2012

LESERBRIEFE u. KOMMENTARE 2012

29.12.2012; OÖN, C.Kotanko, „Auf hohem Niveau“

Was ist das Ziel des Wettbewerbs?

Die Wettbewerbsfähigkeit muss weiterhin gestärkt werden, schreibt Christoph Kotanko in seinem Kommentar „Auf hohem Niveau“, vom 29.12.2012. Wirtschaft als sportlicher Wettbewerb? Alle anderen haben bereits die superschnellen Laufschuhe, die uns noch fehlen? Sollten wir nicht vielleicht gelassener bleiben und uns fragen, ob wir da überhaupt mit rennen sollen? Die anderen mögen schneller sein, doch haben sie ein klares Ziel vor Augen? Ist ein Sieg in diesem Wettbewerb eigentlich erstrebenswert, oder meinen wir nur, mit der Herde mitlaufen zu müssen? Vielleicht sollten wir gemeinsam über die Gründe des offensichtlichen Zwangs nachdenken, der mit der Aufforderung zu permanenter Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit auf uns ausgeübt wird, ohne dass wir eine Information über das Ziel des Wettbewerbs erhalten.

Dr. Günther Hoppenberger

29.12.2012; Standard, Bettina Pfluger, Das Spiel von Super-Mario

Aktien auf Höhenflug?

Der ATX hat 2012 um 27% zugelegt. Mit dieser Jubelmeldung wird der Eindruck erweckt, dass die Wirtschaft wieder hervorragend läuft. Berücksichtigt man die BIP Steigerung, die sich bei +/- 0% bewegt, sollte sich eigentlich die Frage aufdrängen, was hinter diesen 27% steht und wer das zu erarbeiten hat. Die Umverteilung von Fleissig zu Reich geht also munter weiter, wie auch die Destabilisierung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Bettina Pfluger bringt die diesbezügliche Sorge zwischen den Zeilen ihres Kommentars zum Ausdruck, wenngleich sie meint, die Politik könnte die Probleme ohne grundlegender Systemänderung und nur durch Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in Frankreich oder Italien in den Griff bekommen. Die ATX Steigerung muss eigentlich als alarmierende Horrormeldung verstanden werden.

Dr. Günther Hoppenberger

28.12.2012; OÖN, Neumüller, Lissabon

Was ist der Wert des Siegen-Müssens?

Wenn sich die Weltenlenker auf Verantwortung als handlungsleitende Kategorie besännen und die missbräuchliche Ausbeutung ihrer Bevölkerungen für ihre anachronistischen Hahnenkämpfe um Macht und narzisstisch geprägtes Ansehen unter Ihresgleichen einstellen könnten, gäbe es ausreichende Chancen für eine gedeihliche, gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Schlagwörter wie „Globalisierung“, oder „die EU“, die heute als entschuldigendes Argument für verantwortungsloses Tun bemüht werden und die Bevölkerungen immer weiter in selbstzerstörerisches Konkurrenzdenken treiben, könnten mit Ausrichtung auf Kooperation positiv besetzt werden. Das 21. Jahrhundert soll den Bevölkerungen den Weg von Konkurrenz zu Kooperation bereiten! Der Jahreswechsel bietet sich dafür an, dieses Ziel als rechtsverbindlich formulierte Resolution der Weltpolitik am Neujahrstag zu verbreiten. In diesem Sinne erhofft und wünscht ein glückvolles Jahr 2013,

Dr. Günther Hoppenberger

15.12.2012; OÖN, Mascher, Spekulation

Ähnlich wie man Kindern den Eintritt ins Puff zu deren Schutz verwehrt, muss man natürlich auch die Kommunen von den Spieltischen der Finanzcasinos fernhalten. Öffentliche Gelder als Spieleinsätze zu akzeptieren, hat für Casinos, wie auch für Banken etwas mit Hehlerei zu tun.

Verbote von Spekulation mit öffentlichen Geldern und eine stärkere Überwachung deren Einhaltung liegen nahe, wenn man die bestehenden Regeln des Geldsystems als unumstößlich akzeptiert. Vernünftiger wäre freilich die Änderung der Spielregeln, um die Verführung zu Diebstahl und Veruntreuung unattraktiv zu machen. Ist aber Vernunft überhaupt gefragt? Müssen denn mit vernünftigen, gemeinwohlorientierten Lösungen nicht Machtpositionen aufgegeben werden?

Dr. Günther Hoppenberger

12.12.2012; Standard „Mitreden für Schwerpunktthema 19.1.2013

Wie bereits am 25.2.2012 angeregt, würde dem Standard als tagesbegleitendes Schwerpunktthema gut anstehen: „Leistung und Werte“

außerdem:

„Demokratie und Verantwortung“,

oder:

„Macht und Gesellschaft“

oder:

„Ökonomie und Solidarität“

11.12.2012; Maischberger vom 4.12.

Sehr geehrte Frau Maischberger,

die äußerst interessante und ausgezeichnet moderierte Diskussion vom 4.12.2012 ließ leider einige wesentliche Aspekte außer Acht: Unser Geld entsteht nicht durch Arbeit, sondern durch Verschuldung! Die auf Ihr Luxusleben (es sei ihr von ganzem Herzen gegönnt) so rührig stolze Gisela Muth, die zwar viel Geld an sich zu ziehen vermag, ist ja nicht unbedingt ein gutes Beispiel für gesellschaftliche Werteschaffung. Zum Glück gibt es aber nicht nur Unternehmer, deren Hauptziel es ist, viel Geld zu verdienen, wie Frau Muth sagte. Es gibt auch noch jenes Unternehmertum, dem es angelegen ist, Werte zu schaffen – und natürlich und berechtigt, aber erst in zweiter Linie, davon gut leben zu können.

Ein weiterer Punkt beschäftigte sich mit der Steuer. Natürlich ist es kein unternehmerisches Ziel, Steuern zu zahlen, oder Arbeitsplätze zu schaffen und Steuern sind immer eine kalkulatorische Größe! Beispiel: Wenn ich glaube, für meine Lebenshaltungskosten 100.000.- zu benötigen, oder mir das als Unternehmerlohn zum Ziel gesetzt habe, dann muss ich im Bewusstsein z.B. 40% Steuern zu zahlen, rund 170.000.- anpeilen und in den Preisen einkalkulieren. Bezahlt werden letztlich alle Steuern von den Konsumenten – zumindest, so lange das möglich ist, oder die Konsumenten nicht ausweichen können. Ein viel zu wenig thematisierter Aspekt, der in vielen Diskussionen Klarheit schaffen könnte.(In der Kosmetikbranche geht es jedoch weniger um Kalkulation, als um den max. erzielbaren Preis durch geschicktes Marketing. Werteschaffung?)

Der direkt und indirekt ausgesprochene Vorwurf gegenüber Herrn Boes – zu dessen Einstellung man stehen kann, wie man will – sich von den Steuerzahlern finanzieren zu lassen, übersieht, dass es genau dieselben Steuerzahler sind, die auch Herrn Söder, oder Herrn Alt und Frau Kipping finanzieren. Herr Alt vollbringt eine Serviceleistung. Was die produktive Werteschaffung von Söder und Kipping (stellvertretend, weil anwesend) anlangt, wäre das vielleicht einmal ein interessantes Diskussionsthema in Ihrer Sendung. Zusammenfassend könnte man leicht provokativ und augenzwinkernd sagen: Alle Anwesenden werden von „Frau Ralfs“ erhalten (Frau Muth braucht für ihren unternehmerischen Erfolg natürlich Kunden in der Einkommensklasse eines Söder, der seiner Gattin vielleicht so eine Kaviarcreme schenken wird. Dazu braucht er auch ein entsprechend hohes Einkommen, das ihm – wiederum – „Frau Ralfs“ ermöglicht, die somit auch Frau Muth indirekt finanziert, ohne aber über die Höhe ihrer eigenen Bezüge mitbestimmen zu dürfen).

In zuversichtlicher Erwartung weiterer spannender Diskussionen, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

7.12.2012 Spruch des Tages

BEDAUERNSWERTE POLITIKER,……

Es ist großes Glück, dass die Politiker wegen Wahlkämpfen, Intrigen, Koalitionspoker, Ränkeschmieden, Korrumpieren, Ehrungen, Gerichtsverfahren, Pressekonferenzen, etc., kaum mehr Zeit für die Belange der Menschen haben, denn sonst wäre die Gesamtsituation für die Bevölkerung womöglich noch viel schlimmer.

                                                                               ………GLÜCKLICHE MENSCHEN

6.12.2012; Standard, Werbeeinschaltungen

Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut!

Auf Seite 11 der heutigen Ausgabe befindet sich die halbseitige Einschaltung „Halt der Gewalt“. Obwohl ja bereits die Ablehnung von Etwas nicht mit dem Begriff für dieses Etwas zum Ausdruck gebracht werden kann, weil die Botschaft im konkreten Fall „Gewalt“ ist und wir bekanntlich auf Aufforderung auch nicht „nicht an einen weißen Esel denken“ können, wird das durch die ebenfalls halbseitige Einschaltung auf der nächsten Seite noch übertroffen. Dort heißt es nämlich: „Alle Kinder brauchen Halt“. Zusammengefasst ergibt sich daraus ganz klar: „Alle Kinder brauchen Gewalt“. Eine etwas sensiblere Beratung für Inserenten dürfte man sich vom Standard daher schon erwarten, meint

mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

2.12.2012; Profil, Rainer, Darf man Kommunisten wählen? (Nein, darf man nicht)

Belastete Namensgebungen – Politische Mogelpackungen

Worauf kann man noch vertrauen? Was kann man eigentlich noch wählen? Kommunisten, die keine Kommunisten sind? Christlich-Soziale, die weder christlich, noch sozial sind? Sozialdemokraten, die weder sozial, noch sehr demokratisch sind? Grüne, die trotz ihrer Qualitäten in der Korruptionsbekämpfung für das Langzeitverbrechen ESM Mitverantwortung tragen? Stronach, der uns seine originellen Wahrheiten predigen will? FPK, FPÖ und BZÖ ohnehin nicht. Piraten, die das Chaos lieben? Was bleibt dann eigentlich noch? Euphorisch bemühte blauäugige Splittergruppen ohne Struktur und Personalressourcen? Plattformen für gutherzige Naivität in der Lebensführung? Ein an sich mehrheitsfähiger Zusammenschluss der Nichtwähler wird an deren verbreitetem gesellschaftspolitischen Desinteresse scheitern. Nicht so, vielleicht, ein Zusammenschluss der Ungültigwähler, wenn deren Motive auf einen Nenner zu bringen wären – was unwahrscheinlich ist.

Ein über- und außerparteilicher Zusammenschluss von Politikern, die mit Gemeinwohlorientierung eine Neudefinition staatlicher Aufgaben erarbeiten und gesellschaftspolitische Vernunft in Entscheidungen zulassen, wird so schnell nicht passieren.

Durch das rasant sich nähernde Ablaufdatum des derzeitigen Geldzyklus kann aber ein Politiker ohnehin nicht mehr reüssieren, weshalb das interne Gerangel um die Absicherung von persönlicher Macht und Einfluss immer stärkere Ausmaße annimmt. Die zunehmende Entfernung politischer Zielsetzungen von den Interessen der Bevölkerung sollte daher nicht überraschen. Der gesellschaftliche Zerfall scheint mittlerweile Programm zu sein.

Mit der inständigen Bitte, Ihren Lesern im nächsten Leitartikel mitzuteilen, welche Partei man weshalb wählen könnte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

1.12.2012; Standard (szi, tom) Arbeitslosenrekord, neue Sorgen um G.

Eurozone: Arbeitslosenrekord…

Derartige Meldungen sollten als das gesehen werden, was sie sind: Positive

Fortschrittsberichte über das mit voller Absicht eingeleitete globale Destabilisierungsprogramm. Sorgen sollten wir uns daher weniger um Griechenland, als um die geistige Verfasstheit unserer politischen Vertreter, die sich immer noch darüber überrascht zeigen können, dass tatsächlich etwas eintritt, wofür man alle Voraussetzungen geschaffen hat.

Dr. Günther Hoppenberger

27.11.2012; Wirtschaftsprognosen, Standard, OÖN

Nächstes Jahr wird alles besser

Seit Jahr und Tag hängt im Gasthof „Zur Weinpress’“ in Eibiswald das wunderschöne, geflammte Holzschildchen mit dem sinnigen Text: „Morgen Gratiswein“. Daran werde ich immer erinnert, wenn die Wirtschaftsexperten ihre Wachstumsprognosen abgeben.

Dr. Günther Hoppenberger

23.11.2012;

DIE BEDAUERNSWERTEN POLITIKER

Günther Hoppenberger

Ich meine das ganz ernst! Politiker verdienen unser Mitleid. Freilich haben sie ein politisches Amt angestrebt, aber doch mit ganz anderen Vorstellungen. Niemals haben sie mit derartigen Erwartungshaltungen der einfachen Bevölkerung gerechnet. Sie wollten doch bloß sich selbst, besonders aber den Eltern und Freunden beweisen, wie toll sie sind und dass sie es zum Bürgermeisteramt, zum Abgeordneten, oder sogar zu einem Ministeramt geschafft haben. Ihr Ziel mögen sie ja erreicht haben, doch ist die Innehabung eines Amtes, auch wenn es das Ziel war, nicht zugleich der Zweck der Funktion. Bekanntlich wächst man jedoch mit den Aufgaben – zumindest heißt es das.

Meist völlig unvorbereitet und dennoch mit Stolz beseelt, taumeln unsere Politiker von einer Funktion zur nächsten, oder werden von ihrer Partei dazu genötigt. Sie wissen gerade einmal, dass sich ein zweimaliges Ablehnen eines Karriereschritts im Curriculum sehr nachteilig auswirkt. Außerdem ist es natürlich schmeichelhaft, als befähigt zu höheren Weihen zu gelten. So bestätigt sich immer wieder die Richtigkeit des Peter’s Prinzips: Jeder, der tüchtig ist und seine Funktion gut und gewissenhaft ausübt, wird so lange befördert, bis er die Grenzen seiner Fähigkeiten erreicht hat; bis er auf der Stufe seiner Unfähigkeit verbleibt. Demnach sind alle Schlüsselstellen in Wirtschaft und Politik erwartungsgemäß durch unfähige Funktionsträger besetzt. Was wundern wir uns also?

Das darf man diesen armen Teufeln aber gar nicht zum Vorwurf machen. Sie haben es immerhin versucht. Es ist ja auch gar nicht so einfach, vernünftige Menschen für ein politisches Amt zu gewinnen. Selbst studierte Politologen sind noch lange keine Politiker, denn weder von Ränkeschmieden, noch von Ethik, Gewissen, Vernunft und Empathie haben sie auf der Hochschule jemals gehört. Viele beginnen trotzdem sehr ambitioniert, mit starkem Veränderungswillen und mit dem festen Vorsatz, auf das Gemeinwohl der Bevölkerung zu achten – bis sie mit dem politischen Alltag konfrontiert werden.

Da geht es auf einmal um Strategien der Postenbesetzungen, um Weichenstellungen für die Zukunft der Partei, um Zusammenstellung des Teams, um Pressekonferenzen, um Dienstautos, Plenarsitzungen, Ministerräte und zwischendurch immer wieder um Wahlkampfauftritte, auf denen Unmögliches als unverbindliches Versprechen in diplomatische Worte gefasst werden muss, um sich nicht dem Vorwurf der Lüge aussetzen zu müssen. Dann kommt noch das Privatleben ins Spiel, das natürlich jedem Politiker zusteht. Da geht es um gute Verbindungen, um den Kindern ein attraktives Weiterkommen zu ermöglichen, es geht um Seilschaften und gegenseitige Verpflichtungen, es geht um regelmäßige Teilnahme an den Freimaurertreffen, um Verbindungen zu den Medien, und so weiter, und so weiter.

Wo, so frage ich Sie, sollen unsere Politiker denn die Zeit hernehmen, sich auch noch um die Belange des Staates zu kümmern? Dabei wären Politiker so dankbar für Anregungen und Ideen aus der Bevölkerung. Aber bitte kurz gefasst, denn zur eingehenden Beschäftigung mit Anliegen der Bevölkerung fehlt wirklich die Zeit. Schimpfen Sie also bitte nicht über Politiker! Bedauern Sie sie und bedenken Sie immer: Die Situation für die Bevölkerung wäre viel, viel schlimmer, hätten Politiker mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben!

20.11.2012; Titanic II, Herbert Rauch

Gedanken zum Entwurf des Diskursbuches „Titanic II“ unter besonderer Berücksichtigung des Kapitels „Sozialjahr“ (Herbert Rauch)

Zunächst beschäftigte mich die Frage, an wen sich dieses überlebensrelevante Kompendium von wesentlichen Diskursen eigentlich wenden soll und bin zum Schluss gekommen: An die Menschheit! Nun ist das zugleich aber ein sehr unspezifischer, diffuser Adressat, wodurch das äußerst ausgewogene und sorgfältig ausgearbeitete Konvolut auf der Ebene sozioökologischer Grundsatzüberlegungen anzusiedeln ist. Ich vermisse also einen klar adressierten Aufforderungskatalog, bzw. so etwas wie eine kampagnenfähige Resolution. Darüber hinaus tickt die Uhr unaufhaltsam und die Diskurse scheinen mir weit hinter den beängstigenden Entwicklungen zurück zu bleiben.

Unabhängig davon steht natürlich fest, dass sich vieles ändern muss, um die Erde lebenswert zu erhalten. Es ist ja nicht so, dass das Wissen über den ruinösen Einfluss des Menschen auf die Erde besonders neu wäre. Das Problem ist doch, dass der gebotene Änderungswille des Individuums den kollektiven Zwängen der Machtstrukturen unterliegt. Während wir – basisdemokratisch – über die Veränderungsmöglichkeiten der Macht diskutieren, werden die Machtstrukturen immer schneller und mit hoher Effizienz verfestigt. Wir hinken in unserem Bemühen weit hinten nach.

Auch der Begriff „Generationenfähigkeit“ gab mir zu denken. Was soll man darunter verstehen? Ähnlich wie uns das Bewusstsein über unsere persönliche Sterblichkeit überhaupt erst zu unaufschiebbaren Handlungen stimuliert, weil wir eben nicht ewig zur Werteverwirklichung Zeit haben und nicht alles aufschieben können, sollten wir uns auch durchaus der astrophysikalischen Lebenszeit des Raumschiffs „Erde“ bewusst sein. Das bedeutet keinesfalls, dass „eh alles wurscht ist“, sondern sollte eher zu Grundsatzüberlegungen über den Sinn des vorübergehenden, extrem kurzen Auftretens der Menschheit auf der Erde herausfordern. Die Reduzierung auf verantwortungsbewusstes Handeln zugunsten unserer Kinder und Kindeskinder greift mir da etwas zu kurz (Die restliche Bewohnbarkeit der Erde wird nach heutigem Wissensstand mit 500 Mio. Jahren geschätzt. Das Ende muss schrecklich sein. Ob ich gerne zu dieser letzten Generation auf Erden zählen möchte?).

Lieber Herbert, ich weiß, dass Dich solche Gedanken rasend machen, doch will ich damit den Fokus auf das Leben im Hier und Jetzt richten, ohne die Lebensmöglichkeiten der Kinder und Kindeskinder als Argument bemühen zu müssen.

Im Hier und Jetzt geht es um das derzeitige Zusammenwirken der Menschen. Es geht um unsere derzeitigen Kommunikationsformen, um die gegenseitige Wertschätzung und um die Wertschätzung unseres ungewissen Ursprungs und der Natur. Es geht um die Betonung des Gemeinsamen, statt um die Übersteigerung des Trennenden. Es geht um Gelassenheit und Anerkennung eines „Anders“. Es geht im weitesten Sinne um Vernunft. Ganz nach dem Motto: Wenn wir schon freiwillig oder unfreiwillig zu Gast auf der Erde sein müssen, dann lasst uns vernünftig miteinander umgehen (Unter Vernunft verstehe ich die auf dem Gewissen des gesunden Menschen basierenden Entscheidungsschritte in unseren Handlungsfolgen). Was wir unter Nachhaltigkeit – für wie lange auch immer – anstreben, ergibt sich daraus wie von selbst.

Zum Glück haben wir zwar heute global organisierte Gremien, allen voran die UNO, doch bleibt die greifbar nahe liegende Vernunft in der Konsensfindung gegenüber monetären Entscheidungskriterien auf der Strecke. Die Menschheit hat sich immer noch nicht über das Niveau sich gegenseitig bekriegender Ameisenvölker entwickelt. Der kurzsichtige Selbsterhaltungstrieb in der Gegenwart hat sich immer noch als viel stärker erwiesen, als die Aufbereitung eines unvorstellbaren Paradieses für die Zukunft, selbst wenn es für die eigenen Enkel wäre. Die bewusste Inkaufnahme der Zerstörung zukünftiger Lebensgrundlagen scheint den Menschen nicht nur als eine der Handlungsmöglichkeiten eigen zu sein, sondern sie wird erstmalig in unserer Epoche der Menschheitsgeschichte systemisch extrem aktiviert und gefördert; geradezu erzwungen. Ein Abweichen von derartigen, objektiv unvernünftigen Handlungsweisen kratzt am paradigmatischen Schutzschirm in unseren Köpfen und stürzt uns augenblicklich in ein Chaos von lebensbedrohlich empfundenen Ängsten. Und Ängste sind bekanntlich schlechte Partner für die Vernunft (Gemeinsam zu irren fällt stets leichter, als alleine Recht zu behalten).

