2013

25.12.2013; Fritz Köck, Frage zu BGE

From: Fritz Köck

Sent: Tuesday, December 24, 2013 10:56 PM

Subject: BGE

Hallo Günther,

zuerst noch alles Gute zu den bevorstehenden Feiertagen.

Aber warum ich Dir jetzt schreibe:

Du hast in Top-IQ eine Artikel über BGE. Dazu hätte eine Frage:

Ich habe mich mit dem Thema bisher nicht befasst weil ich es ganz einfach nicht ernst genommen habe. Ich dachte bisher, dass diese krause Idee nur in einigen Gehirnen von chronischen “Weltverbesserern” herumwabert. Anscheinend befasst man sich ernsthaft damit.

Nun meine Frage:

Gibt es zu dem Modell BGE auch nachvollziehbare Berechnungen aus denen man die Folgen  herauslesen kann die dadurch entstehen würden? Ich meine nicht Berechnungen von den BGE Enthusiasten, sondern Berechnungen von seriösen Wirtschaftsfachleuten? Denn nur so kann man überhaupt ernsthaft über dieses Thema diskutieren.

Nun nochmals schöne Grüße

Fritz

Lieber Fritz,

Deine Frage nach nachvollziehbaren Berechnungen für ein BGE ist verständlich und betrifft zugleich das häufigste Gegenargument: „Das ist nicht finanzierbar“.

Die Überlegungen zu einem BGE resultieren jedoch aus gesellschaftsphilosophischen Betrachtungen. Da geht es um Teilhabe und um die Belebung der Werte der Aufklärung. Es geht um die Vorstellungen über gesellschaftliches Zusammenleben – wenn man solches als Wert an sich betrachten möchte.

Nun leben wir zweifelsfrei im Monetarismus, wobei Geld ja tatsächlich eine der großartigsten Erfindungen der Menschheit ist und überhaupt erst so etwas wie die Entwicklung einer Gesellschaft ermöglicht hat. Wenn man aber zum Überleben in der Gesellschaft Geld benötigt, so ist die Frage berechtigt, nach welchen „Spielregeln“ man an solches kommt. Die derzeitige Konstruktion unseres Geldsystems, die zwar ermöglicht hat, in relativ kurzer Zeit einen relativ breiten Wohlstand zu schaffen, gestattet es nicht, diesen einmal erreichten Wohlstand auch langfristig erhalten zu können und nicht von ungefähr sind wir ja mit dem, was als „Finanzkrise“ bezeichnet wird in beängstigendem Ausmaß konfrontiert. Nicht das Geld, sondern die Konstruktion der Geldordnung hat sich mittlerweile zum größten Machtfaktor entwickelt. Es liegt daher nahe, sich mit der visionären Frage nach den Möglichkeiten globalen Zusammenlebens auseinander zu setzen (ohne deshalb zum Psychiater zu drängen). Was wollen wir? Was würden wir als sinnvolle Zielvorstellung erachten?

Ein BGE ist daher als Facette zur Beantwortung dieser Fragen zu verstehen. Erst wenn man diesem Vorschlag etwas abgewinnen kann, stellt sich die Frage: Welche Geldordnung müssten wir konstruieren, um ein BGE zu ermöglichen?

Auch wenn da etliche Modellrechnungen existieren (meist auf Umverteilungsphantasien beruhend), wie man ein BGE ohne Änderung des jetzigen Systems finanzieren könnte, glaube ich selbst nicht daran, dass das funktionieren würde – und wenn, dann nur sehr kurz. Es geht also darum, über die selbstkonstruierten Einschränkungen unseres Systems hinaus zu denken.

Heiner Flassbeck hat z.B. als anerkannter Ökonom in „Irrweg Grundeinkommen“ dargelegt, warum ein BGE nicht finanzierbar ist, ist dabei jedoch wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass das bestehende Geldsystem „ewig“ hält – eine eher kühne Annahme, wie wir zunehmend merken. In meinen Augen verfängt sich Flassbeck da in dogmatischen Einschränkungen. Freilich bedarf es vorweg einiger grundsätzlicher Überlegungen bezüglich Menschen- und Weltbild, und ob man Gegebenes als unveränderbar ansieht und versucht, für sich selbst das Beste daraus zu machen, oder Fragen wie „muss das/soll das so sein?“ aufwirft. Sehr rasch werden viele neue Möglichkeiten auch dadurch blockiert, dass sie vorweg als unrealistisch stigmatisiert werden. Es war eben immer schon ein zäher, langwieriger Prozess, unmöglich Erscheinendes möglich zu machen. Die Geschichte bietet dazu zahlreiche Beispiele.

Was nun Deine Frage nach Berechnungen für ein BGE durch „seriöse Wirtschaftsfachleute“ betrifft, muss ich einerseits verneinen, weil „seriös“ wohl bedeutet, am bestehenden System nicht zu rütteln, andererseits muss die Gegenfrage gestattet sein, inwieweit Wirtschaftsfachleute bereit und imstande sind, sich geistig und vor allem ideologiefrei über dogmatische Beschränkungen zu erheben. Dazu übrigens ein interessanter Vortrag von einer Frau Dr. Silija Graupe:

http://www.youtube.com/watch?v=sQfjH-eVQlg

Wie Du ja weißt, beschäftige ich mich – soweit möglich, vorurteilsfrei – mit den Systemfehlern unseres Geldsystems und da gibt es durchaus einige interessante Modelle, deren Realisierung/Testung allerdings immer davon abhängig ist, ob die Beseitigung eines Systemfehlers, der sich ja „nur“ für einen zunehmend anschwellenden Teil der Bevölkerung als Fehler erweist, überhaupt erwünscht ist. Da landen wir dann sehr rasch wieder bei der Unehrlichkeit der Politik.

Abschließend glaube ich also nicht, dass man über ein BGE nur dann ernsthaft diskutieren kann, wenn es sich rechnerisch darstellen lässt. Wenn man es will, dann muss man systemisch die Voraussetzungen dafür schaffen. Das geht!

Meine derzeitigen geldtheoretischen Präferenzen zur Lösung des momentanen globalen Dilemmas, wären im ersten Schritt die sehr einfach mögliche Einführung von „Monetative und Vollgeld“ und darauf aufbauend der Vorschlag für fließendes Geld nach Bernd Hückstädt, oder auch der „Plan B“ aus der Wissensmanufaktur, von Andreas Popp.

Da möchte ich Dich, Dein Interesse voraussetzend, auf www.geldmitsystem.eu aufmerksam machen, wo sich eine Plattform von rund 50 Systemkritikern formiert hat und wo sich mehr oder weniger ausgereifte Ideen finden, auf alle Fälle jedoch ausgezeichnete Analysen zum Versagen der bestehenden Geldordnung.

So. Und nun wünsche ich Dir einen zünftigen, zukunftsträchtigen Rutsch ins neue Jahr.

Liebe Grüße, Günther

23.12.2013; Standard, „Auf Verordnung der E-Control steigen Gasnetzgebühren“

Marktwirtschaft? „Say’sches Gesetz? Gaspreise?

Einer kleinen Meldung im Wirtschaftsteil können wir entnehmen, dass die Gasnetzpreise um 5,4% erhöht werden. Das ist noch nicht weiter verwunderlich, hat man es doch schon längst aufgegeben, sich über die eklatanten Preisanstiege beim täglichen Bedarf zu wundern. Erstaunlich ist allerdings die Erklärung:  Wegen geringerer Gasnachfrage! Gelehrt wird aber immer noch das „Say’sche Gesetz“, nach dem Preise bei sinkender Nachfrage sinken, bzw. bei steigender Nachfrage steigen, bis sich ein Gleichgewichtspreis einstellt. Besser als es die E-Control macht, kann man die Absurdität der Annahme, in einer Marktwirtschaft zu leben, nicht darlegen.

Dr. Günther Hoppenberger

18.12.2013; H. Neumüller; „Die Wirtschaftsforscher trauen sich noch nicht ……“

Licht im Dunkel?

Gerade rechtzeitig vor Weihnachten verheißt uns einer der zahlreichen deutschen Chefvolkswirte, dass nächstes Jahr wieder einmal alles besser wird. Das ist nicht überraschend, zumal wir es ja bereits seit vielen Jahren gewöhnt sind, dass der Aufschwung nächstes Jahr kommt. Er steht praktisch bereits vor der Tür – und das seit langem. Die sich jährlich zuspitzenden Probleme können daher nur darin liegen, dass diese Tür klemmt. Es ist schon klar, dass die Politik positive Stimmung und Zuversicht verbreiten muss. Derartige Prognosen, die außer auf Wunschdenken auf keinerlei wissenschaftlichen Grundlagen beruhen, könnten jedoch sehr rasch zu Erzürnung des Stimmviehs führen. Die vage formulierten Vorhaben unserer neuen Regierung sind doch auch eher zur Auslösung von Depressionen statt zu Euphorie angetan. Die Hoffnung stirbt aber angeblich zuletzt. Erfreuen wir uns daher trotz allem noch an den bevorstehenden Weihnachtsfeiertagen und tun wir so, als ob demnächst alles besser wird.

Dr. Günther Hoppenberger

12.12.2013; Illner, Johanna Uekermann (JUSO)

Sehr geehrte Frau Uekermann,

Ihr erfrischender Auftritt bei Maybrit Illner, in dem Sie u.a. auch Ihre (m.E. berechtigte) Ablehnung des Koalitionsvertrages begründeten, wird bedauerlicher Weise von den Altpolitikern, zwar wohlwollend, aber dennoch belächelt werden. Wenngleich noch Jungpolitikerin, haben Sie sicherlich schon erkannt, dass es in der Politik stets um Geld geht. Und wenn es um Geld geht, geht es um Partikularinteressen, die entsprechend den Machtstrukturen bedient werden, oder eben nicht. Ihre Ablehnung des Koalitionsvertrags beruht ja auch auf Ihren Forderungen nach anderen als den vorgesehenen Geldzuwendungen.

Nun ist es aber so, dass unsere Geldordnung nach dem Krieg zwar wunderbar geeignet war, in relativ kurzer Zeit einen relativ breiten Wohlstand zu entwickeln. Das Geldsystem ist jedoch nicht geeignet und war auch niemals dazu konzipiert, diesen einmal erreichten Wohlstand auch dauerhaft bewahren zu können. Da unser Geld praktisch ausschließlich durch Bankkredite entsteht, wodurch Schulden und Guthaben (=Forderungen auf Geld, die wir wie Geld zu verwenden gewöhnt wurden) stets gleich hoch sein müssen und was das Gesamtsystem aus Staat+Unternehmen+Haushalte(+Aussenhandel) betrifft, immer anwachsen müssen. (Die Schulden können immer nur zwischen diesen Sektoren hin und her geschoben werden. Damit Schulden vermeintlich abgebaut werden können, müssen Guthaben abgebaut werden, wobei dann natürlich auch das Geld wieder aus dem System verschwindet und ein deflationärer Prozess in Gang gesetzt wird). Selbst wenn man nun entsprechende Vermögenssteuern einführt (wofür ich durchaus bin) und diese quasi gegen Armutsgefährdung umschichtet, so landet das 1:1 in der Wirtschaft und spiegelt unmittelbar mehr Verteilungsgerechtigkeit vor. Sehr rasch werden damit jedoch die zinsfordernden Guthaben wieder aufgestockt und verschlimmern die Situation weiter. Die Situation entspricht einem Dilemma und man sollte sich langsam damit auseinandersetzen, dass die Konstruktion unseres Geldsystems nicht mehr viel länger aufrecht zu erhalten ist.

Wer, wenn nicht JUSOs, möglichst gemeinsam mit der Linken, ATTAC und vielen anderen, auch und gerade christlichen zivilgesellschaftlichen Initiativen sollen dieses brisante Thema in die Öffentlichkeit tragen? Nicht das Geld selbst, sondern die Konstruktion des Geldsystems stellt heute das höchste Atout der Macht dar und verhindert zunehmend eine gedeihliche gesellschaftliche Entwicklung.

Will man einen klassenkämpferischen Zerfall der Gesellschaft vermeiden, dann muss man auch einsehen, dass sich ideologische Aufsplitterungen der Bevölkerungen überlebt haben und dass es um eine rein sachliche Lösung gesellschaftlichen Zusammenlebens geht, bei der Geld als dienendes Informationsmittel im zwischenmenschlichen Austausch konstruiert werden muss.

Abschließend daher meine Bitte, das Thema „Geldsystem“ in Ihren Gremien zu behandeln und damit zugleich mit völlig neuen, von der Basis ausgehenden Zielsetzungen politisch mutig aufhorchen zu lassen.

Unter www.geldmitsystem.eu , eine Plattform von 50 Geldsystemkritikern unterschiedlichster Ausrichtung, findet sich dazu umfangreiches Informationsmaterial. Als erster, leicht umsetzbarer Schritt wäre z.B. die politische Unterstützung der „Monetative“ (Alleiniges Geldschöpfungsrecht des Staates) mit Vollgeldreform (womit Spargelder selbst bei Bankenpleiten sicher wären), mit anschließender Negativverzinsung stillgelegter und der Realwirtschaft entzogener „Sparguthaben“. Auch meine Beiträge: „Die vierte Eigenschaft des Geldes“, wie auch „Ein Geldzyklus geht zu Ende“, die im Internet zu finden sind, seien Ihnen anempfohlen.

Mit besten Wünschen für Ihren weiteren Erfolg

Dr. Günther Hoppenberger

(Das Problem gibt es nicht nur in Deutschland!)

9.12.2013; Standard; Die WTO ist zurück im Geschäft, (Jan Dirk Herbermann)

WTO Durchbruch auf Bali

Das „bahnbrechende“ Bali-Paket soll der Weltwirtschaft einen Nutzen von 400-1000 Mrd. Dollar bescheren. Wem dieser offensichtlich schwer zu belegende Nutzen zufallen soll, wird hingegen nicht näher ausgeführt. Die Drohung der WTO, den Entwicklungsländern Hilfe bei der Umsetzung der neuen Bestimmungen zu geben, lässt jedoch erahnen, dass mit diesem Abkommen eine Möglichkeit gefunden wurde, die Schuldenproblematik der Industrienationen noch unkomplizierter und ohne Duldung von Schutzmaßnahmen auf die Entwicklungsländer zu übertragen. Das Bali-Paket verschafft uns also eine weitere (kurze) Atempause, in der wir uns euphorisch der Illusion hingeben dürfen, dass alles so weitergehen kann wie bisher.

Dr. Günther Hoppenberger

8.12.2013; Gero Jenner, „Christian Felber und die Gemeinwohlökonomie“

Sehr geehrter Herr Dr. Jenner,

die übermächtige, Mensch und Natur zerstörende Wettbewerbsideologie, die in letzter Konsequenz zu globaler Rivalität führen muss, konnte sich doch nur deshalb bis zur Unerträglichkeit entwickeln, weil wir uns zur Anerkennung der eingesetzten Machtmittel verführen ließen. Das wirksame Prinzip der Macht ist die Erpressung – und wir haben uns gegenüber einem im Kollektiv entwickelten System geistig erpressbar gemacht, weil wir, grob gesprochen, nationale BIP Steigerungen „alternativlos“ als unseren höchsten Daseinszweck und zugleich einzige Überlebensberechtigung zu verstehen lernten. Außerdem haben wir die damit einhergehenden Mechanismen unserer Geldordnung als unumstößlich und gleichsam gottgegeben anerkannt. Nur wer aber Machtmittel anerkennt, muss sich der Macht auch beugen.

So gesehen, muss die Gemeinwohlökonomie als äußerst überzeugendes Angebot und als Versuch einer geistigen Befreiung von den blindlings und alternativlos anerkannten Machtmitteln innerhalb unserer dogmatischen Begrenztheit verstanden werden. Die äußeren Bedingungen für einen Wandel werden jedoch niemals aus Bestehendem geschaffen, sondern müssen aus veränderten Haltungen stets neu erwachsen, ja errungen werden. Jeder innere Veränderungsschritt schafft daher neue äußere Bedingungen.

Die Zeitnotwendigkeit für den Gesellschaftsentwurf „Gemeinwohlökonomie“ ist zweifellos mehr als gegeben. Ob lebensorientierte Einstellungen und Haltungen sich über die bestehenden Machtstrukturen hinwegsetzen können, wird die Zukunft weisen. Jedenfalls enthält das Gedankengut der Gemeinwohlökonomie auch ganz klare Konzepte, die von ihnen angesprochenen Probleme eben nicht nur zu exportieren. Will man aber in der menschlichen Spezies unerschütterlich auch in das Potenzial zur Vernunft vertrauen, dann darf uns die Möglichkeit eines Scheiterns daher nicht von Versuchen abhalten, dieses Potenzial auch zu stärken.

Diesbezüglich bin ich also zielorientierter Optimist. Scheitert jedoch die breitere Verfestigung des Gemeinwohlgedankens, dann scheitert auch die Menschheit in ihrer derzeitigen Daseinsform. Davon bin ich überzeugt.

Mit lieben Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

From: Dr. Gero Jenner

Sent: Saturday, December 07, 2013 1:02 PM

Subject: Christian Felber und die Gemeinwohlökonomie

To whom it may concern!

Christian Felber und die Gemeinwohlökonomie

von Gero Jenner (http://www.gerojenner.com/portal/gerojenner.com/Startseite.html)

Nicht mehr als ein geographisch unerheblicher Zipfel des Eurasischen Kontinents, das ist Europa; und dennoch ist seine Entwicklung in weltgeschichtlicher Hinsicht einzigartig. Seit dem 17. Jahrhundert und dem Aufkommen der Wissenschaften hat hier eine Umwälzung aller Lebensverhältnisse begonnen, die inzwischen auf die ganze Welt überstrahlt: jene explosive, zunächst geistige und schließlich materielle Expansion, die nicht nur unglaubliche technologische Sprünge auslöste, sondern schließlich auch breiten Massen zu einem Wohlstandsniveau verhalf, wie es bis dahin unvorstellbar war. Das ist die eine, die lichte Seite des europäischen Aufbruchs. Die düstere bestand in einem Wettrennen um die größere ökonomische und militärische Macht, die dem materiellen Fortschritt von Anfang an Vernichtung beigesellte. Heute bedroht dieses Wettrennen zum ersten Mal in der Geschichte die Zukunft des Globus: Er könnte unbewohnbar und die Menschheit zukunfts-los werden.

Die Forschung ist sich darin einig, dass Europa diese Entfesselung seiner geistigen und produktiven Kräfte einem Laster verdankt. Noch bis ins 17. Jahrhundert standen China, Japan und Indien zivilisatorisch gleichauf mit Europa. Aber im Gegensatz zu unserem Kontinent genoss die soziale Stabilität den Vorrang gegenüber allen gemeinschaftssprengenden Kräften des Wettbewerbs und der Innovation. Bewusst schotteten sich diese Reiche gegen die Außenwelt und alles von dorther auf sie eindringende Neue ab. Im geographisch zerklüfteten Europa bestand auf engstem Raum die Möglichkeit zu eigenständiger Entwicklung. Über Jahrhunderte standen erst die Fürsten und später die Staaten im Wettstreit miteinander. Alles was dem einen Vorteile gegenüber den anderen verschaffte, wurde gierig aufgegriffen und in die Tat umgesetzt. Der Wettbewerb – in allen stabilen und nach außen abgeschirmten Staaten mit dem größten Misstrauen betrachtet – war in Europa die treibende Kraft schlechthin, die zunächst im militärischen, später im ökonomischen und sozialen Bereich die Entwicklung vorantrieb. In dem bis heute mächtigsten Ableger Europas, den Vereinigten Staaten von Amerika, fließt der größte Posten des Budgets weiterhin in die militärische Forschung, und von dort stammen auch die meisten großen Erfindungen, seien es Telekommunikation, Computer, Betriebssysteme etc., Erfindungen, auf welche die Menschheit nicht mehr verzichten kann.

Die Europäer haben die Moderne erfunden, und die Europäer sind es in unserer Zeit, die als erste begriffen haben, dass sie ein janusköpfiges Monster in die Welt gesetzt haben. Bis ins 20. Jahrhundert hat ein immer wieder in Krieg ausartender Wettbewerb ‚nur‘ Menschen vernichtet und einzelne Staaten verwüstet, heute bedroht er den Globus und die Menschheit als ganze. Bis ins 20. Jahrhundert hat der Imperativ unaufhörlichen Wachstums ‚nur‘ lokal zur Erschöpfung der Ressourcen und zur Vergiftung der Natur geführt, heute droht die Dynamik des Wachsens weltweit das Gleichgewicht der Natur zu zerstören und die letzten Rohstofflager auf der ganzen Welt zu entleeren. Der Wettbewerbskapitalismus droht an seinem Erfolg zu ersticken. Er ist gleich in doppelter Hinsicht an seine Grenzen gelangt, sowohl im Hinblick auf die Natur wie auf den Menschen. Diese Erkenntnis wird heute gerade in jenen Ländern am deutlichsten ausgesprochen, die dieses Modell ursprünglich geschaffen haben.

So sind denn gerade im alten Kontinent und in den Vereinigten Staaten eine Reihe von neuen Bewegungen aufgekommen, von denen jede auf ihre Weise versucht, die öffentliche Aufmerksamkeit umzupolen: weg von den kurzfristigen Vorteilen des Wettbewerbs hin zu der langfristigen Perspektive der Nachhaltigkeit und eines dauerhaft gesicherten sozialen Friedens. Eine dieser zahlreichen Bewegungen geht auf den Österreicher Christian Felber und seine ‚Gemeinwohlökonomie‘ zurück. Mit aller Entschiedenheit wird hier das Wohl des Ganzen gegen die gesellschaftssprengende Profitgier der Einzelnen gestellt; Kooperation gegen den sozialen Kahlschlag des Wettbewerbs; materielle Gleichheit gegen die wachsende Ungleichheit. Der Schutz der Natur wird dem Wahn einer Wegwerfgesellschaft entgegengestellt, die mit einem zum Selbstzweck erhobenen Konsum ihren klinischen Tod beschwört. Eine Reihe diskussionswürdiger Vorschläge betrifft die Eindämmung eines zerstörerischen Wachstums.

Würden die Vorschläge der ‚Gemeinwohlökonomie‘ weltweit zur Anwendung gelangen, dann dürften wir Optimisten sein: Wir brauchten uns um das Schicksal des Planeten und seiner Bewohner weniger Sorgen zu machen.

Warum gibt der berechtigte Erfolg dieser und ähnlicher Bewegungen dennoch wenig Grund zum Optimismus? Die Antwort ist ebenso einfach wie ernüchternd: Weil Europa sich in einer besonderen Lage befindet. Als Pionier des Wettbewerbskapitalismus ist es schneller zu einem auf breite Bevölkerungskreise ausgedehnten Reichtum gelangt als andere Teile der Welt. Es hat auch schneller die Anfangszeiten mörderischer Klassenkämpfe zurückgelassen und ist auf dem Weg zur Emanzipation ehemals unterdrückter Bevölkerungsteile wie der Arbeiterschaft und der Frauen weiter als andere vorangeschritten. Schneller als andernorts gelang es auch, das kriegerische Begleitgetrommel dieses Wirtschaftssystems zumindest innerhalb der eigenen Grenzen zu bändigen und lange Zeit tödlich miteinander verfeindete Staaten unter dem gemeinsamen Dach der Europäischen Union zusammenzuschließen. Das meiste, was Staaten und Gruppen miteinander entzweit, vor allem Ideologie und religiösen Fanatismus, hat Europa in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts geächtet und sich ganz darauf konzentriert, das Programm eines Jeremy Bentham wenigstens in materieller Hinsicht zu realisieren: Das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl (Ralf Dahrendorf sprach von der Verwirklichung des sozialdemokratischen Projekts).

Allen Bewegungen, die das Vorhaben des größtmöglichen Glücks für die größtmögliche Zahl noch weiter verfolgen, muss man deshalb logische Folgerichtigkeit zugestehen, zum Beispiel den Befürwortern eines bedingungslosen Grundeinkommens und eben auch den Anhängern der Gemeinwohlökonomie. Sie vollziehen nur einen weiteren Schritt auf dem in Europa seit mehr als einem halben Jahrhundert betretenen Weg, aus einem unaufhörlich mit sich selbst um die besseren Ideen und die größere Macht ringenden und blutig streitenden Kontinent einen Erdteil zu machen, wo die Menschen den ewigen Frieden und womöglich das ewige Glück genießen. Man braucht dabei nicht so weit zu gehen, wie der Begründer der Gemeinwohlökonomie selbst, der von einem neuen Menschen schwärmt, der als sein wahres Wesen den Willen zur Kooperation erkennt und den Wettbewerb als Werk des Bösen verteufelt, einen Menschen, der von jetzt an „nicht besser sein will‘ als der Mitmensch. Eine solche Ummodelung der menschlichen Natur wurde schon von vielen religiösen und säkularen Ideologien gefordert und ist bekanntlich bis heute niemals verwirklicht worden. Es wäre schon ein gewaltiger Fortschritt, wenn es gelänge, das Bestreben, „besser zu sein als die anderen“ auf jene Bereiche einzuschränken, in denen es keine Zerstörungen bewirkt (also auf den Sport, die Kultur sowie auf die Forschung für friedliche, lebensfördernde Zwecke). Denn eines ist zweifellos richtig, ganz unabhängig davon, ob die Menschheit die Utopie eines ewigen Friedens und dauernden Glücks jemals verwirklicht: Die Lösung der heutigen Probleme hängt wesentlich davon ab, ob es gelingt, den Wettbewerbskapitalismus eines lebensvernichtenden Gegeneinanders in ein lebensförderndes Miteinander zu transformieren.

Die besondere Situation Europas, von der oben die Rede war, besteht allerdings darin, dass die Aussichten für diese Wende gerade heute nicht sonderlich gut sind. Schon seit den achtziger Jahren stößt das europäische Wohlfahrtsprojekt an seine Grenzen. Wie US-amerikanische Kritiker süffisant aber gleichwohl zu Recht bemerken, wurden die großzügigen Geschenke der Regierungen an ihre Bürger weitgehend mit Schulden bezahlt – und genau deshalb befindet sich der alte Kontinent heute in einer tiefreichenden Krise. Seine Anziehungskraft nach außen ist zwar immer noch ungebrochen. Die Mehrheit der Ukrainer fürchtet sich vor der russischen Knute und würde sich nur zu gern dem ‚sanften Monster‘ (Enzensberger) der Europäischen Union assoziieren. Doch der EU fehlt mittlerweile das Geld, um den Ukrainern finanzielle Zusagen in derselben Höhe zu machen wie Putin. Die europäische Expansion ist ins Stocken geraten, zumal innerhalb der Union die Anziehungskraft dieses Projekts inzwischen akut gefährdet ist. Die Forderungen der Bürger an ihren Staat sind gleich geblieben, und nach wie vor gelangen Regierungen nur dann an die Macht, wenn sie großzügig Wahlgeschenke verteilen. Doch allen Versprechungen zum Trotz wird Wohlfahrt de facto kontinuierlich und in den Staaten des europäischen Südens sogar im Eiltempo abgebaut. Das geschieht nicht aus Böswilligkeit, sondern aus einem ebenso prosaischen wie zwingenden Grund: Die Kassen sind gähnend leer. Würde eine Erschütterung des globalen Finanzsystems das Vertrauen internationaler Investoren plötzlich lähmen – ein Menetekel, das durchaus nicht gebändigt wurde -, dann müssten gleich mehrere Staaten Europas ihren Bankrott anmelden. Das ist die besondere Situation Europas, die es zweifelhaft macht, ob all jene Bewegungen, die von Staat und Unternehmen ethisches Handeln im Sinne einer Gemeinwohlökonomie verlangen, eine reale Chance auf Verwirklichung haben oder ob es bei leeren, wenn auch schönen Versprechungen bleibt.

