Es mangelt ja weder an Zutaten noch an Bäckern – sondern am Geld zur Vorfinanzierung, weil im “Kuchenbacken” (Realwirtschaft zur Werteschaffung) keine verlockende Renditemöglichkeit erkannt wird. Das Problem liegt in der Geldordnung. Ich möchte sogar behaupten, dass alle, wirklich alle Probleme, mit denen die Politik heute konfrontiert ist, ihren Ursprung in der versagenden Geldordnung haben. Alles dreht sich ums Geld, bzw. dessen Mangel, und dennoch ist “Geldordnung” das größte Tabuthema unserer Zeit. Die Funktionsweise des Geldes, seine Schöpfung und Inumlaufbringung werden hartnäckig aus der öffentlichen Diskussion fern gehalten. Als ob es gottgegeben und damit alternativlos wäre, lassen wir unser Leben von den Anforderungen eines künstlichen Konstrukts diktieren, das ursprünglich dazu gedacht war, unser Leben in gemeinsamer Werteorientierung zu entwickeln. Geld hat so etwas wie Gesellschaft überhaupt erst ermöglicht (R.Dietz; Geld und Schulden) und es geht daher nicht um eine Verteufelung des Geldes!
Das Problem liegt in den Spielregeln des Geldes, die ganz einfach nicht mehr zeitgemäß sind und entsprechend den heutigen Erfordernissen verändert gehörten. Wenn die Menschheit eine Zukunft haben soll, braucht sie auch ein friedensfähiges Geld. Unsere heutige Geldordnung wirkt jedoch kriegstreibend – auch wenn wir das als Wettbewerb bezeichnen (und die von der Geldordnung verursachten Leichen unter der Decke zu verstecken trachten).
Seit über 20 Jahren in der Geldreformszene mit dem Thema befasst, meine ich in einer Vollgeldreform den wesentlichsten und notwendigen ersten Schritt zu erkennen, um aus dem globalen Finanzdilemma heraus zu kommen. Erst mit Vollgeld könnten Staaten überhaupt erst ihre Souveränität zurück gewinnen. Dass dann noch weitere Reformschritte angeschlossen werden müssten, um Geld zu einem durch die Wirtschaft strömendem Hilfsmittel auszugestalten, ist keine Frage – aber erst besonders nach einer Vollgeldreform, die weitere Vorteile wie Möglichkeit der Staatsentschuldung, tatsächliche Sicherheit von Sparguthaben, etc. böte, möglich.
Dass sich keine Partei dazu aufraffen kann, sich mit der Geldordnung auseinander zu setzen, wirft ein bezeichnendes Bild auf die bedauernswerte Lage des Staatsbürgers als dem eigentlichen Souverän, auf dessen Rücken die Machtspiele der “Großen” ausgetragen werden. Aber es wirft freilich auch ein trauriges Bild auf die Gleichgültigkeit der Menschen, die sich noch nie die Frage nach der Herkunft des Geldes und dessen Spielregeln gestellt haben.
Es würde mich freuen, wenn Sie, Herr Mag. Leichtfried, sich näher dafür interessieren und auch in weiteren Diskussionen einfließen ließen. Nähere Informationen unter www.vollgeld.de; www.vollgeld-initiative.ch; www.monetative.de; www.monetative.at; www.positivemoney.org.
Mit besten Grüßen
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
Schmökern auf
lohnt immer
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6.3.2017; OÖN, D.Mascher, Monika Graf, Diskussion über Bargeldabschaffung

Nur Bares ist Wahres!

Die regelmäßig von den Banklobbyisten in Brüssel angestoßenen Diskussionen über eine Abschaffung des Bargeldes haben einen viel weitreichenderen Hintergrund als Terrorbekämpfung oder Eingriffe in die Privatsphäre. Da geht es um die endgültige Entmachtung staatlicher Hoheitsrechte. Den Wenigsten ist ja bewusst, dass nur Bargeld das einzige gesetzliche Zahlungsmittel (Schuldentilgungsmittel) ist. Positive Zahleneinträge auf Konten stellen nur Forderungen auf Geld gegenüber den Banken dar, sind jedoch kein gesetzliches Zahlungsmittel. Es sind unerfüllbare Versprechen der Banken.