Langer Rede kurzer Sinn: Ich meine, dass der nach wie vor ausstehende Konsens über die Frage, in welcher gesellschaftlichen Konstellation wir heute als Menschheit auf der Erde zusammenleben wollen, die Antwort auf die Frage nach Zukunftsfähigkeit besser zu vermitteln vermag, als die Frage, wie wir uns verhalten müssen, um künftigen Generationen Leben zu ermöglichen.

Und nun konkret:

Ja, ich bin für die Beibehaltung der Wehrpflicht und alternativ für die Einführung eines verpflichtenden Sozialjahres. Die Entlohnung dafür sollte dergestalt sein, dass sich am Ende dieser Gemeinschaftsdienste ein kleiner Startpolster von 3-4.000.- ergibt (am Ende zu überweisen, oder sogar gebunden an Verwendungszweck), um einen Einstieg in den Zielberuf oder Studium zu unterstützen (Kleidung, Wohnung,…).

Ja, ich bin für ein BGE, weil es im bestehenden System eine Überlebensfrage ist und weil ich in das Streben der gesunden Menschen vertraue, Werte verwirklichen zu wollen. Weil ich darauf vertraue, dass eine gesunde Gesellschaft sowohl die wenigen Prozent Soziopathen, wie auch Leistungsunwillige auszuhalten vermag (auch nur zu konsumieren – limitiert mit dem GE, ist in unserem System als Leistung zu verstehen. Erwerbsberuf: Konsument). Das Produktionsproblem vergangener Zeiten ist längst gelöst, im Unterschied zum Verteilungsproblem.

Ja, ich bin für eine veränderte Auffassung von Erwerbsarbeit als gemeinwohlorientierte Schaffung von Werten und vertraue darauf, dass sich daraus eine selbstregulierende Beschränkung des Ressourcenverbrauchs auf sinnvolle produktive Werteschaffung ergeben wird. Gleichzeitig wird eine bessere Verteilungsgerechtigkeit ermöglicht.

Ja, ich bin für eine schrittweise Reduktion der Einkommensunterschiede auf bis zu 1:7. Ein erfolgreiches Vorankommen im Erwerbsleben (hierarchischer Aufstieg, …) ist bereits als solches als zusätzliche Entlohnung zu verstehen und verlangt nicht unbedingt nach übermäßigen zusätzlichen Lohnsteigerungen.

Ja, ich bin für entsprechende Steuerleistungen, die ab einer gewissen Einkommenshöhe, bzw. Geldvermögen auch bei 100% liegen dürfen (siehe Relation 1:7).

Ja, ich bin für verpflichtenden Ethikunterricht ab der 7. Schulstufe (zusätzlich zum Wahlpflichtfach Religion).

Ja, ich bin für eine Monetative, die als 4. staatliche Gewalt einzig und allein berechtigt ist, Vollgeld in Umlauf zu geben und etwaige Seignorage staatlichen Aufgaben zuzuführen.

(Mit letzterem Punkt würde ich beginnen, weil sonst alle anderen Vorhaben mit dem Hinweis auf leere Kassen verhindert werden).

Ja, ich bin für die Erstellung des „Glücksindex“, bzw. der Gemeinwohlbilanz zum langfristigen Ersatz des BIP als Maßzahl volkswirtschaftlichen Erfolges.

Ja, ich bin für verpflichtenden Unterricht in Haushaltsführung und Hauswirtschaftskunde ab der 8. Schulstufe, wie auch für Warenkunde in Kombination mit dem Chemie und Physikunterricht.

Ja, ich bin für ein Verbot von so genannten sportlichen Großveranstaltungen, die vorwiegend Rowdytum und Nationalismus befördern und bei denen der sportliche Aspekt dem kaufmännischen geopfert wird.

Ja, ich bin für die Rückführung, bzw. Beibehaltung lebenswichtiger gesellschaftlicher Aufgaben in staatlicher Hand (Post, Elektrizität, Telekommunikation, Bahn, Wasser, Kanal, Müll,….).

Ja, ich bin für eine verstärkte Bürgerbeteiligung und eindringliche Bewusstmachung, dass es sich bei einem auf demokratische Entwicklung ausgelegten Staat um einen Selbstverwaltungskörper im Dienste der Bevölkerung handelt.

Ja, ich meine, dass jene, die sich als Obrigkeit gerieren, unsere Angestellten sind, die wir uns ja einiges kosten lassen.

Ja, ich bin grundsätzlich für nicht verpflichtende Solidarität und:

Ja, ich bin für den Entzug solidarischen Verhaltens, wenn Solidarität zu lebensabträglichen Handlungen gefordert wird.

Ja, ich bin dafür, mögliche Konsequenzen zu tragen, wenn es denn sein muss, um bei einem aufrechten „Nein“ zur Mitwirkung an lebensabträglichen Handlungen bleiben zu können (Kein Nachgeben gegenüber Erpressung, aber Benennung des Erpressers).

Ja, ich bin dafür, Werbung wieder auf die sachliche Produktinformation zurück zu stutzen (Hinweise auf Innovationen und Gebrauchseigenschaften).

Ja, ich bin für Lebensmittelechtheit und genaue Herkunftsbezeichnung.

Ja, ich bin für saisonale Lebensmittel (keine Erdbeeren im Dezember,…)

Ja, ich bin für den Dialog zwischen Völkern und Religionen.

Ja, ich habe keine Lösungsvorschläge für das Nahostproblem, das die Welt im permanenten Schwebezustand zum Krieg hält.

Ja, ich bin der Meinung, dass herkömmlich verstandene Macht unbedingt gesellschaftsorientierter Verantwortung bedarf, um sich zu anerkannter Autorität entfalten zu können.

Ja, ich bin der Meinung, dass nicht alles was machbar ist, auch getan werden sollte.

Ja, ich bin für den Entzug der Banklizenz für Institute, die in Geschäftsverbindung zu Schattenbanken und/oder Steueroasen stehen.

Ja, ich bin für die Wiedereinführung und Verstärkung der Kapitalverkehrskontrollen.

Ja, ich bin für die Verstaatlichung von Glückspiel und Tabakverschleiß (Kontrolle und zusätzliche Einnahmemöglichkeit)

Ja, ich bin für die Verstaatlichung von Grund und Boden, um mögliche Aufwertungsgewinne, die immer auf staatlich finanzierten Infrastrukturinvestitionen beruhen, über die Pacht wieder an den Staat zurückzuführen.

Ja, ich bin für eine Stärkung der Regionen.

Ja, ich bin für eine Stärkung des in Vergessenheit geratenen Subsidiaritätsprinzips („Glühbirnenverordnung“,…..).

Ja, ich bin für einen Ausbau des öffentlichen, staatlichen Verkehrs und für die Entwicklung innovativer Verkehrssysteme, zur Überwindung des anachronistischen Individualverkehrs.

Ja, ich bin für spezielle Politikerschulungen (zumindest 2 Semester).

Ja, ich bin für die Einrichtung von zunächst 4 Teilparlamenten (Johannes Heinrichs) zu jeweils 45 Abgeordneten, um die parlamentarischen Aufgabengebiete durch unterschiedliche Mehrheiten und Koalitionen besser an die Wunschvorstellungen der Bürger anzunähern.

Ja, ich bin für die Entproletarisierung unserer Gesellschaft, mit besonderem Augenmerk auf Kunst&Kultur.

Ja, ich bin für die Durchforstung und Reduzierung der Förderungen von nicht gemeinwohlorientierten Vereinen.

Ja, ich bin für ein Verbot von Schachtelbeteiligungen und für eindeutige Deklarierung der Eigentumsverhältnisse von Firmen.

Ja, ich bin für eine Aufhebung des Bankgeheimnisses und für die strikte Ablehnung ausländischer Gelddepots („Fluchtgelder“,…..).

18.11.2012, Profil, Lingens („wer rettet uns vor Vassilakou?)

Wählbare Farben?

Sehr geehrter Herr Lingens,

mit dem heutigen Kommentar, in dem Sie mir aus der Seele sprechen, wurde mir leider mein Sonntagsfrühstück vergällt, weil ich an die Notwendigkeit der Farbenspiele erinnert wurde. Grün wurde für mich (in meiner Maria Lanzendorfer Zeit immerhin Grün assoziierter Gemeinderat der Bürgerliste) bereits mit deren Zustimmung zum ESM unwählbar. Vassilakous dümmlicher Plan für Mietzinsobergrenzen ist da nur eine weitere Begründung meiner Distanz zu Grün.

Was aber nun? Welche „Farbe“ ist denn noch wählbar? Aus jetziger Sicht kann man eigentlich nur ungültig wählen, was zwar deutliche Unzufriedenheit ausdrückt, der Demokratie jedoch nicht unbedingt dienlich ist. Splittergruppen ohne profilierte Persönlichkeiten an den Rändern der Gesellschaft und 7% Zustimmung für Stronach als Kanzler, lassen mich vor zukünftigen Entwicklungen schaudern. Vielleicht sollte ja doch der Vorschlag von Johannes Heinrichs aufgegriffen werden, der für zunächst 4 Teilparlamente mit unterschiedlichen Zuständigkeiten plädiert. In der heutigen Situation bezweifle ich allerdings, ob sich selbst dadurch noch etwas zum Besseren wenden ließe.

Die Entfremdung von Bürgern und deren politischem System steuert beängstigenden Ausmaßen zu. Die immer stärker sichtbar werdende „Rette sich wer kann“ – Mentalität, entspricht dem Einschwenken auf die nächste Eskalationsstufe. Das einstmalige Friedens- und Sozialprojekt EU scheint damit an seine inneren Grenzen zu stoßen. Selbst eine Reset-Taste wäre weder wünschenswert, noch ist sie sichtbar. Dennoch wird es ohne grundlegenden Veränderungen in den Machtstrukturen wohl nicht gehen. Macht braucht Verantwortung, um zu anerkannter Autorität zu werden. Wo aber sind die Verantwortungsträger?

Eine schöne Woche wünscht Ihnen

Dr. Günther Hoppenberger

14.11.2012; OÖN, Neumüller, „Es geht um Reformen und nicht ums Kaputtsparen“

(unter: „Wirtschaft verstehen“)

Die Synonymität von „Reform“ und „Sparen

Das Hauptaugenmerk einseitig auf die Staatsverschuldung zu legen, vernebelt freilich den Blick auf den dennoch systemnotwendigen exponentiellen Anstieg der Gesamtverschuldung (inkl. Haushalte und Unternehmen). So gesehen bedeuten „Reformen“ des Staates stets ein Vorenthalten von Einkommensmöglichkeiten, bzw. ein Entsparen der Sektoren „Haushalte“ und „Unternehmen“ und genau dort bildet sich aber der Wohlstand einer Gesellschaft ab. Leider sind ja die Reformen, die unser Geldsystem fordert, konträr zu den Anforderungen einer gemeinwohlorientierten Gesellschaftsentwicklung. Ohne Reform des Geldsystems wird es daher kein Entrinnen aus der Schuldenfalle geben.

Dr. Günther Hoppenberger

11.11.2012; profil, Lingens, „4 weitere lahme Jahre“ (Obamas Wahlsieg)

Schuldentilgung durch Bevölkerungswachstum?

Wie soll das denn gehen? Die Kaufkraft erhöht sich ja mit steigender Bevölkerung nicht, sondern bestenfalls die Gesamtschulden, schlechtestenfalls die Arbeitslosigkeit! Die pro Kopf Verschuldung könnte zwar sinken, wenn diese nicht durch den zwangsläufigen Anstieg der Gesamtverschuldung kompensiert wird. Die Schuldentilgung wird dadurch jedoch keinesfalls leichter. Langsam sollte man dem Glauben, dass volkswirtschaftliche Schulden jemals in wesentlichem Umfang tilgbar sind, abschwören. Das globale Schuldenproblem, das im Kern doch eigentlich ein Guthabenproblem ist, wird man nur auf die unappetitliche Art lösen können: Hyperinflation, Währungsreform, oder Krieg. Keine guten Aussichten. Weder für uns, noch für die folgenden Generationen.

Dr. Günther Hoppenberger

5.11.2012; OÖN; Leitl will Erfolgsprämien für Politiker

Erfolgsprämie für Politiker

Leitls gut gemeinter Vorschlag könnte für seinen Berufsstand leicht nach hinten losgehen, denn wie bemisst sich politischer Erfolg? Korrelation mit einem Glücksindex? Nicht zuletzt sind politische Weichenstellungen immer als Teamarbeit einzustufen, weshalb man Erfolgsprämien auf konkrete Zahlen beziehen müsste und allen Politikern zusprechen sollte. Als einfache und zugleich motivierende Maßzahl könnte dabei doch vor allem das Mittel aus prozentueller Erhöhung der Arbeitslosigkeit (-), des prozentuellen Inflationsanstiegs (-) und der prozentuellen Schließung der Schere zwischen Mindest- und Höchsteinkommen (+) herangezogen werden. Daraus ließe sich also ein einfacher und transparenter Automatismus für die leistungsgerechte Einkommensentwicklung der Politiker festlegen. Es wäre doch so einfach – und ist dennoch meilenweit entfernt von der Selbsteinschätzung unserer Repräsentanten, die ihre Leistung am liebsten an der Redezeit im Parlament bemessen. Woran das wohl liegen mag?

Dr. Günther Hoppenberger

4.11.2012; FMA und Waldviertler Schuhwerkstatt

BANKEN, POLITIK UND FINANZMARKTAUFSICHT

(Überlegungen zum Fall „Heini Staudinger“)

Bekanntlich gibt es in Rechtsstaaten situativ interpretierbare Gesetzestexte, die der Rechtssprechung oft ziemlichen Auslegungsspielraum bieten. Andererseits gibt es auch manche ganz eng gefasste, sinnvolle gesetzliche Regelungen, wie z.B. Rechtsfahrgebot, oder Geschwindigkeitsbegrenzungen, wo Verstöße eindeutig erkennbar werden und die Einhaltung und Überwachung einen durchaus gedeihlichen Beitrag zu einer harmonischen Gesellschaftsentwicklung leisten.

Über allem ist jedoch auch der Geist eines Gesetzes zu berücksichtigen, also der Dienst an der Gesellschaft, den der – idealerweise demokratisch legitimierte – Gesetzgeber mit dem in Paragraphen gegossenen Gesetz bewirken möchte. Dieser Aspekt tritt leider zunehmend in den Hintergrund und das nicht nur bereits in der Formulierung vieler Gesetze, wo Ziel und Zweck mit Bezug zum Gemeinwohl selten explizit genannt werden und die Rechtssprechung daher nach den „Buchstaben des Gesetzes“ zu entscheiden hat, ohne nach dem Warum und Wozu fragen zu dürfen. Dass das für so manchen Richter frustrierend sein muss, steht auf einem anderen Blatt und wird hier nicht näher behandelt, wie auch die Möglichkeit zur politischen Einflussnahme auf die Staatsanwaltschaften, Anklagen zu erheben, oder fallen zu lassen.

Nun ist in einem monetaristischen, noch dazu privatkapitalistischen Gesellschaftssystem, das uns durch die Erfahrungen abschreckender Facetten des planwirtschaftlichen Staatskapitalismus der ehemaligen Ostblockstaaten als einzig mögliche, ja sogar als alternativlose Lebensform zu einer gedeihlichen Gesellschaftsentwicklung in unseren paradigmatischen Schutzschirm unserer Köpfe indoktriniert wurde, der Finanzsektor ein ganz wesentlicher und äußerst sensibler Bereich, der daher auch nach strengen gesetzlichen Regelungen verlangt.

Soweit, so gut. Zu diesem Zweck wurden auch eine Fülle von Gesetzen erlassen und Institutionen gegründet. Ich nenne da nur das Nationalbankgesetz, das Börsegesetz, die Finanzmarktaufsicht, oder das Bankwesengesetz, abgesehen von den diesbezüglich noch übergeordneten EU-Gesetzen, die in mancher Hinsicht teils sinnvoll, teils aber auch gesellschaftspolitisch unsinnig, die nationalen Gesetzgebungen konterkarieren. Letztlich landet man wieder beim Geist der Gesetze. Wozu soll das Gesetz dienen? Wodurch soll das Gesetz zum Gemeinwohl beitragen? „Gesetz ist Gesetz“ sollte deshalb für denkende Menschen, die ehrlich um das Gemeinwohl bemüht sind, auf Ablehnung stoßen, so lange die Antworten nach dem Warum und nach dem „Cui bono“ nicht ausreichend ersichtlich werden. Ob diese Antworten von der Bevölkerung überhaupt eingefordert werden können, hängt wiederum von den jeweiligen Machtverhältnissen ab und davon, inwieweit eine Gesellschaft, über das simple Wahlrecht hinausgehend, mit dem über hellen oder dunklen Mist abgestimmt werden darf, noch als demokratisch bezeichnet werden kann. Auch darauf möchte ich hier nicht weiter eingehen.

Niemandem kann jedoch verborgen geblieben sein, dass bereits seit Mitte der 80er Jahre all die Gesetze und Regelungen des Finanzsektors nicht in der Lage waren, eine ausgewogene, gemeinwohlorientierte Gesellschaftsentwicklung nachhaltig zu unterstützen. Im Gegenteil! Der bis dahin erreichte, relativ breit verteilte Wohlstand, der sich in den geschaffenen Werten manifestierte, wurde seither sukzessive in so genannte Finanztitel konvertiert und vom Finanzsektor aufgesaugt, der damit, weitgehend unbemerkt von der Politik, die gleichermaßen perfekte, wie gesellschaftlich destruktive globale Schuldenfalle aufbauen konnte. In dieser Schuldenfalle befinden wir uns heute. Weltweit! Selbst noch so gut gemeinte Gesetze konnten die Bevölkerungen nicht davor schützen, in die Lage eines erpressbaren Schuldners versetzt zu werden. Gleichzeitig drängen sich zwei wesentliche Fragen auf: Wird damit nur die Ohnmacht der Politik sichtbar, oder wurde die Entwicklung von der Politik doch bereits erkannt und versucht sich diese durch Entkoppelung von der Bevölkerung noch rechtzeitig auf die Seite der Profiteure zu schlagen? Eine gewisse Fahnenflucht des politischen Systems ist wohl nicht ganz von der Hand zu weisen.

Was finden wir denn heute vor? Und kann das von redlicher Politik gewollt sein?

  • Systemisch erzwungener Wettbewerbsdruck
  • Gegenseitiges Misstrauen und Lebensängste
  • Werteverlust zugunsten von Geldwerten
  • Wachstumswahn und Anspruchshaltung
  • Umweltzerstörung und Verantwortungslosigkeit

um nur einiges zu nennen. Entspricht das tatsächlich dem breit getragenen Wunsch der Bevölkerungen?

Sollte diese Entwicklung, wie zu hoffen wäre, keineswegs der politischen Absicht entsprochen haben, so muss man immerhin zur Kenntnis nehmen, dass der vor uns liegende Scherbenhaufen eines verkümmernden Gesellschaftssystems ein Spiegelbild des totalen Versagens politischer Gestaltung ist. Diese gewiss vereinfachte und verallgemeinernde Feststellung soll sich nicht generell auf die Politik und deren Repräsentanten beziehen, sehr wohl jedoch auf die Entscheidungen der politischen Ökonomie, die seit den 80er Jahren getroffen wurden. Schon damals, nach der weitgehenden Lösung des Produktionsproblems, wäre bei langfristigen, über Wahlperioden hinaus gehenden gesellschaftspolitischen Überlegungen ein Systemwechsel zur Lösung des Verteilungsproblems zwingend nötig gewesen. Stattdessen wurden jedoch Gesellschaft spaltende Machtrefugien zugelassen und bereits bestehende verfestigt, die dem fassungslos staunenden Bürger heute als alternativlos und systemrelevant als unantastbar präsentiert werden.

Urplötzlich erscheinen nicht mehr die Bevölkerungen, die Menschen, schützenswert, sondern es geht um die krampfhafte, bis hin zu gewaltsamer Aufrechterhaltung eines offenkundig versagenden Systems. Das System muss geschützt werden! Und niemand kann uns die Frage beantworten, welches Ziel „das System“ verfolgt und welchen Beitrag es zum Gemeinwohl leistet. Die Verfestigung der Machtbefugnisse des Systems wird hingegen weiterhin mit immer neuen Gesetzen, vielfach unter Umgehung aller demokratischen Kontrollen, betrieben. Ganz nach dem bekannten Prinzip, dass wo Macht einmal angeeignet wurde, immer mehr Macht zufliegt. Auf der anderen Seite bedeutet das, wie schon bei Matthäus XXV, 29 nachzulesen ist: „…wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden“.

