2014

LESERBRIEFE UND KOMMENTARE 2014

 31.12.2014; OÖN, Neumüller, Freier Handel als Bedrohung für…..

Von der Bedrohung für Exportnationen zur Bedrohung für Importnationen?

Tarifäre und nichttarifäre so genannte Handelshemmnisse haben sich historisch herausgebildet und dienen dem Schutz eines Wirtschaftsraumes vor nicht benötigten und/oder nicht erwünschten Importwaren, und sind somit zweifellos vernünftige Instrumente, die politischen Verantwortungsträgern noch zur Verfügung stehen. Dass dirigistische Maßnahmen ein Dorn in den Augen von Großkonzernen ist, sollte allerdings nicht verwundern. Dennoch muss für den redlichen Handel stets die Kundenzufriedenheit im Vordergrund stehen, unabhängig davon, ob der Kunde im Inland ist, oder in einem anderen Staatsterritorium mit anderer Gesetzgebung. Wenn vom Exporteur Anforderungen und Bedingungen des Abnehmerlandes nicht erfüllt werden können, wird er nichts verkaufen können. Das ist doch auch gut so. Ein zusätzlich positiver Aspekt von Handelsschranken liegt auch in der Eindämmung unsinnigen Warenabtauschs und Stärkung der Regionalität. So what?

Geht es bei den Freihandelsabkommen nicht vielleicht doch nur um die Erleichterung, Schulden hin und her schieben zu können?

Dr. Günther Hoppenberger

31.12.2014; Standard.at; Steuerzahler eine schrumpfende Spezies

Undifferenzierte Sichtweise!

Wie selbstverständlich wird wieder einmal Einkommen mit Verdienst gleichgesetzt. Bedenkt man, dass sämtliche Steuern von den Konsumenten bezahlt werden, weil Steuern eine kalkulatorische Größe sind, die in den Preisen enthalten ist, dann sind Steuerzahler keine schrumpfende Spezies, sondern sie steigen im Gleichklang mit dem Bevölkerungswachstum an.

Beamte nehmen natürlich einen Sonderstatus ein, weil sie den Normalbürger durch zum Teil widersinnige gesetzliche Auflagen zur „Konsumation“ auch unerwünschter Leistungen zwangsverpflichten müssen. Doch auch Beamte zahlen nur die in ihren Konsumationen enthaltenen Steuern.

30.12.2014; Standard.at; Antwort auf Reaktion

Das ist der Unterschied zwischen Betriebs- und Volkswirtschaft und das ist doch der Clou des Schuldgeldsystems, dass die Zinsen immer nur durch Neuverschuldung aufgebracht werden können, egal ob von Staat, oder privat, oder durch Übertragung der Schulden ans Ausland (Exporterfolge!). Der Kapitalismus beruht auf ständig verfügbaren Nachschuldnern. Schulden können immer nur zwischen den einzelnen Sektoren (Staat, Haushalte, Unternehmen, Ausland) hin und her geschoben werden, müssen systemisch bedingt insgesamt dennoch immer ansteigen. Drum ist ja diese ganze Geschichte mit Schuldenbremse und Sparpaketen eine perfide Irreführung, weil sie nur den Staatssektor im Fokus hat, die Gesamtverschuldung jedoch trotzdem weiter ansteigen muss. Und nicht zu vergessen: Die Schulden sind unser Geld!

Meinung

Ideale Politiker gesucht: Schwierige Ehrlichkeit

30.12.2014; Standard.at; Einserkastl, Rauscher

Weltwirtschaftssystem und Weltfinanzsystem sind unterschiedliche Dinge!

Mit der aus marktwirtschaftlicher Sicht unnötigen „Bankenrettung“ wurde der Totalkollaps des Weltfinanzsystems unter extrem hohen gesellschaftlichen Kosten und mit Untergrabung demokratiepolitischer Entwicklungen dennoch nur aufgeschoben. Das dicke Ende kommt noch – und viel heftiger, als es 2008/9 gewesen wäre.

Das Schreckensszenario von 1931, obwohl auf ganz anderem weltwirtschaftlichen Niveau entstanden, war das willkommene Argument (ähnlich der regelmäßig eingesetzten Arbeitsplatzkeule), die Regierungen zum Einknicken zu Lasten deren Bevölkerungen zu bringen.

30.12.2014; Standard.at; Seidl; Ehrlichkeit der Politiker

Zur Ehrlichkeit der Politiker am Beispiel Anhebung des Pensionsalters und/oder Reduktion der Pensionshöhe……

…gehört auch das Eingeständnis, dass diese Maßnahmen zwar volkswirtschaftlich unsinnig, keineswegs nachhaltig und wegen steigender Arbeitslosigkeit ohnehin undurchführbar sind, und dass sie sich nur rein rechnerisch aus der vermeintlichen Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung der Geldordnung ergeben. Ehrlich wäre auch das Eingeständnis, sich der Fremdsteuerung durch Parteidoktrinen beugen zu müssen. Als Offenheit würde auch das nachweisliche Streben nach verändertem Verständnis der uns antrainierten Auffasssung von Erwerbsarbeit und Einkommen Zustimmung seitens der Bevölkerung erfahren. Auf den Schultern würden Politiker getragen werden, die das TINA-Prinzip politischer, so genannter „Lösungen“ in Frage stellen.

Eben. Intuition kann man nicht messen und wägen und liegt wie Leben, Liebe, u.ä. außerhalb der wissenschaftlichen Zugänglichkeit.. Die Fähigkeit hat nichts mit der Wünschelrute zu tun, wie auch die Geschwindigkeit im Auto nichts mit dem Tachometer zu tun hat. Es sind Anzeigegeräte. Niemand behauptet doch, dass die Fähigkeit in der Wünschelrute liegt!

Gerade die Erfassung von Zusammenhängen ist ja problematisch, weil durch unsere 3-dimensionale Beschränkung Koinzidenzen in keinerlei Kausalität eingeordnet werden können. Wissenschaft ist als Methode zwar generell anwendbar, das heißt aber nicht, dass sie für alle Lebensbereiche generell Antworten zu liefern vermag. Und kaum ein Wissenschaftler würde das jemals erwarten.

Wissenschaft

Die Wünschelrute

Mi, 24.12.2014, 20:38

Vielleicht rührt die Beunruhigung mit zunehmendem Alter auch von der Angst…. …..gelebt zu haben, ohne sich dem Verständnis über das Leben angenähert zu haben. Gelassenheit statt Kotzen wäre da angebracht, weil es, wie es so schön heißt, zwischen Himmel und Erde ganz einfach mehr gibt, als wir mit all unserer Wissenschaftlichkeit erklären können. Geduld, Geduld! Heute noch unerklärliche Phänomene werden irgendwann ihre Erklärung finden. Die Unruhe reflektiert unsere Angst, früher zu sterben.

Wissenschaft ist eben für alles, was im weitesten Sinne unter Spiritualität verstanden werden kann, nicht zuständig.Selbst die Entschlüsselung des genetischen Codes hat uns der Erkenntnis, was Leben eigentlich ist, nicht näher gebracht.

Wissenschaft

Die Wünschelrute

Di, 23.12.2014, 17:03

In einem Schuldgeldsystem kann nur mit Schulden finanziert werden Das Problem liegt nur darin, nach der Finanzierung, wovon auch immer, die Schulden weiter zu reichen – und da wird es immer enger auf der Welt. Exporte sind dafür ein bewährtes Mittel, weshalb alle Länder ihre Exporte zu stärken versuchen, unter gleichzeitiger Reduktion der Importe. Dass das nicht gut gehen kann, würde selbst den Schildbürgern einleuchten.

Unsere Eliten sind dahingehend eher Erkenntnis-resistent.

Wirtschaft

Frankreichs Schuldenberg wächst

Di, 23.12.2014, 14:17

Wer schon erlebt hat, ….. …wie ein Wünschelrutengänger – aus Gefälligkeit und kostenlos – einen Haarriss in einem Wasserrohr in 1,5m Tiefe lokalisierte, oder der ziemlich präzise die zu erwartenden Sekundenliter für einen zu schlagenden Brunnen angeben konnte, ja sogar auch auf einen weiteren Wasserhorizont (mit richtiger Tiefen- und Literangabe) hinwies, der fragt sich eigentlich nicht mehr, ob das auf Wissenschaftlichkeit beruhte.

Wissenschaft ist eine Methode unter festgelegten Rahmenbedingungen. Die Methode ist jedoch selbst nicht Wissenschaft! Daher muss Wissenschaft außerhalb unserer selbstbeschränkenden Glaubenssätze versagen. Es sollte nicht verwundern, dass das Unbehagen hervorruft, wenn kausales Denken keine Erklärungen für Phänomene liefern kann.

Wissenschaft

Die Wünschelrute

14.12.2014; OÖN; 616 Mio. zusätzlich für Heer

Hubschrauber oder Schulen?

Mit der soeben fixierten Heeres-Reform wurde gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten der Rüstungsindustrie ein budgetiertes zusätzliches Auftragsvolumen von 616 Mio. unter den Christbaum gelegt. Wenn das kein falsches Signal ist, wenn nachweislich unrentable Ersatzinvestitionen, die bestimmungsgemäß ausschließlich der Vernichtung oder Verrottung dienen, Vorrang gegenüber zukunftsorientierten Maßnahmen gesellschaftlicher Entwicklung genießen?

Dr. Günther Hoppenberger

24.12.2014; Standard; Heer erhält bis zu 616 Mio für Ersatzinvestitionen

Irrtum!

Nicht dem Heer, sondern der Rüstungsindustrie wurden 616 Mio Auftragsvolumen unter den Christbaum gelegt. Bestimmungsgemäß dienen Rüstungsgüter der Vernichtung oder Verrottung. Wären da nicht „Ersatzinvestitionen“ im Jugend- und Bildungsbereich sinnvoller, um eine bessere, zukunftsfähige Basis für gesellschaftlichen Zusammenhalt anzustreben?

Dr. Günther Hoppenberger

23.12.2014; Standard.at; Frankreichs Schuldenberg wächst

Die kollektive Suche nach den letzten noch bereitwilligen Schuldnern…..

….wird wegen Aussichtslosigkeit das Augenmerk als nächstes auf die Wehrlosigkeit potentieller Kandidaten richten. Am Ende werden die globalen Schulden auf den Schultern des hoch zu lobenden und weltweit verfügbaren „kleinen Mannes“ lasten.

Die Tragik der Menschheit, die ein Schuldgeldsystem mit aller Gewalt aufrecht erhalten möchte, liegt nun einmal darin, dass Schulden immer nur übertragbar sind. Die auf uns zukommende Epoche wird von den Historikern einmal mit verwundertem Kopfschütteln ob so viel Blödheit, als verlorene Zeit der Entwicklungsgeschichte in die Annalen eingehen.

22.12.2014; profil; Rainer; 2014 ff.

Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten

Als „unschön“ charakterisiert Christian Rainer die im zu Ende gehenden Jahr an global verstreuten Schauplätzen ablaufenden Ereignisse und Entwicklungen und fragt sich nach deren gemeinsamen Mustern. Resignierend stellt er fest, „dass jede Gemeinsamkeit fehlt, dass nichts mit nichts zu tun hat“ und kommt folgerichtig zum ernüchternden Schluss, dass 2014 ff. nichts Gutes verheißen.

Um aber Gemeinsamkeiten erkennen zu können, muss man an die Wurzel der jeweils so unterschiedlichen Symptome gehen und die liegt zweifellos in der gemeinsamen, kritiklosen Anerkennung des Primats unserer Geldordnung mit daraus unvermeidlich folgender Deformierung des Strebens nach gemeinsamen Zielen im globalen Zusammenhalt. Weichen wir auch weiterhin dieser anstehenden „Wurzelbehandlung“ aus, werden sich Christian Rainers Befürchtungen für 2015 ff. tatsächlich leidvoll bewahrheiten. Mit machtorientierter Verblendung in die Katastrophe?

Dr. Günther Hoppenberger

12.12.2014; Standard, Rauscher (1erK.) Nicht viel Trost

Verkennung der Situation

Leider haben wir es genau nicht mit einer Krise zu tun, denn da gäbe es Hoffnung, dass diese vorübergeht. Die Menschheit steckt jedoch in einem globalen Dilemma fest, was einem weltweit verbreiteten System geschuldet ist, das sich nur durch Wachstum (=Schuldenwachstum) und damit Verdrängungswettbewerb aufrecht erhalten lässt. Wir sollten die Politik darin bestärken, sich vom Zwang der systemischen Anforderungen zu befreien und sich im Sinne des Gemeinwohls, das weit über die nationalen Grenzen hinaus zu denken ist, die Gestaltungshoheit zurück zu holen, sonst führt jede Weichenstellung, unabhängig von der parteiideologischen Prägung geradewegs in die menschliche Katastrophe: Verelendung und/oder Krieg.

Dr. Günther Hoppenberger

11.12.2014; OÖN, W.Braun; Steuerreform und wirkliche Entlastungen

Ungedeckte Schecks zur Entlastung

Da wir zur Zeit dazu verdammt sind, unsere Lebensentwürfe und Lebensmöglichkeiten der Funktionsweise eines unnatürlichen Geldsystems, die auf immer weiter steigender Verschuldung beruht,  unterzuordnen, erschiene es doch viel eher angebracht, die Spielregeln des Systems zu überdenken, anstatt stets nur die Ansprüche auf Leben „reformieren“ zu wollen. Eine breit geführte, Ideologie abstinente Diskussion über das sorgfältig ausgearbeitete Konzept „Monetative und Vollgeld“ sollte längst schon von den Medien angestoßen worden sein und könnte der Politik wieder Rückenstärkung durch die Normalbürger verleihen.

Dr. Günther Hoppenberger

30.11.2014; profil, Lingens, Pensionspolemik

Absurde Zahlenspiele

Diskussionen über die Finanzierbarkeit der Pensionen werden so lange polemisch geführt werden, als von den Diskutanten die naive Annahme zugrunde gelegt wird, dass unser Geld durch Erwerbsarbeit entsteht.

Dr. Günther Hoppenberger

4030 Linz

29.11.2014; Rauscher, Standard; Steuersenkung und Sozialabgaben

Sehr geehrter Herr Rauscher,

jetzt bin ich aber platt! Erst neulich haben Sie die beunruhigend zunehmenden Steuerzuschüsse zum Pensionssystem kritisiert. Und jetzt das. Freilich haben sich im Lauf der Zeit gewaltige Pfründe und Machtbasen für Funktionäre entwickelt und freilich gehören die durchforstet. Bei allen Einsparpotenzialen geht es aber immer um die Benennung derer, denen man die Einkommensmöglichkeit kürzen möchte. Damit geht es im Endeffekt immer um die Einkommensrelationen – und da besteht wohl kein Zweifel, dass sich diese in den letzten zwanzig Jahren gesellschaftlich äußerst nachteilig entwickelt haben. Da Sparen immer ein Vorenthalten von Einkommensmöglichkeit bedeutet, müsste vorgelagert eine breit geführte Diskussion über verträgliche Einkommensrelationen stattfinden. Es geht aber, wie immer, um die Macht! Doch auch den Macht besessenen Besitzstandswahrern gehört der kluge Satz des Dalai Lama ins Stammbuch geschrieben: „Glück, ohne Bedachtnahme auf das Glück der anderen, ist undenkbar“

Ein weiteres Problem ist wohl auch die

Verschleierte Darstellung, wenn über Löhne diskutiert wird.

Wer monatlich 1.409,68 netto erhält, verdient eben nicht nur die auf dem Gehaltszettel ausgewiesenen 2.000.- brutto, sondern 2.625,20. Sonderzahlungen, aber auch Verdienst ohne Arbeit (Urlaub), noch gar nicht berücksichtigt. Der Unsinn, dem Arbeitnehmer nicht offen zu legen, was er dem Dienstgeber, bzw. dessen Kunden tatsächlich kostet, hat sich historisch im Klassenkampf entwickelt und gehörte längst abgeschafft. Dem Unternehmen kostet dieser Arbeitnehmer, der ihm jährlich 47 Wochen (abzüglich Feiertage) zur Verfügung steht, 37.500.- Das ist das Bruttogehalt! (noch ohne Arbeitsplatzkosten). Des Weiteren wird der Eindruck erweckt, dass die gewiss beträchtlichen Abzüge allesamt eine Steuerleistung wären. Der Hauptteil ist jedoch die „Prämie“ für die Sozialversicherung! Im konkreten Beispiel 11.112.- jährlich. Die eigentliche Steuerlast beträgt im Endeffekt 6.339.- und somit 17% des Jahreseinkommens. Und der Arbeitnehmer verdient monatlich netto, bezogen auf 12 Monate, in Wahrheit 1672.-

Im Unterschied zur Deckelung der Pensionshöhe ist die Deckelung der Beitragsgrundlage natürlich unsinnig, weil dadurch der hinter dem System stehende Versicherungsgedanke verloren geht.

Mit lieben Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

25.11.2014; Standard.at

Es geht um die Konstruktion des Geldsystems – egal, wie sich eine Währung nennt

Geld als solches ist zweifellos eine der großartigsten Kreationen der Menschheit. Allerdings gibt es für den Anwendungsbereich unterschiedliche Phasen im zeitlichen Verlauf (Aufbau – Sättigung – Balance), auf die die Funktionsweise des Geldes anzupassen ist.

Unser derzeitiges Geldsystem hat in der Aufbauphase nach dem Krieg Hervorragendes geleistet und in relativ kurzer Zeit die Entwicklung eines relativ breiten Wohlstands ermöglicht. Dasselbe System ist jedoch leider ungeeignet, diesen Wohlstand auch langfristig zu erhalten.

Anstatt einen grundlegenden Systemwechsel anzupeilen, wird krampfhaft versucht, am System festzuhalten, wodurch der erreichte Wohlstand wieder abgebaut wird. Notwdkt. zu Systemwechsel seit Mitte 80er Jahre bekannt

25.11.2014; Standard.at

Warum nicht Vollgeldreform (nach Vorschlag von Joseph Huber)?

„Einlagensicherung“ ist eine Wortschöpfung mit Anspruch auf psychologische Wirkung. Die Einlagensicherung kann nicht funktionieren, so lange so genannte Sparguthaben (derzeit Forderungen auf Geld) nicht außerhalb der Bankbilanz und mit der Eigenschaft vollwertiges Geld zu sein, geführt werden.
Siehe: Monetative und Vollgeld.