Bevor über die Einschränkungen des Bargeldverkehrs diskutiert wird, sollte daher die Frage erörtert werden, wem denn überhaupt das Recht zur Geldschöpfung zukommen sollte. Privaten Banken, wie das heute bereits zu rund  90% der Fall ist und uns immer häufiger im Strudel von so genannten Finanzkrisen verstrickt und die Staaten bis zur Handlungsunfähigkeit immer weiter in die Verschuldung treibt? Oder einer unter Aufsicht des Souveräns stehenden Institution, für die der Name Monetative – als vierte staatliche Gewalt – vorgeschlagen wurde, und der auch das alleinige Recht zur Buchgeldschöpfung zustünde? Letzteres, als “Vollgeldreform” bezeichnet, wäre der dringend nötige erste Schritt, um die globalen Verwerfungen der Geldordnung unter Kontrolle zu bringen und  Wirtschaftsaktivitäten wieder auf das Gemeinwohl ausrichten zu können. Dann könnte man sogar auch über eine gewisse Einschränkung von Bargeldzahlungen nachdenken. Entschuldung der Staaten und tatsächliche Sicherheit von Erspartem (weil außerhalb der Bankbuchhaltung) wären weitere positive Effekte einer Vollgeldreform, wie auch die Steuerungsmöglichkeit der Geldmenge. Näheres unter www.vollgeld.de; www.vollgeld-initiative.ch; www.monetative.de; www.monetative.at; www.positive-money.org, u.v.a.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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Kurzform wegen eventuell verbesserter Chance zur Veröffentlichung:

6.3.2017

Nur Bares ist Wahres!

Es geht gar nicht so sehr um die Abschaffung des Bargeldes, sondern um den letzten Schritt zur endgültigen Entmachtung des Staates! Der schon über Jahrhunderte – oftmals mit Mord und blutigen Kriegen – geführte Kampf um das Geldschöpfungsmonopol zwischen Souverän und “Finanzmarkt”, ist der eigentliche Hintergrund dieser immer wieder aufflammenden Diskussion. Höchste Zeit, dass das Thema “Geldordnung” enttabuisiert und in breiter Öffentlichkeit erörtert wird. Alle, wirklich alle Probleme, mit denen sich die Politik heute konfrontiert sieht, haben ihren Ursprung in der versagenden Geldordnung. Weiß der Teufel, warum das von keiner Partei aufgegriffen wird und stattdessen so getan wird, als wäre die Konstruktion des Geldsystems gottgegeben und damit alternativlos. Ohne grundlegender Geldreform wird die Welt aus dem derzeitigen Dilemma nicht herauskommen.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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12.2.2017; Profil, Joseph Gepp „Einfach so“ (offene Fragen zum BGE)

Eine Frage des Welt- und Menschenbildes
Sofern wir Leben als Zweck per se und nicht als Mittel begreifen wollen, steht die Notwendigkeit eines “Bedingungslosen Grundeinkommens” außer Frage. Überlebensnotwendiges Einkommen an Bedingungen zu knüpfen hat historische Hintergründe, die sich jedoch im Wandel der Zeiten und in aufgeklärten, arbeitsteiligen, hoch produktiven Gesellschaften zunehmend als hinfällig erweisen – es sei denn, man bekennt sich zur Anmaßung der Machtausübung über die Lebensgrundlagen anderer. Nicht von ungefähr scheinen “Geldfunktion” und “Geldordnung” die bestgehüteten Tabuthemen in der öffentlichen Diskussion zu sein; denn durch Arbeit entsteht unser Geld ja keineswegs, sondern es wird nur gemäß den herrschenden Machtstrukturen innerhalb der Gesellschaft zugeteilt. Geld muss daher bereits vorgängig zur Arbeit geschaffen worden sein (Kredit). Durch Arbeit entstehen Werte (oder es werden Werte vernichtet, wenn man z.B. an die Ökologie denkt), aber es entsteht kein Geld! Alle Bedenken wegen einer Unfinanzierbarkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens gehen von der bestehenden Geldordnung und den herrschenden Machtstrukturen aus und bringen uns in gesellschaftlicher Entwicklung nicht weiter. Eines steht jedoch fest: Wer die Notwendigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht erkennt, sollte auch von seinem etwaigen Kinderwunsch abrücken. Die Finanzierbarkeit eines BGE erschließt sich aber wie von selbst, wenn wir es aufgrund eines zukunftsfähigen Welt- und Menschenbildes wollen.
Dr.Günther Hoppenberger
LIFESENSE-Zirkel Linz
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5.2.2017; Ernst Dorfner, hat meinen „Grundsatztext: Geldthematik im Gespräch“, den ich auch auf facebook gepostet hatte, mit ausgewogenen Überlegungen zu „dienendem Geld“ kommentiert.