Die rapide ansteigende Zahl der Menschen, die solcher Art von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden und dennoch ihre Würde bewahren wollen, stellen, soweit es ihre persönliche Situation überhaupt noch zulässt, Überlegungen über andere Organisationsformen menschlichen Zusammenlebens an. Sie wollen gehört werden und ihre Vorschläge erscheinen interessant und durchaus viel versprechend. Sie wundern sich daher, weshalb die Politik, weshalb die von ihnen als Repräsentanten und Multiplikatoren gewählten Abgeordneten, ihre Erkenntnisse zur Lösung der anstehenden gesellschaftlichen Probleme nicht freudig aufgreifen und diese umzusetzen beginnen. Man kann es Gutgläubigkeit nennen, oder auch Naivität. Jedenfalls wird ein ganz wesentliches Dilemma übersehen: Wir erwarten ja genau von jenen vernünftige Lösungen, deren Machtposition und Einkommen davon abhängig sind, dass es diese gerade eben nicht gibt!

Andererseits liegt den um das Leben bemühten, häufig abschätzig als „Gutmenschen“ Bezeichneten, Gewalt und Revolution aus Überzeugung gerade eben nicht. Sie glauben fest daran, „die Macht“ durch Argumente davon überzeugen zu können, im eigenen Interesse auf Teile der Macht zu verzichten, denn wie bereits der Dalai Lama einmal sagte: „Glück, ohne Bedachtnahme auf das Glück der anderen, ist undenkbar“. Wenn das also nur gut geht!

Es ist ja nun nicht gerade so, dass man wirklich alle Politiker über einen Kamm scheren darf. Freilich spüren auch sie, dass sich etwas zusammenbraut. Anstatt sich jedoch mit der Bevölkerung zu verbünden, um die entsprechende Legitimierung für die notwendige Systemänderung zu bekommen, sehen sie ihr Heil in unglaubwürdigen Erklärungsversuchen, warum man nichts ändern kann. Erst kürzlich sagte der SPD Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, „Die Aufgabe der Politik ist es, zu erklären“. Damit wollte er seine beträchtlichen Nebeneinkünfte als Vortragender rechtfertigen. Mit seinem Abgeordnetengehalt sieht er also die politische Arbeit nicht ausreichend entlohnt. Was aber möchte ein Politiker erklären, wenn er nicht Neues aufgreift? Wenn er nicht zuzuhören bereit ist?

Es überrascht daher ja nicht wirklich, dass wir bei den vielen Krisen Gipfeln eher Krisen-Kipfel wahrnehmen (siehe Abb.), die mit großem Engagement an der Symptombehandlung arbeiten. So kann intensive, anstrengende Aktivität demonstriert werden, ohne tatsächlich etwas zu verändern. Außerdem besteht die Gewissheit, dass stets neue Symptome nachwachsen aus deren Behandlung man die eigene Existenzberechtigung ableiten kann. Es fehlt daher keinesfalls an Lösungsmöglichkeiten, sondern es fehlt am politischen Willen. Auf jeden Fall fehlt es an visionärem Gestaltungswillen.

Der Bürger und Unternehmer, Heini Staudinger, hat nun die salbungsvollen Festtagsreden der Politiker ernst genommen, in denen von den Bürgern mehr Eigeninitiative und gesellschaftsorientierte Lösungsbeiträge gefordert werden. Er hat in einer strukturschwachen Region umwelt- und beschäftigungspolitisch wertvolle Investitionen getätigt. Allerdings hat er die Finanzierung unter Einsparung sämtlicher Rechts-, Provisions-, und Firmenumgründungskosten mit privaten Geldgebern auf die Beine gestellt. Das hätte er nicht tun dürfen. Schon war die Finanzmarktaufsicht zur Stelle und hat ihm bankähnliche Geschäfte vorgeworfen. Wenn’s um’s Geld geht, hört sich eben die Freiheit auf. Hausverwaltungen dürfen zwar z.B. fremde Gelder in meist relativ undurchsichtiger und provisionsbelasteter Weise verwalten, ohne dass das als bankähnliches Geschäft gewertet würde. Aber ein Schuster? Wo kämen wir da hin?

Staudingers Verdienst ist es, den Beweis erbracht zu haben, dass Eigeninitiative außerhalb erpresserischer Machtstrukturen sehr erfolgreich sein kann. Sogar derart erfolgreich, dass sich „die Macht“ herausgefordert fühlt, ihr Gesicht zeigt und dadurch auch angreifbar wird. Vielleicht kann Staudingers Aktion, die er hoffentlich unbeschadet überstehen wird, als Anstoß für die notwendige weitere Schwächung anachronistischer Machtstrukturen durch beherzte Bürgerinitiativen dienen.

Das hofft Dr. Günther Hoppenberger, 4030 Linz

(Abb.)

KRISEN-KIPFEL

HÄUFIG AUF KRISEN-GIPFEL ANZUTREFFEN:

 

 

 

 

 

 

Veranschaulichung der unterschiedlichen Lösungsstrategien und des Widerstreits innerhalb der Parteienlandschaft (Wir dürfen wählen)

 

Das Hauptproblem der Normalbürger liegt darin, dass sie ausgerechnet von jenen vernünftige Problemlösungen erwarten, deren Machtstellung und Einkommen gerade davon abhängig ist, dass es diese nicht gibt.

4.11.2012 (eingefügt). Ein immer noch aktuelles Dokument von 2008:

Dr. Günther Hoppenberger                                                                0699/81821516

   LIFESENSE-INSTITUT

Logotherapie und Mediation

Alois Stummer Gasse 12

  • Maria Lanzendorf

Im September 2008

 DAS GLAUBWÜRDIGKEITSPROBLEM DER POLITIKER

 Parteienwettstreit und das Krachen im Gebälk des Finanzsystems passen gut zusammen. Noch vor keiner anderen Wahl wurde derart deutlich sichtbar, dass es völlig gleichgültig ist, welche Parteien – in welcher Konstellation auch immer – vom Wahlvolk an die fetten Tröge der Macht zugelassen werden. Solange sich niemand an den langfristig und nachhaltig unerfüllbaren Ansprüchen des Geldsystems zu rütteln wagt, richtet sich die Macht nach innen und die Wähler werden darauf konditioniert, der Aufrechterhaltung eines absurden Geldsystems zu dienen; natürlich alles rechtens und mit demokratischer Legitimierung. Die Ohnmacht und Hilflosigkeit der Politiker besteht ja nur gegenüber dem als unverrückbar und wie gottgegeben betrachtetem Geldsystem. Umso härter wird dann die Macht gegenüber den Bevölkerungen geübt. Politiker sind die Erfüllungsgehilfen der anonymisierten Macht der Geldgesetze. Niemand soll behaupten, dass die derzeitige – noch nicht endgültige – Finanzkrise nicht vorhersehbar war. Politiker sollten erkennen, dass das Geldsystem (Regeln der Entstehung und in Umlaufbringung) menschengemacht und nicht unveränderbar ist.

Ein System, das dem Verlauf einer Exponentialfunktion folgt, ist von Anfang an nicht langfristig aufrecht zu erhalten. Man kann natürlich immer wieder an kleinen Schräubchen drehen und so den Kollaps noch etwas hinaus zögern, ähnlich, wie man in einen Luftballon immer noch ein bisschen Luft hineinblasen kann und dennoch weiß, dass man sich dem Platzen des Ballons immer schneller nähert. Die minimalen Unterschiede der wahlwerbenden Parteien beschränken sich auf die Art der Schräubchen, mit deren Drehung den Wählern vorgegaukelt werden soll, dass mathematisch Unmögliches, möglich gemacht werden kann.

Konnte man vor etlichen Jahren den Politikern noch Unwissenheit konzedieren, so geht das heute – nicht zuletzt Dank Internet – immer schlechter, womit es zugleich auch immer schwieriger wird, die volle Wahrheit über das systemisch erzwungene Scheitern einzugestehen. Mittlerweile bewegt sich finanzpolitisches Handeln durchaus bereits in Richtung Betrug an den Bevölkerungen, weil wissentlich nachteilige Entscheidungen getroffen werden (müssen). Das funktioniert freilich nur, weil der Durchschnittsbürger nicht über die wahre Funktionsweise des Geldes aufgeklärt ist und das Geldsystem als unumstößlich und gottgegeben zu akzeptieren bereit ist. Damit stoßen auch die schönen, wenngleich albernen und falschen Ausreden für die versagende Politik auf gnädige Zustimmung („Der Markt verlangt“, oder „die Globalisierung bringt mit sich“, etc.). Nicht der Markt verlangt, sondern das Geldsystem!( Die Marktwirtschaft wäre schon in Ordnung, bloß ist sie immer seltener aufzuspüren).

Wenig beachtet wird auch, dass entgegen ihren salbungsvollen Beteuerungen Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen, Politiker in einer repräsentativen Demokratie natürlich keine Verantwortung tragen, weil sie rein rechtlich in unserem Auftrag handeln (Rücktritte sind nicht Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein, sondern ein Stehlen aus der Verantwortung!). Das Versagen der Politiker hatten immer schon die Staatsbürger auszubaden, weshalb Achtsamkeit und aktive Teilnahme an politischen Entscheidungsprozessen von überragender Bedeutung für das Überleben einer Gesellschaft sind. Das ist zugleich mein Aufruf, trotz Unglaubwürdigkeit der Politiker zur Wahl zu gehen!

Zurück zum Kern des Problems: Von den Medien werden wir derzeit mit einer Fülle von Analysen zur gegenwärtigen Finanzkrise gefüttert und auch mit Erklärungen, wie heroisch Politik und Notenbanken die Verluste aus Spekulation auffangen, um für unser aller Wohl das System zu retten! Weniger deutlich wird uns zwischen den Zeilen mitgeteilt, dass die zusätzliche Verschuldung auf unsere Schultern geladen wird, damit das Spiel mit den Spekulationen unbeirrt weiter gehen kann. Was da tatsächlich abläuft, ist so unglaublich, dass der Normalbürger die Wahrheit gar nicht wahrhaben möchte, nach dem Motto: Dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Entgegen der anerzogenen und weit verbreiteten Ansicht entsteht unser Geld nicht durch Arbeit, sondern durch Kredit und verschwindet daher bei Kredittilgung wieder. Da mit einem Kredit auch meist Zinsforderungen verbunden sind, verschwindet aber bei Tilgung mehr Geld, als ursprünglich entstanden ist. Das ist unmöglich, es sei denn, dass inzwischen irgendwo von irgendwem ein weiterer (höherer) Kredit aufgenommen wurde. Hierin steckt der Keim zur angeblichen Gier der Menschen. Die Aufrechterhaltung des Systems erfordert eine ständige Ausweitung der Verschuldung. Es sollte übrigens bekannt sein, dass Schulden und Guthaben stets gleich hoch sein müssen. Schulden und Guthaben müssen also stets anwachsen. In einer gesättigten Wirtschaft darf es deshalb trotz allem – wenngleich sehr unterschiedlich verteiltem – Wohlstand, keine Zufriedenheit und kein „Genug“ geben. Der Wachstumszwang unter dem wir stehen, ist eigentlich ein Schuldenwachstumszwang! Arbeitslosigkeit ist demgemäß auf Geldlosigkeit in der Realwirtschaft zurück zu führen, weil der berechtigte Vorsorgegedanke früherer Naturalwirtschaften fataler Weise auf das Geld übertragen wurde, und stellt sich auch für den Arbeitslosen viel eher als Geldmangel, denn als Mangel an Arbeit dar. Die Überwindung der Erwerbsarbeit war doch immer schon das erklärte Ziel jedes vernünftigen Menschen und die zahlreichen technischen Errungenschaften, Erfindungen und Automatisierungen zeigen auch eindrucksvoll den Erfolg dieser Bestrebung.

Hier sollten die sehr sinnvollen Konzepte bezüglich bedingungslosem Grundeinkommen ihren Ausgang nehmen. In einer monetaristischen Gesellschaft braucht man zum Überleben Geld. Wenn an die Herankommensweise Bedingungen gestellt werden, dann werden Bedingungen für das Leben an sich gestellt und zynischer kann ja das „Willkommen“ an neues Leben wohl nicht sein. Hier müssen offensichtlich noch ganz gewaltige Bewusstseinsveränderungen eingeleitet werden, wenn es tatsächlich um das gemeinsame Wohl aller Bürger gehen soll. Oder soll es das vielleicht gar nicht?

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft weiter auseinander denn je, wobei nicht oft genug betont werden kann, dass Armut stets relativ ist und nichts mit der unleugbaren Tatsache zu tun hat, dass es den Menschen heute so gut, wie nie zuvor geht. Wer es sich aber nicht leisten kann, z.B. im Kaffeehaus auf einen Espresso einzukehren, ist deshalb absolut betrachtet noch nicht arm, in unserer Gesellschaft jedoch sehr wohl und er unterliegt damit der zunehmenden Ausgrenzung und Isolierung. Diese rasant zunehmende relative Armut wird in der Euphorie über das immer noch steigende BIP – einer für die Lebensqualität absolut untauglichen Maßzahl – gar nicht mehr bemerkt. Hinweise darauf, dass es den Menschen in anderen Ländern viel schlechter geht, helfen wenig, die Armut innerhalb einer reichen Gesellschaft zu ertragen.

Die systemanalytische Betrachtung des unserem Wirtschaftssystem zugrunde liegenden Geldsystems liefert die Begründung dafür, weshalb die tatsächlich beachtliche Zunahme des Wohlstands und der Lebensqualität breiter Bevölkerungsschichten in den Aufbaujahrzehnten nach dem Krieg, nunmehr zu einem Ende kommen muss. Das System war hervorragend als stimulierender Impulsgeber zur Entwicklung einer brachliegenden Wirtschaft geeignet, es ist jedoch nicht geeignet, ab einem gewissen Sättigungsgrad eine harmonische Gesellschaftsentwicklung nachhaltig zu unterstützen. Es sind nicht die Wirtschaftsakteure oder gar die Parteien, die hoch entwickelte Gesellschaften spalten. Es ist das Geldsystem, das, wenn man sklavisch daran festhält, politische Handlungen erpresst, die letztlich zum Zerfall der Gesellschaften führen.

Eine moderne, zukunftsträchtige Politik muss vor allem und zuallererst auf breiten Wohlstand orientierte gesellschaftliche Ziele setzen und davon ausgehend die Frage stellen, welches Geldsystem am besten geeignet ist, diese Ziele nachhaltig zu unterstützen. Unkenntnis über Zusammenhänge, Festhalten an einem versagenden System und/oder mangelnder Mut zur Wahrheit, haben Bevölkerungen immer schon in den Abgrund geführt. Es bleibt zu hoffen, dass es zu einem rechtzeitigen Aufwachen kommt und sich die Geschichte gerade eben nicht wiederholen muss.

3.11.2012; Standard, Rauscher: Lohnrunde für Politiker

Leistungsbezogene Politikerentlohnung?

Vorweg: Kein Politiker sollte unter existentiellen Nöten leiden müssen – wie übrigens auch kein normaler Staatsbürger! Wie, aber, lässt sich die Leistung eines Politikers in Preisen darstellen? Wie soll man gesellschaftsethisch vertretbaren Gestaltungswillen gerecht entlohnen? Dieselben Fragen sind natürlich auch auf die oberen Managementfunktionen anzuwenden. Irgendwie muss das doch in Relation zu Prekariat und Mindesteinkommen stehen. Meine ich jedenfalls. Kein Politiker und kein Manager leistet schlechtere Arbeit, wenn die Entlohnung halbiert wird, so lange diese über der existentiellen Angstschwelle zu liegen kommt (wo aber liegt die?). Wie auch kein Politiker oder Manager bessere Arbeit liefert, wenn man ihre Entlohnung verdoppelt. Ist es aber nicht stets die Relation, die darüber entscheidet, ob eine Gesellschaft zerfällt, oder nicht? Das rechte Maß wurde aus den Augen verloren. Nicht der tatsächliche Marktwert eines Politikers oder Managers steht heute im Fokus; der wäre am ehesten mit Gemeinwohlorientierung, Verantwortungsbereitschaft und in Relation zu Mindesteinkommen zu bestimmen. Im heutigen Verständnis des Lohn-Marktes geht es jedoch vorwiegend darum, welcher Lohn gerade noch erpressbar ist, unabhängig von irgendwelchen Leistungsversprechen. Dennoch sei sowohl den Pensionisten, wie auch den Politikern, die 1,8% Beitrag zu den Inflationsverlusten vergönnt. Letztlich gilt jedoch in Wirtschaft und Politik das unumstößliche (natürlich als statistisches Phänomen zu sehende) „Peters Prinzip“: So lange jemand eine Funktion mit Können und Leidenschaft ausübt wird er befördert, bis er versagt. Weshalb wir uns also nicht wundern dürfen, dass wir es in den Spitzenfunktionen mit einer Ansammlung von Versagern zu tun haben.

Ich gebe zu, dass ich die Frage, ob eine Gesellschaft ohne sich stetig ausbreitenden existentiellen Ängsten möglich ist, bzw. vom Kapitalismus überhaupt angestrebt wird, nicht so ad hoc beantworten könnte. Auch nicht die Frage nach der „gesunden“ Relation von Mindest- zu Höchsteinkommen. Um die Diskussion und Beantwortung letzterer Frage wird man aber früher oder später wohl nicht herumkommen. Ausgangspunkt müsste dabei „unten“ und nicht „oben“ sein: Was braucht ein nicht von Erbschaften oder sonstigem Besitz gesegneter Durchschnittsbürger, um an unserer Gesellschaft mit Würde und Anstand, auf Augenhöhe respektiert, ohne Ausgegrenztheit und ohne existentielle Nöte teilhaben zu können? Die Schätzungen der Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens gehen ja in diese Richtung. Es beantwortet allerdings nicht die Frage, um wie vieles mehr den Spitzen einer funktionierenden Gesellschaft zukommen sollte (Was ist noch Verdienst? Was ist nur mehr Einkommen?).

So, jetzt hör‘ ich aber auf.

Mit besten Grüßen aus Linz, Ihr

Dr. Günther Hoppenberger

31.10.2012; Standard, Honorarmillionär legt Einkünfte offen

Steinbrücks Zubrot

Mit dem albernen und durch nichts zu belegenden Satz, „Es ist die Aufgabe eines Politikers zu erklären“, versucht Peer Steinbrück sein nicht unbeträchtliches Körberlgeld aus Vorträgen zu rechtfertigen und als Verdienst darzustellen, obwohl er für die politische Aufgabe doch durch sein Abgeordnetengehalt entlohnt wird. Dass diese Kosten von den jeweiligen Betrieben, Banken und Organisationen, denen er was auch immer erklärt, an deren Konsumenten weitergereicht werden, scheint seiner schlichten Denkweise sichtlich fremd zu sein. Es sei ihm vergönnt, wenn er meint mit einem Abgeordnetengehalt nicht das Auslangen zu finden, man sollte sich jedoch bei der Wahl daran erinnern, welche innere Haltung da nach höheren Ehren strebt.

Dr. Günther Hoppenberger

21.10.2012; profil, Lingens, Übersehene Zeitbomben

Angemessenheit

Ohne die Leistungen des durchschnittlichen Beamten für die Gesellschaft, zu der er ja auch selbst zählt, schmälern zu wollen, wird in der Diskussion über Beamtenpensionen oft übersehen, dass auch die Aktivbezüge aus Steuermitteln und somit von den Konsumenten beglichen werden. Höhere Beitragszahlungen zur Beamtenpension, sofern sie nicht durch Gehaltserhöhung kompensiert werden, betrifft daher das Thema der Angemessenheit der Beamtenentlohnung. Zusammen mit der Politikerentlohnung sollte sich das wohl in einer vertretbaren Relation zu den Mindesteinkommen und ASVG Pensionen bewegen. Völlig richtig: Die negierten Bomben ticken weiter. Wie lange noch?

Dr. Günther Hoppenberger

19.10.2012; Standard, OÖN, Heini Staudinger von FMA verklagt

Systemische Unrechtsgesetze

Eigeninitiative, Selbstorganisation, Kreativität, Schaffung von Arbeitsplätzen, Gemeinwohlorientierung, Sozialverantwortung. Alles das und noch viel mehr wird von den europäischen Bevölkerungen erwartet, würde man die vollmundigen Reden der Politik noch ernst nehmen. Einer, der – noch dazu in einer krisenanfälligen Region – alles das mit unheimlichem Engagement authentisch und ehrlich lebt, ist Heini Staudinger, Chef der Waldviertler Schuhwerkstatt. Geht es aber um’s Geld, dann gelten offensichtlich alle politischen Parolen nichts mehr. Da ist Selbstorganisation plötzlich nicht mehr gestattet, obwohl die anhaltende Finanzkrise geradezu dazu zwingt. Der „Fall“ Heini Staudinger, der die FMA auf den Plan rief, legt mit erschreckender Klarheit offen, wie wenig unsere Gesetzgebung auf die Erfordernisse einer harmonischen Gesellschaftsentwicklung ausgerichtet ist. Mit 3 Mio wurde offensichtlich die Schmerzgrenze des Bankensystems überschritten und die FMA glaubt wahrscheinlich mit diesem Schuss auf einen Spatzen ihr totales Versagen gegenüber den Großbanken vergessen zu machen.