Denn was sind die Voraussetzungen für ethisches Handeln von Staaten und Unternehmen? Sie müssen dazu über die nötige finanzielle Grundlage verfügen. Ein Staat kann den unverschuldet Arbeitslosen nur dann Nothilfe bieten, er kann den nicht mehr Arbeitsfähigen nur dann Pensionen zahlen, den Bildungsinstitutionen nur dann Unterstützung gewähren, wenn die Besteuerung der volkswirtschaftlichen Leistung ihm die dazu erforderliche finanzielle Basis verschafft. In den südlichen Ländern Europas ist das bereits heute nicht länger der Fall. Andererseits können auch Unternehmen nur dann ethisch handeln, wenn sie entweder staatlich geschützte Nischen besetzen, nur lokaler Konkurrenz ausgesetzt sind oder aufgrund innovativer Ideen einen so großen Vorsprung vor konkurrierenden Unternehmen im Rest der Welt erringen, dass der reichlich sprudelnde Gewinn ihnen einen besonders pfleglichen Umgang mit der Natur und ihren Mitarbeitern erlaubt. Doch das gilt nur für eine verschwindend geringe Zahl überwiegend kleinerer Betriebe. Die meisten von ihnen sind dem internationalen Wettbewerb schutzlos ausgeliefert. Sie werden wie Rennpferde durch den Parcours gehetzt, wobei die Peitsche (bei gleicher Qualität der Produkte) die jeweils niedrigsten Preise der weltweit billigsten Anbieter sind. Und diese Preise kommen dadurch zustande, dass Löhne gedrückt, Natur bedenkenlos ausgebeutet und die Profitgier der Investoren auf maximale Weise befriedigt wird.

Die Gemeinwohlökonomie will aus diesem Teufelskreis ausbrechen, und sie rennt damit offene Türen ein: Während der vergangenen Jahrzehnte hat Europa dem Wettbewerb ja ohnehin mehr und mehr den Rückken gekehrt. Nicht nur dem mörderischen Bruderzwist der Vergangenheit, sondern auch dem globalen ökonomischen Wettbewerb. Der gesamte Süden von Griechenland bis Spanien ist dem internationalen Wettbewerb nicht länger gewachsen. Die Kosten für seine Sozialsysteme werden von einer volkswirtschaftlichen Leistung getragen, die zunehmend schrumpft, weil die erzeugten Produkte auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig sind. Im Vergleich zu Europa tragen Staaten wie China, Indien oder Brasilien nur einen Bruchteil dieses Sozialaufkommens. Da ist es wenig verwunderlich, dass deren Produkte die der südlichen Peripherie mühelos aus dem Felde schlagen, zumals sie dank der Investitionen europäischer Geldgeber und Konzerne schon jetzt qualitativ gleichwertig sind oder es in Kürze sein werden. In den Staaten der südlichen Peripherie ist die Politik zwar mit aller Kraft darum bemüht, ethisch zu handeln, d.h. die bisherigen sozialen Leistungen aufrechtzuerhalten, aber sie kämpft dabei gegen die unbarmherzige Logik eines Weltmarkts, wo es genügt billiger zu sein, um als besser zu gelten.

Europa ist also schon seit einiger Zeit dabei, das Programm der Gemeinwohlökonomie zu verwirklichen – allerdings auf besondere Art. Es hat dem Kampf den Rücken gekehrt. Widerstandslos lässt es seine eigenen Betriebe nach Asien auswandern. Gern brüstet es sich auch noch seines ökologisch guten Gewissens, obwohl es die schmutzige Produktion keineswegs abgeschafft, sondern nur jenseits der eigenen Grenzen verlagert hat. Statt der eigenen Luft und Gewässer wird die Natur in anderen Erdteilen verseucht. Wohl wahr, der so lange gewachsene industrielle Unterbau und der Erfindungsreichtum seiner Menschen sichern vor allem dem Norden noch einen Aufschub im Niedergang. Doch auch dort, wo Europa noch führend ist, in der Autoindustrie zum Beispiel, im Maschinenbau, in der chemischen Produktion, machen importierte Komponenten – mehr und mehr von ihnen aus den Billiglohnländern Asiens – einen zunehmenden Anteil der Fertigprodukte aus. Das ungeliebte Wachstum wird zwar bei uns gedrosselt, so wie es die Gemeinwohlökonomen verlangen. In Europa wird der Profitgier ein wirksamer Riegel vorgeschoben, aber nur weil die anderen umso profitgieriger sind. Sie übernehmen unsere Produktion und wachsen ihrerseits desto stärker. Ob wir ernstlich behaupten dürfen, dass mit dieser Verlagerung von Wertschöpfung und Wachstum in Länder jenseits der Grenzen Europas der Nachhaltigkeit und dem sozialen Frieden gedient sei?

Der Trend der Auslagerung wird in jüngster Zeit noch dadurch verstärkt, dass auch die Forschung in Billiglohnländer abwandert. In einigen von ihnen bringt eine hervorragende Ausbildung bereits Wissenschaftler und Ingenieure in großer und wachsender Zahl hervor. Was liegt da näher, als diesen Ländern nicht nur die viel billigere Produktion, sondern auch die billigere Geistesarbeit zu überlassen? Forscher wollen mit ihren Entdeckungen stets ‚besser sein‘, nämlich als andere Forscher. Das Prinzip des unheiligen Wettbewerbs ist ihnen sozusagen in die Wiege gelegt. Das macht sie zusätzlich suspekt und deshalb zu Anwärtern der Auslagerung. Eine Tatsache, die auch von der europäischen Geldaristokratie längst begriffen wurde. Weil die Profite hier weit weniger üppig fließen, legen sie ihr Geld lieber in Asien an. Da ist es nicht einmal nötig, dass ihnen die Gemeinwohlökonomie ganz bewusst den Profit beschneiden und ihn mitsamt dem Wettbewerb am liebsten ganz abschaffen möchte. Gern legen sie ihr Geld von sich aus in einem Land wie China an. Sie wissen, dass das Reich der Mitte hinter der Fassade des egalitären Marxismus genau jenen rabiaten Wettbewerbskapitalismus mit eiserner Faust durchpeitscht, von dem sich Europa gerade verabschieden möchte.

So gesehen bekräftigt und befördert die Gemeinwohlökonomie eine ohnehin bestehende und im Süden bereits offenkundige Tendenz: den Niedergang von ‚Old Europe‘, für den sie freilich eine beruhigende theoretische Grundlage liefert. Zur selben Zeit, da ethisches Handeln immer lauter gefordert wird, schrumpft zugleich seine Voraussetzung: das dazu erforderliche materielle Fundament. Demnach wäre die Gemeinwohlökonomie eine Art Droge, die den von ihr Abhängigen ein gutes Gewissen verschafft und ihnen ihre wahre Befindlichkeit verschleiert.

Sind Absicht und Vorschläge der Gemeinwohlökonomie deswegen falsch? Keineswegs. Unter den richtigen Bedingungen zur Anwendung gebracht, liegt in ihren Vorschlägen die einzige Chance, einen mit wachsender Ungleichheit bezahlten Wettbewerb zu begrenzen, einen naturzerstörenden Konsum zu beenden und auf diese Weise den sozialen Frieden und den Schutz der natürlichen Grundlagen zu sichern. Die richtigen Bedingungen sind allerdings entscheidend. Wenn wir den Wettbewerb und die damit verbundene Wertschöpfung zwar bei uns bekämpfen, aber die einzige Folge in ihrer Verlagerung nach außen und der Verarmung vor Ort besteht, ist dies offenbar eine Medizin, die ungleich mehr Schaden als Nutzen anrichtet.

Ich sehe deshalb nur zwei mögliche Alternativen. Die eine wird von der Europäischen Kommission, den großen Konzernen und den Regierungen Nordeuropas vorangetrieben – und in deren Hintergrund von den Vereinigten Staaten als Spiritus rector. Es ist genau jener entfesselte, Mensch und Natur zerstörende Wettbewerb, den das alte Europa erfunden hat und der von seinem geistigen Ableger, den Vereinigten Staaten, der Welt als alternativlos gepredigt wird. Aber gerade die Vereinigten Staaten bezeugen den Misserfolg dieses Modells. Wirklich wettbewerbsfähig sind sie nur noch auf militärischem Gebiet. Durch ein forciertes Wettrüsten haben sie erst die Ökonomie der Sowjetunion in die Knie gezwungen und sind jetzt dabei ihre eigene Wirtschaft zu ruinieren, indem sie sich selber zu Tode rüsten. Mehr und mehr Komponenten ihrer Flugzeuge und Waffen beziehen sie inzwischen aus Asien. Als eine Nation scharf am Rande des Staatsbankrotts, würden sie andernfalls ihren gewaltigen militärischen Apparat nicht länger bezahlen können. Ein schauerliches Paradox: Die USA haben die Wettbewerbsideologie von ‚Old Europe‘ eins zu eins übernommen und sie der ganzen Welt aufgezwungen, aber sie haben damit nur der herrschenden Plutokratie gedient, der Mehrheitsbevölkerung aber geschadet, wie an ihrer fortgeschrittenen De-Industrialisierung und einem sinkenden Lebensstandard zu erkennen. Im Zuge einer zunehmenden Liberalisierung ist Europa diesem Weg blindlings gefolgt – mit Wirkungen ähnlichen denen in den Vereinigten Staaten. Schon jetzt ist absehbar, dass sich die Erosion seiner Wirtschaft vom Süden aus langsam in den Norden fortfressen wird.

Dieser Alternative steht eine andere gegenüber: in der ich die einzige Chance für eine echte Gemeinwohlökonomie erblicke. Sie liegt in der Veränderung der äußeren Bedingungen. Europa hat sich seines um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts beschrittenen Friedens- und Sonderweges eine Zeitlang zu Recht rühmen können. Doch es hat nicht den Mut aufgebracht, konsequent auf ihm voranzuschreiten. Solange Wertschöpfung und Reichtum (sprich das Geld der Investoren) beliebig nach außen verlagert und die maximalen Kosten für das eigene Sozialsystem und den eigenen Umgang mit der Natur vom Weltmarkt bestimmt und erzwungen werden, ist die demokratische Souveränität de facto aufgehoben: Die Grenzen ethischen Handelns werden von ‚den Märkten‘ festgelegt und diktiert. Alle die Tausende von gut gemeinten Projekten bleiben letztlich ohnmächtig gegenüber einem übermächtigen Wettbewerbskapitalismus, dessen Diktaten sich nur wenige Akteure in geschützten Nischen entziehen. So erklärt sich, dass solche Initiativen zwar Balsam für das Gewissen von wohlmeinenden Intellektuellen sind, aber am allgemeinen Trend (wie schon Harald Schumann in ‚Der Globale Countdown‘ bemerkte) nichts aber auch gar nichts ändern.

Die äußeren Bedingungen sind allerdings kein unabwendbares Schicksal. Europa wäre groß und in seiner Größe auch unabhängig und ressourcenreich genug, um die Gesetze seines Handelns aus eigener demokratisch legitimierter Souveränität selbst festzusetzen.* Das wäre ein wirklicher Sonderweg, beispielhaft für die übrige Welt; es wäre eine Ablösung des alten durch ein neues Europa, das auch dem Süden erneut auf die Beine hilft. Eine solche Wende ist im Augenblick freilich nicht abzusehen, und deshalb bleibt alle Gemeinwohlökonomie vorerst ein Feigenblatt für eine unerfreuliche Wirklichkeit oder, anders gesagt, ein schönes Gebäude, dessen Fundament auf Treibsand gebaut ist.

Man erlaube mir darauf hinzuweisen, dass ich diese Überlegungen in meinem Buch ‚Von der Krise ins Chaos‘ (ein unpassender Titel, der der Verlag erfand) näher beschrieben und begründet habe.

5.12.2013; Anne Will+Marc Beise (Süddeutsche) „Kapitalismus tötet“

Mit der Bitte um Weiterleitung an Anne Will

Betr: Sendung von gestern, 4.12.2013

From: Günther Hoppenberger

Sent: Thursday, December 05, 2013 1:45 PM

To: redaktion@sueddeutsche.de

Subject: Bitte an Dr. Beise weiterleiten

Mit der Bitte um Weiterleitung an Dr. Beise

Sehr geehrter Herr Dr. Beise,

in der gestrigen Diskussion bei Anne Will kam leider eine differenziertere Unterscheidung von Kapitalismus und Marktwirtschaft zu kurz. Korrigieren Sie mich bitte, aber tendenziell war in Ihren Beiträgen eine Gleichsetzung dieser Begriffe herauszuhören, wodurch für Sie die Nachdenkprozesse provozierende Aussage „Kapitalismus tötet“, nicht so ganz nachvollziehbar war, denn Marktwirtschaft tötet nicht.

Haben wir denn überhaupt schon eine Marktwirtschaft, oder benennen wir unser Wirtschaftssystem nur so? Ist es nicht ähnlich der Demokratie, an der wir doch noch sehr viel weiter zu entwickeln haben, obgleich wir natürlich und mit Recht meinen, in einer Demokratie zu leben? Wie können wir behaupten in einer Marktwirtschaft zu leben, wenn die Konstruktion des Informationsmittels des Marktes (die Geldordnung) in letzter Konsequenz ein marktschädigendes Verhalten des einzelnen erzwingt? Unser etwas bieder dümmlicher Kurzzeitpolitiker, Frank Stronach, bringt das auf den Punkt, wenn er (immer wieder) sagt: „Wer das Geld hat, bestimmt die Regeln“. Ein skurriles Verständnis von Marktwirtschaft.

Zweifellos konnte im Staatskapitalismus des Ostens im Unterschied zu unserem  demokratischer angehauchten und auch mit sozialeren Zielsetzungen behübschten Privatkapitalismus das Produktionsproblem nicht gelöst werden. Dieses Problem konnte unser System eindrucksvoll bewältigen. Was wir jedoch nicht geschafft haben, ist das Verteilungsproblem zu lösen, weil Bedürfnis und kapitalgebundene Nachfrage immer weiter auseinanderklaffen.

Und so verstehe ich die Ermahnung des Papstes nicht als Aufruf zu Umverteilung – was nur verstärkte Ängste und weitergehende Gesellschaftsspaltung verursachen würde – sondern als Anregung, sich der systemischen Zusammenhänge zu besinnen.

Im Kern geht es darum, sich den Fragen zu stellen, womit Geld verdient wurde und vor allem, mit welchem Ziel man es zu akkumulieren trachtet und vom Markt fernzuhalten versucht. Nur durch Arbeit entstehen Werte, es entsteht damit jedoch kein Geld. Werden immer größere Summen aus dem werteschaffenden Markt abgezogen, erlischt auch diese Werteschaffung und stürzt Gesellschaften in Verelendung. Unser System ist eben ausgezeichnet geeignet in relativ kurzer Zeit relativ breiten Wohlstand zu erzeugen, es ist jedoch nicht dazu geeignet – und war auch nie dafür konzipiert – diesen einmal erreichten Wohlstand auch langfristig aufrecht erhalten zu können. Die schwierige Aufgabe die sich uns stellt ist daher, die bestehende Konstruktion des Informationsmittels „Geld“ dahingehend zu verändern, dass sie der weiteren Gesellschaftsentwicklung dienlich ist. Gelingt das nicht, beweisen wir also, dass die Menschheit gar so intelligent nicht ist, dann werden wir die leidvolle Geschichte wohl ein Mal mehr wiederholen müssen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

3.12.2013; OÖN, Stefan Fröhlich, Nicht-Raunzer (Steigende Arbeitslosigkeit)

Was tun, wenn die Nachfrage nach Arbeit nachlässt?

Offensichtlich hat das weniger etwas mit der Arbeit, als vielmehr mit Geld zu tun, denn der Bedarf an Arbeit, besonders in Bildung, Pflege und Altenbetreuung steigt weiter und kann nur aus Geldmangel nicht befriedigt werden. Eine Entkoppelung von Tätigkeit und Einkommen wäre in entwickelten Volkswirtschaften hoch an der Zeit.

Der anerzogene Irrglaube liegt ja darin, dass durch Arbeit Geld entstünde. In Wahrheit muss Geld vorgängig zum Arbeitsbeginn (durch Kredit oder Entsparen) bereits geschaffen worden sein. Geld wird dann nur entsprechend dem sozialen Machtgefüge für entgegengenommene Arbeit zugeteilt. Dass die Nachfrage nach Arbeit in ausreifenden, hoch automatisierten und hoch produktiven Volkswirtschaften rückläufig ist, sollte eigentlich nicht überraschen.

Arbeitsplätze zu schaffen heißt in unserer Geldordnung daher immer, die Gesamtverschuldung zu erhöhen, verbunden mit der Ungewissheit, jemanden finden zu können, der diese Schulden durch Kauf der Leistung (+Zinsen+Gewinn) übernehmen will. Der Schlüssel wird wohl in einem veränderten Geldsystem zu suchen sein.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist daher überlegenswert, um die Teilhabe aller an der Gesellschaft zu ermöglichen und um einen zukunftsfähigen Sozialstaat gestalten zu können.
www.pro-grundeinkommen.at

Dr. Günther Hoppenberger

2.12.2013; standard.at,  „Steigende Arbeitslosigkeit“

Entkoppelung von Tätigkeit und Einkommen wäre in entwickelten Volkswirtschaften hoch an der Zeit

Der anerzogene Irrglaube liegt ja darin, dass durch Arbeit Geld entstünde. In Wahrheit muss Geld vorgängig zum Arbeitsbeginn (durch Kredit oder Entsparen) bereits geschaffen worden sein. Geld wird dann nur entsprechend dem sozialen Machtgefüge für entgegengenommene Arbeit zugeteilt. Dass der Bedarf an Arbeit in ausreifenden, hoch automatisierten und hoch produktiven Volkswirtschaften rückläufig ist, sollte eigentlich nicht überraschen.
Arbeitsplätze zu schaffen heißt daher immer, die Gesamtverschuldung zu erhöhen, verbunden mit der Ungewissheit, jemanden finden zu können, der diese Schulden durch Kauf der Leistung (+Zinsen+Gewinn) übernehmen will.
Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist daher überlegenswert.
www.pro-grundeinkommen.at

2.12.2013; Standard.at, A.P.Eschenberg

Arbeitslose sind nicht Tätigkeitslos, sondern Einkommenslos, Arbeitslose – sozial deklassiert?

Wenn man ein zynisches Menschenbild pflegt, könnte man heute Arbeitslose als sozial deklassiert betrachten. Im Falle eines BGE würde es Arbeitslose aber gar nicht mehr geben. Vielleicht wird es dereinst den Berufsstand „Konsument“ geben, der es den produktiv Schaffenden ermöglicht, sich zu entfalten. Außerdem kann angenommen werden, dass die schöpferischen Werte nicht durchgehend von nur einem fixen Teil der Bevölkerung entstehen, sondern dass eine viel größere Fluktuation zwischen „Aus- und Einstieg“ gibt. Sinnvolle, z.T. auch weil notwendige, Werteverwirklichung wird in meinem Menschenbild immer stattfinden; von besserer Qualität, weil mit Hingabe und Überzeugung verrichtet, ganz zu schweigen.
Geld entsteht nicht durch Arbeit!!!

G.H.

Eschenberg:

Zynisch? Zweidrittel-Gesellschaft ist nicht erstrebenswert!

Das BGE würde die Spaltung der Gesellschaft verschärfen – in einen erwerbstätigen (und gesellschaftlich anerkannten)Teil und jenen, welche von Sozialstaats-Almosen leben (müssen!)
Ein zynisches Menschenbild, fürwahr!
Stattdessen plädiere ich vehement für eine sozialverträgliche Neuverteilung von Arbeit und Einkommen; z.B. in Form einer massiven, höchst überfälligen Arbeitszeitverkürzung!

Günther Hoppenberger

Arbeitszeitverkürzung schreitet ohnehin schon voran……

durch Kündigungen, Frühverrentung, Jugend- und Altersarbeitslosigkeit. Wenn Sie Erwerbstätigen generell gesellschaftliche Anerkennung beimessen, so wird ein Bild der Arbeit als Plage und nicht Arbeit aus Begeisterung und Interesse gezeichnet. Ist es denn aber heute nicht gerade so, dass genau jene Arbeiten die gerne verrichtet werden zugleich am höchsten entlohnt werden, obwohl doch bereits die Freude, die man aus der Arbeit zieht, als nicht unbeträchtlicher Lohnanteil verstanden werden müsste? Mit der Entkoppelung von Arbeit und Einkommen ließe sich das Augenmerk verstärkt auf gemeinwohlorientierte Arbeit lenken, anstatt auf fiktive Geldwertsteigerungen zur Aufrechterhalt unserer versagenden Geldordnung.
Arbeit schafft Werte, nicht Geld!

A.P. Eschenberg

Arbeit schafft Werte – Und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe!

Die auch von Ihnen angeführten Arbeitszeitverkürzungs-formen sind mit Sicherheit die brutalsten und sozial unverträglichsten! Sie bewegen sich aber auf einem sehr schmalen Pfad mit Ihrem Konzept einer Entkoppelung von Arbeit und Einkommen! Ich bin sehr dafür, daß gesellschaftlich notwendige Arbeit in entsprechender Weise gewürdigt wird, d.h. so bezahlt wird, daß damit auch ein Leben in Würde möglich ist. Die Freude an der Arbeit aber bereits als einen nicht unbeträchtlichen Lohnbestandteil zu reklamieren, das heißt weiteren Sozial- und Lohnabbau unter dem Deck-Mäntelchen der „Gemeinwohlorientierung“ vorzubereiten!
Es braucht keine rückwärtsgewandten, sondern zukunftstauglichere Konzepte einer Neuverteilung von Arbeit und Einkommen!

G.H.:

Unter Arbeit verstehen wir ja doch immer nur bezahlte Arbeit, die aber ohne Rücksicht auf den gesellschaftlichen Wert, sondern gemäß den Machtstrukturen entlohnt wird

Durch die fatale Verknüpfung von Einkommen (Überlebensmittel) und Arbeit, werden heute zunehmend „Arbeiten“ verrichtet, die Werte eher vernichten, anstatt diese zu erhalten, bzw. weiter zu entwickeln. Sie werden dennoch als notwendig erachtet, um das Ablaufdatum des Geldzyklus in die Zukunft zu verschieben. Ich glaube auch nicht, dass Arbeitszeitverkürzungen (Entlohnungskürzungen?) bei Vorständen, Anwälten, Notaren, Ärzten,….auf Begeisterung stoßen und neue Arbeitsplätze schaffen würden. Das könnte man wahrscheinlich bloß durch Begrenzung der Einkommensrelationen bewerkstelligen. Den klassischen Fließbandarbeiter, für den man bei eingesparten Stunden einen zusätzlichen Arbeiter aufnimmt, gibt es kaum mehr. Es geht um Funktionserfüllung.

1.12.2013; profil; Lingens, „Eine Frage der Gesinnung!“

Budgetloch und Umverteilung

Der Schlüsselsatz diesmaliger Gedankensplitter ist zweifellos: „Nennenswerte Budgeteinsparungen gehen zwingend zu Lasten der Ärmeren“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Dagegen argumentieren zu wollen, entlarvt bestenfalls den Zynismus eines ideologieverengten Menschen- und Weltbildes. Ist aber eine über die Staatsquote laufende Umverteilung tatsächlich ein nachhaltiger Lösungsweg? Ist es nicht nur ein erster, notwendiger Schritt, der etwas Zeitgewinn bringen könnte? Muss nicht vernünftiger Weise auch an den Einkommensrelationen gedreht werden – wie es das soeben gescheiterte „1:12 Referendum“ in der Schweiz versuchte?

Zuletzt stellt sich ja die Frage, wie man Geldvermögensbesitzern deren Ängste nehmen könnte, durch die sie ein dann erst recht Ängste schürendes gesellschaftliches Klima hervorrufen, in dem zu leben ihr Vermögen zur Bedeutungslosigkeit verkommen lässt. Denn, wie der Dalai Lama unwiderlegbar feststellte: „Glück, ohne Bedachtnahme auf das Glück der anderen, ist undenkbar“.

Dr. Günther Hoppenberger

29.11.2013; Standard.at; Sator, Bericht zur „Reichtumskonferenz“ (AK,ATTAC,..)

Gesellschaftlicher Reichtum liegt nicht im gehorteten Geld, sondern in den bereits damit geschaffenen Werten

Gehortetes („gespartes“) Geld ist eigentlich überflüssig und entspricht gesamtsystemisch den nicht getilgten Geldschulden. Jedem Kind würde die Lösung dieses Problems einfallen: Da ja jederzeit diese am leichtesten zu reproduzierende Ressource („Fiat“-Geld) für Investitionen erzeugt werden kann, muss man das Geld nach Abschluss der Werteschaffung durch Negativzinsen wieder zum Verschwinden bringen. Da Geld dadurch jedoch seine Machtfunktion verlieren würde, ist diese Art von fließendem, werteschaffendem Geld politisch anscheinend nicht erwünscht.

Reichtum in einem Umfeld zunehmender Armut zu ertragen, ja geradezu genießen zu können, bedarf wohl besonderer soziopathischer Persönlichkeitsstrukturen (Leistungsträger und Eliten???)

27.11.2013; OÖN; Neumüller, Warum kommt der Aufschwung diesmal so zögerlich?

Lohn- und Einkommensteuerreform längst überfällig

Völlig richtig stellt Hermann Neumüller fest, dass zur Konjunkturbelebung nicht nur die Kaufwilligkeit, sondern auch die Kaufmöglichkeit betrachtet werden muss, die sich durch Korrektur der „kalten Progression“ zumindest etwas verbessern ließe. Die für 2014 prognostizierten 1,8% BIP-Wachstum sind ohne (wahrscheinlich auch mit) Steuerreform jedenfalls im Reich der Träume angesiedelt. Außerdem ist es durchaus möglich, dass sich die Menschen langsam von der systemnotwendigen Verbrauchs- und Konsumwut zu distanzieren beginnen – sozusagen einen Schritt in Richtung Vernunft setzen. Betriebswirtschaftlich vernünftig, jedoch fatal für unsere Geldordnung. Das Hauptproblem liegt jedoch bestimmt darin, dass alle jetzt vordringlich und gesellschaftlich erwünschten und auch nötigen Investitionen (Bildung, Pflege, Sicherheit) kurzfristig keine Rendite abwerfen  und nur durch zusätzliche Staatsverschuldung zustande kommen können. Warum auch, sollen Private, deren Fokus über Jahre hinweg auf Geldmehrung statt auf gesellschaftliche Verantwortung ausgerichtet wurde, in nicht rentierliche Anlageformen investieren?

Dr. Günther Hoppenberger

24.11.2013; profil; Lingens, Fortgesetzt „blödsinnig“

Die „Sparpakete“

Es ist ja gerade diese Perfidie der gegenwärtigen Politik, durch andauernde Fehlinformationen und Verschleierungen über die wahre Konstruktion der Geldordnung, die Bevölkerungen auf der betriebswirtschaftlichen Ebene zu „packen“ und zur „Stammtisch-konformen“ Zustimmung zu den gesellschaftsschädigenden Sparpaketen und anderen Grausamkeiten zu bewegen. Maßnahmen, die ohnehin nur einen sehr kurzfristigen Aufschub der Misere bewirken würden. Auch die Medien sind da durchaus als mitschuldig anzusehen, wobei Peter Lingens in seinem Bemühen eine rühmliche Ausnahme darstellt.

Das unlösbare Dilemma besteht doch vor allem darin, dass die über die Zeit angehäuften Geldvermögen (=Schulden), keine rentierlichen Investitionsmöglichkeiten mehr erkennen und dass die nun vom Staat geforderten Kompensationsinvestitionen, die man besonders in Bildung, Pflege und Sicherheit erwarten würde, naturgemäß keine systemnotwendige Rendite erwirtschaften können. Eine weitere Verschuldung des Staates zur Ankurbelung einer ersehnten Konjunktur würde daher zwangsläufig das Geldvermögen auf der anderen Seite erhöhen und das Problem mit verschärfter Wirkung nur marginal aufschieben. Wir befinden uns systemisch bedingt in der perfekten Schuldenfalle und es ist zu hoffen, dass vor weiterer Gesellschaftsspaltung und Radikalisierung doch noch die Vernunft einkehrt und die Einsicht obsiegt, dass ein Geldsystem eigentlich der gesellschaftlichen Weiterentwicklung zu dienen hat.

Dr. Günther Hoppenberger

15.11.2013; Budgetloch, Standard+OÖN

Jäger des verlorenen Schatzes

Damit überhaupt ein Loch als solches erkennbar wird, muss etwas fehlen, das zuvor noch vorhanden war. Der einstmalige Inhalt des Loches muss sich daher zwangsläufig irgendwo als Häufchen manifestieren. Dieser zwingende Zusammenhang ergibt sich auch gemäß dem 1. Hauptsatz der Volkswirtschaftslehre (E. Glötzl): Schulden und Guthaben sind immer gleich hoch. Das systemnotwendige Streben nach mehr Wachstum entspricht daher einer weiteren Vertiefung des Lochs und behindert die Suche nach dessen einstigem Inhalt.