25.11.2014; Standard; Rauscher, „Mietrückstand“

Sehr geehrter Herr Rauscher,

ist es denn nicht wirklich nur eine Frage der Bilanzierung, bzw. der Bilanztricks? Weshalb soll eine Bundesbehörde, die dezidiert nicht auf Gewinn orientiert sein kann und sich voll und ganz aus Steuern finanziert, Miete für Gebäude zahlen, die ebenfalls bereits aus Steuern finanziert wurden und mit Steuern zu erhalten sind? Gerade im schulischen Bereich sind die Ausgaben nicht unkontrolliert und werden praktisch von den leicht zu budgetierenden Personalkosten bestimmt. Damit ist auch die Einnahmeseite beim Lehrkörper gut kalkulierbar, wobei natürlich auch die Lohnsteuerleistung der Lehrer nur als fiktiv anzusehen ist. Es ist das also ein schlechtes Beispiel für staatliche Verschwendungssucht.

Die unkontrollierten Ausgaben (= Verschiebung vom Staat an Privat) liegen viel eher bei den vermeintlich prestigeträchtigen Großprojekten, aus denen viel zu wenig Steuern zurückfließen.

Mit besten Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

From: Rauscher Hans

Sent: Tuesday, November 25, 2014 4:10 PM

To: Günther Hoppenberger

Subject: AW: Mietrückstand

Sehr geehrte Herr Hoppenberger,
die Mieten sind dazu da, um die Erhaltung zu gewährleisten und das wickelt man besser zentral ab, als jede Institution einzeln. Die wirklich großen Ausgabenschübe betreffen natürlich einzelne Großprojekte, aber wenn Sie davon ausgehen, dass die Zuschüsse zu den Pensionen 2007 acht Milliarden ausmachten, heute 10 Milliarden und 2018 13 Milliarden, dann sehen Sie, wo es hingeht.
MfG
HR

Ja, schon, zum Teil, aber eigentlich dienen Mieten zur langfristig erstreckten Tilgung der Vorfinanzierung einer Investition, die in einem Kreditgeldsystem stets wie ein Kredit zu rechnen ist. Ähnlich, wie jeder Konsum einen Deckungsbeitrag zu einer kurzfristigen Vorfinanzierung leistet. Die Notwendigkeit zur Erhaltung (Eigentum verpflichtet!) schiebt den Tilgungszeitpunkt nur immer weiter in die Zukunft. Das sind jedoch alles nur betriebswirtschaftliche Zahlenspiele, die man nicht auf staatliche Investitionen umlegen darf. Es ist doch das derzeitige Dilemma, dass sich gesellschaftlich notwendige Investitionen (Kindergärten, Schulen, Infrastruktur,…) nicht „rechnen“ und daher unterbleiben müssen, weil wir als „Wert“ immer nur den monetären Zahlenwert im Blick haben.

Aber was hat das mit den steigenden Zuschüssen zum Pensionssystem zu tun? Im Endeffekt sind diese Zuschüsse zusätzliche Wirtschaftsförderung, die den Erwerbstätigen eine Einkommensmöglichkeit bescheren. In Zeiten hoher Produktivität kommt dem Konsumenten die höchste Bedeutung im Wirtschaftsgeschehen zu! Ich glaube, dass wir uns an „Konsument“ als neues „Berufsbild“ werden gewöhnen müssen.

Wo es hingeht? In die Vernichtung des Wohlstands, wenn wir aus dem Wachstum (=Schulden- und Arbeitsplatzwachstum) fordernden System nicht heraus finden. Monetative und Vollgeld wären ein erster wichtiger Schritt, um überhaupt zu einem Wohlstands- und Wert erhaltenden System finden zu können. Letztendlich ist das natürlich eine Machtfrage, die zugleich auch über das Ausmaß zugelassener, bzw. verbotener demokratischer Strukturen bestimmen wird.

Mit lieben Grüßen

Günther Hoppenberger

23.11.2014; profil; Lingens, Angst essen Verstand auf

Angstsparen

Wie recht Sie doch haben, Herr Lingens! Liegt das Problem jedoch nicht darin, dass gerade gesellschaftspolitisch sinnvolle Investitionen keine kurzfristig absehbare Rendite abwerfen, dass aber (Schein-)Geldvermehrung immer noch Vorrang gegenüber Werteschaffung genießt und dass nicht zuletzt „die Wirtschaft“ mit der Arbeitsplatz-Keule dem Staat, also der Bevölkerung, diktiert, was unter „sinnvoll“ zu verstehen ist? Die Sprengkraft dieses Dilemmas darf nicht unterschätzt werden!

Mit besten Grüßen

Günther Hoppenberger

22.11.2014; Standard; Schnauder, (Interview mit Thomas Wieser)

Zur Sinnhaftigkeit von Regeln

Thomas Wieser, Chef der Euro-Arbeitsgruppe, stellt im Interview mit Andreas Schnauder zwar durchaus regelkonform fest, dass „Hacklerregelung und Frühpensionen für das Produktivitätspotenzial und unser zukünftiges Wachstum außerordentlich schädlich (sind)“, verschweigt jedoch, dass die zwanghafte Wachstumsbestrebung vor allem der Erfüllung der Anforderungen unseres Geldsystems zu dienen hat. Es geht um die Fortschreibung des Systemfehlers in die Zukunft, damit es sich „für uns“ noch ausgeht!

Dr. Günther Hoppenberger

15.11.2014; OÖN; Mandlbauer, „Wir wollen alles, und das ….sofort“

Die Wirtschaft verlangt es!

Wir müssen doch sogar alles und das sofort wollen! Anders lässt sich das System nicht aufrecht erhalten. Und die vielfach kritisierten Sozialausgaben sind in ihrem Kern doch Wirtschaftsförderung in Reinkultur, die erst die fortlaufenden Einnahme-, Gewinn- und Refinanzierungsmöglichkeiten für die Unternehmen schaffen. Staatliche Investitionen sind hingegen von Natur aus nicht auf Geldgewinn, sondern auf das Gemeinwohl auszurichten (Bildungswesen, Kindergärten,….). Auch diese Investitionssummen fließen primär in „die Wirtschaft“, nach Abschluss der Investition fallen jedoch dann nur mehr Kosten an. Es sollte daher nicht verwundern, dass von den aus den Sozialausgaben abgeschöpften Gewinnen in der Wirtschaft mehr Steuereinnahmen zur Finanzierung nicht gewinnorientierter staatlicher Investitionen zu erwarten sind (wenn ordnungsgemäß versteuert wird).

Dr. Günther Hoppenberger

9.11.2014; profil; Rainer; „Demokratie, eine Fehlentwicklung“

Kennen wir Demokratie?

Ist es nicht erst die fatale Gleichsetzung von Demokratie mit Kapitalismus, die seit spätestens 25 Jahren eine notwendige, sukzessive Fortentwicklung demokratischer Herrschaftsstrukturen verhindert hat? Das „Was?“ müsste in einer Demokratie vorrangig sein zum „Wie?“ und dürfte nicht durch apodiktische Vorgabe eines „Wie“ eingeschränkt werden! Das „Was“ umfasst den eigentlichen Komplex der gesellschaftlich erwünschten Lebensbezüge. Das „Wie“ hat nur nachgelagert die darauf bezugnehmende Organisationsform zu behandeln und hierin liegt die eigentliche Herausforderung an die menschliche Kreativität. Konkret hat das Heinrich Treichl (siehe: Kolumne von P.M.Lingens) als 100-jähriger zum Ausdruck gebracht: „Wenn der Kapitalismus zu wenig Arbeit gibt, versagt er“. Um die Demokratie weiter entwickeln zu können, werden wir uns wohl vom Kapitalismus in seiner heutigen Form verabschieden müssen.

Dr. Günther Hoppenberger

7.11.2014; OÖN; Thomas Spang; „Der Mann, der Bin Laden tötete“

Töten als Job? Stolz auf Morden?

Die Heldenverehrung in Person Robert O’Neills entwirft ein bedenkliches Bild der amerikanischen Gesellschaft, der damit im streng materialistischen Denken unterstellt wird, in Vergeltungsmorden eine einfache Problemlösungsstrategie zu sehen. Zum Glück trifft eine solcherart primitive Einstellung nur auf einen geringen Teil der Bevölkerung zu – was nicht unerwähnt bleiben sollte. O’Neills outing, in dem er sich strahlend und stolz als Mörder des „Terrorfürsten“, Bin Laden, präsentiert, kann eher als Spielart einer Bewältigungsstrategie seiner spätestens seit damals verkrüppelten Seele gesehen werden – wofür ihm viel Erfolg zu wünschen ist. Die Verehrung, die ihm angeblich zuteil wird, beruht wohl eher auf der Erleichterung, dass sich ein anderer, O’Neill eben, geopfert hat, einen schmutzigen Job, zu dem er sich speziell hat ausbilden lassen, auszuführen. Unabhängig von der Schuld, die ein Mordopfer vorher auf sich geladen hatte, bleibt die Wirkung des Tötens jedoch immer am Täter haften. Die Wirkungszusammenhänge des Lebens lassen sich nur durch Entfernung (Erschießung) menschlicher „Materie“ nicht austricksen. Frühere Wehrmachtsangehörige können heute noch ein Lied davon singen.

Dr. Günther Hoppenberger

6.11.2014; standard.at

Investitionen werden getätigt, um Geld zu verdienen!?!? Genau das ist ja der springende Punkt, durch den Einzelinteressen über gesellschaftliche Bedürfnisse gestellt werden.

Eigentlich sollten Investitionen getätigt werden, um gemeinwohlorientierte Werte zu schaffen (dass das mit den Steuern natürlich auch nicht immer geschieht – siehe: „Bankenrettung“ oder unsinnige Großprojekte – steht auf einem anderen Blatt).

Richtig ist natürlich, dass sämtliche Steuern von den Konsumenten bezahlt werden. Für Unternehmen sind Steuern eine rein kalkulatorische Größe.

6.11.2014; standard.at

Um Gas aus Turkmenistan in die Ukraine zu liefern…….

braucht es eine Großhandelsfirma mit dem typisch Schweizer Namen Rosukrenergo, die in der Steueroase Zug domiziliert ist und als Joint Venture von Gazprom und Raiffeisen Investment AG gegründet wurde! Jetzt erkläre mir einer, dass da die Gasversorgung und nicht nur fette Zusatzgewinne aus dieser Konstruktion im Mittelpunkt stehen, die sowohl Turkmenistan, als auch der Ukraine schaden.
Wo ist der Pranger, vor welchen man Politiker stellen müsste, die solchen Irrwitz gesetzlich möglich machen?

30.10.2014; standard.at

Verwunderlich? Wachstum heißt Zunahme der Gesamtverschuldung (Staat+Haushalte+Unternehmen)+(nicht zu vergessen!) Übertragung von Schulden auf abhängiges oder wehrloses Ausland. Wenn niemand sich mehr verschulden will, sollte es nicht wundern, dass es kein so genanntes Wachstum mehr gibt. Die zu lösende Aufgabe besteht doch darin, den erreichten Wohlstand einmal längerfristig zu erhalten. Wachstum muss möglich sein, aber nicht zwingend nötig zur Systemerhaltung. Die Ökonomen täten gut daran, ihr Augenmerk auf die von ihnen vernachlässigten Spielregeln des Geldes zu lenken. Geld ist nicht nur der Schleier über den Wirtschaftsabläufen! Es ist heute ihr Kern, auch wenn es die am leichtesten zu reproduzierende Ressource ist.

Wirtschaft

Österreichs Wirtschaft wächst nicht mehr

Für wen produzieren Sie? Offensichtlich sind Sie vom hohen gesellschaftlichen Wert Ihrer Erzeugnisse überzeugt. Das ist ja auch gut so. Wenn Sie aber alles automatisieren, müssten Sie Ihr Endprodukt auch nach Bedarf kostenlos abgeben, denn wer sollte noch kaufen? Schön, wenn Sie dann trotzdem noch aus Liebe zu Ihrer Kreation produzieren und voller Stolz auf deren globale Verbreitung blicken. Sie treten also visionär für eine geldlose Gesellschaft ein!? Wäre vielleicht einen Versuch wert. Oder geht es Ihnen nur ums Geld der anderen? Jetzt müssen Sie nur noch zusehen, dass Sie Automatisierungstechniker, Maschinen und Computer auch gratis bekommen, dann stehen Sie großartig, obzwar sozial verarmt und gesellschaftlich entbehrlich, da.

Wirtschaft

Österreichs Wirtschaft wächst nicht mehr

26.10.2014; profil; Lingens; „Europas Problem heißt Deutschland“

Sehr geehrter Herr Lingens,

einmal mehr treffen Sie genau und mit gewohnt eleganter Pointierung den Punkt des globalen Dilemmas, wenngleich mir die Überschrift dazu etwas Bauchschmerzen bereitete, weil Sie damit denn doch über die Sachebene hinausgreifen. In krisenbehafteten Zeiten wie diesen, in denen der einstmals noch konstruktive Wettbewerb zunehmend zu Rivalität zu mutieren scheint, ist die Suche nach Schuldigen und damit die Entwicklung von Feindbildern kein guter Weg für eine friedliche globale Lösung, die meiner Einschätzung nach genau in der im P.S. angedeuteten Möglichkeit zur Entwicklung eines gemeinsamen, völlig neuen Wirtschaftsdenkens liegen müsste. Immerhin konzedieren Sie Merkel und Schäuble anständige Motive und Biederkeit, auch wenn sich darin die Naivität der viel zitierten „schwäbischen Hausfrau“ versteckt, die größere Zusammenhänge nicht wahrhaben möchte. Gewiss ist es eine der schwierigsten Übungen, nationale Interessenslagen mit den Erfordernissen eines friedlichen, globalen Zusammenlebens in Einklang zu bringen, doch werden wir nicht darum herumkommen, wenn sich die Menschheit tatsächlich einmal als Krone der Schöpfung verstehen will. Insofern hoffe ich sehr, dass Sie da dran bleiben und im Laufe der nächsten Wochen das P.S. noch näher ausführen.

Mit besten Grüßen, Ihr

Günther Hoppenberger

Vernunft muss doch möglich sein!

Vernunft kann nicht bedeuten, sklavisch an ehemals sinnvollen Regelungen festzuhalten, die sich im Lauf der Zeit als gesamtgesellschaftlich untauglich erweisen. Die Konstruktion unseres Geldsystems, die unzweifelhaft sehr viel zur Entwicklung breiten Wohlstands beigetragen hat, erfordert einen ständigen Anstieg der Gesamtverschuldung. Wir nennen das immer noch Wirtschaftswachstum. Diesem Erfordernis unterliegen gleichermaßen alle Nationen. Auch die Optionen für den Umgang mit den Schulden sind für alle gleich: Man kann die Schulden nur weiterreichen, sie also auf andere Schultern übertragen. National kann man die Schulden nur zwischen den Sektoren Staat, Unternehmen und Haushalte hin und her schieben, ohne dass sich dadurch etwas an der weiterhin steigenden Gesamtverschuldung ändern würde. Global kann man aber auch versuchen, die Schulden quasi zu exportieren, sie auf andere Gesellschaften zu übertragen. Langsam sollte es daher dämmern, dass die globalen Konflikte ihren Ursprung nicht in den Gesellschaften per se, sondern in den systemischen Erfordernissen haben. Es sind diese Erfordernisse, die bei ehrlichem Bemühen um ein friedliches Miteinander zu überdenken wären.

Dr. Günther Hoppenberger

22.10.2014; OÖN, H.Neumüller, „…Schuldenkrise schnell entfachen“

Geld schaffen durch Liberalisierung?

Freilich gilt „Höhere Schulden = mehr Wirtschaftswachstum“ nicht. Vor allem, wenn man den Blick nur auf den Teilbereich „Staatsverschuldung“ richtet. Zweifelsohne ist aber Wirtschaftswachstum, eine finanzkalkulatorische Größe ohne Berücksichtigung der Lebenszusammenhänge, nur durch einen Anstieg der Gesamtverschuldung (Staat+Unternehmen+Haushalte), oder durch den Export von Schulden möglich. Und wie auch immer man es anstellt, Schulden bekommt man nur los, indem man sie auf andere Schultern überträgt. Das mehr als bedrohliche Anschwellen der globalen Gesamtverschuldung auf ein Mehrfaches des globalen Leistungsvermögens sollte zu denken geben.

Dr. Günther Hoppenberger

16.10.2014; standard.at; Sparbuch ist kein Killer-App

Ganz richtig

Die „Guthaben“ auf den Sparbüchern sind kein Geld, sondern nur Forderungen auf Geld und entsprechen einer Kreditforderung gegenüber den Banken. Je höher die Zinsen, desto schlechter die Bonität des „Kreditnehmers“ Bank. Sparer sind Gläubiger der Banken! Im Konkursfall ist das „Guthaben“ futsch. Die Einlagensicherung besteht nur auf dem Papier und soll Sparer in Sicherheit wiegen!
Ein Aufwachen der „Normalsparer“ wäre wichtig und ein Einsetzen für eine Vollgeldreform (Prof. Joseph Huber), bei der die Sparguthaben außerhalb der Bankbuchhaltungen und damit tatsächlich sicher wären.

16.10.2014; Standard; Coudenhove-Kalergi; Die Milliarde knacken

Absurder Wettkampf um Touristen

Wie bei allem, geht es wohl auch beim Tourismus um das rechte Maß und sobald der willkommene Gast zum vermeintlich überlebensnotwendigen Kunden mutiert, ist etwas schief gelaufen. Ein gesellschaftliches Geschäftsmodell, das auf Tourismus ausgerichtet ist, ist in seinem Kern ja nichts anderes als Prostitution. Finanztechnisch betrachtet ist es außerdem ein globales Nullsummenspiel, denn was der Tourist (eine fast abfällige Bezeichnung für jeden interessierten Reisenden) bei uns ausgibt, kann in seinem Heimatland nicht mehr eingenommen werden.
Fast hat es den Eindruck, dass es heute nicht mehr um das Reisen-Können, sondern um das Reisen-Müssen im wirtschaftlichen Wettstreit geht.

14.10.2014; OÖN, A.Zens, „Fahrlässig“

Problemverschiebung?