Dr. Günther Hoppenberger

19.10.2012; Standard, Neue Kleinparteien drängen auf die politische Bühne

Demokratie?

Etliche neue Kleinparteien drängen auf die politische Bühne. Abgesehen von Stronachs Ausgedinge-Sammelbecken, müssen sie alle jeweils 2600 Unterstützungserklärungen erhalten, um überhaupt zur Wahl antreten zu dürfen. Wenig beachtet wird, dass man nur eine einzige derartige Unterstützungserklärung abgeben darf, selbst wenn man der Auffassung ist, dass auch noch andere der neuen Parteien zur Auswahl stehen sollten. Unterstützung für ein Antreten – wenn das denn schon sein muss – bedeutet ja nicht, dass man diese Partei auch wählen wird! Bei solchen Wahlgesetzgebungen können sich die etablierten Parteien tatsächlich beruhigt zurücklehnen und brauchen die überreichlich selbstgefüllten Tröge mit niemandem zu teilen. Heissa juchee; ist so eine Demokratie nicht schön?

Dr. Günther Hoppenberger

19.10.2012; OÖN, L. Mayringer; Mit vollen Taschen in die Schlacht um die Wähler,

Schlacht um die Wähler, oder Schlacht um Macht?

Allein schon die exorbitante Erhöhung der Parteienförderung sollte eigentlich die Wähler in Zeiten wie diesen auf die Barrikaden treiben. Nicht so in Österreich, wo wir offensichtlich an die Selbstbedienungsmentalität der Politikerkaste gewöhnt wurden. Seriosität und Vertretung der Bevölkerungsinteressen wird von Politikern kaum mehr erwartet. Man resigniert bei so viel Chuzpe. Vermeintlich in einer funktionierenden Demokratie lebend, sind wir doch selbst dafür verantwortlich! Es geht gar nicht um die „Schlacht um die Wähler“, sondern um das gemeinsame, offenkundige Verhöhnen der Wähler. Ihre Unschuld haben die Politiker längst schon verloren. Wie aber entzieht man ihnen auch die Macht? Das Argument: „Demokratie kostet eben“, greift zu kurz, denn zuerst sollten wir Demokratie herstellen! Eine Wahlgesetzgebung, die mir untersagt, mehr als eine Unterstützungserklärung für neue, wahlwerbende Gruppierungen abzugeben und mich dann dieser Gruppierung zuordnet, obwohl man nur für deren Antreten bei der Wahl eintritt, weil man sie generell für wählbar erachtet, ohne sie aber selbst wählen zu wollen, ist ein wenig beachteter demokratiepolitischer Skandal, wie natürlich auch die Notwendigkeit, in kurzer Zeit an 2600 Unterstützungserklärungen kommen zu müssen.

Dr. Günther Hoppenberger

8.10.2012; Standard, ESM

ESM: Die wichtigsten Fragen im Überblick. Von Günther Oswald.

Leider wird nicht ersichtlich, wer hier die Fragen stellt und wer die Antworten gibt. Wundersam ist jedoch die Antwort auf die Frage nach der Möglichkeit direkter Geldvergabe des ESM an die Finanzinstitute: „……..Der Vorteil für das betroffene Land wäre jedenfalls: Die Bankenhilfen würden nicht mehr die Schuldenquote des Staates erhöhen“. Auf die dahinter stehenden Buchungssätze wird nicht eingegangen. Klar ist jedoch, dass sich die mit den Geldgaben an Banken verbundenen Schulden anteilsmäßig auf die nationalstaatlichen Eigner des ESM als voraussichtlich uneinbringliche Forderung gegenüber den beglückten Banken verteilen. Da zählt auch das Land dazu, dessen Bankensystem diese Geldspritze erhält. Noch so viele Rettungsschirme werden langfristig nicht zu verschleiern vermögen, dass Schulden und Guthaben stets gleich hoch sind.

Dr. Günther Hoppenberger

2.10.2012; Schreiben an Lingens, auf: „Kaputtgespart“ vom 1.10.

Sehr geehrter Herr Lingens,

der an sich streckenweise ja grandiose Kapitalismus als Wirtschaftsform bringt es mit sich, dass die augenscheinlich nicht mehr zeitgemäße Entstehungsart des Geldes durch verzinsten Kredit, zwangsläufig eine sukzessive Verlagerung der Wirtschaftsaktivitäten von der Werteschaffung zur Geldwerterheischung bewirkt. Dieses sogar unter Inkaufnahme von selbstzerstörerischer Werteminimierung [Als Logotherapeut nach Viktor E. Frankl orientiere ich mich an dessen umfassender Wertewelt, die sich – nach aufsteigender Bedeutung – in produktive-, Erlebnis- und Einstellungswerte unterteilen lässt].

Nun setzt das bildhafte „Geldpumpen in die Wirtschaft“ zur Steigerung des Wachstums (Wohin? Wozu? Eine Geldgröße!?) bereitwillige Kreditnehmer voraus und hier setzt die meist diskret verschwiegene vierte Eigenschaft des Geldes an, nämlich als Machtmittel dienen zu können. Hier wird Lobbyismus wirksam, der zur weiteren clusterhaften und zugleich blasenbildenden Konzentration von Geld innerhalb der bestehenden Machtstrukturen führt.

Gehen wir denn nicht beide stets davon aus, dass allseitiges, redliches Bemühen vorherrscht, die so genannte Krise zu bereinigen und tragfähige Perspektiven für eine zukunftsorientierte Gesellschaftsentwicklung zu präsentieren? Ich bin mir da gar nicht mehr so sicher, ob das von der Politik tatsächlich angestrebt wird, denn sämtliche bisherigen Lösungsversuche entsprechen einer Problemaufschiebung, bestenfalls Problemverlagerung, keineswegs jedoch einer nachhaltigen Problemlösung. Wir haben es auch viel weniger mit einer Krise, als mit einem Dilemma zu tun. Das heißt: Ausweglose Situation (wenn wir an den systemischen Ursachen nichts verändern wollen und das wollen wir ja nicht wirklich. Oder? Glauben wir in unserer von Ängsten geprägten Verblendung denn nicht nach wie vor, die linear wachsende Realwirtschaft an die exponentiell ansteigende Finanzseite angleichen zu können? Glauben wir nicht nach wie vor, mathematische Gesetze durch politische Beschlüsse aufheben zu können?).

Vordergründig lässt sich freilich trefflich unter dem Sammelbegriff „Umverteilung“ streiten, dahinter entfaltet der systemische Fehler dennoch unbarmherzig seine Wirkung weiter. Jedes Gesellschaftssystem besteht jedoch aufgrund der wie und wodurch auch immer entstandenen Machtstrukturen. Systemänderung bedeutet daher auch immer eine Änderung dieser Machtstrukturen – und da ist „die Macht“ strikt dagegen.

Der Weg, „die Macht“ zur Einsicht zu führen, dass es mitunter vorteilhafter sein kann, freiwillig auf Macht (=Erpressungspotential) zu verzichten, wurde noch nicht gefunden. Ohne Auflösung der Guthaben sind Geldschulden volkswirtschaftlich jedoch niemals tilgbar. Der Schuldner kann noch so produktiv sein und noch so billig hochwertige Waren anbieten. Wenn das den Gläubiger nicht interessiert und er nicht bei ihm einkauft, nützt das dem Schuldner gar nichts. Er kann nur versuchen, seine Schulden auf andere zu übertragen.

Ist es aber überhaupt so, dass wir – nach unserem Verständnis – rückständigeren Ländern, zur Wettbewerbsfähigkeit verhelfen wollen? Zu neuen, ernstzunehmenden Konkurrenten auf dem Weltmarkt zu werden? Setzen wir denn auf betriebswirtschaftlicher Ebene nicht alles daran, Konkurrenz auszuschalten und deren Markt zu übernehmen? Wird das denn nicht sogar von der Wettbewerbskommission stillschweigend toleriert, oder sogar unter Hinweis auf die Anforderungen der Globalisierung gefördert? (Stichwort: „Wir stehen im globalen Wettbewerb“ – [wenigstens hier schimmert durch, dass es überhaupt nicht um das Wohlergehen der „99%“ geht, sondern ausschließlich um Macht, denn welcher Wettbewerb läuft denn hier eigentlich ab? Machtspielchen der selbsternannten Eliten unter Missbrauch deren Bevölkerungen!]

Abschließend noch ein paar Gedanken zu dem absurden Lösungsweg, Schuldentilgung durch Exportsteigerungen zu erreichen: Theoretisch und in den Bilanzen ist das natürlich wunderbar. Jede exportierte Ware oder Dienstleistung erhöht zunächst die Forderungen auf Geld gegenüber dem Käufer und wir sind es doch gewöhnt, diese Forderungen auf Geld wie Geld zu verwenden. Dummer Weise müssen wir jedoch mit den Waren meist auch den entsprechenden Kredit mitliefern (Das ist doch der Clou des monetaristischen Kolonialismus). Wenn der Kredit nicht bedient werden kann, dann ist vor allem im Exportland Feuer am Dach. Wie dumm – oder wie heimtückisch – muss eine Bevölkerung sein, die auf ihre gewaltigen Exportüberschüsse stolz ist? Exporte, die bei weitem über den Bedarf von Importwaren hinaus gehen, können unmöglich ein vernünftiges Ziel einer Volkswirtschaft sein. Letztendlich – wie man gerade sieht – werden die exportierten Waren von der eigenen Bevölkerung selbst bezahlt.

Ein gangbarer Weg zur „Krisenbewältigung“ (=Systemänderung) könnte im ersten Schritt die Monetative mit Vollgeld sein; darauf aufbauend könnte man dann die diversen Konzepte zu fließendem Geld überprüfen (warum nicht sogar das „Joytopia-Modell“ von Bernd Hückstätt?). Wie jedoch bereits gesagt: Geht es um Vernunft und Wohlstand, oder um Macht (=Aufrechterhaltung des bestehenden Systems und Untergrabung der demokratischen Pflänzchen)?

Manchmal beneide ich Sie – und unterstelle Ihnen zugleich – dass Sie in Spanien mit einer Flasche Rioja bei untergehender Sonne am Strand sitzen, Gedanken fliegen lassen und vielleicht warten, bis alles vorüber ist. Ich wünsche und gönne es Ihnen und sende Ihnen dazu herzliche Grüße aus Linz!

Ihr

Dr. Günther Hoppenberger

19.9.2012; Standard, BAWAG

BAWAG – Änderung des Geschäftsmodells

Die von der BAWAG geplante Konzentration auf lukrative Privatkredite sollte, abgesehen vom Verlust von bis zu 700 Arbeitsplätzen, weniger beunruhigen, als das stets diskret verschwiegene Faktum, dass sämtlicher Zahlungsverkehr zwischen Bürgern und Finanz über die PSK und damit unter Kontrolle des US-Fonds Cerberus läuft. Österreichs BürgerInnen werden also „vom Cerberus“ beherrscht – ein weiteres unerträgliches Erbe aus der Schüssel Ausverkaufszeit.

Dr. Günther Hoppenberger

17.9.2012; profil, Lingens, „Der EURO überlebt!“

Aber, aber, Herr Lingens! Die Grundannahme zu teilen: „Eine Krise, die hohe Überschuldung zur Ursache hat, kann man nur durch Sparen überwinden“, ist doch die betriebswirtschaftliche Denkweise der schwäbischen Hausfrau und hat absolut nichts mit der Systemkrise zu tun, deren Folge die ausufernde Staatsverschuldung ist. Dass mit dem so genannten Sparen die Krise nur verlagert und nicht gelöst werden kann, drücken Sie im vorletzten Satz aus: Wenn nämlich die „Krisenländer“ deutlich weniger importiert, aber deutlich mehr exportiert haben, mag sich das für die Krisenländer als Wendepunkt darstellen, wenn das anhält. Rein rechnerisch werden damit eben andere Länder zu Krisenländern. Problem gelöst? Volkswirtschaftliche Schulden können im Monetarismus stets nur auf andere übertragen, jedoch niemals getilgt werden. Trotzdem mag es natürlich sein, dass der EURO überlebt – besonders dann, wenn seine Erzeugung und Inumlaufbringung dahingehend verändert werden, dass sie den gesellschaftlichen Ansprüchen moderner, arbeitsteiliger Volkswirtschaften dienen. Die „Monetative“ und „Vollgeld“ sollten dazu vielleicht die ersten Schritte sein.

Dr. Günther Hoppenberger

13.9.2012; OÖN (ESM) Nach Richterspruch atmet Europa auf

Nach Richterspruch atmet Europa auf….

titeln die OÖN am 13.9.2012 nach dem Spruch des deutschen Verfassungsgerichts und stellt es als positiv dar, dass die Politik nun aufgrund der gestiegenen Aktienkurse Signale für einen Konjunkturaufschwung zu sehen vermeint. Beides muss jedoch eher wie das Pfeifen im finsteren Wald gesehen werden, mit dem man sich die Angst vertreiben will. Die Essenz des nunmehr besiegelten ESM bedeutet ja nichts anderes, als dass die Aufschuldungsspirale munter weitergeht. Ob das tatsächlich zu einem Aufatmen berechtigt?

Dr. Günther Hoppenberger

13.9.2012; Standard (online), zum Urteil des deutschen Verfassungsgerichts

Gesetzeskonformität durch Verfassungsrichter bestätigt

Der von der Politik sehnlichst erwartete Segen zum ESM durch das Verfassungsgericht drängt leicht die Diskussionen über die Sinnhaftigkeit in den Hintergrund. Gesetzeskonformität sagt bekanntlich weder etwas darüber aus, ob damit das angestrebte Ziel auch erreichbar ist, noch, ob dieses Ziel dem Gemeinwohl dient.

Die Politik hat sich mit dem ESM wieder einige Monate Luft verschafft. Leider ist nicht anzunehmen, dass diese – auf Kosten der Bürger – gewonnene Zeit dazu genützt wird, tatsächliche Änderungen an der Konstruktion des versagenden Informationssystems (=Geldsystems) vorzunehmen.

3.9.2012; Standard; Barnier ist gegen Deckelung der Manager-Boni

Mit 100% ESt ab einer bestimmten Einkommenshöhe, ließe sich das regeln

Über die Höhe eines erzielbaren Höchsteinkommens lässt sich freilich trefflich streiten, doch wäre es die Aufgabe des Staates, auf Balance und Augenmaß zu achten. Die Höchstgrenze sollte immer in Relation zu den Mindesteinkommen gesehen werden. 10fach? 20fach?30fach? Ein Manager managed nicht besser, wenn er doppelt so viel einnimmt, weil er ohnehin über dem Schwellenwert der finanziellen Motivation zur vermeintlichen Glückseligkeit liegt. Ob jemand 2 Mio, oder 10 Mio im Jahr bekommt, macht keinen Unterschied. Er kann es eigentlich nicht ausgeben. Wesentlich ist die Ausrichtung des Managements und die sollte das Gemeinwohl im Blick haben und nicht die persönliche Geldmehrung.

31.8.2012; Standard, 25 Mio. Jugendarbeitslose in Europa

Auf den Punkt gebracht

Diese 25 Mio. jungen Europäer sind also Überschuss und im Verständnis unseres zynischen Paradigmas allemal entbehrlich. Mangels Einkommen, das man ihnen vorenthält, können sie nicht einmal für die Pensionen der Alten herhalten. Ihre gesellschaftliche Funktion besteht einzig und allein im Konsum. Eine wichtige Aufgabe, um all die meist überflüssigen, ausschließlich der Aufrechterhaltung des Geldsystems dienenden Waren und Dienstleistungen aufzunehmen. Vielleicht sollten wir „Konsument“ als neues Berufsbild zu schätzen lernen. Bei der heutigen Fülle ist „Konsument“ zu sein gar nicht wenig anstrengend.

Wir sagen „Arbeitslose“, meinen jedoch eigentlich „Einkommenslose“ und vergessen dabei, dass Geld eben nicht durch Arbeit entsteht!

22.8.2012; Standard, „Ideen gegen Armut“

Sehr geehrte Frau Mag. Rauscher,

in einer ganzseitigen Aufmachung wurde im gestrigen Standard das „Siegerprojekt 2010“ der Initiative „Ideen gegen Armut“ beispielhaft dargestellt. Abgesehen davon, dass es aus psychologischer Sicht wertvoller wäre, Ideen für und nicht gegen etwas zu stimulieren, war für mich nicht so ganz ersichtlich, wessen und welcher Armut mit dem Holzsammelprojekt begegnet wird.

Bei aller Klarheit über den pädagogischen Effekt dieses Projekts in Zeiten steigender Jugendarbeitslosigkeit, erscheint mir eine langfristige Verbesserung der prekären Lage jugendlicher Arbeitssuchenden darin nicht erkennbar. Sind die Jugendlichen nun von den Waldbesitzern in einem versicherten Arbeitsverhältnis angestellt? Sind sie damit also nicht mehr arbeitslos? Können sie nun auf dem Hintergrund der Entlohnung, die ja jener eines Forstarbeiters entsprechen sollte, an eine Familienplanung denken? Wenn es jedoch nur eine Vergatterung zu einer Tätigkeit ist, die der Markt nicht entlohnt, ist es dann nicht viel mehr nur die zynische Ausbeutung Jugendlicher? Es bleibt doch den Jugendlichen nicht verborgen, dass sie ihre Zeit mit einer offensichtlich zwar wertvollen, jedoch unbedankten Tätigkeit vergeuden.

Abschließend möchte ich noch anregen, die Initiative in deren Ausrichtung umzupolen, z.B. in:

„Ideen für mehr Gemeinsinn und Gemeinwohl“, oder „Ideen für ausgewogene Gesellschaftsentwicklung“, oder „Ideen für die Herstellung neuer Machtbalancen“, oder „Ideen für gesellschaftliche Werteverwirklichung“, u.s.w.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

4030 Linz

21.8.2012; OÖN; Josef Lehner, Die Einkommensstudie ist ein Tiefschlag

UBS Einkommensstudie dokumentiert gefühlten Kaufkraftverlust

Obzwar die Zahlen etwas überspitzt dargestellt sein dürften, manifestiert sich darin dennoch ein erschreckender Trend, der zugleich die so genannten Exporterfolge in einem anderen Licht erscheinen lässt. „Exporte sind importierte Arbeitsplätze“ lässt uns Josef Lehner wissen. Was, jedoch, ist der gesellschaftliche Wert solcher Arbeitsplätze, auf denen unter Einsatz hochqualifizierter Arbeitskräfte Produkte erzeugt werden, die ins Ausland abwandern und im Endeffekt von den Steuerzahlern des Exportlandes selbst bezahlt werden müssen, wie uns das in der jetzt als „Krise“ bezeichneten Entwicklung langsam dämmert? Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist weder ein unternehmerisches Ziel, noch kann es staatlicher Zielsetzung entsprechen, Überschussproduktionen zu generieren. Dass im Monetarismus die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Wert, im Sinne von Gemeinwohlbeitrag, und hypothetischem Zahlenwert in der Euphorie über Exporterfolge schwindet, steht auf einem anderen Blatt.

Dr. Günther Hoppenberger

20.8.2012; profil, Lingens, „Die Krise lernt Deutsch“

Die Krise als Resultat des Exportwettbewerbs

Gratulation zu dieser großartigen Analyse! Es ist zu hoffen, dass nun als Fortsetzung Teil II folgt, in dem erklärt wird, was alles hätte anders gemacht werden müssen, um diese von Vielen – wie auch von Streissler – vorhergesehene Krise zu vermeiden. Noch schwieriger wird jedoch Teil III werden, der die bestehenden Möglichkeiten für einen Weg aus der Krise zum Thema haben sollte. Mehr Kooperation statt Wettbewerb fiele mir dazu ein.

Kulminiert denn nicht alles in der quälenden Frage, wie sich „Macht“ auf der Sachebene mit friedlichen, wissenschaftlichen, gemeinwohlorientierten Argumenten überzeugen lässt, auf Macht zu verzichten? Ohne dem Geld seine vierte Eigenschaft zu nehmen, nämlich als Machtmittel dienen zu können, wird das kaum gelingen. Eine Einstellungsmodulation und eine neue Zieldefinition für unser wirtschaftliches Handeln sind gefragt! Ein dafür dann am besten geeignetes Geldsystem (=Informationssystem) zu kreieren, sollte relativ leicht möglich sein, wenn gesellschaftliche Vernunft statt Machterhalt in den Fokus rückt.

Dr. Günther Hoppenberger

7.8.2012; OÖN; Gerhard Schwischei, Die Europäer und ihr halb leeres Glas

Ratlos vor dem halbleeren Glas?

Die Politiker sollten uns zur „Krisenbehebung“ klar machen, „Egal wie, aber Leute, wir schaffen das“, meint Gerhard Schwischei und erwartet sich davon eine „Yes, we can“ Aufbruchsstimmung. Könnte es aber nicht sein, dass es den Europäern im Vergleich mit den US Bürgern gar nicht so sehr am Aufbruchswillen mangelt, sondern dass sie aufgrund anderer Wertesetzungen mit dem „Das“, was es angeblich zu schaffen gelte, nicht einverstanden sind? Die Stimmung in der Bevölkerung legt diese Vermutung nahe. Die Europäer wollen ganz einfach nicht dabei behilflich sein, dass ihnen die Politiker auch noch das ohnehin bereits halbleere Glas ganz aussaufen.