Den vermuteten Erwartungen der Bürger entsprechend vorzugaukeln, man könne Unmögliches möglich machen, sollte die Politik langsam zur Erkenntnis treiben, dass es zu ihrem eigenen Überleben besser ist, endlich die wahren Zusammenhänge zu vermitteln und die Aussichtslosigkeit aller angedachten Unterfangen einzugestehen.

Dr. Günther Hoppenberger

13.11.2013; OÖN, Mandlbauer, „Was geht mich das Staatsbudget an?“

Sehr geehrter Herr Mag. Mandlbauer,

ist denn das Staatsbudget nicht nur einer der Teilbereiche der gesamtstaatlichen Finanzierung? Und ist es überhaupt zulässig, diesen Teilbereich einer betriebswirtschaftlichen Beurteilung zu unterwerfen, wo doch die VGR etwas ganz anderes ist, als die Summe der betriebswirtschaftlichen Ergebnisse von Staat, Haushalten und Unternehmen? Freilich wurde über Jahrzehnte wesentliche Aufklärungsarbeit über Zusammenhänge verabsäumt, doch auch ein verstärkter Wirtschaftsunterricht, der wieder nur über ein nicht nachhaltiges und zugleich alternativlos dargestelltes System informieren würde, könnte da nicht helfen. Gewiss sind die Politiker von Jahr zu Jahr immer ärmer dran, weil sie stetig anwachsende rechnerische Unmöglichkeiten als dennoch möglich präsentieren sollen. Dass die Bevölkerungen andererseits daran gewöhnt wurden, Rechtsanspruch auf Unmögliches zu erheben, steht auf einem anderen Blatt. Fatal ist ja, dass es eben keinen Wendepunkt in der Finanz- und Steuerpolitik geben kann – abgesehen von Steuererhöhungen, um Zeit zu gewinnen. Die Selbstzerstörung des Gesamtsystems schreitet ja dennoch unbarmherzig voran.

„Die Wirtschaft“ wird von den meisten Menschen, die naturgemäß betriebswirtschaftlich haushalten müssen, recht gut verstanden, wobei – der zugrundeliegenden Modellannahme entsprechend – der Egoismus als legitime Verhaltensnorm gepflegt wird (und den gesellschaftlichen Zusammenhalt aushöhlt). Was fehlt, ist jedoch die Aufklärung über Geldentstehung, Geldflüsse und Geldvernichtung durch Kredittilgung; die Aufklärung darüber, dass durch Arbeit im günstigsten Fall Werte, jedoch kein Geld entsteht. Dass Kosten immer gleich Einnahmen und Schulden immer gleich Guthaben sind. Dass Schulden immer nur auf andere Schultern übertragen werden können und dass bei Schuldentilgung auch unser Geld verschwinden würde, u.s.w.

Stellschrauben an Verdorbenem zu drehen wird nicht auf ewig möglich sein. Es wird den verantwortungsbewussten Medien eine wesentliche Rolle zukommen, die Politik zu einem notwendigen Systemwechsel – nicht Schubumkehr! – zu bestärken und die Bevölkerungen von dessen Notwendigkeit zu überzeugen.

Es wäre da auch an eine breit geführte Diskussion über die grundsätzliche Widmung eines Staates zu denken, an die Art und Weise des gewünschten gesellschaftlichen Zusammenlebens und dessen Organisationsformen – zunächst frei von finanziellen Einschränkungen. Eine sinnvolle Konstruktion des dann dafür nötigen Informationsmittels „Geld“, erschließt sich fast zwanglos aus den Anforderungen.

Die Schwierigkeit liegt also darin, endlich das Systemversagen einzugestehen und das derart zu vermitteln, dass es keine Schuldzuweisungen und keine Randale gibt. Das Leben geht weiter – auch nach einem gescheiterten Gesellschaftssystem (wie wir 1989 sehen konnten). Es kommt nur darauf an, dass für einen Wechsel auf der Sachebene argumentiert werden kann. Die Bereitschaft dafür gilt es zu schaffen.

Mit lieben Grüßen

Günther Hoppenberger

P.S.: Verzeihen Sie mir noch die Anmerkung, dass ich das „Börsespiel“ höchst bedenklich finde, weil es gerade nicht der Aufklärung über Zusammenhänge dient und eher eine weitere Generation in die ausweglose Sackgasse zu locken trachtet.

Sehr geehrter Herr Hoppenberger. Vielen Dank für Ihr Schreiben. Habe es mit Interesse gelesen.

Mit freundlichen Grüßen

Gerald Mandlbauer

10.11.2013; profil, P.M.Lingens, „Die krisengebeutelte Inflation“

Überkapazitäten und Nachfragerückgang bremsen Inflation

Danke! In gewohnt brillant gesetzten Worten skizziert Lingens die ausweglose Sackgasse, in der sich mittlerweile alle hochentwickelten Volkswirtschaften befinden. Mit „krisengebeutelte Inflation“ gelingt es dabei sehr diplomatisch, den Angstbegriff „Deflation“ zu vermeiden. Freilich wird überall dort, wo es um die fundamentalen Lebensnotwendigkeiten geht und der Wettbewerb durch gegenseitige Beteiligungen, Firmenverflechtungen und Absprachen überschaubar ist, noch ein möglichst großes Stück aus dem schwindenden Nachfragekuchen herauszuholen versucht. Das schlägt sich dann als „gefühlte Inflation“ im Alltagsbörsel nieder und bringt zugleich die eigentlichen Träger der Wirtschaft, KMUs und Kleingewerbe, in Absturzgefahr. Für Investitionskredite fehlt diesen daher Aussicht und Bonität. Auch krampfhafte „Wachstumsimpulse“, wie irgendwelche absurde, aber kostenintensive Verordnungen (z.B. HWB für Häuser und Wohnungen, etc.) können das Dilemma immer nur kurzfristig aufschieben.

Schafft man es, sich wenigstens geistig über die Systemzwänge zu erheben, so sollten sich die Fragen aufdrängen, die jedes Kind stellen würde: Was ist das eigentliche Ziel unseres Tuns? Was richten wir da mit unserem sturen, die zeitliche Dimension außer Acht lassenden Dogmatismus bloß an den Menschen an? Selbst eine als Schlusspunkt und zugleich Neuanfang zu erwartende Währungsreform wird nicht viel helfen, wenn wir an einem System das Wachstum erzwingt (=Schuldenwachstum) festhalten, solange Häuser und Infrastruktur intakt sind (und hoffentlich auch intakt bleiben!). Sollte es nicht eher darum gehen, ein Informationssystem (Geldsystem) zu etablieren, das den einmal erreichten Wohlstand zu erhalten vermag?

Dr. Günther Hoppenberger

8.11.2013; OÖN, H. Neumüller, Männer der Tat

Verführung zur Verschuldung

Was von der EZB als Hilfe für die Wirtschaft verkauft wird, ist der subtile Versuch, die Überschuldung der Banken auf Unternehmen und Haushalte zu übertragen. Die Annahme dass „die Wirtschaft“, der es ja nicht an Geld, sondern an rentierlichen Investitionsmöglichkeiten mangelt, darauf hereinfällt, ist als eher naiv zu bewerten. Die durch sinkende Massenkaufkraft zweifellos im Raum schwebende Deflation wird sich auch durch diesen Zinsschritt nicht abwenden lassen und die „Männer der Tat“ verfestigen dadurch nur einmal mehr ihr Täterimage.

Dr. Günther Hoppenberger

4.11.2013; profil, Eva Linsinger, „Geißelhaft“

Lanzenbrechen für Unverschämtheit?

Zweifellos sollen Politiker, wie übrigens auch alle anderen Erdenbürger, ein gutes, sorgenfreies, von existenziellen Nöten unbehelligtes Leben führen können, um sich ihren verantwortungsvollen Aufgaben mit vollem Einsatz und Hingabe widmen zu können. Keinesfalls aber führt „nichtadäquate Entlohnung zu Negativauslese“, wie das Eva Linsinger schreibt und als Beispiele ausgerechnet „die unverschämten Lindners, mutlose Opportunisten und mediokren Parteisoldaten“ anführt. Gerade diese werden doch eher von überhöhten Einkommensmöglichkeiten ohne besondere Verpflichtungen angelockt, weil sie ihre erbärmliche Persönlichkeitsstruktur ganz im Sinne des monetaristischen Menschenbildes durch die Einkommenshöhe zu verfestigen meinen und eben nicht in der Möglichkeit zur freien Entfaltung in ihrem Tätigkeitsbereich den wesentlichen Teil ihrer Entlohnung anzuerkennen vermögen. Wie qualvoll und freudlos der Beruf eines Fußballtrainers wohl sein muss, dass er sich zu seiner offensichtlich widerwillig ausgeübten Tätigkeit nur gegen eine Millionengage herablässt? Begeisterung, Verantwortung und Hingabe im Beruf sind eben auf keiner hierarchischen Ebene käuflich. In der Wirtschaft nicht und in der Politik schon gar nicht.

Dr. Günther Hoppenberger

From: linsinger eva

Sent: Monday, November 04, 2013 2:03 PM

Subject: FW: „Geißelhaft“; profil 45,4.11.2013

Sehr geehrter herr hoppenberger

Danke für ihr mail! Ich bin schon bei ihnen: begeisterung für einen beruf ist nicht käuflich. aber: wenn ein berufsstand ständig von sich sagt, dass er ohnehin nichts wert ist, treibt er die begeisterungdafür aus.

Mit freundlichen Grüßen

Eva linsinger

Mag.a Eva Linsinger
Innenpolitik
www.profil.at

Sehr geehrte Frau Mag. Linsinger,

vielen Dank für Ihre Rückäußerung. Ist es denn aber nicht gerade deshalb zu einem Problem für die gesellschaftliche Entwicklung im kapitalistischen Monetarismus geworden, dass die eigentliche Werteschaffung, aus der sich Befriedigung schöpfen lässt die als Lohnanteil zu verstehen wäre, gegenüber der Bewertung in Geld in den Hintergrund gerückt ist? Was nichts kostet ist nichts wert? Beinhaltet die Werteschaffung nicht viel mehr Aspekte der Kompensation als monetäre Entlohnung? Unterliegen wir mit dem Umkehrschluss denn nicht einem fatalen Irrtum, den Wert einer Arbeit nach der Einkommenshöhe zu bemessen? Es ist mir durchaus bewusst, dass das dem momentanen System entspricht, bezweifle jedoch dessen zukunftsweisende Sinnhaftigkeit.

Zweifellos haben Politiker einen unbedankten Beruf, weil sie unter strikter Einhaltung eines vorgegebenen, jedoch nicht mehr zeitgemäßen Systems, Unmögliches möglich machen sollen. Zumindest sind das die Erwartungen der Normalbürger. Politiker können daher stets nur verlieren. Ihr Ruf und Ansehen würden sich jedoch durch höhere Einkommen keinesfalls verbessern, vor allem so lange nicht, als die Einkommensrelationen zwischen „Fußvolk“ und den von produktiver Tätigkeit freigestellten Politikern nicht nachvollziehbar erscheinen.

Vielleicht könnte aber ein Hilferuf der Politik wirken, die Bevölkerung schonungslos über das Dilemma zu informieren, in das uns das  – in bestem Glauben – Festhalten an einem starren Dogmatismus, der keine Berücksichtigung gesellschaftlicher Veränderungen im zeitlichen Ablauf vorgesehen hatte, geführt hat und dazu aufzurufen, gemeinsam und unter Hintanstellung kleinmütiger persönlicher Interessen an der Konstruktion eines neuen Gesellschaftssystems teilzunehmen (Idee eines Bürgerkonvents). Auch Ehrlichkeit und Einsicht sind Möglichkeiten, das Ansehen eines Berufsstandes zu heben!

Finanzierungen des zwischenmenschlichen Austauschverhaltens speisen sich aus einem künstlich geschaffenen Konstrukt, das eben genau nicht als unumstößlich angesehen werden darf und daher an die Notwendigkeiten für eine nachhaltig prosperierende Gesellschaft angepasst werden kann, wenn es denn gewollt wäre.

Mit lieben Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

31.10.2013; OÖN, Mandlbauer, Ist die Party vorüber?

Pervertierter Weltspartag

Die ursprüngliche Idee hinter dem Weltspartag war, der Bevölkerung den sparsamen Umgang besonders mit nicht erneuerbaren Ressourcen nahezulegen. Obwohl Geld ja gerade nicht zu dieser Kategorie zählt, beschränkt sich der heutige Weltspartag auf den Wettbewerb zwischen den Banken, günstig an Notenbankgeld zu kommen. Abgesehen von den Inhalten der Sparschweine der Kinder, die da eingesammelt und mit einer Zahl in einem Sparbuch als Forderung auf Geld festgehalten werden, erfolgt nur eine Umschichtung der so genannten Sparguthaben zwischen den einzelnen Instituten. Insgesamt hat sich die konsolidierte Gesamtbilanz aller Banken nicht verändert. Ein Spiel unter Banken also, zu dem die Bevölkerung als vorausbestimmter Verlierer eingeladen wird.

Der Kollaps des Weltfinanzsystems ist zwar noch nicht eingetreten, doch vorwiegend deshalb, weil sich die Musiker auf „der Party“ zu immer neuen Zugaben hinreißen lassen – und dadurch den Weg von der Ausgelassenheit zur Besinnung zudröhnen. Die Party ist vorüber, wenn die Musik letztlich doch plötzlich verstummt. Die Frage ist, ob man den letzten Ton unbedingt abwarten will, oder sich noch im Nachhall der wunderbaren Klangfülle auf den Weg zu Neuem begibt. Die Schwierigkeit liegt stets im Erspüren des richtigen Zeitpunkts zum Aufbruch.

Dr. Günther Hoppenberger

28.10.2013; profil, Christian Rainer, Die Einser-Lüge

Sehr geehrter Herr Dr. Rainer,

auch die Aufdeckung der „Einser-Lüge“ ist leider nur die halbe Wahrheit. Der angeblich so komplexe, jedoch dennoch sehr einfach darstellbare Sachverhalt, „Die Menschen werden älter und müssen daher länger arbeiten. Punkt“, legt die Vermutung nahe, dass durch die längere Arbeit das Geld entstünde, das zur Finanzierung der Pensionen fehlt. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Durch Arbeit entstehen Werte in Form von Gütern und Dienstleistungen, aber eben kein Geld! Die kontinuierlich steigende Arbeitslosigkeit, die nur manchmal durch eher entbehrliche und bei den Haaren herbeigezogenen Verordnungen und Vorschriften, die kleine Wachstumsimpulse zur Rettung vor Ärgerem anstoßen sollen, gedämpft wird, zeigt, dass die Nachfrage (Bedarf+Geld) nach menschlicher Arbeitskraft sukzessive abnimmt. Was nicht heißt, dass kein Bedarf bestünde. Diese Bedarfsdeckungslücke, die sich besonders im Bildungs-, Erziehungs- und Altenpflegebereich manifestiert, ist jedoch mit rentierlichen Investitionen nicht zu schließen, weshalb sie automatisch dem Verantwortungsbereich des Staates zugeordnet wird.

Freilich sind die rüstigen und lebenslustigen Pensionisten zu einer wichtigen Konsumentengruppe herangewachsen, die den Aktiven beträchtliche Einkommensmöglichkeiten bescheren. Die staatlichen Zuschüsse zu den Pensionen (vielleicht abgesehen von den überzogenen ÖNB-und Politiker-Pensionen) sind daher 1:1 als Wirtschaftsförderung anzusehen. Die höchsten Pensionen nützen jedoch nichts, wenn es niemanden gibt, der mir im Alter die Windelhosen wechselt. Müssten wir tatsächlich die restlichen drei bis vier Jahrzehnte unseres Lebens in Armut verbringen, dann würde es für die Aktiven noch viel schlimmer kommen, da sie von einer zunehmenden Konsumentenschicht immer weniger Einnahmen erzielen könnten.

Es geht also nicht ums Geld, sondern darum, ob es die Leistungsfähigkeit der aktiven Bevölkerung gestattet, die notwendigen Güter und Dienstleistungen für die Jungen und für die Alten (und überflüssigen Jungpensionisten?) bereitzustellen. So gesehen wird das Umlageverfahren, das in unterschiedlicher Ausformung schon seit der Steinzeit funktioniert hat, ob mit oder ohne staatlicher Förderung, auch noch funktionieren, wenn alle privaten Pensionsversicherer (wie vorhersehbar) bereits pleite gegangen sind.

Mit besten Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

P.S.: Das soeben erschienene Buch von Raimund Brichta und Anton Voglmaier: „Die Wahrheit über Geld“ (Ergänzender Untertitel: Wie kommt unser Geld in die Welt – und wie wird aus einem Kleinkredit ein großer Finanzcrash?), sollte zur Pflichtlektüre aller Wirtschaftsjournalisten werden (In dieser profil Ausgabe z.B. dringend Eva Linsinger anempfohlen).

28.10.2013; Standard; Bettina Pfluger, „Enteignung auf der hohen Kante“

Pervertierter Weltspartag

Die ursprüngliche Idee hinter dem Weltspartag war, der Bevölkerung den sparsamen Umgang mit nicht erneuerbaren Ressourcen nahezulegen. Obwohl Geld ja gerade nicht zu dieser Kategorie zählt, beschränkt sich der heutige Weltspartag auf den Wettbewerb zwischen den Banken, günstig an Notenbankgeld zu kommen. Außer den Inhalten der Sparschweine der Kinder, die da eingesammelt und mit einer Zahl in einem Sparbuch als Forderung auf Geld festgehalten werden, erfolgt nur eine Umschichtung der so genannten Sparguthaben zwischen den einzelnen Instituten. Insgesamt hat sich die konsolidierte Gesamtbilanz aller Banken nicht verändert. Ein Spiel unter Banken also, zu dem die Bevölkerung als vorbestimmter Verlierer eingeladen wird.

Dr. Günther Hoppenberger

24.10.2013; Standard; „Mehr Demokratie im noblen Golfklub“ (mue, nik, seb)

Bernd Marin: „Die Ungleichbehandlung bei den Pensionen ist immer noch grauslich“

Anders gedacht: Da Steuern kalkulatorische Größen sind, werden letztlich alle Steuern von den Konsumenten bezahlt. Egal wie hoch die „Beitragslücke“ bei den unterschiedlichen Pensionen ist, wird diese von den Konsumenten geschlossen. Staatsbedienstete, allen voran Politiker, die sich insgesamt ja als Dienstnehmer aller Nicht-Staatsbediensteten verstehen sollten, werden in vollem Umfang ihres Einkommens und ihrer Pensionsansprüche von den Konsumenten finanziert und tragen selbst nur im Ausmaß der in ihren Konsumationspreisen einkalkulierten Steuer, die daher am ehesten als Rückführung anzusehen ist, dazu bei. Staatsbedienstete zahlen weder Lohn-,Einkommens-, noch Parteisteuern, oder Sozialversicherungsbeiträge. Der Konsument zahlt sie! Die Tragik liegt also weniger in der Beitragslücke, als in der Einkommens- und Privilegienlücke.

Dr. Günther Hoppenberger

11.10.2013; Krone; Dr. Wailand; „US-Budgetstreit lässt Börsen kalt“

Dr. Wailands apodiktische Feststellung, „Schuldenkrise lässt sich nur durch Wachstum lösen“, erstaunt wegen deren offensichtlichen Unsinnigkeit. Jenes Wachstum, das zur Systemrettung herbeigesehnt wird, ist ja in seinem Kern nichts anderes als ein Schuldenwachstum! „Mehr vom Gleichen“ kann aber in einem versagenden System kaum der richtige Lösungsweg sein. Volkswirtschaftliche Schulden können doch stets nur zwischen den Sektoren Staat, Unternehmen, Haushalte und Außenhandel übertragen werden, müssen jedoch insgesamt dennoch ansteigen und sind das Spiegelbild der gleichermaßen steigenden Vermögen. Dass stets nur über die Verschuldung des Staatssektors diskutiert wird, ist Ausdruck des ideologisch geprägten und dogmatisch verfestigten Machtkampfes zwischen der Gesellschaft als solcher und den privaten Einzelinteressen einiger weniger. Die tatsächliche Lösung kann also nur in der Änderung des Systems liegen, denn: Ein Staat darf sich erst gar nicht verschulden müssen! Nicht die Menschen sollen zu Änderungen ihrer Lebensentwürfe gezwungen werden, nur um der Systemerhaltung zu dienen, sondern das für ausgereifte Volkswirtschaften anachronistische System der Gelderzeugung und der Machtfunktion des Geldes, muss an die Notwendigkeiten moderner Gesellschaften angepasst werden.

Dr. Günther Hoppenberger

10.10.2013; profil, H. Lackner, „Sitzfleisch zählt“

Expertenmangel im Nationalrat

Herbert Lackner sorgt sich wahrscheinlich zu Unrecht über mangelndes Expertenwissen im neu gewählten Nationalrat, denn es waren doch gerade die Experten im In- und Ausland, die das europäische Dilemma zumindest billigend in Kauf genommen, wenn nicht sogar verursacht haben. Es ist zu hoffen, dass die nunmehr nachrückenden „Funktionäre und Sekretäre“ wenigstens mit gesundem Hausverstand ausgestattet sind, mit dem sich bekanntermaßen Probleme häufig viel einfacher lösen lassen, als mit den um wissenschaftliche Anerkennung ringenden Experten.

Dr. Günther Hoppenberger

10.10.2013; Standard, A. Schnauder, „Hohe Schulden wecken Begehrlichkeiten“

Die Schuldenfrage ist eine Machtfrage

Die Diskussionen über Schulden in einem Schuldgeldsystem werden zunehmend skurriler. Die Fokussierung auf die Staatsverschuldung belegt recht eindeutig, dass es sich im Kern um die Machtfrage zwischen Staat (=Gesellschaft) und privaten Einzelinteressen handelt. Die Gesamtverschuldung einer Volkswirtschaft kann ja stets nur zwischen den Sektoren Unternehmen, Staat, Haushalte und Außenhandel graduell verschoben werden, muss insgesamt jedoch immer weiter ansteigen. Die Entschuldung eines Sektors muss daher zwangsläufig zu Lasten der anderen Sektoren gehen. Wenn also Sparen als Lösungsweg angedacht wird, muss man auch klar sagen, wem man die Einkommensmöglichkeiten vorenthalten und damit dessen Verschuldung erhöhen will. Eigentlich doch ganz einfach – und absehbar aussichtslos. Das fast schon gewalttätige Festhalten an einem versagenden System sollte langsam die Frage „Cui bono?“ aufwerfen.

Dr. Günther Hoppenberger

6.10.2013; profil, „Marias Märchenstunde“, Nikbakhsh,

Marias Märchenstunde

Der ausgezeichnete Artikel lässt leider die Gegenüberstellung von Staatsverschuldung und Gesamtverschuldung vermissen. Daraus könnte man nämlich besser erkennen, dass die Gesamtverschuldung weiter ansteigt und Schulden eben immer nur zwischen den Sektoren Staat-Unternehmen-Haushalte-und Ausland verschoben, aber insgesamt niemals getilgt werden können. Zur Märchentante muss Fekter – bei aller Bereitschaft, ihr Unrecht zu tun – auch deshalb zwangsläufig werden, weil sie von den Journalisten mit unbeantwortbaren Fragen bedrängt wird. Die unglaublich falschen und albernen Antworten sind daher als Politikersprech zu werten und von der Person „Maria“ unabhängig. Ein beharrlicheres Hinterfragen seitens der Medien, könnte allerdings den Politikern zu neuen Erkenntnissen verhelfen. Sich mit den „zukunftsweisenden“ Stehbegriffen Wachstum, Arbeitsplätze und Einsparungen abspeisen zu lassen, ohne zu fragen, wem nun die Einkommensmöglichkeit entzogen werden soll, oder was denn (außer den Schulden) wachsen soll, ist eben zu wenig, um Änderungen im politischen Denken zu stimulieren.

Dr. Günther Hoppenberger

29.9.2013; Gedanken zur Nationalratswahl 2013

Gedanken zur Wahlsportübung

Die Wahlschlacht ist geschlagen. Von den Anstrengungen der letzten Wochen immer noch gezeichnet, lassen sich die Politgladiatoren unter dem Gejohle ihrer jeweiligen Anhängerschar feiern. Deren überschäumender Freudentaumel, in dem sich die Erleichterung über den unblutig zu Ende gegangenen Kampf entlädt, lässt in so manchem Wähler Skepsis aufkeimen, ob er denn mit seiner Stimmabgabe tatsächlich richtig gelegen hat. Zu spät. Vertrag ist Vertrag. Die eigene Stimme ist schon im Gebrüll eines dieser Haufen aufgegangen und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man zugleich mit der Stimmabgabe irgendetwas verloren hat. Man wollte doch eigentlich Verantwortung übertragen, Politiker in die Pflicht nehmen, sie zu gemeinwohlorientierten Weichenstellungen auffordern. Alles andere als leichte Aufgaben. Wozu also der Freudentaumel? Worüber? Ich glaub‘, die haben mich über’s Ohr gehaut. Es wird mich das sicher wieder einiges kosten.

Naja, gekostet hat diese beabsichtigte Verantwortungsübertragung auf die Politiker und deren Feilbietungen ohnehin zig Millionen, aber diese Kosten sind doch bereits als einer dieser angekündigten Wachstumsimpulse zu verstehen. Außerdem wissen wir doch, dass Demokratie eben kostet. Die Summe der Kosten wurde ja auch eingenommen. Diesmal eben besonders von Werbeagenturen, Coaches und Trainern, Werbeartikelhändlern, Medien, Plakatierern, Kommentatoren, Meinungsforschern, bis hin zu Reifenhändlern und den Überstunden von Chauffeuren. Nicht zu vergessen die Löhne der Politiker selbst, die ja eigentlich für andere Zwecke als für sonnige Auftritte auf Zeltfesten und vergleichbaren Veranstaltungen gewidmet wären. Kurzfristig wurden sicherlich sogar auch neue Arbeitsplätze für Helfer im Geringfügigkeitsbereich geschaffen. Alles in allem also halbwegs gut investiertes Geld, das in der Wertschöpfungskette bis zum Wurstsemmelverkäufer gerieselt sein dürfte. Vielleicht sollte man so etwas quer durch Europa viel öfter abziehen. In der heißen Wahlkampfphase stockt außerdem der ganze Politbetrieb und kann daher den Bürgern keinen zusätzlichen Schaden zufügen.

Gewonnen haben übrigens wieder alle, außer vielleicht dem Wähler. Ein Politgladiator blieb zwar auf der Strecke und wurde vom Futtertrog verdrängt, doch sonst haben alle gewonnen, denn auch nicht zu viel verloren zu haben, kann als Gewinn gedeutet werden. Für den Wähler selbst, ändert sich naturgemäß nichts, außer dass die vor der Wahl aufgeschobenen, jedoch notwendigen Belastungen jetzt umso heftiger auf ihn niederkommen. Alternativlos.

Abschließend stellt sich freilich die Frage, ob dieses ganze Spektakel tatsächlich eine so große gesellschaftsrelevante Bedeutung hat, wie es uns vorgegaukelt wird.

Dr. Günther Hoppenberger

28.9.2013; Standard, H. Rauscher, „Die meinen das anscheinend wirklich ernst“

Tragik der euphorischen Verblendung

Hans Rauscher hat leider Recht, wenn er vermutet „Die meinen das anscheinend wirklich ernst“. „Die“, gemeint sind offenkundig unsere Politdarsteller, müssen wohl aus eigenem Überlebenstrieb an die unsinnigsten Lösungswege aus dem Schuldendilemma glauben. Alle haben Angst, zum Überbringer der nackten Fakten und als solche von der erzürnten Bevölkerung verjagt zu werden. Deshalb wird das Eingeständnis, dass Krisen nicht durch „Mehr vom Gleichen“ zu lösen sind und es eines Neustarts mit veränderten, ausgereiften Volkswirtschaften angepassten Bedingungen bedarf, durch Tricksereien, Kaschierungen und Wählertäuschung immer wieder aufgeschoben. Die Hoffnung, „Für mich wird’s schon noch reichen“, ist trügerisch und kann schon bald zu bösem Erwachen führen. Da kann dann einer unvorbereiteten, irregeführten Bevölkerung wirklich nur mehr der liebe Gott helfen.