Auf dem Reißbrett und mit Rechenschieber ist der Stichhaltigkeit des Kommentars nicht zu widersprechen, dennoch ist das Umlagesystem die einzig dauerhaft funktionierende Pensionssicherung. Und das durchgängig seit der Steinzeit. Eine Gesellschaft kann zwar buchhalterisch pleite gehen, niemals jedoch leistungsmäßig; im Unterschied zu Betrieben und Versicherungen. Wichtig erschiene mir zunächst die vom BIP losgelöste Unterscheidung von Tätigen und Erwerbstätigen, denn auch ein „nur“ Konsument erbringt eine Tätigkeit für den Erwerbstätigen, nämlich den Konsum. Mit gleicher Berechtigung der Sorge um die Finanzierbarkeit der Pensionen sollte man auch der Sorge um die Kosten für Erziehung und Heranbildung von Kindern und Jugendlichen Rechnung tragen. Oder wird das als Investition mit Rentabilitätserwartung gesehen? Ein kleines Gedankenexperiment sollte rasch Klarheit verschaffen: Denken wir uns alle über 65 weg und „entlasten“ wir die Erwerbstätigen von deren Transferzahlungen an die Pensionisten. Gemäß der Logik unserer Zahlenmystik müsste es doch dann zu einem sagenhaften wirtschaftlichen Aufschwung kommen!?! Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir uns bei weiter steigender Produktivität und zunehmender Lebenserwartung langsam an ein neues „Berufsbild“ werden gewöhnen müssen. Jenes des Konsumenten.

Dr. Günther Hoppenberger

13.10.2014; standard.at; Günther Strobl, „Griff nach Abgedroschenem“

Günther Strobl bringt es auf den Punkt

Die „große Idee, der Griff nach den Sternen“ müsste vielleicht damit beginnen, Wirtschaft, als werteschaffendes Beziehungsverhalten im zwischenmenschlichen Austausch, vom Buchhaltungssystem (Finanzwirtschaft), das den heutigen Anforderungen einer entwickelten, arbeitsteiligen und hoch produktiven globalen Werteschaffung nicht mehr gerecht wird, zu unterscheiden.

13.10.2014; Standard.at; Reformen,……

Wirtschaft ist eben nicht gleich Finanzwirtschaft

So lange die Finanzwirtschaft (Mehrung fiktiver Geldwerte) Vorrang gegenüber der eigentlichen Wirtschaft (Mehrung von gesellschaftsförderlichen Werten) genießt, wird Letztere immer auf der Strecke bleiben – und mit ihr sämtliche Lebensentwürfe der Normalbürger.

13.10.2014; Standard, Reformen, Investitionen gegen Absturz

Alberne alte Hüte

Unser neuer Finanzminister scheint bereits bei den Mühen der Ebene angekommen zu sein, denn wer in Zeiten hoch arbeitsteiliger, produktiver Wirtschaft immer noch das Heil für die Wirtschaft in der Ankurbelung von Wachstum und Beschäftigung sucht, hat die in ihn gesetzten Erwartungen auf echte Veränderungen bereits verspielt. Gemeint ist offensichtlich die Rettung der Finanzwirtschaft! Auch die vom IWF geforderten, jedoch nicht näher spezifizierten „kühnen und ambitionierten“ Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage (Bedarf+Kaufkraft) sind alberne Allgemeinplätze, so lange man nicht die eigentliche, werteschaffende Wirtschaft von der buchhalterischen Zahlenmystik der Finanzseite zu unterscheiden bereit ist. Die Voraussetzungen einer florierenden globalen Wirtschaft sind allemal gegeben. Was fehlt, ist ein zeitgemäßes neues Konstrukt, das langfristig die Abbildung der Wirtschaftsabläufe ermöglicht. Die bestehenden Spielregeln des Geldes schaffen das eben nur in Aufbauphasen. Günther Strobl bringt das in seinem heutigen Kommentar (Griff nach Abgedroschenem) sehr schön auf den Punkt, wenn er zur großen Idee und dem Griff nach den Sternen auffordert.

Dr. Günther Hoppenberger

12.10.2014; profil, Michaela Ernst; Feelgood-Ökonomie (Geld Extra)

Sehr geehrte Frau Ernst,

Was ist Reichtum?

Losgelöst von Aspekten wie Lebensqualität und Lebensglück, bezieht sich „Geld extra“ auf den rein monetären Reichtum und vermittelt den Lesern eine trügerische Illusion des „Dagobert Duck’schen“ Reichtumsbegriffes. Die sagenhaften Vermögen von Mateschitz, Benko, Graf, Haselsteiner, etc. liegen mitnichten als Bargeld in Speichern, oder als Zahlen auf Sparbüchern oder gar Sichtkonten. Es sind momentane, oftmals bilanztechnisch manipulierte Substanzbewertungen der Unternehmen aus denen laufende Einnahmen – durch Arbeit und Spekulation – geschöpft werden können. Dass diese Einnahmen ein x-faches des Bedarfs für Lebensglück betragen können und daher neuerlich investiert werden wollen, ist eher eine glückvolle, wenngleich pikante, Zufallserscheinung und eine Verteilungsfrage, die allerdings in der Steuergesetzgebung keine Beachtung findet.

Durch diese Art von Vermögensaufbau erfolgt vor allem ein Machtzugewinn, der letztendlich die Kontrolle und Beschränkung des erreichbaren Lebensglücks für Normalbürger gestattet. Es geht eben nicht um Reichtum, sondern um Macht. Dahingegen ist beim Normalbürger die auf natürlicher Vernunft basierende Auffassung von Reichtum eher bei Sorgenfreiheit, Beziehungs- und Lebensglück angesiedelt, was man unter Wohlstand zusammenfassen könnte, zu dem natürlich besonders auch eine erfüllende Tätigkeit mit ausreichender Entlohnung zählt. Auf jeden Fall sollte das Einkommen zusätzlich zu den allgemeinen Lebensaufwendungen die Schaffung eigenen Wohnraums ermöglichen = Schaffung belehnbaren Eigentums (Vermögen). Nicht dem Reichtum, sondern dem Wohlstand sollte das Streben dienen.

Das ewige Lamento über zu hohe Steuern ist hingegen ideologisch begründet und nicht so ernst zu nehmen, denn zum individuellen „Reichtum“ zählt natürlich auch ein funktionierendes, womöglich demokratisches Staatswesen, die hoheitlich geschützte Rechtssicherheit (Grundbuchwesen, Vertragswesen,….), wie besonders auch eine funktionierende Infrastruktur und andere kommunale Leistungen (wie wollen sich denn die so sagenhaft „Reichen“, die ihre unbenötigten Überschüsse meist steuerschonend „veranlagen“, bewegen, wenn ihnen der Normalbürger mit seiner abgepressten Steuerleistung nicht Straßen, Brücken, Flughäfen und Leitungsnetze zur Verfügung stellt?). Insofern stimmt auch die Aussage von Heinz Wallner nicht, dass es nicht mehr möglich ist, durch ehrliche Arbeit ein Vermögen zu schaffen. Vermögen (=Werte) zu schaffen, gelingt ausschließlich durch ehrliche Arbeit! Allerdings gelingt die individuelle Aneignung der Werte nur durch die besondere Rechtsetzung, die es gestattet, den Wert und gleichzeitig auch den Geldwert zu eignen. Vermögensaufbau durch ehrliche Arbeit ist also möglich – sofern es die ehrliche Arbeit anderer ist!.

Etwas anders steht es mit dem „Geldvermögen“, auf das in „Geld Extra“ – einer Werbebroschüre der Investmentbanken – speziell Bezug genommen wird. Da geht es (ich bin mir der Vereinfachung bewusst) um virtuelle Zahlenspiele im abgehobenen Machtpoker zwischen vermeintlichen und nur vom Selbstbild getragenen Eliten. Geldmehrung ist aber selbst auch in diesem Poker nur scheinbar möglich, denn was zählt ist immer noch der Lebenswert der durch ehrliche Arbeit entstandenen Werte und erbrachten Leistungen.

Mit Interesse habe ich vermerkt, dass die erst kürzlich veröffentlichte Studie über die globale Gesamtverschuldung in keiner Anlagestrategie Berücksichtigung findet. Die Berater dazu um eine Stellungnahme zu ersuchen, wäre gewiss sehr amüsant. Einerlei nach welchen Risikoeinschätzungen die Veranlagungsangebote der Investmentbanken sortiert sind, wäre auch die Antwort auf die Frage, wer denn für die in Aussicht gestellte Verzinsung arbeiten soll, sehr erhellend. Denn immer noch ermangelt es den Anlageakrobaten nämlich am tieferen Verständnis für den weisen Ausspruch des Dalai Lama:

„Glück, ohne Bedachtnahme auf das Glück der anderen, ist undenkbar“.

Für den Normalbürger ist dieses „Geld Extra“ jedenfalls die verführerische Einladung zur gutgläubigen Opferung des Spargroschens.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

4.10.2014; OÖN; Mandlbauer; Eurokrise ohne Pause macht mürbe

Blinder Winkel der Weltpolitik

Führen denn die weltweiten Eliten nicht ohnehin einen permanenten „leisen“ Krieg mittels der globalen Geld- und Notenbankpolitik und mit Berufung auf das Vertragsrecht gegeneinander und gegen die eigene Bevölkerung? Nicht die Bevölkerungen führen ja Kriege, sondern die vermeintlichen Eliten! Erst wenn die Durchsetzung des Vertragsrechts scheinbar nicht mehr möglich ist, mutiert dieser unauffällige, wenngleich für die Bevölkerungen zermürbende, als Wettbewerb bezeichnete Kampf zu kalten und heißen Kriegen, deren Bilder für uns dann unerträglich sind. Blut, Flüchtlinge und Elend lenken uns von den blinden Winkeln ab, in denen sich die weitsichtigen Lösungen für die große Weltpolitik verstecken. Ja. Wir scheinen tatsächlich zermürbt und betäubt zu sein. Längst haben wir es aufgegeben, den Dingen auf den Grund zu gehen und akzeptieren  unter dem Motto „Sachzwänge“ sogar leichtfertig den Totalverlust unserer Handlungsoptionen.

Dr. Günther Hoppenberger

P.S.: Es bleibt dahingestellt, ob das „Börsespiel“ den blinden Winkel nicht nur noch zusätzlich mit einem illusionären Schleier verstellt.

3.10.2014; OÖN; Fulminanter Start beim OÖN-Börsespiel

Bedenkliches OÖN-Börsespiel

Wie bereits seit einigen Jahren werden auch heuer wieder Glücksritter gesucht, die sich zum pädagogisch, wie auch gesellschaftspolitisch bedenklichen „Börsespiel“ missbrauchen lassen. Insbesondere sollen damit Studenten und Schüler angesprochen werden, um im geschützten Übungsrahmen die optimale Geldmehrung unter Verzicht auf Wertemehrung zu trainieren. Es erstaunt mich immer wieder, dass sich die OÖN, die ich sonst durchaus als Qualitätszeitung einstufen würde, dazu hergibt.

Dr. Günther Hoppenberger

3.10.2014; OÖN, Neumüller; EZB zückt letzte Waffe…..

Auf zum letzten Gefecht

Mit Transformierung der EZB in eine „Bad Bank“, finalisiert Draghi die bereits längst beschlossene Übertragung sämtlicher Risiken, die im speziellen mit Verlusten gleichzusetzen sind, auf die nationalstaatlichen Schultern, sprich: Steuerzahler. Da nicht anzunehmen ist, dass sich die Kreditnachfrage in nächster Zeit erhöht, wird das vermeintlich clever geschöpfte frische Geld gleich wieder im Finanzcasino landen. Vereinzelt werden Banken dadurch zwar ihre Bilanzen testatsfähig aufpolieren können, doch muss man sich fragen, ob denn tatsächlich die Finanzmärkte als polarer Gegensatz zu den Gesellschaftsmärkten ausgeformt werden müssen. Es scheint sich wieder einmal zu bestätigen, dass Marktwirtschaft in ihrem Kern eigentlich Machtwirtschaft bedeutet.

Dr. Günther Hoppenberger

1.10.2014; Standard; Simon Moser; Globaler Schuldenberg wächst i.d.H.

Am meisten überrascht die Verwunderung über den rasanten Anstieg der globalen Gesamtverschuldung

„No na“, kann man dazu nur sagen. Immerhin erschließt sich aus dem Bericht die erhellende Erkenntnis, dass es für die systemnotwendig ansteigende Gesamtverschuldung einerlei ist, in welchem Sektor (Staat, Haushalte, Unternehmen, Außenhandel) die Schulden auftreten. Vielleicht dringt auch einmal bei der Politik durch, dass Schulden im Schuldgeldmonetarismus immer nur zwischen diesen Sektoren hin und hergeschoben, aber nicht getilgt werden können.

Finanzmärkte und BürgerInnen-/Gesellschaftsmärkte sind offensichtlich systemisch als polare Gegensätze konstruiert.

Auf Letzteren spielt sich jedoch die Tragik in den Versuchen zur Verwirklichung der Lebensentwürfe ab.

Dr. Günther Hoppenberger

29.9.2014; OÖN, Schladminger Show

Eine Lanze brechen für unsere Regierung!

Bei derart wenigen Optionen, die der Regierung gemäß den sakrosankten Spielregeln des Geldes zur Verfügung stehen, muss man die erwartungsgemäß ergebnisarme Schladminger Politshow als durchaus gelungen ansehen. Langsam sollte sich jedoch die Frage aufdrängen, ob man nicht das nach ständigem Wachstum gierende ökonomische Modell, dessen einstmalige segenspendende Wirksamkeit man trotz erkennbarer Aussichtslosigkeit auch weiterhin zu bestätigen trachtet, ersetzen sollte. Für Aussicht auf gemeinwohlorientierten Erfolg für die Gesellschaft braucht es neue Spielregeln. Weder haben wir ein Einnahmen-, noch ein Ausgabenproblem. Wir haben ein Werteproblem! (Allerdings anders, als es das Team Stronach interpretiert).

Dr. Günther Hoppenberger

29.9.2014; Standard, Schladming und Festklammern am Mainstream

Eine Lanze brechen für unsere Regierung!

Bei derart wenigen Optionen, die der Regierung gemäß den sakrosankten Spielregeln des Geldes zur Verfügung stehen, muss man die erwartungsgemäß ergebnisarme Schladminger Politshow als durchaus gelungen ansehen. Langsam sollte sich jedoch die Frage aufdrängen, ob man nicht das nach ständigem Wachstum gierende ökonomische Modell, dessen einstmalige segenspendende Wirksamkeit man trotz erkennbarer Aussichtslosigkeit auch weiterhin zu bestätigen trachtet, ersetzen sollte. Für Aussicht auf gemeinwohlorientierten Erfolg für die Gesellschaft braucht es neue Spielregeln. Die Initiative „vwl-protest“ gegen das Festklammern am Mainstream könnte dazu neue Möglichkeiten eröffnen.

Dr. Günther Hoppenberger

28.9.2014; Mag. Eva Linsinger, Nachtrag zu „zeitgemäß“

Sehr geehrte Frau Mag. Linsinsinger,

wie angekündigt, habe ich einige Gedankensplitter zum Begriff „zeitgemäß“ zu Papier gebracht, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte (noch dazu, als Sie ja der Auslöser dazu waren – wofür ich mich auch bedanken möchte).

Mit lieben Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

Günther Hoppenberger                                                                   Im September 2014

HILFE! ICH BIN UNZEITGEMÄSS

Ach, wie oft wurde ich doch schon von meiner Frau wegen unzeitgemäßen Verhaltens, unzeitgemäßer Vorlieben, unzeitgemäßer Kleidung und vor allem unzeitgemäßer Ansichten getadelt. In den meisten Fällen habe ich das brav und mit widerspruchsloser – wenngleich häufig vorgespielter – Einsicht zur Kenntnis genommen. Die durchaus wohlwollend gemeinten Rügen sollen sichtlich dazu anregen, mich bewusster mit meinem Alterungsprozess auseinander zu setzen. Freilich ist es eminent wichtig in Würde zu altern! Nicht versuchen, immer noch den jugendlichen, kraftstrotzenden Liebhaber vorzugaukeln, nicht den Bäume ausreißenden Beschützer mimen und nicht die zunehmenden arthritischen Beschwerden zu kaschieren versuchen. Nun meine ich, dass ich das alles längst schon aufgegeben habe und mich der Realität, die meiner Zeit, meiner Lebenszeit eben, gemäß ist, ganz unverblümt stelle. Ich vermute dabei auf einem ganz guten Weg zu sein, dessen letztendliches Ziel, wie für alle von uns, vorgezeichnet ist.

Kürzlich las ich jedoch bei Mag. Eva Linsinger (profil Nr. 38/15.9.2014) darüber, dass unser Bildungssystem unzeitgemäß wäre. Im Geiste stimmte ich augenblicklich zu, denn beängstigend grassierender Analphabetismus und gravierende Defizite im sozialen Beziehungsverhalten scheinen mir deutliche Anzeichen zu sein, dass es an verbreiteter Bildung in der Gesellschaft zunehmend hapert. Gleich darauf  drängte sich mir aber die Frage auf, was denn überhaupt die Bedeutung von unzeitgemäß in Gegenüberstellung zu zeitgemäß im gesellschaftlichen Kontext zu bedeuten hat. Nun, was unzeitgemäß ist weiß ich ja mittlerweile zur Genüge. Das bin ich. Was aber soll „zeitgemäß“ zum Ausdruck bringen?

Im Duden erfahre ich dazu, dass „zeitgemäß“ bedeutet, auf der Höhe der Zeit zu sein. Das hilft also auch nicht viel weiter, denn stets bin ich auf der Höhe meiner Zeit und trotzdem unzeitgemäß – wie mir so oft bescheinigt wird. Obwohl ich die Errungenschaften und neuen Technologien nütze – wenngleich manches eher widerwillig – und obwohl ich es zu einer netten Wohnung mit entsprechenden Sanitäreinrichtungen gebracht habe, ein halbwegs ausreichendes Einkommen habe und ein leidlich modernes Auto kutschiere, ist mir (unzeitgemäß) bewusst, dass das offensichtlich ein glückvolles persönliches Privileg ist, das nicht unbedingt den Lebensumständen der großen Mehrheit entsprechen muss.

Eine Fundgrube, mehr darüber zu erfahren, was nun eigentlich als zeitgemäß erachtet wird, scheinen mir hingegen die Themensetzungen und Themenbehandlung der Medien zu sein. Sehr rasch stößt man hierbei auf das bekannte und schier unlösbare Henne-Ei Rätsel: Rücken Themen in das öffentliche Interesse und werden somit augenscheinlich zeitgemäßen Erörterungen zugeführt, weil sie uns von der Medienwelt präsentiert werden, oder folgen die Medien bloß den kollektiven geistigen Entwicklungen der Bevölkerungen? „Trends“, sagt man heute zeitgemäß dazu und es ist daraus ein eigener Forschungszweig entstanden, den man früher noch, damals durchaus zeitgemäß, als Wahrsagerei belächelte. Heute, also wieder zeitgemäß, bei unverändert auf die Glockenkurve eingeschränkter Anwendung des Wissens über Wahrscheinlichkeiten, die real auftretende Ausreißer als nicht systemkonform negiert – was dann besonders in der Risikobeurteilung stets zu großem Erstaunen führt („Das konnte niemand ahnen!“), wird den Prognosen größte Anerkennung zuteil, auch wenn sich diese immer wieder als falsch herausstellen (am besten ist diese Diskrepanz zwischen Vorhersage und Wirklichkeit anhand von Wirtschaftsprognosen zu belegen).