Dr. Günther Hoppenberger

3.8.2012; Standard,

„Staatenrettung“ für Dummies

Das großartige Schema „Staatenrettung für Dummies“ im heutigen Standard zeigt selbsterklärend, wo die Dummen letztendlich positioniert sind: Das sind wir, die 99% der europäischen Staatsbürger! Und – nicht zu vergessen – jene Experten, die tatsächlich daran glauben, dass Schulden durch neue Schulden getilgt werden können. Noch so viele, das Kernproblem verschleiernde Rettungsschirme, Schuldenfonds (Vorschlag von Lars Feld), etc., werden daran nichts ändern, dass es einer Systemänderung bedarf. Wir versuchen mit aller Gewalt ein totes Pferd zu reiten.

Dr. Günther Hoppenberger

3.8.2012; profil, (30.7.) Peter Lingens, „Endlich auch Kerker für Banker“,

Sehr geehrter Herr Lingens,

mit großem Wohlwollen beobachte ich Ihren zunehmenden Groll! Sind aber viele der Vorstände und Aufsichtsräte wirklich so unfähig? Nützen sie denn nicht nur widmungswidrig die ihnen aus Unkenntnis und leichtfertig zugestandenen gesetzlichen Freiräume für persönlichen Machterhalt? Sind sie im Sinne unseres gegenwärtigen Systems daher nicht sogar als besonders tüchtig zu bezeichnen? Viel fataler empfinde ich ja, dass die Politik dabei voll mitspielt und längst schon ihre ureigenste Aufgabe, für das Gemeinwohl zu sorgen, aus den Augen verloren hat. Es tut gut, dass sich mittlerweile nicht mehr alle Widerlichkeiten vertuschen lassen, doch wie wird man diesen gesellschaftspolitischen Abschaum wieder los?

Mit besten Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

3.8.2012; Standard, H.Rauscher, „Wer verjagt die Partie?“

Wie soll man gewissenlose, egomanische Soziopathen kurieren?

 

Hans Rauschers Frage, „Wer verjagt die Partie?“, bezieht sich zwar auf die unfassbaren, widerlichen Zustände unter Kärntens Politdarstellern und deren Entourage, regt jedoch auch durchaus zu besorgten Überlegungen über den Zustand der Bundespolitik an. In Kärnten ist die Aufdeckung dieser abstoßenden und verantwortungslosen Handlungsweise gelungen. Ist deshalb aber anzunehmen, dass sonst die demokratischen Kontrollfunktionen ausreichen? Beginnt die Aushöhlung demokratischer Prozesse nicht stets mit zunehmender „Verhaberung“ und Klientelpolitik, die sich keinen Deut um die langfristige gesamtgesellschaftliche Entwicklung scheren? Lenkt uns der Kärntner Skandal nicht vielleicht nur von analogen, weitreichenden, gesellschaftlich destruktiven bundespolitischen Entscheidungen ab? Ist unsere Politik, die eigentlich dem Gemeinwohl dienen sollte, durch die Konstruktion des Finanzsystems nicht schon längst zu einem Machtsystem mutiert, dem es in erster Linie um den Selbsterhalt geht? Wie wird man ein leichtfertig zugelassenes Machtsystem los?

Dr. Günther Hoppenberger

1.8.2012; Die Presse, Franz Schellhorn, „Der legalisierte Rechtsbruch“

Welche Strukturprobleme?

Der Vorwurf, dass das Drucken von Geld keine strukturellen Probleme zu lösen vermag, ist sicherlich richtig und klingt darüber hinaus noch ausgesprochen g’scheit.

„Strukturprobleme“ werden ja überhaupt für alles verantwortlich gemacht. Wäre es nicht höchst an der Zeit, einmal klar zu definieren, was darunter zu verstehen ist und was nach Lösung dieser Probleme als Beitrag für die gesellschaftliche Entwicklung zu erwarten wäre?

„Strukturprobleme“ scheinen mir eher ein Paradigmenproblem zu sein, das zwischen gesellschaftlicher Werteschaffung und Geldwertschaffung nicht zu unterscheiden vermag und globales Konkurrenzdenken anstatt Kooperation verfestigt.

Die Probleme scheinen doch viel eher in der Konstruktion unserer Geldentstehung zu liegen, durch die eine durchaus mögliche gedeihliche Gesellschaftsentwicklung verhindert wird.

Um nicht missverstanden zu werden: Geld ist eine der großartigsten Erfindungen der Menschheit, sofern die Entstehung und Inumlaufbringung derart konzipiert sind, dass es einer nachhaltigen Unterstützung gesellschaftlicher Ziele dient.

30.7.2012; Standard (28.7.), A. Szigetvari, „Falsche Ängste, echte Risken“

Falscher Fokus?

Sollte es nicht eigentlich nachdenklich stimmen, wenn es zur Fortentwicklung der einstmals als Friedens- und Sozialprojekt konzipierten EU vorrangig um die Zufriedenstellung „der Märkte“ geht und dafür alle Opfer in der Gesellschaftsentwicklung als notwendig hinzunehmen dargestellt werden? Träte die ursprüngliche Vision eines friedlichen Europas der Völker wieder in den Vordergrund, wäre schnell ersichtlich, dass dafür der mit untauglichen, weil Problem verschärfenden Mitteln vorgenommene Versuch, das versagende Informationssystem (Geldkonstrukt) krampfhaft aufrecht zu erhalten, entbehrlich ist. Unter welchen Bezeichnungen und Konstruktionen von so genannten „Rettungsschirmen“ neue Schulden versteckt werden sollen, ist unerheblich, sobald wir die Binsenweisheit zur Kenntnis nehmen, dass alte Geldschulden durch neue Geldschulden niemals tilgbar sein werden. Zur globalen, friedlichen Gesellschaftsentwicklung werden wir uns daher von den verfestigten Machtstrukturen des wirtschaftlichen Informationssystems trennen müssen. Der damit einhergehende Machtverlust verursacht bei der davon betroffenen Minderheit zweifelsohne echte Ängste. Diese rechtfertigen jedoch keinesfalls die Opferung der Lebensgrundlagen der europäischen Bevölkerungen. Wenn wir nicht bereit sind, den Weg von der Konkurrenz zur Kooperation einzuschlagen, ist es um die Menschheit schlecht bestellt.

Dr. Günther Hoppenberger

26.7.2012; profil, Eva Linsinger, Maschinerie der Ungleichheit

Globaler Wettbewerb rechtfertigt Krisen?

In ihrem großartig aufgearbeiteten Beitrag über die weiterhin zunehmende Ungleichverteilung, zeigt Eva Linsinger folgerichtig auf, dass sich genau darin die eigentliche Krise manifestiert. Vielleicht immer noch zu wenig deutlich, aber doch, kann man die banale Erkenntnis herauslesen, dass Geldschulden und Guthaben (=Forderungen auf Geld) stets gleich groß sein müssen und dass Schulden nur dann getilgt werden können, wenn gleichermaßen die Guthaben abgebaut werden. Dass daraus abzuleitende Forderungen nach höheren Löhnen, bzw. auch Sondersteuern auf Geldvermögen für Christian Helmenstein von der Industriellenvereinigung einer Horrorvision gleichkommen, überrascht nicht wirklich. Seine reflexartige Ablehnung muss jedoch im Lichte der Funktion gesehen werden, in der er sich in der längst schon anachronistischen Gedankenwelt der globalen Konkurrenz bewegt. Nicht Konkurrenz ist heute gefragt, sondern Kooperation! Die Entbehrlichkeit von Unternehmen, deren Zielsetzung die Mehrung von Geld, anstatt die Mehrung von gesellschaftlichen, gemeinwohlorientierten Werten ist, wird immer offenkundiger. Dass für einen derartigen Einstellungswandel noch viel politische Arbeit nötig ist, steht auf einem anderen Blatt. Es wäre jedenfalls wünschenswert, wenn Frau Mag. Linsinger demnächst auch einen Beitrag zum Thema „Sinn und Unsinn des wirtschaftlichen Wettbewerbs“ verfassen würde.

Dr. Günther Hoppenberger

17.7.2012; profil, Lingens, „Reichensteuer auf Deutsch“

Sehr geehrter Herr Lingens,

abgesehen davon, dass es nicht nur um die Staatsschulden sondern um die Gesamtverschuldung gehen sollte, deren weiterer Anstieg selbst mit erhöhten Steuern nicht einzudämmen sein wird, möchte ich Ihnen einmal auch meine Zustimmung zu Ihrem Kommentar ausdrücken. Rätselhaft bleibt für mich jedoch, woraus Sie eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit ableiten, dass sich die Staaten finanziell wieder erholen werden.

Mit lieben Grüßen ins – hoffentlich – sonnige Spanien, Ihr

Günther Hoppenberger

(dzt. aus dem nasskalten Mattsee)

9.7.2012; (14.7.); profil, Lingens, „Deutsche Milliarden für faule Spanier“

Mit gesellschaftlichem Zerfall zu vereintem Europa?

Politische Entwicklungen positiv zu interpretieren, ist zunächst ja ganz ehrenwert, aber sooo blauäugig? Wie und vor allem womit, bitte schön, haftet die FED uneingeschränkt für den Dollar? Die vermeintliche Stabilität der Dollarzone ist doch ausschließlich auf die dahinterstehende militärische Stärke zurück zu führen. Soll das das angemahnte Instrumentarium zur Stabilisierung des Euro sein?

Die jeglicher parlamentarischer Kontrolle entzogene Institution „ESM“ hat selbst ja keine Mittel, soll jedoch das Recht eingeräumt bekommen, die ohnehin alle überschuldeten Staaten zu weiterer Verschuldung zu zwingen. Es liegt auf der Hand, dass der hehre Plan für einen Lastenausgleich einzelne Verschuldungsspitzen zwar nivellieren wird, den kontinuierlichen weiteren Anstieg der Gesamtverschuldung jedoch nicht einzudämmen vermag. Ich bin der festen Überzeugung, dass ESM und Fiskalpakt dereinst als das größte Verbrechen an den europäischen Bevölkerungen des angehenden 21. Jhts. in die Annalen eingehen werden. Bilanzen sind eben nicht dazu geeignet, gesellschaftliche Entwicklungen abzubilden.

Dr. Günther Hoppenberger

13.7.2012; OÖN, „Verstehen Sie Wirtschaft?“ Was ist der ESM?

Irreführung statt Aufklärung

Der ESM ist eben kein „Mechanismus“, sondern eine nicht demokratisch legitimierte Institution mit eigener Rechtspersönlichkeit, die unter dem Schutz totaler Immunität steht. Ebenfalls nicht erklärt wird der Ursprung des „Volumens des Rettungsschirms“. Unter dem Mäntelchen der Aufklärung erfolgt hier eine weitere Vernebelung der Zusammenhänge. Die Frage „Verstehen Sie Wirtschaft?“ sollte daher an die Wirtschaftsredaktion gerichtet werden.

Dr. Günther Hoppenberger

From: Mascher Dietmar

Sent: Tuesday, July 17, 2012 6:07 PM

To: Günther Hoppenberger

Cc: Wirtschaft

Subject: AW: Verstehen Sie Wirtschaft? 13.7.2012

Sehr geehrter Herr Dr. Hoppenberger,

es freut mich sehr, dass Sie uns regelmäßig an Ihrer Meinung zum Thema Finanzen und Schulden teilhaben lassen. Wie Sie wissen, wurden etliche Ihrer Leserbriefe auch abgedruckt.

Ihre Meinung zum ESM und die Unterstellung, die Wirtschaftsredaktion würde nichts von Wirtschaft verstehen, teile ich allerdings nicht. Abgesehen davon, hat Ihnen mein Kollege Hermann Neumüller schon die Konstruktion des ESM erläutert, dem selbstverständlich eine demokratische Legitimation innewohnt. Nur weil der ESM nicht direkt demokratisch eingerichtet oder gewählt wurde, heißt das nicht, dass er nicht demokratisch ist. Das ist schlicht ein Phänomen, das man als repräsentative Demokratie bezeichnet. Aber es geht ja im konkreten Fall nicht um die Frage „Verstehen Sie Demokratie?“ Überdies hängen wir uns kein Mäntelchen der Aufklärung um, sondern versuchen schlichtweg, Fragen zu beantworten.

Mit freundlichen Grüßen

Dietmar Mascher

Ceterum erlauben Sie mir die Bemerkung, dass Ihr Ceterum Censeo, mit dem Sie Ihre Leserbriefe stets schließen, zwar grundsätzlich zu begrüßen ist, wenn Sie damit bekunden wollen, dass exzessives Schuldenmachen abzulehnen ist. Realitätsfern ist es dennoch. Wie soll ein Staat in Infrastruktur, Forschung und Bildung investieren, wenn er dafür keine Darlehen aufnehmen darf?

Sehr geehrter Herr Mascher,

vielen Dank für Ihre Antwortzeilen, aus denen ich mit etwas Verwunderung eine gewisse „Wehleidigkeit“ herauslese. Es war und ist nicht meine Absicht, irgendjemand aus dem OÖN Redaktionsstab persönlich anzugreifen oder zu beleidigen. Das scheint mir offensichtlich nicht so ganz gelungen zu sein und ich möchte dafür mein ehrliches Bedauern ausdrücken. Andererseits werden Sie mir vielleicht beipflichten, dass ein Gefühl des persönlich Angesprochenseins, selbst wenn das von mir nicht intendiert war, Reaktionen provoziert und das ist ja dann doch wieder gar nicht so schlecht. Jedenfalls hoffe ich, dass Sie meine Entschuldigung entgegennehmen können.

Nun aber noch ein paar Zeilen zur Sache:

Es erstaunt mich, dass die Aussage meines „ceterum censeo“ offensichtlich nicht zu verstehen ist und ich werde wohl eine veränderte Formulierung andenken. Eigentlich möchte ich ja nur zu grundsätzlichen Überlegungen zum Geldsystem anregen. Welches Geld haben wir eigentlich? Ist es staatliches Geld? Ist es nur staatlich legitimiertes privates Geld? Wo liegt der Ursprung des Geldes für die jetzige Periode (seit 1945)? Wenn es staatliches Geld ist, weshalb muss sich der Staat dann verschulden? Ist es jedoch kein staatliches Geld, dann sollte man den Staat darin unterstützen, die Oberhoheit über das Geld zu erlangen (siehe z.B. „Monetative“).

Die Betonung meines „ceterum censeo“ liegt deshalb auf dem Zwang zur Verschuldung, unter dem (alle) Staaten zu leiden haben. Völlig aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt ist ja die viel bedeutsamere Gesamtverschuldung (Staat+Haushalte+Unternehmen), die systembedingt auf alle Fälle weiter anwachsen muss; bis zum „Gehtnichtmehr“, das bald erreicht sein dürfte. Ob es dann klug ist, neuerlich mit demselben Geldsystem bei Null zu beginnen, wohl wissend, dass es durch die im Vergleich zur Nachkriegszeit völlig anderen Ausgangsbedingungen nur eine entsprechend kürzere Funktionszeit hätte, sollte eigentlich zu breit angelegten Diskussionen herausfordern.

Ihren Zeilen entnehme ich, dass Sie das Antwortmail von Herrn Neumüller an mich kennen, füge jedoch sicherheitshalber meine Stellungnahme dazu an. Mit nochmaliger Bitte meine „Grenzüberschreitung“, wenn es denn als solche empfunden wurde, zu entschuldigen, verbleibe ich

mit besten Grüßen

Günther Hoppenberger

Sehr geehrter Herr Hoppenberger,

viele Dank für Ihre Rückmeldung. Wehleidig sind wir nicht, aber durchaus bereit, nicht jede Kritik als gegeben zu akzeptieren. Andererseits gibt es auch keinen Grund, sich entschuldigen zu müssen. Ich finde es fein, dass Sie grundsätzliche Diskussion üb das Geld anstoßen wollen und ich habe Ihre Ausführungen mit großem Interesse gelesen.

Mit freundlichen Grüßen

Dietmar Mascher

13.7.2012; OÖN, „Vertrauen“- Das Schicksal des Euro ist allein in unserer Hand

Das Schicksal des EURO ist allein in unserer Hand?

Keineswegs sind die Schulden die Konsequenz der so genannten Finanzkrise. Die systemisch bedingte stetig steigende Verschuldung fand bereits vor der Finanzkrise statt und erhielt durch diese nur einen zusätzlichen Schub, der die Absurdität des Systems plötzlich für alle sichtbar machte. In der Schuldenfalle hingen wir auch schon davor. Immer noch zu meinen, die Schulden könnten tatsächlich getilgt werden, ohne sich einer Art Proskription, oder einer Währungsreform zu bedienen, halte ich für naiv. Und nicht zu vergessen: Gibt es keine Schulden mehr, dann gibt es im Schuldgeldsystem auch kein Geld! Selbst unter Inkaufnahme des gesellschaftlichen Zerfalls und der Verelendung Europas, werden ESM und Fiskalpakt die weitergehende Verschuldung nicht verhindern.

Ceterum censeo: Ein Staat darf sich erst gar nicht verschulden müssen!

Dr. Günther Hoppenberger

From: Neumüller Hermann

Sent: Monday, July 16, 2012 3:28 PM

To: Günther Hoppenberger

Subject: ESM

Sehr geehrter Herr Dr. Hoppenberger!

Ob der ESM ein Mechanismus ist oder nicht, sei dahingestellt. Er heißt jedenfalls so. Die Frage „Verstehen Sie Wirtschaft?“ kann ich Ihnen auch stellen. Wer darf heutzutage schon sagen, dass er Wirtschaft wirklich versteht? Sie haben sicher den „Professoren-Streit“ in Deutschland mitbekommen, da gehen die Meinungen, wie man mit der Krise umgehen soll, diametral auseinander. Ich bin leider nicht so von mir selbst überzeugt, dass ich mir zu behaupten getraue, dass ich alles genau weiß.

Was die „Konstruktion“ des ESM angeht, dann erinnert sie mich an jene der Europäischen Zentralbank. Auch die ist mit weitgehender Unabhängigkeit von der (Tages-)Politik ausgestattet. Ich finde das sehr vernünftig. Das Entscheidungsgremium des ESM ist der so genannte Gouverneursrat, in dem die Euro-Finanzminister sitzen bzw. deren Vertreter. So gesehen ist er genauso stark oder schwach demokratisch legitimiert wie der EU-Rat selbst.

Mit freundlichen Grüßen
Hermann Neumüller

Hermann Neumüller

stv. Ressortleiter Wirtschaft

Oberösterreichische Nachrichten

0043 (0) 732 – 7805 – 420

h.neumueller@nachrichten.at

  1. Juli 2012

Sehr geehrter Herr Neumüller,

vielen Dank für Ihre Antwort. Weit von der Überzeugung alles genau zu wissen entfernt, meine ich denn doch, dass „Wirtschaft“ relativ leicht zu verstehen ist. Die sukzessive gesetzlich ermöglichte Pervertierung jedoch, deren Auswirkungen wir mit diversen Krisennamen belegen, ist tatsächlich nicht mehr durchschaubar. Dennoch macht es Sinn, die krampfhaften Bemühungen der Politik, mathematische Gesetze widerlegen zu wollen, im systemischen Kontext zu betrachten und in Relation zum angestrebten Ziel des Wirtschaftens zu setzen. Dadurch erklärt sich auch bereits die Uneinigkeit der „Experten“, weil Uneinigkeit über das anzustrebende Ziel besteht. Geht es um die Mehrung von (gesellschaftlichen) Werten, oder um die Mehrung von Geldwerten? An der Gleichsetzung, die in der Aufbauphase einer Wirtschaft noch zulässig erscheint auch in Sättigungsphasen festzuhalten, bringt zwangsläufig eine fatale Entwicklung mit sich, wenn der Fokus auf das eindeutiger zu definierende Ziel „Mehrung von Geld“ gerichtet ist (Zahlen lassen sich im Gegensatz zu Werten unendlich vergrößern. In unserem System müssen die Geldwerte (=Schulden) sogar unaufhörlich anwachsen, unabhängig davon, ob die Wertemehrung damit Schritt halten kann, oder nicht, oder Werte sogar zerstört werden). Es wäre aber viel zu einfach gedacht, über diese Grundsatzfragen das übliche Links/Rechts Radar drüber zu legen. Auch die Statistik trägt nicht zur Klärung bei (172 gegen ESM, 100 dafür und – wie ich hörte – 1 „Experte“, der sowohl dafür, wie auch dagegen ist).

Nun hat Geld bekanntlich sehr viel mit der Machtfrage zu tun. Liest man den ESM Vertrag genau, dann ist darin unschwer die Gründung einer nicht kontrollierbaren Institution mit allumfassender Macht zu erkennen. Ausschließlich mit Rechten ausgestattet, denen vage, wenig verpflichtende Willensbekundungen gegenüberstehen. Man muss nicht viel von „Wirtschaft“ verstehen, um darin das Bemühen zu erkennen, ein vorhersehbar scheiterndes System doch noch einige Zeit aufrecht zu erhalten. Systembewahrung aus Angst vor Machtverlust und auf Kosten der breiten europäischen Bevölkerungsschichten.