Dr. Günther Hoppenberger

27.9.2013; Standard, Thomas Mayer „Schlimmer als die Eurokrise“

Schlimmer als die Eurokrise

Endlich wird wieder einmal auf die zentralen Fragen der europäischen Zukunftsgestaltung verwiesen, die im Wahlkampfgeplänkel über Nebenschauplätze unter den Tisch gekehrt wurden. Ist denn die so genannte Eurokrise nicht bereits beispielhafter Ausdruck versagender demokratischer Strukturen? Machtpolitisch durchgedrückte Gesetze, fern jedes gesellschaftlichen Willens, haben in Europa das momentane Dilemma erst ermöglicht! Die Bevölkerungen wurden von Mitsprachemöglichkeiten und Entscheidungsbildungen fern gehalten. Kaum ein Gesetz oder Verordnung wären von vernunftbegabten und gesellschaftlich orientierten Normalbürgern erlassen worden. Demokratie muss jedoch als gemeinsamer Prozess verstanden werden. Die Abstimmung ist nur der Schlusspunkt. Die über einschlägigen Stammtischen schwebende Sehnsucht nach „Autoritäten“, verbreitet sich auch deshalb so beängstigend, weil sich in der Bevölkerung Resignation über das, was uns als Demokratie präsentiert wird, breit macht. Nicht erkannt wird, dass wir bereits in autoritären Strukturen leben und dass das nur durch lautere Rufe nach einem anderen Verständnis von Demokratie überwunden werden kann.

Dr. Günther Hoppenberger

26.9.2013; Standard.at, Stefan Schulmeister, „Kernschmelze….“

„Angst schalten Hirn aus“

Die in vielen Kommentaren in der Verpackung von teils untergriffigen Anwürfen zum Ausdruck gebrachten Ängste hindern freilich daran, Schulmeisters klar nachvollziehbare Analyse in ihrer vollen Tragweite zu verstehen. Schon bald wird es wieder einmal heissen: „Das konnte niemand vorhersehen“.
Die Musik hat aber immer noch ganz abrupt geendet.

Schulden bekommt man in einem Schuldgeldsystem eben niemals durch Wachstum oder Arbeitsplatzschaffung weg, sondern nur durch Problemverschiebung durch Übertragung auf andere, oder durch Auflösung von Guthaben, auf die Zugriffsmöglichkeit besteht. Alles andere ist Träumerei. Nichts spricht allerdings gegen Marktwirtschaft – so wir denn eine hätten.

26.9.2013; OÖN, J. Achleitner,

Angst – wovor?

Josef Achleitners Ängste vor einer Rot-Rot-Grün Koalition in Deutschland seien ihm unbenommen. Interessant ist jedoch seine Begründung: Gysi&Co. wollen den deutschen Kurs der Euro-Rettung radikal ändern. Von welcher Rettung spricht er da, und meint er denn tatsächlich, dass der eingeschlagene Kurs, der eher dem Umsichschlagen eines Ertrinkenden gleichkommt, den Euro „retten“ wird? Gesetzt den Fall es gelänge das überraschenderweise wirklich, dann wäre zwar ein systemerhaltendes und hochgradig gesellschaftsspaltendes Ziel erreicht – doch was kommt danach? Um welche gesellschaftlichen Ziele, um welche zwischenmenschlichen Kooperationen geht es denn in der EU-Politik überhaupt noch?

Dr. Günther Hoppenberger

25.9.2013; OÖN, Privates Geldvermögen wuchs 2012 auf 111,2 Bill.

Schulden waren das Thema gestern. Heute sprechen wir über die anwachsenden Geldvermögen. Angeblich betragen diese weltweit 111,2 Billionen EURO. Das klingt doch äußerst erfreulich – solange man sich nicht damit auseinandersetzt, dass diesen Geldvermögen natürlich Schulden in gleicher Höhe gegenüberstehen. Aber das gehört wohl nicht zum heutigen Thema. Wie man die Schulden durch Sparprogramme, Wachstum, Arbeitsplätzen und ähnlichen Absurditäten wegbekommt, darüber reden wir erst wieder nach der Wahl.

Dr. Günther Hoppenberger

25.9.2013; OÖN, Lucian Mayringer, „Verdrängt“

„Vergessene“ zentrale Fragen

Herr Mayringer moniert zu Recht, dass im Wahlkampf zentrale Fragen geflissentlich ausgeklammert wurden. Könnte das aber nicht auch daran liegen, dass von den Medien gar keine „zentralen“ Fragen an die Politiker herangetragen werden? Qualitätsjournalismus sollte sich doch eigentlich als Brückenfunktion zwischen Bevölkerung und Politik auszeichnen und darf durchaus auf der Beantwortung von auch unangenehmen Fragen beharren und Stellungnahmen einfordern. Ein kleines Beispiel: In der gestrigen Ausgabe wurde über die Aussage des jetzigen Nationalbank-Gouverneurs im BAWAG Prozess berichtet, dass im Bankvorstand die Ausweitung von Derivatgeschäften mit Gemeinden zur Ertragssteigerung der Bank besprochen wurde. Wären da nicht tatsächlich viele bohrende Fragen und auch entsprechende Kommentare angebracht? Sind  nicht das die wahrhaft zentralen Fragen, die sich einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in den Weg stellen, so lange derart verantwortungslose Lebenshaltungen – weil gesetzlich möglich – unhinterfragt bleiben?

Glauben Politiker wirklich, dass sie mit den Schlagwörtern „Wachstum“ und „Arbeitsplätze“ beeindrucken können und dass die Bevölkerung so naiv ist, immer noch zu glauben, das könne ohne weiter anwachsender Gesamtverschuldung die Probleme lösen? Glauben die Politiker wirklich, man kann sich zu einer Solidargemeinschaft verpflichten, und zugleich durch Exportsteigerungen die Schulden auf andere übertragen? Glauben Politiker wirklich, dass sich das globale Schuldendilemma durch Mehr vom Gleichen lösen lässt? Und glauben das die namhaften JournalistInnen auch – weil sie sich doch mit nichtssagenden Antworten abspeisen lassen? Hypo-Pleite, ja selbst Bildungs- und Pensionssystem sind nicht die zentralen Fragen. Die zentrale Frage wäre jene nach einem neuen Gesellschaftsentwurf speziell für gereifte Volkswirtschaften, mit der nachgelagerten Frage nach der dafür dann tauglichen, neuen Konstruktion eines Geldsystems, das eine gesellschaftliche Entfaltung auf breitem Wohlstandsniveau überhaupt zulässt.

Von all dem ist nichts zu merken. Die Macht steht über der Verantwortung und wird sogar noch brav beklatscht. Diskussionen werden als Unterhaltung im Stil von Gladiatorenkämpfen organisiert, wo es um das Gewinnen und nicht um Erkenntnis geht. Die ideologisch sortierten Claqueure merken dabei gar nicht, dass es gar nicht um sie geht, sondern um den Kampf der „Giganten“, die sich als Elite wähnen. Die Wahl sollte als Schlusspunkt eines demokratischen Prozesses gesehen werden können – und dieser vorgelagerte Prozess sollte durch die Medien endlich vehement eingefordert werden.

Dr. Günther Hoppenberger

3.9.2013; Bearbeitung einer Rückmeldung zum BGE

From: „Mario Sedlak“ <mario@sedl.at>

> Sehr geehrter Herr Dr. Hoppenberger,
>
> Ihr Kollege Richard Plazzotta hat bei einer KLD-Aussendung kommentarlos
> Ihre gesammelten Argumente für das BGE angehängt. Ich habe diese gelesen
> und als philosophisch-emotional empfunden. Überzeugend wäre ein komplett
> durchgerechnetes Szenario inkl. Staatsbudget. Sie als Experte des
> Geldwesens müssten die Milliardenbeträge, die für das BGE nötig wären,
> richtig einschätzen können.
>
> Obwohl Attac & Co schon seit 7 Jahren an dem Thema arbeiten, habe ich zu
> meinem Erstaunen nirgends eine seriöse Rechnung gefunden. Bemerkenswert
> ist auch, dass die Befreiung vom Arbeitszwang als ein großer Vorteil des
> BGEs gelobt wird und zugleich bestritten wird, dass Leute nach
> Einführung des BGEs ihre Arbeit aufgeben werden. Das lese ich auch bei
> Ihnen. Wie passt das zu einem logischen Denker?
>
> Mit freundlichen Grüßen
> Mario Sedlak

> http://sedl.at/Grundeinkommen

Sehr geehrter Herr Sedlak,
zunächst vielen Dank für die Aufmerksamkeit, die Sie den von mir
aufgegriffenen „FRAs“ gegen das bedingungslose Grundeinkommen (BGE)
entgegengebracht haben. Betonen möchte ich, dass es bei der von mir
unterstützten europäischen Bürgerinitiative nicht darum geht, ob ein BGE
eingeführt werden soll, oder nicht, sondern es geht dabei um die Evaluierung
verschiedener Modelle auf Europaebene! Für die europäischen Bürger geht es
hier also zunächst um das Ausloten der Werthaltigkeit eines mühsam
zugestandenen demokratiepolitischen Instrumentariums. Das gilt es vor allem
zu unterstützen!

Dass sich der Inhalt dieser europäischen Bürgerinitiative auf das BGE
bezieht, ist dahingegen fast sekundär, beruht jedoch offensichtlich auf der
Erkenntnis, dass in der gesellschaftlichen Entwicklung etwas schief läuft
und das bestehende System sichtlich nicht in der Lage ist, den einstmals
erreichten, relativ verbreiteten Wohlstand und die gesellschaftliche
Ausgewogenheit (etwa bis in die 70er Jahre) langfristig zu bewahren, bzw.
weiter zu entwickeln.

Ich bin mir freilich dessen bewusst, dass jedes BGE Modell, das man auf der
Grundlage der jetzigen Konstruktion unseres Geldsystems einführen möchte, an
der Finanzierbarkeit gemessen würde und daher scheitern müsste. Aus einer
breit geführten Diskussion darüber würde ich jedoch die dann ebenso breite
Erkenntnis erhoffen, dass wir eigentlich zuallererst ein neues
Gesellschaftsmodell benötigen, das vielleicht stärker auf Kooperation statt
auf Wettbewerb, Konfrontation und Vernichtung setzt. Diesem Schritt
nachgelagert erhebt sich erst die Frage, wie man das Informationsmedium
(Geld) im zwischenmenschlichen und zwischenstaatlichen Austausch
konstruieren müsste, um es diesem neuen Gesellschaftsmodell dann optimal und
langfristig unterstützend zur Seite zu stellen.

Wie sooft geht es doch vorwiegend um die Machtfrage und nicht unbedingt um
Vernunft, oder gesellschaftliche Visionen. Es geht um die Schaffung, bzw.
Aufrechterhaltung von Abhängigkeiten und deshalb ist es doch auch so
schwierig, ideologiefern und emotionslos auf der Sachebene zu diskutieren,
weil es doch auch sehr viel mit Ängsten zu tun hat.

Vielleicht werden Sie mir aber zustimmen können, dass wir gerade dabei sind,
eine wünschenswerte, globale gesellschaftliche Entwicklung durch das eherne
Festhalten am bestehenden Konstrukt des Geldsystems an die Wand zu fahren.
Die krampfhaften Korrekturen (>Mehr vom Gleichen<) am „Verdorbenen“ haben
ersichtlich nur aufschiebende Wirkung, mit der man sich aus der
Verantwortung zu stehlen trachtet – verständlich zwar im herkömmlichen
Denken, aber völlig visionslos und insgesamt destruktiv.

So gesehen habe ich also vollstes Verständnis für Ihre Bedenken gegenüber
einem BGE und kann Sie daher nur ersuchen, über das bestehende System hinaus
zu denken. Dieses mag besser sein, als alles, was es bisher gab (obwohl es
offenkundig seit den 80er Jahren erkennbar zu versagen begann), das heißt
jedoch nicht, dass es für die menschliche Entwicklung nicht noch ein
besseres System geben könnte. Daran sollten wir gemeinsam arbeiten. Auch ein
BGE wird von mir nicht unbedingt als Patentlösung betrachtet, es scheint mir
jedoch wert, es als Möglichkeit in Betracht zu ziehen und vorurteilslos zu
diskutieren.

Es liegt nicht an den Menschen und an der Gesellschaft, die sind wie sie
sind und arrangieren sich – leider sogar bis hin zu Gewalttätigkeiten –
innerhalb des Systems. Es liegt an der obersten Machtinstanz (das ist heute
die Konstruktion des Geldsystems), das eine – möglicherweise – gedeihliche
Gesellschaftsentwicklung blockiert. So zumindest meine Einschätzung.

Was die sich möglicherweise ausbreitende Arbeitsunwilligkeit bei einem BGE
betrifft, so meine ich meine Sichtweise in den Punkten 2 bis 7 dargelegt zu
haben.

Abschließend möchte ich noch auf einen Sachverhalt hinweisen, der selten in
die Betrachtungen zu Finanzierbarkeiten einfließt: Kosten sind immer gleich
Einnahmen! Und weiters: So genannte Sparguthaben sind im heutigen System
„nicht getilgte Kredite“. Da nützen halt volkswirtschaftliches Sparen,
künstliche Schaffung von geld-gewinnorientierten Arbeitsplätzen und absurde
Träume von systemisch mithaltendem Wachstum wenig.

In diesem Sinne verbleibe ich
mit lieben Grüßen
Günther Hoppenberger

27.8.2013; standard.at

Die Wünsche stehen fest, das „Wie“ blieb unbeantwortet Die wenig originellen, dafür gleichlautenden Vorhaben – Wachstum und Arbeitsplätze – zeigten einmal mehr, dass es um die Aufrechterhaltung des offenkundig gescheiterten Systems geht, nicht um die Menschen. Recht deutlich wurde diese dümmliche Verirrung in der Pensionsdebatte: Mehr Kinder=mehr Arbeitsplätze=mehr Einzahlungen ins Pensionssystem. Die Pensionssicherheit ist aber keine Frage des Geldes, sondern eine der Produktivität! Die Zuschüsse zu spekulativen Privatversicherungen ließen sich einsparen (wenn es nicht um die Arbeitsplätze und Einkommen in der Versicherungsbranche ginge), denn die einzig sichere Pension ist und bleibt die Umlage finanzierte des Staates. Pensionen sind wesentliche Einnahmenquellen der Aktiven!

Zwei Gefährten suchten das Gerangel

Kriege töten Menschen, zerstören Gesellschaften und mühsam aufgebaute Errungenschaften und Werte …….das sind also die „Kosten“ solch grandioser Vernichtungsleistung. Das dafür in Umlauf gesetzte Geld entspricht jedoch – wie bei allen Ausgaben – den Einnahmen! Das ist ja der Wahnsinn, dass das BIP, nach dem sich das „Wachstum“ bemisst, eine Geldgröße und kein Wertmaßstab ist. Die Kosten eines Krieges werden wie jene von Naturkatastrophen als Einnahmen lukriert. …..endlich Arbeitsplätze, endlich Wachstum! Langsam sollte es den Menschen dämmern, dass wir ein neues Gesellschaftsmodell benötigen, dem auch ein neues Konstrukt des Geldsystems (Informationsmediums) beizustellen ist, damit wir in einer hochgradig arbeitsteiligen, gesättigten Wirtschaft unseren einmal erreichten Wohlstand auch längerfristig bewahren können.

USA nähern sich Schuldenobergrenze

26.8.2013; Standard.at, (Rom gibt neue Schatzscheine aus)

Die Rüstungsindustrie ist längst aus dem Schneider und erlebt neuen Aufschwung Die Forderungen der Rüstungsindustrie, wie auch der meisten anderen großindustriellen Exportfirmen wurden längst schon von den Banken (und staatlichen Exportförderungen) abgelöst. Das Risiko liegt also in den Exportkrediten und bei den (wieder meist staatlich garantierten) Versicherungen für Exportkredite. Der Rüstungskomplex erfreut sich daher bereits an der aus den Krisensituationen wachsenden Nachfrage nach Waffen zur Bekämpfung der inneren Unruhen – in allen Ländern. „Alles für die Arbeitsplätze“ zu tun, heißt daher auch, weiterhin Exporte von Waffen zu fördern. Exporte von Ideen für globales Gemeinwohl bringen keine rasche systemnotwendige Rendite! Was ist bloß das Ziel dieses absurden Wettkampfes?

Wirtschaft

Feuerprobe für Euro-Krisenländer

Schatzscheine? Langsam sollte man sich für diese irreführende Bezeichnung „Schatzscheine“ eine andere Benennung einfallen lassen.

Wirtschaft

Feuerprobe für Euro-Krisenländer

24.8.2013; Standard, Thomas Wieser, „Unwiderruflich auf den Kopf gestellt“

Was ist das Ziel des globalen Wettlaufs?

Auch Thomas Wiesers gleichermaßen logische, wie auch simple Empfehlungen für nötige Weichenstellungen, damit Europa der Krisenspirale im globalen Umfeld entkommen könnte, blendet leider die offensichtlich unantastbaren Systemnotwendigkeiten aus, die auch weiterhin die Welt in Rivalitäten zwingen. Voll zu unterschreiben ist hingegen Thomas Wiesers letzter Satz: „Verteilungsgerechtigkeit muss bei der primären Einkommensverteilung beginnen, alles andere ist Reparaturarbeit“. Allerdings geht Wieser auf diesbezügliche Konzepte ebenso wenig ein, wie er auch der grundsätzlichen Frage ausweicht, was denn das eigentlich Ziel des globalen Wettlaufs wäre, an dem teilzunehmen den Normalbürgern naturgesetzlich unterstellt wird.

Dr. Günther Hoppenberger

20.8.2013; standard.at (BGE)

Nicht Jobs fehlen, sondern das Geld. Zu tun gibt es genug. Es ist der große Irrglaube vieler Menschen dass das verfügbare Geld durch ihre Arbeit entsteht. Durch ihre Arbeit wird ihnen nur bereits vorhandenes – und durch Kredit entstandenes – Geld in unterschiedlichem, oft nicht nachvollziehbarem Ausmaß als verfügbares Einkommen zugeteilt. Durch Arbeit entstehen Werte, aber kein Geld! Das BGE schafft sehr wohl Perspektiven, doch es erzwingt keine unsinnigen Jobs, die nur zur Aufrechterhaltung des bestehenden Systems dienen sollen und oftmals mehr Werte vernichten, als neue zu schaffen.

Meinung

Mindestsicherung: Der Durchblick fehlt

20.8.2013; standard.at (Existenzsicherung)

Man kann nur fernsehen und Bier trinken, wenn jemand ein Programm gestaltet, bzw. Bier braut… Muss Erwerbsarbeit wirklich „Leiden“ bedeuten? Warum soll nicht jemand gerne und aus Überzeugung etwas sinnvolles zu tun, in einer Dosenfabrik arbeiten wollen? Außerdem entfällt ja ohnehin nicht die Notwendigkeit zur Erwerbsarbeit, wenn man sich über die Existenzsicherung hinaus etwas schaffen möchte. Der Unterschied liegt in der Machtfrage. Ich kann, aber ich muss nicht alles machen, bloß um überleben zu können! Es würden daraus jedenfalls völlig neue zwischenmenschliche Umgangsformen entstehen. Und es wäre ein Qualitätssprung bei Waren und Dienstleistungen zu erwarten. Es ist also keine Frage der Machbarkeit, sondern eine Frage des weitsichtigen, politischen Willens und der Bereitschaft, auf Machtübung zu verzichten.

Meinung

Mindestsicherung: Der Durchblick fehlt

Geld entsteht nicht durch Arbeit!!!!! Die europäische Bürgerinitiative zur Evaluierung verschiedener Modelle für ein BGE soll ja die Diskussion darüber auf EU-Ebene erst in Gang bringen. Die reflexartigen Bedenken bezüglich Finanzierbarkeit beruhen ja auf dem bestehenden und soeben deutlich versagenden Konstrukt unseres derzeitigen Geldsystems. Da das jedoch keineswegs etwas naturgesetzliches ist, sondern im Gegenteil zur Unterdrückung der Massen geschaffen wurde, muss man freilich über die dogmatischen Beschränkungen hinaussehen und eine zeitgemäße, gesellschaftsdienliche Konstruktion des Informationsmittels namens „Geld“ ins Auge fassen. Durch Arbeit entstehen Werte, aber kein Geld!

Meinung

Mindestsicherung: Der Durchblick fehlt

20.8.2013; Standard, Oswald, Grundsicherung

Schade um „Mozart“, der komponieren muss und für den das eine furchtbare Qual darstellt…. Mehr Hintergrundinformation unter: www.pro-grundeinkommen.at Der Denkfehler „Mozarts“ liegt wohl darin, dass er meint, Geld entstünde durch Arbeit. Dem ist aber nicht so. Geld entsteht durch Kredit und muss vorgängig vor Arbeitsaufnahme da sein! Durch Arbeit entstehen Werte! Wenn nun bei einem bedingungslosen Grundeinkommen niemand mehr arbeiten würde, wie das „Mozart“ unterstellt, der selbst leider keiner befriedigenden, sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen dürfte, dann könnten die Früchte der Arbeit auch nicht genossen werden. Diskussionen über „die soziale Hängematte“ würden sich damit erübrigen. Interessant wäre in diesem Zusammenhang auch die Frage: wie lange hält ein Mensch Nichtstun aus? Wie würde das sein Mensch-Sein verändern?

Meinung

Mindestsicherung: Der Durchblick fehlt

18.8.2013; Lingens, „Europas Problem sind die Banken“

Banken sind tüchtig. Unfähig ist die Politik.

Sind wirklich „die Banken“ Europas Problem? Es sind das doch auch nur gewinnorientierte Unternehmen, selbst wenn sie es über all die Jahre verstanden haben, sich ein Imagemäntelchen aus Gemeinnützigkeit mit amtlichem Charakter umzuhängen (ähnlich, wie das die großen Versorgungskonzerne ja auch tun). Liegt das globale Problem nicht viel eher am zugrundeliegenden und dogmatisch erstarrten System, das es den Banken völlig legal gestattet, ihr einziges Produkt – Geld – mittlerweile als ultimatives Machtmittel einzusetzen? Die Pervertierung des Geldes vom gesellschaftlich dienenden Informationsmittel zum alles beherrschenden Machtmittel war doch logische und vorhersehbare Folge des politischen Versäumnisses einer Systemumstellung in den späten 80er Jahren. Die Konstruktion unseres Geldsystems ist zwar hervorragend für den Aufbau von Wohlstand geeignet, vermag jedoch nicht, diesen einmal erreichten Wohlstand auch zu bewahren. Die Blasen entstehen daher zwangsläufig aus dem Bestreben weiterer Gewinnsteigerungen in gesättigten Wirtschaftsräumen. Das Problem liegt also in den akkumulierten Geldvermögen, die mit den Zinserwartungen die Banken zu den irrwitzigsten Handlungen verführen. Weitere „Regulierungen“ würden daran wenig ändern.

Dr. Günther Hoppenberger

18.8.2013; an Jörg Karkosch

Lieber Jörg Karkosch,

ich bin da ganz bei Ihnen, obwohl auch „Die Linke“ nicht an der grundlegenden Konstruktion des Geldsystems zu rütteln wagt (Wie mir Lafontaine schon vor etlichen Jahren auf meine drängenden Anregungen schrieb, hielte er sich lieber an politisch vermeintlich Machbares). Damit stellt auch „Die Linke“ nicht die Aufklärung über den Systemfehler in den Vordergrund und belässt die Wähler weiterhin in dem Glauben, dass Geld durch Arbeit entsteht. Daraus resultiert die an sich durchaus berechtigte Umverteilungsbestrebung, die sich jedoch auf Geldvermögen und gerechtere Einkommensbesteuerung beschränken sollte, nicht jedoch durch Substanzbesteuerung zusätzliche Eigentumskonflikte in die ohnedies bedrohlich labile Gesellschaftsstruktur tragen sollte. Zweifellos gehören aber die Geldvermögen weg, wenn man den Schuldenabbau anstrebt.

Anbei ein Schaubild meines verstorbenen Freundes, Gerhard Margreiter, der als Systemanalytiker beim IIASA (Int. Institut für angewandte Systemanalyse) in Laxenburg bei Wien arbeitete (Er war es auch, der über Jahre hinweg mit Helmut Creutz heftige Sträuße bezüglich Geldschöpfung ausgefochten hat. Helmut begann immer mit „Jemand bringt 100 DM zur Bank…….“ und Gerhard stellte die Frage „Woher stammen die 100 DM?“. Mittlerweile dürfte sich in der Szene der Systemkritiker die Meinung – zuletzt akribisch von Bernd Senf dargelegt – durchgesetzt haben, dass Geld ausschließlich durch Kredit entsteht, bei Kredittilgung demgemäß wieder vernichtet wird, und dass Banken die [nicht unbeschränkte] Buchgeldschöpfung möglich ist, was zu unterbinden wäre). Die Monetative und Vollgeld, wie das Joseph Huber vorschlägt, wäre da ein ganz wichtiger erster Schritt. Es stimmt mich skeptisch, dass das „Die Linke“ nicht aufgreift (Sollte es doch wieder nur um Klassenkampf gehen?). Ebenso ist ja auch die unter der Bezeichnung „fließendes Geld“ der Wissensmanufaktur (www.wissensmanufaktur.net) Konzeption unterstützenswert, wird jedoch in der „öffentlichen Meinung“, wie so viele andere Initiativen, tot geschwiegen.

Derzeit läuft eine europäische Bürgerinitiative zur Evaluierung unterschiedlicher Modelle für ein bedingungsloses Grundeinkommen (www.pro-grundeinkommen.at). Egal, ob man für oder gegen ein Grundeinkommen ist, würde es bei entsprechender Unterstützung die Möglichkeit bieten, auf EU-Ebene über die grundlegenden Fragen unseres Geldsystems zu diskutieren. Dadurch, dass ja immer noch die weit verbreitete Ansicht besteht, dass Geld durch Arbeit entsteht, befürchte ich allerdings mangelnde Unterstützung, obwohl sich die Initiative ja gar nicht auf die Einführung eines BGE, sondern nur auf die Evaluierung der Modelle bezieht (Anbei meine Entgegnungen auf die häufigsten Gegenargumente).

(Ein analoges Bild, das mich seit einiger Zeit umtreibt und das ich auszuarbeiten versuche, ist das System des guten, alten Flipper-Apparats).

In der Annahme, dass Sie all die Ausführungen von Tobias Plettenbacher, Bernd Hückstädt (Joytopia), Erhard Glötzl und allen anderen kennen, verbleibe ich

mit lieben Grüßen

Günther Hoppenberger

P.S.: Bei dieser Gelegenheit, vielen Dank für Ihre regelmäßigen Informationen, die ich stets mit großem Interesse verfolge.

17.8.2013; standard.at (Sustala)

Es geht eben nicht um Links oder Rechts, oder gar um die Menschen, sondern…. …um den Wettkampf der Eitelkeiten zwischen großen und kleineren Investmentbanken. Die Munition ist Geld und das Kanonenfutter sind Mensch und Natur. Ist es tatsächlich wichtig, so ein System krampfhaft aufrecht zu erhalten?

Wirtschaft

100 Jahre Fed: Vom Notfall- zum Dauereinsatz

17.8.2013; standard.at (Daniel Gros – Erfolge des Sparens)

Eine sehr eingeschränkte (beschränkte) Sichtweise Natürlich kann der Staat seine Schulden abbauen – indem er sie auf Unternehmen und Haushalte überträgt. Die Gesamtverschuldung steigt dennoch weiter – und ist in einer ausgereiften Wirtschaft niemals durch absurdes, krampfhaft erzwungenes Wachstum zu kompensieren. Mit gewisser Böswilligkeit könnte man bei Daniel Gros zwischen den Zeilen seinen goldenen Sanierungsvorschlag herauslesen: Der Staat braucht nur bei den Gesundheitsausgaben (betrifft ja hauptsächlich das oberste Einkommenssegment) sparen und schon löst sich auch das Rentenproblem in Wohlgefallen auf. Auch so kann man einen Staatshaushalt sanieren — aber für wen?