Spürt man der Entstehung von Schlagzeilen nach, so müssten diese ja unsere kollektiven Handlungsweisen und geistigen Ausrichtungen widerspiegeln, die dann ganz logisch als „Zeitgeist“, oder eben als „zeitgemäß“ in die Betrachtungen über eine „moderne“ Gesellschaft einfließen. Es ist jedoch nicht ganz von der Hand zu weisen, dass gewollte Trends – ob aus verantwortungsbewegter politischer Intention, oder mit gesellschaftlichen Partialinteressen zu begründen – über die Medien lanciert werden. Letzteres verweist das Definitionsrecht über „zeitgemäß“, „modern“, „zeitgeistig“, u.s.w., in den Strudel der tagespolitischen Macht- und Ränkespiele und entzieht den Definitionen somit deren grundlegende Aussagekraft.

Lassen wir das aber beiseite und schauen wir einmal in Schlagzeilen und Meldungen nach, was wir daraus als Erkenntnisgewinn über zeitgemäßes Verhalten ziehen können. Auf den Punkt gebracht, geht es dabei um die Betrachtung der Relation zwischen persönlicher Haltung und dem Wandel des Rechtsverständnisses.

Als zeitgemäße, somit als nachahmenswert empfohlene Verhaltens- und Einstellungsweisen habe ich bei meinen Recherchen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, folgendes entdeckt:

Es ist zeitgemäß, die eigene Vorteilsnahme gegenüber der Gesellschaft im Fokus zu haben und sich damit als „clever“ zu erweisen (und daraus ein elitäres Selbstbild zu zimmern).

Es ist zeitgemäß, gesetzliche Rahmenbedingungen – besonders deren beabsichtigte oder unbeabsichtigte Lücken – unter Missachtung ethischer und moralischer Aspekte zum eigenen Vorteil auszunützen.

Es ist zeitgemäß, sich mit großer Begeisterung den diversen Verführungen zu einem Imitationsverhalten zu unterwerfen.

Es ist zeitgemäß, eine unlimitierte persönliche Geldakkumulierung als erstrebenswerteste Zielsetzung über eine gesellschaftliche Werteschaffung zu stellen.

Es ist zeitgemäß, Konflikte nicht im geistigen Diskurs, sondern im spitzfindigen Rechtsweg auszufechten, der bekanntlich keinen Bezug auf ein natürliches Gerechtigkeitsempfinden nimmt.

Es ist zeitgemäß, sich erwünschte Rechte durch Lobbyarbeit in Gesetzesformulierungen absichern zu lassen.

Es ist zeitgemäß, ein kulturell orientiertes Bildungssystem in ein rein wirtschaftlich verwertbares Ausbildungssystem zu transformieren.

Es ist zeitgemäß, den Begriff „Kunst“ sehr weit zu fassen und alles, was sich durch gutes Marketing nur irgendwie vermarkten lässt, als Kunst anzupreisen. Mit so genannten „Installationen“ wurde ein vorläufiger Höhepunkt in der Eröffnung einer neuzeitlichen Kunstrichtung erreicht.

Es ist zeitgemäß, den Markt nicht im Sinne des Gemeinwohls gestalten zu wollen, sondern zu versuchen, ihn an der Börse durch trickreiches Agieren zu schlagen.

Es ist zeitgemäß, Wahlen durch entsprechende Inszenierungen und Versprechen zu gewinnen, ohne tatsächlicher Absicht, diese Versprechen auch zu halten.

Es ist zeitgemäß, der Verehrung von Reichtum und Macht zu frönen.

Es ist zeitgemäß, die eigene Leistung im Vergleich zu anderen stets höherwertiger einzustufen und daraus entsprechende Ansprüche abzuleiten.

Es ist zeitgemäß, ein wertfreies „Anders“ nicht akzeptieren zu wollen, weil dieses  immer schlechter sein muss.

Es ist zeitgemäß, sich entpersonalisierter Kommunikationsformen zu bedienen, anstelle wahrhaftiger Kommunikation.

Es ist zeitgemäß, durch Nachahmung ursprünglicher Häfen- und Randgruppenkultur aufzufallen und durch spezielle „Brandzeichen“ (Tattoos, Piercings, Frisuren, etc., – also Äußerlichkeiten), Aufmerksamkeit zu erregen und unterscheidbar zu werden.

Es ist ebenso zeitgemäß, dieses gezielt als Protest gegen was auch immer und als Provokationstest eingesetzte Äußere im Gegenüber zu übergehen, was zugleich dessen Wirkung untergräbt und zu weiterer Kreativität für Exaltiertheit herausfordert (….grüne Lippen, blaues Haar….).

Es ist zeitgemäß, Fremden grundsätzlich mit Argwohn zu begegnen.

Es ist zeitgemäß, Partnerschaften auf Zeit und in gespannter Lauerstellung einer provisorischen Daseinshaltung einzugehen.

Es ist zeitgemäß, nicht das „Gesollte“, sondern nur das rechtlich Verpflichtende zu tun, wodurch das hingebungsvolle, Qualität erzeugende Gewollte auf der Strecke bleibt.

Es ist zeitgemäß, neue Kreationen, Entdeckungen und Technologien nicht nur anwenden zu können, sondern sie anwenden zu müssen.

Es ist zeitgemäß, politische Entscheidungen in möglichst intransparentem Gemauschel vorzubereiten und die Betroffenen – die Staatsbürger – damit zu überraschen.

Es ist zeitgemäß, Anständigkeit als Naivität und Schwäche auszulegen.

Es ist zeitgemäß, über quantenphysikalische Erkenntnisse zu diskutieren, diese neuen Erkenntnisse jedoch nicht auf Erfolg versprechende neue Gesellschaftsmodelle anzuwenden.

Es ist zeitgemäß, dem Wettbewerbsdenken anzuhängen und zugleich einer anachronistischen Arbeitsbeschaffung alle Lebensbezüge unterzuordnen.

Diese Auflistung von Beispielen, die sich einem außerirdischen Beobachter, der sich für die Art und Weise des menschlichen Zusammenlebens interessiert, darbietet, ließe sich wohl beliebig fortsetzen. Mehr und mehr gelange ich dabei zur Auffassung, dass ich heilfroh bin, als unzeitgemäß zu gelten.

28.9.2014; profil, Lingens, „Rettet Mario Draghi auch die Konjunktur?“

Draghi der Retter?

Mag sein, dass Draghi auch „die Konjunktur“ rettet, obzwar derzeit absolut nichts darauf hinweist. Sollte es ihm wider Erwarten dennoch gelingen, müsste man aber auch erkennen, dass damit das eigentliche Problem nur verschärft und auf vielleicht gerade ein paar Jahre in die Zukunft verschoben würde. Dem etwaigen Gelingen Draghis wäre daher eher mit Skepsis zu begegnen. Lingens Vergleich mit den scheinbaren Erfolgen der USA hinkt hingegen nicht nur, sondern führt uns vor allem die erschreckend verfestigte Akzeptanz von Kennzahlen vor Augen, deren Einhaltung zur Bestätigung der Tauglichkeit eines Modells nötig ist und nach denen wir alle unsere Lebensentwürfe auszurichten haben. Modell und Gesellschaft – ein ewiger Widerspruch?

Dr. Günther Hoppenberger

PS1: Wie anders, als bei einem Verkauf, sollte sich der Verkehrswert einer Immobilie ermitteln lassen? Wäre bei einem Zwangsverkauf, oder bei kollektiver Verkaufstendenz, wenn also die Preise purzeln, die Rückerstattung der zu viel bezahlten Grundsteuer vorgesehen? Gegen eine z.B. Verdoppelung der Einheitswerte wäre hingegen nichts einzuwenden, obzwar sich dadurch die BK, die derzeit bereits einen unerträglichen Anteil an den Gesamtmieten haben, erhöhen würden.

PS2: Auch noch so billiges Geld ist darauf angewiesen, dass es sich jemand als rückzahlbaren Kredit ausleiht. Worin sollte man heute mit beherzter Zuversicht investieren, ohne nur „kreative Zerstörung“ bestehender Investitionen anzustreben – und damit auch keinerlei volkswirtschaftlichen Effekt zu erzielen?

26.9.2014;profil,(22.9.) Ostenhof; Her mit der Marie

Sehr geehrter Herr Hoffmann-Ostenhof,

Ihre 2009 vielleicht noch fürwitzige Frage an erlauchte Experten entsprach bereits damals dem vernünftigen Hausverstand. Dass Ihr Diskussionsbeitrag nicht als naiv belächelt wurde, scheint mir allerdings dem Rahmen, wie auch besonders Ihrem hohen Bekanntheitsgrad geschuldet gewesen zu sein, denn die nachfolgenden Entwicklungen haben eindeutig gezeigt, dass Vernunft keine politische Kategorie ist. Es geht um die Machtspiele zwischen Partialinteressen und weniger um Weichenstellungen für gesellschaftliche Entwicklungen. Mittlerweile wird es allerdings bereits ein bisschen eng mit dem Konzept „Mehr vom Gleichen“, damit alles wieder gut wird.

Der beliebige Wechsel im Sprachgebrauch, in dem zwischen Wert und Geldwert, Wirtschaft und Finanzsystem, Kapitalismus und Demokratie ohne klare Unterscheidung hin und her gesprungen wird, hat zu einer Synonymisierung geführt, die unsere „öffentliche“ Meinung prägt. Dazu kommt noch, dass von den meisten Ökonomen die alles entscheidende Bedeutung der Konstruktion des Geldwesens immer noch nicht wahrgenommen werden will. Nur sehr zögerlich beginnt man sich jetzt damit auseinander zu setzen.

Geld ist eine der großartigsten Erfindungen der Menschheit und hat so etwas wie die Entwicklung von Gesellschaften erst ermöglicht.

Selbst der gerade zum Ende gelangende Geldzyklus, dessen Anfang 1948 festzumachen ist, hat trotz seiner mittlerweile untauglichen Konstruktion Überragendes geleistet. Es konnte in relativ kurzer Zeit ein vergleichsweise breiter Wohlstand entwickelt werden. Dasselbe System, das diesen Aufbau ermöglicht hat, ist jedoch nicht geeignet, den einmal erreichten Wohlstand auch aufrecht zu erhalten. Das nicht spätestens Mitte der 80er Jahre erkannt zu haben, ist das eigentliche Versagen der Ökonomen, die sich an Modelle klammern und untereinander einen halbwissenschaftlich geführten Modellstreit ausfechten, anstatt die Realität und vor allem mathematische Gesetzmäßigkeiten im Auge zu behalten. Ein Schuldenabbau ohne Abbau der gleich hohen Guthaben ist nun einmal nicht möglich, auch wenn das unsere Politiker nicht glauben wollen.

Das „Helikopter-Money“ nimmt eigentlich die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE), zu dem es früher oder später kommen wird, vorweg. Leider besteht nach derzeitigem Recht diese Möglichkeit nicht, weil sich der Staat ja nicht selbst, sondern nur über den „Finanzmarkt“ finanzieren darf. Deshalb wäre wohl der erste wichtige und zugleich sehr einfache Schritt, das ausgearbeitete Vollgeldkonzept von Prof. Joseph Huber, verbunden mit der „Monetative“ als vierte staatliche Gewalt, aufzugreifen. Erst darauf aufbauend könnte man verschiedene Modelle der Inverkehrbringung des Geldes evaluieren. Für mich persönlich erschiene mir das Konzept von Bernd Hückstätt für eine nachhaltige, Frieden ermöglichende Entwicklung am vielversprechendsten.

Leider treibt uns jedoch der beabsichtigte oder unbeabsichtigte Unverstand unserer Eliten immer weiter in eine ausweglose Situation und man kann nur hoffen, dass es zu keiner Katastrophe kommt. Sobald erst einmal die bevorstehende Deflation so richtig einsetzt, ist auch der Frieden in Europa nur mehr ein sehr zartes Pflänzchen.

Dennoch mit Zuversicht und

mit besten Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

26.9.2014; standard; Kreuzhuber (NEOS), Immer am Wesentlichen…

Immer am Wesentlichen vorbei

Die Überschrift zu Günter Kreuzhubers Kommentar (Standard, 25.9.2014) zur Steuerreform, „Immer am Wesentlichen vorbei“, könnte die Gedanken des Autors nicht treffender charakterisieren. Als Leiter der Themengruppe „Wirtschaft“ bei den Neos, wird er damit seiner Partei, die sich gerne als Wirtschaftspartei darstellen möchte, keinen guten Dienst erweisen. Kreuzhubers fundamentaler Irrtum, mit dem er in der Politik leider nicht allein dasteht, besteht in der fälschlichen Annahme, man könne volkswirtschaftliche Schulden ohne Auflösung von Guthaben tilgen. Erfahrungen im internationalen Bankgeschäft sind eben noch lange keine Referenz für gesellschaftspolitische Verantwortung.

Dr. Günther Hoppenberger

25.9.2014; standard; Eric Frey, Deutschland u. die Mietrechtsreform

Sehr geehrter Herr Dr. Frey,

als kleiner Vermieter, der es durch Konsumverzicht zu einigen Singlewohnungen gebracht hat, darf ich Ihnen versichern, dass Vermieten kein arbeitsloses Einkommen ist, wie das oftmals dargestellt wird. Soeben habe ich anlässlich eines Mieterwechsels wieder rund zwei Jahresmieten in eine neue Küche, Duschkabine, Armaturen, etc. investiert, ohne dass sich dadurch die Miete erhöhen ließe. Und es war das heuer nicht der erste Wechsel, der als Erneuerungsgelegenheit genützt wurde. Zugegeben, bei kleinen Wohnungen ist die Fluktuation vergleichsweise hoch, denn sobald es zu einer Partnerschaftsfindung kommt, ist die Wohnung zu klein. Im Schnitt kann man mit 1,5-2 Jahren Mietdauer rechnen. Die Kosten für einen Makler, selbst bei einer Provision von nur 1 Monatsmiete wäre da für einen Vermieter gar nicht unterzubringen. In diesem Bereich ist man also schon einmal auf die provisionsfreie Eigenvermietung angewiesen.

Zur Ehrenrettung der Makler und wenn man selbst jahrelang Erfahrungen in der Eigenvermietung gesammelt hat, ist zu sagen, dass ein Makler natürlich eine Leistung erbringt. Der letztendliche Mieter weiß ja nicht, wie viele Besichtigungstermine der Makler bereits hinter sich hatte, wie oft er versetzt wurde (meistens von Inländern!) und wie oft Angaben der Mietinteressenten einer Überprüfung nicht standhielten. Er fragt sich nur, ob die Provision für diesen einen Besichtigungstermin gerechtfertigt ist. Andererseits dürften wir uns einig sein, dass eine Gebühr von z.B. 50.- pro Besichtigungstermin als Geschäftsmodell der Maklerei ziemlich untauglich ist.

Insgesamt ist zu sagen, dass das Problem nicht an den Mieten, sondern an den BK liegt. Es sind die BK die jährlich steigen! Man ist den Hausverwaltungen ziemlich hilflos ausgeliefert, da diese ganz einfach unhinterfragt die Kosten durchbuchen. Da (ich spreche von meinen Kleinwohnungen bis 40m²) „der Markt“ für so eine Wohnung in Tip-Top Zustand max. 400.- (inkl.BK) hergibt (was nach der herkömmlichen Pi mal Daumen Rechnung, nach der die Mieten max bei 25-30% des Einkommens liegen sollten, ein Einkommen von 1300.- bis 1600.- voraussetzen würde – und da wird der Markt schon recht eng bei den Einkommen der meist jugendlichen Startups in die Selbständigkeit, oder bei alimentationsverpflichteten Geschiedenen), geht jede BK-Erhöhung praktisch auf Kosten der Miete. Und das bei zunehmendem Risiko für den Vermieter.

Ich bin der Auffassung, dass der Mietenmarkt weniger über Mietpreisregulierungen welcher Art auch immer ins Lot kommen könnte, als durch verpflichtende Schulbildung in Wohnkultur, Haushaltsführung und Umgang mit fremdem Eigentum. Diese Fähigkeiten scheinen – unabhängig von Bevölkerungsschicht, Herkunft und Ausbildung – in den letzten Jahrzehnten völlig abhanden gekommen zu sein. Leider wird darüber niemals diskutiert.

Als Vermieter müssen sie ja schon froh sein, wenn sie einen Mieter bei gravierender Vertragsverletzung zum freiwilligen Auszug bewegen können. Allein schon der überschießend einseitige Mieterschutz erfordert eine entsprechende Risikoprämie in der Miete, die dem Gesetzgeber geschuldet ist und die entbehrlich wäre, wenn Eigentumsrechte der Vermieter eine entsprechende Beachtung fänden. Alle vertraglichen Verpflichtungen eines Mieters sind im konkreten Anlassfall das Papier nicht wert, auf dem sie stehen, weil kaum jemals die Einbringlichkeit gegeben ist.

Allein schon eine verbreitetere Lebenskultur und auch prompte Räumungsmöglichkeit bei Vertragsverletzung würde die Mieten eklatant sinken lassen und zugleich ausreichend und stetig zunehmend Wohnraum bereitstellen. Der heutigen Politik geht es aber darum, Wohnraum gerade für jene bereitzustellen, die gar nicht die Reife besitzen, fremdes Eigentum verantwortungsbewusst für Wohnzwecke nutzen zu können.

Abschließend möchte ich erwähnen, dass ich mit wenigen Ausnahmen jeweils ganz reizende MieterInnen gefunden habe (manche Exmieter rufen mich immer noch an, wenn sie nach neuerlicher Trennung, oder für Freunde und deren Kinder etwas suchen) und selbst bei den Ausnahmen glimpflich davon gekommen bin, auch wenn da schon einmal eine Jahresmiete an mir hängen blieb. Erschütternde und berührende Erfahrungen mit Mietsuchenden machen mich dennoch zu einem Befürworter für eine anstehende Mietrechtsreform, nur sollte diese  für verantwortungsbewusste Vermieter, zu denen ich mich zählen möchte, auch noch leistbar sein. Die neue Reform in Deutschland hat die Bewährungsprobe ja noch vor sich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

17.9.2014; standard; Rauscher, „Umschaufeln in den produktiven ….