Lieber Ernst,

“dienendes Geld” ist natürlich so eine Sache. Geld “dient” ja heute auch, wenngleich besonders einer kleinen Minderheit, zur Machtverteidigung,  zur rücksichtslosen Zerstörung gesellschaftlicher und kultureller Strukturen und zur globalen Vernichtung der Lebensgrundlagen ohne Gewissensbisse. Da Geld aber immerhin auch dem “kleinen Mann” noch ein dirigistisch gestaltetes schlechtes und rechtes Überleben verheißt, werden sowohl Visionen darüber, wie Leben sein könnte, wie auch Fragen nach den Spielregeln des Geldes, gegenüber dem reinen Streben zur – wie auch immer – Aneignung von Geld (=Verschulden anderer), unterdrückt. Die Überlebensängste der Masse scheinen die Frage nach “Leben wofür?” nicht mehr zuzulassen.

Gewiss wäre also vordringlich ein gesellschaftlicher Konsens wünschenswert, in dem man sich darüber einigt, wofür Geld eigentlich dienen sollte. Das käme vielleicht der Einleitung einer spirituell geprägten Epoche gleich. Die derzeitige Geldordnung, die auf Wachstum, Wettbewerb und Ressourcenverbrauch beharrt, lässt meiner Meinung nach keine friedensfähigen, nachhaltigen Lebensentwürfe zu (abgesehen von durchaus achtbaren, aber dennoch nur “netten”, blauäugigen Nischeninitiativen). Und so kann man nur hoffen, dass sich neue Lebenszugänge herausbilden, sobald sich dafür Möglichkeiten eröffnen.

Ich sehe da eigentlich in dem auf www.vollgeld.de (>vollgeld>vollgeldreform-papers-und-manuskripte) eingestellten paper von Erhard ein ausgezeichnetes Dokument, in dem er nicht nur eine Gegenüberstellung von jetzigem System und Vollgeld ausgearbeitet hat, sondern in dem er auch – unter Hinweis, dass Vollgeld ja keine Gesamtlösung zu bringen vermag und auch keinen Anspruch darauf erhebt, wie das manche Kritiker unterstellen – einige Möglichkeiten skizziert, die sich durch weitere Reformschritte auf Vollgeldbasis eröffnen könnten. Ich denke eben doch, dass der wichtigste Schritt zunächst die Enttabuisierung des Geldthemas in der öffentlichen Diskussion und in der Vollgeldreform läge, um weitere konstruktive Reformschritte daran anschließen zu können. Die Zeichen sprechen nicht unbedingt dafür, wenn man bedenkt, dass z.B. Kapitalverkehrskontrollen, Finanztransaktionssteuern, Schließung der Steueroasen, Unterbindung des Hochfrequenzhandels (man konnte sich nicht einmal auf eine Beschränkung auf 500 Millisekunden einigen!), weitergehende Einschränkung des Derivatehandels, etc., in weiter Ferne liegen, obwohl das alles bei entsprechendem politischen Willen relativ einfach durchsetzbar wäre (wenn es nicht immer nur um die Macht von Partialinteressen ginge).

In diesem Sinne hoffe ich, dass es Dir und Deiner lieben Gattin gut geht und Ihr wohlauf seid. Herzliche Grüße, Günther

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30.1.2017; profil; Peter Lingens; Nur eine klare Mehrheit ist effizient

Effektivität und Effizienz

Effizienz bedeutet, Dinge richtig zu tun, also mit geringstmöglichem Ressourcenverbrauch den höchstmöglichen Beitrag zum gesetzten Ziel zu leisten. In der Politik muss es jedoch primär darum gehen, sich zunächst auf die richtigen Ziele zu einigen. Die Frustration des Wahlvolkes rührt offensichtlich daher, dass die Ziele jeweils nur aus parteitaktischen Kalkülen gesetzt werden und an den gesamtgesellschaftlichen Interessen vorbei gehen. Daran würden auch Neuwahlen nichts ändern, so lange es keine gemeinsame klare Orientierung darüber gibt, was überhaupt unter gesellschaftlichem Fortschritt zu verstehen ist. Das vermeintlich Dringende des politischen Tagesgeschäfts scheint das Wesentliche aus dem Blick zu verdrängen.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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17.1.2017; OÖN/Standard; Schellings „Plan B“: Sparkurs

Zum Glück erst bis 2020….