Meinung

Langfristig gibt es keine Alternative zur Sparpolitik

16.8.2013; standard.at

Ob Staats- oder Privatkapitalismus ist für die Masse der Bevölkerung ziemlich unerheblich….. ….dieser Wettbewerb läuft auf dem Rücken der „kleinen Leute“ nur in den oberen Etagen der Interessensgruppen ab und dient der Erfüllung von Einzelinteressen ohne gesellschaftspolitische Orientierung. So lange alle Parteien (quer durch Europa, bzw. weltweit) kritiklos an der Konstruktion unseres Geldsystems festhalten, obwohl diese, wenngleich bestens zur Schaffung von Wohlstand nach Kriegen, etc. geeignet, für die Bewahrung eines erreichten Wohlstands untauglich ist, werden die Menschen zur Aufrechterhaltung des Systems missbraucht und es ist tatsächlich egal, wer regiert. Die Linke thematisiert das wenigstens, obgleich sie sich auch nicht an den Kern heranwagt. Die dogmatisch verfestigten Hürden sind schwer aus den Hirnen zu bringen

14./15.8.2013; standard.at

Geld entsteht durch Kredit und nicht durch Arbeit! Durch Arbeit erhält Geld nur seinen Wert! Eine „Umverteilung“ sollte sich daher nur auf Geldvermögen und Einkommensrelationen beziehen. Eine Umverteilung von Werten (Vermögenswerten, wie Villen, Porsche,….) wäre jedoch eine ungerechtfertigte Enteignung. Mit der Schaffung dieser Werte wurde doch sehr viel Geld umverteilt und aufgeteilt, das sich nun nicht mehr in Händen des Eigentümers befindet. Wie hätte man sich die „Umverteilung“ z.B. eines Vermögenswertes „Villa“ vorzustellen? Man muss an der Konstruktion des Geldsystems rühren. Wir brauchen „fließendes Geld“ (www.wissensmanufaktur.com) die „Monetative“ und vielleicht ein bedingungsloses Grundeinkommen (www.pro-grundeinkommen.at), auf jeden Fall aber eine andere Sichtweise über Geld

Wirtschaft

Eurozone arbeitet sich aus der Rezession

Was geht denn so schleppend voran? „Hätten wir keinen Fachkräftemangel würde es nicht so schleppend vorangehen ..;-)“ Betrifft denn das nicht alle Staaten? Und ergibt sich der Eindruck „schleppend“ nicht nur aus der schwindenden Möglichkeit, die systemischen Anforderungen eines für den Erhalt von erreichtem Wohlstand untauglichen Geldsystems erfüllen zu können?

Wirtschaft

Eurozone arbeitet sich aus der Rezession

Wirtschaftswachstum ohne Schuldenwachstum gibt es nur theoretisch, bzw. als Behauptung….. Wirtschaftswachstum bezieht sich auf eine Geldgröße und nicht auf die dahinterstehende Werteschaffung, weshalb es ja im systemisch erzwungenen Wachstumsstreben auch vielfach zur Wertevernichtung zugunsten des „Wachstums“ kommt. Auch die großmundig von allen Parteien angekündigte Arbeitsplatzschaffung (welch‘ anachronistische Absurdität) erfordert natürlich weiter steigende (Gesamt-)Verschuldung.

Wirtschaft

Eurozone arbeitet sich aus der Rezession

Wirtschaftszyklus ist eine Schimäre Es gibt keine Naturgesetzlichkeit für Wirtschaftszyklen. Man kann nur aus der Vergangenheit so etwas wie Wirtschaftszyklen ableiten. Welcher vernünftige Mensch hört jedoch beim Zählen eines Banknotenbündels z.B. nach dem sechsten Schein auf und sagt: „Hat’s bis jetzt gestimmt, stimmt’s weiter auch“?

Wirtschaft

Staat investiert, die Firmen lassen aus

Wirtschaftswachstum ohne Schuldenwachstum gibt es nur theoretisch, bzw. als Behauptung….. Natürlich entstehen die Schulden immer zu Beginn jeder Investition, aber nicht zu Lasten der Folgegen., denn die Investitionen werden ja gerade für die Folgegeneration getätigt (Systeme und Strukturen für ein leichteres, schöneres und glücklicheres Leben – zumindest sollte es wohl so gedacht sein). Dumm ist freilich nur, dass man die Folgegenerationen nicht fragt, ob sie das überhaupt wollen und ob sie an dem System des Wachstumswahns, der ohnehin seine Grenzen findet, festhalten wollen. Wichtig ist doch, welche Werte mit dem Wachst. geschaffen werden. Die Geldseite, die Schulden also, sind sekundär und ohnehin niemals tilgbar. Bei wem, aber, sollten sich heute alle verschulden können? Geld muss fließen und nach Werteschaffung weg.

Wirtschaft

Staat investiert, die Firmen lassen aus

Und die Schulden? Auf wen werden wir die mit dem BIP Wachstum einhergehenden Schulden übertragen und wie werden diese Länder dann damit umgehen? Wachstum erfolgt ja stets auf Kosten anderer. Wachsen können nicht alle. Das Ringel“spiel“ geht also weiter und täuscht fallweise Erfolge vor, ähnlich dem Theatergast, der zur besseren Sicht aufsteht, dessen augenblicklicher Erfolg jedoch zunichte gemacht wird, wenn das alle tun.

Wirtschaft

BIP: Stärkstes Plus seit einem Jahr

9.8.2013; OÖN, J. Lehner, „Rankings sind ein Alarmruf für Österreich“

Rankings?

„Wir müssen (….) internationale Spitze sein, denn wie sonst wollen wir im Wettbewerb bestehen und unseren Wohlstand verteidigen?“ hat unwiderlegbare Gültigkeit – jedoch für alle Länder! Die oktroyierte Orientierung nach Rankings züchtet damit eine gesellschaftspolitisch fragwürdige, von den einfachen Bürgern längst abgelehnte Konkurrenzhaltung, die einzig und allein dem Glanz und der Gloria der immer noch im Wettstreit liegenden Machteliten dienen soll.

Dr. Günther Hoppenberger

From: Lehner Josef

Sent: Friday, August 09, 2013 2:56 PM

To: ‚Günther Hoppenberger‘

Subject: AW: „Rankings…“, J.Lehner, 9.8.2013

Sehr geehrter Herr Dr. Hoppenberger,

da haben Sie zum Teil Recht. Nur was nutzt das einer Volkswirtschaft und ihren Bürgern, wenn die Machteliten unbefriedigt und sie selbst arm sind. Wir müssen bei allem Bestreben auch aufpassen, dass die Wettbewerbsfähigkeit nicht um den Preis gesteigert wird, dass wir dann ein Heer an Mindestlohnempfängern haben. Mit Mindestlöhnen gegen die Niedriglohnländer, diese Strategie hat auch für Deutschland mit einem Niedriglohnsektor von mehr als 20 Prozent des Arbeitsmarktes fatale Züge. Leider gibt es auch bei uns Ansätze.

Mit freundlichen Grüßen

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Josef Lehner

Ressortleiter-Stellvertreter

Wirtschaft

OÖNachrichten

Promenade 23

4010 LINZ

www.nachrichten.at

Sehr geehrter Herr Lehner,

ich bin da ganz bei Ihnen. Schafft jedoch eine Kultur des verordneten „Gewinnenmüssens“, wie wir das ja z.B. auch vom Fußball kennen, nicht gerade die Aggressivität und Konfliktträchtigkeit, die im Gegensatz zur vordergründig gepredigten Eintracht und Kooperation der Völker steht? Was hat denn dann als gesellschaftliche Ausrichtung Gültigkeit? Friedliches Nebeneinander, oder Rivalität im Wettbewerb bis hin zu Krieg?

Leider ist ja die nahezu global durchgesetzte Konstruktion unseres Geldsystems nicht dazu geeignet, ein erreichtes Wohlstandsniveau dauerhaft zu erhalten, ohne Konflikte nach außen zu tragen, oder umgekehrt mit Konflikten konfrontiert zu werden. Es ist ein Reihum“spiel“, das auf Wettbewerb statt Kooperation beruht und einer aufgeklärten Gesellschaft eigentlich unwürdig ist. Könnte es nicht sein, dass diese zunehmende Abweichung vom Ziel menschlicher Sehnsüchte nach einer friedlichen Welt, im Konstrukt des Geldsystems, in dem für Geld die höchste und über allem stehende Machtfunktion vorgesehen wurde, liegt? (Um Missverständnissen vorzubeugen: Geld ist für mich eine der großartigsten Erfindungen der Menschheit, wenn es der Gesellschaft dient und nicht abwegiges Verhalten erpresst!).

Mit lieben Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

Sehr geehrter Herr Doktor,

ich befürchte, dass trotz aller Aufklärung und Bildung in den menschlichen Genen das Überleben des Stärksten programmiert ist, frei nach Darwin. Aber wir dürfen hoffen.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Lehner

Ressortleiter-Stellvertreter

Wirtschaft

OÖNachrichten

Promenade 23

4010 LINZ

www.nachrichten.at

9.8.2013; Standard, H. Rauscher, „Zinsschwund“

Zinsen – woher?

Der liebe Gott erhalte Hans Rauscher seinen Glauben, dass der EURO durch die EZB gerettet wurde, vor allem aber, dass diese vermeintliche Rettung ohne Kaufkraftschwund der Ersparnisse vonstatten gehen könnte. Viel wichtiger als die EURO-Rettung um jeden Preis wäre jedoch die Rückkehr zu den geistigen Wurzeln des europäischen Gesellschaftsprojekts, für das sich der EURO als vorhersehbar kontraproduktiv erwiesen hat.

Dr. Günther Hoppenberger

7.8.2013; Standard, H. Rauscher, Eigenheim und „Verteilungsgerechtigkeit“

„Verteilungsgerechtigkeit“

Die Naivität, die den absurden Umverteilungsphantasien zugrunde liegen, beruhen ja auf der unterschiedslosen Aufsummierung von Wert- und Geldvermögen. Wichtig wäre doch die Erkenntnis, dass „Wertvermögen“ nur insofern überhaupt als Vermögen anzusehen ist, wenn es dafür Nachfrage (Interesse+Geld) gibt, dann hat den „Wert“ eben ein anderer, bzw. in welchem Umfang das Wertvermögen belehnbar ist und als Sicherheit für einen Kredit dienen kann. Letzteres bedarf wiederum gegebene oder zukünftige, daraus resultierende Einkommensverhältnisse, die eine Tilgung ermöglichen. Es sollte also immer nur um das Geldvermögen und um die Einkommensrelationen gehen. Dass sich da bei den Geldvermögens- und Einkommensteuern etwas tun muss, sollte aber langsam offenkundig sein.

Dr. Günther Hoppenberger

3.8.2013; Standard, Hans Rauscher, „Neoliberal“

Neoliberal!?

Aber, aber, Herr Rauscher! Was für ein unwürdiger sommerlicher Rundumschlag! Den Neoliberalismus gibt es doch gar nicht, weil das, was gemeinhin darunter verstanden wird, mit Liberalismus eben nichts zu tun hat. Wenn man als Kern des Liberalismus jedoch die staatliche Rahmensetzung für die Wirtschaft versteht, kann man in Abgrenzung dazu als Neoliberalismus alle staatlichen Entscheidungsfolgen ansehen, die aus der unbedachten Aufgabe staatlicher Möglichkeiten zur Rahmensetzung für die Finanzwirtschaft resultieren. Ein grundlegender Denkfehler scheint mir ja darin zu liegen, dass Wirtschaft – also das gesellschaftspolitische Beziehungsverhalten der Bevölkerungen – mit dem Finanzsystem, in dem es um die Entstehung und Anwendung eines Informationsmittels in den menschlichen Beziehungen geht, verquickt wird. Insofern ist eben als neoliberal jene Politik zu verstehen, die die Machtfunktion dieses Informationsmittels über die gesellschaftliche Beziehungsfunktion stellt.

Versprechen von Wachstum und Schaffung von Arbeitsplätzen sind dann logische, wenngleich kurzsichtige, Ausflüsse dieser selbstverschuldet entmachteten Politik. Bedenkt man, dass es weder an Arbeit, noch an Ressourcen und Fähigkeiten mangelt, sollte sich immerhin die Frage aufdrängen, ob die gesellschaftlichen Schieflagen und Verwerfungen nicht vielleicht auf die Konstruktion des Informationsmediums zurückzuführen sind. Hieran ließe sich ja mit gutem Willen und zumindest teilweisem Verzicht auf Machtübung etwas ändern. Ob Kollaps oder Möglichkeit einer gesellschaftlichen Blüte wird daher eine Frage der Einsicht und des politischen Willens sein – wie besonders auch des politischen Mutes (den man von anderen ja leider nicht fordern kann). Wie lange kann sich aber ein Staat die Unterwerfung unter das Diktat des bestehenden Konstrukts unseres Geldes leisten, ohne in Selbstauflösung unterzugehen?

Mit besten Grüßen, Ihr

Dr. Günther Hoppenberger

30.7.2013; Standard; Immer noch Pensionsmillionen für Expolitiker,

Privilegien und Logik

Über so manch anachronistische Pensionsprivilegien der Politiker soll und kann gar nicht genug diskutiert werden, doch die Notwendigkeit von Steuerzuschüssen zu Politikerpensionen zu kritisieren, geht wohl am Kern der Sache vorbei. Es sollte doch klar sein, dass sämtliche Politikereinkommen, Aktivbezüge, wie freilich auch die Pensionen, ohnehin vom Steuerzahler und somit letztlich von den Konsumenten geleistet werden. Nicht das Wie und Ob ist also entscheidend, sondern immer nur die Relation!

Dr. Günther Hoppenberger

29.7.2013; Standard; „Kandidieren, wählen und berufen“

Wo bleibt der Aufschrei?

Gerne beteiligen wir uns zwar an der Kritik der Demokratiedefizite in anderen Ländern und akzeptieren doch zugleich eine wesentliche, offenkundig vom Gesetzgeber gewollte Blockade heimischer Demokratieentwicklung: Dass es für wahlwerbende Gruppen einer bestimmten Anzahl von Unterstützungserklärungen bedarf, ist ja durchaus sinnvoll. Dass man als gesellschaftspolitisch aufgeschlossener Bürger jedoch nur eine einzige Unterstützungserklärung abgeben darf, obwohl man auch noch andere Gruppierungen als durchaus wählbar einstufen würde, ist himmelschreiender Machiavellismus in Reinkultur. Es darf daher insgesamt sehr stark an der demokratischen Gesinnung unserer Abgeordneten gezweifelt werden, die sich damit ganz ungeniert Konkurrenz vom Leib halten. Demokratie bedeutet aber mehr, als Auswahl aus Bestehendem!

Dr. Günther Hoppenberger

22.7.2013; Standard, „Wahlen bewirken keine Änderungen“…. (Eva Linsinger)

Welche Änderungen?

Überrascht es denn tatsächlich, dass das Hauptmotiv der Nichtwähler darin liegt, dass Wahlen keine Änderungen bewirken? Wird das nicht europaweit bestätigt, wenn sich doch alle Parteien ein und demselben versagenden System verpflichtet fühlen? Außer absurdem Versprechen von Wachstum und Arbeitsplätze schaffen fällt den Parteien ja nichts ein. Dass es da vielleicht ein systemisches Problem geben könnte, darf offensichtlich nicht in die öffentliche Diskussion dringen. Die Türen für Populisten und Demokratiegegner stehen damit sperrangelweit offen. Es steht zu befürchten, dass die bislang erkämpften demokratischen Strukturen auch weiterhin wegen Angst vor Erkenntnissen und wegen selbst verschuldeter Handlungsunfähigkeit der Politiker erodiert werden.

Dr. Günther Hoppenberger

29.6.2013; profil, Lingens, „Arm trotz Arbeit“

Armut hat etwas mit Teilhabemöglichkeit zu tun

Im Unterschied zu dogmatisch verirrten Politikern würde jedes Kind darauf tippen, dass unser ausweglos scheinendes Dilemma etwas mit der versagenden Funktionsweise unseres Geldes zu tun hat und dass es nicht um mangelnde Arbeitsmöglichkeiten, sondern um mangelndes Geld geht. Insofern ist zu begrüßen, dass gerade eine europäische Bürgerinitiative zur Evaluierung verschiedener Modelle eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) läuft (Die häufigsten Gegenargumente habe ich im Anhang zu entkräften versucht). Es geht dabei auch gar nicht um die blauäugige Zuversicht, es könnten damit alle Probleme gelöst werden, sondern vor allem um die Befassung mit dem Thema „Geldsystem“ auf EU-Ebene (www.pro-grundeinkommen.at). Der Schlüssel für eine friedliche Gesellschaftsentwicklung wird jedenfalls in der Konstruktion unseres Informationssystems namens „Geld“ zu finden sein.

11.6.2013; profil, Lingens, „Die ÖVP als Millionärspartei“

Sehr geehrter Herr Lingens,

zweifellos ist die gesellschaftspolitisch kurzsichtige Haltung der ÖVP nicht sehr hilfreich, unterscheidet sich unter der Oberfläche jedoch kaum vom Bestreben der SPÖ, ihrerseits „ihre“ Millionäre zu schützen. Beiden ist also der von ihren Millionären eingepflanzte Glauben gemeinsam, man könnte mit der Macht des Geldes eine zunehmend verarmende Gesellschaft dauerhaft in Schach halten. Damit wird die grundsätzliche Frage nach dem Verständnis von Reichtum angesprochen. In welchem Umfeld kann überhaupt Reichtum noch als Reichtum empfunden werden? Ich halte es da mit dem Dalai Lama, der schon vor Jahren feststellte: „Glück, ohne Bedachtnahme auf das Glück der anderen, ist undenkbar“. Und so gilt wohl gleichermaßen, dass Reichtum, ohne Bedachtnahme auf den Wohlstand der anderen, undenkbar ist; besonders, wenn man noch halbwegs an die Segnungen der Demokratie glauben will.

Als beunruhigend empfinde ich die anhaltende Irrationalität der von den Mainstream-Experten gestützten öffentlichen Meinung, an dem für die Entwicklung, nicht jedoch für die Bewahrung von Wohlstand geschaffenen System mit aller Gewalt festhalten zu müssen, selbst um den Preis des gesellschaftlichen Zerfalls und der Auflösung der erst mühsam in Entwicklung gewesenen demokratischen Strukturen.

Mit besten Grüßen, Ihr

Dr. Günther Hoppenberger

10.6.2013; OÖN, Mandlbauer, Plädoyer für den Aktienbesitz,

Sehr geehrter Herr Mag. Mandlbauer,

die Scheu des Normalbürgers vor dem Aktienbesitz liegt vielleicht auch daran, dass man nicht als blöd angesehen werden will, wenn man sich – vernünftiger Weise – mit Dividenden unterhalb der Wachstumsraten zufrieden gibt und nicht an den perversen Praktiken des Börsengeschehens beteiligen will. Nun ja, und so ganz sind die Banken als Zwischenhändler ja auch nicht auszuschalten, es sei denn, man gibt tatsächlich ein direktes Darlehen („GEA-Darlehen“, oder die „Sonnen-Scheine“ der LINZ AG), dann hat man aber wieder keine Aktien, also keinen Anteil am Unternehmenswert. Ich gehe auch davon aus, dass sich Ihr Plädoyer auf den Ankauf von Erstemissionen bezieht und nicht auf den Sekundär- und Derivatenmarkt, auf dem „der kleine Mann“ meist auf der Verliererseite steht.

Nicht unwidersprochen soll jedoch Ihre Aussage bleiben, dass die Banken das Geld der Sparer gegen höhere Zinsen weiter verleihen. „Spargelder“ werden dafür nur zum geringsten Teil benötigt. Das Geld der Sparer ist ja aus Krediten, der in unserem System einzigen Entstehungsmöglichkeit des Geldes, entstanden, die ihrer Tilgung harren, bei der das Geld wieder vernichtet wird, wie das im Nationalbank- Jargon so schön heißt. Geld fließt ja immer rückwärts! Deshalb ist es doch so wichtig, dass immer wieder neue Kredite aufgenommen werden (können), damit wir nicht in eine unkontrollierbare deflationäre Phase gelangen und damit überhaupt Gewinne und Zinsen  möglich werden (Bei ausgereiften Volkswirtschaften mit hoher Produktivität und hohem Automatisierungsgrad, wird das natürlich immer schwieriger, weil die Bewahrung des erreichten Wohlstands systemisch gar nicht vorgesehen ist. Wir arbeiten immer noch mit einem Aufbausystem, das sich nach einem Krieg ganz zweifellos gut bewährt).

Mit besten Grüßen, Ihr

Dr. Günther Hoppenberger

5.6.2013; OÖN, H. Neumüller, Wirtschaft ohne Wachstum: Paradies oder Hölle?

Wachstumsphantasien

Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob eine Wirtschaft wachsen kann, oder ob sie auf Gedeih und Verderb wachsen muss! Wenn wir den systemischen Zwang als unumstößlich akzeptieren, dann sind wir zum Wachstum verdammt – bis zum bitteren Ende. Denn Wachstum klingt zwar recht positiv, bedeutet in seinem Kern jedoch das Wachstum von Ressourcenverbrauch und Gesamtverschuldung. Dem haftet zweifellos ein Ablaufdatum an. Wichtig wäre daher, endlich die Forschung für die Konstruktion eines grundlegend neuen Systems in Gang zu bringen, das Wachstum zulässt, jedoch nicht erzwingt.

Dr. Günther Hoppenberger

31.5.2013; Standard, „Aktienboom macht Superreiche noch reicher“, B. Pfluger

Aktienboom und Arbeitslosigkeit

„Aktienboom macht Superreiche noch reicher“, titelt Bettina Pfluger ihre Auswertung des aktuellen Reichtumsberichts. Leider vergaß sie die, ebenfalls heute, auf standard.at, erschienene Meldung über die „Rekord-Arbeitslosigkeit in der Eurozone“ in ihre Zusammenfassung einzuarbeiten. Es hätte ein toller Artikel werden können, der gezeigt hätte, dass Geld nicht durch Arbeit entsteht und dass die Mehrung von Geldreichtum offensichtlich nicht auf Arbeit angewiesen ist. Welche Schlussfolgerung sollte daraus gezogen werden, dass der Reichtum mit zunehmender Arbeitslosigkeit steigt? Worin liegt dann aber die Qualität des gestiegenen Reichtums?

Dr. Günther Hoppenberger

4030 Linz

28.5.2013; profil, Peter M. Lingens, Perfekt gespart – Wirtschaft tot

Danke!

Endlich wagt es ein prominenter Journalist darauf hinzuweisen, dass Sparen logischer Weise ein Vorenthalten von Einkommensmöglichkeiten bedeutet. Intelligente Wesen sparen daher beim Ressourcenverbrauch und versuchen mit geringstmöglichem Verbrauch von Rohstoffen, Energie und Arbeitskraft, den jeweils optimalen Nutzen zu erzielen (was auch für eine sparsame staatliche Verwaltung gelten sollte). Das bestehende Schuldgeldsystem erzwingt  allerdings alles andere als intelligentes Verhalten, weil wir glauben sollen, dass Geld durch Arbeit entsteht und nicht nur als die am leichtesten zu reproduzierende Ressource dem Informationsfluss im Wirtschaftsgeschehen zu dienen hat. Durch Arbeit können wir jedoch nur bereits vorhandenes Geld einer Vorfinanzierung an uns ziehen, was den Eindruck verstärkt, wir hätten das Geld mit unserer Arbeit geschaffen. Auch der Mehrwert kann in Geld nur durch weitere Verschuldung im System realisiert werden. Da verzinste Schulden makroökonomisch immer nur weiter gereicht werden können, wird das in einer globalisierten Welt sehr rasch ein Ende finden und zukünftige Generationen werden sich dereinst verwundert fragen, weshalb es nicht möglich war, den einstmals erreichten Wohlstand aufrecht zu erhalten.

Dr. Günther Hoppenberger

23.5.2013; Standard, Offshore-Shopping, Stepic, Renate Graber

Karibik-Shopping, Stepic und Eliten

Als Chef der RBI ist Stepic gewiss zu der Elite unseres Landes zu zählen und er selbst wird mit Sicherheit die gefühlsmäßige Auffassung vertreten, dazuzugehören. Beispielhaft erschließt sich uns jetzt mit Stepic‘ Offshore-Geschäften ein Mal mehr eine bedenkliche Grundhaltung derer, die sich selbst zur Elite zählen wollen und uns über die Medien auch als Elite präsentiert werden. Allerdings sollten Eliten höhere Ansprüche an ihr Handeln stellen, als es vielleicht dem Normalbürger zumutbar ist. Anstand und Gesellschaftsorientierung wären dafür gefordert. Es stimmt jedoch demokratiepolitisch hoffnungsvoll und erhöht auch das Vertrauen in die Justiz, dass nun zunehmend die allgemein gültigen Gesetze auch auf die Eliten Anwendung finden. Es ist eben zu wenig, bloß alle gesetzlichen Möglichkeiten für eigene Vorteile auszuschöpfen, anstatt seinen Einfluss geltend zu machen, erkannte, gesellschaftsschädigende Gesetzeslücken zu schließen – auch unter Inkaufnahme eigenen Verzichts auf vermeintliche Cleverness.

Dr. Günther Hoppenberger

22.5.2013; OÖN, Schweiz stimmt ab über Managergagen

Schweizer stimmen über Einkommensrelationen ab.

Karl Javurek wird sicher Recht haben, dass Arbeiter und Angestellte keinen einzigen zusätzlichen Cent bekommen, wenn Managereinkommen begrenzt werden. Er scheint allerdings die gesellschaftliche Bedeutung des Begriffs „Relationen“ noch nicht verstanden zu haben. Es geht um die Unterschiede in der Augenhöhe, auf der die Menschen miteinander verkehren. Es geht um die Menschenwürde! Sollte die Schweiz für die Relation von 1:12 stimmen, bedeutet das ja nicht, dass Spitzenmanager nicht auch weiterhin Spitzeneinkommen – wofür und wozu auch immer – beziehen können. Sie brauchen nur die Entlohnung der am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter anzuheben.

Dr. Günther Hoppenberger

19.5.2013; An Team Stronach (Reaktion auf „Fragebogen“ zur Salzburger Wahl)

Der „persönliche Fragebogen“ mit den „No-na-Fragen“ zur Salzburger Wahl erreichte mich erst vor kurzem an meinem Zweitwohnsitz. Gerne griff ich aber den Anstoß auf, mich einmal mit den Grundtendenzen des „Team Stronach“ auseinander zu setzen.

Mit großem Interesse habe ich daher auf Ihrer Homepage geschmökert (und gehört) und bin im Prinzip sehr angetan von dem mit Prof. Hankel ausgearbeiteten Lösungsweg aus der Euro-Sackgasse.

Dennoch sollte klargestellt werden, dass das nur der erste Schritt, quasi eine Notlösung aus der momentanen Situation sein kann. Es ist „Arbeit am Verdorbenen“, die vielleicht etwas Luft verschaffen könnte, jedoch unabdingbar in eine generelle Systemreform weiter geführt werden müsste. Es geht ja um die grundsätzliche Konstruktion des Geldsystems, unabhängig davon, ob es nationale Währungen oder der Euro ist. Jede Währungskonstruktion, die selbst noch in gesättigten Volkswirtschaften auf Wachstum angewiesen ist, ja Wachstum (=Schuldenwachstum) und sei es auch mit der Vernichtung von Werten erzwingt, ist einer gedeihlichen Gesellschaftsentwicklung abträglich. Es geht daher um die Geldschöpfungsmacht, um die Spielregeln der Inumlaufbringung des Geldes und vor allem auf gesellschaftlich verträgliche Einkommensrelationen. Es geht darum, das Geld als Informationsmittel dienlich zu machen und ihm seine Funktion des Machtmittels zu nehmen.

Wachstum und Arbeitsplätze zu schaffen, ist per se kein gesellschaftspolitisch vernünftiges Ziel, wenn darunter Erwerbsarbeit verstanden wird. Es mag das politisch plakativ und unter Ausnützung des anerzogenen allgemeinen Verständnisses als Wahlargument leicht kommunizierbar zu sein. Es war aber doch immer schon das Ziel der Menschheit, sich durch Fleiß und Ideenreichtum von der Erwerbsarbeit zu befreien, um sich den eigentlichen Lebenswerten zuwenden zu können.

So gesehen, leistete das bestehende System nach dem Krieg (wieder einmal) hervorragende Dienste bis in die Mitte der 80er Jahre, als die Wachstumsraten dauerhaft von den, exponentiellem Verlauf folgenden, Anforderungen der Gesamtschuldenentwicklung (Unternehmen+Haushalte+Staat) überholt wurden. Seit damals war erkennbar, dass die weiter anwachsenden Schulden niemals mehr tilgbar sein können, sondern bloß zwischen den drei Sektoren verschoben werden können (oder auch, unter Vernachlässigung der viel gepriesenen und zur Bewahrung des Anscheins der Anständigkeit vorgeschobenen globalen Solidarität, auf andere Staaten übertragen werden können). Entgegen allen mathematischen Gesetzen zu glauben, die Schulden könnten dennoch (ohne eine unsägliches Leid und Ungerechtigkeit verstärkende Währungsreform) getilgt werden, ist naiv und fällt unter Erkenntnisresistenz.