Umschaufeln in den produktiven Bereich…..

hält Hans Rauscher für den passenden Weg zur Sanierung der Staatsfinanzen und hat damit ja so Unrecht nicht. Immerhin stünde da ein beachtlicher Posten von 17 Mrd. Euro zur Disposition, die derzeit mit „ungenügender Zielgenauigkeit, unbefriedigender Evaluierung und Transparenzlücken“ vergeudet werden. Was wären denn aber die „produktiven“ Bereiche? Stehen diese nicht gerade im Gegensatz zu dem, was eine moderne, wirtschaftlich hoch entwickelte Gesellschaft benötigt? Kinderbetreuung, Bildung, Altenbetreuung und noch so alles was keine kurzfristige Rentabilität erwarten lässt! Sinnvolle Investitionen, die sich leider, leider nicht rechnen und die wir uns daher nicht leisten können. Wir haben weder ein Ausgaben-, noch ein Einnahmenproblem. Wir haben einen Wertekonflikt!

Im Übrigen gehen Schulden auch bei Investitionen in so genannte produktive Bereiche nicht weg. Sie werden nur auf andere Schultern im In- und Ausland übertragen.

Dr. Günther Hoppenberger

15.9.2014; standard.at; Finanzexperten revidieren Wachstumsprognosen

Überraschung?

Weshalb werden Experten immer noch als Experten bezeichnet, wenn sie sich doch von längst jedem Normalbürger erkannten Entwicklungen jedes Mal überrascht zeigen? So heißt also die Devise wieder, wie bereits seit Jahren: „Nächstes Jahr wird alles besser“. Worauf diese Annahme beruhen soll, bleibt jedoch im Dunkel.

„Morgen Gratiswein“ – so das grandiose Schild, das seit Jahr und Tag über der Theke des Gasthofs zur Weinpresse in Eibiswald hängt – und gleichermaßen zu unberechtigter Hoffnung verleitet, wie die Prognosen unserer Experten. Wann werden sie endlich aufhören, mathematisch Unmögliches als dennoch möglich darzustellen versuchen.

14.9.2014; profil; Eva Linsinger; „Auf der Eselsbank“

„Unzeitgemäß?“

Unser Bildungssystem wird von Jahr zu Jahr unzeitgemäßer, schreibt Eva Linsinger im heutigen Leitartikel und schwindelt sich damit sehr elegant nicht nur um die bedeutsame Unterscheidung von Bildung und Ausbildung herum, sondern bleibt uns auch die Erklärung schuldig, was man unter „zeitgemäß“ zu verstehen hat. Wenn „Bildung“ allgemein als tragfähiges Fundament jeder weiterführenden „Ausbildung“ verstanden werden kann, ist Bildung, die sich durch selbständiges Denken, Entwicklung von Neugier an Zusammenhängen, Funktionsweisen und an gesellschaftlichen Lebensformen auszeichnen sollte, stets auf der Höhe der Zeit innerhalb jedes einzelnen Gesellschaftsgefüges. Bildung als solche schlägt sich mitnichten im Einkommen nieder, sehr wohl aber in den Werthaltungen einer Gesellschaft. Eva Linsinger bedauert daher leider weniger die mangelnde Bildung, als die mangelnde Verwertbarkeit unzulänglicher Ausbildung. Insofern hat sie dann natürlich wieder recht, zumal die möglichst einfache Verwertung menschlicher Leistung und deren Umwandlung in Kapital, diskussionslos als zeitgemäß angesehen wird. Ob mit dieser Sichtweise der unaufgeregten, neutralen Gelassenheit der Zeit gedient ist, bleibt allerdings dahingestellt.

Dr. Günther Hoppenberger

From: linsinger eva

Sent: Monday, September 15, 2014 12:12 PM

To: Günther Hoppenberger

Subject: Re: Auf der Eselsbank; 15.9.2014, E.Linsinger

Sehr geehrter Herr Hoppenberger

danke für Ihr interessantes Mail! Sie haben natürlich recht, dass Bildung mehr ist als Verwertbarkeit. Aber: Ich wollte diesmal ausschließlich ökonomisch argumentieren. Die Bildungsrendite existiert in der Tat – je höher die formale Ausbildung, desto höher Bezahlung und desto niedriger Arbeitslosigkeit. Insofern schlägt sich Bildung auch im Gehalt nieder.

ich schwindle mich nicht um den Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung herum – aber breite Bevölkerungsschichten stehen gar nicht vor dieser Wahl, weil sie in den Schulen nicht einmal lesen und rechnen lernen. Diese Schule ist „unzeitgemäß“ – weil sie eine Halbtagsschule ist, nicht auf Mehrsprachigkeit reagiert usw usw

Mit besten Grüßen

Eva linsinger

Sehr geehrte Frau Linsinger,

es freut mich, dass mein Mail auf Aufmerksamkeit stieß und hoffe zugleich, dass es nicht als angriffig empfunden wurde. Wir stimmen ja auch völlig darin überein, dass zunehmendes Analphabetentum, gepaart mit Rechenschwäche und sonstigen Defiziten kultureller Kompetenzen, bestürzende Dimensionen anzunehmen beginnt. Es ist jedoch die Frage, ob die sich abzeichnende, fast beängstigende Entwicklung, durch schulische Reformen, welcher Art auch immer, in den Griff zu bekommen ist, denn Bildung hat schon auch sehr viel mit einer Holschuld zu tun.

Was nun den ökonomischen Aspekt betrifft, sollte man sich jedoch nicht allzu viel von „entfesselten“ Bildungsanstrengungen erwarten. In einem kleinen Gedankenexperiment lässt sich das ja leicht nachvollziehen: Nehmen wir einmal an, dass es unser zukünftiges Bildungssystem schafft, unsere Bevölkerung insgesamt auf akademisches Bildungsniveau zu führen, dann würde sich an Chancen und Einkommensverteilung (Pareto!) dennoch nichts ändern, außer – und das wäre natürlich aus kultureller Betrachtung durchaus wohltuend – dass die gleiche, bzw. weiter steigende Zahl von Arbeitslosen akademische Bildung aufzuweisen hätte. Mehr Geld stünde zur Verteilung jedoch nicht zur Verfügung, um Arbeit überhaupt zu ermöglichen; und Geld entsteht bekanntlich nicht durch Arbeit!

Eigentlich stehe ich ja voll und ganz hinter Ihrem Leitartikel, bin jedoch über den Begriff „zeitgemäß“ gestolpert und darüber ins Sinnieren geraten. Ich bin mir nicht sicher, ob die Verwendung dieses definitionslosen, diffusen Begriffes nicht eigentlich Resignation gegenüber unerwünschten gesellschaftlichen Entwicklungen zum Ausdruck bringt. Ich werde dem noch weiter nachspüren und verbleibe vorerst

mit Dank und lieben Grüßen

Günther Hoppenberger

Sg hr hoppenberger

Jetzt ist mir klarer was sie meinen, wir liegen näher beisammen als ich dachte.

„Zeitgemäß“ habe ich vor allem verwendet als Gegensatz zur fast 100 Jahre alten Diskussion um Gesamtschule.

MfG

Eva lunsinger

7.9.2014; profil, Lingens; „Der Schelling-Effekt“

Politischer Mut als Erfolgskriterium für Schelling?

Wieder wird ein hoffnungsträchtiger neuer Mann in das Führerhaus des immer schneller (höher) werdenden Schuldenzuges gedrängt. Das für alle Staaten systemnotwendige Anwachsen der Gesamtverschuldung (Staat+Haushalte+Unternehmen) wirft jedoch die Frage auf, ob selbst eine sektorielle Eindämmung der Staatsverschuldung, die zwangsläufig nur zu Lasten der Unternehmen, Haushalte und – nicht zu vergessen! – des Auslandes möglich wäre, als zeitgemäßes Erfolgskriterium überhaupt sinnvoll ist. Ist es nicht eher wie beim „Tic Tac Toe“, bei dem bei korrektem, fehlerfreiem Spiel niemand gewinnen kann? Schelling, und mit ihm der Bevölkerung, ist jeder Erfolg zu wünschen, doch wird er für dieses Bemühen nicht umhin können, sich für die grundsätzliche Änderung der Spielregeln des Geldes einzusetzen. Die bestehenden Regeln haben sich großartig beim Aufbau eines relativ breiten Wohlstands bewährt, sie sind jedoch nicht geeignet, diesen Wohlstand auch langfristig zu bewahren! „Früher ging es doch auch“, ist kein zulässiges Argument, weil es die exponentielle Dynamik ausblendet. Dieses den Bevölkerungen klar zu verdeutlichen, wird noch viel politischen Mut erfordern. Vielleicht bringt ja Schelling diesen Mut auf europäischer Ebene auf.

Dr. Günther Hoppenberger

2.9.2014; OÖN; Standard,

Zusatzkosten für Demokratie?

Es ist schon klar, dass den Steuerzahlern Demokratie auch in Zeiten der „Sparprogramme“ etwas wert sein muss; dennoch wäre es für die Staatsbürger von großem Interesse, beispielhaft die gesamten Kosten der aktuellen Regierungsumbildung zu erfahren. Es sind ja damit auch Pensionsanwartschaften, Gehaltserhöhungen, Überstunden, etc., bis hin zur netten Einladung durch den Bundespräsidenten (auf Kosten der Staatsbürger) verbunden. Im Grunde genommen sind das alles ungeplante Ausgaben für die Steuerzahler, und damit freilich auf der anderen Seite unnotwendige Einnahmen, die einmal mehr Gedanken über die Schieflage der Einkommensrelationen beflügeln könnten.

Dr. Günther Hoppenberger

29.8.2014; an (fast) alle; „Gedanken zur Lage“

Beunruhigendes Kriegsgerassel

Rückwärts gewandt und gerade eben noch mit der Analyse der Entstehungsweise des 1. und des daraus ableitbaren 2. Weltkriegs beschäftigt, stolpern wir unbeeindruckt von den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts in Richtung 3. Weltkrieg. Sehenden Auges für jene, die sehen wollen. Geht es denn tatsächlich um Religion, geht es um Islam und Islamisten, um Demokratie, um Christenheit, oder doch nur um Macht und Lebensbedingungen? Wir stehen heute vor einem Scherbenhaufen selbst – vorgeblich mit besten Absichten – verursachter Zerstörung zahlreicher, in anderer Zeitqualität steckenden Gesellschaftssysteme, die sich mit nicht minder berechtigter Anspruchshaltung auf Leben der Ausbreitung unserer Wertvorstellungen in den Weg stellten. Aus Kalkulierbarkeit – obzwar durchaus auch mit teils mörderischen Regimen, mit denen sich aber nichtsdestotrotz gute Geschäfte machen ließen – entwickelten sich unkalkulierbarer Hass und Lagerdenken gemäß „Wir“ und „Sie“.

Die vermeintlich geplante und gemäß den natürlichen Sehnsüchten der Menschheit durchaus mögliche Befriedung der Welt wird einmal mehr von machtbesessenen Eliten zunichte gemacht. Wer darf sich heute noch ein unbeeinflusstes Urteil darüber anmaßen, wer die „Guten“ und wer die „Bösen“ sind? Freilich ist man überzeugt, selbst zu den „Guten“ zu gehören, ähnlich, wie man auch den eigenen Arbeitswert stets höher und wertvoller einstuft, als jenen der anderen. Gerade aber aus solcher verblendeten Überheblichkeit und hochmütigen Selbsteinschätzung nähren sich zwangsläufig alle Konflikte und lassen sich hervorragend zu Aggression und Krieg steigern. Immer noch lässt sich Religion als ultimativer Zündstoff missbrauchen, weil wir nicht erkennen, dass ja nicht Christen, Moslems, Juden, Russen, Araber, u.s.w., sondern Menschen ermordet werden. Es werden auch nicht Panzer, Flugzeuge und Schiffe zerstört, sondern die darin befindlichen Menschen werden ermordet.

Auffällig erscheint mir in der „öffentlichen Meinung“ die akribische Trennung der globalen Finanzmisere von den weltweiten kriegerischen Auseinandersetzungen, als ob das nichts miteinander zu tun hätte. Ein Brückenschlag zwischen Friedenssehnsucht und trauriger Realität erscheint aber nur möglich, wenn durch eine neue Geldordnung überhaupt erst die Möglichkeit für die individuelle Überlebensmöglichkeit in einem friedlichen Miteinander geschaffen würde. Der Relativierung, bis hin zur Bewusstmachung der Bedeutungslosigkeit des in unserer Epoche gerade vorherrschenden materialistischen Dogmas und unseres Kausalitätsdenkens sollte im Licht neuerer physikalischer Erkenntnisse mehr Raum gegeben werden. Auch durch noch so viele Millionen Ermordete und Flüchtlinge – durch wen auch immer verursacht – wird die Welt nämlich nicht besser, wenn wir nicht unsere Einstellungen zum Leben als solchem verändern. Damit stellt sich in der momentanen Weltsituation die allseits verdrängte Frage nach dem „Wozu?“ der gegenseitigen Vernichtungsstrategien.

Dr. Günther Hoppenberger

29.8.2014; standard.at (Nowotny: Bip-Steigerung nur bei max.0,9%)

Unfassbare Naivität oder langsame Annäherung an lange vorhersehbare Entwicklungen?

Es fällt schwer anzunehmen, dass unser Notenbank Gouverneur jemals die ursprünglichen BIP Prognosen von 1,5-1,7% als realistisch und nicht nur als euphorisierende psychologische Hilfe zur „Entfesselung der Wirtschaft“ angesehen hat. So gesehen ist seine derzeitige Einschätzung von 0,9% (und weniger) als beginnende Einstimmung auf Deflation und schlechte Zeiten zu verstehen.

In Verbindung mit den gezielt herbeigeführten Entwicklungen in Ukraine, Syrien, Irak, etc., kann das schon Angst machen. Es zeigt jedenfalls, dass die vermeintlichen Eliten aus der akribischen Analyse des Zusammenbrauens des 1. Weltkriegs absolut nichts gelernt haben.

22.8.2014; Standard;

Auf den Punkt gebracht

am Beispiel der Meldung: Hamas exekutiert angebliche Kollaborateure (22.8.2014/Seite 6)

Hamas ermordet angebliche Kollaborateure

Nach gezielter Ermordung mehrerer Führungsmitglieder bei israelischem Luftangriff

Gaza/Jerusalem – Keine Entspannung gab es am Donnerstag bei den absurden, zerstörerischen Kämpfen im Gazastreifen: Erneut wurden zahlreiche Raketen aus Gaza, wer auch immer die hergestellt und wer auch immer sie bezahlt haben mag, auf Ziele im Süden Israels abgefeuert und bewirkten eine weitere Wertevernichtung und viel menschliches Leid, erneut gab es bei israelischen Angriffen auf Gaza zahlreiche Ermordete. Darunter sollen sich auch mindestens drei Kommandanten der Hamas, eines destruktiven Unternehmens ohne festen Firmensitz und ohne Eintrag in irgendeinem Handelsregister, befinden.

Dabei handelt es sich offenbar um….. Israel sprach von einem großen Erfolg für die Mordvorbereitung durch die Geheimdienste. Hamas reagierte mit der Festnahme von sieben angeblichen Kollaborateuren. Drei der Männer sollen umgehend ermordet worden sein.

Unklar war zunächst weiter das Schicksal des Hamas-Militärchefs, des Marketing Managers des Unternehmens, Mohammed Deif. Israel hatte am Dienstagabend versucht, Delf gezielt zu ermorden. Laut des Pressesprechers von Hamas sollen dabei zwar mehrere seiner Familienmitglieder ermordet worden sein, nicht aber Delf selbst. Quellen aus Israel sprachen davon, dass auch Delf ermordet wurde.

Insgesamt wurden bei israelischen Luftangriffen am Donnerstag mindestens 26 Menschen, darunter drei Kinder und acht Teilnehmer einer Trauerkundgebung ermordet. Laut einer Armeesprecherin wurden mindestens 30 wie auch immer ausgewählte Ziele im Gazastreifen bombardiert und dabei wieder viel Infrastruktur und Werte zerstört. Insgesamt sind seit Ausbruch des aktuellen Mordens Anfang Juli damit über 2050 Menschen in dem Gebiet ermordet worden.

……………….und so weiter, und so weiter.

Dr. Günther Hoppenberger

22.8.2014; Standard.at; Rauscher; Es geht wie stets um die Relationen

Die Wichtigkeit von Staatsausgaben wird von den jeweiligen Machtverhältnissen bestimmt, wobei natürlich der eigenen Tätigkeit von Interessensgruppen stets die höchste Bedeutung beigemessen wird. Was ist wichtiger: Funktionierende Kinderbetreuung, oder ein funktionstüchtiges Heer? „Beides“, dürfte wohl die richtige Antwort lauten und jede Gesellschaft kann sich im Prinzip alles – in einem bestimmten Ausmaß – leisten, doch wird man nicht umhin können, eine Grundsatzdiskussion über Standards und Einkommensrelationen anzustoßen.

21.8.2014; Kriegsmaterialexporte in Kriegsgebiete (Standard+OÖN)

Spuren des Geldes

Von „der EU“, federführend Deutschland, wird angesichts der Entwicklungen erwogen, Waffen und Kriegsgerät (auch) an „die Kurden“ zu liefern. Ohne die Sinnhaftigkeit immer weitergehender Aufrüstung anzusprechen, wäre es doch einmal von allgemeinem Interesse die Abwicklung so eines Geschäftes im Detail zu verfolgen. Wer ist Verkäufer? Wer ist Käufer? Adressen? Rechnungsnummer? Welche Zahlungsmodalität wurde vereinbart? Wie sieht die Kalkulation aus? Wie viele Zwischenhändler und Provisionsempfänger sind darin involviert? Aus welchen Quellen stammt das Geld und wer ist eigentlich Zahler? Waffenexporte allein auf der Grundlage „Erhaltung der heimischen Arbeitsplätze“ zu rechtfertigen steht jedenfalls im krassen Gegensatz zu den angeblichen EU-Werten.

Dr. Günther Hoppenberger

18.8.2014; profil; Was wir vom Krieg nicht sehen wollen

Nicht Opfer, sondern Ermordete!