Es mag (noch) übertrieben erscheinen, doch ein mit der Macht der Geldgesetzgestalter ausgefochtener Krieg gegen die Bevölkerungen ist bereits voll in Gang. Die Politik, die derzeit zwischen den Fronten steht, sollte sich langsam zu einer klaren Positionierung durchringen, anstatt ihrerseits aus Angst vor Verlust auch der ihr noch verbliebenen Macht die Gesellschaften zu spalten. Höchste Skepsis und konstruktive Kritik scheinen mir dazu bessere Entscheidungshilfen zu sein, als das Nachbeten der betörenden Argumentationen der Geldmacht.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Günther Hoppenberger

P.S: Im Vergleich mit einer entzündlichen Erkrankung stellt sich die spürbare Krise als das Fieber dar, das wir durch immer höhere Dosen fiebersenkender Mittel zu kontrollieren trachten. An die Ursachen der Entzündung heranzugehen scheint nicht in Betracht gezogen zu werden, weil wir daran gewöhnt wurden, dass Entzündungen eben immer wieder vorkommen. Die Frage, ob das denn tatsächlich so sein muss, liegt außerhalb unseres gängigen Paradigmas.

7.7.2012; OÖN, „Neuland“, H. Neumüller

Neuland ?

Gemäß den Lehrbüchern der Ökonomie dürfen Krisen bei modellentsprechendem Verhalten der Massen (gnadenlose Konkurrenz, unermessliche Gier, endlose Bedürfnisse,…) ja gar nicht eintreten. „Also schloss er messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf“ (Wilhelm Busch). Wenn nun Lebenssituationen eintreten, die von einer davon profitierenden Minderheit als Krise dargestellt, von der Mehrheit der Bevölkerungen jedoch als unerträglich empfunden werden, kann das nur auf menschliches Fehlverhalten (Sehnsucht nach Frieden, Hinterfragung des Sinngehalts unseres Tuns, Bereitschaft zu Kooperation und Änderung des Wertekatalogs,….) zurückzuführen sein. Anders ausgedrückt: Wenn das systemnotwendige, anerzogene Macht-, Neid- und Imitationsverhalten breitester Bevölkerungsschichten plötzlich in einer Art neuen Aufklärung in a) Verweigerung ungerechtfertigter Prestigeverleihung, b) Selbstbegrenzung der eigenen Bedürfniserfüllung aufgrund von aufkommenden Sättigungsgefühlen und c) in ein wertungsfreies Anerkennen eines „Anders“ umschwenkt, muss das von den Ökonomen so großartig ausgeklügelte System zwangsläufig scheitern. Die Frage muss also lauten: Welche Art von Gesellschaft wollen wir anstreben, um der menschlichen Entwicklung überhaupt Entfaltungsmöglichkeiten zu gestatten? Erst nach Beantwortung dieser Frage und nach Erstellung eines neuen Wertekatalogs, sollten die Ökonomen mit der Suche nach einem geeigneten, machtneutralen Informationssystem (Geld), das die Verwirklichung dieser neuen Werte optimal zu unterstützen vermag, beauftragt werden.

Die Diskussion über „die Renditen der Euroländer“ (im Kasten: „Anleihezinsen der Problemstaaten steigen wieder“) folgt hingegen den Fragestellungen des versagenden Systems und dokumentiert in unüberbietbarem Zynismus die Notwendigkeit eines Systemwechsels. Nicht Merkel führt (nicht nur) die Deutschen in den Abgrund, es ist das Konstrukt des Geldsystems, das nach wertvollem Beitrag zu deren Entwicklung, die Auflösung demokratischer Gesellschaften erzwingt, weil die Modellannahmen niemals auf Nachhaltigkeit ausgerichtet waren. Nach nunmehr rund 60 Jahren wurde lediglich ein Mal mehr bewiesen, dass das Kapital über die Menschen zu triumphieren vermag, dass zunächst durchaus „Dienendes“ zum allumfassend „Herrschenden“ mutieren kann.

Der ESM, der das versagende System mit aller Gewalt noch ein Weilchen am Leben erhalten soll, wird jedenfalls dereinst als das größte Verbrechen an der europäischen Gesellschaftsentwicklung des angehenden 21. Jhts. in die Annalen eingehen.

Dr. Günther Hoppenberger

23.6.2012; OÖN, „Was wird denn jetzt aus unserem Geld? (Gerald Mandlbauer)

Wenn es doch bloß „unser Geld“ wäre….!

Weil Politik viel mehr auf Machterhalt ausgerichtet ist, als auf die Interessen der Bevölkerungen, kann man durchaus klare Vorhersagen über die Zukunft des EURO treffen, ohne sich selbst zu belügen:

Da Vernunft bekanntlich keine politische Kategorie ist, wird man auch weiterhin an dem niemals auf Nachhaltigkeit angelegten Geldsystem mit aller Gewalt festhalten, selbst unter Inkaufnahme des eigenen Untergangs (auch die VIP-Klasse im Flieger stürzt mit all den anderen Passagieren ab). Man wird weiterhin mit neuen Schulden, alte Schulden zu tilgen trachten (siehe das angekündigte „Wachstumspaket“ von 150 Mrd.) und damit den Eindruck erwecken, mathematische Gesetze aushebeln zu können. Man wird zuletzt erfolgreich versuchen, die Schulden in Inflation zu „ertränken“ und man wird weiterhin die öffentliche Diskussion über andere Möglichkeiten, wie z.B. Vollgeld und Monetative, oder über dienendes, fließendes Geld aus Angst vor Machtverlust unterbinden. Man wird weiterhin der Aufrechterhaltung einer versagenden Geldordnung den Vorzug geben, gegenüber der Aufrechterhaltung von Wohlstand und Lebensqualität. Deshalb darf angenommen werden, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zwar der EURO, oder eine auf demselben Prinzip beruhende und daher ebenfalls periodisch scheiternde Währung anderen Namens erhalten bleiben, allerdings um den Preis zutiefst erodierter Gesellschaftsstrukturen und gänzlich verlorener europäischer Werte.

Nicht der Name der Währung ist wichtig, sondern ihr Beitrag zur Gesellschaftsentwicklung!

Fazit: Wer heute immer noch an die Schuldentilgungsmöglichkeit durch Wachstum glaubt, der belügt sich und betrügt die anderen.

Dr. Günther Hoppenberger

4030 Linz

17.6.2012; profil Nr.25, „Sparen heißt nicht Kaputtsparen“, Peter Lingens

„Zum Beispiel Schweden…“

Die Gesamtverschuldung Schwedens (Staat+Haushalte+Industrie) ist als logische Konsequenz des Systems dennoch gestiegen! Es hat also keineswegs eine Korrektur in Richtung eines nachhaltigen Finanzsystems stattgefunden. Es ist ja keine Frage, dass mit Reduktion der Pensionen, Erhöhung der Sozialabgaben und Erhöhung der Spitzensteuern die Staatsverschuldung reduziert werden kann, die Schulden sind deshalb jedoch nicht weg, sondern nur verlagert – oder es geht mit dem gewohnten Lebensstandard bergab, was man eben auch als Kaputtsparen bezeichnen kann.

Mit besten Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

16.6.2012; profil, „Lasst Banken endlich sterben“, P.M. Lingens (11.6.2012)

Sehr geehrter Herr Lingens,

es ehrt Sie, dass Sie sich eine gewisse Blauäugigkeit bewahren konnten. Das Problem ist aber doch, dass wir gesamtgesellschaftlich vernünftige Veränderungen gerade von jenen erwarten, deren Einkommen und Status – wenngleich auch nur vermeintlich – davon abhängen, dass es naheliegende vernünftige Veränderungen nicht gibt. Dass bei Flugzeugabstürzen auch die Passagiere der 1. Klasse draufgehen, wird von diesen bis zum letzten Atemzug angezweifelt.

Eine Empfehlung, sollten Sie am 17. Mai die Sendung auf ORF III versäumt haben:

http://www.youtube.com/watch?v=WTW49tr-mNE&feature=related

wie auch die Phönix-Sendung von bereits vergangenem Oktober:

http://www.youtube.com/watch?v=Cv-ZvEmsZLk&feature=related

Mit besten Grüßen, Ihr

Dr. Günther Hoppenberger

15.6.2012; Standard, Weichenstellung, Hans Rauscher

Weichenstellung – aber wohin?

Bei aller Bereitschaft, gegen die Tendenzen von FPÖ und BZÖ aufzutreten, überrascht es sehr, wie Hans Rauscher die Mitwirkung der Grünen an der Zerstörung demokratischer Instrumente würdigt. Die Zustimmung zum ESM, einer außerparlamentarischen Institution mit eigener, unkontrollierbarer und unklagbarer Rechtspersönlichkeit wird dereinst bestimmt als das größte politische Verbrechen des angehenden 21. Jhts. in den Annalen aufscheinen. Die notwendige Ermächtigung durch den Nationalrat darf getrost als wenig verhüllendes Feigenblatt betrachtet werden, das jeweils dem TINA-Prinzip (There is no alternative) folgen wird. Mit dem ESM ist nun tatsächlich die einstmals so großartige Europaidee endgültig gescheitert. Schade!

Dr. Günther Hoppenberger

3.6.2012; profil, Lingens, Griechisch funktioniert nicht

Sehr geehrter Herr Lingens,

welches Geld möchten Sie lieber gleich behalten? Der Clou ist doch, dass dieses Geld gar nicht existiert. Es müsste erst durch weitere Verschuldung geschaffen werden, um dann damit die Forderungen auf Geld erfüllen zu können. Es müsste also aus Einsicht über die Unmöglichkeit der Schuldentilgung auf die Forderungen verzichtet werden! Da diese Forderungen jedoch in den Büchern stehen und wie Geld betrachtet werden, schlägt sich dann hier auch der Verlust nieder. Vereinfacht gesagt: Die Schulden (nicht nur) der Griechen sind unser Geld – das wir nur behalten können, solange wir daran glauben, dass die Griechen ihre Schulden begleichen. Andernfalls müssten wir uns neues Geld (im jetzigen, absurden System) durch neue Verschuldung schaffen. Es ist g’hupft wie g’sprungen.

Mit lieben Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

21.5.2012; OÖN, Eine Anleihe bei Österreichs Geschichte, G.Mandlbauer

Geld neu denken

Es besteht gar keine Währungskrise, sondern wir befinden uns in einer veritablen Geldsystem-Krise (die vorhersehbar durch die strikte Beibehaltung des Systemfehlers auftreten musste). Das ist ein gewaltiger Unterschied! Der Völkerbundkredit diente bekanntlich der Ermöglichung von Reparationszahlungen und war daher so uneigennützig nicht. Vergleichbar wäre also eine entsprechende Kreditgewährung an Griechenland nach dessen Staatsbankrott und nach der Verflüchtigung der gegen Griechenland gerichteten Forderungen.

Dass unser Geldsystem widersinnig und für ausgereifte, arbeitsteilige, hoch differenzierte Wirtschaftsräume untauglich ist, sollte langsam auch dem letzten Hinterbänkler unserer Politdarsteller dämmern. Es kann nicht mehr um Sparen (Pest) oder Wachstum (Cholera) gehen. Die Frage muss heute doch lauten: Welches Informationssystem (Geldsystem) benötigen wir, das den heutigen Anforderungen einer globalen Wirtschaft mit dem Anspruch auf ausgewogene gesellschaftliche Entwicklung in Wohlstand und sozialem Frieden gerecht wird? Wir werden „Geld“ neu denken müssen!

Dr. Günther Hoppenberger

14.5.2012; profil Nr.20, Peter M. Lingens, „Die Wachstumsillusion“

Vom Tennisnarren der Siebziger zum Verteilungsnarren des 21.Jhts.?

Sehr geehrter Herr Lingens,

die Perfidie der perfekt konstruierten Schuldenfalle liegt doch gerade darin, dass sukzessive akkumulierte Geldschulden weder durch Sparen, noch durch Wachstum zum Verschwinden gebracht werden können. Ein gleichbleibendes Volkseinkommen, das nur sozial halbwegs verträglich aufgeteilt werden müsste, lässt unser Geldsystem nicht zu! Andererseits ist Wachstum eine Geldgröße, die in ihrem Kern eigentlich Schuldenwachstum bedeutet. Geldschulden können volkswirtschaftlich immer nur weitergereicht werden – so lange sich jemand die Schulden umhängen lässt. In Ermangelung anderer Abnehmer reicht Griechenland gerade seine Schulden an den Rest der Eurozone weiter. So ist das System. Dass es widersinnig und für ausgereifte, arbeitsteilige, hoch differenzierte Wirtschaftsräume untauglich ist, sollte langsam auch dem letzten Hinterbänkler unserer Politdarsteller dämmern.

Es kann nicht mehr um Sparen (Pest) oder Wachstum (Cholera) gehen. Die Frage muss heute doch lauten: Welches Informationssystem (Geldsystem) benötigen wir, das den heutigen Anforderungen einer globalen Wirtschaft mit dem Anspruch auf ausgewogene gesellschaftliche Entwicklung in Wohlstand und sozialem Frieden gerecht wird? Wir werden „Geld“ neu denken müssen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

21.4.2012; OÖN, Mandlbauer

Ein Anfang vom Ende der Gratis-Epoche?

Journalismus, der nichts kostet, wäre nichts wert, meint Mag. Mandlbauer in seinem o.e. Leitartikel. Wenn sich jedoch die Qualität einer Information nach dem Einkommen des Schreibers bestimmt, muss wohl dessen Unabhängigkeit stark in Zweifel gezogen werden. Gewiss sollte für Journalisten – so wie auch für alle BürgerInnen – eine finanzielle Unabhängigkeit bestehen, um eine sinnvolle Aufgabe mit Hingabe (= qualitativ hochwertig) erfüllen zu können. Guter Journalismus wird dann besonders mit der Befriedigung in der Aufgabenerfüllung entlohnt. „….die politikferneren Bevölkerungsschichten lesen jene Blätter, die Politik nur noch als ein Zerrbild beschreiben“ wegen der Leistbarkeit! Die möglichst weite Verbreitung gut recherchierter Kommentare und ausgewogener Meinungen muss daher im Vordergrund stehen und nicht wohlgefällige Information für vermeintlich elitäre Lesergruppen von meist Gleichgesinnten. Gerade wenn der Zugang zu Information ökonomisch beschränkt bleibt, ist diese nichts wert, weil sie keine Wirkung erzielen kann. Gleichermaßen, wie die größten technischen Erfindungen und Erkenntnisse wertlos sind, wenn deren Nutzung durch Patentschutz verhindert wird. Nicht zu vergessen, dass gerade die höchsten Werte gesellschaftlichen Lebens keinen Preis kennen! Dass das Internet eine große Herausforderung für Autoren darstellt, steht jedoch außer Frage, zumal ich davon ausgehe, dass man schreibt, damit es gelesen wird.

Dr. Günther Hoppenberger

15.4.2012; Laura Rudas, Finanzkrise mutiert zu Wirtschaftskrise

Sehr geehrte Frau Magister Rudas,

es überrascht immer wieder, dass auch die Sozialdemokratie die gefährliche Entwicklung, die sich quer durch Europa in zunehmender Verelendung der Gesellschaftsstrukturen manifestiert, so standhaft negiert. Der Verteilungsfrage, für die sich die SPÖ – oftmals nur mit unrealistischen Forderungen – einsetzt, muss doch zunächst ein geordneter Systemwechsel vorangehen, der den Staaten wieder Handlungsfreiheit und die Hoheit über das Geld zurück bringt. Selbst mit höheren Steuern, mit denen das System vielleicht etwas gerechter werden könnte, sind die Schulden nicht zu tilgen; und Wachstum ohne weiterer Verschuldung gibt es auch nicht. Es ist für mich undenkbar, dass von der Politik mittlerweile nicht erkannt wurde, dass die dilettantischen „Rettungsversuche“ für das Finanzsystem geradewegs in ein Desaster führen müssen. Dieses Kernthema europäischer Politik aufzugreifen, sollte doch eigentlich der Sozialdemokratie zukommen. SPÖ und die anderen etablierten Parteien mögen ihre Gründe haben, der katastrophalen Entwicklung in tatenlosem Erstaunen zuzusehen und sich auf eher unwesentlichen Randthemen „Wahlschlachten“ zu liefern, doch selbst diese Gründe, so es sie gibt, wären durchaus von allgemeinem Interesse, zumal es doch darum gehen sollte, die Bevölkerung wieder für die Teilnahme an politischen Entscheidungen zu stimulieren.

Was spricht also dagegen, die Mechanismen der Geldschöpfung zu diskutieren? (Hierin liegt doch die Wurzel des höchsten Atouts, das die wohlmeinendsten Konzepte für gedeihliches Zusammenleben und alle Träume von einer „besseren Welt“ regelmäßig zunichte macht).

Was sollen Konferenzen über Wirtschaftsethik und verantwortungsvolles Unternehmertum, wenn das System nach Schuldenwachstum und Konkurrenz bis hin zu Krieg verlangt?

Was spricht dagegen, dass sich die SPÖ für das Konzept Monetative und Vollgeld (Joseph Huber/Irving Fisher) stark macht?

Was spricht dagegen, das Konzept der Teilparlamente für eine verfeinerte Demokratie, nach Johannes Heinrichs, in das Parteiprogramm aufzunehmen?

Was spricht dagegen, Steueroasen und offshore-Zentren lautstark zu thematisieren?

Sprechen wir doch offen über „die Märkte“, über Macht und Abhängigkeiten. Nennen wir die Dinge, wie auch Organisationen und Personen beim Namen, die den politischen Bemühungen um eine ausgewogene Gesellschaftsentfaltung entgegenstehen.

Was spricht dagegen, die momentane Ohnmacht der Politik einzugestehen und durch diesen ehrlichen Schritt die Bevölkerung auf die Seite der Politik zu ziehen? Ehrliche Politik braucht die Unterstützung der Bevölkerung, oder wir landen notwendigerweise in einer Diktatur.

Die Antworten von Ihnen, als großer Hoffnungsträgerin der SPÖ, würden mich brennend interessieren. 2002/2003 hatte ich die Ehre, am so genannten Wirtschaftsarbeitskreis bei Häupl mitzuwirken. Es wurden damals alle Punkte erörtert, die die jetzige Finanz- und kommende Wirtschaftskrise vorhersehbar machten. Passiert ist jedoch nichts.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

10.4.2012; Standard,OÖN,Presse,Krone, „Fekters Ausgabenbremse für Länder“

Fekters Einmaleins

Was soll man von Politikern und Staatenlenkern halten, die ein auf Schuldenwachstum basierendes System durch Ausgabenbremsen, Schuldenbremsen und durch den aus organisierten demokratiefeindlichen Beschlüssen zustande kommenden ESM („Schutzmechanismus“) zu retten vermeinen? Die Bevölkerungen werden immer tiefer in die unverschuldete Ausweglosigkeit getrieben; alles nur, um ein versagendes System unter oktroyierter Selbstaufgabe auf dem Sterbebett zu begleiten. Die Politik gibt sich heute gar nicht mehr den Anschein, sich von der organisierten Kriminalität zu unterscheiden. Sie ist es. Auf Rechtstaatlichkeit und auf die Lebensansprüche der Bevölkerungen wird längst schon gepfiffen. Unsere Erkenntnis resistente Finanzministerin könnte genauso gut ein Gesetz durchdrücken, das als Ergebnis aus 2 mal 2 die 3 festschreibt. Schon bald ist alles Makulatur – und niemand wird geahnt haben können, dass eine Ausgabenbremse gleichzeitig eine Einnahmenbremse ist. Ohne grundlegende Systemänderung wird es wohl keine menschengerechte Lösung geben, die uns vor der heranziehende Wirtschaftskrise retten könnte.

Dr. Günther Hoppenberger

6.4.2012; Standard, Conrad Seidl, „Zeit für einen Wandel“

Der Wandel fand bereits statt!

Ergänzend zur Überschrift seines Kommentars, „Zeit für einen Wandel“, bringt Conrad Seidl die gesamte Tragik unseres politischen Systems, das unter der Bezeichnung „Demokratie“ verstanden werden soll, trefflich zum Ausdruck: „In der Wahl 2013 kann nur bestehen, wer für anständig gehalten wird“. Es geht nicht mehr darum, ob jemand anständig ist, sondern ob er für anständig gehalten wird. Gleichermaßen werden ja auch nicht die besten Köpfe in politische Funktionen gewählt, sondern jene, die sich im Wahlkampf am besten darstellen lassen. Bestes Beispiel: Schaumschläger Grasser, der uns als Traumbild aller potentieller Schwiegermütter verklickert wurde. Leider bedarf es eben unterschiedlicher Fähigkeiten, in eine Funktion gewählt zu werden, oder diese auch verantwortungsbewusst auszufüllen, weshalb wir uns über die Persönlichkeitsstrukturen von Politikern und Führungskräften nicht zu wundern brauchen.