Nicht zuletzt wurde die regulierte Deregulierung der Finanzmärkte als Rettungsanker zur Übertünchung des Systemversagens zugelassen und zunächst allgemein begrüßt. Erst dadurch wurden die Spekulationsorgien, die eigentlich einer Glückspielmonopolverwaltung unterstellt gehörten, ermöglicht. Das System hat damit tatsächlich überlebt – aber um welchen Preis? Heute stehen wir vor dem seit langem absehbaren Scherbenhaufen und versuchen uns mit unübertroffener Albernheit zu beschwichtigen („…das hat doch niemand ahnen können“).

Langer Rede, kurzer Sinn. Ich erwarte mir vom Team Stronach (wer sonst, sollte das in Angriff nehmen wollen?), über die Notlösung von Prof. Hankel hinausgehend, sich auch mit dem zugrundeliegenden Systemfehler auseinander zu setzen.

Dazu empfehle ich besonders die intensive Auseinandersetzung mit z.B.:

www.wissensmanufaktur.net (Plan B, Andreas Popp, Rico Albrecht, u.a.)

oder auf: www.geldmitsystem.org, wo sich unter rund 50 Geldsystemkritikern vielversprechende Konzepte für einen zeitgemäßen und zeitnotwendigen gesellschaftlichen Austausch mittels des Informationsmittels Geld finden. Besonders erwähnenswert sind die Analysen und Schlussfolgerungen von Erhard Glötzl, Tobias Plettenbacher, Samirah Kenawi, Wolfgang Berger, Egon W. Kreutzer, Bernd Senf, Bernd Hückstädt, Steffen Henke, u.a.

Nicht zu vergessen: www.monetative.ch (Josef Huber, Uni Halle)

Der von mir, der ich mich seit über 15 Jahren mit dieser Thematik auseinander setze, präferierte Weg: Im ersten Schritt die (vergleichsweise einfache) Umstellung auf „Monetative“ mit Vollgeld, verbunden mit der Ausgliederung der Sparguthaben (=Forderungen auf Geld gegenüber den Banken) aus den Bankenbilanzen. Daran anschließend sollten dann die Konzepte für mehr Verteilungsgerechtigkeit, Transparenz und Menschenwürde evaluiert werden. Vieles, was dabei heute vielleicht noch utopisch klingen mag, sollte endlich einer breiten öffentlichen Diskussion zugeführt werden, in der auch mit der anachronistischen und die breite Bevölkerung missbrauchenden Begriffswelt von Wachstum, Arbeitsplätzen, Wettbewerb, etc. aufgeräumt werden muss.

Es liegt vor allem an der Angst um die Wiederwahl (und natürlich auch an der windigen Machtbehauptung) der Politiker, dass eine überfällige Aufklärung über die wahren Zusammenhänge und darüber, dass die Bevölkerungen schon seit über zwanzig Jahren in die Irre geführt wurden, nicht stattfindet. Freilich braucht es Mut, sich zu so einem Eingeständnis aufzuraffen, doch je länger man Lügen vor sich herschiebt, desto schwieriger wird es, sie einzugestehen. Dabei sind die Bevölkerungen viel aufgeschlossener gegenüber einem Eingeständnis der Politik, als man glaubt. Zumal, wenn zugleich neue Optionen für zukünftige Entwicklungen aufgezeigt werden.

In der Hoffnung, dass das Team Stronach vielleicht doch nicht nur in der „commodity Politik“ stecken bleibt (wie es derzeit mit den absurden Versprechen auf Wachstum und Arbeitsplätze aussieht), sondern sich an den tiefer liegenden Kern der gesellschaftlichen Probleme, nämlich die Spielregeln des Geldes, heranwagt und tatsächlich Neues in die Politik einbringt, verbleibe ich

mit besten Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

19.5.2013; OÖN, „…B. Gates wieder reichster Mensch der Welt“

Alles, was zählt?

Ob es die jährliche Milliardärs-Liste im Forbes-Magazin ist, oder das sogar täglich aktualisierte Bloomberg Milliardärs-Ranking, beide Informationen sind eigentlich bedeutungslos, senden jedoch fatale Signale an die Jugend aus. Es wird damit eine konfliktträchtige Zielsetzung für Lebensentwürfe beispielgebend verherrlicht. Es sollte mittlerweile wirklich nicht mehr darum gehen, wer die Gemeinschaft zum eigenen Nutzen am besten finanziell auszubeuten versteht, als vielmehr darum, wer mit seiner Kreativität, seinem Können und seiner Leistungsbereitschaft zum Gemeinwohl einer Gesellschaft am meisten beiträgt. Nachgelagerte Wohltätigkeitsstiftungen, zu deren Notwendigkeit man selbst beigetragen hat und mit denen wohl das eigene Gewissen beruhigt werden soll, demonstrieren zwar gleichermaßen Philantropie und Macht, können die mangelnde Gemeinwohlorientierung jedoch kaum kaschieren. Es würde auch den OÖN gut anstehen, solche Rankings nicht unkommentiert darzustellen, sondern auf die wesentliche Unterscheidung der Bedeutung von Werten und Geldwerten hinzuweisen.

Dr. Günther Hoppenberger

13.5.2013; profil, P.M.Lingens, „Zeit der Zocker“

Die wundersame Geldvermehrung

Die gewohnt scharfsinnigen Betrachtungen Peter Lingens sollten eigentlich zur grundlegenden Frage führen, ob die Konstruktion unseres Systems, dessen Hauptforderung die Mehrung von Geld ohne Berücksichtigung von Werten ist, einer modernen Gesellschaft noch dienlich sein kann. Lingens entrüstetes Erstaunen über die abstrusen Entwicklungen auf den Finanzmärkten verwundert jedoch einigermaßen, zumal wir bereits Mitte der 80er Jahre unverdrossen in diese ausweglose Sackgasse eingeschwenkt sind. Wir hätten es wissen können, hätten wir uns dafür interessiert und hätten wir uns seit damals nicht von Scheingewinnen blenden und zum Weitermachen verführen lassen. Jetzt wissen wir nicht mehr, wie und in welcher Form wir das System neu aufsetzen sollen, damit es einer ausgereiften Industriegesellschaft nachhaltig zu dienen vermag. Wir sollten dabei auf der Hut sein, denn Geld wurde zum Surrogat der Macht, deren Prinzip die Erpressung ist. Scheitert diese, dann ist Gewalt nicht mehr fern. Noch ist ein friedlicher Systemwechsel vorstellbar, wenn er denn politisch gewollt wäre. Ausgerechnet die im Prinzip am leichtesten zu reproduzierende Ressource im Wirtschaftsgeschehen, Geld, bestimmt über unser aller Leben. Wie lange noch ist das hinnehmbar?

Dr. Günther Hoppenberger

2.5.2013; Standard at., Günther Oswald, „Ablenkungsmanöver“

Auch Wachstumsphantasien sind ein Ablenkungsmanöver

…..mit Wirtschaftswachstum wird es auch nicht gelingen, denn Wachstum setzt immer neue Verschuldung oder Entsparen voraus (Entspart für Investitionen wird jedoch nur dann, wenn dabei Rendite herausschaut, was bei den gesellschaftlich nötigen Investitionen [Schulen, Altenbetreuung, Kindergärten, etc…] nicht der Fall ist. Das überlässt man lieber dem Staat und verhöhnt ihn (also uns alle), dass er nicht wirtschaften kann. Nur deshalb noch einen Knödel zu fressen wenn man bereits kotzen muss, nur damit er wegkommt, ist aber ziemlich blöd. Das System ist am Ende. Wachstum als lineare Größe zur Systemrettung an exponentielles Schuldenwachstum angleichen zu wollen, ist daher auch nur ein Ablenkungsmanöver vom Systemfehler.

2.5.2013; Standard.at,

Es bleibt eine Machtfrage, in welchen Lebensentwürfen sich die Geldmengenschrumpfung auswirkt

Wir leben aber in einer Kreditwirtschaft, nicht Tauschwirtschaft! Am Beginn jeder Werteschaffung steht das Geld, das den vorzufinanzierenden Wert als Geldwert in Umlauf bringt. Wichtig ist doch nur, dass nach der Werteschaffung auch das dann nicht mehr benötigte Geld wieder aus dem Verkehr gezogen wird – die Vorfinanzierung wieder getilgt wird. Nur zwischenzeitlich kommt dem Geld also die Funktion des umlaufenden Tauschmittels zu. Bei jedem Tauschschritt abgezweigte private Sparbeträge (Horten) verhindern diese Bereinigung (und verschieben zusätzlich die an sich gebotene Geldschöpfungsmacht des Staates an Private). Die Tilgung der Vorfinanzierung des geschaffenen Wertes+Zinsen+Gewinn wird dadurch ohne Neuverschuldung verunmöglicht.

1.5.2013, 14:22

antworten

Und warum bringen dann Handelsungleichgewichte

die ja Tausch-Ungleichheiten sind, so viele Probleme? Wenn sich eh alles mit noch mehr Kredit lösen lassen müsste, in einer Kreditwirtschaft…
http://derstandard.at/136370971… esen-macht

1.5.2013, Standard.at,

Wenn Gläubiger von Schuldnern keine Waren oder Dienstleistungen kaufen wollen,……

….gibt’s ein Problem. Es liegt immer in der Hand des Gläubigers, ob ein Schuldner seine Schulden tilgen kann. Da von den großen Exportnationen mit den Waren zugleich auch die entsprechenden Kredite mitgeliefert werden, mit denen die Lieferfirmen von den Banken der Exportländer „bezahlt“ werden, kommt es zu Buchgewinnen. Die Exportfirmen sind bedient, das Risiko liegt jetzt bei den Banken. Das macht sich in den Bilanzen sehr gut, so lange die Zinsen vom Importland bezahlt werden. Letztlich sind es aber nur vorübergehende Scheingewinne, wenn das Exportland nichts einkauft und entsprechend Forderungen reduziert. Der Stolz auf überragende Exporterfolge weicht dann rasch dem Zorn, dass die Exporte am Ende vom Steuerzahler finanziert wurden.

1.5.2013; Standard.at, Kramler, Grenzen des Geldmengenwachstums

Es bleibt eine Machtfrage, in welchen Lebensentwürfen sich die Geldmengenschrumpfung auswirkt

Wir leben aber in einer Kreditwirtschaft, nicht Tauschwirtschaft! Am Beginn jeder Werteschaffung steht das Geld, das den vorzufinanzierenden Wert als Geldwert in Umlauf bringt. Wichtig ist doch nur, dass nach der Werteschaffung auch das dann nicht mehr benötigte Geld wieder aus dem Verkehr gezogen wird – die Vorfinanzierung wieder getilgt wird. Nur zwischenzeitlich kommt dem Geld also die Funktion des umlaufenden Tauschmittels zu. Bei jedem Tauschschritt abgezweigte private Sparbeträge (Horten) verhindern diese Bereinigung (und verschieben zusätzlich die an sich gebotene Geldschöpfungsmacht des Staates an Private). Die Tilgung der Vorfinanzierung des geschaffenen Wertes+Zinsen+Gewinn wird dadurch ohne Neuverschuldung verunmöglicht.

1.5.2013; Standard at., Leserkommentar zu österr. Werten

Werte leben bedeutet auch Standhaftigkeit

Das vorbildhafte Leben von Werten findet leider rasch seine Grenzen, sobald Geldwerte ins Spiel kommen, die bekanntlich über allem stehen. Um Werte tatsächlich zu leben, muss man auch bereit sein, Nachteile, oder sogar unmittelbare Verluste in Kauf zu nehmen. Da das jedoch nicht passiert („die EU sagt,….“, „das verstößt gegen WTO Gesetz“, „das können wir im Alleingang nicht machen“, „da wandert das Kapital ab“, „da machen dann andere das Geschäft“, etc. – Alles sebstgeschaffene Barrieren), entfällt auch die Chance einer Vorbildwirkung. Es wird daher leider bei den scheinheiligen und unglaubwürdigen Bekenntnissen zu einer Ausrichtung nach Lebenswerten bleiben, wenn keine grundsätzliche Einstellungsänderung erfolgt.

From: Bürgerservice

Sent: Thursday, April 25, 2013 2:36 PM

To: undisclosed-recipients:

Subject: Bankgeheimnis abschaffen

Der Herr Bundeskanzler dankt für Ihr Schreiben und hat sein Bürgerinnen- und Bürgerservice mit der weiteren Bearbeitung beauftragt:

Wir verstehen Ihre Sorge, dass Steuerbetrug und Steuerhinterziehung vor allem jener, die es sich aufgrund ihrer Position oder ihres Vermögens leisten können, die soziale Gerechtigkeit weltweit untergraben würden und dass dadurch Schaden an der Gesellschaft verursacht wird. Die Bundesregierung wird auch alle Maßnahmen unterstützen, um Steuerbetrug und Steuerhinterziehung in unserem Land, in Europa und weltweit zu bekämpfen.

Die Bundesregierung wird weiters auf europäischer Ebene Verhandlungen führen, die einen rascheren und  verbesserten Datenaustausch in Bezug auf Konten von  Steuerausländern zum Thema haben. Welches Modell umgesetzt werden soll, wird Teil dieser Verhandlungen sein. „Wir sind verhandlungsbereit“, hat Bundeskanzler Faymann unmissverständlich klargestellt, „wir werden versuchen, eine geeignete Form zu finden, wie man stärker als bisher Steuerbetrug bekämpfen kann.“

Entscheidend ist: Der Austausch von Konto- und Zinsertragsdaten betrifft ausschließlich Personen, die nicht in Österreich steuerpflichtig sind. Das Bankgeheimnis für österreichische Steuerinländer hingegen ist verfassungsrechtlich abgesichert und bleibt auch im Interesse der Sparerinnen und Sparer unangetastet. „Wir schützen dieses Bankgeheimnis für Inländer und denken nicht daran, es zu ändern“, betont Bundeskanzler Werner Faymann.

Erwartet wird seitens Österreich aber auch, dass im europaweiten Kampf gegen Steuerhinterziehung verstärkt auch die Rollen der britischen und niederländischen Überseegebiete, der Kanalinseln und der britischen Trusts thematisiert werden.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Ausführungen dienlich sein zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Bürgerinnen- und Bürgerservice

Bundeskanzleramt Österreich

Bundespressedienst

Ballhausplatz 1

1014 Wien

Tel.: 0800/222666

E-Mail: service@bka.gv.at

30.4.2013; Steueroasen „Brief an BK und Antwort vom Bürgerservice“

Vielen Dank für die beschwichtigenden Antwortzeilen im Namen des Bundeskanzlers. Nun befinden wir uns heuer in einem bedeutsamen Wahljahr, in dem es im Unterschied zur Vergangenheit nicht mehr ganz so gleichgültig sein sollte, wer in die Regierungsverantwortung gewählt wird, wenn wir aus dem über zwei Jahrzehnte von allen Parlamentsparteien zielbewusst angestrebten und/oder sehenden Auges zugelassenen Dilemma wieder heraus kommen wollen. Jetzt geht es daher um eine sorgfältige Abwägung von Entscheidungskriterien und von Argumentationen, und es geht ganz allgemein um die Reste verbliebener Glaubwürdigkeit der politischen Haltung unserer Regierungsvertreter.

Zweifellos wird Gesellschaftspolitik von der politischen Ökonomie (=Volkswirtschaft) bestimmt. Im Sinne des Monetarismus moderner Industriestaaten bedeutet das „Geldpolitik“. Nachstehend daher einige diesbezügliche Fragen, die mir und vielen meiner Freunde am Herzen liegen und von deren Beantwortung wir uns eine Entscheidungshilfe für die „Kreuzsetzung“ bei der Nationalratswahl erhoffen:

  1. Wann wird die Bevölkerung endlich darüber aufgeklärt, über die Konstruktion des Geldsystems über die Jahre hinweg falsch informiert (belogen?) worden zu sein? (Staatliche Geldschöpfung, missbräuchlicher Vergleich zwischen berechtigten betriebswirtschaftlichen Überlegungen der „schwäbischen Hausfrau“ mit einer Volkswirtschaft, Guthabensproblem vs. Schuldenproblem, etc.).
  2. Wann wird die Bevölkerung in breiter öffentlicher Thematisierung darüber aufgeklärt, dass Geld nicht durch Arbeit entsteht, sondern nur (mit seiner Machtfunktion) über die Erwerbsarbeit in unterschiedlicher Zuteilung in Umlauf gebracht wird?
  3. Wann wird die breite Öffentlichkeit endlich darüber aufgeklärt, dass die Schaffung von Arbeitsplätzen in ausgereiften Volkswirtschaften kein gesellschaftspolitisches Ziel per se sein kann?
  4. Wann wird die breite Bevölkerung über den wesentlichen Unterschied von gesellschaftlichen Werten und Geldwerten aufgeklärt?
  5. Wann wird die breite Öffentlichkeit darüber aufgeklärt, dass verzinste, volkswirtschaftliche Schulden ohne entsprechender Nachfrage der Gläubiger immer nur auf andere übertragen und ohne Forderungsverzicht der Gläubiger niemals getilgt werden können?
  6. Wann wird die Bevölkerung endlich darüber aufgeklärt, dass „Exportweltmeister“ kein volkswirtschaftlich sinnvolles Ziel sein kann?
  7. Wann wird die Bevölkerung endlich darüber aufgeklärt, dass das einzige, immer funktionierende Pensionssystem das Umlageverfahren ist, nach dem die Erwerbstätigen alle Waren und Dienstleistungen für Kinder und Jugendliche, wie auch für die Alten bereitstellen, und dass es dabei nicht um das Geld, sondern um die ausreichende Produktivität geht?
  8. Wann werden gesetzliche Maßnahmen gesetzt, um Banken mit Tochtergesellschaften oder sonstigen Verbindungen in und zu Steueroasen die inländische Banklizenz entziehen zu können?
  9. Wann werden die gesetzlichen Maßnahmen angegangen, um Firmenkonstrukte und Schachtelbeteiligungen, die nur der Eigentumsverschleierung dienen, auflösen, bzw. verbieten zu können?
  10. Wann werden gesetzliche Maßnahmen eingeleitet, um das Eigentumsrecht an nicht vermehrbaren Gütern (Grund und Boden, Rohstoffe,…) zu reformieren und erpresserische Spekulation gegenüber den Bevölkerungen zu unterbinden?
  11. Wann wird den Vertretern der Wirtschaft mit Nachdruck klar gemacht, dass alle Sozialausgaben des Staates ausschließlich Wirtschaftsförderung reinsten Wassers ist?
  12. Wann werden die Totschlagargumente „wenn wir es nicht tun, tun es andere“ und „..dann wandert das Kapital ab..“, aus dem politischen Sprachschatz verbannt und wann wird der Bevölkerung klar gemacht, dass man mitunter für eine aufrechte Haltung auch Nachteile und eventuelle Kosten in Kauf nehmen muss? (Auch die Ausrede „im Alleingang können wir nichts machen“ zeigt wenig politischen Gestaltungswillen. Österreich ist stark genug und zugleich klein genug, um sich auch auf Experimente mit Vorbildwirkung einlassen zu können).

Ich will es einmal bei diesen 12 Fragen, die ich an die momentane Koalitionsregierung richte, belassen. Die Beantwortung mit „nach den Wahlen“, würde allerdings wieder zum Glaubwürdigkeitsproblem zurückführen. Außerdem sind ja noch einige Monate Zeit, um bereits deutliche Zeichen setzen und Glaubwürdigkeit demonstrieren zu können.

Die Programme der Oppositionsparteien werden selbstverständlich ebenfalls nach diesem Fragenkatalog und nach Plausibilität durchleuchtet.

In der Hoffnung, über die Beantwortung/Kommentierung dieser Fragen ausreichend Entscheidungskriterien für die Nationalratswahl zu bekommen, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

28.4.2013; Rittler, Vortragsanregung für KLD

Sehr geehrter Herr Rittler,

vielen Dank für die Anregung, die ich gerne an unseren Präsidenten und
Programmkoordinator, Herrn Dipl. Ing. Wolfgang Klein, weiterleite.

Allerdings gebe ich zu bedenken, dass es mittlerweile ja zahlreiche, sattsam
bekannte Erklärungen für die so genannte Eurokrise gibt, die aber allesamt
keine tatsächlichen Lösungsvorschläge mitliefern. Mit Diskussionen darüber,
weshalb die Milch verschüttet wurde, kann man die Menschen natürlich
trefflich vom Wesentlichen ablenken.

Auch das Team Stronach hat da – wie auch die anderen Parteien – nichts
vorzuweisen. So lange nicht erkannt wird, dass wir nur mit allen möglichen
Maßnahmen versuchen, ein für die gesellschaftliche Weiterentwicklung
versagendes System krampfhaft auf Kosten von Lebensqualität, Wohlstand und
Frieden aufrecht zu erhalten, wird es weiterhin bergab gehen. Es geht um die
Konstruktion unseres Geldsystems! Für ausgereifte, hoch arbeitsteilige
Volkswirtschaften taugt das eben nicht mehr, so sehr es auch einmal dazu
geeignet war, in der Aufbauphase nach dem Krieg relativ schnell breiten
Wohlstand zu schaffen. Für die nachhaltige Bewahrung geschaffenen Wohlstands
braucht es aber ein anderes System. Eines, das zwar Wachstum
(=Schuldenwachstum) ermöglicht, aber nicht als zwingende Voraussetzung
erpresst. Nun, da gäbe es viel zu sagen. Es ist ein mathematisches Problem,
das erst dadurch zu einem gesellschaftlichen Problem wird, weil Politiker –
und mit ihnen der naiv gutgläubige Großteil der Bevölkerungen – nicht
wahrhaben wollen, dass sich mathematische Gesetzmäßigkeiten nicht durch
politische Beschlüsse und Resolutionen umgehen lassen.

Wir sollten daran arbeiten, dem Geld seine vierte, lebensabträgliche
Funktion, nämlich als Machtmittel zu dienen, zu nehmen. Geld muss als
Informationsmittel im zwischenmenschlichen Austauschverhalten wahrgenommen
werden.

Wenn Sie das Thema interessiert, empfehle ich Ihnen einmal auf YouTube zu
suchen nach Vorträgen von:
Andreas Popp, www.Wissensmanufaktur.de, Tobias Plettenbacher, Bernd Senf,
Monetative, und viele weiterführende Links.

Mit besten Grüßen
Dr. Günther Hoppenberger
————————————————–
From: „Paul Rittler“ <paul.rittler@gmail.com>
Sent: Sunday, April 28, 2013 12:53 AM
To: <aon.912786551@aon.at>
Subject: Vortragsanregung

> Sehr geehrter Herr Hoppenberger!
>
> Ich war vor kurzem auf einem Vortrag des Thomas Bachheimer zur
> Eurokrise, wo er die Zusammenhänge sehr gut verständlich erklärte.
>
> Er wäre vielleicht auch etwas für den KLD.
>
> Er ist zu erreichen unter thomas.bachheimer@teamstronach.at.
>
> Mit freundlichen Grüßen
> Paul Rittler

25.4.2013; OÖN (24.4.), Etappensieg für Med-Uni Linz

Was würde Mostdipf zur Med-Uni Linz sagen?

Als großer Befürworter der Linzer Medizin-Fakultät freut mich dieser Etappensieg ungemein, gebe allerdings noch zu bedenken, dass mit steigender Ärztezahl zwangsläufig auch die Zahl der Kranken anwachsen wird.

Dr. Günther Hoppenberger

25.4.2013; OÖN, F.Schneider, N-/S-Euro oder nat. Währungen – eine Alternative?

Nord-Euro/Süd-Euro

Als Professor für VWL muss sich Friedrich Schneider naturgemäß gedanklich innerhalb der Optionen des bestehenden Systems bewegen und seien diese noch so wenig geeignet, eine Lösung unseres Dilemmas zu ermöglichen. Diese mehr oder weniger freiwillige Einschränkung des Kreativitätsflusses auf die Alternativlosigkeit des Euro, führt dann zu merkwürdigen Befundungen und Empfehlungen für das jeweils kurzfristig geringere Übel – wenngleich mit absehbar nachgelagerter Problemverschärfung. So wird z.B. gerne übersehen, dass man im Monetarismus von Exporten nur dann profitieren kann, wenn diese vom importierenden Land auch bezahlt werden können. Freilich, so lange wir uneinbringliche Forderungen als Gewinne in unseren Büchern belassen, können wir den Anschein einer florierenden Wirtschaft aufrecht erhalten, auch wenn wir tatsächlich längst schon in einer Rezession stecken, die wir mühsam mit zusätzlicher Staatsverschuldung zu kaschieren trachten. Eine Wertberichtigung (=Schuldenerlass) ist daher unabhängig von Nord-/Süd-Euro unvermeidlich. Geldschulden sind eben immer nur dann abbaubar, wenn der Gläubiger seine Forderungen eintauscht oder streicht.

Dr. Günther Hoppenberger

23.4.2013; Standard, M. Völker, „Begehren ohne Relevanz“

Die Reziprozität von Interesse und Möglichkeiten

Erst wenn wir nicht mehr, ohne Repressionen befürchten zu müssen, frei unsere Meinung sagen dürfen, erst wenn wir uns nicht mehr ohne Bedrohung zu Diskussionen zusammenfinden können, erst wenn uns das Internet keinen freien Meinungsaustausch und keine Vernetzung von Gedanken mehr gestattet, erst dann wird unser Interesse an mehr Demokratie erwachen. Leider ist es dann wieder einmal zu spät.

Dr. Günther Hoppenberger

22.4.2013; Standard at; zum Ergebnis des Demokratie-Volksbegehrens (69.000)

Die Reziprozität von Interesse und Möglichkeit

Erst wenn wir nicht mehr frei unsere Meinung sagen dürfen, erst wenn wir uns nicht mehr zu Diskussionen zusammenfinden können, erst wenn uns das Internet keinen freien Meinungsaustausch mehr gestattet, erst dann wird unser Interesse an mehr Demokratie erwachen. Leider ist es dann halt zu spät.

20.4.2013; profil, G. Hoffmann-Ostenhof, „Erhöret den IWF!“

Pest oder Cholera? Wir haben die Wahl.

Die Regierungen, die sich an der Sichtweise der „schwäbischen Hausfrau“ festklammern, wollen es ganz einfach nicht begreifen: „Aus der Krise kommt man mit Sparen nie und nimmer heraus“. Schulden gehen nun einmal nur weg, wenn man entsprechende Guthaben abbaut und dem steht Maria Fekter, „die Schutzheilige der Steuerhinterzieher [und asozialer Spekulanten]“, standhaft entgegen. Peinlich nur, dass auch so genannte Wachstumsprogramme (=Schuldenwachstum), für die sich Georg Hoffmann-Ostenhof ausspricht, diesbezüglich nicht helfen, sondern nur die Problematik verschärft in die Zukunft verlagern. Auch und selbst bei derzeit nur geringfügiger Verzinsung. Ohne die Konstruktion des Geldsystems selbst an die Anforderungen einer gesättigten, hoch arbeitsteiligen Wirtschaft anzupassen, werden wir uns vom Gedanken an eine friedliche Gesellschaftsentwicklung in allgemeinem Wohlstand verabschieden müssen. Ein erster, wesentlicher und zugleich einfacher Schritt wäre die Installierung der „Monetative mit Vollgeld“ als neue Ausgangsbasis für nachgelagerte, notwendige Reformen für Umlaufsicherung, mehr Verteilungsgerechtigkeit und Einschränkung der Machtfunktion des Geldes.

Dr. Günther Hoppenberger

16.4.2013; WIWIPOL-Umfrage (Euro gerettet? Sparen od. Wachstum?..)

Liebes WIWIPOL-Team,

habe soeben an der Umfrage teilgenommen, deren Aussagewert allerdings bei Null angesiedelt ist. Frage 2 lässt ja nur die Wahl zwischen Pest und Cholera zu. Weder „Pest“ noch „Cholera“ können jedoch eine nachhaltige Stabilisierung des monetaristischen Schuldentilgungsmittels heutiger Prägung herbeiführen. Da braucht es schon eine grundlegende Änderung der Konstruktion unseres Geldsystems. Als erster Schritt sollte wohl die Implementierung „Monetative mit Vollgeld“ (Huber/Fisher) erfolgen. Darauf aufbauend kann man dann unterschiedliche Konzepte für mehr Verteilungsgerechtigkeit, Umlaufsicherungen und Nachhaltigkeit, bis hin zu Varianten eines bedingten, oder bedingungslosen Grundeinkommens diskutieren.