Als drastisch vor Augen geführtes Ergebnis der in unserer Epoche geschaffenen traurigen Realität, sind alle (unbearbeiteten) Kriegsfotos zumutbar. Um ernsthaft aufzurütteln sollte jedoch nicht nur im Text, sondern besonders auch in den Bildbeschreibungen eine klarere Sprache eingesetzt werden. Es werden eben keine Toten, Leichen, Exekutierte oder Opfer gezeigt, sondern es sind alles Ermordete. Wie anders würde das doch gleich auf unsere Denkrichtungen wirken? Auch ein „gefallener“ Soldat ist ein ermordeter Mensch. Jemanden zu Tode zu bringen ist Mord, selbst wenn man es juristisch spitzfindig anders bezeichnet. Die Unterscheidung von ermordeten Militärs, Terroristen, Rebellen, etc., und ermordeten Zivilisten ist deshalb entbehrlich, zumal sie bloß der Akzeptanz der Möglichkeit von Krieg als solchem dienen soll. Ähnlich zu „…..fragen sie ihren Arzt oder Apotheker“, sollte vielleicht auch verpflichtend unter jedes Foto mit Ermordeten gedruckt werden: (Anmerkung des IGH: Mord verjährt nicht!).

Dr. Günther Hoppenberger

16.8.2014; OÖN, Mascher; „Einen Monat Steuern für Mutlosigkeit“

Steuern und Wert der Arbeit

Der weit verbreitete Hochmut, die eigene Arbeitsleistung stets als wichtiger und vor allem wertvoller einzustufen, als jene anderer, lässt rasch den Ruf nach Reformen aufkommen, die uns alles – besonders auch alle – aus dem Weg räumen sollen, was uns an unserer persönlichen Entfaltung behindert, oder zumindest von uns als störend empfunden wird. Mag sein, dass wir an überbordender Bürokratie leiden und dass die ständig geforderte (und seit Jahrzehnten angekündigte) Verwaltungsvereinfachung angebracht ist. Wir sollten jedoch nicht übersehen, dass Einsparungen auf der einen Seite, stets dem Vorenthalten von Einkommensmöglichkeiten auf der anderen Seite entsprechen. Daher muss jede Reform letzten Endes mit der Diskussion über gesellschaftlich vertretbare Einkommensrelationen beginnen.

Dr. Günther Hoppenberger

3.8.2014; profil; Rainer, „Krieg und kein Frieden“

Was sind die Kriegsziele?

Während wir stets nach hinlänglichen Begründungen für die bestehenden Konflikte, Aggressionen und Kriege suchen, wird auf die Ziele der vermeintlichen Konfliktlösungsstrategien vergessen. Freilich geht es nicht immer nur um Öl und Ressourcen, es geht jedoch immer um die Ausbeutung, Unterdrückung und sogar bis hin zur Ausrottung Anderer. Ein Anderssein wird in unserer dogmatisch eingeschränkten Weltsicht nicht akzeptiert. Immer noch wird der Mensch als Mittel und nicht als Zweck wahrgenommen – und er soll als Mittel für den eigenen ökonomischen Erfolg dienen.

Genauere Analysen der Geldflüsse, die verbrämt als Investitionen die Konflikte der Welt speisen, wären angebracht, wie auch die Frage nach den Kriegszielen. Zerstörung der Lebensgrundlagen allein ist kein Ziel irgendeiner Bevölkerung. Die Frage an Konfliktgegner müsste also stets lauten: Wie anders als bisher möchten sie die Bevölkerung ausbeuten und unterdrücken? Vielleicht könnte das zu einer Relativierung der Feindbilder und zu einer Immunisierung der Masse gegenüber Kriegspropaganda beitragen.

Dr. Günther Hoppenberger

2.8.2014; OÖN, Mandlbauer; „Schreibt doch endlich positiver“

Realität ist nicht Wirklichkeit

Der heutige Leitartikel, in dem es um die Rolle der Medien in einer aus den Fugen geratenen Welt geht, endet mit der Feststellung, dass „eine Flucht vor dieser Wirklichkeit“, nämlich das Schlechte nicht mehr zu benennen, Licht und Schatten nicht mehr in aller Breite abzubilden, die Welt nicht besser macht. Dem ist voll und ganz zuzustimmen. Allerdings vermisst man allenthalben stärkere Kommentare, die unser Augenmerk auf die Bedeutungslosigkeit der innerhalb unseres derzeit vorherrschenden materialistischen Dogmatismus und unkritischen Kausalitätsdenkens zurecht gezimmerten Realität der Macht- und Unterdrückungsspiele, gegenüber der von uns weithin unverstandenen Wirklichkeit des Lebens lenken könnten. Nicht die Welt, sondern die Menschheit gerät aus den Fugen! Höchste Zeit, die neuesten Erkenntnisse der Physik in unsere Einstellungen gegenüber dem Leben an sich zu integrieren. So gesehen darf man den Medien durchaus den Vorwurf machen, zu wenig zur Veränderung unseres Weltbildes beizutragen.

Dr. Günther Hoppenberger

P.S.: Aggressionen, Gewalt, kriegerische Auseinandersetzungen und gegenseitige Vernichtung meinen wir innerhalb unserer Logik analysieren und erklären zu können, vermögen jedoch darin außer wechselnden Machtansprüchen keinerlei Zielorientierung auf das Ganze zu erkennen.

16.6.2014; Standard, „Einfühlsame Bürgernähe“

Spardiktate, Spesenerhöhung und Werbung

Erhöhung der Aufwandsentschädigungen und Anhebung der Entfernungszulage für Abgeordnete und 200 Mio. für Werbung öffentlicher Stellen – soweit nur die heutigen Meldungen, die dem Normalbürger eindringlich die Bürgernähe ihrer Politiker vor Augen führen und zum Kotzen animieren. Selbstversorgung anstatt gemeinwohlorientierten politischen Zielsetzungen. Wie lange kann es noch dauern, bis das Fass doch noch überläuft?

Dr. Günther Hoppenberger

14.6.2014; OÖN; Mandlbauer, Führen heißt, den Leuten die Wahrheit…

Politische Führung und zumutbare Wahrheit

Zu der – den Staatsbürgern – zumutbaren Wahrheit zählt freilich insbesondere auch das Eingeständnis eigener Irrungen und Fehleinschätzungen. Gerade das schmerzt aber und wird deshalb geflissentlich unterlassen, wohingegen jedoch den Bürgern ohnehin schonungslos, wenngleich scheibchenweise, durch ständig neu herbeigezauberte Gesetzesänderungen und Verordnungen ihre Rolle als Verursacher der Misere vor Augen geführt wird. Politische Führungsstärke wird eben nur mehr buchhalterisch verstanden. Es mangelt an der verständlichen Aufbereitung von Führungszielen, die zumindest ansatzweise eine Gemeinwohlorientierung erkennen ließen. Völlig richtig moniert Mandlbauer daher die Notwendigkeit eines Richtungswechsels, der jedoch ohne Eingriffe in die so genannten wohlerworbenen Rechte in den geschützten Bereichen (siehe „Luxuspensionen“ und Pensionsreform) nicht vonstatten gehen wird. Die zuzumutende Wahrheit müsste wohl lauten: „Liebe Bürgerinnen und Bürger, wir befinden uns in einer Sackgasse!“

Politik könnte so schön sein – wenn es die Bevölkerungen nicht gäbe!

Dr. Günther Hoppenberger

1.6.2014; profil; Lingens; Merkels Fahnen-Juncker? (Eine Fortsetzung

des aktuellen Sparkurses wird den Zerfall der EU herbeiführen)

Zunehmende Distanzierung der EU von Europa

Lingens heutiger Schlüsselsatz: „Wenn die EU das Gespenst der Arbeitslosigkeit nicht bannt, wird das Gespenst des Faschismus an seine Seite treten“, wurde bei der EU-Wahl ja bereits beängstigend bestätigt und es ist dem nichts hinzuzufügen. Neben dem wesentlichen Hinweis, dass Arbeit dem Selbstwertgefühl dient, schreibt Lingens allerdings auch: „Die Menschen brauchen Arbeit, um ausreichend zu verdienen“. Das macht es schwierig. Geld entsteht ja nicht durch die Arbeit, sondern ich muss zunächst investieren, um überhaupt arbeiten (lassen) zu können. Da im Kapitalismus im Unterschied zum Kommunismus das Produktionsproblem als gelöst betrachtet werden kann, stellt sich die Frage, wie in an sich gesättigten Märkten Investitionen nunmehr in längerfristig unrentable gesellschaftliche Erfordernisse (Kindergärten, Bildung, Forschung, erneuerbare Energie, etc.) umgelenkt werden können, anstatt das Heil in überbordendem Export im globalen Wirtschaftskrieg und auf den spekulativen Finanzmärkten suchen zu müssen. Es hat das wohl etwas mit unserer Geldordnung zu tun, die uns an den für eine vernünftige Gesellschaftsentwicklung nötigen Schritten hindert. Denn nicht Arbeit als solche ist nötig, wie das auch die immer noch „rentable“ Produktion von Kriegsgerät oder entbehrliche Großprojekte wären, sondern Arbeit, die der Gemeinnützigkeit und erst damit dem Selbstwertgefühl und dem weiteren Aufbau eines friedlichen Europas dient.

Dr. Günther Hoppenberger

31.5.2014; OÖN; Interview Karl Aiginger; Schnelle, große Steuerreform

Die große Steuerreform

Wenn Wifo-Chef Aiginger im Rahmen einer großen und unmittelbar notwendigen Steuerreform den Abbau „veralteter“ Ausgaben fordert, hat er ja so Unrecht nicht. Allerdings würde sich dadurch an der weiterhin steigenden Gesamtverschuldung (Staat+Unternehmen+Haushalte) nichts wesentliches ändern. Fairer wäre es jedenfalls, bei allen geplanten Einsparungen das Augenmerk auf die Empfängerseite zu richten und offen darüber zu diskutieren, wem man nun eigentlich die Einkommensmöglichkeiten beschneiden möchte. Es könnten sich daraus interessante Einsichten über gesellschaftliche Werte ergeben.

Dr. Günther Hoppenberger

19.5.2014; Presse, „das Leid der österr. Sparer“

Hartnäckige TEURO-Leugnung

2001 konnte man noch im Beisl ums Eck um ö.S. 50.- und sogar darunter ein Menu erhalten und mit 20.- in der Tasche konnte man sich in jedes Kaffeehaus wagen. Eine recht ungute, deflationäre Tendenz war nicht zu übersehen und sollte offensichtlich durch die Einführung des EURO gebremst werden, was ja zunächst auch gelang. Heute, 12 Jahre nach der EURO Einführung, kostet das Menu im selben Beisl (sofern es noch existiert), vergleichsweise günstige 7.- (ö.S.100.-), also doppelt so viel. Auch wenn man außer Acht lässt, dass der Preisanstieg ziemlich sprunghaft stattfand und die Teuerung über 12 Jahre „glättet“, ergibt sich eine jährliche Steigerung von 6%, die sich in keinem der Lohnabschlüsse wieder findet. Das Eingeständnis, dass die Einführung des EURO zwar gut gemeint, jedoch vielleicht doch vorschnell und unüberlegt erzwungen wurde, könnte der Politik wieder etwas Glaubwürdigkeit zurückgeben.

Dr. Günther Hoppenberger

19.5.2014; Standard, Köstlinger, TTIP und „mehr Europa“

Ja, zu mehr Europa – am Beispiel TTIP

Wenn es stimmt, was Heinz Zourek, immerhin Gen.Dir.der europäischen Kommission, in der Sendung „Im Zentrum“ am 18.5.2014 sagte, dass nämlich die USA den europäischen TTIP Verhandlungspartnern die Geheimhaltung als Bedingung auferlegte, dann wäre das eine gute Gelegenheit „mehr Europa“ zu zeigen und die Verhandlungen ganz einfach abzubrechen, weil derartige Bedingungen nicht den europäischen Werthaltungen von Demokratie und Transparenz entsprechen. Die Bevölkerungen würden ihren Politikern eine derart ehrliche und aufrechte Haltung, selbst wenn sie – wider Erwarten – materielle Einbußen bedeuten könnte, gewiss hoch anrechnen. Und geht es denn nicht gerade um die Rückgewinnung des Vertrauens in die Politik?

Dr. Günther Hoppenberger

14.5.2014; Jutta Ditfurth,

Sehr geehrte Frau Ditfurth,

Ihre Veranstaltungsankündigung nehme ich zum Anlass, Ihnen meine große Enttäuschung über Ihre Kommentare zur großen Friedensdemo am Ostermontag in Berlin auszudrücken. Es ist mir unverständlich was da in Sie gefahren ist, eine parteiübergreifende Bürgerbewegung, die für Frieden und mehr Gerechtigkeit eintritt derart unqualifiziert zu desavouieren. Kritik, zumal sachlich argumentiert, an der Konstruktion der Spielregeln unseres Finanzsystems zu üben, hat nichts, aber schon gar nichts mit Faschismus oder gar Antisemitismus zu tun – es sei denn, man legt es darauf an, Kritik bereits im Keim abzuwürgen. Sich dafür herzugeben, hätte ich von Ihnen nicht erwartet.

Längst wäre es ja überfällig, gesellschaftspolitische Themen von diesem Links-/Rechts Denken, das eine überkommene Lagerbildung von gleichermaßen Betroffenen verfestigt, zu befreien. Es muss um die gemeinsame, demokratische Überwindung der Machtzusammenballungen gehen, die die Mehrheiten der Bevölkerungen in auswegloser Abhängigkeit und Unterdrückung halten. Da ist es auch erlaubt, das höchste Macht-Atout der heutigen Gesellschaft – sofern man von militärischen Einsätzen absieht – nämlich die Konstruktion der Geldordnung, die ihrer Aufgabe als wirtschaftliches Informationsmittel nicht mehr gerecht wird, beim Namen zu nennen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

12.5.2014; profil, Lingens, „Gurkenkrümmung vs. Bankenunion“

EU-Meilensteine

Die „Bankenunion“ könnte so ein Meilenstein sein, meint Peter Lingens zu Recht. Für den EU Bürger sind das jedoch vor allem Ankündigungen, die sich auf die fernere Zukunft beziehen und keinerlei erkennbaren Auswirkungen auf die unmittelbare Lebenssituation haben. Vor allem sind es jedoch verzweifelte und zugleich zweifelhafte Korrekturversuche für schwerwiegende Fehlentscheidungen in der Vergangenheit. Zum Teil unsinnige Verordnungen zur Gleichschaltung unterschiedlicher Kulturen, die eigentlich unter das Subsidiaritätsprinzip fallen und daher bestenfalls als Empfehlung und Richtschnur ausgegeben werden sollten, beeinträchtigen das Leben jedoch unmittelbar und provozieren regelrecht die fatale Anti-EU-Einstellung. Liegt nicht ein wesentliches Problem darin, dass dem EU-Parlament das Initiativrecht verwehrt wird?

Unverständlich ist mir Lingens Euphorie über den geplanten „Freihandelsvertrag“ zwischen USA und EU. Weil die EWG zweifellos die innereuropäische Wirtschaft beflügelt hat, darf man daraus ja keineswegs ableiten, dass das in der heutigen Ausreifung der Weltwirtschaft einen zusätzlichen Impuls bringen könnte. Üblicherweise werden mit Handelserleichterungen keine Arbeitsplätze gefördert, sondern vielmehr abgebaut!

Dr. Günther Hoppenberger

26.4.2014; OÖN, Neumüller im Gespräch mit Spindelegger

Spindelegger im Gespräch

Klar! Sinkendes Staatsdefizit bei systemisch dennoch notwendigem Anstieg der Gesamtverschuldung heißt unter betriebswirtschaftlicher Betrachtung des Staatssektors allemal „sparen“.

Die wahre Bedeutung des ach so tugendhaften Sparens erschließt sich jedoch erst, wenn man es als Vorenthalten von Einkommensmöglichkeit für andere verstanden hat. So gesehen wäre das Gespräch interessanter verlaufen, hätte Hermann Neumüller klipp und klar gefragt, wem denn die Einkommensmöglichkeit entzogen werden soll. Da die einzelnen Ressorts nur Durchlaufstationen sind, ist es nicht schwer zu erkennen, dass das „die Wirtschaft“ und somit die privaten Haushalte betrifft. Das sollte jedoch ohne Schönfärberei benannt werden! Mit dem Schlagwort „Reformen“, lässt sich die nackte Tatsache der Zahlen nicht wegdiskutieren.

Dr. Günther Hoppenberger

26.4.2014; Standard, „Schummeln darf es nicht mehr geben“

Sparen ohne zu schummeln

(Spindelegger im Gespräch mit Gerald John und Michael Völker, die – leider zu wenig – nachfragten)

Die wahre Bedeutung des ach so tugendhaften Sparens erschließt sich erst, wenn man es als Vorenthalten von Einkommensmöglichkeit für andere verstanden hat. So gesehen wäre das Gespräch interessanter verlaufen, hätten die Interviewer klipp und klar gefragt, wem denn die Einkommensmöglichkeit entzogen werden soll. Da die einzelnen Ressorts nur Durchlaufstationen sind, ist es nicht schwer zu erkennen, dass das „die Wirtschaft“ und somit die privaten Haushalte betrifft. Das sollte jedoch ohne Schönfärberei benannt werden!

Dr. Günther Hoppenberger

21.4.2014; profil, Hoffmann-Ostenhof; „Gar nicht so übel“

Es geht um die Inhalte!

Tatsächlich ist die Riege der Personen, die zur (EU) Wahl stehen, gar nicht so furchtbar. Beängstigend ist jedoch die parteiübergreifende Uniformität, mit der Maßnahmen vertreten werden (müssen?), die fernab des Gründungsgedankens und der verheißenen Ausrichtung als Friedens- und Sozialunion liegen. So gesehen ist das „Aufstehen“, wie es uns der unabhängige EU-Abgeordnete Martin Ehrenhauser als wirkungsvolle Möglichkeit demonstrierte, ein aufrüttelnder und beispielgebender Wegweiser, den EU-Bürgern ihre Würde zurück zu geben und über alle nationalen Unterschiedlichkeiten hinweg, ein „Anders“ als Bereicherung verstehen zu lernen. Nur wer das „TINA-Prinzip“ (There is no alternative) in Frage stellt, kann Anspruch auf Zielorientiertheit erheben! Orientiertheit auf das Ziel eines spirituell zusammenwachsenden Europas im gedeihlichen Miteinander der Unterschiede.

Dr. Günther Hoppenberger

13.4.2014; profil, Lingens, „Das HYPO-Verdienst der EU“

Ersparnisse durch EU-Reglements

Als überzeugtem Europäer ist es mir doch ein bisschen zu wenig, dass uns die EU-Mitgliedschaft bereits mehrmals vor noch schlimmeren Kosten bewahrt hat, wie Lingens das an den Beispielen HYPO und Aufzugskartell darstellt. Da Kosten auf der anderen Seite immer gleich Einnahmen sind, sollte sich das Augenmerk wohl verstärkt darauf richten, was mit den Einnahmen geschieht, und überzogene Einnahmen durch entsprechende Einkommen- und Vermögenssteuern zu begrenzen.