Irgendwann musste es ja auf die Politik durchschlagen, dass Hans Jörg Schelling ein zwar gewiss talentierter Marketingmanager aber eben doch nur ein Betriebswirtschaftler ist, der einen Staat mit einem Unternehmen verwechselt. Immerhin kann sich “die Wirtschaft” mit entsprechend weiterer Investitionszurückhaltung darauf einstellen, dass sie sich die bis 2020 fehlenden Staatsausgaben von 3,8 Mrd. woanders – voraussichtlich von den Haushalten, oder auch in aller Unsolidarität vom Ausland – wird holen müssen. Immerhin lässt aber der sogar über ein Wahljahr hinaus erstreckte Zeithorizont erwarten, dass sich in Wahrheit nichts ändern und die Gesamtverschuldung zwangsläufig weiter ansteigen wird. Tja, die Geldordnung ist ein Hund, weshalb sie aber gerade eine größere Aufmerksamkeit anstatt Tabuisierung genießen sollte.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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12.1.2017; OÖN, A.Zens; Österreicher sind für Export, aber gegen Freihandel

Ein globales Dilemma

Die herkömmliche Auffassung, dass man Exporte benötigt, um damit die benötigten Rohstoffimporte begleichen zu können, hat ausgedient. Wenn Michael Löwy von der Industriellenvereinigung anmerkt, dass wir Exporte benötigen, um unser Sozialsystem abzusichern, sollten jedoch alle Alarmglocken schrillen. Das hat mit Globalisierung und Freihandel nichts mehr zu tun, sondern entlarvt die Freihandelsbestrebungen als Erleichterung zur Ausbeutung der jeweils Schwächeren. Es ist das ein Bekenntnis dazu, auf Kosten der Leistung anderer leben zu wollen. Dass diese Art von “Globalisierung”, die sich ausschließlich an Finanzströmen und nicht an den Lebensverhältnissen der betroffenen Bevölkerungen orientiert, zu globalen Konflikten und Kriegen führt, sollte eigentlich offenkundig sein.

Andererseits hat Herr Löwy natürlich Recht, dass, vorausgesetzt das Festhalten an der bestehenden Geldordnung, nicht nur wir, sondern alle Länder zur Bewahrung und weiteren Steigerung des in Geldgrößen ausgedrückten Lebensstandards, Exportüberschüsse benötigen. Es ist das ein globales Dilemma, aus dem die Welt ohne einer Neuausrichtung der Geldordnung nicht herausfinden wird.

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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11.1.207; StandardEin New Deal, der Österreich alt aussehen lässt.

(Gegenkommentar auf NEOS, von Claudia Gamon, Douglas Hoyos, Niki Scherak, Christoph Wiederkehr)

Sehr geehrte Frau Gamon,

der heutige Kommentar über den euphorisch angekündigten (SP) “New Deal”, der nach Meinung der NEOS Österreich alt aussehen lässt, bestätigt leider meine Befürchtung, dass auch die NEOS, gleichermaßen wie auch alle anderen im Parlament vertretenen Parteien, weder die Funktionsweise des Geldes, noch deren Bedeutung für Politik und Wirtschaft richtig verstanden haben. Ohne aber die Geldordnung gemäß den neuzeitlichen gesellschaftlichen Anforderungen zu reformieren, führen uns leider alle politischen Strömungen, gleich welcher sozialphilosophischer Ausprägung, in gemeinsamem Trott mit der untereinander konkurrierenden Staatengemeinschaft – die ja eigentlich bestenfalls eine in sich zerstrittene Problemgemeinschaft mit zunehmend unkontrollierbaren Aggressionspotentialen ist, in die Sackgasse.