Mit lieben Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde,

die SWS ist langjähriger Partner unseres Vereins.
Sie betreut gerade eine Online-Umfrage zu aktuellen Aspekten der Krise.
Das Ergebnis wird in eine aktuelle Studie einfließen.
Die Umfrage ist anonym und schnell beantwortbar.
Wir bitten um zahlreiche Teilnahme!

* * *
Zur Umfrage:
https://de.surveymonkey.com/s/Wirtschaftskrise
* * *

Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftspolitik
WIWIPOL
Maria Theresienstraße 24/4
1010 Wien
Tel. 01/3194447
office@wiwipol.at

…danke fuer Ihre Anmerkungen, die ich in die Nachbesprechung der Aktion einbringen werde.
MfG Patrick Horvath
Dr. Patrick Horvath

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

WIWIPOL

Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftspolitik

Maria Theresienstraße 24/4

1010 Wien

Tel. 01/3194447

office@wiwipol.at

9.4.2013; OÖN, Bankgeheimnis

Aufschub – nicht Rettung

Auch wenn das auf Schuldenwachstum ausgelegte System langfristig dadurch nicht gerettet werden kann, so kann mit einem korrekten, automatischen und auf sämtliche Veranlagungsformen ausgedehnten Datenaustausch zumindest etwas Zeit zur weiterhin nötigen Systemumstellung gewonnen werden. Bislang konnte auch noch kein stichhaltiges Argument für die Beibehaltung des anachronistischen Bankgeheimnisses vorgebracht werden. Selbst Herrn Gasselsberger, Chef der Oberbank, fielen im gestrigen Radiointerview nur Erklärungen ein, weshalb die Aufhebung des Bankgeheimnisses nicht nötig wäre. Damit bestätigte er aber, dass auch nichts dagegen spricht!

Dr. Günther Hoppenberger

9.4.2013; Standard, Bankgeheimnis

Aufschub – nicht Rettung

Auch wenn das auf Schuldenwachstum ausgelegte System langfristig dadurch nicht gerettet werden kann, so kann mit einem korrekten, automatischen und auf sämtliche Veranlagungsformen ausgedehnten Datenaustausch zumindest etwas Zeit zur weiterhin nötigen Systemumstellung gewonnen werden. Bislang konnte auch noch kein stichhaltiges Argument für die Beibehaltung des anachronistischen Bankgeheimnisses vorgebracht werden.

Dr. Günther Hoppenberger

6.4.2013; Standard, Steueroasen

Alle haben es gewusst

Die zielgenau mit gesetzlicher Absicherung geregelte Deregulierung der vergangenen Jahrzehnte hat – welch‘ Wunder! – genau das beabsichtigte Ergebnis gebracht. Peinlich nur, dass das planmäßig zu erwartende Resultat nun von einem Netzwerk verantwortungsbewusster Journalisten an die breite Öffentlichkeit gezerrt wurde. Es bleibt die Frage, aus welchen Untiefen politischer Blindheit sich die hervorragend gespielte Verwunderung, ja sogar Empörung, speisen. Zu Recht werden wir uns dereinst der Frage unserer Folgegenerationen stellen müssen, weshalb wir nichts gegen die Sozialschmarotzer in den Steuerparadiesen unternommen haben.

Dr. Günther Hoppenberger

6.4.2013; OÖN, Mandlbauer, „Mehr, mehr, mehr?“

Die gesetzlich verordnete Gier

In seinem großartigen Leitartikel prangert Gerald Mandlbauer die Unersättlichkeit jener Menschen an, die jegliche moralischen, wie auch rechtlichen Grenzen missachten. Zugleich wird betont, dass das keine Abrechnung mit dem Kapitalismus sein soll, wo doch „mit ihm die größte Wohlstandsmehrung der Menschheitsgeschichte verbunden [ist]…“. Das sehe ich auch so. Dennoch sollte erkannt werden, dass das erfolgreiche Prinzip des Kapitalismus gerade auf die unersättliche Gier der Menschen angewiesen ist und diese sogar künstlich anstachelt, sobald sich die Stimmen nach einem „Genug“ breit zu machen drohen. Ein Konsumrückgang wird mit folgenschwerem Wirtschaftsabschwung mit all dessen zerstörerischen Nebenwirkungen bestraft. Eine genauere Analyse würde zeigen, dass es die Konstruktion des Geldsystems ist, die eine Mäßigung, bzw. nachhaltige Wohlstandswahrung gar nicht zulässt. Es wurde auf den Einbau von Bremsen vergessen, oder sogar bewusst darauf verzichtet. Unter den Begriffen „Konjunkturimpuls und Wachstumsförderung“ wird die Gier daher zum willkommenen Verbündeten, den unausweichlichen Crash doch noch ein Weilchen hinauszuzögern. Die Gier liegt im System und ist auf Geld anstatt auf Werte ausgerichtet.

Dr. Günther Hoppenberger

Von: Mandlbauer Gerald [mailto:G.Mandlbauer@nachrichten.at]
Gesendet: Samstag, 06. April 2013 18:14
An: Günther Hoppenberger
Betreff: Re: Mehr, mehr, mehr? 6.4.2013

Danke sehr Herr Hoppenberger für ihre sehr freundlichen Zeilen. Ich lese ihre Reaktionen immer mit sehr großem Interesse.

mfg

Gerald Mandlbauer

29.3.2013; profil, Lingens, USA-EU: Wer managt die Krise besser?

Welche Krise?

Eine großartige – diesmal bereits zweiseitige – „Manöverkritik“ von Peter M. Lingens, die aber den Leser in dessen Überzeugung über die Ausweglosigkeit der Lage bestärkt. Trotz ausgewogener Reflexion über die selbst gestellte Frage, geht es doch nur um unterschiedliche Techniken für eine fragwürdige Zielerreichung, ohne dass nach der Sinnhaftigkeit des Ziels gefragt wird. Gefragt wäre eine neue Zieldefinition! Hayek vs. Keynes (G. Hoffmann-Ostenhof im selben profil) ist eigentlich völlig entbehrlich, wenn nicht zuerst das Ziel für die heutigen gesellschaftlichen Erfordernisse neu definiert wird. Neue Wege, die uns aus dem Dilemma führen könnten, ergeben sich wie von selbst aus kreativen neuen Fragen.

Dr. Günther Hoppenberger

26.3.2013; Standard, Rauscher, „Totalschaden am Ring“

Es ist gar keine Frage, dass unser Parlamentsgebäude baulich und technisch auf neuesten Stand gebracht gehört (übrigens gleichermaßen wie Schulen, Kindergärten, etc.). Die prognostizierten Kosten von 400 Mio. werden sich erfahrungsgemäß wahrscheinlich sogar verdoppeln, was insofern wenig Rolle spielt, als Kosten ja immer auch gleich Einnahmen sind, von denen Kaufkraftstärkung und Wirtschaftsbelebung ausgehen sollten. Dass sich der Staat aber zuerst das Geld dazu über das Bankensystem gegen Zinsversprechen leihen muss, liegt an der für die Bürger von Schilda würdigen Dummheit, vielleicht auch Käuflichkeit des Gesetzgebers, der Ideenlosigkeit der Politiker und an der Nachlässigkeit des Souveräns. So ist also zu hoffen, dass zumindest darauf geachtet wird, dass sich die Einnahmen nicht als überbordende Gewinne bei einem einzigen Empfänger akkumulieren, der Wirtschaft vorenthalten und womöglich noch der Besteuerung entzogen werden. Vielleicht gelingt es im renovierten Parlament, endlich auch das Geld der demokratischen Kontrolle zu unterstellen, denn Demokratie ohne Geldhoheit ist eigentlich undenkbar.

Dr. Günther Hoppenberger

25.3.2013; Lingens, „Am Rande des Euro-GAU“

Sehr geehrter Herr Lingens,

eigentlich bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob all die bemühten Überlegungen zu möglichen Schuldentilgungskonzepten überhaupt noch zielführend sein können. Es läuft doch stets nur auf eine reihum Verschiebung hinaus, womit sich zwar die Systemzusammenhänge noch ein Weilchen verschleiern lassen und dennoch an der Begrenztheit unseres Planeten scheitern muss.

Durch krampfhaftes Festhalten an diesem aussichtslosen Unterfangen, wird jedoch viel unnötiges Elend verursacht und treibt die Menschheit zu immer aggressiverem Wettbewerbsverhalten, das dann erfahrungsgemäß in Nationalismus und inszenierten Kriegen gipfelt. Die systemisch auferlegten Zwänge lassen offensichtlich keinen Raum mehr für Gedanken an Kooperation und an ein friedliches Miteinander. Die Sinnfrage zu eigenem Handeln wird durch stringente Sachzwänge unterbunden.

Wäre nicht vielleicht ein ganz anderer gedanklicher Zugang zeitgemäßer, der von einer aktuellen Erhebung des Ist-Zustands auf der Werteseite unter primärer Vernachlässigung der Geldseite ausgeht? Die geschaffenen Werte existieren ja nun einmal, auch wenn sie dem Anschein nach ungerecht verteilt wurden, weil für die Leistung deren Schaffung keine Gegenleistung erbracht wurde, bzw. auch keine andere Gegenleistung als Geld gefordert wurde. Die Tilgungsmöglichkeit einer Geldschuld wird aber bekanntlich immer von der Gläubigerseite bestimmt.

Hauptanliegen einer zivilisierten Weltgesellschaft des 3. Jahrtausends sollte endlich einmal die Bewahrung der geschaffenen Werte und deren gemeinwohlorientierter weiterer Ausbau sein. Die keineswegs so überraschend nach rund 60 Jahren Aufbauphase nach einem Neubeginn offenkundig gewordenen Probleme liegen alle auf der Geldseite. Das Produktionsproblem vergangener Zeiten der Mangelwirtschaft kann als gelöst betrachtet werden, was sich in den steigenden Arbeitslosenzahlen manifestiert. Ungelöst ist einzig und allein die nachhaltige Funktionsweise des Informationsmediums „Geld“, ausgerechnet der am leichtesten reproduzierbaren Ressource im Wirtschaftsgeschehen.

Eine wahrhaft ernsthafte Lösung der tief in die gesellschaftliche Entwicklung wirkenden Probleme muss daher hier ansetzen. Beispielhaft stünde dafür der „Plan B“ der Wissensmanufaktur (www.wissensmanufaktur.de) zur Verfügung, der sich für eine öffentliche Diskussion anbieten würde. Darin wird eine Paketlösung skizziert, die nicht nur dem Geld seine segenstiftende ureigenste Funktion als wertneutraler Treibriemen und als Durchflussmedium im Wirtschaftsgeschehen zuweist, sondern auch auf die gleichzeitig zu behandelnden Fragen des Eigentumsrechts, wie auch auf Medienverantwortlichkeit und Fragen der Demokratie eingeht.

Verwahren wir uns jedoch weiterhin gegen solche Überlegungen, dann sollten unsere Eliten auch den Mut zur Ehrlichkeit aufbringen und klar und deutlich sagen, dass es immer nur um Macht und Machterhalt geht, dass es in Wahrheit um die Aushebelung von Marktgesetzen und um die Schwächung demokratischer Mitwirkungsmöglichkeiten geht und dass die Spaltung von Gesellschaften dem politischen Kalkül entspricht. Sie sollten sagen, dass die gesellschaftlichen Verwerfungen, die wir heutzutage hautnah erleben können, exakt den elitären Plänen der Politik folgen. Dann hätten die Menschen wenigsten die formelle Bestätigung für ihre diffusen Ahnungen.

Mit lieben Grüßen ins (hoffentlich) sonnige Spanien,

und langsam im Grenzbereich zur Resignation,

Ihr

Dr. Günther Hoppenberger

23.3.2013; Standard, Andreas Schnauder, Zypern als Vorbote

Die Zeche zahlt der Mittelstand

In knappen Worten gelingt Andreas Schnauder die Skizzierung des immer näher rückenden Wohlstandsverlusts. Rund ein Drittel von 18 Billionen der Ersparnisse in der Eurozone müssten sich demnach in Luft auflösen, um ein erträgliches Schuldenniveau zu erreichen. Wohlgemerkt: Ein erträgliches Schuldenniveau! Das wird dann immer noch irgendwo zwischen den 60% gemäß Maastricht und tolerierbaren 80% liegen und wird dafür die jährlichen Zinsforderungen aus der Realwirtschaft abziehen und neuerlich die Verschuldung wachsen lassen. Als Lösung des Dilemmas wäre das keinesfalls anzusehen. Nur bei oberflächlicher Betrachtung kann man allerdings zur Schlussfolgerung Schnauders gelangen, dass die „Zeche dafür auf jeden Fall die Vermögenden zu zahlen haben werden“. Bei Vermögenden paart sich in der Regel Realvermögen mit Geldvermögen und selbst wenn das Realvermögen dann entwertet sein wird, hätten sie damit andere Startvoraussetzungen für den neuen (kürzeren) Irrsinnszyklus, der aus Erkenntnisresistenz nach bisherigem Muster auf dem Verdorbenen aufgebaut würde, als die breite Masse, die ohne Geld und ohne Kapital wieder bei Null anfangen müsste. Die Zeche zahlen wie stets die Menschen des Mittelstands und darunter.

Dr. Günther Hoppenberger

21.3.2013; GeldStandard, Josef Saller, Finanzwissen für die Jugend

Gut gemeint

Das ehrenwerte Bemühen des „Standard“, der Jugend Finanzwissen und Geldkunde spielerisch näherzubringen, soll keineswegs abgewertet werden, sofern es sich auf den Umgang mit verfügbarem Geld bezieht. Allerdings vermisse ich den jeder Lektion voranzustellenden Hinweis auf den eigentlichen Zweck dieser großartigen Erfindung „Geld“, nämlich: Gesellschaftliche Werte zu schaffen. Tipps und Tricks zur Geldvermehrung ohne Werteschaffung sind deshalb aus pädagogischer und gesellschaftspolitischer Sicht entbehrlich. Es erscheint somit offensichtlich, dass sich der GeldStandard zur vertiefenden Indoktrinierung der Jugend mit der Alternativlosigkeit des bestehenden und erlebbar versagenden Systems hergibt. Schade.

Wäre es denn nicht viel besser, die Jugend im Geldstandard zur Entwicklung von Alternativen zu animieren, anstatt sie nur auf zukünftig zu erwartende Positionskämpfe im Verdorbenen vorzubereiten?

Dr. Günther Hoppenberger

20.3.2013; An Martin Ehrenhauser (M.d.EU-Parlaments) und Robert Sabitzer

Am Beispiel Zypern

Wissen unsere Welteliten eigentlich noch, was sie gesellschaftspolitisch anrichten? In ihrem abgehobenen Ringen unter Ihresgleichen und auf egomanischer Suche nach Selbst- und Fremdbestätigung werden die Bevölkerungen in immer schwerwiegendere Abhängigkeiten getrieben. Die nicht mehr lange auf sich warten lassende Entladung der aufgestauten Frustration wird dann ein Mal mehr als schuldhafter Terror der extremistischen Massen interpretiert werden.

Gesellschaftspolitik ist Geldpolitik und die beginnt bei der Konstruktion eines Geldsystems, das den Menschen in der Entwicklung ihres wirtschaftlichen Austauschverhaltens dient. Eines Geldsystems, das eine ausgewogene Wohlstandsverteilung ermöglicht, in der immer noch ausreichend Spielraum für die Abbildung unterschiedlicher Leistungen in der Schaffung gemeinwohlorientierter Werte besteht.

Im Monetarismus heutiger Prägung bedeutet monetärer „Erfolg“ – und anderes zählt nicht – grundsätzlich, auf Kosten anderer zu leben. Ebensowenig wie alle Unternehmen Gewinne machen können, ohne dass sich die Gesamtverschuldung erhöht, können nicht alle Länder Exportüberschüsse erzielen, oder alle gleichermaßen wettbewerbsfähig sein. Von Gleichgewichten zu träumen, wenn die vermeintlich unantastbaren systemischen Grundlagen nach Ungleichgewichten und steigender Gesamtverschuldung verlangen, trägt nicht unbedingt zur Problemlösung bei.

Dass Schulden nur zwischen den Sektoren Staat, Haushalte, Unternehmen – und nicht zuletzt Exporten verschoben werden können, sollte mittlerweile erkannt worden sein. Tilgen kann man Schulden immer nur, wenn man Guthaben auflöst. Das zypriotische Parlament lehnte es gerade ab, das auf direktem Weg zu tun. Der bislang von der EU gewählte indirekte Weg ist jedoch viel perfider, weil er primär die Schulden des Staatssektors steigert, die wiederum nur durch „Sparen“ (=Vorenthalten von Einkommensmöglichkeiten), Steuer- und Gebührenerhöhungen, wie auch durch weitere Exportsteigerungen, auf die anderen Sektoren übertragen werden müssen. Nicht zuletzt droht dann der totale Ausverkauf, der aber zugleich auch die restlichen Einnahmemöglichkeiten des Staates privatisiert und die Bevölkerungen in gewinnorientierte Abhängigkeiten stürzt. Ein Teufelskreis, der sich als (gewaltfrei) unlösbares Dilemma manifestiert.

Den Sparern ist ja kaum bewusst, dass sie Gläubiger der Banken sind, weil ihre positiven Zahlen auf Konten und Sparbüchern kein Geld, sondern nur Forderungen auf Geld sind. Auf Geld, das längst verzockt wurde und bei wenigen Großanlegern landete. Im einfachsten Fall bei Haltern von Staatsanleihen, die auf Erfüllung ihrer Forderungen pochen. Der ins Auge gefasste Griff nach dem Ersparten, also die Schwächung der Gläubigerpositionen der breiten Masse, würde zusammen mit den für Zypern dann zugesagten EU-Steuermitteln dazu dienen, die Forderungen der Anleger zu bedienen und den Banken zu ermöglichen, weitere Finanzprodukte zu verkaufen. Die Umverteilung von unten nach oben geht also nach der einen, wie der anderen Vorgangsweise munter weiter. Das System hat uns in eine ausweglose Situation geführt, weil nicht erkannt wurde, dass dieses System nie auf Nachhaltigkeit und ausgewogene Wohlstandsmehrung ausgelegt war und wir spätestens ab Mitte der 80er Jahre einen Systemwechsel hätten vornehmen müssen.

Die mangelnde Einsicht, dass sich die politische Ökonomie durch starres Festhalten an einem mittlerweile versagenden System, das nur als Impuls zur Entwicklung von Volkswirtschaften konzipiert wurde, in eine Sackgasse manövriert hat, lässt für die nahe Zukunft nichts gutes erwarten. Der Kern des Problems könnte leichter durchschaubar werden, würde man das Augenmerk auf die Gesamtverschuldung richten und sich nicht nur an der Verschuldung des Staatssektors festkrallen.

Es bleibt zu hoffen, dass uns und den Folgegenerationen die „Problemlösungen“ der Vergangenheit (Krieg, Zerstörung, Not und Elend – danach funktioniert unser System ja wieder) erspart bleiben. Derzeitige Entwicklungen nähren die Zweifel.

Dr. Günther Hoppenberger

20.3.2013; Krone, (aktuell, aber ohne speziellem Bezug)

Den Sparern ist ja kaum bewusst, dass sie Gläubiger der Banken sind, weil ihre positiven Zahlen auf Konten und Sparbüchern kein Geld, sondern nur Forderungen auf Geld sind. Auf Geld, das längst verzockt wurde und bei wenigen Großanlegern als Forderung gegenüber den fleißigen Sparern landete. Im einfachsten Fall bei Haltern von Staatsanleihen, die auf Erfüllung ihrer Forderungen pochen. Der ins Auge gefasste Griff nach dem Ersparten, also die Schwächung der Gläubigerpositionen der breiten Masse, würde in Zypern zusammen mit den dann zugesagten EU-Steuermitteln dazu dienen, die Forderungen der Anleger zu bedienen und den Banken zu ermöglichen, weitere Finanzprodukte zu verkaufen. Die Umverteilung von unten nach oben geht also munter weiter. Das System hat uns in eine ausweglose Situation geführt, weil nicht erkannt wurde, dass dieses System nie auf Nachhaltigkeit und ausgewogene Wohlstandsmehrung ausgelegt war und wir spätestens ab Mitte der 80er Jahre einen Systemwechsel hätten vornehmen müssen.

Leider bestärkt auch die KRONE ihre Leser in höchst populistischer Weise in dem Irrglauben, man könne Schulden durch Sparen unter gleichzeitiger Erhaltung der Guthaben (=Forderung auf Geld), tilgen. Freilich müssten in der jetzigen Situation vor allem die hohen Forderungen beschnitten werden, wozu jedoch der politische Wille, gesellschaftspolitische Verantwortung, vielleicht aber auch nur die Möglichkeit fehlt.

Die mangelnde Einsicht, dass sich die politische Ökonomie durch starres Festhalten an einem System, das nur als Impuls für die Entwicklung von Volkswirtschaften konzipiert wurde, in eine Sackgasse manövriert hat, lässt für die nahe Zukunft nichts gutes erwarten. Der Kern des Problems könnte leichter durchschaubar werden, würde man das Augenmerk auf die Gesamtverschuldung richten und sich nicht nur an der Verschuldung des Staatssektors festkrallen.

Da die Gesamtverschuldung systemisch bedingt stets ansteigen muss, können Schulden immer nur zwischen den einzelnen Sektoren (Staat, Unternehmen, Haushalte – und nicht zuletzt Exporte) verschoben, jedoch niemals getilgt werden. Gesellschaftspolitik beginnt bei der Konstruktion des Geldsystems und das derzeitige System ist eindeutig zur Unterdrückung der Massen ausgelegt.

Dr. Günther Hoppenberger

20.3.2013; Standard, Rauscher, „Der Griff nach dem Ersparten“

Das letzte Gefecht

Im Monetarismus heutiger Prägung bedeutet monetärer „Erfolg“ grundsätzlich, auf Kosten anderer zu leben. Ebenso wenig wie alle Unternehmen Gewinne machen können, ohne dass sich die Gesamtverschuldung erhöht, können nicht alle Länder Exportüberschüsse erzielen, oder alle gleichermaßen wettbewerbsfähig sein. Von Gleichgewichten zu träumen, wenn die vermeintlich unantastbaren systemischen Grundlagen nach Ungleichgewichten und steigender Gesamtverschuldung verlangen, trägt nicht unbedingt zur Problemlösung bei.

Dass Schulden nur zwischen den Sektoren Staat, Haushalte, Unternehmen – und nicht zuletzt Exporten verschoben werden können, sollte mittlerweile erkannt worden sein. Tilgen kann man Schulden immer nur, wenn man Guthaben auflöst. Das zypriotische Parlament lehnte es gerade ab, das auf direktem Weg zu tun. Der bislang von der EU gewählte indirekte Weg ist jedoch viel perfider, weil er primär die Schulden des Staatssektors steigert, die wiederum nur durch „Sparen“ (=Vorenthalten von Einkommensmöglichkeiten), Steuer- und Gebührenerhöhungen, wie auch durch weitere Exportsteigerungen, auf die anderen Sektoren übertragen werden müssen. Nicht zuletzt droht dann der totale Ausverkauf, der aber zugleich auch die restlichen Einnahmemöglichkeiten des Staates privatisiert und die Bevölkerungen in gewinnorientierte Abhängigkeiten stürzt. Ein Teufelskreis, der sich als (gewaltfrei) unlösbares Dilemma manifestiert.

Den Sparern ist ja kaum bewusst, dass sie Gläubiger der Banken sind, weil ihre positiven Zahlen auf Konten und Sparbüchern kein Geld, sondern nur Forderungen auf Geld sind. Auf Geld, das längst verzockt wurde und bei wenigen Großanlegern landete. Im einfachsten Fall bei Haltern von Staatsanleihen, die auf Erfüllung ihrer Forderungen pochen. Der ins Auge gefasste Griff nach dem Ersparten, also die Schwächung der Gläubigerpositionen der breiten Masse, würde zusammen mit den dann zugesagten EU-Steuermitteln dazu dienen, die Forderungen der Anleger zu bedienen und den Banken zu ermöglichen, weitere Finanzprodukte zu verkaufen. Die Umverteilung von unten nach oben geht also nach der einen, wie der anderen Vorgangsweise weiter. Das System hat uns in eine ausweglose Situation geführt, weil nicht erkannt wurde, dass dieses System nie auf Nachhaltigkeit und ausgewogene Wohlstandsmehrung ausgelegt war und wir spätestens ab Mitte der 80er Jahre einen Systemwechsel hätten vornehmen müssen.

Die mangelnde Einsicht, dass sich die politische Ökonomie durch starres Festhalten an einem System, das nur als Impuls für die Entwicklung von Volkswirtschaften konzipiert wurde, in eine Sackgasse manövriert hat, lässt für die nahe Zukunft nichts gutes erwarten. Der Kern des Problems könnte leichter durchschaubar werden, würde man das Augenmerk auf die Gesamtverschuldung richten und sich nicht nur an der Verschuldung des Staatssektors festkrallen.

Es bleibt zu hoffen, dass uns und den Folgegenerationen die „Problemlösungen“ der Vergangenheit (Krieg, Zerstörung, Not und Elend – danach funktioniert unser System ja wieder) erspart bleiben. Derzeitige Entwicklungen nähren die Zweifel.

Dr. Günther Hoppenberger

19.3.2013; OÖN, Hermann Neumüller, „Was sind Versprechen der Politiker wert?“

Begriffliches zum „Gläubiger“

Es hat sich eingebürgert, dass Sparer meinen, sie hätten Geld auf der Bank. In Wahrheit bedeuten die positiven Zahlen auf ihren Konten und Sparbüchern jedoch nur, dass die Sparer eine Forderung auf Geld gegenüber der Bank haben. Sie sind also Gläubiger der Banken, weshalb sich die Spareinlagen auf der Passivseite der Bankbilanzen befinden. Jede Spareinlage erhöht primär die Bankschulden; ein in der Bevölkerung weitgehend unbeachteter Zusammenhang.

Die „Anleihe-Gläubiger“, die Herr Neumüller im heutigen Leitartikel von den Sparern abgrenzt, sind hingegen Gläubiger der Emittenten dieser Anleihe, also meist Gläubiger von Staaten. Ihnen wurde von den Banken eine Anleihe verkauft und somit die Schuld der Banken auf jene von Staaten übertragen. Sofern die Banken mit solchen Anleihen nicht selbst spekulativ unterwegs sind, hätten sie nichts mehr damit zu tun.

Die Gelassenheit der Banken gegenüber staatlichen Zugriffen auf die Sparkonten sollte daher nicht verwundern, denn damit reduzieren sich die Bankschulden und dem Staat wird es ermöglicht, die Zinsforderungen der „Anleihe-Gläubiger“ zu bedienen, denen die Banken – zumindest zum Großteil – wieder neue „Finanzprodukte“ verkaufen können.

Wichtig wäre daher, dass Sparguthaben außerhalb der Bankbuchhaltung anzusiedeln sind, wie das bei staatlichem Vollgeld (Joseph Huber/Irvin Fisher) der Fall wäre. Nur so wären Spareinlagen tatsächlich gesichert. Wer dann willentlich über die Vermittlung von Banken Finanzprodukte ersteht, weil eine höhere Verzinsung angestrebt wird, begibt sich wissentlich ins Casino und muss daher auch mit dem Totalverlust rechnen.

Es wäre ja auch interessant, ob auch die Forderungen der zypriotischen Banken gegenüber der Zentralbank um den „einmaligen“ Abzug verkürzt werden.

Abschließend ist vielleicht zu sagen, dass wir ohne grundlegender Veränderung der Konstruktion unseres Geldsystems, wie das für ausgereifte Volkswirtschaften nötig wäre, aus dem Schuldendilemma und vor allem aus der sich weiter zuspitzenden Ungleichverteilung nicht herausfinden werden. Wird das von der Politik weiterhin aus Unwissenheit oder Angst missachtet, erübrigen sich schon bald jegliche Diskussionen über Demokratie und europäische Werte. Der Schlüssel zur Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens liegt im Geldsystem!