Die unzweifelhaft positiven Aspekte der EU, vor allem in deren – leider für die Öffentlichkeit kaum mehr erkennbaren – Grundidee als Friedens- und Sozialunion, wird öffentlichkeitswirksam überkompensiert durch umzusetzende Richtlinien, die sich kaltschnäuzig über das Subsidiaritätsprinzip hinwegsetzen und die Bevölkerungen zur Empörung stimulieren. Resignation und Abwendung vom EU-Gedanken ist das wenig überraschende Ergebnis solcher entbehrlichen Absonderungen aus Brüssel.

Aktuellstes Beispiel: Gerade rechtzeitig vor der EU Wahl, droht uns „die EU“ mit einem Strafverfahren, weil wir in Relation zu ärztlich Begabten zu viele Kranke haben und bringt mit solchen schwachsinnigen Richtlinien wieder ein paar weitere Prozent der Wahlberechtigten dazu, der Wahl angewidert fern zu bleiben.

Dr. Günther Hoppenberger

11.4.2014; OÖN, Mascher, „RLB Passau u. Erste Bank Prag?“

Abwanderung der RLB und ERSTE?

Allein schon die Überlegungen zur Verlegung eines Firmensitzes ins – noch dazu EU – Ausland wegen Steuerersparnis, bringen bereits deutlich die gesellschaftsschädigende Geisteshaltung solcher Konzernführer zum Ausdruck. Ein Staat sollte sich von diesen jedoch keinesfalls erpressen lassen. Wer sein Bekenntnis zu einem Staat weglegt wie ein Kleidungsstück, so wie das all die Steuerflüchtigen auch machen, sollte hier auch keine Geschäfte mehr betreiben dürfen. Gasselsberger, Oberbank, ist hingegen nur größte Hochachtung auszudrücken. Er jammert zwar auch über die Abgabenlast, bekennt sich aber dennoch zu dem Markt, von dem er letztlich lebt. EU hin oder her, die Bevorzugung von Firmen, die ihre Gewinne auch hier versteuern, sollte wieder viel mehr in die Geschäftsbeziehungen und die Kaufentscheidungen der Konsumenten einfließen.

Dr. Günther Hoppenberger

10.4.2014; Standard, „Österreich muss EU Richtlinie einhalten“

EU droht mit Strafverfahren!

Gerade rechtzeitig vor der EU Wahl, droht uns „die EU“ mit einem Strafverfahren, weil wir in Relation zu ärztlich Begabten zu viele Kranke haben und bringt mit solchen schwachsinnigen Richtlinien wieder ein paar weitere Prozent der Wahlberechtigten dazu, der Wahl angewidert fern zu bleiben. Wer, in Brüssel, mag das wohl wieder ausgebrütet haben, um damit seine Existenzberechtigung unter Beweis zu stellen?

Dr. Günther Hoppenberger

5.4.2014; OÖN, Mandlbauer, „Und wie haltet ihr es mit den Eliten?“

Eliten und Opportunisten

Sollten sich die Charaktere von Eliten nicht gerade dadurch auszeichnen, dass sie eben keine Opportunisten sind? Es sind bestimmt nicht die Besten, deren Motivation auf Ruhm, Anerkennung und Steuerersparnis ausgelegt ist und sie zur Abwanderung bewegt. Sind das nicht eher egozentrische Abenteurer, die in ihrer Selbstentwurzelung auch jegliche Verantwortung gegenüber jeder Gesellschaftsform vermissen lassen? Und nicht zuletzt: Wo auf der Welt wäre denn das Sammelbecken dieser Art von Elite zu vermuten, das deren persönlichen Ansprüchen gerecht würde? Dazu fielen einem vielleicht die USA ein, doch es hat die jahrzehntelange Zuwanderung frustrierter Eliten aus aller Welt weder zu einer Leistungssteigerung, noch zur Anhebung der „Schwarmintelligenz“ beigetragen. Die wahren Leistungsträger sind wohl immer jene, die ihren eigenen gesellschaftlichen Wurzeln verbunden bleiben und die Mühen auf sich nehmen, zur gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen.

Dr. Günther Hoppenberger

2.4.2014; allgem. An OÖN u. Standard

Der ganz normale Wahnsinn?

Ob Hypo-Skandal, steigende Arbeitslosigkeit, NATO-Manöver in der Ostsee, Kriegsgerassel in der Ukraine, in N-/S-Korea und an vielen anderen Plätzen dieser Welt, russische Machtspiele auf der Krim, Rechtsruck in der Politik, und vieles mehr, das den Normalbürger beunruhigen sollte, lässt sich bei genauerer Analyse auf eine gemeinsame Verursachung zurückführen: Auf das zunehmende Versagen der Spielregeln des Geldes für eine zivilisierte, gemeinschaftliche Belebung unseres Planeten. Der bereits vor Jahren prognostizierte „Clash of Cultures“ wird völlig systemkonform durch die Geldordnung herbeigeführt und beruht weniger auf kulturellen oder gar religiösen Unterschieden, als auf den schwindenden Überlebensmöglichkeiten durch die Machtfunktion des Geldes, einer künstlichen Konstruktion, der das Mäntelchen der Gottgegebenheit umgehängt wurde. Es sind die Spielregeln des Geldes, die uns von konstruktivem, die Kreativität förderndem Wettbewerb zu Konkurrenten und folgerichtig zu Rivalen werden ließ. Der Fehler der Politik liegt besonders darin, solche banale Wahrheiten nicht anzusprechen und so zu tun, als ginge es tatsächlich um Demokratie, friedliches Miteinander und Kooperation und nicht nur um Machterhalt und um die Verteidigung von Interessen.

Dr. Günther Hoppenberger

24.3.2014; profil, Christina Hiptmayr, „Zeugen der Anlage“

Risikolose Geldvermehrung?

Obwohl sich Christina Hiptmayr zu ihrer, der jahrzehntelangen Konditionierung entsprechenden Naivität bekennt, mit der sie immer noch an die wundersame Geldvermehrung durch „Anlage“ glaubt, weil das doch früher auch ging, fehlt ihrem Erfahrungsbericht mit diversen Anlageberatern eine griffige Schlussfolgerung: Jede Anlageform ist davon abhängig, dass es gelingt, einen Nachschuldner mit entsprechender Bonität zu finden, der sich mit seiner Geschäftsidee gute Chancen ausrechnet, zeitgerecht ein Mehr der geliehenen Summe erarbeiten zu können. Er muss also den entsprechenden Betrag aus der im Markt verfügbaren Kaufkraft an sich ziehen. Dass das bei zunehmender Sättigung einer Volkswirtschaft immer schwieriger wird, was sich in stetig sinkenden Wachstumsraten manifestiert, sollte nicht verwundern. Nicht das Geld arbeitet, sondern die Menschen, die es zur Vorfinanzierung ihrer Arbeit benötigen. Abseits dieser eigentlichen Anlageformen in so genannte „Finanzprodukte“ getätigte „Investitionen“ sind hingegen substanzlose Wetten, die besser den Glückspielgesetzen unterstellt wären.

Dr. Günther Hoppenberger

7.3.2014; OÖN, D. Mascher, „Halbe-Halbe“

Verzerrte Darstellung

Wer monatlich 1.409,68 netto erhält, verdient eben nicht nur die auf dem Gehaltszettel ausgewiesenen 2.000.- brutto, sondern 2.625,20. Sonderzahlungen, aber auch Verdienst ohne Arbeit (Urlaub), noch gar nicht berücksichtigt. Der Unsinn, dem Arbeitnehmer nicht offen zu legen, was er dem Dienstgeber, bzw. dessen Kunden tatsächlich kostet, hat sich historisch im Klassenkampf entwickelt und gehörte längst abgeschafft. Dem Unternehmen kostet dieser Arbeitnehmer jährlich 37.500.- Des Weiteren wird der Eindruck erweckt, dass die gewiss beträchtlichen Abzüge allesamt eine Steuerleistung wären. Der Hauptteil ist jedoch die „Prämie“ für die Sozialversicherung! Im konkreten Beispiel 11.112.- jährlich. Die eigentliche Steuerlast beträgt im Endeffekt 6.339.- und somit 17% des Jahreseinkommens. Und der Arbeitnehmer verdient monatlich netto, bezogen auf 12 Monate, in Wahrheit 1672.-

Was soll also dieses „Halbe-Halbe“ Märchen?

Dr. Günther Hoppenberger

4.3.2014; Standard, Bank Austria – Sprinter-Prämie

Sprinter-Prämie für Schnellgeher

Nach „situationselastisch“, bewirbt sich soeben eine Neukreation der Bank Austria um die Wahl des Unwortes 2014: „Sprinter-Prämie“. Die bekommt man nämlich, wenn man sich freiwillig und vor allem rasch aus dem Arbeitsverhältnis kippt und der Bank nicht länger als überflüssiger Kostenfaktor auf zwei Beinen zur Last fällt. Geht’s den Banken gut, geht’s uns allen gut? Helau!

Dr. Günther Hoppenberger

26.2.2014; Neumüller, „Die 4. industrielle Revolution ist längst im Gange“

…….aber was wird aus den Urenkeln?

Der aus heutiger Sicht völlig richtige und auch notwendige Aufruf, die Entwicklung in Richtung „Industrie 4.0“ nicht zu verschlafen, wirkt dem ersten Anschein nach sehr zukunftsorientiert – und dennoch fehlt ihm die visionäre Weitsicht, die über die Enkelgeneration hinaus reichen könnte. Wenn wir uns vom „Jeder gegen Jeden“ Vorsprungsstreben gegenüber anderen Nationen – was nichts anderes als Rivalitätsverhalten heißt, auch wenn wir es Wettbewerb nennen – nicht verabschieden, mag das für unsere Enkelkinder noch gut gehen. Aber was dann? Aus der finanzsystemisch erpressten Logik unseres Wirtschaftens steuern wir offenkundig einmal mehr auf die Wiederholung unserer leidvollen Geschichte zu. Höchste Zeit, dass gesellschaftspolitische Visionen entwickelt werden und dass Politik vom Reagieren auf Zwangssituationen zum Agieren in Richtung eines globalen Miteinander findet.

Dr. Günther Hoppenberger

23.2.2014; Profil; Lingens, Der Gen-Tech-Glaubenskrieg,

Es geht um ganz anderes…

Es geht um die Entscheidungskriterien zur Zulassung und Verbreitung transgener Pflanzen. Im Unterschied zu „natürlichen Züchtungen“ kommt es durch Gentechnik zu sprunghaften Änderungen, die keine sukzessiven Anpassungsabläufe etwaig betroffener Systeme gestatten. Des Weiteren muss nicht alles gut sein, wozu keine negativen Folgen aufgezeigt werden können! Es geht ja genau um jene Folgen, von denen wir gar nicht wissen und daher nicht berücksichtigen können. Wir unterliegen hier in unserer Technikgläubigkeit einem gewaltigen Trugschluss in der Risikoabschätzung. Ich verweise nur auf die Unbedenklichkeitsbescheinigungen zur Kernkraftnutzung. Vor allem geht es in der Diskussion über Gentechnik in der Nahrungskette um die Ängste vor der Unumkehrbarkeit und besonders aber um das Selbstbestimmungsrecht. Es muss bei aller Freiheit des Warenverkehrs auch möglich sein, gewisse Produkte, die von einer Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt werden, ohne weiterer Begründung vom Import auszuschließen. Es geht also um Demokratie und um das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der EU.

Dr. Günther Hoppenberger

18.2.2014; Hypo-Kärnten, (an „alle“)

Verständnis für HypoAA

Trotz berechtigter Empörung über das Hypo-Debakel dürfen wir nicht vergessen, dass das unserer Geldordnung zugrunde liegende System auf die immerwährende Verfügbarkeit von Nachschuldnern angewiesen ist. Wir bezeichnen das als Wachstum, weil es doch so viel positiver klingt. Es sollte daher nicht überraschen, dass solcher Art unerfüllbare systemische Anforderungen auf der betriebswirtschaftlichen Ebene, wo es um das eigene wirtschaftliche Überleben, um persönlichen Erfolg, Einfluss, Macht und um eine Spitzenplatzierung in einem fragwürdigen Wettbewerb geht, kriminelle Energien stimulieren. Zu beweisen, dass offenkundig Unmögliches als doch noch möglich dargestellt werden könne, erfordert naturgemäß unlautere Tricks – also geschickte Täuschung. Im konkreten Fall war die Täuschung nicht geschickt genug, wodurch über die Unredlichkeit nicht mehr hinweggesehen werden konnte. Es wäre hilfreich, würde sich die Empörung der getäuschten Staatsbürger in stärkeres Interesse für Zusammenhänge wandeln.

Dr. Günther Hoppenberger

15.2.2014; Standard (Album), Frey; Galileos Feinde unter uns

Sehr geehrter Herr Dr. Frey,

in Ihrem heutigen Beitrag geht es weniger um die Verteidigung der Wissenschaft als um die Verteidigung des Materialismus! Die Wissenschaft ist ja bloß eine Methodik, die aber nur innerhalb eines abgegrenzten Glaubenssatzes wirksam ist. Der Materialismus, dem unsere Epoche dogmatisch anhängt, wird dabei gerade von den neueren Erkenntnissen der Quantenphysik erschüttert, wenngleich das in der breiten Öffentlichkeit noch nicht durchgedrungen ist. Dogmen stellen aber einen Schutzschirm für unsere Lebensführung ohne Irritationen dar und es fällt daher schwer, so einen Schutzschirm ganz einfach zu wechseln. Wer weiß schon, was stattdessen kommt?

Keineswegs könnte Galileo heute darüber jubeln, dass die meisten Geheimnisse des Universums entschlüsselt sind. Er würde sich eher über die Fülle neuer Fragen wundern, die bei jedem weiteren Erkenntnisschritt auftauchen. Was überhaupt „das Ganze“ soll, werden wir zumindest im Diesseits wohl nie ergründen. Und da sind wir schon bei der Entschlüsselung des genetischen Codes – und auf der materiellen Ebene. Der genetische Code hilft uns zwar gewisse Lebensabläufe zu erklären, kann jedoch nichts dazu beitragen, die Entstehung des Lebens selbst zu erklären (Im Übrigen wurde ja das Geheimnis der Doppelhelix bereits vor über 3000 Jahren von den Chinesen erkannt und im bibelartigen Kompendium „I Ging“ überliefert. Siehe auch: Katja Walter, „I Ging und genetischer Code“).

Nichts spricht gegen Gentechnik, außer der Rasanz. Die bislang über viele Jahre nach trial and error – Methode gezüchteten Kulturpflanzen und Tiere erlaubten durchwegs die Anpassung sämtlicher natürlichen Lebensbezüge. Gentechnik, und nicht nur diese, beschleunigt uns Katapult artig. Von 0 auf 100 in msec. Kann sein, dass unsere Seele – wenn es denn diese ist, die das eigentliche Leben ausmacht – zurück bleibt. Gänzlich ketzerisch ist natürlich, den Segnungen der (materiellen) Medizin mit Skepsis zu begegnen. Ist die mit welchen Mitteln auch immer erreichte Lebensverlängerung, zumal wir ja gar nicht wissen, was Leben eigentlich ist, eine so großartige wissenschaftliche Errungenschaft? Führte uns das nicht erst in die Zwangssituation, Gentechnik zur Lösung des Ernährungsproblems in Angriff nehmen zu müssen?

Fraglos verändert die Lebensweise der Menschheit das Weltklima. Was immer wir aber auch dagegen zu unternehmen gedenken, wird ein marginaler Aufschub sein. Die Erde selbst ist nicht auf ewig angelegt und schon gar nicht menschliches Leben auf ihr. Es ist unsere angstgesteuerte Hysterie, die uns an einer gewissen Gelassenheit gegenüber dem Leben hindert. Die derzeitigen CO2-Zertifikate sind nichts anderes als eine geniale Methode, das Atmen zu besteuern. Trotzdem wird es in den paar milliarden Jahren Restlaufzeit der Erde noch etliche Lebensformen – jeweils für ein paar tausend Jahre – geben, die mit menschlichem Leben im heutigen Sinn nichts zu tun haben werden. Aber ist das – wissenschaftlich betrachtet – so schlimm?

„Wissenschaft“ ist eine großartige Methode, sofern man den Anwendungsbereich berücksichtigt, für den sie zuständig ist. In der Theologie kommt man mit Wissenschaft nicht sehr weit und dennoch steht Theologie dem Leben viel näher, als z.B. ein noch so gut erforschtes Medikament. In unserem Streben, das Leben auf seinem materiellen Erscheinungsbild zu verstehen, vernachlässigen wir die spirituellen Lebensbezüge. Das ist für eine gewisse Epoche durchaus zulässig, doch sollten wir uns dessen stets bewusst sein, dass wir uns eben nur auf einen Teilaspekt des Lebens beschränken.

Mit besten Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

(Naturwissenschaftler)

10.2.2014; Profil, Lingens, „Kein Kraut gegen Arbeitslosigkeit“

Recht auf Arbeit?

Hundstorfer blendet ein wesentliches Detail diskret aus: Das Recht auf Arbeit besteht bereits – so lange wir dafür keine Vergütung erwarten, die uns ein Überleben sichert. Wir dürfen doch nicht vergessen, dass eine künstliche Schaffung von offensichtlich marktwirtschaftlich überflüssigen Arbeitsplätzen stets einer Vorfinanzierung bedarf. Woher soll aber die Investitionsbereitschaft in einer sehr weit ausgereiften Volkswirtschaft kommen? Es ist eben nicht lukrativ, in die  für eine gesellschaftliche Entwicklung gerade nötigen Aufgaben (Kindergärten, Schulen, Infrastruktur, etc.) zu investieren, weshalb das ja auch dem Staat überlassen bleibt, der zugleich aber wegen seiner steigenden Verschuldung kritisiert wird. Ist das nicht der eigentliche Kern des Dilemmas? Das Um und Auf liegt zwar gewiss in der Bildung, doch welcher Art von Bildung? Selbst wenn wir lauter Diplomingenieure und Doktoren wären, würde sich das zwar sehr wohltuend auf das Niveau der Arbeitswelt auswirken, kaum jedoch auf die Arbeitslosenstatistik. Muss es daher nicht viel eher um das Recht auf ein überlebenssicherndes Grundeinkommen gehen?