Es sind die daraus entstehenden unabsehbaren Folgen, die das Leben kommender Generationen belasten werden. Die Aufgabe der Politik muss doch heute darin bestehen, all die mühsam erworbenen Werte, dingliche, soziale und institutionelle, zunächst vor allem zu bewahren und sie nicht wegen der vermeintlich gottgegebenen Anforderungen eines in Wirklichkeit frei zu vereinbarenden Hilfsmittels zu gesellschaftlicher Entwicklung, zu opfern.

Eine ernst zu nehmende Geldreform muss daher mit der Enttabuisierung des Themas “Geldordnung” im politischen Diskurs beginnen. Es wird darauf ankommen, welche Partei das als erste begreift und auf ihre Fahnen heftet. Nicht nur Sie, sehr geehrte Frau Gamon, sondern auch alle anderen Abgeordneten wären dazu aufgerufen, die Schranken herkömmlichen politischen Kästchendenkens zu überspringen und zeitnotwendige Aspekte in das politische Gespräch einzubringen. Es geht nicht um Links oder Rechts, sondern darum, wer beginnt! Sollte der heutige Kommentar der Parteilinie entsprechen, dann scheinen mir die NEOS allerdings noch sehr weit von einer zukunftsfähigen Gesellschaftsidee entfernt zu sein. Nehmen Sie das aber bitte nicht als spezifisch ausgerichtete Kritik, denn Sie befinden sich da ja leider mit den anderen Parteien in bester Gesellschaft.

Mit freundlichen Grüßen

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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5.1.2017; Standard, Gastkommentar: Wie der „New Deal“ aussehen soll.

e-mail an: Julia Herr, Max Lercher, Herbert Thumpser, Marina Hanke, Wolfgang Moitzl, Kilian Brandstätter (alle SPÖ)

Der “New Deal”

Ihrem erfrischend an neue Einsichten appellierenden Beitrag zolle ich höchste Anerkennung. Es bleibt allerdings mit Spannung abzuwarten, inwiefern sich das “Vorbild Bernie Sanders” auf Österreich übertragen lassen wird. Letztlich werden ja alle Probleme, mit denen heutige Politik konfrontiert ist, von der zunehmend versagenden Geldordnung bestimmt. Es würde gerade den jungen und aktiv um Reformen bemühten Parteimitgliedern der SPÖ gut anstehen, dieses Schlüsselthema, das quer durch die Parteienlandschaft Europas hartnäckig tabuisiert wird aufzugreifen und einer breiten öffentlichen Diskussion zuzuführen.

Konkret könnte sich dazu die Unterstützung der Vollgeldreform (www.vollgeld.de; www.monetative.de; www.vollgeld-initiative.ch) anbieten, die als erster wesentlicher Schritt überhaupt erst wieder politische Handlungsmöglichkeiten eröffnen würde. Welche Partei auch immer da als erste darauf aufspringt, könnte gewiss mit großem Wählerzustrom rechnen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg zur Gestaltung des “New Deal” und verbleibe

mit besten Grüßen, Dr.Günther Hoppenberger

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5.1.2017; OÖN, Christine Haiden, Die spinnen ja, die Finnen

Sehr geehrte Frau Dr. Haiden,

vielen Dank für Ihren ermutigenden Kommentar zum finnischen Test eines Grundeinkommens. Abgesehen davon, dass dieser Probelauf nur sehr bedingt etwas mit dem Grundkonzept eines bedingungslosen Grundeinkommens zu tun hat, liegt seine Bedeutung besonders darin, dass “Grundeinkommen” dadurch überhaupt breiter diskutiert werden kann. Die meist reflexartige Ablehnung eines bedingungslosen Grundeinkommens hat meiner Ansicht nach vor allem mit der Unkenntnis über die Funktionsweise unserer Geldordnung und insbesondere über die Entstehungsweise unseres Geldes zu tun. Durch Arbeit entsteht eben kein Geld, sondern – im günstigsten Fall – Werte! Um überhaupt arbeiten zu können, braucht es aber bereits vorgängig Geld. Der fälschliche Eindruck, dass durch Arbeit Geld entstünde, beruht ja auf der betriebswirtschaftlichen Sichtweise, weil mir für meine Arbeit ein, durch die jeweils herrschenden Machtverhältnisse der Gesellschaft bestimmter Betrag zuerkannt wird. Arbeit als Zuerkennungskriterium für das Überlebensmittel Geld, erscheint in einer hoch automatisierten Wirtschaft allerdings nicht mehr sehr sinnvoll. Andererseits kratzt ein Zuteilungskriterium “Leben” natürlich an der Machtfrage und entlarvt die ablehnenden Haltungen als egozentrierte Ablehnung der Lebensmöglichkeiten für andere.