Dr. Günther Hoppenberger

18.3.2013; Standard, OÖN, Presse, SN; „Testfall Zypern“

Die Endphase des Geldsystems nimmt konkrete Formen an

An Zypern, dem bislang sicheren Rückzugsgebiet für russische Oligarchen, Araber, britische Steuerhinterzieher und andere Kriminelle unterschiedlicher Nationalität, wird soeben die Leidensbereitschaft der breiten Bevölkerung getestet. Die Forderungen auf Geld gegenüber den Banken, angeblich 70 Mrd., werden unter Aufhebung rechtsstaatlicher, demokratischer Strukturen ganz einfach gekürzt. Ob man es als Geldsteuer oder Enteignung bezeichnet, macht wenig Unterschied. Einerseits zeigt sich darin die Einsicht, dass volkswirtschaftliche Schulden nicht durch Sparen, sondern ausschließlich durch Auflösung der Guthaben getilgt werden können, andererseits ist kaum anzunehmen, dass die tatsächlich hohen Guthaben von dieser ersten, „einmaligen“ Abgabe wesentlich betroffen sein werden (Russland und England haben ja bereits angekündigt, etwaige Abzüge auf den Konten ihrer Fahnenflüchtigen von ihren Steuerzahlern kompensieren zu lassen). Die Euro-Europäer täten jedenfalls gut daran, die Entwicklungen im „Testlabor“ Zypern genau zu beobachten, denn der nunmehr eingeschlagene Weg bleibt mit Sicherheit nicht auf die Insel der Aphrodite beschränkt.

Dr. Günther Hoppenberger

15.3.2013; OÖN, Mascher, Wessen Eigentum? (Managereinkommen)

Verdienst, oder Einkommen?

Freilich ist es ausschließlich Sache der Eigentümer, welche Einkommen sie ihren Führungskräften zugestehen. Es ist jedoch durchaus die Aufgabe des Staates, Einkommensspreizungen in gesellschaftlich erträglichem Ausmaß zu halten. Besonders auch im Interesse der Spitzenverdiener selbst, um ihnen ein unbeschwertes Leben in Wohlstand, ohne Bodyguards und ohne Freiheitsbeschränkung hinter Sicherheitsmauern zu ermöglichen. Welche maximale Einkommenshöhe, ab der dann zusätzliches Einkommen progressiv bis zu 100% besteuert wird, sinnvoll wäre, sollte wohl am ehesten in Relation zu den Mindesteinkommen diskutiert werden. Das hat nichts mit Neid, sondern mit Vernunft zu tun. Welche Spreizung braucht es, um die unterschiedliche Leistung in der menschlichen Werteschaffung abbilden zu können? Die Geldmehrung ist ja mit der Mehrung von Lebenswerten nicht identisch!

Dr. Günther Hoppenberger

13.3.2013; Standard, Fischer-Rede zur NS-Zeit

Mitläufer hie wie da

Völlig richtig betont Heinz Fischer die ausschlaggebende Rolle der opportunistischen Mitläufer und Profiteure beim Aufbau des totalitären NS-Regimes. Die Analogie zur heutigen Weltlage ist dabei jedoch nicht zu übersehen. Auch heute stärken die (nach Hans Jürgen Krysmanski) Funktions- und Wissenseliten aus Opportunismus, Ängsten und Fehleinschätzungen als Mitläufer ein System, das die Weltgesellschaft in den Abgrund zu führen droht. Die zunehmenden Rufe nach einem „starken Mann“ sollten Angst machen und belegen zugleich das fundamentale Versagen unserer demokratischen Strukturen.

Dr. Günther Hoppenberger

13.3.2013; OÖN, H. Neumüller, BIP soll abgeschafft werden, was dann?

Problematische Kennzahl BIP

Die Problematik des BIP besteht darin, dass es eine Geldgröße ist und nichts über die geschaffenen Lebenswerte aussagt. Der Zwang zu exponentiellem Schuldenwachstum (Staat+Unternehmen+Haushalte) rührt aus der Konstruktion des Geldsystems, wohingegen die möglichen BIP-Steigerungen in gesättigten Wirtschaften logischer Weise rückläufig sind. Der krampfhafte Versuch, realwirtschaftliches Wachstum im Gleichklang mit der Zinseszinskurve zu erzwingen muss zum Scheitern verurteilt sein und führt – wie wir allenthalben sehen – zur unsinnigen Zerstörung von Natur, Lebensqualität und von bereits geschaffenen Werten. Leider haben weitere BIP-Steigerungen ausgereifter Volkswirtschaften auch eher negative Auswirkungen auf rückständigere Wirtschaftsräume und deren Bevölkerungen. Unser Dilemma besteht daher im Versäumnis, dass wir seit Mitte der 80er Jahre, als die exponentielle Verschuldungskurve die realwirtschaftliche Wachstumskurve durchschnitt, die Notwendigkeit zu einem Systemwechsel nicht erkannt haben. Zur weiteren Aufrechterhaltung des bestehenden, mittlerweile untauglichen Geldsystems sind wir also – trotz Aussichtslosigkeit – dazu verdammt, unsinnigstes Wachstum zu erzwingen und koste es noch so viel an Lebensqualität und Menschenleben.

Dr. Günther Hoppenberger

12.3.2013; Lingens, Profil Nr.11, „Ist Austerity weiter zumutbar?“

Entbehrliche Fragestellung

Die Diskussion, ob Austerity weiter zumutbar ist, oder, wie Streissler meint, unvermeidbar ist, geht insgesamt am Kern des Problems vorbei, weil die Fragestellung darauf abzielt, wie man ein für hoch komplex arbeitsteilige, gesättigte Märkte untaugliches und unzeitgemäßes Geldsystem entgegen aller mathematischen Erkenntnisse krampfhaft am Leben erhalten könnte. Die auf Staatsverschuldung eingeschränkte Betrachtung, die die Gesamtverschuldung (Staat+Unternehmen+Privat) ausblendet, trägt außerdem nicht zum Systemverständnis bei, legt allerdings den systemkonformen Drang nach absurdestem Wachstum (=Schuldenwachstum) nahe. Das Eingeständnis, dass wir ein der gesellschaftlichen Entwicklung entsprechendes gänzlich anderes Geldsystem (=Informationssystem) benötigen, das eine Steigerung der Lebensqualität zulässt, wäre längst überfällig. Wie es aber scheint, fällt es der Politik viel leichter, Kriege zu führen und/oder Gesellschaften zu zerstören, als dogmatische Verirrungen einzugestehen.

Dr. Günther Hoppenberger

10.3.2013; Unterbergers Tagebuch (Grüne wollen Internet-Abgabe)

  • Da in diesem Beitrag und anschließenden Kommentaren öfters von „Links“ die Rede ist, hätte ich endlich gerne gewußt, woran man „Linke“, bzw. „Rechte“ erkennen kann.In meinen zwischenmenschlichen Begegnungen ist mir diese Unterscheidung noch nicht gelungen. Für entsprechende Unterscheidungsmerkmale wäre ich sehr dankbar, wie auch für die Bewertung der dann kategorisierbaren Menschen. Ich weiß nämlich auch nicht, ob „Links“, bzw. „Rechts“ gut, oder schlecht ist.Auf diesem Blog, scheint „Links“ irgendwie negativ bewertet zu sein. Ich kenne jedoch auch andere Blogs, wo „Rechts“ irgendwie stigmatisiert erscheint.Wer könnte mir da helfen, um mein Menschenbild für Entscheidungsfindungen zu entwickeln?
  1. März 2013 18:44

@Günther Hoppenberger

Auf diese Frage gebührt Ihnen folgende Antwort:

Rechte wissen genau, ob sie „Mandel“ oder „Weibel“ sind, wie eine Familie mit Kindern von Natur aus auszusehen hat und fügen sich dieser Bestimmung!

Linke wissen das nicht, wollen ihr Geschlecht irgendwann einmal selbst bestimmen und fügen sich nicht mehr in die natürlichen Aufgaben des Menschen!

So einfach ist das!

20.2.2013; OÖN, D. Mascher, Wie viel Arbeit, wie viel Sinn?

Wachstum um jeden Preis?

Völlig zu Recht verteidigt Dietmar Mascher im Leitartikel vom 20.2. die schöpferischen Phasen des Nichtstuns im Produktionsprozess, die von der Industrie als Zeitdiebstahl geortet werden, als essentielle Voraussetzung für Kreativität. Die Sinnfrage muss auch bei den eigentlichen Leistungsträgern – das sind die meist am schlechtesten entlohnten, die sich neben der Arbeit auch noch um die Organisierung des eigenen Überlebens kümmern müssen – gestattet sein. Wie viel der heute erbrachten Arbeiten tragen tatsächlich noch zum Gemeinwohl bei? Wie viel Arbeit wird heute nur mehr zur Bedienung des systemischen Wachstumszwangs erbracht? Sinnentleert und mit dem einzigen Ziel von Geldgewinnen auf Kosten von Lebensqualität, Umweltzerstörung und Ressourcenvergeudung?

Dr. Günther Hoppenberger

19.2.2013, Standard, Brändle aus Paris, „ Fußballgott überdribbelt franz. Steuerfalle“

Verwerfliche Fahnenflucht der Unanständigen (Beckham, Depardieu &Co)

Offensichtlich hat unter Europas Politikern bislang nur Hollande kapiert, dass Schulden nur getilgt werden können, wenn man Guthaben in gleicher Höhe löscht. Nicht seine Steuerpläne für unverdienbare Spitzeneinkommen sind daher verwerflich, sondern die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Steuerflucht überhaupt erst ermöglichen. Dass Steuerflüchtlinge überall mit offenen Armen empfangen werden, wirft zusätzlich ein jämmerliches Bild auf eine angeblich als Solidargemeinschaft konzipierte Staatengemeinschaft. Von Rechts wegen müsste das Pariser Stadion Parc des Princes bei Beckhams erstem Auftritt in Frankreich am kommenden Sonntag leer sein, wenn den Franzosen noch ein Funken von Stolz zu eigen ist. Leider wird das nicht passieren und eventuell doch vereinzelt auftretende Buh-Rufe werden wohl vom johlenden Gegröle der verblendeten Massen in der Verehrung solch asozialer Schlitzohren übertönt.

Dr. Günther Hoppenberger

17.2.2013, profil, Lingens, SPÖ gegen „Privatisierung“

Schlechte Beispiele

Bei alle Bereitschaft, der SPÖ Unrecht zu tun, sind gerade die Privatisierungsbeispiele „Westbahn“ und „Post“ eher schlecht gewählt. Die Post, einstmals ein Netzwerk mit einer weit über die geschäftlichen Aktivitäten hinausreichenden sozialen Funktion, ist mittlerweile praktisch inexistent. Die „Westbahn“ wiederum, die offensichtlich nur einen Deckungsbeitrag zu der von den Steuerzahlern bereitgestellten Infrastruktur leistet, zwingt die ÖBB dazu, weitere Kosten auf Bund (Arbeitslose), Länder und Gemeinden (Übernahme von Nebenstrecken) zu übertragen. Ob das g’scheit war? Das Ticket mag billiger sein, aber den Rest zahlt auch der Konsument mit seinen Steuern – wenn er denn überhaupt noch ausreichend verdient, um Steuern zahlen zu können. Auch die derzeitigen Verlustvorträge der „Westbahn“ werden natürlich von den Steuerzahlern berappt. Auch hier wurde die gesellschaftspolitische Idee einer flächendeckenden Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die natürlich kostet, einer privatisierten Gewinnmöglichkeit geopfert.

Dr. Günther Hoppenberger

14.2.2013, Standard.at, Freihandelsabkommen USA-EU

Tolle Idee! Wertvolle Waren und Dienstleistungen noch leichter gegen bedrucktes Papier zu tauschen

Endlich können die besten Arbeitskräfte Europas ihre Waren und Dienstleistungen noch leichter und unregulierter in einen Markt exportieren, der sich nicht so wie z.B. Griechenland verschulden müsste, sondern der uns mit bedrucktem Papier entschädigt. Ein toller Plan, der Europa sogar als win/win Situation verkauft wird.

Dabei ist es ja nicht so, dass US-Produkte, die bei uns nachgefragt werden, in Europa nicht lieferbar wären. Zu befürchten ist viel eher, dass mit den EU-Dollarüberschüssen zunehmend unerwünschte US-Produkte nach Europa kommen.

Der kurzsichtige Impuls zur vermeintlichen Stabilisierung des unsanierbaren Finanzsystems, wird nur den globalen Ressourcenverbrauch steigern, ohne tatsächlichen Nutzen für den Lebenswert.

10.2.2013, profil, Lingens, Spanische Zerreißprobe

Exportsteigerung Spaniens?

Die Hoffnung auf die Eroberung neuer Märkte durch billigere Produkte ist bekanntlich die Hoffnung, jemandem die eigenen Schulden weiterreichen zu können. Es löst das globale Finanzdilemma nicht – und schon gar nicht den gesellschaftlichen Niedergang, sondern verschiebt nur die Schulden im Kreis. Extrapoliert man die wenig zielführende Hoffnung weiter, läge also die Lösung darin, zu Null Lohnkosten (= Null Inlandsnachfrage), eigene Ressourcen (frei verfügbare Rohstoffe+Arbeit) zu exportieren. Da mittlerweile aber alle Länder der Erde hochgradig verschuldet sind, steht dieser listige – und gegenüber der jeweils eigenen Bevölkerung zynische – Lösungsweg in allen Ländern ganz oben auf der Agenda. Preisfrage: Wer wird sich die – obzwar billigen – Produkte kaufen können? Die hypothetische win-win Situation für Import/Export – Partner hört sich auf, wenn es um’s Geld geht. Peter Lingens bringt das treffend zum Ausdruck, wenn er von der „Eroberung neuer Märkte“ spricht.

Dr. Günther Hoppenberger

31.1.2013, Standard, Eric Frey, „Nicht neoliberal, aber europäisch“

Fehlende Gemeinwohlorientierung

Es ist schon richtig, dass man die EU-Beamten nicht pauschal als „Speerspitze eines neoliberalen Marktfetischismus“ sehen sollte; dennoch sind sie, wie Eric Frey völlig richtig feststellt, „von Natur aus Technokraten“, solche aber, die sich willig von den Konzern- und Finanzeliten leiten lassen. „Sie vertrauen [zwar] auf ökonomische Theorien und wissenschaftliche Erkenntnisse“, jedoch nur auf solche, die zum so genannten Mainstream erkoren wurden – unabhängig von deren Effektivität bezüglich der den Bevölkerungen versprochenen und von diesen erwarteten Zielen. Was den EU-Beamten zu fehlen scheint, ist der Blick über den Tellerrand, der ihre Entscheidungsgrundlagen weg vom „Mehr-vom-Gleichen“ zu echten nachhaltigen Lösungen führen könnte. Mit noch mehr – interessanter Weise ja regulierter – Deregulierung und Privatisierung werden wir dem Dilemma, in das uns das vorhersehbare Versagen des Geldsystems gebracht hat, jedenfalls nicht Herr werden.

Dr. Günther Hoppenberger

29.1.2013, standard.at, Profitquelle Wasser

Besorgnis über Tendenzen sind mit anderem Blickwinkel gerechtfertigt

Stellen wir uns vor, wir wären Aktionäre der EVN-Wasser. Die Geschäftsführung bietet nun einer kleineren Gemeinde, die ohnehin von ihr risikolos und auf nur einer Jahresrechnung mit Wasser beliefert wird, z.B. 50.000.- an, um nun auch das von den Bürgern bereits und viel teurer bezahlte Rohrleitungsnetz, Pumpen und Wasseruhren zu Wartung und Ausbau zu übernehmen. Außerdem würde die Abrechnung mit den Haushalten und das Mahnwesen übernommen werden und der Wasserpreis würde im ersten Jahr um 2 Cent gesenkt werden (Konkretes Beispiel!).

Als Aktionär würde ich so eine Geschäftsleitung augenblicklich kündigen – es sei denn, es steckt ein langfristiges Konzept dahinter. Und das macht berechtigte Sorge.

27.1.2013, profil, Lingens, Seit eh und je verantwortungslos

Österreichs abenteuerlicher Umgang mit „Sicherheitspolitik“

Volle Zustimmung – aber: Welches sind die wichtigsten aktuellen Aufgaben, die ein österreichisches Heer zu erfüllen hat? Einsätze im Ausland? Friedenssicherung für Österreich am Hindukusch, oder doch nur in einem unserer Nachbarstaaten? Was sind ernsthafte militärische Einsätze? Entmachtung unbequemer Regime und Zerstörung unliebsamer Kulturen? Geht es nicht immer nur darum, Abhängigkeitsverhältnisse zu schaffen, die durch derart persönlichkeitsauflösenden Druck verfestigt werden können, dass es möglich ist, das Zutodebringen anderer Menschen befehlen zu können? In den US-Streitkräften „dürfen“ jetzt auch Frauen an die Front. Großartig! Dabei gab es bereits im Vietnamkrieg die erste Kommandantin eines Kampfhubschraubers, über die ihre Kollegen bewundernd feststellten, dass sie genauso gut tötet, wie ihre Kameraden. Geht es vielleicht doch darum, ob es leichter ist, einen Berufssoldaten zum Morden zu zwingen, oder einen Wehrpflichtigen? Vielleicht sollten wir doch der Schnittstelle zwischen Geldmechanismen und dem militärisch-industriellem Komplex mehr Aufmerksamkeit schenken. Immerhin befinden wir uns im 3. Jahrtausend und Argumente wie „das war immer so und wird immer so bleiben“, oder „da kann man nichts machen“, sollten langsam einer Überarbeitung unterworfen werden.

Dr. Günther Hoppenberger

25.1.2013, OÖN, Gerhard Schwischei, Die bizarren Ränkespiele der Mächtigen,

Die bizarren Ränkespiele der EU-Mächtigen

In seinem „Brief aus Brüssel“, in dem es um die Nachfolge für den Eurogruppenchef Juncker geht, bringt Gerhard Schwischei das Dilemma der EU-Bürger auf den Punkt: (Sinngemäß): „Selten gewinnt in der EU der Beste, dafür ist alles viel komplizierter und für den politischen Laien viel undurchschaubarer“. Der politische Laie ist jedoch genau jener Normalbürger, der von den politischen Entscheidungen einerseits – meist negativ – betroffen ist, andererseits von diesen durch unzureichende, späte oder verwirrende Informationen ferngehalten wird. Das Übel, an dem unser Gesellschaftsmodell voraussichtlich zerbrechen wird, stellt Schwischei lapidar und wie unumstößlich fest, ohne sich dabei zu empören: „Auch in der EU gilt: Geld schafft an“. Solange die Politik sich nicht aus dem Würgegriff der Konzern- und Finanzelite zu befreien versteht und sich willig nach deren Anweisungen anstatt an der Bildungselite orientiert, wird das einstmals so großartige Gesellschaftsprojekt „Europa“ sukzessive zerstört.

Dr. Günther Hoppenberger

27.1.2013, Die Presse; Schellhorn, „Hände weg von unserem Wasser?

Konkurrenz oder Gesellschaft?

Franz Schellhorn übersieht in seinen Darstellungen leider die wichtige gesellschaftspolitische Lenkungsfunktion, die staatliche Monopole gegenüber privaten Mono- oder (Schein-) Oligopolen, bei denen es ausschließlich um Geldgewinnmaximierung ohne Berücksichtigung gesellschaftlicher Werte geht, zu erbringen vermögen. Als Paradebeispiel für die Segnungen der Entmonopolisierung führt er ausgerechnet den heimischen Telekomsektor an, der „die Verbraucher [aber] mit den günstigsten Tarifen in ganz Europa versorgt“. Verschwiegen wird jedoch, dass gerade wegen dieser Billigtarife die Verbraucherausgaben für Telekommunikation in exorbitante Höhen schossen. Noch nie zuvor gab es so viele Privatkonkurse, und deren häufigste Ursache ist in den „billigen“ Telefonkosten zu finden.

Es verwundert auch, dass die Wiener Wasserwerke dafür kritisiert werden, dass sie Gewinne erwirtschaften. Täten sie es aber nicht, würde das sofort als Beweis für das Unvermögen des Staates zu wirtschaftlichem Handeln herangezogen werden (Ähnlich erst kürzlich die Empörung, dass die Gerichte Deckungsbeiträge durch Einnahmen aus Kopierkosten lukrieren – na und?).

EU weite Ausschreibungen für Wartung und Betrieb der Wassernetze mag für das eine oder andere Land sinnvoll erscheinen, fällt m.E. aber unter das Subsidiaritätsprinzip und rechtfertigt keineswegs eine unerbetene EU Richtlinie. Etwaige Mauscheleien in den Gemeinden, womit Fischler für die Richtlinie argumentierte, sind lokal jedenfalls leichter aufzudecken als die großen Mauscheleien in Brüssel.

Dr. Günther Hoppenberger

25.1.2013, Standard.at, Fischler beschwichtigt wegen Wasserrichtlinie

Mauscheleien scheinen eher in Brüssel als in den Gemeinden stattzufinden

Welches Land hat denn überhaupt durch ihre demokratisch legitimierten Vertreter die EU um die „Wasserrichtlinie“ ersucht? Was ist mit der Subsidiarität – die schon bei dem lukrativen Glühlampenunsinn – außer Acht gelassen wurde? Immer mehr entlarvt sich die EU Politik als williger Handlanger der Konzern- und Finanzelite. Der einstige Traum vom europäischen Gesellschaftsprojekt verkommt zusehendst zu einem Albtraum von Unterjochung und Versklavung.
(Die Prioritätensetzung erinnert außerdem sehr stark an die vorrangige Rettung der Mausefallen bei brennendem Haus – wie bei Wilhelm Busch nachzulesen)

23.1.2013, OÖN, FTS-Bärenfell, D.Mascher

FTS – Finanztransaktionssteuer und das Fell des Bären

Ist denn die FTS nicht eigentlich mit Verkehrsstrafen vergleichbar, durch die etwas verhindert werden soll? Ziel müsste also sein, dass dabei gar nichts herein kommt und sich daher das Rangeln um das Fell des nicht erlegten Bären erübrigt. Wenn jedoch tatsächlich eine erkleckliche Steuer anfällt, dann hätte ja die FTS streng genommen ihren Zweck verfehlt.

Dr. Günther Hoppenberger

23.1.2013, OÖN, Die Glaskugel der Konjunkturforscher, H. Neumüller

Prognosen aus dem Sud des Morgenkaffees

Der großartigen Darstellung der generellen Problematik von Vorhersagen über zukünftige Entwicklungen fehlt noch ein zusätzlicher Aspekt: Die gesellschaftliche Bedeutung prognostizierter Werteverläufe. Allein, der Begriff „Konjunktur“ ist derart positiv konnotiert, dass bereits die vage Aussicht auf ein „Anspringen“ die allgemeine Stimmung im Land zu beflügeln scheint und niemand mehr fragt, was da eigentlich dahinter steckt. Konjunktur verheißt Wachstum, also genau das, was die Politik herbeisehnt, um damit das Schuldendilemma kaschieren zu können. In Zahlen bedeutet Konjunktur, abgesehen vom erhöhten Ressourcenverbrauch, vor allem aber eine Zunahme der gesellschaftlichen Gesamtverschuldung, allerdings begleitet vom zuversichtlichen Glauben, die Schulden nunmehr leichter tilgen zu können. Eine etwas naive Annahme, die sich mit dem Ausreizen einer Glückssträhne im Casino vergleichen lässt. De facto passiert in einer Konjunktur nichts anderes, als dass alte Schulden mit dem Umweg über Ressourcenverbrauch durch neue Schulden getilgt werden. Die Gesamtschulden sind dadurch nicht verschwunden, sondern sind am Ende sogar noch etwas höher, doch hat man wieder Zeit gewonnen, in der man die Kristallkugel nach neuen Auswegen in der Zukunft befragen kann. Vielleicht liegt unser Dilemma ja an der ewig gleichen Fragestellung?

Dr. Günther Hoppenberger

23.1.2013, Standard; Merkollande bereiten Plan zur Euro-Sicherung vor. B.Baumann

„Merkollande“ und die deutsch-französische Freundschaft

Der gemeinsame Plan zur Euro-Sicherung wird vorhersehbar im Planungsstadium stecken bleiben, denn er beschränkt sich auf die alten, konfliktträchtigen Ziele „Wettbewerbsfähigkeit im globalen Kontext“ und auf „Initiativen für einen verbesserten europäischen Arbeitsmarkt“, anstatt auf Kooperation und Reduzierung der Einkommensdisparitäten. Keine Rede von Wiedereinführung der Kapitalverkehrskontrollen, keine Rede von radikaler Schließung der Steueroasen und schon gar keine Rede vom beherzten, gemeinsamen Vorgehen zur Wiedererlangung der staatlichen Hoheit über die Geldschöpfung. Der Merkollande-Plan ist daher bestenfalls ein Signal an „die Märkte“, dass sich die Politik diesen auch weiterhin unterordnen wird.

Dr. Günther Hoppenberger

12.1.2013, OÖN, Mascher „Eiskalt erwischt..“

Betreff: „Eiskalt erwischt“, 12.1.2013

Unseriöse Forderungen an die Politik

Es erstaunt immer wieder, mit welcher Verwunderung selbst Wirtschaftsjournalisten den logisch zu erwartenden Ergebnissen aus der widerspruchslosen Befolgung der geldsystemischen Anforderungen gegenüberstehen. Der im Kommentar zum Ausdruck gebrachte Glaube, durch Einsparungen von Staatsausgaben (=Vorenthalten von Einkommensmöglichkeit) die Systemkrise in den Griff bekommen zu können, deutet auf den fehlenden Blick für das Ganze hin. Es geht um die Gesamtverschuldung und die muss systembedingt stets ansteigen. Durch einschneidende Maßnahmen, die nicht unbedingt dem Gemeinwohl dienlich sind, kann man zwar die nötige Aufschuldung zwischen den Sektoren (Haushalte, Staat, Unternehmen, – bei Außerachtlassung jeglicher gebotenen globalen Solidarität – auch Ausland) verschieben, aber man bekommt die Schulden nicht weg. Unser Dilemma, das wir als „Finanzkrise“ bezeichnen, besteht doch darin, dass unser Geldsystem den Anforderungen einer ausgereiften, arbeitsteiligen Wirtschaft nicht mehr gerecht werden kann. Dies nicht offen zu diskutieren muss man der Politik zum Vorwurf machen, nicht jedoch, dass sie mathematische Gesetzmäßigkeiten nicht zu verändern versteht.

Dr. Günther Hoppenberger

11.1. 2013, Standard, „Hänsch, ein krisenfreies Europa……“

Optimistischer Kriseneuphoriker Hänsch

Die Milliardenhilfen für Eurostaaten, Sicherheiten und Bankenunion als Leistungsbeweis der EU zu werten, ist albern und entbehrt jeglichen Sachverstands über das vorhersehbar entstandene globale Dilemma. Die „Weltfinanzkrise 2008“, die Hänsch als Ursache der „großen Krise“ Europas identifiziert, ist doch selbst bereits das erwartungsgemäße Ergebnis des unumstößlich akzeptierten Systems unserer Geldentstehung und Inumlaurauffbringung. „Schulden runter, Wachstum rauf, Arbeitslosigkeit runter, Solidarität rauf“, wie das Hänsch als „schwere Situation“ und Herausforderung für Europa sieht, ist der übliche, sogar wohlmeinende Ratschluss, der bereits vor 2008 an die Grenzen der systemischen Zulässigkeit gestoßen ist. So gesehen hat Hänsch völlig Recht, dass: „Wenn das jemand bei der Einführung des Euro um die Jahrtausendwende auch nur ansatzweise skizziert hätte, was wir jetzt leisten, hätte man den für verrückt gehalten“. Und hätte jener nicht Recht behalten? Sind wir denn etwa nicht verrückt?

Dr. Günther Hoppenberger

8.1.2013,  Presse, W.Böhm, „Haushaltssanierung“

IWF-Experten erkennen Fehler in den Sparauswirkungen

Was sind das doch für tolle Experten, die sich noch darob wundern können, dass die Arbeitslosigkeit steigt und die Binnennachfrage sinkt, wenn man der Wirtschaft die Mittel vorenthält? Diese gezielt herbeigeführten Auswirkungen als Fehler zu bezeichnen, ist an Zynismus ja kaum zu überbieten. Wir sollten uns daher große Sorgen um die geistige Verfasstheit unserer politischen Vertreter und deren Berater machen, die sich immer noch darüber überrascht zeigen können, dass tatsächlich etwas eintritt, wofür man alle Voraussetzungen geschaffen hat.

Dr. Günther Hoppenberger