Dr. Günther Hoppenberger

5.2.2014; Standard, Rauscher, Beschwichtigung und Realismus

Realitätsverweigerung

Völlig richtig stellen Sie natürlich fest, dass die Phantasien über Umverteilung von Arbeit ziemlich naiv sind und sich am Denken der längst vergangenen Fließbandzeit orientieren. Das Um und Auf liegt gewiss in der Bildung, doch welcher Art von Bildung? Selbst wenn wir lauter Diplomingenieure und Doktoren wären, würde sich das zwar sehr wohltuend auf das Niveau der Arbeitswelt auswirken, kaum jedoch auf die Arbeitslosenstatistik. Wir dürfen doch nicht vergessen, dass „Schaffung von Arbeitsplätzen“ stets einer Vorfinanzierung bedarf. Woher soll aber die Investitionsbereitschaft in einer sehr weit ausgereiften Volkswirtschaft kommen? Es ist eben nicht lukrativ, in die gerade für eine gesellschaftliche Entwicklung nötigen Aufgaben (Kindergärten, Schulen, etc.) zu investieren, weshalb das ja auch dem Staat überlassen bleibt, der zugleich aber wegen seiner steigenden Verschuldung kritisiert wird. Ist das nicht der eigentliche Kern des Dilemmas?

Dr. Günther Hoppenberger

30.1.2014; OÖN, „Polizeireform“

Rückzugsgefecht des Staates?

Nach Schließung der Postämter im ländlichen Raum, erfolgt nun die Auflassung zahlreicher Polizeidienststellen, deren erste Reduktionswelle ohnehin bereits mit Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie stattgefunden hat. Alles deutet darauf hin, dass das nur der nächste Schritt in Richtung Privatisierung der staatlichen Sicherheitsaufgaben ist. Freilich „rechnet“ sich so ein Polizeiposten nicht und Raubüberfälle, Einbrüche und Sachbeschädigungen tragen wahrscheinlich zum BIP viel mehr bei. Ähnlich wie bei der Einstellung unrentabler Nebenbahnen wird es den Gemeinden freigestellt werden, aus eigenen Mitteln nicht nur für die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern nunmehr auch für die Sicherheit ihrer Bürger zu sorgen. Von welchen, gemeinhin als staatsbildend und identitätsstiftend angesehenen Aufgaben wird sich der Staat wohl als nächstes verabschieden? Worauf wird er in einigen Jahren noch seine Legitimität begründen wollen? Auf wachsenden Steuerforderungen? Auf Bieranstiche durch Politiker in Vorwahlzeiten?

Dr. Günther Hoppenberger

30.1.2014; Aus dem Diskussionsforum www.geldmitsystem.eu

Systemische Absurdität am konkreten Beispiel des neuen Linzer Musiktheaters

Die Baubranche eignet sich stets blendend zur Ankurbelung einer dahindümpelnden Wirtschaft mit steigenden Arbeitslosenzahlen. Das weiß auch die Politik. In Ermangelung ausreichender Privatinvestitionen hat die Stadt Linz mit dem Großprojekt „Musiktheater“ eine scheinbar verantwortungsbewusste Initiative gesetzt. Es hätte auch der Ausbau und die Sanierung von Kindergärten und Schulen sein können, doch Großprojekte erregen größere öffentliche Aufmerksamkeit und schmeicheln den gerade im Amt befindlichen Politikern, die sich dann auch gerne als Gönner betrachten. Wie anders und beeindruckender klingt das doch in der Biographie der Politpensionisten, sagen zu können „Ich habe das Musiktheater gebaut“, als „ich habe 100 Schulen saniert“.

Klar. Die Vorfinanzierung musste mit frischem Geld, also mit Kredit, in Angriff genommen werden. Es kam wieder Schwung in die Wirtschaft. Die beteiligten Baufirmen konnten wieder Personal einstellen und die allgemeine Auftrags- und Absatzsituation bis hinunter zum Wurstsemmelverkäufer verbesserte sich schlagartig. Die Menschen fassten Vertrauen in ihre weitere Zukunft und erfüllten sich zurückgestellte Wünsche, schafften sich ein neues Auto oder eine neue Einrichtung an, u.s.w. Natürlich auch auf Kredit, den sie ja in Hinblick auf ihre neue Einkommenssituation leicht werden bedienen können. Die Wirtschaft „brummte“, wie es so schön heißt.

Auch die Rückflüsse an Steuern „sprudelten“, weil ja auch die Unternehmensgewinne anstiegen. Viele Unternehmen konnten auch in neue Maschinen und Anlagen aus dem Cash-Flow oder über leicht zu bekommende Kredite investieren. Allein dieser Impulskreditrahmen der öffentlichen Hand stimulierte weitere Verschuldungen von Privaten und Unternehmen. Das belebt, wenngleich die Gesamtverschuldung (Staat+Haushalte+Unternehmen) natürlich beträchtlich anstieg, selbst wenn durch Tilgungszahlungen von Altschulden frisch geflossenes Geld auch vernichtet wurde.

Trotz aller Zuversicht wurden aber nicht alle Forderungen eingelöst, sondern zeitlich gebunden aufgeschoben – gespart. Durch die sprudelnden Steuereinnahmen entfiel auch die Sorge um die laufende Finanzierung der Staatsdiener und der öffentlichen Einrichtungen.

Nun ist der Kreditrahmen aufgebraucht. Das Musiktheater steht und jetzt kommt die ernüchternde Erkenntnis: So ein Musiktheater kostet! Es ist ähnlich der Bundesbahn nicht gewinnbringend zu führen. Wahrscheinlich hat deshalb kein Privater jemals daran gedacht, in ein Musiktheater zu investieren. Noch dazu, gibt es ja in Linz auch das ohnehin bereits subventionierte „Brucknerhaus“, das dieselbe Klientel anspricht, die relativ konstant ist und nicht unbedingt die breite Masse repräsentiert. Die Widmung beider Häuser ist also eher als elitär einzustufen.

Nun ist so ein Musiktheater – wie übrigens Kindergärten und Schulen auch – eine feine Sache, wenn da bloß nicht die laufenden Kosten wären. Die mittlerweile wieder weniger sprudelnden Steuereinnahmen aus der Anschubfinanzierung brauchen sich sukzessive wieder in der Subvention der Betriebskosten und Tilgungen auf. Längst haben die Baufirmen wieder Personal abgebaut, viele Kredite wurden notleidend, Privat- und Unternehmenskonkurse sind wieder im Ansteigen, Sicherheiten, sofern vorhanden, werden eingezogen, nagelneue und halbfertige Häuser als Schnäppchen an liquide Bürger versteigert. Alles ist wie vorher, allerdings gibt es jetzt den neuen Kostenfaktor „Musiktheater“ im Stadtbudget. Die viel gepriesene Umwegrentabilität kann diesbezüglich auch nicht überzeugen, denn die steuerlichen Mehreinnahmen aus etwaigen privaten Gewinnsteigerungen werden von den nötigen Subventionen mehr als überkompensiert.

Das gleiche Problem hätte sich natürlich auch bei Neubau und Sanierung von Kindergärten und Schulen ergeben. Weniger spektakulär zwar, jedoch stärker auf das Gemeinwohl orientiert; doch das ist eine Frage der Klientelpolitik.

Viele fühlen sich nun in der Annahme bestätigt, dass die öffentliche Hand nicht wirtschaften kann. Was, aber, wäre gewesen, hätte der Staat sich nicht zu dieser Investition – ob sinnvoll, oder nicht – entschlossen?

Jedenfalls wartet jetzt alles schon mit Spannung auf die von Joachim Weiß als „immer schon“ bereitstehenden Nachschuldner, um unser System vor einem Deflationsschwenk zu bewahren.

19.1.2014; profil; Christian Rainer, “Wertlos – Wie moralisch soll Politik..”

Diplomatischer Schnickschnack

Die normalbürgerlichen Erwartungen an die Politik sind leicht zu beschreiben: Die Ermöglichung einer friedlicheren, gerechteren und nachhaltigeren Gesellschaftsentwicklung. So gesehen sind die politischen Akteure ziemlich erfolglos. Als Erklärung für das als diplomatisches Lavieren zu verstehende Handeln drängt sich mir die offensichtlich stillschweigende Übereinkunft auf, zuallererst für die Aufrechterhaltung der globalen Geldordnung zu sorgen. Dabei bleiben ethische Grundsätze und Haltungen leicht auf der Strecke. Nur fallweise, wie soeben wieder beim internationalen Großereignis „Olympiade“, werden dann solche Defizite auch sichtbar und geraten in die öffentliche Diskussion. Die Sportler selbst, obzwar mittlerweile und systemisch verständlich vorwiegend auf ihren kommerziellen Erfolg schielend, bleiben davon zum Glück weitgehend unbehelligt. Natürlich ist so ein Event ein wirtschaftliches Großereignis, an dem sich viele Private eine goldene Nase verdienen können, wohingegen die Investitionen den Austragungsländern und deren Steuerzahlern überlassen bleiben.

Wenn Helmut Schmidt eine wertegebundene Außenpolitik grundsätzlich für abwegig hält, hat er ja so Unrecht nicht, da es ja auf nationaler Ebene noch ausreichenden Handlungsbedarf in Menschenrechtsfragen gibt. Es muss andere Gelegenheiten als die Olympiade geben, um Missfallen auszudrücken – selbst unter Inkaufnahme wirtschaftlicher Nachteile. Wäre es denn oftmals nicht viel wichtiger, bereits bei den zahlreichen kleineren Anlässen in der EU-Gesetzgebung Haltung zu zeigen und wesentliche Überzeugungen der Bevölkerung nicht über Bord zu werfen? Zustimmung oder Ablehnung, weil es die anderen auch tun, anstatt dem Subsidiaritätsprinzip zur Geltung zu verhelfen?

Dr. Günther Hoppenberger

19.1.2014; profil, Lingens, „Dead man walking“ (Spindelegger)

Dead men, nicht man!

Zum gewohnt feinsinnigen Kommentar, diesmal über „Spindi“, wäre die Mehrzahl in der Titelzeile durchaus angebracht, denn wir haben es ja mit einem höchst merkwürdigen Duo zu tun. Mit Interesse habe ich jedoch über Spindeleggers fehlende „Grundkenntnisse bürgerlicher Nationalökonomie“ gelesen. Worin, bitte, unterscheidet sich diese von einer nichtbürgerlichen Nationalökonomie? Ich rätsle seither daran.

Dr. Günther Hoppenberger

19.1.2014; www.geldmitsystem.eu

Ihr streitet euch, obwohl ihr einer Meinung seit. Bringt das doch mal auf den Punkt. Schreibt in einem Absatz was ihr erreichen wollt. Ohne auf den anderen einzugehen.

Danke, David, für die offensichtlich gerechtfertigte Ermahnung. Ich sehe in der langsam ermüdenden und sich im Kreis drehenden Diskussion mit Joachim zwar keinen Streit, weil auch ich  davon ausgehe, dass wir eigentlich dasselbe wollen, sondern die Ergründung von Denkblockaden. So gesehen erachte ich Joachims „stete Verneinung“ als durchaus wertvolle Herausforderung.

Das vielleicht pathetisch klingende Fernziel ist relativ einfach und entspricht m.M. den natürlichen Sehnsüchten der Weltbevölkerung: Die Ermöglichung einer friedlicheren, gerechteren und nachhaltigeren Gesellschaftsform.

Als Logotherapeut nach Viktor E. Frankl beruht mein Menschenbild auf der ausreichend bewiesenen Sicht des Menschen als sinnzentriertes Wesen. So gesehen geht es also um das Aufspüren und Minimieren der inneren Sinnbarrieren (Lust, Gewinn und Bequemlichkeit), wie auch der äußeren Sinnbarrieren, die durch systemische Konditionierungsprozesse unserer Entfaltungsmöglichkeit entgegenstehen (Macht-, Neid- und Imitationsverhalten). Die notwendige Beschäftigung mit dem Geldsystem ergibt sich folgerichtig daraus, dass – nicht das Geld als solches! – sondern die Geldordnung das höchste Machtpotential in unserer Gesellschaft einnimmt.

Da diese Erkenntnis zwar für alle spürbar, jedoch kaum jemals vordergründig thematisiert wird, soll es hier, wie in vielen hunderten ähnlich gelagerten Foren, vor allem um Aufklärung und Einladung zum Mitdenken, wie auch um das Aufzeigen möglicher Alternativen gehen.

Ich bin jedoch nicht so blauäugig, anzunehmen, dass wir – mit welchen Alternativvorschlägen auch immer – in den bestehenden Machtstrukturen mit offenen Armen und als Heilsbringer empfangen werden. Ich sehe die Aufgabe dieses Forums also vielmehr darin, mehr Menschen dazu zu bringen, sich bewusst mit der, verglichen z.B. mit der Mondlandung, relativ geringen Komplexität des Geldsystems auseinander zu setzen.

Es geht mir darum, die kritische Zahl von Bürgern zu erreichen, die dann ganz einfache, neue Fragen zu stellen beginnen und damit eine Keimzelle für eine zeitnotwendig veränderte „öffentliche Meinung“ darstellen könnten. Fragen wie z.B.: „Was meinen Sie mit Wachstum?“, oder: „Was meinen Sie mit Schaffung von Arbeitsplätzen?“, oder: „Sprechen Sie jetzt von Geldmehrung, oder von der Mehrung gesellschaftlicher Werte?“, oder: „Warum sollten wir dieses oder jenes machen, nur weil es andere tun?“, oder: „Wie verträgt sich das Bestreben aller Staaten gemäß zweifelhafter Kennzahlen Erste zu sein, mit der vordergründig gepredigten Aufforderung zu Eintracht, Frieden und Kooperation?“, u.s.w.

Alles Fragen, mit denen die heutige Politik nicht konfrontiert wird, weil man sie aus Unkenntnis (oder Absicht) mit den Schlagwörtern davonkommen lässt.

Gelingt uns also auch nur eine gewisse Verbreitung der Erkenntnis über die wesentliche Bedeutung des Geldsystems für die Gesellschaftsentwicklung, dann dürfen wir uns gemeinsam mit den vielen anderen Initiativen, von denen die meisten des deutschsprachigen Raumes auch hier zu finden sind, zugute halten, Spuren in gesellschaftspolitischen Entwicklungen gesetzt zu haben.

15.1.2014; Standard, Rauscher, „Unklar, wie die Welt sein soll,…..“

Ängste, Macht und visionäre Verzagtheit

Hans Rauschers zeitgemäß wichtiger Kommentar zu diffusen Überlegungen über eine Welt, „die wir wollen“, zeigt besonders die Schwierigkeiten durch unsere dogmatisch eingeschränkte Gedankenwelt auf, in der wir uns in ungeklärten Begriffen verstricken. Es fängt doch bereits mit dem „Wir“ an. Wer sind „Wir“, die an einem zukunftsfähigen Gesellschaftsmodell basteln wollen? Jeder Mensch als solcher würde die Frage nach einer „gesollten Welt“ mit hoher Wahrscheinlichkeit ganz klar beantworten mit „friedlich, gerecht und nachhaltig“. Und um nichts anderes geht es in der globalen Politik. Es geht um die Konsensfindung über den Inhalt dieser drei Begriffe. Die anachronistisch dogmatische Einschränkung der geistigen Freiheitsgrade zeigt sich jedoch im Selbstverständnis, primär unhinterfragte Kennzahlen erfüllen zu müssen. So lange wir Fragen wie: „Wer ist wirtschaftlicher Herrscher der Welt?“ oder „Wer ist Exportweltmeister?“ oder „Wer verdient am meisten?“ oder „Wer baut das höchste Gebäude?“ u.s.w., als gesellschaftlich relevant akzeptieren, blockieren wir uns geistig und können letztlich nur resignierend feststellen, dass die Welt ist, wie sie ist, weil wir sie so wollen (wobei das „Wir“ weiterhin offen bleibt)..

Dr. Günther Hoppenberger

10.1.2014; OÖN, Mayringer, Finanzminister streicht 455+ Mio….

Hurra, das Sparpaket ist da!

An die 500 Mio. sollen die Ministerien heuer an Ermessensausgaben einsparen. Das klingt doch gut, oder? Medien und Bevölkerung spenden Lob. Endlich müssen „Die da oben“ auch einmal selbst sparen. Nicht immer nur ich! Leider hat die Sache aber einen Haken, denn diese 500 Mio. werden in der Wirtschaft fehlen. Sie entsprechen rund 1000 gut bezahlten Vollzeitkräften, oder 3000 Durchschnittsverdienern. Sparen bedeutet eben immer ein Vorenthalten von Einkommensmöglichkeiten. Bei so viel Sparsamkeit kann einem nur bange werden.

Dr. Günther Hoppenberger

3.1.2014; profil Nr.2, Lingens, „Unter Wert gehandelt“

Unter Wert gehandelt

Mit der sehr ausgewogenen Analyse, in der Peter Lingens den Misstrauensvorschuss gegenüber der neuen Regierung als ungerechtfertigt schlussfolgert, drängte sich mir die viel weiter gesteckte Frage auf, ob die Ausrichtung eines Gesellschaftssystems nach Kennzahlen überhaupt für ein friedliches Zusammenleben geeignet ist. Mit der Orientierung an volkswirtschaftlichen Kennzahlen muss fast zwangsläufig unser Qualitätsbewusstsein für das Verständnis von erfülltem Leben schwinden.

Dr. Günther Hoppenberger

2.1.2014; Standard; Verteilungsungerechtigkeit und BGE

Resignation statt Initiative?

Entsprechend einer aktuellen Umfrage sind zum Glück nur 12% der Bevölkerung ignorant genug, in der zunehmenden Verteilungsungerechtigkeit kein ernsthaftes politisches Problem zu erkennen. Umso mehr erstaunt der mangelnde Zuspruch, den die europäische Bürgerinitiative zur Evaluierung eines BGE (Bedingungsloses Grundeinkommen) genießt, zumal man doch meinen sollte, dass es von vorrangigem  Interesse wäre, endlich einmal konkrete, wissenschaftlich untermauerte Diskussionen über diesbezügliche Möglichkeiten zu führen. Die gedankenlose Lethargie gegenüber demokratischen Möglichkeiten wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zustand unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Dr. Günther Hoppenberger

P.S.: Im Anhang befindet sich eine Zusammenschau der am häufigsten vorgebrachten Gegenargumente zu einem BGE. Bei der europäischen Bürgerinitiative geht es ja aber noch gar nicht um die Einführung eines BGE, sondern um die Evaluierung unterschiedlicher Modelle! Es ist unverständlich, aus welchen Gründen man eine derartige Initiative nicht unterstützen sollte.