Dr. Günther Hoppenberger

4.4.2012; Standard, Lukas Sustala, EZB und die Suche nach dem Plan B

Mario Draghi (EZB) sucht nach dem Plan B?

Dem Manne kann geholfen werden! Der Plan B findet sich bereits seit längerem bei der „Wissensmanufaktur“ unter www.wissensmanufaktur.net Die heillosen Versuche, durch immer höhere Verschuldung Schulden tilgen zu wollen, werden ja wohl kaum zum Erfolg führen.

Dr. Günther Hoppenberger

2.4.2012

Von Herrn Chaloupka

An das Bürgerbüro des EU-Abgeordneten Martin Ehrenhauser

hier werden total falsche zusammenhänge verbreitet! das sind ammenmärchen der bankindustrie.

zu 04 – Gastkommentar: Abbau von Schulden = Abbau von Guthaben

der autor liegt falsch. bei rückzahlung der schulden werden guthaben NICHT vernichtet. die bank schöpft Geld aus dem nichts (bilanzverlängerung) und behalt die Rückzahlungen als guthaben. so einfach geht’s. so kurz und schmerzlos ist das geldsystem.

mfg chaloupka

Sehr geehrter Herr Chaloupka,

vom Bürgerbüro des EU-Abgeordneten, Martin Ehrenhauser, wurde ich ersucht, auf Ihren Einwand zu antworten und ich komme dem hiermit gerne nach:

Nun bemerken Sie ja völlig richtig, dass der Großteil unseres Geldes mittlerweile Bankengeld ist, das unter bestimmten Voraussetzungen aus dem Nichts geschöpft wird. Als so genanntes Buchgeld, das zwar kein offizielles Zahlungsmittel ist, weil es nur eine Forderung auf Geld darstellt, jedoch als solches von jedermann als Zahlung akzeptiert wird. Bei dieser Art von Geldschöpfung passiert nichts anderes als eine Bilanzverlängerung bei Kreditvergabe, wie Sie richtig sagten.

Nun ist aber wohl unbestritten, dass auf der Aktivseite der Bankbilanz eine Forderung gegen den Kreditnehmer besteht, der auf der Passivseite die Forderung auf Geld seitens des Kreditnehmers gegenüber steht, oder gemäß dem 1. volkswirtschaftlichen Hauptsatz nach Erhard Glötzl: Schulden und Guthaben sind in einem geschlossenen Wirtschaftsraum – und die Erde ist ein solcher – immer gleich hoch.

Die Tilgung einer Geldschuld kann daher immer nur in Umkehrung der Erzeugung der Schuld erfolgen, d.h. in einer Bilanzverkürzung. Die Bank kann daher keine Rückzahlungen als Guthaben behalten, sondern es verringert sich ihre Aktivseite der Bilanz, wie sich ja auch in gleichem Maße die gegen sie gerichtete Forderung auf Geld verringert.

Ein Schuldenabbau kann ausschließlich durch Abbau der Guthaben erfolgen, weshalb die hahnebüchenen Versuche Schulden zu tilgen und gleichzeitig Guthaben zu bewahren, zum Scheitern verurteilt sind. Es stimmt schon so, wie es im Gastkommentar geschrieben stand: Geld entsteht durch Kredit und wird bei Kredittilgung wieder vernichtet. Das ist buchhalterische Notwendigkeit. Ihr Einwand würde ja bedeuten, dass die Kreditforderung trotz Rückzahlung bestehen bliebe. Nicht zu vergessen, dass sämtliche Rückzahlungen selbst aus einer Kreditschuld resultieren. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie die Banken gedanklich zu einer Einheitsbank zusammen fassen, dann gibt es nur das Bankensystem und es kann nicht von irgendwoher etwas zufließen. Womit sonst sollten Geldschulden getilgt werden, wenn nicht durch Auflösung von Guthaben?

In der Hoffnung, Ihren Irrtum verständlich aufgeklärt zu haben, verbleibe ich

mit lieben Grüßen,

Günther Hoppenberger

31.3.2012; OÖN, Mandlbauer, „Zurück zu Gulden, Taler und Schilling?“

Sehr geehrter Herr Mag. Mandlbauer,

in Ihrem Leitartikel vom 31.3.2012, „Zurück zu Gulden, Taler und Schilling?“ resümieren Sie schlüssig, „die wichtigste philosophische Frage der kommenden Jahre wird demnach folgende sein: Wie schaffen wir die Abkehr vom Leben auf Pump?“

Nun ist diese Frage doch keineswegs philosophisch zu sehen, sondern eher ein aus der Not entwickelter neuer Denkansatz, von dem man neue Antworten erhoffen darf. Eine naheliegende Antwort muss logischerweise lauten: Geld darf nicht mehr als Schuld entstehen! Es muss also eine Diskussion über die Funktionsweise des heutigen Geldsystems geführt werden und über die Möglichkeiten zu einer friedlichen Systemänderung. Wie eine Währung benannt wird, ist völlig einerlei, so lange alle Währungen auf derselben Gesetzmäßigkeit ihrer Entstehung beruhen.

Ganz so wichtig scheint aber die von Ihnen gestellte Frage doch nicht zu sein, denn am vergangenen Samstag, 31.3., fand im Salzburger Kongresshaus eine von rund 700 Teilnehmern besuchte Veranstaltung unter dem Titel „Die Logik des Geldes“ statt, auf der genau diese Frage von hochkarätigen Vortragenden behandelt wurde. Eine Präsenz von Medienvertretern war zumindest für mich nicht zu bemerken, wie es auch weder davor Hinweise auf den Kongress, noch einen anschließenden Bericht, oder zumindest eine Randnotiz darüber gab. Ein analoger Kongress wird übrigens am 9. Juni in der Arena Leipzig stattfinden („Neues Geld, neue Welt“). Vielleicht führt Sie ja die Antwortsuche zu der von Ihnen gestellten Frage dorthin. Es würde mich sehr freuen.

Tja, mein „ceterum censeo“ kennen Sie ja bereits: Ein Staat darf sich nicht verschulden müssen!

Mit besten Grüßen, Ihr

Dr. Günther Hoppenberger

29.3.2012; OÖN, Dietmar Mascher, „Verkäufersteuer“

Immobilienertragssteuer

Immobilien werden dadurch nicht nur noch immobiler, sondern vor allem teurer. So gerecht eine Wertzuwachssteuer erscheinen mag, weil sich der Wertzuwachs meist besonders durch steuerfinanzierte Infrastrukturmaßnahmen der Kommunen ergibt, so sehr bleibt abzuwarten, wie die laufenden Eigeninvestitionen zur Werterhaltung Berücksichtigung finden werden. Da Steuern grundsätzlich kalkulatorische Größen sind, wird diese Steuer, wie alle anderen Steuern auch, vom Konsumenten (Eigentümer und Mieter) getragen werden. Blöd wird’s dann, und es wird blöd, wenn der Markt die höheren Preise nicht mehr hergibt. Werden dann Veräußerungsverluste gegengerechnet werden können?

Dr. Günther Hoppenberger

26.3.2012; Profil, Peter Lingens, „Von der Korruption zum Faschismus“

Von der Korruption zum Faschismus

Danke für diesen großartigen Kommentar! Ihre Gattin hat leider völlig Recht. Die Entwicklung ist höchst beunruhigend. Mit den diversen „Rettungsschirmen“ und „Sparpaketen“ nehmen die europäischen Regierungen das Aufflammen des neuen Faschismus leider billigend in Kauf.

Mit besten Grüßen,

Dr. Günther Hoppenberger

26.3.2012; Profil, Herbert Lackner, „Horn und Korn“

Vernachlässigbare Bevölkerungsgruppe?

470.000 Arbeitskräfte werden unserer Landwirtschaft zugerechnet. Nur mehr rund 5,5% der Bevölkerung! Was mir in Herbert Lackners Buchkommentar („Im Kampf um ihre Rechte“) fehlte, war der über allem stehende Hinweis, der gar nicht oft genug in unser Bewusstsein gebracht werden kann, dass wir nämlich alle von genau diesen 5,5% leben. Weder vom Handel, noch von der Industrie oder von Dienstleistungen leben wir, sondern einzig und allein von der Landwirtschaft!

Dr. Günther Hoppenberger

21.3.2012; Standard, OÖN, Krone, Anstandsregeln für Politiker

Verhaltenskodex

Nicht nur die ÖVP benötigt eine Auffrischung der Verhaltensregeln für verantwortungsbewusste, gemeinnützig tätige Politiker. Die lange schon verloren gegangene Haltung der Nachkriegspolitiker muss allen Funktionsträgern in Politik und Wirtschaft wieder einmal in Erinnerung gerufen werden. Die zunehmende Häufigkeit, mit der die Defizite in den Persönlichkeitsstrukturen unserer vermeintlichen Eliten in Erscheinung treten, verdeckt dabei leider die Untadeligkeit vieler ehrenwerter Politiker – die gibt es nämlich auch! Geht es denn nicht eigentlich um die Bewusstmachung der zeitgemäßen Aufgabenstellungen für Volksvertreter? Es scheint hoch an der Zeit zu sein, einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen der Bevölkerung und den von dieser für politische – wohlgemerkt: gemeinnützige – Tätigkeit abgestellten Bürger, aufzusetzen. Wahrscheinlich würde sich daraus sogar eine neue Verfassung entwickeln müssen.

Im Anhang habe ich ein paar grundlegende, wenngleich sehr allgemein gehaltene Eckpunkte zusammengestellt, zu denen sich jeder redliche Politiker bekennen müsste. Was aber wäre von Volksvertretern und Wirtschaftsführern zu halten, die ihre Unterschrift verweigern würden?

Erst mit Anerkennung dieser als „Bekenntnisse“ formulierten Willenserklärung, kann eine ehrliche, um Gesellschaftsentwicklung bemühte Handlungsausrichtung in Angriff genommen werden. Derzeit bezahlen die Normalbürger Unsummen für ein unwürdiges Politspektakel, ohne dass auch nur ansatzweise eine Bedachtnahme auf gesamtgesellschaftliche Anforderungen erkennbar wäre.

Mit besten Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

Hintergrund und Veranlassung                                                         vom 28.2.2012

Wir befinden uns heute wieder einmal in einer Systemkrise, die wir, ohne am System selbst rütteln zu wollen, zu überwinden trachten. Das kann und wird nicht klappen. Dass es nicht leicht fällt, einen Systemfehler einzugestehen, ist verständlich. Es rechtfertigt jedoch keineswegs, erreichten und auch weiterhin möglichen Wohlstand der Bevölkerungen für die Aufrechterhaltung eines versagenden Systems zu opfern. Nicht zu vergessen, dass derzeit die Krise ja keineswegs gelöst wird und auch nicht gelöst werden kann. Sie wird jedoch dazu missbraucht, tief greifende Machtansprüche durchzusetzen.

In dem Bestreben, Erreichtes zu bewahren und stetig weiter zu entwickeln, ergeben sich aus heutiger Sicht grundsätzlich neue Forderungen an ein gesellschaftliches Informationssystem – und nichts anderes sollte Geld sein. Die sich logisch ergebenden Forderungen setzen aber zwingend einige Änderungen der Grundhaltungen gegenüber menschlichem Zusammenleben voraus, die von der Politik durch klare Bekenntnisse zum Ausdruck gebracht werden müssen. Fehlen diese nämlich, dann werden all die wissenschaftlich argumentierbaren Forderungen zur Entwicklung lebenswerteren globalen Zusammenlebens scheitern.

Von den Vertretern zeitgemäßer Politik einzufordernde Bekenntnisse

Präambel

 

Wir, die Unterzeichner, haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass die seit 1945 so positiv sich entfaltende Gesellschaftsentwicklung seit mehr als zwei Jahrzehnten ins Stocken geraten ist. Die Ursachen dafür haben wir mittlerweile im ursprünglich Segen stiftenden Geldsystem erkannt, weil dieses gar nicht darauf ausgerichtet ist, auch eine ausgereifte Volkswirtschaft langfristig weiter zu tragen. Der von uns nicht als solcher erkannte Systemfehler hat in den letzten Jahren unser Denken und Handeln in gesellschaftlich abträglicher Weise bestimmt, weil wir unser Hauptaugenmerk stets auf die Perpetuierung des bis dato augenscheinlichen Erfolgsmodells gerichtet haben, ohne uns allzu intensiv mit langfristigen Auswirkungen und Alternativen zu beschäftigen. Wir ersuchen unsere Bevölkerungen um Nachsicht und Verständnis dafür, dass wir in den vergangenen Jahren aus einer gewissen Verblendung heraus, immer nur Reparaturen an Verdorbenem vorgenommen, die Situation stetig verschlimmert und die Notwendigkeit zu einem Systemwechsel nicht wahrgenommen haben. Wir müssen eingestehen, dass wir dadurch sehr viel Zeit verloren haben.

Wir, die Unterzeichner, anerkennen und ersuchen auch alle anzuerkennen, dass es immerhin über eine historisch einzigartig lange Zeit gelungen ist, Kriege innerhalb Europas fernzuhalten. Wir sehen daher auch weiterhin in der Entwicklung der EU in Richtung demokratischer Union ein wesentliches Ziel unserer Tätigkeit.

Wir sind jedoch der Meinung, dass es an der Zeit ist, neue, zeitgemäße Weichenstellungen für ein globales, friedliches, ehrliches Miteinander in gegenseitiger Achtung und Anerkennung vorzunehmen. Wir haben daher beschlossen, nachstehendes Bekenntnis verbindlich abzugeben, um für die nötigen Reformen die Grundlagen im Denken und Handeln zu liefern.

Unser neues Bekenntnis:

Wir, die Unterzeichner,

  • betrachten Leben in jeder Form als wünschenswert und betrachten es als Wert an sich
  • sind Teil der Bevölkerung und genießen deshalb dieselben Rechte und Pflichten, wie alle anderen Staatsbürger auch
  • setzen uns für die Ermöglichung eines ausgewogenen, harmonischen Beziehungsverhaltens ein, das durch konstruktive Kooperation und gegenseitige Achtung innerhalb und zwischen den Gesellschaften getragen wird
  • respektieren die unterschiedlichen Zeitqualitäten in der Entwicklung nationaler Gesellschaftsstrukturen und gehen nicht zwingend davon aus, dass unsere Gesellschaftsform die beste aller möglichen ist
  • wollen eine langfristig ausgerichtete Entwicklung ermöglichen, unter Bewahrung, aber dennoch auch regelmäßiger Hinterfragung bestehender dinglicher, religiöser und geistiger Werte, insbesondere auch in deren regionalen Ausprägungen und kulturellen Ansprüchen
  • verstehen uns als Beauftragte der Gesamtbevölkerung
  • sind uns unserer Leit- und Vorbildfunktion bewusst, die wir als Diener unserer Bevölkerungen auszuüben haben
  • sind Dienstnehmer unserer Bevölkerung und stehen auf der Gehaltsliste des gemeinnützigen Unternehmens „Gesellschaft“
  • sind uns bewusst, dass wir in unserer gemeinnützigen Tätigkeit mit fremdem Geld arbeiten; es ist für uns deshalb selbstverständlich, dass es keine Ausgaben ohne korrekten Beleg geben kann
  • sind mit der jährlichen Prüfung unserer Abrechnungen durch wechselnde Prüfer nicht nur einverstanden, sondern selbst sehr daran interessiert, weil es dabei ja auch um unsere alljährliche Entlastung geht; den Prüfern wird regelmäßige öffentliche Berichterstattung zugestanden
  • werden uns von einer durch die Bevölkerung beauftragten Umsetzung gesellschaftspolitisch als vernünftig erkannter Ziele auch nicht mit der Begründung abhalten lassen, dass alle anderen Länder sich anders entscheiden; wir stehen für die vorurteils- und bewertungslose Anerkennung eines „Anders“; wir sind uns bewusst, dass Vernunft und aufrechte Haltung unmittelbar auch unangenehme Konsequenzen haben können
  • sehen eine konkrete Werteverwirklichung im Sinne z. B. Viktor Frankls als vorrangig an, gegenüber Entscheidungskriterien nach fiktiven Geldwerten und nebulosen Amortisationsverpflichtungen
  • mussten die traurige Erfahrung machen, dass sich persönliche Entgleisungen in unseren Reihen häufen, die strafrechtlich meist zwar kaum relevant, dafür jedoch moralisch verwerflich sind. Dies legt den Schluss nahe, dass an unseren Gesetzen etwas nicht stimmen kann. Wir setzen uns daher für die zeitnotwendige Überarbeitung der Gesetzestexte dahingehend ein, dass sich in diesen das Gerechtigkeitsempfinden, Anstand und Anerkennung der Lebensansprüche Aller widerspiegeln
  • sind der Überzeugung, dass Geld ein optimales Informationsmedium zur gesellschaftlichen Entwicklung ist, zumal wenn es systemisch dahingehend dienstbar konstruiert ist
  • sind der Meinung, dass Geld zur Abbildung des zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Leistungsverhaltens dienen soll und keinen Eigenwert besitzen darf
  • treten für Regelungen ein, durch die sowohl Geldhortung wie auch Zielsetzungen zur reinen Geldmehrung unattraktiv werden
  • treten dafür ein, Geldmehrung ohne Wertemehrung zu unterbinden
  • sind uns bewusst, dass man im durchwegs sinnvollen Monetarismus Geld zum würdevollen Überleben benötigt, weshalb dieses jedem Staatsbürger, unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit und allein aufgrund seiner Existenz, in solchem Ausmaß zukommen muss, dass eine landesübliche Teilnahme am gesellschaftlichen Leben mit Würde möglich ist; anderenfalls landen wir bei der Diskussion über wertes und unwertes Leben
  • sind der Ansicht, dass in Zeiten hoher Automatisierung der Leistungsbegriff neu definiert werden muss; als gesellschaftliche Leistung erachten wir gerade auch das, was sich eben nicht durch Zahlen ausdrücken lässt
  • anerkennen deshalb als Leistung auch jeden der Fürsorge von Kindern und Alten, wie auch jeden der eigenen Daseinserhaltung dienenden Konsum; auch er dient der Aufrechterhaltung hoher Produktivität und damit der Wohlstandsmehrung der Gesamtgesellschaft

12.3.2012; Standard, ÖVP-Wirtschaftsbund gegen zu strenges Anfütterungsverbot

Leitls dilettantische Grätsche

Der rührselige alte und wieder neue Präsident des ÖVP-Wirtschaftsbundes, Christoph Leitl, bejammert die Steuerlast der „oberen“ zehn Prozent der Bevölkerung, die rund die Hälfte des Lohnsteueraufkommens zu tragen hätten. Abgesehen davon, dass die restlichen 90% gerne in der Situation wären, adäquate Steuern bezahlen zu können, vergisst er, dass sämtliche Steuern und Sozialabgaben, die ja kalkulatorische Größen sind, immer von den Konsumenten getragen werden. Das sei natürlich auch den Politikern und Beamten einmal klar zu machen, dass sie mitnichten höhere Pensionsbeiträge leisten und deshalb auch Anspruch auf höhere Pensionen hätten. Als Dienstnehmer der Bevölkerung werden alle ihre Kosten von den Konsumenten aufgebracht – zu Lasten deren eigener Kaufkraft und Pensionen.

Bei Leitls Forderung, Bund, Länder und Gemeinden mögen jeweils fünf Prozent ihrer Ausgaben reduzieren, bleibt mit Spannung abzuwarten, wie er seiner Klientel diese Umsatzeinbuße schmackhaft verkaufen möchte. Dass natürlich Schulden nur abgebaut werden können, wenn die entsprechenden Guthaben aufgelöst werden, scheint nicht so ganz in sein Weltbild zu passen, weshalb er, zusammen mit Spindelegger, in Vermögenssteuern nicht den eigentlichen Kern eines wirkungsvollen Sparpakets zu erkennen vermag.

Dr. Günther Hoppenberger

1.3.2012; OÖN, Neumüller, EZB riskiert neue Spekulationsblase

Geldreform?

Mutig wird im heutigen Kommentar von Herrn Neumüller ein wesentlicher Konstruktionsfehler unseres Geldsystems angesprochen: Die Geldschöpfung. Nun, ganz so unbedenklich ist die von ihm vorgeschlagene staatliche Geldschöpfung nicht, aber es ginge in die richtige Richtung. Es würde mich daher sehr freuen, von Herrn Neumüller als schreibendem Unterstützer von Monetative und Vollgeld gemäß dem ausgearbeiteten Vorschlag von Joseph Huber (Uni. Halle) zu hören. Geld ist kein Ding, sondern soll Information sein! Es scheint mir höchste Zeit zu sein, unser Geld neu zu denken!

Ceterum censeo: Ein Staat darf sich erst gar nicht verschulden müssen!

Dr. Günther Hoppenberger

25.2.2012; Standard; Schwerpunktthema: Gerechtigkeit

Große Hochachtung für die Aufarbeitung zum Thema: Gerechtigkeit!