Dennoch bin ich überzeugt, dass die Notwendigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens eingesehen wird, sobald einmal die zunehmend versagende Geldordnung in der breiten Öffentlichkeit diskutiert und verstanden wird. Es wäre das zugleich ein reizvoller Auftrag an die Medien, dieses Tabuthema endlich aufzugreifen.

Nochmals vielen Dank für Ihren Beitrag und mit freundlichen Grüßen, Ihr Dr.Günther Hoppenberger

Lieber Herr Doktor Hoppenberger,

vielen Dank für Ihre Zuschrift und Ihre Überlegungen. Ich habe auf Ihrer Lifesense Website etwas geschmökert, interessant, was Sie da vorhaben bzw. wofür Sie sich einsetzen.  Ich schau mir das gerne genauer an, bin aber aufgrund meiner redaktionellen Aufgaben nicht in der Lage, mich selbst in die Materie zu vertiefen. Aber es ist auch wichtig zu wissen, wo KollegInnen recherchieren können, wenn sie an einem Thema dran sind. Da werde ich Ihren Kontakt gerne weiter geben.

Viele Grüße

Christine Haiden

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3.1.2017; Standard, Alan Posener; Europa braucht einen New Deal

Mangel an Eliten in der Politik

“Europa ist ein Elitenprojekt”, schreibt Alan Posener im “Kommentar der Anderen” und bringt damit den Elitenbegriff in die Diskussion ein. Leider sind es aber eben gerade nicht die Eliten, die politische Entscheidungen treffen, sondern es sind jene, die sich als Eliten wähnen, weil ihnen – wie und wodurch auch immer – Entscheidungsbefugnisse zugestanden (oder angeeignet) wurden. Der Elitenstatus hat aber etwas mit Bildung, Philosophie und vor allem mit Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Leben zu tun. Und es sind daher nicht die tatsächlichen Eliten der Bevölkerungen, die die Kriege dieser Welt inszenieren, sondern es sind die sich selbstgefällig als Eliten betrachtenden Persönlichkeiten, die unter Missbrauch der in sie vertrauenden Bevölkerung, Hahnenkämpfe um Macht und Ansehen unter Ihresgleichen ausfechten. Ja! Europa braucht echte Eliten in der Politik – doch wo sind sie, und wie könnten sie sich durchsetzen, ohne von einer starken Bürgergesellschaft getragen zu werden?

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz

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1.1.2017 profil; P.Lingens/C.Rainer; „Postfaktische“ Neuwahlen

Gut ist anders – aber was heißt „besser“?

Berücksichtigt man die Freiheitsgrade die der Politik insgesamt noch zur Verfügung stehen, dann hat Peter Lingens so Unrecht ja nicht, dass das parteipolitische Zusammenspiel 2016 gar nicht so schlecht war, auch wenn die Wirtschaftsdaten nur einen Teilaspekt gesellschaftlichen Befindens zum Ausdruck bringen können. Um jedoch den eher düsteren Erwartungen von Christian Rainer für 2017 nicht zu entsprechen, müssten sich alle demokratisch legitimierten Parteien gemeinsam ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden. Da geht es um die Bedeutung von “besser”, und es geht um die gemeinsamen Anstrengungen zur Setzung zeitgemäßer Rahmenbedingungen, die staatspolitischen Entscheidungen für das Gesamte den Vorzug gegenüber Partikularinteressen ermöglichen. Die Selbstkastration heutiger Politik, die nur mehr Verdorbenes hin und her zu schieben vermag, liegt in der Tabuisierung der Geldordnung. Eine Gesellschaft ohne Hoheit über ihr Geld, ist aber weder zu wirtschaftlicher, noch zu kultureller Entwicklung in der Lage. Was Europa braucht, ist daher eine neue Geldverfassung!

Dr.Günther Hoppenberger, LIFESENSE-Zirkel Linz