Unter anderem erfährt man auch, dass bei einer Telefonumfrage (n=408) 92% zustimmen, dass sie unter Gerechtigkeit verstehen, „wenn die, die mehr leisten, auch mehr verdienen“. Nun ist jedoch der Leistungsbegriff äußerst unklar, obwohl er uns offensichtlich sehr bedeutsam erscheint. Ich gestatte mir daher anzuregen, gelegentlich „Leistung“ zu einem tagesbegleitenden Schwerpunktthema zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther Hoppenberger

17.2.2012; Standard, Andreas Schibany, Wider die Borniertheit der

Wachstumskritiker

Missverstandenes Wachstum

Herrn Schibany ist sicherlich geläufig, dass Wachstum eine Geldgröße ist, die zur Aufrechterhaltung des nunmehr wohl in der Endphase befindlichen Geldsystems erforderlich ist. Wachstum bedeutet bekanntlich Schuldenwachstum. Umso erstaunlicher erscheint die flapsige Vermengung von Wachstum und Innovation. Die wahre Wertsteigerung für eine Gesellschaft liegt im intelligenten Wachstum: Einsparungen des Ressourcenverbrauchs, Steigerung der Haltbarkeit, Vereinfachte Wartung, Senkung des Arbeitsaufwands, Steigerung der Produktivität und damit Kostensenkung. Da dadurch das BIP trotz zweifelsfreier Wohlstandsmehrung sogar sinken würde, ist das jene Art von Wachstum, mit der anscheinend Volks- und Wirtschaftswissenschafter nichts anzufangen wissen. Wie es scheint, geht’s gar nicht um die Ausbreitung von Wohlstand, sondern es geht ums Geld; ausgerechnet um die am leichtesten zu reproduzierende Ressource im Wirtschaftsgeschehen.

Dr. Günther Hoppenberger

15.2.2012; OÖN, Mascher, „Sparen und wachsen……“ (Analyse)

In der heutigen „Analyse“ wird einmal mehr eine gefährlich schlichte Hausfrauen-Ökonomie verbreitet, die nach Richtigstellungen schreit. Ähnlich unserer Finanzministerin, klammert sich Dietmar Mascher an das „Wachstum“. Dass Wachstum eine Geldgröße ist und daher in einem Kreditgeldsystem primär Verschuldung bedeutet, wird in Zeiten der Sparpakete diskret übergangen. Auch dass Wachstum ohne Ressourcenverbrauch unmöglich ist, scheint nicht verstanden zu werden, weshalb auch nicht eingesehen werden kann, dass es ewiges Wachstum nicht gibt. Es sollte auch einleuchten, dass nicht alle Forschungszentren an der wie auch immer zu definierenden Weltspitze liegen können. Dazu müsste man das Wissen untereinander teilen und es sich nicht gegenseitig vorenthalten. Maschers eigenwilliges Eigentumsverständnis an Geldvermögen rundet diese entbehrliche Analyse ab und ich möchte dem ein Zitat des Dalai Lama entgegenhalten: „Glück, ohne Bedachtnahme auf das Glück der anderen, ist undenkbar“. Da Schulden und Guthaben stets gleich hoch sind, können Geldschulden immer nur durch Auflösung von Guthaben (=Forderungen auf Geld) getilgt werden. Dass das Zusammenleben der Menschen besser sein könnte als es ist und dass die Welt so ist, wie sie ist, liegt nicht an den Menschen, sondern am Konstrukt unseres Geldsystems, das absurdes, fremd- und selbstschädigendes Verhalten erpresst. Es wäre höchste Zeit zum Aufwachen!

Dr. Günther Hoppenberger

2.2.2012; Standard, Wasserentkeimung, David Krutzler/Martin Wesian

Martin Wesian – Bitte vor den Vorhang!

Auf der „Umwelt“-Seite des Standard vom 2.2. berichtet David Krutzler von der Investorensuche für ein cleveres Gerät zur kontrollierten Entkeimung und Reinigung von Wasser. Es ist dem Erfinder, Martin Wesian, hoch anzurechnen, dass er einem herbeigesehnten potentiellen Investor eine Abfuhr erteilte, der die Bedingung stellte, das Gerät dürfe statt 5 nur max. 2 Jahre halten. Leider wurde der Name dieses „Investors“ nicht bekannt gegeben. Es sind aber genau solche Investoren, die an den Pranger gestellt gehören. Sie sind es, die statt Schaffung von Werten die Akkumulierung von Schuldentilgungsmittel als einziges Ziel vor Augen haben und sich keinen Deut um gesamtgesellschaftliche Entwicklungen kümmern. Eigentlich gehört dieser Beitrag in den Wirtschaftsteil!

Dr. Günther Hoppenberger

2.2.2012; Nikolaus Jilch; Presse, Die Empörung der Empörten

Herrn Jilch ist beizupflichten: Wir haben keinen freien Markt, ebenso, wie wir keine Demokratie haben. Unser System, in dem wir leben, ist eine Spielart von Demokratie und eine als Marktwirtschaft bezeichnete, hoch dirigistische Wirtschaftsform. Hätten wir jedoch tatsächlich einen „freien Markt“ würde dieser gerade durch das kapitalistische System, das durch die Regeln der Geldentstehung und In-Umlauf-Bringung zu definieren ist, binnen kürzester Zeit zu einer privaten Planwirtschaft mit Monopolstrukturen mutieren. Es ist genau dieser hoffnungslose Kampf der Politik gegen solche Entwicklungen, der derzeit abläuft. Ich wäre mir da nicht so sicher, ob die dann von – bei aller Wertschätzung – z.B. Mateschitz, Bill Gates u.ä. aufgezwungene Lebensweise so erstrebenswert ist. Vor allem auch, ob sich damit ein Gesellschaftsbild entwickeln ließe.

So, oder so. „Der Markt“ ist nur die Abbildung der gesellschaftlichen Interaktion. Entscheidend ist die Zielsetzung. Mehrung von Werten, also gesellschaftliche Entwicklung im weitesten Sinne, oder Mehrung von Schuldentilgungsmitteln unter Verwehrung der Tilgungsmöglichkeit für die Schuldner.

24.1.2012; profil. Edith Meinhart

Unterstützung für Ahnungslosigkeit

Volkswirt Beat Weber, der sich von Frau Meinhart für deren entbehrlichen Artikel benützen ließ, offenbart bestürzende Unkenntnis über unser Geldsystem. Er glaubt doch tatsächlich in einer Tauschwirtschaft mit Geld als Tauschmittel zu leben. Das ist naiv, wenngleich Volkswirte ja noch nie ein Problem beim Geld erkannt haben. Die Geldentstehung auf eine Wertschöpfung zurückzuführen, ohne zu erkennen, dass Wertschöpfung nur durch zusätzliche Verschuldung des Systems zustandekommen kann, ist gleichermaßen falsch, wie die Vorstellung der Geldmehrung durch mehrmaligen Umlauf. Ich hoffe für Herrn Weber, dass die unter seinem Namen vorgebrachten Aussagen letztendlich aus Frau Meinharts Feder kamen, die bei der Geldthematik ja wirklich noch ganz in den Anfängen stecken dürfte.

Angst vor Neuem?

Nicht Links, noch Rechts, weder religiöses Bekenntnis, noch Schwarz, Grün, Rot, Blau oder Gelb können für anstehende Probleme ausschlaggebend sein. Was zählt, ist die Sache! Worum es Edith Meinhart in ihrem Artikel geht, ist eigentlich unverständlich. Geschickt weicht sie jeder Einsicht auf der Sachebene aus und versucht persönlichen Erkenntnismöglichkeiten durch Polemik zu entgehen und versucht sogar die Mathematik ins rechte Eck zu drücken und das kleine Einmaleins als Spinnerei abzukanzeln. Ihre Ängste müssen schwerwiegend sein. Bin gerne bereit, mit Frau Meinhart darüber zu reden.
P.S: Der im Artikel erwähnte Herr Kraussner heißt übrigens Klaussner.

24.1.2012; presse, Michael Amon, Gastkommentar „gegen“ Felber

Das Rätsel um Amons Menschen- und Weltbild

Michael Amons Befindlichkeit im Zustand der „resignativen Reife“ kommt in seinem heutigen Gastkommentar voll und ganz zum Ausdruck. So sehr ich ihm beipflichte, dass man gehörige Skepsis gegenüber vorgeblichen Patentlösungen aufbringen sollte, die ja meistens mit „man müsste/sollte nur…….“ eingeleitet werden, berufen sich Amons vage Gegenargumente zu Felbers visionärem Diskussionsvorschlag „Gemeinwohlökonomie“ auf historische Erfahrungen. Diese Argumentationslinie schließt Lernfähigkeit und Wachbewusstsein der Menschen ex ante aus und versucht uns in Amons Weltbild zu zwingen und in Resignation erlahmen zu lassen.

Erstaunlich für Amon ist dessen krasse Fehlinterpretation, dass Felber „….von einem ebenso schlichten, rein ökonomischen Menschenbild aus(-geht), wie der von ihm zu Recht bekämpfte Neoliberalismus“. Das zentrale Element in Felbers Gemeinwohlökonomie ist doch gerade die Kooperation zur gemeinsamen Schaffung gesellschaftlicher Werte, die weit über ökonomische Betrachtungen hinausgehen. Es geht ihm um das Aufbrechen des systemisch erzwungenen Wettbewerbsverhaltens, das den neoliberalen Ansprüchen zugrunde liegt.

Vielleicht ist Felbers Vorschlag ja wirklich noch zu visionär, diskussionswürdig ist er allemal, wie auch alle anderen Konzepte, die sich um eine Befreiung der Menschheit von den absurden, anachronistischen Zwängen der bestehenden Spielregeln des Geldes bemühen. Kommentare, wie jener Michael Amons, erschweren eine sachliche Diskussion, weil sie den Eindruck vermitteln, es wäre alles in Ordnung und „man müsste nur“ da und dort ein Schräubchen drehen. Mit zunehmender Zerfledderung der „Rettungsschirme“ wird Amon vielleicht doch noch zur Einsicht gelangen, dass unser System einer grundlegenden Reform bedarf. Welches System dann auch immer kommen mag, so hoffe ich doch sehr, dass es aus redlichem Bemühen und im Vertrauen auf die Menschen als soziale Wesen konzipiert wird.

Dr. Günther Hoppenberger

19.1.2012, Standard;Rauscher,(18.1.) „Rote Schuldensucht, schwarze Sparneurose“

Sehr geehrter Herr Rauscher,

Ihr bemühtes Eintreten für den ausgewogenen Mix zwischen Sparen und Schulden für „echte“ Investitionen in allen Ehren, das hilft unserem System jedoch keineswegs. Die Gesamtverschuldung (Staat+Haushalte+Unternehmen), die ja viel höher als die Staatsverschuldung ist und in etwa bei 1 Bio. liegt, müsste dennoch anwachsen. Kreisky hatte – wahrscheinlich instinktiv – Recht, dass man Staatsschulden vor sich herschiebt. So lange man noch Länder, oder auch Private findet, an die man die Schulden weiterreichen kann, geht ja auch alles gut – ohne dass dadurch die Schulden verschwinden würden. Es hat sie dann nur wer anderer. Tilgbar sind die Schulden nicht, denn da hätten wir auch kein Geld mehr. Es ist auch klar, dass die Zinsen immer nur durch Neuverschuldung aufgebracht werden können. Anders geht es im Schuldgeld getriebenen Monetarismus gar nicht. Das ist doch der Kern der Schuldenfalle und steckt im Konstrukt der Geldentstehung drinnen. Dass da eine Exponentialfunktion drinnen steckt, die ihre systemzerstörerische Wirkung mit zunehmender Intensität seit den achtziger Jahren zu zeigen begann, sollte doch auch bereits bekannt sein.

Sie schreiben von den Institutionen, die uns Geld leihen, es wird jedoch niemals gefragt, welches Geld das eigentlich sein soll, das uns diese Institutionen leihen. Wenn es nicht zu einem generellen Umdenken und Anpassung des Gelderzeugungssystems an die Notwendigkeiten moderner Industriestaaten kommt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis selbst Deutschland in griechischen Zuständen versinkt. Wir kämen noch vorher dran; gleich nach den Niederlanden.

Im modernen Monetarismus ist Geld doch nur mehr ein virtuelles Informationsmedium für das gesellschaftliche Leistungsverhalten, wobei die Leistung in der Werteschaffung und nicht in der Schaffung und Mehrung des Informationsmediums zu suchen ist. Geld ist die heute am leichtesten zu reproduzierende Ressource im Wirtschaftsgeschehen, wenn man darauf verzichtet, es als Machtmittel einsetzen zu wollen. Genau darum scheint es jedoch hinter dem Rücken der Bevölkerungen im derzeit ablaufenden Finanzkrieg zu gehen. Trotz aller internationalen Organisationen und Zusammenkünften auf globaler politischer Ebene, scheint die imperialistische Grundhaltung der Machthaber nicht durch gegenseitiges Vertrauen ersetzbar zu sein. Bevölkerungen, der „kleine Mann“, sind da schon viel weiter, sind jedoch immer die Leidtragenden, die Bauernopfer der Macht.

Die physische und mentale Verkrüppelung der Menschen zur Aufrechterhaltung eines versagenden Systems, hat noch allemal zum Untergang der Kulturen geführt. Was auch immer jetzt im politischen Gespräch ist, oder getan wird, ist eine morbide Retusche an Verdorbenem. Möglicherweise ist es für eine geordnete Systemänderung sogar schon zu spät. Es befriedigt mich nicht, mich auf den Standpunkt zurückzuziehen, dass es mich nicht mehr betreffen wird.

Mit besten Grüßen, Ihr

Dr. Günther Hoppenberger

19.1.2012; Presse, Urschitz, „Schwäbische Hausfrau“-Konsulentin für Finanzkrise?

Eine naiv blauäugige „Bilanz“

Als Wirtschaftsjournalist gehört schon eine ordentliche Portion Mut dazu, sich zur Lösung der globalen Verschuldung der Denkweise einer „schwäbischen Hausfrau“ zu bedienen. Diese beispielhafte Person zeichnet sich bekanntlich durch Fleiß und Sparsamkeit aus. Sie glaubt auch fest und unerschütterlich daran, dass Geld durch ihren Fleiß entsteht und irgendwie von einer nicht näher erfassbaren Obrigkeit ausgehend, schlussendlich in ihrem Schoß landet und nun weise verwendet, bzw. möglichst gespart werden müsse. Die durchaus kluge Hausfrau denkt völlig zu recht betriebswirtschaftlich, hat noch nie über die tatsächliche Entstehungsweise des Geldes nachgedacht und so etwas wie eine Exponentialfunktion ist ihr fremd. Genau wie Urschitz, kann die schwäbische Hausfrau daher nicht verstehen, dass es der Staat ihr nicht gleichtun könne. Sie kann nicht verstehen, dass die Schulden unser Geld sind und dass es bei – ohnehin völlig unmöglicher – Schuldentilgung kein Geld mehr gäbe. Urschitz und die schwäbische Hausfrau können auch nicht verstehen, dass die Staatsverschuldungen nur den kleineren Teil der Gesamtverschuldung eines Staates ausmachen und dass diese Gesamtverschuldung (Staat, Haushalte, Unternehmen) unabhängig von den Sparbemühungen des einen oder anderen Sektors weiter wachsen müssen. Die beiden können auch nicht verstehen, dass Schulden immer nur weitergereicht werden können und dass in einer globalisierten Welt die Schulden der Staaten gleich den Guthaben der Privaten sind. Sie können auch nicht verstehen, dass Geldschulden nur durch Auflösung von Guthaben getilgt werden können und dass Schuldentilgung unter Erhalt der Guthaben (=Forderung auf Geld) ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Im Unterschied zu Urschitz würde die schwäbische Hausfrau jedoch die Unterstellung, über ihre Verhältnisse gelebt zu haben, entrüstet zurückweisen und das völlig zu recht. Wahrscheinlich könnte man ihr leichter als Urschitz klar machen, dass es bei unserem Geld um die globalen Machtfragen geht. Dass das Konstrukt der Geldentstehung eigentlich widmungswidrig gegen die Gesellschaftsentwicklung gerichtet ist. Zumindest mittlerweile. Sie könnte sicherlich auch verstehen, denn die schwäbische Hausfrau ist eine sehr kluge Frau, dass es in einer ausgereiften Volkswirtschaft anderer Geldmechanismen bedarf, als in einer Aufbauphase nach einem Krieg. Sie würde auch verstehen, dass es bei den Spielregeln des Geldes nicht um Links oder Rechts geht, sondern ausschließlich um die Dienstbarmachung des Geldes für eine gedeihliche gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Sie würde sogar nachvollziehen können, dass Geld heute ein virtuelles Informationsmedium für das gesellschaftliche Leistungsverhalten ist, wobei die Leistung in der Werteschaffung und nicht in der Schaffung und Mehrung dieses

Informationsmediums zu suchen ist. Man könnte und sollte es ihr erklären und sie würde es nicht nur verstehen, sondern sich vehement für einen Systemwechsel einsetzen und dennoch weiterhin fleißig und sparsam sein. Leider fließt in den der schwäbischen Hausfrau zur Verfügung stehenden Print- und Fernsehmedien die nötige Information nicht ein und so wird sie sich auch weiterhin bei den Kaffeekränzchen für die Sparsamkeit des Staates stark machen und sich durch die Medien bestärkt fühlen.

Sparsamkeit hat schon etwas für sich, besonders aber, wenn sie sich auf den Ressourcenverbrauch bezieht. In einem Schuldgeldsystem sollte man Sparsamkeit an Geld jedoch zu Ende denken.

Dr. Günther Hoppenberger

14.1.2012; Standard

„Die Märkte verlangen…“?

Seit heute hat auch für die Standard-Leser das bislang nur als geheimnisumwittertes System dargestellte internationale Bankenkartell, das uns als „die Märkte“ zu verstehen gelehrt wurde, ein Gesicht bekommen: Charles Dallara, Chef des internationalen Bankenverbandes (IIF). Ein ziemlich blasser und augenscheinlich von anthropozentrischem Gedankengut unbelasteter Zahlenmensch, der dem 1983 von 35 Großbanken gegründeten IIF seit 1993 vorsteht und soeben mit der bemerkenswerten Äußerung, er möchte noch über die Sinnhaftigkeit eines Forderungsverzichts nachdenken, aufhorchen ließ. Es ist also offensichtlich der IIF, dem es durch intensives Lobbying gelang, die Gesetze derart gestalten zu lassen, dass die Politik dem erpresserischen Druck des IIF völlig ausgeliefert ist. Es gibt sie also, die Ansprechadresse, die man wegen Bildung einer kriminellen, staatsschädigenden Organisation zur Verantwortung ziehen könnte. In Österreich wäre da am ehesten der §278a (StGB), der gegen die Tierschützer bemüht wurde, anzuwenden.

Dr. Günther Hoppenberger

  1. Jänner 2012; Standard, S.2 („Wissen“) EZB als Staatsfinancier

Vernunft und Recht

Unter „Wissen“ erfahren wir ein weiteres Detail zur Finanzmisere: „Aus rechtlichen Gründen darf die EZB die Anleihen nicht direkt dem Staat abkaufen, sie kauft daher am Markt, also bei Banken, Papiere auf.“ Irgendwie klingt da doch ein resignatives Bedauern durch, in der Art von: „Da kann man nichts machen, auch wenn es unvernünftig ist“. Wer aber ist denn für solche Gesetze wider die Vernunft und mit abträglicher Wirkung für eine gesellschaftliche Entwicklung verantwortlich? Dieser Frage nachzugehen sollte eigentlich als journalistische Herausforderung aufgegriffen werden.

Ceterum censeo: Ein Staat darf sich nicht verschulden müssen!

Dr. Günther Hoppenberger

  1. Jänner 2012   Standard; Johannes Ditz, Geld zusammenkratzen reicht nicht

Mehreinnahmen ohne Belastung?

Das klingt, wie von Johannes Dietz nicht anders zu erwarten, nach einer über Parteiinteressen hinausgehenden vernunftgeleiteten Steuerreform. Da Vernunft jedoch keine politische Kategorie ist, werden seine Betrachtungen leider unberücksichtigt bleiben. Der zu den abgebildeten Geldbündeln mitgelieferte Bildtext: „Wie kommt der Staat zu seinem Geld?“ wirft allerdings die interessante Frage auf, ob wir es überhaupt noch mit staatlichem Geld zu tun haben. So lange es „Anlegern“ und „Märkten“ gesetzlich gestattet ist, den Eigentumsanspruch auf das ihnen eigentlich nur als Informationsmittel im wirtschaftlichen Austausch leihweise zur Verfügung gestellte Medium „Geld“ durchsetzen zu können, wird das für gesellschaftliche Aufgaben in der Wirtschaft dringend benötigte Vehikel auch weiterhin zur Erpressung der Staaten (das sind die Bevölkerungsmehrheiten!) verwendet werden. Wie lange noch, darf sich ein Staat diese Entwicklungsblockaden durch eine verschwindende Minderheit gefallen lassen?

Ceterum censeo: Ein Staat darf sich nicht verschulden müssen!

Dr. Günther Hoppenberger

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